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Nachhaltiges Landmanagement ist wichtiges Fundament für Reduktion und Anpassung

Donnerstag 8. Dezember 2011 von birdfish

Lösungsstrategien für ein nachhaltiges Landmanagement müssen auf der regionalen Ebene erarbeitet werden, denn rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen werden durch Landnutzungseffekte verursacht.

Side Event zum nachhaltigen Landmanagement
Side Event zum nachhaltigen Landmanagement -
Foto: Andreas Werntze/UFZ

Darauf haben das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) auf der UN-Klimakonferenz in Durban hingewiesen. Beide haben am 2. Dezember 2012 ein Side Event unter dem Motto „Adapting NRM in Africa“ im Rahmen der COP17-Verhandlungen zur Klimakonvention der UNFCCC veranstaltet.

Side Events dienen dazu, beteiligte Akteure der Verhandlungen über aktuelle Ergebnisse und Entwicklungen aus Wissenschaft und Praxis zu unterrichten. Bei diesem gut besuchten Side-Event konnte die Relevanz von integrierten Analysen und die Möglichkeiten des Landmanagements für Klima, Mitigation und Adaption deutlich gemacht werden.

In der Präsentation des vom UFZ koordinierten Verbundforschungsvorhaben zur globalen Analyse und Synthese von Landmanagement auf ökosystemare Dienstleitungen und Treibhausgasemissionen wurden von Prof. Dr. Ralf Seppelt drei Punkte deutlich gemacht: Nachhaltiges Landmanagement ist ein wichtiges Fundament für Reduktion (Mitigation) und Anpassung (Adaptation) an den Klimawandel: Ca. 30% der Treibhausgasemissionen werden durch Landnutzungseffekte verursacht. Der KIimawandel beeinflußt Ökosysteme und Landschaften und deren ökologische Prozesse in vielfältiger Weise, z.B. bzgl. Artzusammensetzung, Ökosystemfunktion und –dienstleistung. Dies fordert Anpassungsprozesse. Am Beispiel wichtiger ökologischer Funktionen wie Bestäubung konnte zweitens deutlich gemacht werden, wie relevant ökologische Dienstleistungen z.B. in Agrar- und Waldökosystemen sind. Die integrative Sichtweise wurde von weiteren Vortragenden aus dem Site Event aufgegriffen. Zum dritten wurde deutlich, dass Lösungsstrategien für ein nachhaltiges Landmanagement auf der regionalen Ebene entwickelt werden müssen. Gleichzeitig müssen Übertragbarkeit der Ergebnisse, Synthese und eine Einbettung in globale Rahmenbedingungen (Szenarien) erreicht werden, um unterschiedliche Treiber wie Klimawandel, Agrarmärkte, Demographie etc. gezielt zu analysieren. Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), wird dieses Konzept im Rahmen des Programmes „Nachhaltiges Landmanagement“ umgesetzt und vom UFZ übergreifend koordiniert.

Vorgestellt wurden auf dem Side Event in Durban auch zwei Projekte zur nachhaltigen Landnutzung in Afrika: „The Future Okavango (TFO)“ und „SuLaMa“ untersuchen, wie im Einzugsgebiet des Okavangos in Angola, Botswana und Namibia bzw. auf dem Mahafaly-Plateau im südwestlichen Madagaskar Landnutzung nachhaltig gestaltet werden kann. So konnte die Relevanz von integrativen Analysen und die Möglichkeiten des Landmanagement für Klima, Mitigation und Adaption deutlich gemacht werden. Ergebnisse dieser Arbeiten des UFZ sind vor allem für die auf der Konferenz kritisierten Schlupflöcher der Anrechnung von Emissionsreduktion, z.B. aus der Landnutzung, relevant. Im Vergleich zu den vorangegangenen COPs nimmt dieses Thema einen breiteren Raum auf der Konferenz in Durban ein.

GLUES-Projekt

BMBF-Förderschwerpunkt “Nachhaltiges Landmanagement”:

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Fatal: Energie-Verschwendungsminister hat sich bei Effizienzrichtlinie durchgesetzt

Donnerstag 24. November 2011 von birdfish

„Die verabschiedete Position der Bundesregierung zur geplanten EU-Energieeffizienzrichtlinie ist ein fatales Signal für Energiesparen und Klimaschutz – besonders im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Durban.

