Dienstag 27. Juli 2010 von birdfish
Globale Erwärmung und Treibhauseffekt, schmelzende Polkappen und steigender Meeresspiegel, Trockenheit und Wassermangel: Kaum ein Thema beherrscht die Medien so durchgehend wie die Klimaproblematik.
Dem Autoverkehr wird ein hoher Anteil am Klimawandel zugeschrieben – Foto: Rainer Sturm / Pixelio
Auch die Bevölkerung des Ruhrgebiets bleibt davon nicht unbeeindruckt. Klimawandel und Umweltpolitik sind die Themen, die die Menschen dort stark interessieren. Das ergab eine Umfrage des Rhein-Ruhr-Instituts für Sozialforschung und Politikberatung (RISP), einem An-Institut der Universität Duisburg-Essen.
Die Ursachen für den Klimawandel sehen die Menschen in der Metropolregion vor allem im Verkehr (83,2 Prozent) in der Industrie (79,7 Prozent) und in der Energieerzeugung (72,9 Prozent). 58,9 Prozent machen auch das Konsumverhalten der Bevölkerung mitverantwortlich. Insgesamt zeigt die RISP-Umfrage, wie hoch der Stellenwert von Klimawandel und Klimaanpassung bei der Bevölkerung des Ruhrgebiets ist: 79 Prozent der Befragten erachten den Klimawandel als bedeutsam. Umweltpolitik ist mit 89,9 Prozent der Stimmen noch vor der Wirtschaftspolitik (83,8 Prozent) der Politikbereich, dem die größte Bedeutung zugemessen wird.
Von Politik schlecht informiert
Wie kann reagiert werden, wenn sich die Erde weiter erwärmt? Wie kann man selbst zum Umweltschutz beitragen? „Mit diesen Fragen haben sich laut der RISP-Studie viele Bürger bereits beschäftigt“, sagt Joachim Liesenfeld, Projektleiter beim RISP. „Sie sind gut informiert und haben eine präzise Vorstellung von den Folgen des Klimawandels.“ 87,6 Prozent rechnen mit einem Temperaturanstieg, 81,6 Prozent mit Starkregenereignissen und 71,2 Prozent mit wachsenden gesundheitlichen Risiken für ältere Menschen, Schwangere und Kleinkinder. Von der Politik fühlt sich die Ruhrgebiets-Bevölkerung allerdings schlecht über diese Folgen informiert: Nur 18,9 Prozent geben Politik und Verwaltung gute oder sehr gute Noten für ihr Informationsmanagement in Sachen Klimawandel.
Eigener Einsatz für die Umwelt
„Um den Klimawandel aufzuhalten und die Folgen zu beherrschen, wollen die befragten Bürger auch selbst etwas beitragen“, so Joachim Liesenfeld über die weiteren Ergebnisse der Studie. „Energiesparen, erneuerbare Energien und der ÖPNV stehen hoch im Kurs“. Zur Förderung erneuerbarer Energien würden Bürgerinnen und Bürger sogar höhere Stromkosten akzeptieren. „Eines stößt allerdings auf große Ablehnung: ein Wohnortwechsel in Folge von Umweltgesichtspunkten.“
An der Umfrage beteiligten sich mehr als 1.000 Bürger. Sie wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojektes „Dynamische Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels in der Emscher-Lippe Region (Ruhrgebiet)“ durchgeführt. Ziel ist eine erfolgreiche Klimaanpassung in der Region unter Einbeziehung der Bevölkerung.
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Dienstag 27. Juli 2010 von birdfish
Die Elektromobilität gilt als der Hoffnungsträgerin für die Zukunft.
Akzeptanz für teure Elektroautos? – Foto: Daniel Litzinger / Pixelio
Eine aktuelle Studie von Fraunhofer IAO und PricewaterhouseCoopers zeigt, mit welchen Geschäftsmodellen eine breite Akzeptanz der Elektromobilität möglich ist und wie Deutschland Leitmarkt der Technologie werden kann.
Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden und eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutsche Straßen bringen – so die Forderungen von Bundesregierung und deutscher Industrie. Doch für einen Erfolg der Elektromobilität müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das wichtigste Ziel lautet, die Nutzer für die Elektromobilität zu begeistern.
