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Ozon und Feinstaub stellen EU-weit das größte Luftverschmutzungsproblem dar

Freitag 11. November 2011 von birdfish

Zwar ist die Luftqualität in Europa zwischen 1999 und 2009 besser geworden, aber immer noch gefährden verschiedene Schadstoffe die Gesundheit der europäischen Bevölkerung.

Smog über Wien
Smog über Wien – Foto: Adolf Riess / Pixelio

Das ist das Ergebnis der neuesten Auswertung der Luftdaten durch die Europäische Umweltagentur (EEA).

Doch auch wenn insgesamt die Luftqualität besser geworden ist, muss noch mehr getan werden, um die Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung und die negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Die bodennahen Ozonwerte und der Gehalt an Feinstaub (PM) in der Luft ist in den letzten Jahren nahezu konstant auf zu hohem Niveau geblieben. Um die Luftqualität zu verbessern, müsse es viele unterschiedliche Maßnahmen geben, so die EEA, unter anderem die Reduktion von Emissionen an deren Quellen, bessere Stadtplanung und die Veränderung des individuellen Lebensstils.

Ozon und PM seien die problematischsten Schadstoffe für die Gesundheit. Sie können Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen verursachen oder verschlimmern, die wiederum zu vorzeitigen Todesfällen führen können. Eutrophierung, ein Überangebot an Nährstoffen wie Stickstoff in terrestrischen und aquatischen Ökosystemen, ist ein weiteres großes durch Luftverschmutzung verursachtes Problem. Der Ausstoß von Ammoniak (NH3) aus der Landwirtschaft und Stickoxiden (NOx) oder Schwefeldioxid aus Verbrennungsprozessen, die zur Versauerung des Regens und Eutrophierung beitragen, sind in den letzten Jahren allerdings gesunken.

Der jährliche Bericht der EEA umfasst die Daten von 38 Ländern in Europa. Viele der EU-Mitgliedstaaten konnten auch 2010 und 2011 bei mindestens einem Luftschadstoff nicht die Grenzwerte einhalten.

Zu den Ergebnissen des EEA-Jahresbericht über Luftqualität im Einzelnen:

Feinstaub:

Zwanzig Prozent der städtischen EU-Bevölkerung lebt in Gebieten, in denen der im EU-Recht vorgegebene 24-Stunden-Grenzwerte für Feinstaub in der Größe von 10 Mikrometern (PM10) im Jahr 2009 überschritten wurde. Für die 32 Mitgliedsländer der EEA liegt der Wert sogar noch höher, bei 39%. Legt man den strengeren Richtlinienwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde, leben aber sogar 80 bis 90 Prozent der städtischen EU-Bevölkerung in Gebieten, in denen der PM10-Feinstaubwert zu hoch ist. Diese Situation scheint sich auch trotz Gegenmaßnahmen bisher nicht zu verbessern.

Ozon

Ozon wird nicht direkt emittiert, sondern ist das Produkt einer chemischen Reaktion zwischen anderen Gasen. Obwohl vom Menschen verursachten Emissionen von vielen dieser “Vorprodukte” abgenommen hat, sind die Ozonwerte zwischen 1999 und 2009 nicht deutlich gesunken. Etwa 17% der europäischen BürgerInnen leben in Gebieten, in denen das EU-Ziel für Ozon-Konzentration im Jahr 2009 überschritten wurde. Wenn die Ozonwerte mit den strengeren Richtlinien der WHO verglichen werden, wurde 2009 mehr als 95% der städtischen EU-Bevölkerung über diesem Niveau ausgesetzt. Auch über ein Drittel der Ozonwerte der gesamten Ackerfläche der 32 EEA-Mitgliedsländer liegen über dem EU-Ziel-Niveau.

