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Archiv für die 'Wassermanagement' Kategorie

“Die Zukunft, die wir wollen” – Erster Textentwurf für Rio+20-Gipfel liegt vor

Donnerstag 19. Januar 2012 von birdfish

Das Sekretariat der Konferenz der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung (UNCSD) hat einen Entwurfstext für den für Juni anberaumten UN-Gipfel Rio+20 veröffentlicht.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Bis 23. Januar beziehungsweise 17. Februar haben die Regierungen und die EU Zeit für erste Kommentare.

“Die Zukunft, die wir wollen” (The Future We Want) – so ist der erste Entwurf des Textes für die UN-Verhandlungen über nachhaltige Entwicklung überschrieben. 20 Jahre nach dem ersten Weltgipfel, der die Themen Umwelt und Entwicklung zusammen behandelte, soll vom 20. bis 22. Juni 2012 im brasilianischen Rio de Janeiro das nächste Nationentreffen zu nachhaltiger Entwicklung stattfinden. “Grünes” Wirtschaften und ein neuer globaler institutioneller Rahmen für die internationale Umweltpolitik werden die Hauptthemen sein. Es soll aber auch Bilanz gezogen werden, was 1992 in Rio und 2002 in Johannesburg in puncto nachhaltige Entwicklung beschlossen wurde und was davon umgesetzt ist. Die EU hatte im Oktober 2011 Schlussfolgerungen zu ihrer Position für den Rio+20-Gipfel veröffentlicht.

Vom 25.-27. Januar finden die ersten offiziellen Diskussionen über den 2012er UN-Gipfel über nachhaltige Entwicklung statt. Die Staats- und RegierungsvertreterInnen haben bis 23. Januar Zeit, die ersten beiden Teile des Textes (sogenannter “Zero Draft”) schriftlich zu kommentieren. Es geht dabei um die fünfseitige Präambel, die “Vision” der UN für die Zukunft (Teil I) und die bereits bestehenden Beschlüsse (”Renewing Political Commitment”)

Teil III-V können bis Mitte Februar schriftlich kommentiert werden. Diese Textteile werden zusammen mit den Anmerkungen der einzelnen Staaten im März debattiert. Darin geht es um “grünes” Wirtschaften im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armtusbekämpfung (Teil III), den institutionellen Rahmen für nachhaltige Entwicklung (Teil IV) und dann die konkrete Umsetzung (”Framework for action and follow-up” – Teil V). Der letzte Teil enthält zum Beispiel Unterüberschriften wie Wasser, Energie, Lebensmittelsicherheit, Meere, Klimawandel und Wälder.

Nichtregierungsorganisationen sind eine der sogenannten “Major Groups”, die im Rahmen von UN-Verhandlungen – ohne Stimmrecht – beteiligt werden müssen.

Rio+20 – Erster Entwurf mit Zusammenfassung (engl.)

Offizielle Seite zum Rio+20-Gipfel

Quelle: DNR


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Den Klimawandelfolgen entgegnen: Projekt gibt Afrikanern Hilfe zur Selbsthilfe

Mittwoch 31. August 2011 von birdfish

In Afrika verursachen die globale Klimaerwärmung und der starke Verstädterungsprozess große Bedrohungen für die Bevölkerung.

Straßenszene aus Ouagadougou
Straßenszene aus Ouagadougou
- Foto: Stephan Pauleit / TUM)

Niederschlagsknappheit erschwert die Landwirtschaft zunehmend, für viele Bauern ist daher die Flucht in städtische Ballungszentren einzige Überlebenshoffnung. Zu dieser Zuwanderrate kommt in afrikanischen Stadtregionen noch ein hohes Bevölkerungswachstum von über 5% pro Jahr hinzu. Ein internationales Forschungsprojekt unter Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) nimmt sich dieser Problemlage jetzt an. Das gemeinsame Ziel: Die Entwicklung von Strategien zur Risikominimierung afrikanischer Städte, die durch den globalen Klimawandel bedroht sind.

