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Wirtschaft vor Umwelt: EU-Importstopp für Teersandöl gilt als unwahrscheinlich

Mittwoch 29. Februar 2012 von birdfish

Die EU Mitgliedstaaten haben über ein EU-weites Importverbot für Öl aus kanadischem Teersand diskutiert.

Ölsand-Abbau
Der Ölsand wird in Alberta, Kanada im Tagebau gewonnen.
- Foto: Jiri Rezac / Greenpeace

Dieses stand bereits unter schlechten Vorzeichen, denn die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag hatte sich gegen einen solchen Schritt ausgesprochen und die kanadische Regierung hatte der EU mit einem Handelsstreit gedroht.

Kanada besitzt das zweitgrößte Ölvorkommen der Welt, dieses Öl ist aber in sogenannten Teersanden gebunden. Dessen Abbau ist mit großen ökologischen Belastungen verbunden. Die Sande werden in großen Tagebauen gefördert, dafür werden ganze Wälder abgeholzt und Moore zerstört. Laut einer Studie der Universität Stanford, die die EU-Kommission in Auftrag gegeben hatte, hat Benzin aus Teersand eine um 23 Prozent schlechtere CO2-Bilanz als herkömmliche Kraftstoffe. Die EU-Kommission will mehr Klimaschutz im Verkehr und plant, den Import schmutziger Treibstoffe durch eine Verschärfung der Kraftstoffqualitätsrichtlinie einzuschränken. Bisher liegt der Anteil von Öl aus kanadischen Teersanden an den europäischen Ölimporten zwar unter einem Prozent, die Entscheidung der EU hat aber eine hohe symbolische Bedeutung.

Nachdem einflussreiche Mitgliedstaaten wie Frankreich, Großbritannien und die Niederlande sich gegen das Vorhaben der Kommission ausgesprochen hatten, hatten Umweltverbände auf eine Zustimmung Deutschlands gehofft. Zunächst hatten sich Umweltpolitiker aller Fraktionen des Bundestags für die Vorschläge der EU-Kommission ausgesprochen. Anfang Februar lehnten die Abgeordneten von CDU, CSU und FDP im Umweltausschuss einen entsprechenden Antrag von Bündnis 90/Die Grünen aber ab. Die kanadische Regierung hatte erfolgreiche Lobbyarbeit geleistet und der EU mit einem Handelsstreit gedroht.

Umweltverbände kritisierten dieses Votum scharf. “Mit dieser Entscheidung haben sich die Abgeordneten zu Botschaftern Kanadas gemacht und sich widerstandslos vor den Karren der Öl-Industrie spannen lassen. Die Bundesregierung muss endlich wieder zur deutschen Vorreiter-Rolle beim internationalen Klimaschutz zurückkehren”, sagte Viviane Raddatz vom WWF.

Die Mitgliedstaaten haben schließlich die Entscheidung über einen Importstopp vertagt, da der Vorschlag der EU-Kommission in der Sitzung des Ausschusses der Ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten (COREPER) nicht die nötige Mehrheit bekam. Umweltverbände zeigten sich enttäuscht.

Die Beratungen des COREPER über die verschärfte Kraftstoffqualitätsrichtlinie und ein mögliches Importverbot für Öl aus Teersanden blieb also ohne Ergebnis, da sich die meisten EU-Länder, darunter auch Deutschland, ihrer Stimme enthielten. Im Juni sollen nun die EU-Umweltminister über das Vorhaben abstimmen.

Während EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard mit dem Abstimmungsergebnis zufrieden war und sich optimistisch für die Ratssitzung im Juni zeigte, kritisierten Umweltverbände die Vertagung der Entscheidung. „Nach all dem Lobbying der kanadischen Regierung und der großen Ölkonzerne, haben wir die Chance verpasst, schmutzige Treibstoffressourcen aus Europa zu verbannen“, kritisierte Darek Urbaniak von Friends of the Earth Europe.

Positionen und Materialien

Greenpeace-Artikel: ‘Ölsand-Abbau setzt riesige Mengen von Treibhausgasen frei und verursacht Krebs’

Greenpeace-Artikel: ‘Ölabbau in Kanada: Großflächige Vergiftung eines ganzen Ökosystems endlich stoppen’

Studie CO2-Bilanz Benzin aus Teersand (engl. / pdf)

Stellungnahme des WWF

Report “Transatlantische Teersandschlacht” der Böll-Stiftung

Avaaz-Petition für ein Importverbot (engl.)

