Der Industrieausschuss im EU-Parlament will die Kommission mit der Rettung des schwer kranken CO2-Handels beauftragen.
CO2-Handel soll gerettet werden – Foto: Konstantinos Dafalias / Pixelio
Die Kommission soll die überzähligen Emissionserlaubnisse zumindest vorübergehend aus dem Handel nehmen. Dieses wichtige Signal ist Teil der gestrigen Ausschussentscheidung zur Ausgestaltung der Energieeffizienz-Richtlinie. Die zwischen Industrie- und Umweltausschuss abgestimmten Änderungswünsche zur Richtlinie haben nun gute Chancen, auch vom Gesamtparlament angenommen zu werden.
Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, kommentiert:
“Die Entscheidung ist ein wichtiger Aufruf zum Handeln an die europäischen Staats- und Regierungschefs. Damit die Kommission aktiv werden kann, müssen jetzt das Gesamtparlament und die Regierungen der Mitgliedsländer mitziehen. Das wäre ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg, das EU-weite CO2-Minderungsziel für 2020 von derzeit 20 auf 30 Prozent anzuheben. Nur so lässt sich letztlich die massenhafte Überversorgung mit Zertifikaten beheben.
Der notwendige Durchbruch hängt vor allem von Angela Merkel ab. Noch blockiert insbesondere Polen eine Entscheidung für höhere CO2-Preise und eine Anhebung des Emissionsziels. Doch das kann sich ändern. Der polnische Premier Donald Tusk verspürt wenig Lust, eine Ratsentscheidung alleine zu blockieren und EU-weit isoliert als Verhinderer dazustehen. Polen wäre allem Anschein nach zu Gesprächen bereit, sobald aus Berlin eine klare Ansage kommt.
Mit dem Rückenwind aus dem EU-Parlament kann die Bundeskanzlerin der polnischen Regierung auf dem EU-Gipfel Ende der Woche verdeutlichen, dass sie ihr ganzes politisches Gewicht in die Stärkung des Emissionshandels legt. Bereits am 9. März soll der Rat der EU-Umweltminister über die zukünftige Richtung der Klimapolitik entscheiden. Klar ist: Um Polen und die anderen Kritiker zu gewinnen, muss das 30 Prozent-Ziel in eine Strategie eingebettet sein, die der Wirtschaftsentwicklung dort nicht schadet, sondern positive Impulse setzt.
Die lächerlich niedrigen Emissionshandelspreise gefährden Deutschlands Energiewende und damit Merkels wichtigstes Regierungsprojekt. So lange das Preissignal fehlt, kann Deutschland lange auf die für den Umbau notwendigen Investitionen und Technologiesprünge warten. Mit den Erlösen aus der Versteigerung der CO2-Zertifikate wollte die Bundesregierung sowohl die Energiewende finanzieren, als auch die gegenüber den vom Klimawandel am meisten gefährdeten Staaten gemachten finanziellen Zusagen bedienen. Wenn es bei den niedrigen Auktionserlösen bleibt, bricht die zentrale Finanzierungssäule für Energiewende und internationale Klimaunterstützung weg.”
Die Realisierung der Elektromobilität in der Praxis ist eng verbunden mit dem Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien mit entsprechend hoher Leistungsfähigkeit.
Zur nachhaltigen Entsorgung der Batterien wird geforscht – Foto: Kurt F. Domnik / pixelio.de
Das Gewicht dieser Batterien beträgt bei Hybridfahrzeugen rund 40 Kilogramm und kann für vollelektrische PKW 200 Kilogramm oder mehr betragen. Dies bedeutet im Falle der angestrebten Marktdurchdringung der Elektroantriebe im Automobilbereich in Europa mittel- bis langfristig ein Aufkommen an Altbatterien von mehreren zehntausenden bis über hunderttausend Tonnen jährlich. Für diese Batterien, die wichtige Metalle wie Lithium, Kobalt, Nickel usw. enthalten, sind Recyclingverfahren in der Entwicklung.