Die europäische Union stellt dem internationalen Forscherkonsortium im Rahmen ihres 7. Forschungs-Rahmenprogramms während bis 2013 insgesamt 3,5 Mio. Euro für das Projekt CLUVA (Climate change and Urban Vulnerability in Africa) zur Verfügung. Als europäische Projektpartner sind neben der TUM unter Leitung des italienischen Instituts AMRA die Universität Kopenhagen, die Universität Manchester, das italienische Centro Euro-Mediterraneo per i Cambiamenti Climatici, das deutsche Helmholtz Zentrum für Umweltforschung sowie das norwegische Institut für Stadt- und Regionalforschung NIBR beteiligt. Die afrikanischen Partner kommen von der Addis Ababa-Universität Äthiopien, der Ardhi-Universität Tansania, der Université Gaston Berger de Saint Louis Senegal, der Université de Yaoundé I in Kamerun, der Universität Ouagadogou in Burkina Faso, sowie dem Council for Scientific and Industrial Research CSIR in Südafrika.

Die Wissenschaftler untersuchen die Strategien zur Risikominimierung am Beispiel von fünf afrikanischen Großstädten: St. Louis (Senegal), Ouagadougou (Burkina Faso), Douala (Kamerun), Addis Ababa (Äthiopien) sowie Dar Es Salaam (Tansania). Meist wachsen die Stadtränder dort ohne strategische Planung in das Umland hinaus. In Dar Es Salaam beispielsweise lebt etwa 70% der Bevölkerung in ungeplanten Siedlungen. Vor allem in diesen Wachstumszonen gibt es erhebliche Defizite in der Infrastruktur, in der Ökologie, im sozialen Bereich und in der Sicherheit. Außerdem wird die Versorgung der Bewohner mit Nahrungsmitteln, Strom und Wasser immer schwieriger. Dazu kommt die erwartete massive Landflucht: Schon heute leben 297 Millionen Menschen der afrikanischen Bevölkerung in Städten oder an den Küstengebieten – 2030 werden es voraussichtlich 1,4 Millionen Menschen sein. Das Forscherkonsortium möchte daher schon jetzt die Risiken durch die globale Klimaveränderung benennen – und Wege aufzeigen, um die Anpassungsfähigkeit der Großstädte zu erhöhen.

Das Team am TUM-Lehrstuhl Strategie und Management der Landschaftsentwicklung untersucht dabei speziell die Rolle städtischer Grünstrukturen und Ökosysteme bei der Anpassung afrikanischer Städte an den Klimawandel. Dabei spielen hauptsächlich die Regenwasserrückhaltefähigkeit, die Kühlwirkung auf das städtische Lokalklima sowie die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Brennholz aus den Grünstrukturen eine bedeutende Rolle. „Methodisch kommen eine Erfassung und stadtspezifische Kartierung dieser verschiedenen Einflussfaktoren gemeinsam mit den afrikanischen Partnern vor Ort zur Anwendung“, erklärt Prof. Stephan Pauleit, Leiter des Lehrstuhls Strategie und Management der Landschaftsentwicklung. Die Erkenntnisse der TUM über die Robustheit der Grünstrukturen gegenüber globalen Klimaveränderungen und dem Siedlungsdruck in Afrika fließen – zusammen mit den anderen Forschungsergebnissen aus dem CLUVA-Projekt – in eine Strategie für eine zukunftsweisende, modellhafte Stadtplanung afrikanischer Städte ein.

„Die Feldforschung wird durch unsere afrikanischen Partner betrieben. Die europäischen Wissenschaftler stehen jederzeit unterstützend zur Seite und bringen ihr gesamtes Know-how in den Forschungsprozess mit ein. Hand in Hand wird dadurch das Fachwissen über den Umgang mit Klimarisiken in Afrika bei den afrikanischen Partner-Universitäten aufgebaut“, erklärt Pauleit. „Die Ergebnisse aus dem CLUVA-Projekt werden daher in Zukunft auch die Lehre an den afrikanischen Partner-Universitäten bereichern. So bietet das Projekt sozusagen doppelt Hilfe zur Selbsthilfe“, freut er sich.