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EU-Studie: Flüsse erholen sich nur sehr langsam von Verseuchung mit Düngemitteln

Montag 27. Februar 2012 von birdfish

In einer neue Studie warnen WissenschafterInnen davor, dass sich die europäischen Flüsse nur langsam von der Verseuchung mit zu vielen Nitraten und Phosphaten erholen würden.

Flüsse erholen sich nur langsam
Manche Flüsse brauchen 40 Jahre, um sich von der Chemie zu erholen – Foto: Hanspeter Bolliger / Pixelio

Es würde viele Jahre dauern, bis sich die Verringerung der Dünger-Mengen auf die Qualität des Wassers in den Flüssen auswirken würde. In der deutschen Elbe würde es zumindest acht Jahre dauern, bis die Reduzierung der Nitrate und Phosphate einen Effekt hätte, in der französischen Loire sogar 14 Jahre.
Die WissenschafterInnen schätzen, dass manche Flüsse bis zu 40 Jahre brauchen würden, um sich von der „Überdosis“ an Nitraten und Phosphaten zu erholen. [DNR]

Kurzversion der Studie (engl. / PDF)

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Klimawandel und Wasserknappheit führen zu massiven Veränderungen im Mittelmeerraum

Montag 27. Februar 2012 von birdfish

Der Klimawandel und die dadurch bedingte, zunehmende Wasserverknappung für viele Regionen des Mittelmeerraumes sind bereits heute Realität.

Landwirtschaft
Böden werden zunehmend versalzen – Foto: Dagmar Struß

Dieses und andere aktuelle Forschungsergebnisse stellte der internationale Forschungs-Cluster CLIWASEC auf seiner Fachtagung in München vor.

Die vom Forschungsnetzwerk seit Anfang 2010 durchgeführten Untersuchungen lassen erkennen, dass die betroffenen Länder in Zukunft mit einer deutlichen Temperaturzunahme insbesondere der Minimum- und Nachttemperaturen in allen Jahreszeiten rechnen müssen. Außerdem ist trotz häufigerer Starkregenereignisse eine deutliche Abnahme der Niederschlagsmenge zu erwarten. Dies wird in Verbindung mit einem steigenden Meeresspiegel zu stärkeren Überschwemmungen, zunehmender Versalzung des küstennahen Grundwassers sowie fortschreitendem Verlust fruchtbarer Böden führen. Am Beispiel des besonders gefährdeten westlichen Nil-Deltas erläuterten die Wissenschaftler, wie diese massiven Veränderungen zu ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Konflikten führen können. Die Folgen eines Klimawandels, die auf die Kernsektoren der regionalen Wirtschaft im Mittelmeerraum wirken (z.B. Landwirtschaft, Energie, Tourismus), werden zudem auch in anderen, mit dem Mittelmeerraum ökonomisch und politisch vernetzten Ländern spürbar werden – unter anderem in Bayern.

Westliches Nil-Delta: Blick in die Zukunft des gesamten Mittelmeerraums

Bereits heute lassen sich die ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen des Klimawandels im Bereich des westlichen Nil-Deltas beobachten. Seit der Inbetriebnahme des Assuan-Staudamms liefert der Nil deutlich weniger Sediment in das Delta. Dadurch fehlen nicht nur wichtige Nährstoffe für die Landwirtschaft, sondern vor allem der Nachschub für die Sicherung der stark erosionsanfälligen Küstenlinie. Seit einigen Jahrzehnten steigt der Meeresspiegel messbar an. Die Förderung von Erdgas und die starke Entnahme von Grundwasser für die Trinkwasserversorgung und landwirtschaftliche Bewässerung führen gleichzeitig dazu, dass sich der Boden deutlich senkt. Beide Effekte zusammengenommen führen zu einem schnelleren Landverlust. Neben der Degradation durch Küstenerosion erzeugen diese Prozesse zusätzlich eine beschleunigte Versalzung der grundwasserleitenden Gesteinsschichten (Aquifere) im Nil-Delta und damit eine nahezu irreversible Kontamination wertvoller Wasserreserven. Messungen ägyptischer Projektpartner von der Universität Zagazig belegen, dass die Versalzung mittlerweile viele Kilometer in das Nil-Delta vorgedrungen ist.

In Verbindung mit der nach wie vor praktizierten, veralteten Bewässerungsstrategie führt dies zu einem dauerhaften Verlust ehemals fruchtbarer Böden, also wertvoller landwirtschaftlicher Anbaugebiete. Unter erheblichem Wasserbedarf soll nun versucht werden, den Verlust durch Neukultivierungen in den westlich angrenzenden Wüstenregionen zu kompensieren. Im Stadtgebiet von Alexandria bewirken die massiven Wasserentnahmen und das nachrückende Salzwasser eine Destabilisierung des Untergrundes und schädigen somit die Infrastruktur – zahlreiche Wohngebäude, Bahnlinien und Straßen sind diesem fortschreitenden Prozess bereits zum Opfer gefallen. Die Folge sind teure Sanierungsmaßnahmen und im Extremfall Umsiedlungen der Bevölkerung.