Ende Oktober 2011 hat das Öko-Institut zwei umfassende Ökobilanzen zu zwei verschiedenen Recyclingverfahren für Lithium-Ionen-Batterien aus dem Automobilbereich abgeschlossen. Dabei geht es um Recyclingverfahren, die sich derzeit noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium befinden: zum einen das Projekt „LiBRI – Entwicklung eines realisierbaren Recyclingkonzepts für die Hochleistungsbatterien zukünftiger Elektrofahrzeuge“ (Koordination Umicore), zum anderen das Projekt „LithoRec – Recycling von Lithium-Ionen-Batterien“ (Koordination Technische Universität Braunschweig).
Beide Projekte wurden mit Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) bis Herbst 2011 durchgeführt. LithoRec bezieht sich auf einen hydro-metallurgischen Weg, LiBRI auf einen pyrometallurgischen Weg. Die vom Öko-Institut erstellten zwei Ökobilanzen dienen dazu, die Bewertung der sich in Entwicklung befindlichen Verfahren zu unterstützen.
Dr. Matthias Buchert, Projektleiter beim Öko-Institut für die Durchführung der Ökobilanzen, lobt die gute Zusammenarbeit aller involvierten Partner in der projektübergreifenden Ökobilanzarbeitsgruppe aus beiden Projektverbünden (Umicore AG & Co. KG, Daimler AG, Technische Universität Braunschweig, Chemetall GmbH, Volkswagen AG sowie Evonik Litarion GmbH). „Wichtige methodische Fragen zur Ökobilanz sowie die Definition der unterschiedlichen Batterietypen konnten in der Arbeitsgruppe frühzeitig und einvernehmlich abgestimmt werden“, so Buchert.
Alle beteiligten Industrieunternehmen und Forschungsinstitutionen haben durch die Ergebnisse der Ökobilanzen wichtige Rückschlüsse bezüglich der Recyclingverfahren, die auf die Rückgewinnung von Kobalt, Nickel und Lithium zielen, erhalten. Ungeachtet aller Einschränkungen (eine Reihe von Daten beruht noch auf Laborverfahren bzw. Simulationen) und der grundsätzlichen Unterschiedlichkeit der Verfahren (im Falle von LiBRI mit einem pyrometallurgischen Schritt, im Falle von LithoRec über mechanische und nasschemische Aufbereitung der Materialien) zeigen die Ergebnisse die ökologischen Vorteile des Batterierecyclings auf.
Prof. Kwade, Koordinator des LithoRec-Projektes betont: „Die Ergebnisse der Ökobilanz zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind, aber durch Weiterentwicklung des Prozesses noch weitere Umweltentlastungspotenziale erschließen können.“ Frank Treffer, Koordinator des LiBRI-Projektes äußert sich im gleichen Sinne: „Die Umweltentlastungspotenziale durch das Recycling der Lithium-Ionen-Batterien sind im Detail deutlich geworden; wir haben durch die Ökobilanz weitere wertvolle Erkenntnisse gewonnen.“
Pferdemist ist in riesigen Mengen verfügbar und oftmals schwer verwertbar.
Pferdeäpfel werden biogasfähig – Foto: Schemmi / Pixelio
Als Dünger ließ er sich bislang nur eingeschränkt verwenden und Biogasanlagen verkraften ihn zur Zeit nur in geringen Mengen. Doch nun haben Forscher an der Universität Hohenheim einen Kniff entdeckt. Denn bei entsprechender Vorbehandlung hilft er riesige Mengen Heizöl einzusparen. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit über 300.000 Euro. Damit gehört es zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.
„Unser Ziel ist es, in Zukunft einige Biogasanlagen allein mit Pferdemist zu betreiben“, sagt Dr. Hans Oechsner von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim. Bei optimaler Vergärung könne man damit in Deutschland pro Jahr etwa 400 Millionen Kubikmeter Methan erzeugen und damit mehr als 400 Millionen Liter Heizöl einsparen. Dadurch vermindere sich die CO2-Emission um eine Million Tonnen.
Die Nachfrage nach Bioenergie aus Energiepflanzen steigt in der Bundesrepublik seit Jahren. Die Folge: Anbauflächen werden langsam knapp und die Landwirte bewirtschaften sie immer intensiver. Gleichzeitig leben auf Deutschlands Reiterhöfen aber insgesamt rund 550.000 Pferde. Zusammen produzieren sie pro Jahr etwa 4,5 Millionen Tonnen Mist. „Wenn das alles in Biogasanlagen vergärt wird, bräuchten wir 80.000 Hektar Ackerland weniger für den Anbau von Energiepflanzen“, rechnet Dr. Oechsner vor.