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Ökosozialprodukt wird weiteres Instrument zur Messung der Wirtschaftsleistung

Dienstag 14. Juni 2011 von birdfish

Das EU-Parlaments hat jetzt einem Verordnungsvorschlag über “Umweltökonomische Gesamtrechnungen” zugestimmt.

Dorf und Landschaft
Künftig zählt die umweltökonomische Gesamtrechnung eines Landes – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Diese sollen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Instrument zur Messung der Wirtschaftsleistung eines Landes ergänzen.

Das BIP sei nicht mehr zeitgemäß, hieß es zur Begründung. Künftig müsse auch der wirtschaftliche, soziale und ökologische Fortschritt gemessen werden, forderten die Parlamentarier. Die EU-Kommission solle dafür geeignete Indikatoren entwickeln.

Die nun verabschiedete Verordnung sieht die Erstellung von jährlichen Umweltbilanzen vor. Die neue “umweltökonomische Gesamtrechnung” sei ein wichtiger Schritt “vom Bruttosozialprodukt zum Ökosozialprodukt”, sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses und Berichterstatter Jo Leinen. Sie trage auch zur Schaffung eines neuen Wohlfahrtsindexes bei, der wirtschaftlichen, umwelttechnischen und sozialen Fortschritt in der Gesellschaft umfasse.

Ab 2012 wird die Berichterstattung der Mitgliedstaaten über “Umweltökonomische Gesamtrechnungen” an das Statsitikamt der EU, Eurostat, Luftemissionen, Materialflüsse und erhobene Umweltsteuern erfassen. In Zukunft könnten auch weitere Daten, zum Beispiel über die Verwendung von Wasser und Waldressourcen, hinzugefügt werden.

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Wasserknappheit wird zum Wachstumsrisiko – Wasserrisikofilter veröffentlicht

Donnerstag 7. April 2011 von birdfish

Nach einer aktuellen Studie vom WWF und der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) wird der Mangel an Süßwasser nicht nur zu einem zunehmenden ökologischen Risiko, sondern auch zu einem ökonomischen.

Wasserrisikofilter 2011
Wasserrisikofilter 2011 – Foto: WWF

Klimawandel, Bevölkerungswachstum und steigende Lebensstandards tragen dem Bericht zufolge dazu bei, dass der Druck vor allem in Entwicklungsländern auf die vorhandenen und ohnehin schon knappen Wasserressourcen weiter zunehme. Der Wassermangel bedrohe in Südostasien und Afrika ganze Ökosysteme und den Lebensstandard der Menschen vor Ort.

„Die Verfügbarkeit von Wasser wird auch für Unternehmen zu einem Entwicklungsengpass – mit dem Wasserrisikofilter haben wir jetzt ein Instrument entwickelt, Unternehmen diese Risiken aufzuzeigen und Unterstützung im Wassermanagement anzubieten“, erklärt Dr. Peter Thimme, Leiter Nachhaltige Entwicklung/Umwelt von der DEG. Der Zugang zu genügend Wasser in ausreichender Qualität sei somit von erheblichem wirtschaftlichem Wert. „Der nachhaltige Umgang mit Wasser ist für die Unternehmen eine Verantwortung gegenüber Ökosystemen und der lokalen Bevölkerung, die von eben diesem Wasser abhängen“, bekräftigt Martin Geiger, Leiter Süßwasser beim WWF Deutschland. Vor allem die Agrarindustrie sei in diesem Bereich gefordert, da sie immerhin 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs beanspruche. Wenn jetzt nicht gegengesteuert werde, seien in Zukunft Engpässe bei wasserintensiven Agrargütern und für die betroffenen Unternehmen wirtschaftliche Risiken zu erwarten, warnen WWF und DEG.

