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Göttinger Studie: Intensive Landwirtschaft beeinflusst Wasserhaushalt von Ökosystemen

Donnerstag 22. März 2012 von birdfish

Die intensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden hat Auswirkungen auf den Wasserhaushalt dieser Ökosysteme.

Lysimeter
Lysimeter zur Untersuchung des Wasserhaushaltes von Pflanzen und Boden.
Foto: Universität Göttingen

Wissenschaftler der Universität Göttingen konnten zeigen, dass auf gedüngten Grünlandflächen deutlich mehr Regenwasser verdunstet als auf ungedüngten. Entsprechend weniger Regenwasser versickert im Boden, wo es dann bei der Bildung von Grundwasservorräten fehlt, die wiederum notwendig sind zur Gewinnung von Trinkwasser. Die Forscher gehen davon aus, dass die Kombination aus intensiver Bewirtschaftung und Klimawandel auch in einzelnen Regionen Mitteleuropas künftig unter Umständen zu Wasserknappheit in den Sommermonaten führen könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Ecohydrology veröffentlicht.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass auf intensiv gedüngtem Grünland bis zu 15 Prozent mehr Regenwasser verdunstet als auf ungedüngten Flächen. Gleichzeitig ist die Menge des Wassers, das im Boden versickert und dort neue Grundwasservorräte bilden kann, bis zu 50 Prozent geringer. In den vergangenen 50 Jahren wurden mehr als 70 Prozent der Grünlandflächen in Mitteleuropa auf intensive Bewirtschaftung umgestellt. „Wir gehen davon aus, dass die Grundwasserbildung in diesen Regionen bereits messbar abgenommen hat“, so Prof. Dr. Christoph Leuschner, Leiter der Abteilung Ökologie und Ökosystemforschung der Universität Göttingen. „Eine Abnahme der Niederschläge in den Sommermonaten, wie sie im Zuge der Klimaveränderung für einige Regionen Mitteleuropas vorhergesagt wird, könnte die Grundwasserbildung noch zusätzlich vermindern.“

Die Versuche fanden im Rahmen des „GrassMan-Projekts“ in der Nähe der Ortschaft Silberborn im Solling statt. Dort erforschen die Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Functional Biodiversity Research“ der Universität Göttingen die Folgen einer intensiven Bewirtschaftung von Grünland unter praxisnahen Bedingungen. Im Exzellenzcluster arbeiten seit dem Jahr 2008 Forscher der Fakultät für Forstwissenschaft und Waldökologie, der Biologischen Fakultät und der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Göttingen zusammen. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert das Projekt fünf Jahre lang mit insgesamt rund 3,7 Millionen Euro.

Originalpublikation

Laura Rose et al. Effects of fertilization and cutting frequency on the water balance of a temperate grassland. Ecohydrology 5 (2012): 64-72. Doi: 10.1002/eco.201.

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Stuttgarter Fraunhofer-Institute legten jetzt ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht vor

Mittwoch 21. März 2012 von birdfish

Die Erarbeitung von Technologien, die zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beitragen, ist von jeher ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit bei den Fraunhofer Instituten.

Strom tanken
Auch Mobilität ist ein Thema des Berichts- Foto: Kurt F. Domnik / pixelio.de

Mit dem ersten institutsübergreifenden Nachhaltigkeitsbericht machen die Stuttgarter Fraunhofer-Institute die nachhaltigen Entwicklungen am Standort nun transparent.

Eine nachhaltige, d.h. dauerhaft zukunftsfähige, Entwicklung der Gesellschaft ist nur möglich, wenn ihre ökologische, ökonomische und soziale Leistungsfähigkeit sichergestellt und in Einklang gebracht wird. Nicht nur Politik und Wirtschaft, auch Wissenschaft und Forschung tragen dazu maßgeblich bei. Mit dem Ziel, Fraunhofer-Forschung sowie auch deren Umsetzung stärker am Leitbild Nachhaltigkeit auszurichten, arbeiten die Stuttgarter Fraunhofer-Institute daher eng an einer gemeinsamen Strategie für eine nachhaltige Entwicklung. Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche Betrachtung und ständige Optimierung der Forschungsaufgaben sowohl in der thematischen Ausrichtung als auch im operativen Handeln. Um diesen Prozess sichtbar zu profilieren veröffentlichen die Institute fortan einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht.