Auswertungen von Klimaprojektionsdaten für die Mitte des 21. Jahrhunderts lassen für diese Region bei insgesamt reduziertem Niederschlag eine sehr wahrscheinliche Temperaturzunahme von 1,9 bis 2,8 Grad Celsius erwarten. Dies wird dazu führen, dass durch die erhöhte Verdunstung auf den Agrarnutzflächen ein noch größeres Wasserdefizit entsteht, das nur durch vermehrte Bewässerung ausgeglichen werden kann und somit zur fortschreitenden Wasserverknappung beiträgt. Mittelfristig werden die Menschen die Art und Weise, wie sie ihre Felder bewirtschaften, an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen müssen. Ein erster Schritt dorthin muss die Entwicklung deutlich effizienterer Bewässerungsstrategien sein, aber es wird bereits heute in Ägypten über den Umbau der Landwirtschaft nachgedacht. So soll etwa der extrem wasserzehrende Anbau von Reis durch Getreidearten wie Gerste und Weizen ersetzt werden, die mit deutlich weniger Wasser auskommen.

„Aktuelle Untersuchungen gehen davon aus, dass der Meeresspiegel im 21. Jahrhundert im östlichen Mittelmeer um 50 bis 60 Zentimeter ansteigen wird“, erklärt Prof. Dr. Ralf Ludwig, Prodekan der Fakultät für Geowissenschaften an der LMU München und Koordinator des Forschungsprojekts CLIMB. „Das hätte gravierende Folgen: Allein im Nil-Delta könnten 300 Quadratkilometer Landwirtschafts- und Siedlungsfläche verloren gehen und küstennahes Grundwasser weiträumig versalzen.“ Ohne massive Anpassungsmaßnahmen könnte diese Entwicklung bis zu 1,5 Millionen Menschen allein im Großraum Alexandria zu einer Umsiedlung zwingen. CLIWASEC hat zudem ermittelt, dass die massiven zu erwartenden Veränderungen unmittelbar bis zu 200.000 Arbeitsplätze bedrohen würden.

Die Region des westlichen Nil-Deltas ist aufgrund ihrer spezifischen geografischen und geologischen Gegebenheiten besonders gefährdet, weshalb CLIWASEC hier die Auswirkungen des Klimawandels anhand einer Fallstudie untersucht. In diesem Rahmen beschäftigt sich das Projekt CLIMB primär mit den Folgen des Meeresspiegelanstiegs und der Salzwasserintrusionen für die Infrastruktur und Bodendegradation, WASSERMed analysiert die sozioökonomischen Konsequenzen einer Veränderung in der Landwirtschaft und CLICO untersucht die erforderlichen Umsiedlungen und das damit verbundene Konfliktpotential.

Konsequenzen für andere Länder und Regionen – Beispiel Bayern

Die beschriebenen Entwicklungen werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf Länder und Regionen auswirken, die nicht so stark von den Folgen des Klimawandels betroffen, aber mit den Mittelmeeranrainern ökonomisch und politisch vernetzt sind. Dazu zählt auch Bayern.

Die zu erwartenden Schwierigkeiten in der Landwirtschaft im Mittelmeerraum werden zu häufigeren Ernteausfällen bzw. zu Lieferengpässen von dortigen Waren führen. Andere Länder und Regionen wie Bayern könnten diese Ausfälle gegebenenfalls kompensieren, wenn sie ihre Landwirtschaft innerhalb vernünftiger Rahmenbedingungen frühzeitig auf die Mitversorgung der südlichen Regionen einstellen. Gleichzeitig muss die Akzeptanz gefördert werden, dass durch einen notwendigen Umbau der Landwirtschaft nicht länger alle Produkte zu jeder Jahreszeit verfügbar sein werden.

Zudem könnte die bayerische Expertise im Bereich der erneuerbaren Energien und der Umwelttechnik einen großen Beitrag zur Verbesserung der Ressourcenwirtschaft und des Umweltschutzes in den betroffenen Regionen leisten. Eine verstärkte Nutzung der Sonnenenergie zur Stromerzeugung würde die Abhängigkeit der Mittelmeeranrainer vom Erdgas verringern und somit Wasserressourcen und Böden schonen. Auch seine Kompetenz im Bereich der Trinkwasseraufbereitung könnte Bayern für beide Seiten gewinnbringend einsetzen.