Der neu entwickelte „Wasserrisikofilter“ soll ähnlich einem Lackmus-Test dazu dienen, wasserbezogene Risiken frühzeitig zu erkennen und in Investitionsentscheidungen einzubeziehen. Zudem soll er Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen aufzeigen, die von Risiken wie Wasserknappheit, -verschmutzung oder Überflutungen direkt oder in ihrer Zulieferkette bedroht sein könnten. Die DEG plant, einzelne Verbesserungsansätze in einem Anschlussprojekt konkret umzusetzen und aus Mitteln für Begleitmaßnahmen zu fördern. Auf diese Weise will der Entwicklungsfinanzierer die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der sich verschärfenden Wasserkrise abfedern.

In das Projekt flossen mehr als 80 detaillierte und umfassende Länderinformationen zur jeweiligen Wassersituation sowie umfangreiches Kartenmaterial ein. Von über 300 untersuchten Unternehmen haben nach Angaben von DEG und WWF 191 hohe potentielle Risiken im Wasserbereich. Es gilt nun, diese Wasserrisiken durch konkrete Unterstützungsmaßnahmen zu  reduzieren.

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Neue EU Studie zur Bodenversiegelung – Gutes Siedlungsmanagement wäre sinnvoll

Freitag 21. Januar 2011 von birdfish

Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat eine Studie zur Bodenversiegelung in Europa veröffentlicht.

Helsinki - weniger Versiegelung pro Einwohner
Helsinki – weniger Versiegelung pro Einwohner – Foto: Birgit Winter / Pixelio

Die hierfür ausgewerteten Satellitenbilder zeigen, dass in europäischen Städten der Versiegelungsgrad der Böden wie auch der Anteil versiegelter Böden pro Einwohner sehr unterschiedlich ausfällt.

Der Studie nach weist zum Beispiel Helsinki mit seinen rund einer Millionen Einwohnern und seinem weitläufigen Stadtgebiet relativ gering verdichtete Böden auf. Der Versiegelungsanteil pro Einwohner ist daher zwar hoch, doch können die Böden infolge des in weiten Teilen geringen und nur partiell hohen Versiegelungsgrades ihre ökosystemaren Funktionen eingeschränkt noch wahrnehmen. Die 1-Millionenstadt Sofia ist hingegen deutlich kompakter bebaut, so dass der Versiegelungsanteil pro Einwohner geringer, aber der Versiegelungsgrad der Böden insgesamt höher ist als in Helsinki.

Die Wissenschaftler machen in der Studie deutlich, dass ein geringer Anteil versiegelter Böden pro Einwohner und somit eine kompakte Bebauung zwar sinnvoll ist, da so der ökologische Fußabdruck pro Einwohner reduziert wird.  Dennoch können dicht versiegelte Böden dazu führen, dass sie ihre wichtigen ökosystemaren Funktionen, beispielsweise zur Verbesserung des Mikroklimas, der Wasserreinhaltung und -speicherung, nicht erfüllen kann. Vor dem Hintergrund klimawandelbedingter steigender Temperaturen und zunehmender Wetterextreme fordern die Wissenschaftler ein intelligentes Siedlungsmanagement in Städten. Bodenversiegelung müsse überall dort, wo sie nicht erforderlich sei, beispielsweise auf Parkplätzen und öffentlichen Plätzen, reduziert und zugleich Grünflächen und der städtische Baumbestand deutlich ausgeweitet werden.

Die Studie und weiterführende Informationen finden Sie auf der EEA-Website

Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat eine Studie zur Bodenversiegelung in Europa veröffentlicht. Die hierfür ausgewerteten Satellitenbilder zeigen, dass in europäischen Städten der Versiegelungsgrad der Böden wie auch der Anteil versiegelter Böden pro Einwohner sehr unterschiedlich ausfällt.