Schwefeldioxid (SO2)

Die SO2-Werte in Europa sind zwischen 1999 bis 2009 unm etwa die Hälfte gesunken. Das hat dazu beigetragen, die fortschreitende Versauerung durch sauren Regen zu bremsen. Auch hier sind die EU-Grenzwerte weniger streng als die der WHO. Nur wenige EU-StadtbewohnerInnen sind höheren SO2-Werten ausgesetzt als von der EU vorgegeben. Nimmt man die WHO als Basis sind allerdings 68 bis 85% der EU-städtischen Bevölkerung einer Konzentration oberhalb des WHO-Richtlinien ausgesetzt.

Stickstoffdioxid (NO2)

Die NO2-Konzentrationen sind in den letzten Jahren leicht zurückgegangen. Überschreitungen gab es in der Regel in der Nähe von Hauptstraßen. Zwölf Prozent der europäischen Stadtbevölkerung leben allerdings auch jenseits von Verkehrsadern in Gebieten mit NO2-Konzentrationen oberhalb von EU- und WHO-Grenzwerten.

Schwermetalle

Atmosphärische Konzentrationen von Arsen, Cadmium, Blei und Nickel sind in Europa im Allgemeinen gering. Allerdings kommt es mitunter zu erhöhten Schwermetallkonzentrationen in Böden, Sedimenten und Organismen. Trotz erheblicher Reduktion der Schwermetallemissionen seit 1990 in der EU ist das Risiko für die europäischen Ökosystemen weiterhin groß.

Quelle: DNR

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CO2 und Ozon – Luftverschmutzung schädigt die Gesundheit von Kindern nachweislich

Dienstag 1. November 2011 von birdfish

Vor allem eine verstärkte Kohlenmonoxid-Belastung sowie erhöhte Ozon-Werte schädigen die Gesundheit von Kindern.

Köln im Feinstaub
Feinstaubnebel über Köln – Foto: Thomas Max Müller / Pixelio

Das ist das Ergebnis einer jetzt im renommierten „Journal of Health Economics“ veröffentlichten Studie auf der Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). „Eine verstärkte Belastung durch Kohlenmonoxid führt zu einem geringeren Geburtsgewicht von Babys“, sagt die Berliner Familien- und Bildungsökonomin C. Katharina Spieß, eine der Autorinnen. „Kleinkinder, die erhöhten Ozonwerten ausgesetzt sind, leiden häufiger unter Bronchitis oder Atemwegserkrankungen“.
C. Katharina Spieß vom Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am DIW Berlin und Katja Coenus werteten außer den SOEP-Daten auch Messwerte zur Luftqualität aus, die das Umweltbundesamt (UBA) deutschlandweit erhebt. Die Studie der Forscherinnen zeigt: In Regionen, die mit hohen Kohlenmonoxid (CO)-Werten belastet sind, kommen häufiger Kinder mit einem relativ geringen Geburtsgewicht zur Welt. Im Durchschnitt sind diese Babys 289 Gramm leichter als andere Neugeborene. „Das ist ein klarer Hinweis darauf, wie sehr die Luftverschmutzung Kindern bereits im Mutterleib schaden kann“, sagt C. Katharina Spieß. Wenn Schwangere erhöhten Kohlenmonoxid-Konzentrationen ausgesetzt sind, verschlechtert sich die Versorgung der Babys mit Sauerstoff. Hohe Kohlenmonoxid-Werte kommen insbesondere in verkehrsreichen Regionen vor.

Die Gesundheit von zwei- bis dreijährigen Kleinkindern ist vor allem in Gebieten gefährdet, die besonders von Sommersmog betroffen sind. Als Sommersmog bezeichnet man die Belastung der bodennahen Luft durch eine hohe Ozonkonzentration, die besonders bei sonnigem Wetter entsteht. „Diese Kinder tragen ein messbar erhöhtes Risiko, an Bronchitis oder Atemwegserkrankungen zu erkranken“, sagt C. Katharina Spieß. Der Grund: Sie atmen mehr Sauerstoff ein als Erwachsene. Gleichzeitig ist ihr Immunsystem noch nicht voll ausgereift.