Energieeffizienz fängt im Kleinen an
Energieeffizienz fängt im Kleinen an – Foto: Dagmar Struß

Denn sie zeigt, dass Ideologie vor Klimaschutz geht“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium haben sich diese Woche mit dem Bundeskanzleramt auf eine gemeinsame Verhandlungslinie zur EU-Richtlinie verständigt. Aus Sicht des NABU würde die von Energiekommissar Oettinger vorgelegte Richtlinie dadurch weitgehend wirkungslos.

„Offenbar hat sich Energie-Verschwendungsminister Rösler weitgehend durchgesetzt: Dort, wo EU-Energiekommissar Oettinger verbindliche Ziele und Maßnahmen aufgeschrieben hat, sollen künftig nur noch unverbindliche Empfehlungen stehen. So wird das nichts mit Energiesparen und Energiewende“, so Tschimpke. „Zudem verabschiedet sich die Regierung von dem Effizienzziel, das die EU auf deutsche Initiative hin beschlossen hatte – im Jahr 2007, als Frau Merkel noch Klimakanzlerin war“. Geht es nach der Bundesregierung, sollen weder die Energieeinsparziele noch die Effizienzaufträge für Energieversorger verbindlich vorgegeben werden. Gerade mit Letzterem könnten neue Effizienzdienstleistungen entstehen und die Verbraucher finanziell enorm entlastet werden. „Mit ihrer Haltung wendet sich die Bundesregierung gegen Klimaschutz, Wachstum und Beschäftigung“, kritisiert der NABU-Präsident.

Das Herzstück des Richtlinienentwurfs ist Artikel 6. Er beinhaltet die Aufgabe für Energieversorger, Verbrauchern verstärkt Angebote für Energieeinsparungen zu unterbreiten. Allein in Deutschland könnten Wirtschaft und Haushalte nach neuesten Berechnungen des Instituts für Energie- und Umweltfragen Heidelberg damit in 2020 um 25 Milliarden Euro jährlich entlastet werden.

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EU-Kommission hat ihren Fahrplan für ein ressourcenschonenendes Europa vorgelegt

Donnerstag 13. Oktober 2011 von birdfish

Die EU-Kommission hat ihren Fahrplan für ein ressourcenschonenendes Europa vorgelegt.

Buddeln bis es nicht mehr geht?
Ressourcen schonen geht anders – Foto: jurec / Pixelio

Damit will sie aufzeigen, wie der Ressourcenverbrauch gemessen und vom Wirtschaftswachstum entkoppelt werden kann.

Fortschritte hin auf dem Weg zu einem nachhaltigen Niveau des europäischen Ressourcenverbrauchs sollen mit einem “vorläufigen Leitindikator” gemessen werden, der von einer “Anzeigetafel” weiterer Indikatoren ergänzt werden soll. Als Leitindikator hat die Kommission Ressourcenproduktivität gewählt – also das Verhältnis von BIP zur Masse des domestischen Materialverbrauchs. Der Indikator soll perspektivisch verbessert werden und dann auch den Rohstoffverbrauch außerhalb der EU berücksichtigen.

Umweltverbände haben den Leitindikator scharf kritisiert: “In der Güterproduktion Material effizienter zu nutzen, reicht nicht aus, um die vielfältigen Probleme der Übernutzung natürlicher Ressourcen zu lösen”, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der EU-Umweltdachverband Friends of the Earth Europe (FOEE) forderte die Kommission auf, sich nicht auf den domestischen Materialverbrauch zu beschränken, sondern den globalen Ressourcenverbrauch der EU mithilfe von globalen Land-, Wasser- und CO2-Fußabdrücken zu messen.Als “Anzeigetafel” will die Kommission Indikatoren zu Wasser-, Land- und Werkstoffverbrauch sowie CO2 nutzen. Es bleibt in dem Fahrplan jedoch unklar, ob diese Indikatoren – wie die geforderten Fußabdrücke – eine Lebenszyklusperspektive einnehmen sollen. Auch das Zusammenspiel der Indikatoren bleibt aus FOEEs Sicht vage.