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Klimawandelfolgen: Ozeanerwärmung lässt Seeelefanten bei der Jagd tiefer tauchen

Dienstag 21. Februar 2012 von birdfish

Die globale Erderwärmung wirkt sich auf das Tauchverhalten und die Nahrungssuche der Südlichen Seeelefanten aus.

Seeelefanten
Seeelefantenbullen warten am Strand auf das Ende des Haarwechsels – Foto: J. Plötz / AWI

Wie Forscher des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft in einer gemeinsamen Studie mit Biologen und Ozeanographen der Universitäten von Pretoria und Kapstadt herausfanden, tauchen die Robben tiefer, wenn sie in wärmerem Wasser nach Beute jagen.

Die Wissenschaftler erklären dieses Verhalten mit dem Abwandern der Beutefische in größere Tiefen und wollen diese These nun mithilfe eines neuen Sensors überprüfen, der die Nahrungsaufnahme der Tiere unter Wasser registriert.

Die Südlichen Seeelefanten von Marion Island, einer Insel im südwestlichen Teil des Indischen Ozeans, sind im wahrsten Sinne des Wortes Extremtaucher. Die Tiere verbringen mehr als 65 Prozent ihrer Lebenszeit in Tiefen von über 100 Metern und tauchen dabei noch deutlich tiefer als Artgenossen aus südlicheren Revieren. Die maximale Tauchtiefe dieser Robben liegt bei über 2000 Metern. Die Wassermassen aber, welche die Seeelefanten von Marion Island bei ihrer Nahrungssuche durchschwimmen, werden im Zuge des Klimawandels zunehmend wärmer und zwingen die Tiere, tiefer zu tauchen. Der Südliche Ozean erwärmt sich vor allem in den Wasserschichten bis 1000 Metern Tiefe und damit in jenen Bereichen, in denen es eigentlich Kalmare oder auch Fische geben sollte. „Diese Beutetiere aber weichen vermutlich aufgrund der steigenden Wassertemperaturen in größere Tiefe aus, was die Robben zwingt, ihnen zu folgen“, sagt Dr. Horst Bornemann vom Alfred-Wegener-Institut.

Er und sein Kollege Dr. Joachim Plötz statteten gemeinsam mit Dr. Trevor McIntyre und anderen Robbenforschern vom südafrikanischen Mammal Research Institute (MRI) im Verlauf mehrerer Jahre über 30 Seeelefanten mit Satellitensendern aus. Diese faustgroßen Geräte werden den Robben unmittelbar nach dem Haarwechsel mit Kunstharz auf die Kopfpartie geklebt und zeichnen bei jedem Tauchgang der Tiere die Tauchtiefe, die Wassertemperatur und den Salzgehalt auf. Kommt das Tier anschließend zum Atmen wieder an die Meeresoberfläche, übertragen die Messgeräte ihre Daten via Satellit an die jeweiligen Forschungsinstitute. Die Ergebnisse zeigen, dass die Seeelefanten im wärmeren Wasser tiefer tauchen müssen, weshalb ihnen am Ende weniger Zeit für die eigentliche Nahrungssuche bleibt. „Wir gehen deshalb davon aus, dass die Tiere in wärmeren Wassermassen auch weniger Beute machen“, erklärt Joachim Plötz.

Um Beweise für diese These zu sammeln, reisen die Bremerhavener Wissenschaftler im April dieses Jahres wieder nach Marion Island. Diesmal wollen sie Tiere mit einem sogenannten Kieferschlag-Sensor ausstatten. Der Sensor wurde von japanischen Biologen am National Institute of Polar Research in Tokio entwickelt. Er ist kaum größer als ein kleiner Finger und vermerkt, wann immer die Robbe ihr Maul öffnet. „Bisher können wir am Tauchprofil nur ablesen, ob ein Seeelefant vermutlich gerade einen Fischschwarm verfolgt hat. Mit diesem neuen Messgerät erfahren wir, ob er auch tatsächlich gefressen hat“, sagt Joachim Plötz.

Mithilfe dieser Fress-Daten wollen die AWI-Biologen Rückschlüsse auf die räumliche und zeitliche Verteilung besonders produktiver Zonen im Südpolarmeer ziehen. „Die Nahrung im Meer ist ungleich verteilt. Nicht überall und zu jeder Zeit lohnt es sich für die Robben zu fischen. Anhand der neuen Daten werden wir hoffentlich sehen, auf welchen Routen die Seeelefanten von Marion Island aus wandern und in welchen Wasserschichten sie auf Nahrung stoßen“, sagt Horst Bornemann.