Insgesamt flossen SOEP-Daten zu etwa 2000 Kindern in die Studie ein. Diese Daten wurden zwischen 2002 und 2007 erhoben. Das Umweltbundesamt (UBA) misst stündlich die Belastungen der Luft durch Feinstaub, Kohlenmonoxid, Ozon, Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid.

Stichwort SOEP
Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist am DIW Berlin angesiedelt und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden jedes Jahr mehr als 20 000 Menschen in rund 11 000 Haushalten vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung befragt. Seit 2003 geben darüber hinaus Mütter in Mutter-Kind-Fragebögen Auskunft über die Entwicklung ihrer Söhne und Töchter. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

Originalpublikation:
Coneus, Katja; Spieß, C. Katharina: Pollution Exposure and Child Health: Evidence for Infants and Toddlers in Germany. – In: Journal of Health Economics



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Germanwatch-Nachlese: Klimaverhandlungen in Panama nach Durban ausgeschifft

Donnerstag 13. Oktober 2011 von birdfish

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch kommentiert die Ergebnisse der jetzt in Panama zu Ende gegangenen UN-Klimaverhandlungsrunde.

Germanwatch Logo

Es war die letzte umfassende Vorbereitungssitzung sieben Wochen vor dem UN-Klimagipfel im südafrikanischen Durban.

Sven Harmeling, Teamleiter Internationale Klimapolitik bei Germanwatch und Beobachter bei den Klimaverhandlungen in Panama: “Germanwatch begrüßt die Fortschritte, die auf technischer Ebene bei der Konferenz in Panama im Vorfeld des Klimagipfels in Durban gemacht wurden. Allerdings müssen sich alle Regierungen vor Augen führen, worum es geht. Schon heute spüren immer mehr Menschen, allen voran in Afrika, die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels. Wir erwarten, dass die Regierungen mit dem Ziel nach Durban fahren, den afrikanischen Klimagipfel zu einem Meilenstein und Wendepunkt im Kampf gegen den Klimawandel zu machen. Entscheidungen, die die Zukunft des Kyoto-Protokolls sichern, müssen zugleich den Weg zu einem umfassenden Abkommen mit den Schwellenländern für 2015 freimachen.”

Sven Harmeling weiter: “Scheitern und Erfolg in Durban sind möglich. Für einen echten Meilenstein bedarf es auf der einen Seite einer klaren Zukunft für das Kyoto-Protokoll und seine zentralen Elemente, auf der anderen Seite eines klaren Verhandlungsmandats für eine verbindliche Gesamtlösung mit den USA und Schwellenländern. Viele Entwicklungsländer haben auf diese Notwendigkeit hingewiesen, und auch von Seiten Chinas kamen positive Signale. Darüber hinaus muss ein Paket zur konkreten Umsetzung der in Cancún auf den Weg gebrachten Institutionen und Prozessen beschlossen werden, in den Bereichen Anpassung an die Klimafolgen, Klimaschutz, der dafür notwendigen finanziellen Unterstützung und Technologie. Hier gab es in Panama konstruktive Diskussionen, die die Verhandlungen einer Entscheidungsfindung in Durban näher gebracht haben. Besonders wichtig ist die Implementierung des Green Climate Fund.”

Das Steuer ist jetzt in der Hand der Umweltminister und der Staats- und Regierungschefs, allen voran in der EU. Sven Harmeling: “Die EU hat in Panama einen wesentlichen Beitrag zu dem konstruktiven Verhandlungsverlauf geleistet. Die europäischen Umweltminister können am kommenden Montag auf die Entwicklung in Panama reagieren und ihren Verhandlern ein starkes Verhandlungsmandat zu geben, um die Zukunft des Kyoto-Protokolls zu sichern.” Angela Merkel und andere Staats- und Regierungschefs haben beim G20-Gipfel im November die Chance, durch ein klares Signal Richtung Durban und mit der Einführung innovativer Finanzierungsinstrumente die Klimaschutzdynamik in vielen Entwicklungsländern zu beschleunigen. Viel versprechend sind hier insbesondere Abgaben auf den internationalen Flug- und Schiffsverkehr, die auch in Panama von verschiedenen Ländern als Optionen benannt wurden. Deutschland kann mit einer Finanzzusage an den neuen Green Climate Fund den Verhandlungen weiteren Schub geben. “Kommen diese Signale nicht, setzen wir Kurs auf Sturm,” sagt Sven Harmeling, “mit politischem Willen kann Durban jedoch die strukturellen Voraussetzungen für einen Gezeitenwechsel hin zu einer globalen Antwort auf die Klimakrise liefern.”

