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Archiv für die 'Energieversorger' Kategorie

Nach wie vor werden Stuttgarter Stadtbusse mit Palmöl gefahren und Regenwald zerstört

Dienstag 6. Juli 2010 von birdfish

Seit zwei Jahren verheizen vier Linienbusse der Stuttgarter Straßenbahnen Palmöldiesel aus Urwaldzerstörung.

Proteste gegen Palmöl-Einsatz in Stuttgart
Proteste gegen Einsatz von Palmöl in Stuttgarter Linienbussen – Foto: Martin Storz / Greenpeace

Gegen dieses klimaschädliche Palmölprojekt haben Greenpeace-Aktivisten vor dem Rathaus anlässlich eines internationalen Mobilitätskongresses in Stuttgart protestiert. Warum nimmt Stuttgart an dem fragwürdigen Pilotprojekt zweier Mineralölkonzerne und Daimler teil, obwohl sich die Stadt das Thema Nachhaltigkeit eigentlich groß auf die Fahnen geschrieben hat?

Palmöl-Diesel von Neste Oil in Stuttgarter Bussen = Urwaldzerstörung steht auf dem Greenpeace-Flugblatt, das Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace, gemeinsam mit den Aktivisten an die Teilnehmer des Kongresses Cities for Mobility verteilt. Hölzel erklärt: “Das Interesse der Stadt Stuttgart an Klima- und Urwaldschutz ist vorgetäuscht. Wer Diesel aus Urwaldzerstörung einsetzt und Nachhaltigkeit predigt, ist komplett unglaubwürdig.”

Riesige Flächen wertvoller Regenwälder fallen in Indonesien der wachsenden europäischen Palmölnachfrage zum Opfer. Die Umwandlung in Plantagen vernichtet die Heimat bedrohter Arten wie dem Orang-Utan. Besonders heikel ist die Zerstörung der kohlenstoffreichen Torfwälder. Mit jeder Rodung entweichen riesige Mengen CO2 in die Atmosphäre.

Ehrenamtliche Greenpeace-Aktivisten informieren seit Mai 2010 die Stuttgarter Bürger über das klimaschädliche Palmölprojekt ihrer Stadt. Greenpeace hat bei Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster (CDU) im Vorfeld nachgehakt. Die Antwort kam per Post: Auch aus seiner Sicht sei es der falsche Ansatz, lokale Umwelt- und Klimaziele durch Maßnahmen zu erreichen, die global kontraproduktiv seien. Das Roden der Regenwälder zur Kraftstoffgewinnung würde kaum mit den Stuttgarter Nachhaltigkeitszielen im Einklang stehen. Das Pilotprojekt soll jedoch bis 2011 fortgeführt werden, um Erkenntnisse zur Verträglichkeit von Palmöl in Motoren zu sammeln.

Ob die Fortführung des Stuttgarter Projekts tatsächlich zu relevanten Erkenntnissen führen wird? Immerhin fahren im finnischen Helsinki zu Testzwecken seit drei Jahren 300 Linienbusse mit Palmöl-Diesel, so dass Datenmaterial bereits zur Genüge vorliegen sollte. Den Diesel aus Urwaldzerstörung liefert Neste Oil. Der finnische Mineralölkonzern behauptet, nachhaltiges Palmöl vom Hersteller IOI zu beziehen. Diese Aussage scheint äußerst fragwürdig, wenn man bedenkt, dass IOI nachweislich in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten verwickelt ist.

Neste Oil hat große Pläne. Der Konzern baut nach Finnland weitere Raffinerien in Rotterdam und Singapur. Damit wird sich der Ölmulti an die Spitze der weltweit größten Palmöl-Abnehmer schwingen. Die Konsequenz: Neste Oil kann seine hochgefahrene Produktion nur decken, wenn in Indonesien weitere Plantagen auf Kosten des Urwalds und seiner Bewohner angelegt werden.

Bereits im Dezember 2008 musste Neste Oil aufgrund des öffentlichen Protestes ein ähnliches Projekt abbrechen. Um Folgeprojekte zu verhindern, fordert Greenpeace den sofortigen Stopp des Stuttgarter Pilotprojektes mit Palmöl-Diesel.