Die besondere Herausforderung bei der Erstellung eines institutsübergreifenden Berichts war es, Nachhaltigkeitsstrategien und -ziele zu definieren, die für jedes der fünf wirtschaftlich eigenständigen und in ihrer Organisationsstruktur unterschiedlichen Institute Gültigkeit besitzen. Unter Einbeziehung von Mitarbeitern aus allen unterschiedlichen Instituten, Tätigkeitsbereichen und Hierarchieebenen wurden Leitsätze, Ziele und konkrete Maßnahmen entwickelt und im Nachhaltigkeitsbericht festgehalten. Neben ausgewählten Forschungsprojekten mit Nachhaltigkeitsbezug dokumentiert der Bericht vor allem den Weg der Institute zu nachhaltigen Geschäftsprozessen. Die Auswahl der bereits laufenden und für die Zukunft geplanten Aktivitäten zeigt, dass neben Strategie und Leitbild vor allem auch die Initiativen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtige Pfeiler einer nachhaltigen Entwicklung in einer lebendigen Organisation darstellen.

Der Bericht zeigt Beispiele gelebter Institutskultur, die beste Vorraussetzungen für eine Weiterentwicklung im Sinne eines nachhaltigen Leitbilds bietet. Gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen im »Jahr der Nachhaltigkeit« 2012 und darüber hinaus, sollen dieses Engagement weiter fördern.

Basis der Stuttgarter Nachhaltigkeits-Aktivitäten ist das »Netzwerk Nachhaltigkeit« der Fraunhofer-Gesellschaft, in dem sich Experten aus über 20 Fraunhofer-Instituten für eine Ausrichtung der gesamten Fraunhofer-Gesellschaft am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung engagieren. Dieses Ziel wird vom Vorstand mit dem Projekt »Strategie Nachhaltigkeit« gefördert, um sowohl das hohe Ansehen der Fraunhofer-Gesellschaft bei ihren Industriepartnern zu festigen als auch eine Vorreiterrolle unter den Forschungseinrichtungen einzunehmen.

Zum Fraunhofer-Nachhaltigkeitsbericht (PDF)



Grünspar - Grünsparen statt schwarzärgern

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Rio+20: Europäischer Umweltrat beschließt seine Position für UN-Gipfel im Juni

Mittwoch 21. März 2012 von birdfish

Die EU-UmweltministerInnen haben die EU-Position für den Rio+20-Nachhaltigkeitsgipfel im Sommer in Brasilien beschlossen.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimawandelfolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Darin wird die Forderung nach einer “fokussierten und vorausblickenden politischen Erklärung”, “Zielen und Aktionen auf internationaler Ebene” und “vereinbarten Zeitrahmen” unterstrichen.

Das von dem UN-Sekretariat vorgelegte “Zero Draft” wird als gute Ausgangsbasis für weitere Diskussionen begrüßt. Die Bekämpfung der Armut, die Sicherung der Lebensgrundlagen und der Schutz der Umwelt seien eng verbunden mit der Dynamik der Bevölkerungsentwicklung, wobei zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung eine ökonomisch höhere Leistung und menschenrechtsbasierte politische Entscheidungen gehörten.