Das Europäische Umweltbüro (EEB) warnte, dass die Strategie mit konkreten regulativen Maßnahmen unterfüttert werden müsse, um das Ziel einer ressourcenschonenden Wirtschaft zu erreichen. Die Ankündigung, dass die 2014 anstehende Überarbeitung der Abfallgesetzgebung dazu genutzt werden solle, nah an das Ziel einer abfallfreien Gesellschaft heranzukommen, wurde begrüßt, ebenso wie die anvisierte Ausweitung des Geltungsbereichs der Ökodesign-Richtlinie auf nicht-energetische Ressourcen. Für letzteres seien jedoch verbindliche Ziele notwendig.

Dem Thema Internalisierung von Umweltkosten widmet der Fahrplan ein ganzes Kapitel. So soll der Abbau von umweltschädlichen Subventionen und die Umsetzung von ökologischen Steuerreformen mithilfe des Europäischen Semesters vorangetrieben werden. Dies begrüßten der Deutsche Naturschutzring (DNR) und der NABU und mahnten an, diesen Worten Taten folgen zu lassen.

Die EU-Umweltminister werden im Dezember Schlussfolgerungen zu dem Fahrplan verabschieden. Die Kommission werde dann die entsprechenden politischen und Legislativvorschläge zu seiner Durchführung vorlegen, heißt es in der begleitenden Pressemeldung der Kommission. Auch die Mitgliedstaaten müssten auf ihrer Ebene tätig werden.

Parallel hat die Kommission ihren Fortschrittsbericht der thematischen Strategie zu Ressourcen im Rahmen des 6. Umweltaktionsprogramms veröffentlicht. Darin stellt sie fest, dass es trotz Verbesserungen bei einzelnen Ressourcen weiterhin notwendig ist, einen umfassenden und strategischen Ansatz zu Ressourceneffizienz auf EU-Ebene zu verfolgen.

Quelle: DNR

Ressourceneffizienzfahrplan (PDF)

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Zu einem kostengünstigen Klimaschutz ist auch die Förderung neuer Technologien nötig

Dienstag 27. September 2011 von birdfish

Um Klimaschutz kostengünstig zu erreichen, ist neben Emissionshandel auch die Förderung neuer Technologien nötig.

Offshore-Windpark
Offshore-Windpark – Foto: Rebel – Fotolia.com

Spart man sich eine solche gezielte Förderung etwa der erneuerbaren Energien, wird es teurer statt billiger – dies haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) erstmals in aufwändigen Computersimulationen für das 21. Jahrhundert durchgerechnet. Ohne Förderung bekommen energietechnische Innovationen mit starkem Kostensenkungspotenzial kaum eine Chance, weil anfangs erheblich in sie investiert werden muss: ein Fall von Marktversagen.

„Die Unternehmen der Energiebranche weltweit setzen gern auf vertraute Technologien, statt Neues zu wagen – sie sind zögerlicher als Firmen anderer Wirtschaftszweige, wie sich in unserer Analyse erstmals zeigt“, sagt Matthias Kalkuhl, Leitautor der jetzt in der Fachzeitschrift Resource and Energy Economics erschienenen Studie. Nicht aus Unvernunft, sondern weil Pioniere viel für die Entwicklung und das Risiko von Innovationen zahlen, deren Ergebnisse dann allen zugute kommen und von Wettbewerbern kopiert werden. Zudem besteht für Unternehmen eine enorme Unsicherheit über die langfristige Profitabilität von Investitionen in noch junge Technologien, weil die politischen Rahmenbedingungen – etwa die Höhe der CO2-Preise – über Jahrzehnte hinweg kaum abzusehen sind: „Das Resultat ist ein selbst-verstärkender Einsperr-Effekt, auch Lock-in genannt“, erklärt Kalkuhl. „Eigentlich minderwertige und daher teure Technologien beherrschen auf Jahrzehnte den Markt. Betriebswirtschaftlich ist das rational, volkswirtschaftlich jedoch fatal.“

Der Grund für die besondere Zurückhaltung gerade in der Energiebranche: Das Produkt – Strom und Wärme – sei für den Verbraucher vollkommen gleich, egal mit welcher Technologie es hergestellt wird, so Kalkuhl. Kunden hätten hier wenig Anreiz, für die Innovation einen anfangs besonders hohen Preis zu bezahlen, ganz anders als beispielsweise bei Smartphones oder E-Book-Readern. Diese können durch geschickte Produktdifferenzierung erfolgreich den Markt erobern.