Wer diese Forderung unterstützen möchte, kann bei Greenpeace online an der Petition teilnehmen oder selbst Unterschriften sammeln (letzteres ein PDF).

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Höhere Atomsteuer gefordert: Abschöpfen von Mitnahmegewinnen brächte 13,7 Mrd.

Freitag 25. Juni 2010 von birdfish

Greenpeace fordert eine deutlich höhere Brennelementesteuer als die geplante.

Proteste gegen Atomkraftwerke
Proteste gegen AKW – Foto: Tobias Münchmeyer / Greenpeace

2,5 Cent pro Kilowattstunde statt der geplanten 1,5 Cent seien gerechtfertigt, so die Umweltschutzorganisation. Das entspräche den Gewinnen, die den Atomkonzernen durch den wegen des Emissionshandels gestiegenen Strompreis ungerechtfertigterweise zufallen. Das brächte der Bundesregierung Einnahmen von jährlich rund 3,5 Milliarden Euro statt wie geplant 2,3 Milliarden. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, keine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zuzulassen, weil dadurch die Sicherheit der Bundesbürger gefährdet und der Ausbau der Erneuerbaren Energien blockiert wird.

“Eine Atomsteuer ist längst überfällig und hat rein gar nichts mit einer Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken zu tun”, erklärt Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace. “Die Atomkonzerne verdienen mit ihrem Risikostrom Milliarden, muten die Kosten der strahlenden Hinterlassenschaften wie bei Asse dann aber den Bürgern zu.” Die Sanierung des maroden Atommüllendlagers wird mit mindestens 3,7 Milliarden Euro veranschlagt, für die derzeit der Steuerzahler allein aufkommen muss.

Das Greenpeace-Konzept für eine Atomsteuer orientiert sich an den sogenannten ungerechtfertigten Mitnahmegewinnen der Stromkonzerne. Diese sollen den Unternehmen teilweise abgenommen und dem Bundeshaushalt zugeführt werden. Damit sind die Gewinne gemeint, die sich ergeben, weil wegen des Emissionshandels höhere Preise für Atomstrom gezahlt werden, obwohl die Konzerne keinerlei Mehrausgaben haben. So berechnete bereits im Oktober 2009 das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) für Greenpeace ein Stufenmodell, in dem die Kilowattstunde Atomstrom bis 2012 mit 2,5 Cent und ab 2013 mit 3,5 Cent zu besteuern wäre. Bis 2014 kämen so Steuereinnahmen von 13,7 Milliarden Euro trotz Festhaltens am Atomausstieg zusammen. Das sind 4,5 Milliarden Euro mehr als im Regierungskonzept, obwohl das Laufzeitverlängerungen einberechnet.

Die Energiekonzerne hatten angekündigt, gegen die Atomsteuer klagen zu wollen. Nach Einschätzung von Greenpeace hätte so eine Klage aber wenig Chancen auf Erfolg. Die Steuer ist mit dem EU-Recht vereinbar. Sie stellt auch keine Verletzung des Vertrages zum Atomausstieg dar, weil sie keine finanzielle Diskriminierung der Atomkraft vorsieht. Sie würde lediglich Privilegien für die AKW-Betreiber abbauen, die erst nach dem Atomkonsens entstanden sind. “So eine Klage wäre der Gipfel der Unverschämtheit”, so Böhling. “Da versuchen die Atomkonzerne, sich auf den Atomausstieg zu berufen, den gerade sie ja aufkündigen wollen.”

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Die Konzerne RWE und Eon sind in Europa an der Spitze der größten Luftverschmutzer

Mittwoch 23. Juni 2010 von birdfish

Die größten europäischen Klimakiller sind ausgemacht. Sie sitzen in Deutschland.