Zu dem einen Gipfelschwerpunktthema, der “grünen” Wirtschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung (GESDPE), enthalten die Schlussfolgerung mehrere Unterpunkte, in denen u.a. die Möglichkeit eines “inspirierenden neuen globalen Wachstumsmodells” erwähnt wird, das negative Umwelttrends umkehren und zukünftige Entwicklung und Arbeitsplatzschaffung beflügeln soll. Neben der “grünen” sollte auch die “blaue” Wirtschaft betrachtet werden, die die Bewahrung und die nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen beachtet. Entsprechende Ergebnisse mit spezifischen Zielen, Maßnahmen und Aktionen sollten bei der Konferenz ebenso herauskommen, wie eine internationale Plattform zum Wissensaustausch über Green Economy. Darüber hinaus soll die Staatengemeinschaft die Ergebnisse aller Vorkonferenzen, die weltweiten Verhandlungsergebnisse im Klimaschutz (Durban), im Biodiversitätsschutz (Nagoya) sowie die Debatten über Bodenschutz und Verwüstung (Changwon Konferenz) beachten. Eine Entkopplung von ökonomischem Wachstum und Ressourcenverbrauch, die Inwertsetzung und Beachtung von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen sowie deren Integration in politische und wirtschaftliche Prozesse, die Entwicklung eines 10-Jahres-Rahmenprogramms für nachhaltige Produktions- und Konsummuster sowie nicht zuletzt ein Umdenken bei der Berechnung des Bruttoinlandproduktes sind weitere Forderungen.

Die EU spricht sich für eine Reform der UN und eine Aufwertung des Umweltprogramms einschließlich einer besseren Finanzausstattung aus. Die Arbeit an gemeinsamen Zielen für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDG) müsse mit der Revision der Millennium Development Goals verzahnt und Strategien für die Zeit nach 2015 entwickelt werden. Bei der Umsetzung und Finanzierung setzt die EU auf den Ausbau verschiedener staatlicher Quellen, Unternehmensverantwortung und öffentlich-private Partnerschaften. Darüber hinaus bekräftigt die EU ihren Willen, bis 2015 die zugesagte öffentliche Entwicklungshilfe in Höhe der anvisierten Prozentziele zu erreichen.

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Grönlands Eis könnte bereits bei 1,6 Grad globaler Erwärmung komplett wegschmelzen

Freitag 16. März 2012 von birdfish

Die Eismassen Grönlands sind wahrscheinlich viel verletzlicher durch die Erderwärmung als bislang gedacht.

Eis der Arktis bei Grönland
Die Arktis bei Grönland – Foto: Martin Schwan – Fotolia.com

Die Grenze für ein völliges Schmelzen der Eisdecke dort befindet sich im Bereich zwischen 0,8 und 3,2 Grad Celsius globaler Erwärmung, mit einem besten Schätzwert von 1,6 Grad über den Temperaturen vor Beginn der Industrialisierung. Das zeigt eine neue Studie von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universidad Complutense de Madrid. Heute werden bereits 0,8 Grad globale Erwärmung beobachtet.
Ein massives Schmelzen von Land-Eis könnte langfristig zu einem Anstieg des Meeresspiegels von mehreren Metern beitragen und betrifft daher möglicherweise das Leben vieler Millionen Menschen.

Wie lange es dauert bis zum Verlust eines Großteils der Eismassen Grönlands, hängt stark vom Maß der Erwärmung ab. „Je stärker wir die Temperaturgrenze überschreiten, desto schneller schmilzt das Eis“, sagt Alexander Robinson, Hauptautor der jetzt in Nature Climate Change veröffentlichten Studie. Wenn die Menschheit ihren Ausstoß an Treibhausgasen ungemindert fortsetzt, steuert sie langfristig auf acht Grad globaler Erwärmung zu. Dies würde innerhalb von 500 Jahren zu einem Abschmelzen von einem Fünftel der Eisdecke Grönlands führen, und zu einem fast vollständigen Eisverlust in 2000 Jahren, so die Studie. „Das würde man nicht als raschen Zusammenbruch bezeichnen“, erklärt Robinson. „Allerdings ist es rasch, wenn man es vergleicht mit dem, was bislang in der Erdgeschichte passiert ist. Und wir nähern uns wahrscheinlich bereits der kritischen Grenze.“

Wird hingegen die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt, würde sich das Schmelzen in einem Zeitraum von 50.000 Jahren abspielen. Sogar mit diesen zwei Grad, die oft als globale Leitplanke für den Klimawandel bezeichnet werden, wäre das Eis aber nicht sicher. Frühere Forschung hatte für das Schmelzen der Eismassen Grönlands eine Schwelle von 3,1 Grad Celsius Erderwärmung als bestem Schätzwert ergeben, mit einem Unsicherheitsbereich von 1,9 bis 5,1 Grad. Die neue Studie bedeutet grob eine Halbierung des bisherigen besten Schätzwertes.