Als wirkungsvolle politische Maßnahmen zur Technologieförderung haben sich in der Computersimulation Einspeisevergütungen erwiesen oder Quoten für Energie aus bestimmten Technologien. Dabei nütze nur das gezielte Fördern jener Technologien, die noch unreif seien, so die Forscher: Hochsee-Windkraftanlagen, Biomassenutzung, Sonnenenergie. Kosten und Nutzen stehen hier in besonders gutem Verhältnis, wenn die Förderung zeitlich beispielsweise auf 30 Jahre begrenzt wird. Hingegen bringe es wirtschaftlich nichts, jene CO2-vermeidenden Technologien zu unterstützen, die bereits weit entwickelt sind: Nuklearreaktoren, Wasserkraft, hocheffiziente Gaskraftwerke.

Die Wissenschaftler haben eigens ein neuartiges Computermodell entwickelt, welches das Zusammenspiel von Unternehmen, Haushalten und Politik sowie die daraus entstehenden Effekte für die Wohlfahrt durchspielt. Dieses so genannte dynamische Multi-Agenten-Modell „zeigt robuste Ergebnisse über eine große Bandbreite von Szenarien, auch wenn wir eine Reihe von Vereinfachungen einbauen mussten“, so Kalkuhl. Dabei wird unterstellt, dass es einen funktionierenden Emissionshandel mit ambitionierten Klimaschutzzielen gibt, welcher kohlenstoffarme Technologien begünstigt.

Die Ergebnisse widersprechen der weit verbreiteten ökonomischen Auffassung, dass Emissionshandel plus Technologieförderung eine ineffiziente Doppelung sei und Innovation durch Patentschutz und allgemeine Forschungsförderung hinreichend gewährleistet werde. „Wir haben jetzt festgestellt: Den Ausstoß von Treibhausgasen kriegt man durchaus allein mit dem Emissionshandel runter; aber dann leider zu höheren Kosten“, sagt Ottmar Edenhofer, Chefökonom des PIK und Ko-Autor der Studie. Nur mit gezielter Förderung „bekommt man Technologien in den Markt, die dann steile Lernkurven aufweisen – also schnell billiger und besser werden.“ Höhere Kosten für Klimaschutz machen diesen politisch schwerer durchsetzbar. Daher gehören Emissionshandel und Technologiepolitik zusammen.

Die Wirkungen zeigen sich erst, wenn das Investitionsverhalten über viele Jahrzehnte betrachtet wird. Bisherige Untersuchungen waren oft zu kurzfristig ausgerichtet. „Klimapolitik ist aber ein Langfristprojekt“, erklärt Edenhofer. Der Staat wisse durchaus nicht besser als die Unternehmen, welche Technologien zukunftsfähig sind. Aber gerade angesichts der Ungewissheit könne nur er sich das Risiko der Technologieförderung leisten. Allerdings: Ohne die Einführung eines Preises für den CO2-Ausstoß, verbunden mit einer Deckelung der Emissionsmengen, nützt laut Edenhofer auch die schönste Technologieförderung nichts. „Nur mit Subventionen den Klimawandel verhindern zu wollen, das wäre unbezahlbar.“

Originalpublikation:
Kalkuhl, M., Edenhofer, O., Lessmann, K. (2012): Learning or Lock-in: Optimal Technology Policies to Support Mitigation. Resource and Energy Economics, 34(1), 1–23 [doi:10.1016/j.reseneeco.2011.08.001] (online first)

Studie in der Fassung als Arbeitspapier (PDF, englisch)

Zum Artikel in der Fachzeitschrift (englisch)

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Atomausstieg-Zeitpunkt kaum Auswirkungen auf die Strompreise für Verbraucher

Dienstag 14. Juni 2011 von birdfish

Der teils heftig umstrittene Zeitpunkt des Atomausstiegs hat nur geringe Auswirkungen auf die Strompreise für Verbraucher.