Wie können Energie- und Automobilindustrie dabei vorgehen? Und was hält der Nutzer von der Möglichkeit, künftig in einem Elektroauto zu fahren? Eine aktuelle Studie von Fraunhofer IAO und PricewaterhouseCoopers möchte diese Fragen beantworten. Im Mittelpunkt stehen die Herausforderungen, die die Elektromobilität an Industrie und die öffentliche Hand stellt sowie Chancen und Risiken dieser Entwicklung.
Grundlage für die Studie bildet eine Befragung von etwa 500 potenziellen Nutzern von Elektrofahrzeugen sowie von Experten aus Politik, Energie- und Automobilwirtschaft. Ausgehend von deren Antworten identifizierten die Autoren Lücken zwischen Erwartungen der Nutzer und tatsächlichen technologischen Möglichkeiten und leiteten Thesen für die Zukunft der Elektromobilität ab. In der Studie präsentieren sie Industrie und öffentlicher Hand Lösungsmöglichkeiten, um diese Lücken zu schließen.
Die derzeitigen Nachteile des Elektrofahrzeugs im Vergleich zum Pkw mit Verbrennungsmotor sind dabei nicht zu übersehen: Es ist zu teuer und mindert die gewohnte individuelle Mobilität der Nutzer. Innovative Mobilitätskonzepte mit neuen Features müssen die Nutzer daher beeindrucken, um die Schwachstellen aufzuwiegen.
Bei der Realisierung von Elektromobilität sehen die Autoren Potenziale für neuen Unternehmersinn und wähnen urbane Zentren als Katalysatoren der Entwicklung. Im Fokus der Betrachtung stehen nachhaltige Kooperationen verschiedener Akteure. Die Automobilindustrie hat tiefgreifende Änderungen vor sich, kann aber mit ihrer hohen Innovationskraft punkten. Energieunternehmen zögern noch aufgrund fehlender Erfahrungen und Geschäftsmodelle. Die öffentliche Hand muss Rahmenbedingungen schaffen und Infrastruktur bereitstellen. Nur integrierte Konzepte, die neben den genannten Akteuren auch die Branche der Informations- und Kommunikationstechnologie einschließen, werden auf lange Sicht erfolgreich sein – so die zentrale These der Studie.
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Montag 26. Juli 2010 von birdfish
Fahrer von Pkw mit alternativen Antrieben denken weniger an die Umwelt als an den eigenen Geldbeutel.
Prof. Dr. Doris Kortus-Schultes und Ingo Olschewski im Kreise der Master-Studierenden. Im Vordergrund: das Hybrid-Auto der Hochschule Niederrhein.
Sie entscheiden sich aus Gründen der Kostenersparnis für ein Fahrzeug mit alternativer Antriebstechnik und nehmen die Schonung der Umwelt als positive Begleiterscheinung gerne in Kauf. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Kompetenzzentrums Frau und Auto an der Hochschule Niederrhein.
Studenten des Masterstudiengangs „Strategisches Marketing“ unter der Leitung von Professor Dr. Doris Kortus-Schultes befragten für die Studie 16 Fahrer von Autos mit alternativer Antriebstechnik. Nach diesen Fokusgruppen-Interviews machten die Studierenden vier verschiedene Motivationsstränge bei den Befragten aus: die bereits genannte Kostenersparnis („die rational Orientierten“), die Schonung der Umwelt („die ökologisch Interessierten“), die Begeisterung für moderne Technik („die Innovativen“) und das Interesse an Dynamik und Sportlichkeit („die junge Zielgruppe“).
Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Umwälzungen auf dem Automobilmarkt ist die Studie besonders wertvoll. In den nächsten Jahren werden nahezu alle namhaften Automobilhersteller Elektro-Fahrzeuge auf den Markt bringen und dabei vor der Frage stehen, wer die Käufer dieser Autos sein werden. Um das herauszufinden, ist die Industrie auf Nutzerprofile ihrer potenziellen Kunden angewiesen. Und diese Profile liefern die Studenten der Hochschule Niederrhein jetzt am Beispiel der sehr kleinen Gruppe von Autofahrern, die bereits alternative Antriebe nutzen.