Rückkopplungen zwischen Klima und Eis – ein Kipp-Element im Erdsystem

„Unter bestimmten Bedingungen wird das Schmelzen der Eismassen Grönlands unumkehrbar, wie unsere Studie zeigt“, sagt Andrey Ganopolski vom PIK, Leiter des Forschungsteams. „Dies stützt die Annahme, dass die Eismassen dort ein Kipp-Element im Erdsystem sind. Wenn die weltweite Mitteltemperatur die von uns ermittelte Grenze deutlich und lange Zeit überschreitet, wird das Eis immer weiter abschmelzen und nicht wieder zunehmen – sogar wenn das Klima nach vielen tausend Jahren wieder zu einem Zustand wie vor der Industrialisierung zurückkehren würde.“ Dies hängt mit Rückkopplungen zwischen Klima und Eisdecke zusammen: Das Eis auf Grönland ist mehr als 3000 Meter dick, seine Oberfläche befindet sich daher in kühleren Höhenlagen. Sinkt sie durch das Schmelzen hinab in wärmere Luftschichten, so beschleunigt dies den weiteren Eisverlust. Zudem reflektiert das Eis einen großen Teil der Sonneneinstrahlung zurück ins All. Wenn durch das Schmelzen die von Eis bedeckte Fläche schrumpft, wird mehr Sonnenstrahlung absorbiert, was die regionale Erwärmung verstärkt.

Die Wissenschaftler erzielten ihre Ergebnisse mit einer neuartigen Computer-Simulation der Eisdecke Grönlands und des regionalen Klimas. Die Veränderungen in diesen beiden physikalischen Systemen werden in der Simulation aufwändig durchgerechnet – einschließlich wichtiger Prozesse wie zum Beispiel der Rückkopplungen im Klimasystem, die zusammenhängen mit Veränderungen des Schneefalls und der Eisschmelze als Folge der Erderwärmung. Das Modell bewies dabei die Fähigkeit, sowohl die heute beobachtbare Eisbedeckung korrekt zu berechnen als auch ihre Entwicklung über die vergangenen Eiszeit-Zyklen hinweg. Deshalb wird der Simulation zugetraut, auch die Zukunft richtig abzuschätzen. All dies macht die neue Abschätzung verlässlicher als die vorherigen.

Originalpublikation:

Robinson, A., Calov, R., Ganopolski, A. (2012): Multistability and critical thresholds of the Greenland ice sheet. Nature Climate Change [doi:10.1038/NCLIMATE1449]

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Atomunfälle und Störfälle verursachen enorme Langzeitschäden in Ökosystemen

Freitag 16. März 2012 von birdfish

Reaktorkatastrophen haben vermutlich gravierendere und weit weniger absehbare Auswirkungen auf die Ökosysteme, als bisher angenommen wurde.

Pripyat
Geisterstadt Pripyat, im Hintergrund der Tschernobyl-Reaktor – Foto: Jason Minshull

Zum Jahrestag des verheerenden Unglücks im japanischen Fukushima haben Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg eine neue Debatte über mögliche Langzeitschäden von Störfällen und Unfällen in atomaren Anlagen angeregt. Das Forscherteam um den Lüneburger Professor Dr. Henrik von Wehrden stützt sich bei seinen Erkenntnissen auf die Auswertung von mehr als 500 Studien über die Auswirkungen des Super GAUs von Tschernobyl.
Dort war vor 25 Jahren bei der Simulation eines Stromausfalls die Explosion eines Reaktors ausgelöst worden. Veröffentlicht werden die Erkenntnisse der Leuphana-Wissenschaftler nun in der angesehenen amerikanischen Wissenschaftszeitschrift „Conservation Letters“. Darin stellen sie fest, dass man trotz der Datenfülle noch immer nur recht wenig darüber weiß, was die Strahlung langfristig in den Ökosystemen anrichtet. Die Studienautoren fordern daher, nach dem Fukushima-Unglück die Forschungsanstrengungen besser zu koordinieren.