Pferdemist im „Küchenmixer“
„Pferdemist findet bisher kaum Verwendung“, sagt Dr. Oechsner. „Er eignet sich nur bedingt als Dünger und muss deshalb oft kostenpflichtig entsorgt werden.“ Nur in sehr kleinen Mengen werde er bereits zur Energiegewinnung eingesetzt. Dabei könne das auch in großem Stil geschehen, wenn man ihn aufbereite. Das Problem am Pferdemist sei die große Menge Stroh darin. „Sie bewirkt, dass der Mist in der Biogasanlage auf der übrigen Biomasse schwimmt“, erklärt der Agrartechniker.
Die Vorbehandlung erledigt ein Querstromzerspaner, eine Maschine, die normalerweise bei der Abfallverwertung eingesetzt wird. „Das ist im Prinzip ein großer Küchenmixer“, erklärt Matthias Mönch-Tegeder, Doktorand an der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie. „Nach dem Mixen haben wir so zu sagen mundgerechte Stückchen für die Mikroorganismen in der Biogasanlage.“ Die Oberfläche des Pferdemistes vergrößert sich und er verbindet sich gut mit dem übrigen Gärsubstrat im Fermenter.
„Die Politik muss endlich effiziente Autos fördern, denn das Drei-Liter-Auto gibt es längst“, fordert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.
Der VW Polo Bluemotion ist ein Drei-Liter-Auto – Foto: Volkswagen
Gegen die hohen Spritpreise einfach mal wieder die Pendlerpauschale zu erhöhen, oder die Spritsteuer zu senken, bringt nichts, betont der NABU. „Eine Anhebung der Pendlerpauschale ist ökologisch schlecht, weil sie weite Anfahrten mit dem Auto fördert und damit auch dem Flächenverbrauch und der Zersiedlung weiteren Vorschub leistet“, erklärt Miller. Angesichts leerer Staatskassen sei das auch nicht finanzierbar. „Gegen Erdölverknappung, hohe Spritpreise und den Klimawandel hilft nur, den Erdölverbrauch zu reduzieren. Dafür muss die Politik endlich den richtigen Rahmen schaffen: Die konsequente Förderung effizienter Pkw durch ambitionierte Verbrauchsgrenzwerte und eine Kfz-Steuer, die sich vollständig am CO2-Ausstoß orientiert“, betont Miller. „Denn eins ist sicher: Die Preise werden tendenziell weiter steigen, da immer mehr Menschen auf immer knapper werdende Ressource zurückgreifen. Dagegen kann man auf Dauer unmöglich durch eine Pendlerpauschale ansubventionieren!“
„Die Autofahrer selbst können sich gegen die hohen Spritkosten nur durch Anschaffung eines effizienten Fahrzeuges und durch eine moderne Fahrweise wehren. Wer die wesentlichen Spritspartipps des NABU beherzigt, kann locker über 20 Prozent Kraftstoff sparen“, erklärt Dietmar Oeliger, Leiter NABU-Verkehrspolitik. So fordert der NABU Bürger wie Politiker zum Umdenken im Verkehrsbereich auf. „Die Politik muss endlich die Weichen für eine nachhaltige, bezahlbare Mobilität stellen. Dazu gehören Drei-Liter-Autos, aber vor allem der Ausbau eines attraktiven öffentlichen Nahverkehrs und eine bessere Infrastruktur für Fahrradfahrer – so können die Bürger umsteigen und die ewigen Staus und Preissteigerungen links liegen lassen.“
Der Deutsche Naturschutzring (DNR), Dachverband deutscher Umwelt- und Naturschutzverbände hat die Schwächung der EU-Effizienzrichtlinie durch die Bundesminister Röttgen und Rösler scharf verurteilt.
Solarenergie stört nicht und schafft Arbeitsplätze – Foto: Dagmar Struß
Insbesondere bei Artikel 6, dem Herzstück der EU-Richtlinie, konnte Wirtschaftsminister Rösler seine Blockade gegen Energieeffizienz durchsetzen. Der DNR rechnet damit, dass Deutschland massiv sogenannte „early action“ anrechnen will. Dies würde bedeuten, dass die Bundesregierung auf Effizienzmaßnahmen aus der Vergangenheit verweist, um in der Zukunft die Hände in den Schoß zu legen.