„Die Autoindustrie steht vor der Frage: Welche Kunden sprechen wir bei der Einführung der Elektroautos an? Da ist diese Art von Nutzerakzeptanzforschung sehr wertvoll“, sagt Doris Kortus-Schultes, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Auto an der Hochschule Niederrhein. Nicht nur die Industrie sei brennend an den Ergebnissen der Studie interessiert, auch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung habe die Studie bereits angefordert. Kooperationspartner Ingo Olschewski von der Forschungsgesellschaft Kraftfahrtwesen Aachen, ordnet dem Thema der Studie eine hohe zukünftige Relevanz zu: „Sie liefert wichtige Erkenntnisse zu den aktuellen strukturellen Veränderungen in der Automobilindustrie aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung des Antriebstrangs.“
Denn auch das ist ein Ergebnis der Studie: Die Hybrid-Technik, die auf dem Zusammenspiel von konventionellen Verbrennungsmotoren und Kraftstofftank sowie einem Elektromotor und zugehöriger Batterie beruht, wurde von den befragten Fahrern eher negativ bewertet. Wer kostengünstig fahren möchte und dafür keine Einschränkungen in punkto Reichweite oder Geschwindigkeit in Kauf nehmen möchte, steigt auf Gasantrieb um. Vorausgesetzt, die vorherige Kosten-Nutzen-Analyse hat dies nahe gelegt. Sie sind eben vor allem rational orientiert, die Fahrer von Autos mit alternativer Antriebstechnik.
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Mittwoch 7. Juli 2010 von birdfish
ine erschreckende Vernachlässigung der Umsetzung und Kontrolle von Klimaschutzgesetzen hat die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) bei einer Umfrage in den Bundesländern festgestellt.
Klimaschutz im Gebäudebereich wird nicht kontrolliert – Foto: Rainer Sturm / Pixelio
Entscheidende gesetzliche Vorgaben z.B. für den Klimaschutz im Gebäudebereich werden in den Bundesländern zum Teil entweder gar nicht umgesetzt oder aber ihre Einhaltung wird so gut wie nicht überwacht. So sind für das seit anderthalb Jahren geltende Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (EEWärmG) vielfach noch immer keine Vollzugsbehörden benannt worden. Und die Einhaltung der Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) wird nicht einmal stichprobenhaft kontrolliert, obwohl bekannt ist, dass diese Vorgaben in der Praxis häufig umgangen werden. Unbeirrt misst jedoch die Bundesregierung beiden Gesetzen eine maßgebliche Bedeutung für die Erreichung der deutschen Klimaschutzziele bei.
„Die mangelnde Kontrolle hat System und dieses System trägt maßgeblich dazu bei, dass Deutschland seine Klimaschutzziele nicht erreichen wird“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Der Staat kümmert sich nicht um die Einhaltung der Klimaschutzgesetze und schafft so den Freiraum für Betrug, Schlamperei und Schlendrian, den Teile von Industrie und Gesellschaft nutzen, um Klima- und Umweltschutz auszuhebeln. Jedes Jahr kommen so viele Millionen Tonnen zusätzlicher Klimagasemissionen hinzu, die in keiner Statistik auftauchen,“ sagte Resch. Der Personalabbau in den unteren Vollzugsbehörden habe daher einen hohen Preis, da die Folgen des Klimawandels deutlich teurer seien. „Wenn am Fuße der staatlichen Hierarchieleiter keine Menschen mehr arbeiten, die die Gesetze in die Praxis umsetzen, dann können Regierung und Parlament sich lange mit wohlfeilen Gesetzestexten rühmen, sich für Klima und Umwelt einzusetzen“, sagte Resch.
Um eine globale Erwärmung von mehr als zwei Grad Celsius noch zu verhindern, müssen die Industrienationen ihre Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent bis 2050 reduzieren. Die Koalition aus CDU/CSU und FDP hat sich dementsprechend im Koalitionsvertrag zu einer Minderung der deutschen Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um mindestens 80 Prozent verpflichtet. „Dieses Ziel wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch und gerade wegen bestehender Vollzugsdefizite im Bereich des Klimaschutzrechts deutlich verfehlt werden“, sagte Dr. Cornelia Ziehm, Leiterin Klimaschutz und Energiewende der DUH. „In den Ländern sind vielfach massive Vollzugsdefizite und ein Desinteresse an der Gewährleistung eines ordnungsgemäßen Vollzugs zu konstatieren, so dass immense Energieeinsparpotenziale verschenkt werden. Der Bund schaut dabei zum Teil seit Jahren tatenlos zu“, sagte Ziehm, die die Umfrage zur Umsetzung von Energieeinspargesetzen im Gebäudebereich in den 16 Bundesländern durchgeführt hat.