Der Studie nach weist zum Beispiel Helsinki mit seinen rund einer Millionen Einwohnern und seinem weitläufigen Stadtgebiet relativ gering verdichtete Böden auf. Der Versiegelungsanteil pro Einwohner ist daher zwar hoch, doch können die Böden infolge des in weiten Teilen geringen und nur partiell hohen Versiegelungsgrades ihre ökosystemaren Funktionen eingeschränkt noch wahrnehmen. Die 1-Millionenstadt Sofia ist hingegen deutlich kompakter bebaut, so dass der Versiegelungsanteil pro Einwohner geringer, aber der Versiegelungsgrad der Böden insgesamt höher ist als in Helsinki.

Die Wissenschaftler machen in der Studie deutlich, dass ein geringer Anteil versiegelter Böden pro Einwohner und somit eine kompakte Bebauung zwar sinnvoll ist, da so der ökologische Fußabdruck pro Einwohner reduziert wird.  Dennoch können dicht versiegelte Böden dazu führen, dass sie ihre wichtigen ökosystemaren Funktionen, beispielsweise zur Verbesserung des Mikroklimas, der Wasserreinhaltung und -speicherung, nicht erfüllen kann. Vor dem Hintergrund klimawandelbedingter steigender Temperaturen und zunehmender Wetterextreme fordern die Wissenschaftler ein intelligentes Siedlungsmanagement in Städten. Bodenversiegelung müsse überall dort, wo sie nicht erforderlich sei, beispielsweise auf Parkplätzen und öffentlichen Plätzen, reduziert und zugleich Grünflächen und der städtische Baumbestand deutlich ausgeweitet werden. [jgl]


Studie und weiterführende Informationen: EEA-Seite

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Der Welthunger könnte um 20% zunehmen – Afrika wohl am schlimmsten betroffen

Montag 6. Dezember 2010 von birdfish

Dürreresistentere Pflanzen, verbessertes Wassermanagement, aber auch angepasste Institutionen: So könnte sich die Landwirtschaft nach Meinung internationaler Agrarökonomen an den Klimawandel anpassen.

Dürre in Afrika
Dürre und Überschwemmungen führen zunehmend zu Hunger in armen Ländern. – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Bei der dreitägigen Konferenz der European Association of Agricultural Economists (EAAE) trafen sich jetzt Forscher aus Europa, Afrika, Asien und Amerika an der Universität Hohenheim zu aktuellen Fragen, die sich aus dem Klimawandel für die Ernährungssicherung ergeben. Eine beunruhigende Erkenntnis: Afrika wird wahrscheinlich am stärksten unter den negativen Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Die Ernährungssicherung und die Auswirkungen des Klimawandels gehören zu den Forschungsschwerpunkten der Universität Hohenheim.

Die sicherste wissenschaftliche Erkenntnis in Bezug auf den Klimawandel ist, dass Unsicherheiten und Schwankungen weiter zunehmen werden. Zwar sind sich die Experten einig, dass Temperaturen und die Niederschlagsmenge im globalen Durchschnitt zunehmen werden, doch detaillierte Vorhersagen zu Dauer, Stärke, Verlauf sowie die regionale Verteilung von Niederschlag und Trockenheit werden ungewisser. Die unsicheren Wetterverhältnisse der Zukunft sind besonders für Landwirte eine schwierige Herausforderung.

Auch über eine andere beunruhigende Erkenntnis herrschte unter den Agrarökonomen auf der EAAE-Konferenz Einigkeit: Afrika wird am meisten unter den negativen Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Dort, wie auch auf den anderen Kontinenten, werden vor allem Arme, Hungernde sowie Menschen in ökonomischen und ökologischen Randgebieten betroffen sein. Die Forscher gehen davon aus, dass die Anzahl der chronisch unterernährten Menschen durch die Effekte des Klimawandels um ca. 20% steigen wird.