„Darüber kann man nur den Kopf schütteln, vor allem wenn man bedenkt, dass Energieeffizienz eine wichtige Kostenbremse ist“, erklärte DNR-Präsident Hubert Weinzierl. „Ausgerechnet die Maßnahme, die Verbrauchern in den nächsten zehn Jahren [laut einer Studie des IFEU-Instituts] 14 Milliarden Euro an Energiekosten erspart hätte, wird jetzt abgeschwächt.“
Weiterhin deutet alles darauf hin, dass sich Deutschland von dem 1997 unter Bundeskanzlerin Angela Merkel vereinbarten EU-Energiesparziel abwendet. Statt den Energieverbrauch bis 2020 wie vereinbart um 20 Prozent gegenüber den Prognosen zu senken, will Deutschland im EU-Ministerrat lediglich für eine Verbesserung der Energieintensität eintreten. Dies würde das EU-Ziel erheblich schwächen. Ein Vergleich: Während Europa die Energieintensität seit 1990 um fast 30 Prozent steigern konnte, stieg der Energieverbrauch in der gleichen Zeit um zehn Prozent.
„Dass die Minister nun davon sprechen, dass erstmals ein verbindliches nationales Ziel festgelegt würde, ist unverschämt“, ärgert sich DNR-Präsident Weinzierl. Statt das EU-Ziel von 20 Prozent Energieeinsparung verbindlich festzuschreiben, beziehen Rösler und Röttgen sich dabei auf die deutlich geringere Vorgabe in Artikel 6. Diese war bereits im Gesetzesvorschlag der EU-Kommission als verbindlich vorgesehen und wird von dem deutschen Vorschlag sogar noch abgeschwächt.
„Wenn sich Deutschland in der EU mit dieser Position durchsetzt, wird Europa sein Energiesparziel auf jeden Fall verfehlen“, erklärte Stefanie Langkamp, Energieeffizienzexpertin des DNR. Damit werde die Verwundbarkeit gegenüber steigenden Energieweltmarktpreisen und die Abhängigkeit von Importen aus Krisenstaaten weiter steigen. „Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind die beiden tragenden Pfeiler der Energiewende“, mahnte Langkamp. „Sägt man einen davon ab, stürzt das gesamte Haus ein.“
Vor elf Monaten kam es zu dem katastrophalen Atom-GAU im japanischen Fukushima, vor sieben Monaten beschloss die Bundesregierung eine Energiewende.
Wo bleibt die Energiewende? – Foto: Dagmar Struß
Doch die Neuordnung kommt nur langsam voran. Die großen Energieunternehmen blockieren den Umbau, die Finanzmittel zur Förderung werden zusammengestrichen, die Bundesminister Rösler und Röttgen streiten sich ohne Ergebnis, es gibt kein koordiniertes Vorgehen für eine gemeinsame Anstrengung.
Dazu DNR-Präsident Hubert Weinzierl: „Die Kräfte, die mit der alten Energiepolitik weitermachen wollen, haben überwintert und werfen Sand ins Getriebe der Erneuerung. Wer den Umstieg will, muss sie auch organisieren, der Markt allein ist nicht der Motor. Im Gegenteil: Die Umweltverbände haben den Eindruck, dass es eine Kampagne gegen die Energiewende gibt. Warum sonst kommen die Investitionen in die Infrastruktur nicht voran, obwohl die Möglichkeiten da sind?
Die groß angekündigte Energiewende ist in der Zwischenzeit auf ein ideenloses, unkreatives, unengagiertes Handeln der Bundesregierung reduziert worden. Und die innovativen Verbände der erneuerbaren Energien, die in den letzten Jahren eine führende Rolle eingenommen hatten, kämpfen immer häufiger darum, dass die beschlossene Unterstützung nicht noch weiter gekürzt wird.