RWE-Braunkohlewerk Neurath
Kohlekraftwerk Neurath: gewaltige Emissionen – Foto: Rolf van Melis / Pixelio

Nach den Berechnungen der Analysten von Carbon Market Data sind die deutschen Energieunternehmen RWE und Eon die größten Treibhausgasemittenten unter den europäischen Unternehmen, die unter den Emissionshandel fallen.

Die Kraftwerke, die RWE und Eon entweder ganz oder zum Teil gehören, haben 2009 insgesamt 235 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen. RWE ist mit 141 Millionen Tonnen CO2 Spitzenreiter, gefolgt von E.ON mit 94 Millionen Tonnen und dem schwedischen Staatskonzern Vattenfall mit 91 Millionen Tonnen.

EU ETS Ranking 2009 (PDF, engl.)

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CO2-Endlager: Unterirdische Speicher sind wesentlich kleiner als zuvor berechnet

Dienstag 22. Juni 2010 von birdfish

Vattenfall  will Kohlendioxid (CO2) aus Kohlekraftwerken im Boden verpressen und lagern. Doch die Brandenburger wehren sich.

Protest gegen CO2-Endlager
Protest gegen CO2-Endlager – Foto: Gordon Welters / Greenpeace

Ihre Initiativen werden unter anderem auch von Greenpeace unterstützt. Die Umweltorganisation ist dort zur Zeit mit seiner Protest-Tour “Zeitbombe CO2-Endlager” unterwegs.

Das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) liefert den Endlager-Gegnern nun ein dickes, neues Argument: Es gab bekannt, dass in den mit Salzwasser gefüllten porösen Gesteinsschichten Deutschlands statt 20 Gigatonnen (Gt), wie im Jahr 2005 geschätzt, nur 6,4 Gt CO2 gespeichert werden können.

Die Bundesministerien für Umwelt und für Wirtschaft arbeiten derzeit an einem neuen Gesetzesentwurf für die umstrittene Verpressung. “Die Regierung darf keinen übereilten Einstieg in die kommerzielle CO2-Verpressung zulassen”, erklärt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. “Sie verschwendet Geld und Energie für ein Projekt, das in die völlig falsche Richtung führt. Es ist riskant, weitgehend ungeprüft und fördert den Klimakiller Kohle.”

Nach dem Start in Neutrebbin besucht die Protest-Tour von Greenpeace die Städte Beeskow, Cottbus, Potsdam und zum Abschluss Berlin. Mit einer drei Meter großen Zeitbomben-Attrappe warnen die Umweltschützer vor den unkalkulierbaren Risiken der sogenannten CCS-Technik (”Carbon Capture and Storage”). Die Menschen in Brandenburg haben vor allem Angst davor, dass CO2-Endlager undicht werden und das Gas hochkonzentriert ausströmt. An diesen Stellen wären Menschenleben in Gefahr und Boden und Grundwasser könnten verseucht werden. Die Bürgerinitiativen in Brandenburg spielen eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung. “So ein Projekt lässt sich nur durchsetzen, wenn es vor Ort akzeptiert wird. An dieser Hürde sind bereits die Pläne für die CO2-Verpressung in Schleswig-Holstein gescheitert”, erklärt Smid.

Tricksen und Täuschen für ein riskantes Projekt

Vattenfall treibt die CO2-Verpressung voran und wird dabei von Lobbyverbänden wie dem IZ-Klima (Informationszentrum klimafreundliches Kohlekraftwerk e. V.) sowie einzelnen Behörden und Ministerien unterstützt. So hat sich der Brandenburger Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) die Position Vattenfalls zu Eigen gemacht. Für den Konzern geht es darum, Subventionen in Millionenhöhe zu erhalten und Umweltauflagen zu umgehen. Zudem will er sich um die Verantwortung drücken: Nach Schließung ist das Endlager noch mindestens 10.000 Jahre lang ein Risiko. Vattenfall will aber nur 30 Jahre lang für mögliche Folgeschäden durch Lecks in den CO2-Speichern haften.

“Vattenfall täuscht die Bevölkerung vor Ort, spielt Risiken herunter und verbreitet Falschinformationen. Der Konzern will die Verpressung durchsetzen, um weiter an Braunkohle zu verdienen”, sagt Smid.