Für dieses Forschungsziel nehmen die Wissenschaftler auch tagelange Fußmärsche über die „Insel des waagerechten Regens“ in Kauf. „Die Seeelefanten von Marion Island sind sehr standorttreu. Sie kommen sowohl zum Haarwechsel als auch zur Fortpflanzung immer wieder zu dieser Insel zurück. Dieses Verhalten eröffnet uns die Chance, stets dieselben Tiere mit Messgeräten auszustatten und so Einblick in die Bewegungsmuster einzelner Tiere zu bekommen. Ihre Wander- und Tauchrouten wiederum helfen uns herauszufinden, wo sich die ozeanischen Nahrungsgründe der Seeelefanten von Marion Island befinden“, erklärt Joachim Plötz.

Inwieweit sich die Tiere dieses ziemlich weit im Norden gelegenen Seeelefanten-Bestandes auf die Ozeanerwärmung einstellen können, bleibt abzuwarten. Die Wissenschaftler aus Deutschland und Südafrika sehen für die Tiere nur zwei Alternativen: Entweder weiten die Robben ihre Jagdreviere bis in die kälteren Wassermassen der Antarktis aus oder sie müssen künftig noch tiefer tauchen. Die Seeelefanten von Marion Island gehen bei ihren Tauchgängen schon heute bis dicht an ihr physiologisches Limit. Eine Erkenntnis, welche die Biologen zu der Einschätzung kommen lässt, dass dieses Tieftauchverhalten die Überlebensrate der Robben langfristig verringern könnte.

Originalpublikation:
Fachmagazin Marine Ecology Progress Series, Trevor McIntyre, Isabelle J. Ansorge, Horst Bornemann, Joachim Plötz, Cheryl A. Tosh, Marthan N. Bester: Elephant seal dive behavior is influenced by ocean temperature: implications for climate change impacts on an ocean predator, Mar Ecol Prog Ser, Vol. 441: 257-272, 2011, doi:10.3354/meps09380

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BfN zeigt Beispiele für einen ökologisch vorbildlichen Auen- und Hochwasserschutz

Dienstag 21. Februar 2012 von birdfish

Das letzte Rheinhochwasser ist erst ein paar Wochen her und vor fast genau einem Jahr erreichten die Wasserstände an der Elbe zum dritten Mal in neun Jahren Rekordwerte.

Auenschutz

Nach diesen Ereignissen wird immer der Ruf laut, endlich Maßnahmen für einen effizienten Auen- und Hochwasserschutz zu ergreifen.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat deshalb im Rahmen eines Forschungsvorhabens nach guten Beispielen für Projekte des naturverträglichen Hochwasserschutzes, des Auenschutzes und der ökologisch optimierten Wasserkraftnutzung suchen lassen. Die Ergebnisse werden nun in der BfN-Schriftenreihe „Naturschutz und biologische Vielfalt“ (Band 112) veröffentlicht. Für 37 Vorhaben werden die erreichten und angestrebten Erfolge ebenso dargestellt wie die Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Diese Sammlung der „Guten Beispiele“ soll Impulse für neue Projekte geben und helfen, die Synergien zwischen dem Schutz der Biodiversität in Auen und Fließgewässern und ökologischem Hochwasserschutz zu nutzen. Ebenso werden Hinweise gegeben, wie die negativen Begleiteffekte der klimafreundlichen Wasserkraft durch konkrete Anlagenverbesserungen vor Ort gemindert werden können“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.
Die Häufungen von „Jahrhunderthochwassern“ an verschiedenen Flüssen in Verbindung mit einem gesteigerten Bewusstsein für den Wert von Artenvielfalt haben die gesellschaftliche Wertschätzung von Naturschutzmaßnahmen an Flüssen gesteigert. „Die europäische Wasserrahmenrichtlinie verlangt einen guten Zustand der Fließgewässer, der auch von deren Auen abhängt. Jetzt sind die Akteure gefordert, guten Auen-, Gewässer und Hochwasserschutz aufeinander abgestimmt umzusetzen,“ erläuterte Beate Jessel.


Bezug: Auenschutz – Hochwasserschutz – Wasserkraftnutzung, Beispiele für eine ökologisch vorbildliche Praxis, Reihe: Naturschutz und Biologische Vielfalt, Band 112.