Ein weiteres negatives Beispiel für die zunehmende Blockade sind die abenteuerlichen Thesen des RWE-Managers Fritz Vahrenholt, der vom Umweltbundesamts-Mitarbeiter zum Klimaleugner wurde. In seinem Buch ‚Die kalte Sonne‘ schürt er gezielt Verunsicherung. Der Mensch sei nicht der Hauptschuldige des Klimawandels und dieser werde weitaus weniger schlimm ausfallen als prognostiziert. Vahrenholt, der kein Klimawissenschaftler ist, hat die Zusammenhänge nicht verstanden, wird aber zum Kronzeugen einer ökoreaktionären Gegenbewegung. Seine Thesen wurden bisher nur von Splittergruppen am rechten Rand der Gesellschaft vertreten.“
Michael Müller, DNR-Präsidiumsmitglied und Vorsitzender der NaturFreunde: „Die Mischung aus politischem Versagen und ökonomischen Blockaden ist verantwortungslos, eine einzige Dummheit. Gerade vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ist die Energiewende die wichtigste Chance, die Realwirtschaft zu stärken. Doch an den politischen Schlüsselpositionen stehen zwei Minister, die mehr mit sich als mit der Sache beschäftigt sind.
Die Wirtschaft muss stabilisiert werden. Das ist ein Gebot angesichts der ökonomischen Instabilität. Und nur, wenn die Infrastruktur in Richtung auf eine Ökologisierung der Industriestrukturen umgebaut wird, kann Deutschland seine Stärke behalten.“
DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen: „Wir brauchen eine ‚Green Economy’. Politik darf nicht immer erst reagieren, wenn die Krise da ist, sondern muss frühzeitig handeln. Viel Zeit ist schon verloren gegangen und bei den handelnden Personen ist zu befürchten, dass sich das nicht ändert.“
Diese Woche haben sich die EU-Energieminister in Brüssel getroffen, um den Vorschlag zur Energieeffizienzrichtlinie zu diskutieren.
Energieeffizienz durch Gebäudesanierung – Foto: Rainer Sturm / Pixelio
Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) fuhr erneut ohne Verhandlungsposition nach Brüssel.
Die Mitgliedstaaten berieten vor allem über den Vorschlag von Energiekommissar Günther Oettinger (CDU), Versorger oder Netzbetreiber zu verpflichten, Energieeffizienzangebote von jährlich 1,5 Prozent ihres Verkaufsvolumens zu machen. Während die dänische Ratspräsidentschaft Vorschläge einbrachte, um insbesondere die Qualität der durchgeführten Energieeffizienzmaßnahmen zu erhöhen, forderten einige Mitgliedstaaten mehr Flexibilität. Der deutsche Wirtschaftsminister würde den Vorschlag am liebsten ganz streichen, konnte sich mit dieser Position jedoch noch nicht gegenüber dem Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) durchsetzen. Deshalb blieb die deutsche Position zu Kernpunkten der Richtlinie weiterhin offen.
Von allen vorgeschlagenen Maßnahmen der Richtlinie bringen die sogenannten Energieeffizienzverpflichtungen die höchsten Einsparungen. Laut einem Kurzgutachten des IFEU könnte dieses Instrument in Deutschland bis 2020 die Energie von zehn Großstädten wie Köln einsparen, Energiekosten von Wirtschaft und Verbrauchern um 14 Milliarden Euro senken und 120.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte deshalb die Haltung des Wirtschaftsministers. „Rösler blockiert die Energiewende seiner eigenen Bundesregierung. Das Wirtschaftsministerium muss endlich begreifen, dass Energieeffizienz die beste Investition in die Zukunft ist“, sagte der Vorsitzende Hubert Weiger.
Ein weiterer Streitpunkt zwischen Kommission und Mitgliedsländern ist die Ausgestaltung der Energieeffizienzrichtlinie für den Gebäudesektor. Während EU-Staaten versuchen, die Sanierung öffentlicher Gebäude auf zentrale Regierungsgebäude zu beschränken, sieht die EU-Kommission hier noch Handlungsbedarf. Bis zum 18. Mai können sich Verbände an einer Konsultation zur Energieeffizienz von Gebäuden beteiligen. Die Kommission sucht nach Vorschlägen, das Marktversagen im Gebäudesektor zu adressieren, den Zugang zu Finanzierung sowie den ordnungsrechtlichen Rahmen zu verbessern.
Das Kaufverhalten in unserer Gesellschaft wird zunehmend auch von ökologischen Faktoren bestimmt.