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Luftverschmutzung weltweites Problem – Millionen Menschen sterben an Feinstaub

Mittwoch 12. Oktober 2011 von birdfish

Einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sterben jährlich zwei Millionen Menschen durch die Verschmutzung der Luft in Außen- und Innenräumen.

Köln im Feinstaub
Feinstaubnebel über Köln – Foto: Thomas Max Müller / Pixelio

Besonders Feinstäube könnten durch Einatmen in die Lungen und letztlich den Blutkreislauf gelangen. Die Folgen: Herzkrankheiten, Lungenkrebs, Asthma, Atemwegsinfektionen.

Die WHO-Luftqualitätsgrenzwerte liegen bei Feinstaub der Größe zehn Mikrometer (PM10) bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m3). Doch der Bericht zeigt, dass in einigen Städten der PM10-Gehalt in der Atemluft bereits bei 300 µg/m3 liegt. Der Weltdurchschnittswert von PM10 liegt bei 71 µg/m3, je nach Region schwankt er zwischen 21 und 142 µg/m3. Die Studie der WHO beinhaltet Daten von etwa 1.100 Städten in 91 Ländern, darunter Hauptstädte und Städte mit über 100.000 EinwohnerInnen. Negativbeispiele sind Städte wie Ahwaz im Iran (372 µg/m3), die mongolische Stadt Ulaanbataar (279 µg/m3) oder Ludhiana in Indien (251 µg/m3). bei den rund 60 untersuchten Städten in Deutschland liegt Dresden an der Spitze mit 31 µg/m3 Feinstaub, in Wolfsburg wurdendurchschnittlich 17 µg/m3 Feinstaub PM10 gemessen (Daten: 2008).

Laut der WHO-Studie ist ein dauerhaft erhöhter Anteil von Feinstaub an der Atemluft in städtischen Gebieten an der Tagesordnung. Nahezu alle StadtbewohnerInnen sind durch gesundheitsgefährdend große Mengen an Luftschadstoffen betroffen. Die Quellen sind hauptsächlich Verbrennungsprozesse aus Industrie, motorisiertem Verkehr und Haushaltsheizungen. Viele vorzeitige Todesfälle könnten verhindert werden, würden die WHO-Grenzwerte eingehalten: die WHO rechnet mit einem 15-prozentigen Rückgang bei der Senkung des derzeitigen 70µg/m3-Weltdurchschnittswert auf die empfohlenen 20 µg/m3.

Quelle: DNR

Pressemitteilung der WHO (engl.)

WHO-Datenbank zur Luftverschmutzung durch Feinstaub (engl.)


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Maßnahmen gegen Luftbelastungen: Satellit zeigt Schadstoffausstoß in Mega-Städten

Dienstag 4. Oktober 2011 von birdfish

Die Stickoxidmengen, die in Ballungszentren in die Luft gelangen, lassen sich künftig unabhängig von Hochrechnungen und Modellsimulationen bestimmen.

Smog über Wien
Smog über Wien – Foto: Adolf Riess / Pixelio

Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie bestimmen aus Satellitendaten zur aktuellen Schadstoffbelastung und Wetterdaten, wie lange die Stickoxide in der Atmosphäre bleiben. Aus der Verweildauer und der aktuellen Belastung errechnen sie dann den ursprünglichen Ausstoß. Die Erfassung der Emissionen ermöglicht gezielte Maßnahmen zur Luftreinhaltung. Bislang werden die Emissionen anhand von Hochrechnungen abgeschätzt, was oft zu ungenauen Ergebnissen führt.