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Start neuen umfassenden Modellvergleichs zur besseren Abschätzung von Klimafolgen

Freitag 17. Februar 2012 von birdfish

Der Klimawandel hat Folgen für Wälder, Felder, Flüsse – und damit für den Menschen, der atmet, isst, trinkt.

Landwirtschaft
Foto: Dagmar Struß

Zur genaueren Abschätzung dieser Folgen startet jetzt ein umfassender Vergleich von Computersimulationen aus aller Welt. Erstmals werden dabei verschiedene betroffene Sektoren in einem gemeinsamen Rahmen betrachtet, von den Ökosystemen über die Landwirtschaft bis hin zu Wasserhaushalten und Gesundheit. Die Modelle werden von mehr als zwei Dutzend Forschungsgruppen etwa aus den USA, China, Deutschland, Österreich, Kenia und den Niederlanden bereitgestellt. Welche ihrer Ergebnisse breit abgesichert sind, wo es Ungewissheiten gibt und warum, das ermittelt jetzt ein Team von Wissenschaftlern. Koordiniert wird das Projekt vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA).

Erste Ergebnisse werden innerhalb von 12 Monaten zur Verfügung stehen, zur Vorbereitung des fünften Berichts des Weltklimarats, der 2014 fertig gestellt wird. Die Simulationen werden auf den neuesten Klimaszenarien basieren, die eine große Bandbreite möglicher Zukunftsszenarien abdecken.

„Wir wollen besser verstehen, wie sich die Klimafolgen unterscheiden bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad gegenüber der von drei Grad“, sagt  Katja Frieler von der Koordinationsgruppe des Inter-Sectoral Impact Model Intercomparison Project, kurz ISI-MIP. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich die Begrenzung auf zwei Grad als Ziel gesetzt. Der ungebremste Ausstoß von Treibhausgasen führt die Welt aber auf den Weg zu drei Grad und mehr. Der scheinbar kleine Unterschied könnte drastische Auswirkungen haben. „Diese werden von den Modellen auf der Grundlage von Beobachtungsdaten und gegenwärtigem Prozessverständnis berechnet“, so Frieler. „Wir prüfen, inwieweit die verschiedenen Modelle hier übereinstimmen, und quantifizieren die verbleibenden Unsicherheiten.“

„Das Projekt wird eine Lücke im Bericht des Weltklimarats schließen helfen“

Der globale Modellvergleich stellt dabei den Menschen in den Mittelpunkt. Wassermangel in einer Region Afrikas zum Beispiel könne den Bauern das Bewässern erschweren, schlechte Ernten könnten dann zu Mangelernährung führen und damit zu einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten, erklärt Frieler. Der Vergleich könnte helfen, mögliche regionale Brennpunkte zu identifizieren.

„Das Projekt wird eine schmerzliche Lücke im Bericht des Weltklimarats schließen helfen“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK. Bislang gab es umfassende Modellvergleiche zur Physik des Klimasystems und zur Ökonomie des Klimaschutzes sowie vereinzelt zu sektorspezifischen Klimafolgen. Dass dies nun auch für alle Klimafolgen zusammen angepackt werde, sei ein ebenso ehrgeiziges wie nötiges Vorhaben, so Schellnhuber. „Es stärkt ganz entscheidend das Fundament des 2014 anstehenden Berichts des Weltklimarats.“

Chris Field von der Carnegie Institution for Science in Stanford, Kalifornien, zeigt sich begeistert von dem Projekt. „Als Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe II begrüße ich die Initiative sehr, dieses Vorhaben auf den Weg zu bringen.“ Er wisse zu schätzen, dass die Wissenschafter sehr schnell Ergebnisse vorlegen wollen, die dann noch in den fünften Sachstandsbericht einbezogen werden können. Die Resultate, die ISI-MIP erreichen will, „werden einen echten Unterschied für den Bewertungsprozess machen.“ Die Arbeitsgruppe II des IPCC befasst sich mit den Folgen des Klimawandels.

„Die Zeit ist reif für diesen Vergleich“

Ottmar Edenhofer vom PIK, Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des IPCC, begrüßt das Projekt ausdrücklich. „Eine gute Folgenanalyse ist auch für die Bewertung von Vermeidung und Anpassung von großer Bedeutung“, sagt Edenhofer. „Sie ermöglicht uns Kosten-Nutzen-Abschätzungen, die entscheidend sind, um Entscheidungsträgern die Informationen zu geben, die sie brauchen. Deshalb befürworten wir den Vergleich von Modellen zu Klimafolgen sehr.“ Die Arbeitsgruppe III des IPCC konzentriert sich auf die Vermeidung des Klimawandels.