Einen mangelhaften Vollzug von Gesetzen zum Klimaschutz stellt die DUH ebenfalls seit Jahren bei stichprobenartigen Kontrollen der Effizienzkennzeichnung von Pkw und bei Haushaltsgeräten wie Kühlschränken fest. Kühlgeräte werden schlecht oder gar nicht mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Energieverbrauchslabel gekennzeichnet. Außerdem werden die darin enthaltenen klimaschädlichen FCKW nicht ordnungsgemäß entsorgt, haben DUH-Recherchen bei den Umweltministerien der Länder ergeben. Da vier von fünf alten Kühlgeräten noch immer FCKW enthalten, ist die mangelhafte Entsorgung der Treibhausgase klimarelevant: Deutschland entlässt dadurch jährlich 5,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in die Atmosphäre.
„Der Staat darf sich der Überwachung der Einhaltung seiner Gesetze und Verordnungen nicht entziehen“, sagte Ziehm. Unterlassen die Bundesländer dennoch die Umsetzung, kann und muss der Bund laut Grundgesetz Art. 84 Abs. 3 Einfluss nehmen. Denn danach übt die Bundesregierung die Aufsicht darüber aus, dass die Länder die Bundesgesetze dem geltenden Recht gemäß ausführen. Machen sie das nicht, eröffnet Art. 84 Abs. 4 GG dem Bund die Möglichkeit der Mängelrüge. „Vor diesem Hintergrund ist der seitens des Bundes gerne wiederholte Hinweis auf die Verwaltungshoheit der Länder zwar richtig, entschuldigt aber eine Tatenlosigkeit des Bundes spätestens dann nicht mehr, wenn Bundesgesetze in den Ländern jahrelang nicht vollzogen werden“, sagte Ziehm. Auch ein pauschaler Verweis auf die angespannte Haushaltslage in Bund, Ländern und Kommunen und die damit verbundenen Personaleinsparungen sei schwerlich zur Rechtfertigung von Vollzugsdefiziten geeignet. Denn würden die Länder die Einhaltung von Klimaschutzgesetzen kontrollieren und bei festgestellten Verstößen Bußgelder verhängen, wäre das mit entsprechenden Einnahmen für den Staat verbunden, aus denen sich die Kontrolle wie in anderen Industriestaaten üblich finanzieren ließen.
Ziehm forderte zudem, den Bereich der Energieeffizienz insgesamt dem BMU zu übertragen. Denn insbesondere das bislang für Effizienzsteigerung bei Pkw und Haushaltsgeräten zuständige Bundeswirtschaftsministerium werde dieser Aufgabe seit Jahren nicht gerecht. So habe Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erst kürzlich wieder EU-Vorhaben zur Effizienzsteigerung bei leichten Nutzfahrzeugen torpediert.
Die Antworten der Bundesländer zum Stand der Umsetzung von EEWärmG und EnEV, ein Ranking der Länder sowie die DUH-Untersuchung zum FCKW-Recycling in Deutschland finden Sie hier:
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Mittwoch 23. Juni 2010 von birdfish
In einer sehr knappen Entscheidung hat das schwedische Parlament den Bau von neuen Atomkraftwerken genehmigt.
Das AKW Forsmark in Schweden – Foto: Linus Svensson / Greenpeace
174 Abgeordnete stimmten für die Gesetzesvorlage, 172 dagegen. “Diese Entscheidung ist ein großer Fehler”, sagt Ludvig Tillman, Energie Experte von Greenpeace Schweden. “Sie wirft das Land weit zurück. Massive Kosten, das Risiko eines Nuklear-Unfalls und Atommüll, der noch nicht entsorgt werden kann, erwarten uns.”
“Wir haben die Abstimmung verloren.” Die schwedischen Greenpeace-Aktivisten sind enttäuscht. Sie konnten mit ihren Aktionen nicht verhindern, dass Schweden einen sehr mutigen Schritt revidiert. Nach einer Volksabstimmung 1980 hatte der Reichstag den Ausstieg aus der Atomkraft und damit jeden Neubau von Atomkraftwerken verboten. Dieses Verbot gilt seit gestern nicht mehr. Wird nun einer der zehn Reaktoren in den Kraftwerken Forsmark, Oskarshamn und Ringhals stillgelegt, darf ein neuer gebaut werden. Vattenfall, E.on und Fortum, ein finnischer Betreiber von Atomanlagen in Schweden, zeigen sich über das Ergebnis der Abstimmung erfreut. Die Mehrheit der Bevölkerung wollte Umfragen zu Folge am Atomausstieg festhalten.