Energiewende
Energiewende – Grafik: FES

Ein Ausstieg deutlich vor 2020 könnte den Ausstoß des Treibhausgases CO2 in Deutschland allerdings kurzfristig in die Höhe treiben. Knackpunkt ist jedoch die Versorgungssicherheit. Sie kann nur gewährleistet werden, wenn gleichermaßen die erneuerbaren Energien und die fossile Stromerzeugung sowie die Netze ausgebaut werden, so haben Wissenschaftler jetzt erstmals umfassend errechnet. Dabei könne der Einsatz von Gaskraftwerken statt Kohlekraftwerken beim etwa gleichen Preis zu weniger Emissionen und mehr Wettbewerb im Strommarkt führen.


„Die größte Herausforderung ist nicht der Ausstieg aus der Kernkraft, sondern der Einstieg in ein nachhaltiges, intelligentes und gesellschaftlich akzeptiertes Energiesystem – ein wahrer Kraftakt“
, sagt Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Er präsentierte die Ergebnisse am Freitag in Berlin. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel nahm dabei eine politische Bewertung vor, Auftraggeber der Studie war die Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Untersuchung entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig, geleitet wurde das Projekt von Brigitte Knopf (PIK).

„Unsere Studie zeigt den Entscheidern mehrere Wege zur Energiewende auf und macht deutlich, welche Zielkonflikte auftreten, aber auch welche Handlungsoptionen sich hier jeweils bieten“, erklärt Thomas Bruckner, Direktor des Leipziger Instituts. „Keine andere aktuelle Studie zum Thema hat so viele Szenarien gerechnet, Zeiträume bis 2030 erfasst und zudem die unterschiedlichen Auswirkungen von Gas- gegenüber Kohlekraftwerken als Ersatz für die Atomenergie ermittelt.“

Ein Atomausstieg 2020 würde gegenüber einem Ausstieg 2022 – wie die Bundesregierung ihn plant – für jeden privaten Haushalt im Jahr 2020 im Schnitt lediglich 90 Cent monatlich zusätzlich kosten. Sogar ein Ausstieg bereits im Jahr 2015 würde im Vergleich zu einem Ausstieg 2020 oder 2022 nur zu einem zusätzlichen Stromkostenanstieg von etwa 2 Euro pro Monat für die Verbraucherhaushalte führen, so die Forscher. Der Großhandelspreis für Strom auf dem so genannten Spotmarkt stiege pro Kilowattstunde von heute rund 5 Cent im Falle eines Ausstiegsdatums 2020 auf 5,9 Cent im Jahr 2015. Im Falle eines Ausstiegs 2015 stiege er auf 6,7 Cent. Für beide Szenarien wären im Jahr 2030 wieder die ursprünglichen 5 Cent erreicht – vorausgesetzt, dass vor allem die erneuerbaren Energien stärker als bisher geplant ausgebaut werden.

Diese Preise bleiben nur so niedrig, wenn die Energieeffizienz wie von der Bundesregierung geplant gesteigert wird. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die steigenden Preise von Brennstoffen und CO2-Emissionen, die zu einem Kostenanstieg für den Verbraucher führen könnten.

Ein Ausstieg 2020 statt 2022 ließe die CO2 Emissionen nur kurzfristig leicht steigen. Ein kompletter Ausstieg schon 2015 würde allerdings die CO2-Emissionen den Berechnungen zufolge deutlich in die Höhe treiben. Sie lägen dann hierzulande um 64 Millionen Tonnen höher als bei einem Ausstieg 2020 oder 2022. Das würde den deutschen Ausstoß von CO2 bei der Stromerzeugung im Jahr 2015 insgesamt um fast ein Viertel erhöhen. Die zusätzlichen Emissionen ließen sich bei einem verstärkten Ausbau von Gaskraftwerken statt Kohlekraftwerken um 20 Prozent senken. Durch die zusätzlichen Emissionen wäre aber der Klimaschutz nicht gefährdet, anders als vielfach angenommen wird. Die Emissionsmengen in Europa sind gedeckelt. Stößt ein Land mehr Treibhausgase aus, so müssen anderswo die Emissionen reduziert werden.