In Großstädten entweichen Unmengen an Schadstoffen in die Atmosphäre. So entstehen besonders im Verkehr täglich tausende Tonnen an gesundheitsschädlichen Stickoxiden, die in vielen Ländern noch ungefiltert in die Luft strömen. Wie hoch die Emissionen im Schnitt sind, ermitteln Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz mit Kollegen der Universität Heidelberg und des königlich-niederländischen meteorologischen Instituts de Bilt nun erstmals anhand umfangreicher Messungen des Satelliteninstruments OMI, das die weltweite Stickoxid-Belastung misst.

„Wir haben einen unabhängigen Weg gefunden, aus den Satelliten-Daten die durchschnittliche Verweildauer des Stickoxids in der Luft zu bestimmen“, sagt Steffen Beirle, Erstautor der Studie, die jetzt im Fachmagazin Science veröffentlicht wird. Nur wenn die Forscher wissen, wie lange eine Substanz in der Atmosphäre bleibt, können sie nämlich aus der aktuellen Belastung berechnen, wie viel von dem Stoff ursprünglich ausgestoßen wurde.

Die freigesetzten Abgasmengen werden weltweit zwar seit Jahren in Emissionskatastern erfasst. Allerdings basieren diese Kataster meist auf Hochrechnungen von Verkehr und Energieverbrauch der jeweiligen Staaten, die besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern oft noch sehr ungenau sind oder nicht existieren.

Ihre unabhängige Methode haben die Forscher unter anderem auf die saudi-arabische Hauptstadt Riad angewendet, die in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist und daher unter immer höheren Stickoxidbelastungen zu leiden hat. Als Testfall für die Mainzer Methode eignet sich die Metropole besonders gut, weil sie isoliert auf der arabischen Halbinsel liegt, so dass sich ihre Stickoxid-Emissionen nicht mit denen anderer wesentlicher Quellen vermischen, was die Analyse zusätzlich erschweren würde.

Um Information über die durchschnittliche Verweildauer der Stickoxide zu bestimmen, untersuchten die Wissenschaftler, wie schnell diese in der Abgasfahne abgebaut werden. Um klare Abgasfahnen in den Satellitendaten erkennen zu können, bedienten sie sich dabei eines Tricks: Sie nutzten Wetterdaten, um die Messergebnisse von OMI für acht verschiedene Windrichtungen sowie für Windstille zu sortieren, und getrennte Karten der mittleren Stickoxidbelastung um Riad zu erstellen. Mit einer mathematischen Operation können daraus die Verweildauer des Stickoxids in der Atmosphäre und damit die tatsächlichen Emissionen in Riad ermittelt werden.

„Unsere Methode der Emissionsbestimmung von Stickoxiden ist unabhängig von bisherigen Verfahren und kann weltweit auf Megastädte angewandt werden“, sagt Steffen Beirle. Die so ermittelten Daten können helfen, die globalen Modelle der Atmosphärenchemie zu optimieren. Die Daten helfen letztlich aber auch, Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung besser an die lokalen Gegebenheiten anzupassen.

Die Arbeit der Mainzer Forscher war Bestandteil des Europäischen Forschungsprojekts MEGAPOLI, dessen Ziel es ist, globale Klimaeffekte der Luftverschmutzung von Megastädten zu ermitteln. An MEGAPOLI sind 22 renommierte Forschungsinstitutionen beteiligt.

Originalpublikation:
Steffen Beirle, K. Folkert Boersma, Ulrich Platt, Mark G. Lawrence, and Thomas Wagner
Megacity emissions and lifetimes of nitrogen oxides probed from space

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Erstes Passivhaus-Hallenbad eröffnet: ein Vorbild für finanzschwache Gemeinden?

Dienstag 20. September 2011 von birdfish

Deutschlandweit werden zunehmend mehr Bäder geschlossen, weil die maroden Gemeindekassen die hohen Unterhaltskosten für Bäder einfach nicht mehr hergeben.