“Es ist mehr nötig als eine Abstimmung im Parlament, um ein Atomkraftwerk zu bauen”, sagt Ludvig Tillman. “In den Ländern, in denen neue Reaktoren gebaut werden ist zu sehen, dass die Anlagen extrem teuer sind und es im Bau zu großen Verzögerungen kommt. Schuld sind technische Probleme und Inkompetenz der Atomindustrie. Es ist noch nicht zu spät für Schweden wieder Vernunft anzunehmen. Greenpeace wird sich weiter jedem Schritt hin zu neuen Atomkraftwerken entgegenstellen.”
Im September wird das schwedische Parlament neu gewählt. Sollte es einen Regierungswechsel geben will Mona Sahlin, sozialdemokratische Oppositionschefin, den Beschluss für neue Atomanlagen wieder aufheben.
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Dienstag 15. Juni 2010 von birdfish
Was kostet der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland und welche Vorteile bringt er?
Das EEG beflügelt die Windenergienutzung – Foto: Ingwer Hansen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sind weit komplexer, als es die öffentliche Diskussion erkennen lässt. Wer davon profitiert, dass mehr Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, untersuchen Forscher im Auftrag des BMU. Federführend bei dem mehrjährigen Forschungsvorhaben ist das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe.
Der neu erschienene Zwischenbericht bestätigt: Ja, die Förderung der erneuerbaren Energien kostet Einiges. Rund sechs Milliarden Euro sind im Jahr 2008 für die systematischen Kosten wie z. B. Strompreissubventionierung und Regelausgleichsenergie anzusetzen. Doch dem steht ein Nutzen allein durch vermiedene Umweltschäden von etwa acht Milliarden Euro gegenüber.
Betrachtet man die Verteilungswirkungen, ergibt sich ein differenziertes Bild: rund 4,6 Mrd. Euro als Einspeisevergütung fließen von den Stromkunden an die Anlagenbetreiber. Stromkunden oder –lieferanten sparen bis zu 4 Milliarden Euro dadurch, dass der Preis auf dem Großhandelsmarkt sinkt, wenn erneuerbare Energien konventionelle Kraftwerke verdrängen (sog. „Merit-Order-Effekt“). Den etwa 440 Mio. Euro an Fördermitteln des Bundes an die Anlagenbetreiber stehen gut doppelt so hohe Einnahmen aus der Besteuerung von EE-Strom gegenüber. Und auch an stromintensive Unternehmen und Schienenbahnen ist gedacht: eine besondere Ausgleichsregelung im EEG sieht für sie rund 700 Mio. Euro vor, finanziert von den übrigen Stromverbrauchern.
Gesamtwirtschaftlicher Nutzen
Zur Abschätzung des gesamtwirtschaftlichen Nutzens bilanziert die Studie die Arbeitsplatz- und Umsatzeffekte der neuen Branche ebenso wie Energiepreiseffekte, vermiedene Energieimporte und Versorgungssicherheit.
Die bisher vorliegenden Ansätze und Methoden zur Erfassung der ökonomischen Wirkungen des EE-Ausbaus werden im Zwischenbericht zusammengestellt, diskutiert und – soweit möglich – für die Jahre 2007 und 2008 quantifiziert. Dabei werden die Kosten- und Nutzenwirkungen des Ausbaus Erneuerbarer Energien in nachfolgende Kategorien eingeteilt:
- Systemanalytische Kosten- und Nutzenaspekte: direkte und indirekte Systemkosten und die Nutzen des Ausbaus erneuerbarer Energien.
- Verteilungsaspekte: welche Wirtschaftsakteure oder Gruppen durch die Förderung des EE-Ausbaus belastet oder entlastet werden.
- Makroökonomische Aspekte: nationale oder sektorale Wachstumseffekte, z. B. Auswirkungen auf BIP und Beschäftigung.
Im weiteren Verlauf des Vorhabens sollen auch aktuelle und zukünftige Wirkungen für die Jahre 2020 und 2030 dargestellt werden.
