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Nachwuchsforscherin entwickelt Verfahren zur energetischen Nutzung von Pferdemist

Montag 25. Februar 2013 von birdfish



In Hamburg an der TU ist es einer Nachwuchswissenschaftlerin mit großem Erfolg gelungen, online Geld für ihre Forschung einzuwerben.

Saskia OldenburgSaskia Oldenburg warb Geld für Pferdemist-Forschung selbst ein.
Foto: TUHH

Saskia Oldenburg erhielt über eine Plattform 14.650 Euro an Spenden für die Entwicklung eines Verfahrens zur energetischen Nutzung von Pferdemist, knapp die Hälfte mehr als avisiert. Die studierte Energie-und Umweltingenieurin gehört in Deutschland zu den ersten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, die mit dieser noch – ungewöhnlichen Methode, dem so genannten Crowdfunding, Forschungsprojekte finanzieren.

„Mein Ziel war, das Interesse der breiten Bevölkerung an umweltfreundlicher Forschung mit allgemeinverständlichen Erklärungen, witzigen Worten und Bildern zu wecken“, sagt die Doktorandin über ihre erfolgreiche PR-Aktion in eigener Sache. Ihr Erfolg zeigt, dass dies funktioniert. 15 Stunden vor Ablauf der Frist, die am 20. November 2012 begann und am 21. Februar 2013 um Mitternacht endet, lag die Zahl ihrer Unterstützer, die täglich größer wurde, bei 109. Auch auf Facebook und Twitter hat die 28-Jährige für ihr Projekt geworben, in dem man bereits mit 5 Euro zum exklusiven Kreis ihrer Kapitalgeber zählt. Zur Projektrealisierung tragen überwiegend Privatpersonen bei, die bis zu 1000 Euro spendeten, aber auch Firmen wie die BioConstruct GmbH, die Industrieberatung Umwelt GmbH & Co. KG, my green invest GmbH sowie die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH sind unter den Geldgebern.

Den Prototypen einer Aufbereitungsanlage für Pferdemist will Saskia Oldenburg bereits Ende des Jahres am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft gebaut haben. Damit werden Pferdeäpfel zunächst von Stroh, Sand, Hufeisen und anderen Stoffen getrennt. Grundsätzlich wird die Anlage auch für die Verwendung anderer, bisher nicht nutzbarer Substrate in umweltfreundliche Energie genutzt werden können. Das Konzept dafür – Gegenstand einer Masterarbeit von Florian Haberland – liegt vor, auch die langwierige Anmeldung zum Patent hat die umtriebige Ingenieurin bereits in die Wege geleitet.

Ihre Spender wird Saskia Oldenburg künftig über die wichtigsten Schritte dieser ingenieurwissenschaftlichen Entwicklung auf dem Laufenden halten und Ende des Jahres sogar zu einer Besichtigung in das Labor anlässlich der Inbetriebnahme des Prototypen einladen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss sich die Doktorandin neue Finanz-Partner für die Weiterentwicklung der Prototypen in den industriellen Maßstab suchen. Dieses Mal will sie den klassischen Weg gehen und sich mit einem Antrag gezielt an einen interessierten Geldgeber aus der Industrie wenden. Die Weichen dafür hat sie bereits gestellt.

Für Oldenburgs Doktormutter, Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta, hat allgemein das Crowdfunding, und die vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft geförderte Methode der speziell für kleinere Forschungsprojekte gedachten Vorfinanzierung, für die es sich kaum lohnt, einen aufwändigen Forschungsantrag zu erstellen, noch eine ganz andere Seite: „Mit dem Pferdemist-Projekt wollen wir erstmals die Möglichkeiten von social media zur demokratischen Förderung und Verbreitung von Forschungsvorhaben testen.“ Saskia Oldenburg freut sich jedenfalls sehr über den Erfolg: „Zweifelsohne war es ein Wagnis, im Internet die Abstimmung über die Zukunft eines Forschungsvorhabens stattfinden zu lassen. Gleichwohl zeigt das jetzige Ergebnis, was den Menschen wirklich wichtig ist.“

Mit der Anlage wäre eine Lösung für die Entsorgung der seit Jahren ansteigenden Masse an Pferdemist gefunden, ein bislang kaum beachtetes energetisches Potenzial. Auch die Reiter würden profitieren, denn sie werden für die Lagerung des Pferdemists inzwischen kräftig zur Kasse gebeten. Den Betreibern der etwa 7.100 Biogasanlagen in Deutschland stünde mit aufbereitetem Pferdemist ein neues Substrat zur Verfügung, das verlässlich und zudem kostengünstig die Produktion gewährleisten könnte. Ökologen dürfte überzeugen, dass damit Treibhausgase vermieden, der Anbau von Energiepflanzen für Biogasanlagen reduziert werden kann und im Endeffekt fossile Energieträger eingespart werden können.

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