Ein Viertel Jahrhundert ist seit dem bislang gravierendsten Atomunglück von Tschernobyl vergangen. Und noch immer sind in Südengland einige Wiesen für die Viehhaltung gesperrt, noch immer dürfen in Finnland mancherorts keine Fische gezüchtet werden. Zwei Beispiele von vielen, die das Forscherteam unter der Leitung der Leuphana Universität Lüneburg zusammen getragen hat. „Wir haben 521 Studien aus ganz Europa ausgewertet“, sagt Studienleiter Professor Dr. Henrik von Wehrden von der Leuphana Universität Lüneburg. „Sie zeigen, dass die Folgen von Tschernobyl noch längst nicht ausgestanden sind.“

Ein Grund dafür ist die Langlebigkeit der Radionuklide, die bei dem Super-GAU 1986 freigesetzt wurden. Dazu zählen vor allem Caesium-137 (Halbwertszeit: 31 Jahre) und Strontium-90 (29 Jahre). Diese beiden radioaktiven Isotope sind also noch nicht einmal zur Hälfte zerfallen. Sie sorgen in manchen Regionen bis heute für eine erhebliche Strahlenbelastung. So wurden im Jahr 2009 in südschwedischen Pilzen Werte von 180.000 Bequerel pro Kilogramm gemessen – der zulässige Grenzwert in Deutschland liegt für Nahrungsmittel bei 600 Bequerel pro Kilogramm. Selbst in 2.000 Kilometern Entfernung vom Unglücksort gibt es bis heute zum Teil erhebliche Strahlenbelastungen; in Deutschland beispielsweise haben Forscher 2009 stark erhöhte Werte in Wildfleisch festgestellt.

Allerdings variieren die Strahlenwerte von Ort zu Ort stark. Das hängt zum Einen mit den meteorologischen Bedingungen zur Unglückszeit zusammen, vor allem mit der Windrichtung und dem Niederschlag. Allerdings reichen diese Faktoren nicht aus, um die Unterschiede zu erklären. „Die von uns gesichteten Studien zeigen glasklar, dass die Karten vom radioaktiven Fallout – die ja auf meteorologischen Daten basieren – einfach zu ungenau sind“, betont von Wehrden. „Messungen vor Ort sind einfach unabdingbar.“ Dazu kommt, dass die Strahlung heute noch wandert: So kann bei Waldbränden in großen Mengen radioaktive Asche in die Luft gelangen und durch den Wind in bislang unbelastete Gebiete getrieben werden. Das war beispielsweise 2010 in Russland der Fall.

Welche Konsequenzen die Strahlenbelastung für die Ökosysteme hat, sei bis heute nur unzureichend bekannt, kritisiert der Ökologe. „Es hat sich aber gezeigt, dass selbst geringe Strahlendosen Pflanzen und Tiere schädigen können“
, sagt er. „Wir wissen heute etwa, dass Ratten ihr Schlafverhalten ändern, wenn sie radioaktives Wasser trinken – und das schon bei einer Belastung von 400 Bequerel pro Liter. Und in Zwiebeln hat man bei ähnlichen Strahlendosen Chromosomen-Schädigungen festgestellt.“ Direkt um Tschernobyl sei die Radioaktivität übrigens so stark gewesen, dass dort ein ganzes Waldgebiet abgestorben sei. Zudem seien dort die Mutationsraten in Fischen und Vögeln zum Teil drastisch angestiegen. Bei manchen Vögeln habe man auch ein verkleinertes Gehirnvolumen festgestellt. „Welche Folgen das haben wird, bleibt abzuwarten.“