Die Auftragnehmer des BMU-Forschungsvorhabens „Kosten und Nutzenwirkungen des Ausbaus erneuerbarer Energien im Strom- und Wärmebereich“ sind: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI, Karlsruhe), Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (GWS, Osnabrück), Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES, Saarbrücken) und Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin, Berlin)
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Mittwoch 9. Juni 2010 von birdfish
Die Energieminister haben sich jetzt in Brüssel gegen ein verbindliches Energieeffizienzziel ausgesprochen. Ihrer Ansicht nach sollten die Mitgliedstaaten in ihrer Zielsetzung frei bleiben.
Ob Krankenhaus oder Fabrik: Energieeffizienz ist möglich – Foto: Dieter Schütz / Pixelio
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle begründete dies damit, dass Effizienzziele keine Wachstumsbremse sein dürften.
Auf dem EU Gipfel am 17. Juni werden die Staats- und Regierungschefs die sogenannte Europa-2020-Strategie beschließen und in diesem Rahmen auch über das Effizienzziel entscheiden. Die EU-Kommission hatte die Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre nationalen Effizienzziele im Vorfeld einzureichen.
Europa 2020 soll die Lissabon Strategie für Wachstum und Beschäftigung ablösen. Die Regierungschefs hatten sich darauf verständigt, dass auch die 2007 beschlossenen Klimaziele in die neue Strategie einfließen. Das Ziel, den Energieverbrauch bis 2020 um 20% gegenüber dem Trend zu senken, ist das einzige der drei europäischen Klimaziele, das bisher rechtlich nicht verbindlich ist. Nach Schätzungen der Kommission wird die EU mit den bisher ergriffenen Maßnahmen nur etwa die Hälfte der angepeilten Energieeinsparungen erreichen.
Ende Mai hatte die Klima-Allianz Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende Mai in einem offenen Brief aufgefordert, sich auf dem Gipfeltreffen für ein verbindliches Effizienzziel einzusetzen. Das breite zivilgesellschaftliche Bündnis aus hundert Organisationen führte gerade die wirtschaftlichen Vorteile, die Deutschland mit einer ambitionierten Effizienzpolitik erschließen könnte, als Begründung an. Deutschland gehört weltweit zu den Marktführern bei Effizienztechnologien und -Produkten.
Offener Brief der Klima-Allianz an Bundeskanzlerin Angela Merkel
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Dienstag 11. Mai 2010 von birdfish
Nach einem Vorschlag der Europäischen Kommission sollen die Mitgliedstaaten durch eine neue Verordnung verpflichtet werden, umweltökonomische Gesamtrechnungen zu erstellen und an die EU zu übermitteln.
Transparentere Umweltbilanz der EU-Staaten gefordert – (c) Rainer Sturm / Pixelio
Unter umweltökonomischen Gesamtrechnungen versteht man Datenanalysen, die die Wechselwirkungen von Wirtschaft und Umwelt beschreiben. In Ergänzung zu rein volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen wird die Umwelt als zusätzlicher Produktionsfaktor betrachtet und zusammen mit ökonomischen Faktoren bilanziert. Die Rechnungen sollen dazu dienen, Umweltbelastungen, die von der Wirtschaft verursacht wurden, zu überwachen und zu überprüfen ob und wie sie gemildert werden können.
Bislang war das Übermitteln der Daten in einem sogenannten „Gentlemen’s Agreement“, also auf freiwilliger Basis geregelt, doch die Qualität und Verfügbarkeit der Rechnungen nach Angaben der EU-Kommission unzulänglich. Etliche Mitgliedstaaten hatten erklärt, dass sie die Erhebung und Übermittlung der Daten ohne rechtliche Verbindlichkeit, die ihnen helfe, die nötigen Ressourcen zur Erstellung der Analysen zu bekommen, nicht fortführen würden.
Umweltökonomische Gesamtrechnungen umfassen typischerweise Daten über natürliche Ressourcen, Energieverbrauch, Luftemissionen, Materialströme und Umweltausgaben. Für die Staaten sind die Berechungen in der Regel nicht mit der Erhebung neuer Kennwerte, sondern mit der Verknüpfung bereits bestehender Datenmaterialien von Unternehmen und Behörden verbunden.
In Deutschland werden die Gesamtrechnungen vom Statistischen Bundesamt oder den Statistischen Ämtern der Länder veröffentlicht.
Vorschlag der EU-Kommission (PDF)
Umweltökonomische Gesamtrechnung für Deutschland vom Statistischen Bundesamt
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