Passivhaus-Hallenbad
Passivhaus-Hallenbad in Lünen – Foto: Bädergesellschaft Lünen

Das hat zur Folge, dass Menschen zunehmend in größere Städte ziehen, weil die Infrastruktur in kleineren Gemeinden mehr und mehr abgebaut wird. Und es hat zudem zur Folge, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen. Vielleicht kann ein neues Energiespar-Bad Vorbild sein, dass nachhaltiges Bauen sich für Städte in mehrfacher Hinsicht lohnt.

In Lünen ist jetzt eine Idee Wirklichkeit geworden. Im Beisein zahlreicher Ehrengäste eröffnete das Lippe-Bad in Lünen nach rund dreijähriger Planungs- und Bauphase als eines der ersten Passivhaus-Bäder Europas seine Pforten. Die neue Halle, in die auch ein ehemaliges Fernheizwerk integriert wurde, soll zukünftig 50 Prozent weniger Energie als ein normaler Neubau verbrauchen. Dr. Wulf Grimm, Abteilungsleiter Umwelttechnik der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), betonte anlässlich der Eröffnung, das Passivhaus-Bad solle „eine Initialzündung für weitere Bäder sein“. In den rund 3.500 Hallenbädern in Deutschland schlummere noch „ein enormes Energieeinsparpotenzial“, das durch das Lippe-Bad als „ökologisches Leuchtturmprojekt“ geweckt werden solle. Die DBU förderte die Planungsphase mit 125.000 Euro.

In Zusammenarbeit mit dem Passivhaus Institut (Darmstadt) hatte die Bädergesellschaft Lünen die Grundlagen zum Konzept entwickelt. Der Schwerpunkt liegt auf einer verbesserten Wärmedämmung an der Gebäudehülle und einer Dreifach-Verglasung. Dadurch sollen Wärmeverluste verringert und eine höhere Raumluftfeuchte ermöglicht werden. Grimm: „Beides sind entscheidende Voraussetzungen für die hohen Energieeinsparungen.“ Mit einer optimalen Dämmung könne die Luftfeuchtigkeit höher sein, ohne dass Wasser an der Fassade kondensiere. Das sorge auch für mehr Hygiene.

Alle Maßnahmen zusammen genommen sollen jährlich bis zu 193.000 Euro an Energiekosten sparen. Zum Gesamtprojekt gehöre neben dem Neubau auch die Umnutzung eines ehemaligen Fernheizwerkes, das konzeptionell in den Gesamtkomplex integriert worden sei. Es beherbergt ein 25 Meter langes Schwimmbecken und sei gleichwertig wie der Neubau gedämmt. Grimm zeigte sich erfreut: „Hier gelingt nicht nur ein Neubau nach Passivhausstandard. Auch die alte Infrastruktur wird aufgearbeitet und integriert.“ Für noch folgende Bauprojekte sollen die Ergebnisse aus Lünen aufbereitet werden. Eine Broschüre und Präsentationen auf Fachveranstaltungen seien geplant.

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Europäischer Städtevergleich: Berlin vorbildlich bei Bekämpfung des Feinstaubs

Freitag 16. September 2011 von birdfish

Im europäischen Vergleich ist Berlin bei der Minderung verkehrsbedingter Rußemissionen in den letzten fünf Jahren am weitesten vorangekommen.

ÖPNV-Ausbau  vermindert Feinstaub
ÖPNV-Ausbau vermindert Feinstaub – Foto: Claus Jordan / Pixelio

Wichtigster Grund für die mehr als 50-prozentige Rußminderung war die konsequente Einführung einer Umweltzone in der deutschen Hauptstadt. Den zweiten Platz eines europäischen Städtevergleichs von Maßnahmen zur Rußminderung teilen sich Kopenhagen und Stockholm, Platz drei Zürich und Wien. Schlusslicht im Städteranking 17 europäischer Großstädte ist Rom, nur wenig besser konnten sich Mailand (an vorletzter Stelle), Düsseldorf (an drittletzter Stelle) und Stuttgart (Viertletzter) platzieren. Den Städtevergleich führten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Europäische Umweltbüro in Brüssel (European Environmental Bureau, EEB) durch.

Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte: “In Berlin sank in den letzten zehn Jahren der Anteil des Autoverkehrs am Verkehr insgesamt um sechs Prozent. Hinzu kam eine Verdoppelung des Fahrradverkehrs auf 13 Prozent. Den Spitzenplatz bei der Bekämpfung des gesundheitsschädlichen Rußes aus den Auspuffen verdankt Berlin jedoch vor allem der konsequenten Umsetzung der Umweltzone. Kopenhagen mit 40 Prozent Radverkehr und Stockholm mit 50 Prozent öffentlichem Personennahverkehr zeigen jedoch, dass es auch in Berlin noch Reserven gibt.” Der Nahverkehr habe in Berlin lediglich einen Anteil von etwas weniger als 30 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen. Feinstaub aus dieselbetriebenen Baumaschinen könnte ebenfalls entscheidend reduziert werden, sagte Reh.

Grundlage für den Städtevergleich seien sämtliche Maßnahmen zur Verringerung der Schadstoffemissionen gewesen. Einbezogen worden seien auch generelle Kriterien einer umweltfreundlichen Verkehrsplanung. Besonderes Gewicht habe jedoch das Vorschreiben von Dieselpartikel-Filtern erhalten. Stuttgart habe deshalb ungünstig abgeschnitten, weil die Stadt dem Ausmaß ihrer Ruß-Emissionen nur mit lückenhaften Gegenmaßnahmen begegnet sei. Zwar gebe es in der Stadt eine Umweltzone, Vorschriften zur Rußminderung bei Baumaschinen fehlten jedoch völlig. Düsseldorf wiederum habe wichtige Verkehrswege aus ihrer Umweltzone ausgeklammert, die Parkgebühren reduziert und behandle den Fahrradverkehr nur stiefmütterlich.

In dem Städtevergleich wurden Maßnahmen zur Rußbekämpfung zwischen 2005 und 2010 untersucht, da 2005 die europäischen Grenzwerte für Feinstaub (PM10) in Kraft traten. Weitere angefragte Städte konnten nicht in die Bewertung einbezogen werden, weil sie die Fragebögen nicht zurücksandten. Das Städteranking ist Teil einer Kampagne von BUND, Naturschutzbund NABU, Verkehrsclub Deutschland VCD und Deutsche Umwelthilfe DUH, die seit 2009 unter dem Motto “Rußfrei fürs Klima” die Feinstaubmissionen im Verkehrssektor bekämpft. Die Ergebnisse wurden in allen europäischen Vergleichsländern veröffentlicht.

Das Ranking im Internet

Kampagne ‘Rußfrei fürs Klima’

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Den Klimawandelfolgen entgegnen: Projekt gibt Afrikanern Hilfe zur Selbsthilfe

Mittwoch 31. August 2011 von birdfish

In Afrika verursachen die globale Klimaerwärmung und der starke Verstädterungsprozess große Bedrohungen für die Bevölkerung.

Straßenszene aus Ouagadougou
Straßenszene aus Ouagadougou
- Foto: Stephan Pauleit / TUM)

Niederschlagsknappheit erschwert die Landwirtschaft zunehmend, für viele Bauern ist daher die Flucht in städtische Ballungszentren einzige Überlebenshoffnung. Zu dieser Zuwanderrate kommt in afrikanischen Stadtregionen noch ein hohes Bevölkerungswachstum von über 5% pro Jahr hinzu. Ein internationales Forschungsprojekt unter Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) nimmt sich dieser Problemlage jetzt an. Das gemeinsame Ziel: Die Entwicklung von Strategien zur Risikominimierung afrikanischer Städte, die durch den globalen Klimawandel bedroht sind.