Dadurch steigen aber die Preise der frei gehandelten Emissionszertifikate, was den Strom für die Verbraucher am Ende doch noch mal teurer machen könnte – dies sei einer der Zielkonflikte, erklären die Forscher. Größter Unsicherheitsfaktor sind steigende Preise für fossile Brennstoffe und CO2-Zertifikate. Hierdurch könnte je nach Szenario ein zusätzlicher Mehrpreis von 1,7 Cent pro Kilowattstunde im Großhandel zu verzeichnen sein. Die Autoren sehen dies als weiteren Grund, unabhängiger von den fossilen Energieträgern zu werden und schneller auf die erneuerbaren Energien umzusteigen. Dies erfordere aber einen entsprechenden Ausbau des Stromnetzes, wozu eine Beschleunigung des schon jetzt beschlossenen Ausbaus gehöre. Weiterhin müsse über zusätzliche Mechanismen zur Gewährleistung der Netzstabilität nachgedacht werden.

Der Ausstieg aus der Kernenergie erfordert den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und einen schnelleren Zubau von fossilen Ersatzkapazitäten als bisher geplant. Bis zum jeweiligen Ausstiegszeitpunkt 2015, 2020 oder 2022 ist über die im Bau befindlichen Projekte hinaus eine zusätzliche Leistung von acht Gigawatt an fossilen Kraftwerken notwendig, um die Jahreshöchstlast abzudecken. Dies entspricht etwa zehn Großkraftwerken. Sofern nicht die längere Nutzung älterer fossiler Kohlekraftwerke in Erwägung gezogen wird, erfordert dies die Inbetriebnahme von fossilen Kraftwerken, die derzeit nur im Planungsstatus sind. Das stelle eine große Herausforderung dar, so die Forscher, und ein Ausstieg bereits 2015 sei angesichts der nötigen zusätzlichen Kraftwerksbauten kritisch zu überprüfen.

Zur Umsetzung der Energiewende sei die Einrichtung eines unabhängigen Expertenrats sinnvoll, sagt Edenhofer (PIK). „Entscheidend ist, dass der Rat nicht nur einen Weg hin zu Klimaschutz und Energiesicherheit vorschlägt, sondern dem Bundestag mehrere gangbare Alternativen vorlegt.“ Das würde die Transparenz und damit die Legitimität von politischen Entscheidungen erhöhen und damit auch die Akzeptanz für die Energiewende schaffen, so die Autoren. Dabei müsse es auch um die Politik auf EU-Ebene gehen. Handlungsoptionen gebe es bei der Erweiterung des EU-Emissionshandels um den Transportsektor und bei der möglichen Integration der europäischen Fördersysteme für die erneuerbaren Energien in ein gemeinsames EU-weites System. „Ein nationaler Alleingang in der Energiefrage ist wenig sinnvoll“, sagt Edenhofer. „Das gilt insbesondere für den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze über Staatsgrenzen hinweg.“

Kurzfassung der Studie “Der Einstieg in den Ausstieg: Energiepolitische Szenarien für einen Atomausstieg in Deutschland” (pdf)

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Regierungsbeschlüsse zu Gebäudesanierung – Verbände meinen: grobe Richtung stimmt

Dienstag 14. Juni 2011 von birdfish

Die Verbände begrüßen generell die Regierungsbeschlüsse zur Gebäudesanierung, meinen aber, dass hier einiges noch verbesserungswürdeig ist, die ambitionierten Ziele zu erreichen.

Energieeffizienz durch Gebäudesanierung
CO2-Einsparungen durch Gebäudesanierung – Foto: Rainer Sturm / Pixelio
  • Umwelt- und Unternehmensverbände begrüßen Aufstockung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms und Einführung von Steueranreizen für Gebäudesanierung.
  • Höhe von 1,5 Mrd. für KfW-Programme reicht jedoch nicht aus, um die Sanierungsrate zu verdoppeln. Mind. 2 Mrd. sind notwendig
  • Sichere Mittelherkunft aus dem Energie- und Klimafonds bislang unklar
  • Anpassung der KfW-Förderprogramme könnte rund 300.000 Arbeitsplätze schaffen und sichern: 90% der Wertschöpfung entsteht durch regionale Betriebe des Mittelstands.
  • Durch KfW-Förderung und neue Steueranreize können jährlich bis zu 1,6 Mio. t CO2 eingespart werden.