Zudem taucht im Gesetzesentwurf nicht der Begriff “Ablagerung” auf, sondern “CO2-Speicherung”. Das strenge Abfallrecht umgeht Vattenfall damit geschickt. Stattdessen greift das weniger strenge Bergrecht, dass für die Ausbeutung von Rohstoffen gilt. Smid: “Durch all diese Manipulationen würden die möglichen CO2-Endlager zu geologischen Zeitbomben.”

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Umwelthilfe nennt Landesentwicklungsplan in NRW „rechtswidrig und anachronistisch“

Montag 14. Juni 2010 von birdfish

Die noch amtierende schwarz-gelbe NRW-Regierung hat die „1. Änderung des Landesentwicklungsplans Nordrhein-Westfalen – Energieversorgung“ eingeleitet.

KKW-Neubau
KKW Datteln: durch die Hintertür das refcht zurechtbiegen – Foto: Hans-Jürgen Distelkamp / Pixelio

Diese ist nach Überzeugung der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) aus mehreren Gründen rechtswidrig und unter Klimaschutzgesichtspunkten anachronistisch. Die amtierende Regierung Rüttgers widersetzt sich darin konsequent klimawissenschaftlichen Erkenntnissen sowie nationalen wie internationalen Klimaschutzvorgaben. Aktuell dient die Initiative vorrangig dem Ziel von CDU und FDP, dem in Düsseldorf ansässigen Energiekonzern E.on beim zwischenzeitlich gerichtlich gestoppten Kohlekraftwerk Datteln aus der bauplanerischen Misere zu helfen. Auf insgesamt 35 Seiten erhebt die DUH, die ihre Einwendungen gemeinsam mit dem Berliner Anwalt Philipp Heinz vorbringt, schwere Vorwürfe gegen die Rüttgers-Regierung. Die Stellungnahme wird bei der zuständigen Landesplanungsbehörde, dem Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie in Düsseldorf, eingereicht.

„Mit ihrem letzten Versuch, das Kohleland Nordrhein-Westfalen des 20. Jahrhunderts auf plumpe Weise in das 21. Jahrhundert zu retten, widersetzt sich die abgewählte Landesregierung nicht nur wider besseren Wissens den klimawissenschaftlichen Realitäten, sondern auch den Zielen der schwarz-gelben Bundesregierung, die für eine Verminderung der Treibhausgase um 80 bis 95% bis 2050 eintritt“, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake zu den in der umfassenden Stellungnahme vorgebrachten Einwendungen. Besonders ärgerlich sei für die DUH, dass die geplante Abwicklung klimapolitischer Ansätze, die schon 1995 (!) in den aktuell geltenden Landesentwicklungsplan eingebracht wurden, in der geplanten Revision mit dem Gestus des klimapolitischen Fortschritts daherkomme: „Die Bürgerinnen und Bürger werden regelrecht verschaukelt, die wahren Motive wortreich hinter Halbwahrheiten versteckt. Das ist der Stoff, aus dem die anschließend beklagte Politikverdrossenheit wächst“, sagte Baake.

Wegen der in der LEP-Änderung vorgesehenen formalen Sicherung aller derzeit ausgewiesenen 36 Standorte für Großkraftwerke würden im Fall der Umsetzung des Vorhabens mit Sicherheit noch weniger alte Kohlekraftwerke abgeschaltet, als bisher von der Landesregierung nach zähen Verhandlungen mit den Energiekonzernen angekündigt, erläuterte Jürgen Quentin, der zuständige Projektleiter für Kohlepolitik der DUH. Schon gegenwärtig übersteige nach einer in der DUH-Stellungnahme enthaltenen Auflistung die Kraftwerkskapazität der in NRW bekannten Neuplanungen, die mit der LEP-Planänderung abgesichert werden sollen, die Leistung der gesicherten Kraftwerkstilllegungen um einen Faktor vier. Käme es so und würden die neuen Kraftwerke entsprechend den Planungen ausgelastet, würden um einen Faktor 3,5 höhere CO2-Emissionen neu hinzukommen, als durch Kraftwerksstilllegungen  reduziert würden. Quentin: „Wenn eine wie auch immer zusammengesetzte neue Landesregierung diesen Kurs ihrer Vorgängerin beibehält, wird NRW unweigerlich zum Schmuddelkind in Sachen Klimaschutz“. Nicht nur der Klimaschutz käme angesichts des Plans in NRW unter die Räder, sondern auch die Planungshoheit der Kommunen im Lande. Die könnten über Flächen, die jetzt als Kraftwerksstrandorte gesichert werden sollen, regelmäßig nicht  mehr frei verfügen.