Die Landwirtschaft spielt hier eine Doppelrolle: Einerseits leidet sie unter dem Klimawandel, andererseits hat sie ihn mit verursacht. 70 bis 80% des globalen Wasserverbrauchs gehen in die landwirtschaftliche Produktion und sie verursacht 14% der Welt-CO2-Emmissionen. Dabei könnte die Landwirtschaft in den nördlichen Teilen der USA sowie in Nordeuropa sogar vom Klimawandel profitieren. Die Agrarökonomen sehen diese Landwirte in der Pflicht, ihr zusätzliches Potenzial zu nutzen, um die Verluste im Süden auszugleichen.

Da nur sehr unsichere Voraussagen darüber möglich sind, welche Gegenden künftig von Dürren oder Überschwemmungen heimgesucht werden, aber gleichzeitig an vielen Standorten mehr Schädlinge zu erwarten sind, müsse sich die Pflanzen- und Tierzucht nach Ansicht der Experten auf die Überwindung von gleichzeitig auftretenden multiplen Stressfaktoren ausrichten. Beispielsweise sollten die Kulturpflanzen so gezüchtet werden, dass sie in Zukunft widerstandsfähiger gegen bestimmte Krankheiten sind und gleichzeitig toleranter auf Dürreperioden reagieren.

Kontroverse: Weniger Fleisch für besseres Klima?

Die Forscher diskutierten auch die Frage, wie sich der Klimawandel durch die Vermeidungsstrategien beeinflussen lässt. Zum Beispiel dadurch, dass weltweit weniger Fleisch gegessen wird, um die klimaschädliche Tierproduktion zu verringern oder zumindest effektiver zu gestalten. Hier konnten sich die Forscher noch nicht darauf einigen, ob eine solche Forderung effizient ist. Es gelte zunächst effiziente Formen der Anpassung sowie der Vermeidung zu identifizieren und nur diese ökonomisch zu fördern.

Mit konsequenten Anpassungs- und Vermeidungsstrategien könnte die Zahl der zusätzlichen hungernden Menschen wieder aufgefangen und kompensiert werden, so der Konsens der Forscher. Jedoch würden entsprechende Maßnahmen zurzeit nur begrenzt umgesetzt.

Landwirtschaftliche Produktion besser absichern

Eine weitere zentrale Forschungsfrage war, wie sich die Landwirte selbst besser gegen die Auswirkungen des Klimawandels absichern und wie sie besser darauf reagieren können. Hier sei nach Auffassung der Wissenschaftler weitere Forschung unabdingbar. Insbesondere sollten die institutionellen Zusammenhänge untersucht werden, in denen sich die landwirtschaftlichen Haushalte bewegen.

Dabei sei zu klären, welche institutionellen Mechanismen, die Auswirkungen des Klimawandels abfedern könnten. So diskutierten die Forscher beispielsweise besondere Programme der Mikrofinanzierung, aber auch die Möglichkeiten von Ernteausfall-Versicherungen für die Landwirte in Entwicklungsländern.

Kernkompetenz der Universität Hohenheim seit 1818

Mit dem diesjährigen EAAE-Seminar war die Universität Hohenheim zum zweiten Mal Gastgeberin des internationalen Forschertreffens. Der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Hans-Peter Liebig, betonte in seiner Rede zur Eröffnung, die Universität Hohenheim komme damit ihrem Auftrag nach, die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Ernährungssicherung zu untersuchen und realistische Perspektiven aufzuzeigen. Diesen Auftrag habe sie „von Beginn an nun schon seit fast 200 Jahren“. Damals waren es zwei besonders nasse Jahre, die zu Ernteausfällen und Hungersnöten führten, und Königin Katharina 1818 veranlassten die Ackerbauschule Hohenheim zu gründen, aus der sich schließlich die Universität Hohenheim entwickelte.