Zusammen mit seinen Co-Autoren mahnt er an, Lehren aus Tschernobyl zu ziehen. Das betreffe nicht nur die Politik, sondern auch die Forschung. „Wir müssen uns besser koordinieren, um valide Erkenntnisse über die langfristige Wirkung von Strahlung auf komplexe Ökosysteme zu gewinnen“, sagt er. „Das Unglück in Fukushima bietet in dieser Hinsicht eine Chance, die wir nutzen sollten. Auch in Zukunft werden auf unserem Planeten vermutlich noch viele neue Atom-Kraftwerke gebaut. Die Politik muss hierbei aber auch die möglichen Risiken für die Umwelt berücksichtigen, die wir bisher kaum kennen und verstehen.“

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Bioenergie-Bewertung: Klimarisiken durch Energie aus Biomasse werden unterschätzt

Donnerstag 15. März 2012 von birdfish

Die Risiken des Einsatzes von Energie aus Biomasse werden unterschätzt, wie ein jetzt in Nature Climate Change veröffentlichter Artikel zeigt.

Biomasse: Energie zu welchem ökologischen Preis?
Biomasse: Energie zu welchem ökologischen Preis? – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

„Wir brauchen hier das Vorbeugeprinzip“, sagt Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor der Technischen Universität Berlin (TU Berlin). „Bevor die Bioenergie weiter ausgeweitet wird, muss die Wissenschaft eine umfassendere Abschätzung der Risiken liefern – bislang sind in Projektionen des Einsatzes von Bioenergie teils fundamentale Unsicherheiten enthalten. Nötig sind hier neuartige Ansätze des Risikomanagements für den Wandel der Landnutzung.“ Eine Möglichkeit wäre, die Beweislast für das Erreichen von Nachhaltigkeitsstandards auf die Produzenten von Bioenergie zu verlagern.

Genauigkeit und Vollständigkeit der Bewertung von Bioenergie

Der großflächige Anbau von Energiepflanzen könnte unter dem Strich zu mehr Ausstoß von Treibhausgasen führen, wenn beispielsweise Wälder abgeholzt und zu Anbauflächen umgewandelt werden. Zugleich heißt es aber in ökonomischen Szenarien zur CO2-Reduzierung, dass sich die fossilen Brennstoffe kaum ohne einen massiven Einsatz von Bioenergie werden ersetzen lassen. Der Artikel analysiert nun, wie diese beiden scheinbar gegensätzlichen Betrachtungsweisen zusammengeführt werden können, und identifiziert die der Debatte zugrundeliegenden wesentlichen Unsicherheiten.

„Energie aus Biomasse ist Gegenstand einer hitzigen Diskussion“, sagt Felix Creutzig, Hauptautor des Artikels von Wissenschaftlern der TU Berlin, des PIK und der Universität Berkeley in den USA. „Forscher müssen sehr klar die Annahmen darlegen, die sie ihrer jeweiligen Untersuchung zugrunde legen. Und sie sollten systematisch die Risiken in die Berechnungen mit einbeziehen, die mit unterschiedlichen Regelungsmöglichkeiten zur Bioenergie zusammenhängen. Politiker hätten die Wahl, in Zukunft nur unter genauen Vorgaben den Einsatz von Bioenergie zu erlauben.“

Die Ökobilanz von Energie aus Biomasse ist von großen Unsicherheiten geprägt. Während die Emissionen der bisherigen Produktion von Bioenergie meist gut erfasst werden, werden die Effekte einer künftigen Ausweitung des Einsatzes von Bioenergie auf die Märkte von Landwirtschaftsprodukten oder auf den Benzinmarkt laut der Studie oft außer Acht gelassen. So könnte beispielsweise eine verstärkte Erzeugung von Rohstoffen für Biosprit weltweit die Preise für Agrarland in die Höhe treiben. Dies würde Anreize setzen, Anbauflächen auf Kosten natürlicher CO2-Senken auszuweiten.