Ausdrücklich lehnt die DUH den Landesentwicklungsplan ab. Er diene nur dazu, die Errichtung neuer Kohlekraftwerke „planerisch abzusichern“.  Die Umweltorganisation fordert die amtierende Regierung auf, das LEP-Änderungsverfahren zu stoppen und stattdessen ein Landesklimaschutzgesetz auf den Weg zu bringen, das die Reduktion der Treibhausgasemissionen in NRW bis 2050 um 95 Prozent verbindlich festschreibt. Die DUH und andere führende Umweltorganisationen hatten vor der Landtagswahl im Mai Eckpunkte für ein solches Landesklimaschutzgesetz auf Basis von Energieeinsparung, Steigerung der Energieeffizienz und einem zunehmenden Anteil Erneuerbarer Energien vorgestellt.

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Merkel sollte endlich akzeptieren, dass die deutsche Bevölkerung Atomkraft ablehnt

Donnerstag 20. Mai 2010 von birdfish

Merkel sollte nach der NRW-Wahlschlappe endlich akzeptieren, dass die Bevölkerung nicht hinter ihrem Atomkurs steht.

Anti Atom Demo
Renaissance der Anti-Atom-Bewegung. – (c) BUND

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Bundeskanzlerin Angela Merkel nun aufgefordert, den Einsatz unionsgeführter Länder wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen für eine Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten ohne jede Bundesratsbeteiligung zurückzuweisen. “Es ist schon bemerkenswert, das ausgerechnet jene Bundesländer eine Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten ohne demokratische Beteiligung durchziehen wollen, die anderen die Hauptlast der verfehlten Atompolitik, nämlich tausende Tonnen nahezu ewig strahlenden Atommülls, überhelfen”, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Merkel müsse endlich aus der Wahlschlappe in Nordrhein-Westfalen auch jene Lehre ziehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Atomkraft ablehne.

Sollten Laufzeitverlängerungen wie vorgesehen an neue Sicherheitsauflagen gekoppelt werden, dann kämen erhebliche Mehrkosten auf die Länder zu. Nach Bundesrecht sei dies ein klassischer Fall für die Beteiligung des Bundesrates am Gesetzgebungsverfahren. “Wenn Baden-Württembergs Ministerpräsident Mappus darauf drängt, Laufzeiten auch ohne Bundesrats-Zustimmung zu verlängern, dann ist das nur möglich, wenn beim Sicherheitsstandard der Kraftwerke alles bleibt wie es ist. Nur unter dieser Voraussetzung haben die Länder keinen Mehraufwand. AKW-Laufzeitverlängerungen ohne umfangreiche Sicherheitsnachrüstungen bedeuten dann zwar weiter steigende Gewinne für die Stromkonzerne, sie bedeuten aber vor allem exorbitant höhere Risiken für die Bevölkerung”, sagte Weiger.

Der BUND forderte Merkel auf, das aktuelle Gutachten des Sachverständigenrates der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU) zur Grundlage ihrer Energiepolitik zu machen. Darin habe dieser sich eindeutig gegen längere AKW-Laufzeiten ausgesprochen. Der Sachverständigenrat habe auch erklärt, dass Deutschlands Strom in 40 Jahren komplett aus erneuerbaren Energien erzeugt werden könne.