„Die Zeit ist reif für diesen Vergleich“, sagt Pavel Kabat, Direktor des IIASA. „Ein sektorübergreifender Ansatz mit einer ganzen Reihe von Modellen für Aussagen über Folgen des Klimawandels stand bisher nicht zur Verfügung. Das ISI-MIP Projekt ist in dieser Hinsicht eine bedeutende und positive Entwicklung. Wir haben Zugang zu hoch entwickelten Modellen, einer großen Zahl hochwertiger Daten aus vielen Sektoren und Regionen und die Dringlichkeit, eine in hohem Maße integrative Analyse unseres derzeitigen Wissens über globale Folgen des Klimawandels zu liefern. Wir sind überzeugt, dass dieses Projekt solch eine Analyse liefern kann.“

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Nordseesturmfluten können bis Ende des Jahrhunderts bis 110cm höher auflaufen

Freitag 17. Februar 2012 von birdfish

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 traf eine schwere Sturmflut auf die deutsche Nordseeküste.

Sturmflut auf Föhr
In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 hat die Sturmflut die Deiche, wie hier auf Föhr, stark angegriffen. Foto: Jann Corinth

Besonders stark betroffen war die Hansestadt Hamburg. Ganze Stadtteile standen unter Wasser und mehr als 300 Menschen kamen ums Leben. Auch nach dieser Katastrophe gab es weitere schwere Sturmfluten. Ähnliche klimatische Ereignisse können sich jederzeit wiederholen.

Wissenschaftler des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht beobachten das Sturmflutgeschehen in der Deutschen Bucht deshalb sehr genau. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird der Hochwasserschutz noch bis etwa 2030 so wirksam sein wie heute; danach muss die Situation neu bewertet werden.

Wie stark sich Sturmfluthöhen an der deutschen Nordseeküste ändern, hängt in erster Linie vom Meeresspiegelanstieg und vom Windklima in der Deutschen Bucht ab. So würde die 1962er Sturmflut heute allein aufgrund des Meeresspiegelanstiegs in den letzten 50 Jahren etwa 10 Zentimeter höher auflaufen.

Das die Sturmfluthöhen ebenfalls beeinflussende Windklima hat sich indes nicht verändert. Es unterlag im letzten Jahrhundert zwar starken Schwankungen, diese liegen jedoch im normalen Bereich. Eine Sturmsaison bringt heute weder heftigere noch häufigere Stürme in der Deutschen Bucht hervor als zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Das könnte sich nach Einschätzung von Wissenschaftlern am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht jedoch zukünftig ändern. Die Geesthachter Küstenforscher gehen von einer Änderung des Windklimas und einem weiter ansteigenden Meeresspiegel aus. Somit könnten Sturmfluten bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 30 bis 110 Zentimeter höher auflaufen als heute.

Am Geesthachter Institut für Küstenforschung werden die das Sturmflutgeschehen bestimmenden Faktoren genau analysiert. „Wir möchten wissen, wie und warum sich die Stärke und Häufigkeit von Sturmfluten in der Vergangenheit verändert hat“, erklärt Prof. Dr. Hans von Storch, Leiter des Instituts für Küstenforschung. „Wir errechnen außerdem Szenarien für die Zukunft und sprechen mit den Küstenbewohnern über ihr Risikoempfinden. So bekommen wir ein umfassendes Bild für die deutsche Nordseeküste“, so von Storch weiter.

Gerade hat eine Gruppe von Geesthachter Küstenforschern gemeinsam mit Ingenieuren von der Universität Siegen den Anstieg des Meeresspiegels in der Deutschen Bucht analysiert. Erstmals wurden alle zuverlässigen Wasserstandsmessungen ausgewertet, um zu ermitteln, wie sich der mittlere Wasserstand der Deutschen Bucht verändert hat. Demnach ist der Meeresspiegel um etwa 20 Zentimeter im letzten Jahrhundert angestiegen, in letzter Zeit höher als in den Jahren um 1960. Solche erhöhten Anstiege hat es jedoch schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gegeben. Sie sind daher nicht ungewöhnlich.

Auch wenn durch die kontinuierliche Verbesserung des Küstenschutzes heute ein hohes Schutzniveau erreicht worden ist, sehen die Bewohner Norddeutschlands Sturmfluten als großes Risiko an. Seit 2008 führt das Institut für Küstenforschung jährlich Umfragen durch und befragt Hamburger Bürger zu Klimawandel, Sturmfluten und Gefahrenwahrnehmung. Für über 80 Prozent der Hamburger sind Sturmfluten und Überschwemmungen die Naturkatastrophen mit den potentiell schwersten Folgen für Hamburg.