Führende Unternehmens- und Umweltverbände fordern den Bundestag auf, den Beschluss der Bundesregierung zu unterstützen, das bewährte CO2-Gebäudesanierungsprogramm im kommenden Jahr fortzuführen. Im Vorjahr war das Programm noch auf 936 Mio. Euro gekürzt worden. 2012 sollen 1,5 Mrd. EUR aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) bereitgestellt werden.

„Energetische Gebäudesanierung ist aktiver Klimaschutz“, sagt Eberhard Brandes, Vorstand der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland. „Wir schaffen die Energiewende in Deutschland nur, wenn wir parallel zur Umstellung auf nachhaltige Energiequellen unseren Energieverbrauch drastisch reduzieren. Deshalb ist energetische Gebäudesanierung so überaus wichtig.“ Nach Ansicht des WWF gingen die Kabinettsbeschlüsse daher in die richtige Richtung. „Klar ist aber auch: Die geplanten Verbesserungen reichen noch nicht, um unsere Klimaziele zu erreichen“, so Brandes.

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB, sieht es ähnlich: „Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm leistet einen enormen Beitrag zur Erreichung der deutschen Klimaziele und zur Energiewende. Gleichzeitig sichert es rund 300.000 Arbeitsplätze im überwiegend mittelständisch geprägten Bau- und Ausbaugewerbe. Wir begrüßen daher ausdrücklich die Entscheidung der Bundesregierung, dieses überaus erfolgreiche Förderprogramm fortzuführen, weisen aber eindringlich darauf hin, dass mindestens 2 Mrd. für die geplante Verdopplung der Sanierungsrate notwendig sind  und  die Finanzierung aus dem Energie- und Klimafonds abgesichert sein muss“, so  Pakleppa. . „Für Investoren wie auch Unternehmen ist die Schaffung von Planungs- und Investitionssicherheit von herausragender Bedeutung. Dies ist nur bei einer langfristig angelegten, verlässlichen Förderkulisse der Fall. Daher ist der Beschluss der Bundesregierung ein Schritt in die richtige Richtung, den wir ausdrücklich begrüßen. Aus unserer Sicht gilt es jedoch, auch den Ersatzneubau in die Förderung einzubeziehen.“

Auch die Energieeffizienzbranche begrüßt die Pläne der Bundesregierung. „Die Effizienzbranche hat ein enormes wirtschaftliches Potenzial und kann zum wahren Job-Motor werden. Dafür müssen jetzt zuverlässige und ambitionierte Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Beschlüsse der Bundesregierung gehen in die richtige Richtung“, so Christian Noll, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF). „Wir begrüßen insbesondere die Entscheidung der Bundesregierung, Steueranreize für die Gebäudesanierung einzuführen. Damit wird ein aus Sicht der DENEFF sehr zielgenaues Anreizinstrument für Eigenheimbesitzer und Kleinvermieter geschaffen. Wünschenswert wäre allerdings, dass auch die Umsetzung durch einen professionellen Energiedienstleister, der Hausbesitzer kompetent unterstützt und begleitet, ermöglicht würde“, so Noll weiter.

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Ökosozialprodukt wird weiteres Instrument zur Messung der Wirtschaftsleistung

Dienstag 14. Juni 2011 von birdfish

Das EU-Parlaments hat jetzt einem Verordnungsvorschlag über “Umweltökonomische Gesamtrechnungen” zugestimmt.

Dorf und Landschaft
Künftig zählt die umweltökonomische Gesamtrechnung eines Landes – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Diese sollen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Instrument zur Messung der Wirtschaftsleistung eines Landes ergänzen.

Das BIP sei nicht mehr zeitgemäß, hieß es zur Begründung. Künftig müsse auch der wirtschaftliche, soziale und ökologische Fortschritt gemessen werden, forderten die Parlamentarier. Die EU-Kommission solle dafür geeignete Indikatoren entwickeln.