“Das Potenzial der erneuerbaren Energien übersteigt den Strombedarf in Deutschland um ein Vielfaches, deshalb gibt es auch keine Stromlücke”, sagte der BUND-Vorsitzende. Laufzeitverlängerungen würden nur für die Beibehaltung der gegenwärtigen Monopolstrukturen im Stromsektor sorgen. Dies gehe auch zu Lasten der Verbraucher. Während die Stromkonzerne Gewinne in Milliardenhöhe einstrichen, würde die Marktposition kleinerer Wettbewerber geschwächt. Dies sei einer der Gründe für hohe Klimagasemissionen und überhöhte Strompreise.

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E.ON. hat Zukunft der Energie verschlafen – Schädlicher Kohlestrom statt Klimaschutz

Freitag 7. Mai 2010 von birdfish

Unter den Folgen des Klimawandels leiden schon jetzt Millionen Menschen weltweit. Trotzdem setzen Energieerzeuger in Deutschland weiter auf klimaschädlichen Kohlestrom.

Oxfm-Aktion zu Eon-Versammlung
Oxfam-Aktion gegen weitere Kohlekraft – (c) Oxfam

Zur gestrigen Hauptversammlung des Energiekonzerns E.ON veröffentlichte Oxfam Deutschland den Bericht „E.ON. Die Zukunft der Energie. Verschlafen.“ zum CO2-Ausstoß von E.ON-Kohlekraftwerken. Gut ein Drittel des erzeugten Stroms des Konzerns, der zu den weltweit größten privaten Energieunternehmen zählt, stammt aus Kohlekraft. Seine 21 deutschen Kohlekraftwerke stoßen knapp 40 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus und tragen so erheblich zum Treibhauseffekt bei. Außerdem baut das Unternehmen derzeit ein Steinkohlekraftwerk in Datteln und plant zwei weitere in Stade und Großkrotzenburg. Würden diese fertig gestellt, stießen sie jährlich zusätzliche 18,6 Millionen Tonnen CO2 aus.

Den Preis dafür zahlen vor allem Menschen in armen Ländern, denn sie leiden am stärksten unter den Folgen des Klimawandels. Nach Berechnungen von Oxfam könnte ihre Zahl bis 2015 auf 375 Millionen anwachsen. Krankheiten breiten sich in Gegenden aus, die dafür bislang als zu kalt galten. Extremwetterlagen, beispielsweise ungewöhnlich starke Regenfälle oder lang anhaltende Dürren, verringern die Ernteerträge und treiben weltweit die Preise für Grundnahrungsmittel wie Weizen oder Reis mit in die Höhe. Viele Gebiete, in denen es schon immer wenig Wasser gab, werden infolge zunehmender Trockenheit schlicht unbewohnbar.

Oxfam hat die Forderung, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen, auf der Hauptversammlung direkt an die Unternehmensführung gerichtet und den E.ON-Vorstand und die Aktionäre mit einer spektakulären Protestaktion empfangen.

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Erster deutscher Offshore-Windpark läuft

Mittwoch 28. April 2010 von birdfish

Als Initialzündung für die Nutzung der Windenergie in der deutschen Nord- und Ostsee ging mit „alpha ventus“ gestern der erste deutsche Offshore-Windpark in Betrieb.

Offshore-Windpark
Offshore-Windpark – (c) Rebel – Fotolia.com

Der Windpark stellt nicht nur einen Meilenstein für die Nutzung der Windenergie auf dem Meer dar, sondern ist gleichzeitig auch Gegenstand intensiver Forschungsaktivitäten. Die Forschungsinitiative RAVE (Research at alpha ventus) des Bundesumweltministeriums hat zum Ziel, die Nutzung der Offshore-Windenergie zu optimieren. Schließlich soll der Strom vom Meer in Zukunft einen wesentlichen Anteil an der deutschern Stromproduktion übernehmen.