Auf der anderen Seite behandeln viele ökonomische Szenarien zum Klimaschutz Bioenergie als „CO2-neutral“. Dabei unterstellen sie, dass Maßnahmen zum Waldschutz ergriffen werden, und dass technischer Fortschritt eine höhere Ausbeute von Bioenergie pro Hektar erlaubt. Ob diese Annahmen eintreffen, ist schwer vorherzusagen. Abhängig von solchen Annahmen schwanken aber die Abschätzungen des Potenzials von Bioenergie beträchtlich – nämlich um den Faktor Zehn.

Eine umfassende Beurteilung der Chancen und Risiken des Einsatzes von Bioenergie sollte das ganze Spektrum möglicher Entwicklungen darzustellen versuchen und systematisch Auswirkungen auf Märkte erfassen, so die Schlussfolgerung der Forscher. Die Szenarien müssen systematischer auch die Effekte der Nutzung von Bioenergie in einer nicht perfekten Welt abschätzen, in der es beispielsweise nur einen begrenzten Fortschritt von politischen Regelungen und Technologie gibt. Um hier die Debatte voran zu bringen, sei eine viel engere fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen mit Bioenergie befassten Forschungsrichtungen nötig.

“Dies ist eine zentrale Herausforderung für kommende wissenschaftliche Sachstandsberichte“, sagt Ottmar Edenhofer. „Berechnungen zur Wirkung des Einsatzes von Bioenergie in der Zukunft sind von Natur aus mit Ungewissheiten belastet, und hierauf muss man an der Schnittstelle von Politik und Wissenschaft reagieren. Die Projektionen sind teils abhängig von Werturteilen – diese betreffen Energiesicherheit, Klimaschutz, Ernährungssicherheit und den Schutz der Artenvielfalt.“ Wenn es der Wissenschaft gelänge, alle zugrundeliegenden Annahmen und Unsicherheiten den politischen Entscheidungsträgern verständlich zu machen, so Edenhofer, „dann kann das ein Start sein für die wichtige Diskussion, wo wir als Gesellschaft hinwollen, und welche Risiken wir hierbei in Kauf nehmen.“

Die Analyse wurde von der Michael Otto Stiftung und dem deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Originalpublikation

Creutzig, F., Popp, A., Plevin, R., Luderer, G., Minx, J., Edenhofer, O. (Nature Climate Change, 2012): Reconciling top-down and bottom-up modelling on future bioenergy deployment [doi:10.1038/nclimate1416]

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Ramsauers Flensburg-Reform ignoriert Gesundheitsschutz in Ballungszentren

Freitag 9. März 2012 von birdfish

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) möchte im Rahmen der Reform des Strafpunktesystems in Flensburg die einzige Umwelt- und Gesundheitsbezogene Regelung ersatzlos streichen.

Stadtverkehr
Umweltzonen können Leben retten – Foto: PeeF / Pixelio

Dies stößt bei Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden in Deutschland auf massiven Widerstand. In Deutschland sterben fast viermal mehr Menschen infolge von ultrafeinen Rußpartikeln aus Dieselmotoren als durch Verkehrsunfälle. Daher dürfe eine Ahndung von Verstößen gegen die Auflagen in Umweltzonen in dem neuen Register nicht einfach entfallen, forderten die in der Kampagne „Rußfrei fürs Klima“ zusammengeschlossenen Verbände Naturschutzbund NABU, Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, Verkehrsclub Deutschland VCD und Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Die Verbände setzen sich seit Jahren für die Minderung von gesundheits- und klima-gefährdenden Rußemissionen insbesondere in Ballungszentren ein. Dazu sei das Instrument der Umweltzone, das Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter aus den hoch belasteten Innenstädten verbannt, das wirksamste Einzelinstrument. Verstöße gegen die Auflagen der Umweltzonen werden nach geltendem Recht mit einer Geldbuße in Höhe von 40 Euro geahndet – und einem Punkt in Flensburg. In dem neuem Punktesystem des Bundesverkehrsministers soll dieser Strafpunkt ersatzlos entfallen.