Die nun verabschiedete Verordnung sieht die Erstellung von jährlichen Umweltbilanzen vor. Die neue “umweltökonomische Gesamtrechnung” sei ein wichtiger Schritt “vom Bruttosozialprodukt zum Ökosozialprodukt”, sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses und Berichterstatter Jo Leinen. Sie trage auch zur Schaffung eines neuen Wohlfahrtsindexes bei, der wirtschaftlichen, umwelttechnischen und sozialen Fortschritt in der Gesellschaft umfasse.

Ab 2012 wird die Berichterstattung der Mitgliedstaaten über “Umweltökonomische Gesamtrechnungen” an das Statsitikamt der EU, Eurostat, Luftemissionen, Materialflüsse und erhobene Umweltsteuern erfassen. In Zukunft könnten auch weitere Daten, zum Beispiel über die Verwendung von Wasser und Waldressourcen, hinzugefügt werden.

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Millionen von Dürre in China betroffen – Regenfälle bringen nur teilweise Besserung

Donnerstag 9. Juni 2011 von birdfish

Teile des Gebietes des Jangtse Flusses in China leiden unter der schlimmsten Dürre seit rund 50 Jahren.

Ohne Wasser liegen die Terrassen am Jangtse trocken
Ohne Wasser liegen die Terrassen am Jangtse trocken – Foto: Mauri Rautkari / WWF-Canon

Seit März blieben in vielen Regionen die Regenfälle aus. Illegale und ineffiziente Wassernutzung und der Mangel an Abstimmung in Bezug auf die am Jangtse etablierte Wasserinfrastruktur verstärken die Auswirkungen der Wasserknappheit. Glücklicherweise nimmt seit Freitag dank starker Regenfälle die Trockenheit in einigen Regionen ab. Jedoch kam es in den Provinzen Guizhou, Jiangxi und Hunan stattdessen zu Hochwasser.

“Diese Dürre ist selbst für die Trockenheit gewohnten Provinzen Chinas dramatisch”, so Martin Geiger, Wasserexperte beim WWF Deutschland. “35 Millionen Menschen am Mittel- und Unterlauf des Jangtse sind betroffen, akuter Trinkwassermangel bedroht auch nach den starken Regenfällen noch über zwei Millionen Menschen.”

Nach offiziellen Angaben hat die Dürre bislang Schäden in Höhe von rund 2,3 Millionen US-Dollar verursacht. Der WWF hält diese Zahl aber für zu niedrig angesetzt, da neben der Landwirtschaft auch die Fischwirtschaft, die Wasserkraft und die Trinkwasserversorgung direkt betroffen sind. Langjährige Investitionen des WWF sind entlang des Mittel- und Unterlaufs des Jangtse zunichte gemacht.

“Es ist schwierig dieses Ereignis wissenschaftlich unmittelbar dem Klimawandel zuzuordnen, aber es könnte ein Vorbote dessen sein, was uns in Zukunft in China und vielen anderen trockenen Regionen dieser Welt ereilen könnte”, so Geiger. “Die aktuellen heftigen Regenfälle in Teilen der Jangtse-Region dürfen nicht dazu verleiten, jetzt diese Dürre ad acta zu legen und untätig die nächste abzuwarten.”

Der WWF hält es für dringend notwendig, Wasser vom Jangtse auch in betroffene Feuchtebiete zu leiten, die durch den Bau des Drei-Schluchten-Staudamms teilweise vom Wasser des Jangtse abgeschnitten wurden. Mittel- und langfristig muss China sein Wassermanagement deutlich verbessern und sich den Risiken von Trockenperioden besser anzupassen. Verantwortlich für die sich weiter verschärfende Wasserkrise in China ist neben den längeren Trockenperioden und Bodenerosion vor allem Wasserverschwendung. Seit 1949 hat sich der Wasserbrauch in China in etwa verfünffacht. Bis zu 70 Prozent des verbrauchten Wassers wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Vor allem im trockenen Norden und am mittleren Jangtse ist man auf Bewässerungssysteme angewiesen. Aufgrund veralteter Bewässerungsanlagen und hoher Verdunstungsraten kommt höchstens die Hälfte des Wassers auf den Feldern an.

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