„Die Offshore-Windenergie ist als ein Standbein der zukünftigen Energieversorgung unverzichtbar,“ betont Prof. Jürgen Schmid, Leiter des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel, das die RAVE-Forschungsinitiative koordiniert. „Die RAVE-Initiative besteht aktuell aus 25 Einzelprojekten mit einem Gesamtbudget von 36 Mio. Euro, die sich in 15 wissenschaftliche Verbund-Forschungsprojekte und zwei übergeordnete Projekte mit Querschnittsaufgaben aufteilen. Das Gesamtkonsortium umfasst ca. 50 Institute und Firmen,“ unterstreicht Dr. Joachim Kutscher vom Projektträger Jülich die Bedeutung der Initiative, die er im Auftrag des Bundesumweltministeriums betreut. „Die Offshore-Windenergie erfordert eine breit angelegte Zusammenarbeit zu einer Vielzahl von Forschungsthemen. Schwerpunkte sind die Senkung der Kosten, Ertragssteigerungen und Erhöhung der Verfügbarkeit von Windenergieanlagen, Technologien zur Integration der Offshore-Windenergie ins Stromnetz sowie die ökologische Begleitforschung“, erläutert Projekteiter Dr. Bernhard Lange vom Fraunhofer IWES.

„Die Ansätze zur Nutzung der Windenergie auf hoher See sind viel versprechend und aussichtsreich. Dennoch müssen wir die Erkenntnisse aus der praktischen Umsetzung in die Forschung und Entwicklung zurückkoppeln, denn Technik muss weiterentwickelt werden. Nur wenn wir unsere Kreativität gemeinsam in einen ständigen Verbesserungsprozess dieser vergleichsweise noch jungen Technologie einbringen, lassen sich die hochgesteckten Ziele an Erträgen, Zuverlässigkeit und Kosten für „Strom vom Meer“ erreichen,“ erläutert Prof. Schmid.

Das Offshore Testfeld alpha ventus bietet dazu weltweit einmalige Möglichkeiten. Über 1200 Messungen werden den Forschen ein genaues Bild der Anlagen unter allen Bedingungen liefern. Alle Messdaten werden in einem zentralen Forschungsarchiv bereitgestellt. Kein Wunder, dass der Andrang der Wissenschaftler groß ist. Damit ist ein bisher in Deutschland und auch weltweit einmaliges nationales Netzwerk der Windenergieforschung entstanden, dass sich international u. a. mit der Europäischen Technologieplattform Windenergie, der Europäischen Windenergie Akademie (EAWE) und IEA-Aktivitäten vernetzt hat.

Auf sicheren Füßen stehen

Wer schon einmal bei Sturm am Strand oder auf Deck eines Schiffes stand, kann sich gut vorstellen, welchen Kräften die bis zu 1000 Tonnen schweren Windenergieanlagen in tobender See ausgesetzt sind. Im Offshore-Windpark alpha ventus werden je zur Hälfte zwei neu entwickelte Stahlfundamente eingesetzt. So genannte Tripods, einem gespreizten dreibeinigen Fuß, der auf dem Meeresgrund verankert wird und sogenannte Jacket-Fundamente, bei denen möglichst viele gleichartige Teile zum Einsatz kommen. Darüber hinaus untersucht das Projekt RAVE – Gründungen Effekte von Wind, Wellen und Betrieb auf das Fundament. Das Projekt RAVE – GIGAWIND will durch ein ganzheitliches Dimensionierungskonzept die Tragstrukturen weiter verbessern und zu einem wirtschaftlichen Massenprodukt entwickeln. Hauptschwerpunkt des RAVE – Projekts Geology ist die Erfassung und Bewertung der Sedimentdynamik und die Einschätzung der potenziellen Bodenverflüssigung des oberen Meeresbodens im Bereich der Anlagen (Kolkbildung) und im gesamten Windpark als verlässliche Basis für die Planung von Offshore-Konstruktionen.

Neue Technologien und Optimierungspotentiale erschließen

Bevor der Bau von Offshore-Windparks auf breiter Front beginnt, gilt es die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Planung, dem Aufbau und dem Betrieb des Testfeldes alpha ventus in die Weiterentwicklung und Optimierung der Technologie einzubringen. Für die Rotorblätter geschieht dies im Projekt RAVE – REpower Rotorbaltt, für die Wechselwirkungen im Gesamtsystem in RAVE – REpower Komponenten und für die Verbesserung ausgewählter Baugruppen in RAVE – Areva-Multibrid M5000 Optimierung.