Die Verbände werfen Ramsauer vor, mit seiner Reform des Punktesystems die Zahl der Personenschäden durch den Autoverkehr nicht zu verringern, sondern im Gegenteil die gesundheitlichen Gefahren zu erhöhen. Bezogen auf die Umweltzonen käme die Reform einer Aufforderung an die Autofahrer gleich, geltende Gesetze zum Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger und der Umwelt zukünftig als Kavaliersdelikt zu betrachten.

NABU, BUND, VCD und DUH fordern Ramsauer auf, den Strafpunkt für Verstöße gegen Umweltzonenregelungen beizubehalten. Nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben in Deutschland jedes Jahr rund 70.000 Menschen vorzeitig an Feinstaub, davon etwa 15.000 durch Partikel aus Dieselabgasen. Das sind nahezu vier mal soviel Menschen wie im vergangenen Jahr im Straßenverkehr (3.991 Verkehrstote) ums Leben kamen.

Kampagne “Rußfrei fürs Klima”

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Germanwatch für ‘Ticket Tax’: Erhalt und Weiterentwicklung der Luftverkehrssteuer

Freitag 9. März 2012 von birdfish

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch fordert die Bundesregierung dazu auf, entgegen erneuter Kritik an der Luftverkehrssteuer festzuhalten.

Klimasünde Luftverkehr
Klimasünde Luftverkehr – Foto: Dagmar Struß

Denn die sogenannte „Ticket Tax“ trägt zum Subventionsabbau bei und brachte dem Staat im letzten Jahr Einnahmen von 905 Millionen Euro ein. Erst acht Prozent der insgesamt 11,5 Milliarden Euro umfassenden Steuerbefreiungen des Luftverkehrs sind abgebaut. Ein Subventionsabbau im Luftverkehr ist aus Sicht von Germanwatch dringend geboten und muss auch aus volkswirtschaftlichen Gründen weiter vorangetrieben werden. Diese Subventionen bewirken enorme Wettbewerbsverzerrungen im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern. Sie führen zum Aufbau massiver Überkapazitäten im Flugverkehr mit der Folge steil wachsender Treibhausgasemissionen.

„Eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Luftverkehrssteuer als klimapolitisches Instrument in Deutschland ist dringend erforderlich“, kommentiert Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. „Wir brauchen eine höhere und klimagerechte Besteuerung der Passagiere mit größerem Platzbedarf in der ersten Klasse und die Ausweitung der Ticket-Tax in der EU. Außerdem brauchen wir Maßnahmen für die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Bahn. Wenn die Einnahmen für den nationalen und internationalen Klimaschutz verwendet werden, könnte sich die klimapolitische Wirkung der Steuer zusätzlich erhöhen“, so Bals. So könne die Ticket Tax einen bedeutenden Beitrag zur Klimafinanzierung gerade im Rahmen des Sondervermögens „Energie- und Klimafonds“ leisten, der aufgrund der  niedrigen Erlöse aus dem Emissionshandel derzeit unterfinanziert ist.

Bals weist darauf hin, dass aus Klimaschutzgründen die CO2-Emissionen des Luftverkehrs massiv reduziert werden müssen. Ein weiteres Luftverkehrswachstum wie in den letzten 20 Jahren sei umweltpolitisch nicht verantwortbar. Die CO2-Emissionen des Luftverkehrs in Deutschland stiegen im Personenverkehr um 91 Prozent an, im Güterverkehr um 80 Prozent. Kein anderer Verkehrsträger hat ein ähnliches Wachstum verzeichnet wie die Luftverkehrsbranche. Trotz Einbeziehung des Luftverkehrs in den EU-Emissionshandel seit 2012 werde europaweit eine Steigerung der CO2-Emissionen des europäischen Luftverkehrs um 80 Prozent bis 2020 erwartet.

„Wir bestärken Bundesfinanzminister Schäuble, nicht an der Luftverkehrssteuer zu rütteln, sondern sie weiterzuentwickeln“, so Bals.

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