Die europäische Union stellt dem internationalen Forscherkonsortium im Rahmen ihres 7. Forschungs-Rahmenprogramms während bis 2013 insgesamt 3,5 Mio. Euro für das Projekt CLUVA (Climate change and Urban Vulnerability in Africa) zur Verfügung. Als europäische Projektpartner sind neben der TUM unter Leitung des italienischen Instituts AMRA die Universität Kopenhagen, die Universität Manchester, das italienische Centro Euro-Mediterraneo per i Cambiamenti Climatici, das deutsche Helmholtz Zentrum für Umweltforschung sowie das norwegische Institut für Stadt- und Regionalforschung NIBR beteiligt. Die afrikanischen Partner kommen von der Addis Ababa-Universität Äthiopien, der Ardhi-Universität Tansania, der Université Gaston Berger de Saint Louis Senegal, der Université de Yaoundé I in Kamerun, der Universität Ouagadogou in Burkina Faso, sowie dem Council for Scientific and Industrial Research CSIR in Südafrika.

Die Wissenschaftler untersuchen die Strategien zur Risikominimierung am Beispiel von fünf afrikanischen Großstädten: St. Louis (Senegal), Ouagadougou (Burkina Faso), Douala (Kamerun), Addis Ababa (Äthiopien) sowie Dar Es Salaam (Tansania). Meist wachsen die Stadtränder dort ohne strategische Planung in das Umland hinaus. In Dar Es Salaam beispielsweise lebt etwa 70% der Bevölkerung in ungeplanten Siedlungen. Vor allem in diesen Wachstumszonen gibt es erhebliche Defizite in der Infrastruktur, in der Ökologie, im sozialen Bereich und in der Sicherheit. Außerdem wird die Versorgung der Bewohner mit Nahrungsmitteln, Strom und Wasser immer schwieriger. Dazu kommt die erwartete massive Landflucht: Schon heute leben 297 Millionen Menschen der afrikanischen Bevölkerung in Städten oder an den Küstengebieten – 2030 werden es voraussichtlich 1,4 Millionen Menschen sein. Das Forscherkonsortium möchte daher schon jetzt die Risiken durch die globale Klimaveränderung benennen – und Wege aufzeigen, um die Anpassungsfähigkeit der Großstädte zu erhöhen.

Das Team am TUM-Lehrstuhl Strategie und Management der Landschaftsentwicklung untersucht dabei speziell die Rolle städtischer Grünstrukturen und Ökosysteme bei der Anpassung afrikanischer Städte an den Klimawandel. Dabei spielen hauptsächlich die Regenwasserrückhaltefähigkeit, die Kühlwirkung auf das städtische Lokalklima sowie die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Brennholz aus den Grünstrukturen eine bedeutende Rolle. „Methodisch kommen eine Erfassung und stadtspezifische Kartierung dieser verschiedenen Einflussfaktoren gemeinsam mit den afrikanischen Partnern vor Ort zur Anwendung“, erklärt Prof. Stephan Pauleit, Leiter des Lehrstuhls Strategie und Management der Landschaftsentwicklung. Die Erkenntnisse der TUM über die Robustheit der Grünstrukturen gegenüber globalen Klimaveränderungen und dem Siedlungsdruck in Afrika fließen – zusammen mit den anderen Forschungsergebnissen aus dem CLUVA-Projekt – in eine Strategie für eine zukunftsweisende, modellhafte Stadtplanung afrikanischer Städte ein.

„Die Feldforschung wird durch unsere afrikanischen Partner betrieben. Die europäischen Wissenschaftler stehen jederzeit unterstützend zur Seite und bringen ihr gesamtes Know-how in den Forschungsprozess mit ein. Hand in Hand wird dadurch das Fachwissen über den Umgang mit Klimarisiken in Afrika bei den afrikanischen Partner-Universitäten aufgebaut“, erklärt Pauleit. „Die Ergebnisse aus dem CLUVA-Projekt werden daher in Zukunft auch die Lehre an den afrikanischen Partner-Universitäten bereichern. So bietet das Projekt sozusagen doppelt Hilfe zur Selbsthilfe“, freut er sich.

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