Im Projekt RAVE – OWEA werden Schlüsselaspekte für einen zuverlässigen Entwurf und Betrieb von Offshore-Windenergieanlagen verifiziert. In RAVE – LIDAR werden der Einsatz moderner Windfeldmessverfahren (LIDAR – Light Detection and Ranging) an Offshore-Anlagen und mögliche Verbesserungen auf die Betriebsführung untersucht.
Letztlich wird das Monitoring-Projekt RAVE – Offshore WMEP wesentliche Betriebsdaten aufzeichnen und auswerten, um Punkte wie Einfluss der besonderen meteorologischen Bedingungen, Energieerträge bzw. Volllaststunden, Ausfallzeiten, Stromgestehungskosten, Verfügbarkeit, Instandhaltung und Netzanbindung bestimmen zu können.

Den Strom sicher an Land und zum Verbraucher bringen

Die Energie von Offshore-Windparks muss zunächst mit Seekabeln an Land geleitet werden. Darüber hinaus sind an Land leistungsstarke Verbindungen zu den großen Verbrauchszentren zu schaffen. Im Projekt RAVE – Netzintegration werden Strategien zur Integration von Offshore Windenergie in das deutschen Übertragungsnetz entwickelt, implementiert und demonstriert. Ziel ist es, Ausgleichsenergie und vorzuhaltende Regeleistung mit Hilfe von neu entwickelten Offshore-Windleistungsvorhersagesys¬temen unter Wahrung der hohen Verfügbarkeit und Sicherheit des Verbundnetzes zu reduzieren.

Mensch und Natur nicht aus den Augen verlieren

Ziel der ökologischen Begleitforschung im Projekt RAVE – Ökologie ist es, weitergehende Erkenntnisse der bau- und betriebsbedingten Auswirkungen auf die Meeresumwelt wie z.B. Benthos, Fische, Rastvögel, Zugvögel und marine Säugetiere zu gewinnen.
Im Projekt RAVE – Betriebsschall wird die Schallübertragung der verschiedenen Anlagen unter Wasser und unterschiedlichen Randbedingungen sowie die gesamte Schallbelastung für Meereslebewesen insbesondere Meeressäuger ermittelt. Das Projekt RAVE – Schallminderung untersucht die Reduktion von Baulärm während der Rammarbeiten durch das Einbringen von Luftblasenschleiern im Wasser.
Die Sicherheit von Windparks soll im Projekt RAVE – Sonar durch die technische Integration von Sonartranspondern in das Gesamtkonzept erhöht werden. Das Projekt RAVE – Akzeptanz untersucht die gesellschaftliche Zustimmung zur Offshore-Windenergie.

1200 Sensoren liefern kontinuierlich Daten für Forscher

Damit die Wissenschaftler der RAVE-Projekte ihre ambitionierten Forschungsziele erreichen können sind sie auf umfangreiche Messdaten angewiesen. Hierzu sind nicht nur in und an einem Teil der Offshore-Windenergieanlagen und Fundamenten spezielle Sensoren angebracht, sondern noch weitere diverse Messgeräte im Umfeld von alpha ventus sowie an den Umspannwerken auf See und an Land installiert. Hinzu kommen separate Beobachtungskampagnen der ökologischen Begleitforschung, z.B. von Schiffen und Flugzeugen. Insgesamt wurden von einem zentralen Messserviceprojekt für alle RAVE-Projekte über 1.200 Sensoren und Messgeräte geplant, montiert und gewartet. Zu diesen speziellen Messungen werden noch etwa 100 weitere, überwiegend meteorologische und ozeanographische Messdaten von der nur 400 m entfernten Forschungsplattform FINO1 in das RAVE-Datennetzwerk eingespeist. Zugang zu diesem weltweit einzigartigen Datenarchiv erhalten in einem speziellen Akkreditierungsverfahren nur registrierte Forscher der RAVE-Initiative.

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