LKW belasten Straßen mehr als andere Fahrzeuge – Foto: Erika Hartmann / Pixelio
Begriffe wie „Öko“, „Bio“ oder „Co2-frei“ sind zum Gütesiegel geworden; recyclebare Produkte befinden sich auf dem Vormarsch. Für ein Unternehmen kann es sinnvoll sein, in diesen Bereichen auf Transparenz zu setzen, in umweltfreundliche Produktionsprozesse sowie Verkaufsmethoden zu investieren und sich so in der Öffentlichkeit als „green company“ zu präsentieren. Doch schon allein beim Versuch einer Reduzierung der Treibhausemissionen im Transportbereich stößt man auf Probleme. Dies gilt besonders für die sogenannten „Fast Moving Consumer Goods“ – die Konsumgüter des täglichen Bedarfs. Täglich werden beispielsweise Nahrungs- oder Hygienemittel auf unseren Straßen transportiert. Treibhausemissionen sind dabei unvermeidbar. Gerade aber hier gilt: Eine ökologische Logistik leistet einen Beitrag zur Umweltfreundlichkeit der einzelnen Produkte.
Wissenschaftler der Universität Regensburg haben vor diesem Hintergrund untersucht, wie Unternehmen den Ausstoß von Treibhausgasen im logistischen Bereich reduzieren können, ohne teure technologische Innovationen oder erneuerbare Energien einzusetzen. Dazu analysierten Johannes Igl und Florian Kellner von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften die Daten eines deutschen Unternehmens, das „Fast Moving Consumer Goods“ produziert. Die beiden Assistenten am Regensburger Lehrstuhl für Controlling und Logistik identifizierten drei wesentliche Faktoren, die den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid im Transportbereich beeinflussen: die Anzahl der Warenlager des produzierenden Unternehmens, das Netzwerk des mit der Warenverteilung beauftragten Logistik-Unternehmens und die Art der einzelnen Warenlieferungen.
Igl und Kellner konnten zeigen, dass sich die Menge an ausgestoßenem Kohlenstoffdioxid umso stärker verringert, je mehr Warenlager dem produzierenden Unternehmen zur Verfügung stehen. Zwar vergrößert sich dadurch bei einzelnen Warenlagern die Distanz zur Produktionsstätte und somit die entsprechenden Emissionswerte für Fahrten zwischen diesen Standorten. Dies kann aber nach den Berechnungen der Regensburger Wissenschaftler durch die bessere Lage aller Warenlager zu den jeweiligen Umschlagplätzen und durch die relative Nähe zu den Kunden ausgeglichen werden. Freilich zieht eine höhere Dichte von Warenlagern auch einen Anstieg der Fixkosten des Unternehmens nach sich. Die Umstellung von einer – zunächst auf Kostenoptimierung ausgelegten – „Ein-Lager-Strategie“ auf eine „Zwei-Lager-Strategie“ erbringt aber schon eine Verringerung des gesamten CO2-Ausstoßes um mehr als 3,4%.
Neben der Zahl der Warenlager beeinflusst ebenfalls die Kundendichte in bestimmten Absatzgebieten den Ausstoß von Treibhausgasen im logistischen Bereich. Auch dies reduziert die Fahrtstrecken bei der Warenlieferung und damit die Treibhausemissionen. Nach Ansicht von Igl und Kellner sollten Unternehmen deshalb bei der Wahl eines Logistik-Dienstleisters besonders auf dessen Netzwerk achten. Schließlich untersuchten die Forscher den Einfluss der Kapazitätsauslastung der Warenlieferungen auf die Emissionswerte. Es zeigte sich, dass größere Lieferungen den Ausstoß von Treibhausgasen tendenziell verringern können. Zwar erhöhen sich dabei die Emissionswerte für einzelne „Volllast-Fahrten“. Nach Ansicht von Igl und Kellner wird dies aber durch die generelle Reduzierung der Anzahl der Fahrten kompensiert.
Die Berechnungen der Regensburger Forscher belegen die Auswirkungen, die einzelne Anpassungen oder Veränderungen des Warenverteilungsnetzwerks auf die Emissionswerte im Logistikbereich eines Unternehmens nach sich ziehen. Aus Sicht von Igl und Kellner könnten Unternehmen auf dieser Grundlage – und durch Abgleich mit den dadurch entstehenden Mehrkosten – neue Strategien entwickeln, um die Treibhausemissionen zu verringern und sich als „green company“ zu positionieren.
Originalpulikation in „Logistics Research“ (DOI 10.1007/s12159-012-0063-3).