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Der Golfstrom wärmt sich rascher auf – Meeresströmungen reagieren nun stärker

Dienstag 14. Februar 2012 von birdfish

Der Golfstrom ist nicht nur eine der stärksten Meeresströmungen. Die mit ihm transportierte Wärme ist insbesondere für das vergleichsweise milde Klima in Europa verantwortlich.

Verankerung Geomar
Bergung einer Verankerung im Atlantik – Foto: R. Zantopp / GEOMAR.

Ein internationales Forscherteam untersuchte nun, wie sich das Verhalten dieses Stromsystems, wie auch anderer westlicher Randströme, im letzten Jahrhundert verändert hat. Dazu trugen sie eine Vielzahl von Beobachtungsdaten und Modellsimulationen zusammen und kamen zu dem Ergebnis, dass sich diese Stromsysteme zwei- bis dreimal so rasch erwärmt haben als der Rest des Ozeans. Neben der direkten Wirkung auf das Klima, ist auch die dadurch reduzierte Aufnahmefähigkeit von Kohlendioxid von besonderer Bedeutung.
Eisfreie Küsten bis in Regionen nördlich des Polarkreises, Laubwälder und Getreideanbau, wo in anderen Erdteilen auf gleichem Breitenkreis subpolare Bedingungen vorherrschen – das Klima Mittel- und Nordeuropas ist dank des Golfstroms und seiner sich weit nach Norden erstreckenden Ausläufer vom Klima her sehr begünstigt. Die warme Meeresströmung, die ihren Ursprung im Golf von Mexiko hat, transportiert bis zu 100 Mio. Kubikmeter Wasser pro Sekunde an der amerikanischen Ostküste entlang nach Norden. Dabei ist der Golfstrom nur eine von mehreren sogenannten westlichen Randströmen, die für die Umverteilung von Wärme und Feuchte zwischen den Subtropen und Polargebieten verantwortlich sind. Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat nun untersucht, inwieweit sich diese warmen Strömungen im Laufe des letzten Jahrhunderts verändert haben. Die Ergebnisse, die nun ein der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Erwärmung dieser Stromsysteme besonders stark ausfällt und mit einer leichten polwärtigen Verlagerung einhergeht. Dies kann auch Konsequenzen für die Aufnahme von Kohlendioxid im Ozean haben, die bei höheren Temperaturen geringer ausfällt.

„Wir haben insgesamt acht verschiedene globale Beobachtungsdatensätze der Temperatur angeschaut sowie Meeresströmungen mit Hilfe eines hochauflösenden Ozeanmodells unter Nutzung von Beobachtungsdaten simuliert“, erläutert Prof. Dr. Martin Visbeck, Co-Autor der Studie und Leiter der Physikalischen Ozeanographie am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR). „Mit dieser Studie konnten wir zeigen, dass alle westlichen Randstromregionen über die letzten 100 Jahre eine deutlich stärkere Erwärmung als das globale Mittel zeigen“, so Visbeck weiter. Die Gründe dafür sind nicht vollständig verstanden. „Wir dachten erst an systematische Verstärkung im Windfeld. Dies hat sich so klar nicht bestätigt nur eine leichte polare Verschiebung der Windsysteme ließ sich finden. Alles deutet auf eine Veränderung der globalen Ozeanzirkulation durch den Klimawandel hin mit expandierenden Subtropen“, meint Professor Visbeck. Um der Ursache des Befunds weiter auf die Spur zu kommen, werden zwei Dinge benötigt: weitere, lange Modellsimulationen und vor allem Langzeitbeobachtungen in den westlichen Randstromsystemen um klimabedingte Trends von natürlichen Schwankungen zu trennen. „Der Patient Ozean braucht eine Art Langzeit-EKG, denn mit sporadischen Messungen werden wir die Ursache nur sehr schwer finden. Solche Erwärmungstrends haben auch noch andere Langzeitfolgen, wie zum Beispiel eine reduzierte Aufnahme von Kohlendioxid, die wiederum die Klimaerwärmung weiter verstärkt. Hier müssen wir aufpassen, um schwerwiegende Langzeitfolgen zu vermeiden“, resümiert Visbeck.

Originalpublikation
Wu, L., W. Cai, L. Zhang, H. Nakamura, A. Timmermann, T. Joyce, M. J. McPhaden, M. Alexan-der, B. Qiu, M. Visbeck, P. Chang, and B, Giese, 2012: Enhanced warming over the global subtropical western boundary currents. Nature Climate Change, DOI: 10.1038/NCLIMATE1353

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