Hintergrund: European Association of Agricultural Economists (EAAE)

Die europäische Vereinigung der Agrarökonomen (European Association of Agricultural Economists – EAAE) veranstaltet in einem Drei-Jahres Rhythmus ein Seminar, das Themen der ländlichen und landwirtschaftlichen Entwicklung in Entwicklungsländern diskutiert. So hat dieses Seminar in den letzten Jahren an Forschungseinrichtungen in Montpellier (2007), Florence (2004), Wye-Kent (2001) und Wageningen (1998) stattgefunden. Nach 1992 war es dieses Jahr das erste Mal, dass die Universität Hohenheim wieder dieses Seminar erfolgreich ausgetragen hat.


Aktion Deutschland Hilft

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Kleinwasserkraftwerke sind kostengünstig, sauber, effektiv und fast überall einsetzbar

Freitag 22. Oktober 2010 von birdfish

Wasserkraft ist die älteste und „sauberste“ erneuerbare Energie.

Klein aber effektiv und umweltfreundlich
Klappe lässt Wasser und Fische passieren. Kraftwerk steckt in Kiste vor dem Wehr. – Foto: Andreas Heddergott / TU München

Doch das Potenzial der Wasserkraft schien in Deutschland ausgeschöpft, Großprojekte in Entwicklungsländern stehen wegen des starken Eingriffs in die Umwelt in der Kritik. Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben nun ein Kleinwasserkraftwerk entwickelt, das mehrere Probleme auf einmal löst: Es ist so einfach konstruiert und damit so kostengünstig, dass es auch an geringen Gefällen rentabel arbeitet. Zudem versteckt es sich in einem Schacht, sodass Landschaft und Gewässer geschont werden. Die Kraftwerke könnten an Tausenden ungenutzten Standorten in Europa und in bislang unversorgten Regionen weltweit Strom produzieren.
Mit Wasserkraft werden in Deutschland gut drei Prozent des verbrauchten Stroms erzeugt – und daran schien sich auch nicht mehr viel zu ändern. Denn die guten Standorte für Wasserkraftanlagen sind hierzulande schon längst belegt. In einigen Schwellenländern wird dagegen über gigantische Stauseen diskutiert, die alte Kulturlandschaften überschwemmen und Ökosysteme zerstören. Ärmeren Ländern wiederum fehlen Geld und Ingenieurwissen, um Wasserkraft einsetzen zu können.

Denn auch kleinere Anlagen sind ökonomisch aufwendig und überdies ökologisch keinesfalls unbedenklich. Will man etwa die Wasserkraft an einem relativ niedrigen Wehr nutzen, muss man bislang einen Teil des Flusses am Wehr vorbei durch ein sogenanntes Buchtenkraftwerk führen – mit folgenden Nachteilen:

  • Die große Dimension der Anlage mit einer betonierten Umleitung des Wassers und einem Maschinenhaus verschlingt hohe Baukosten und zerstört Uferlandschaft.
  • Um eine optimale Strömung im Kraftwerk zu erreichen, muss die Konstruktion je nach Höhe des Wehres und der umliegenden Topographie individuell geplant werden: Wie wird eine bis zu den Turbinen gleichmäßige Strömung erreicht? Wie soll das Wasser von dort aus ausgeleitet werden?
  • Zwar sollen Fischtreppen den Tieren helfen, das Kraftwerk zu umgehen. Der Abstieg gelingt ihnen oft aber nicht, weil sie von der Strömung Richtung Kraftwerk getrieben werden. Größere Fische werden an den Rechen gedrückt, der den „Eingang“ des Kraftwerks schützt, kleinere können durch die Turbine verletzt werden.

Das Kleinwasserkraftwerk, das ein Team um Prof. Peter Rutschmann und Dipl.-Ing. Albert Sepp am Oskar von Miller-Institut, der TUM-Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft, im Modell entwickelt hat, lässt die Landschaft dagegen weitgehend unangetastet. Nur ein kleines Transformator-Häuschen am Ufer ist sichtbar. Der wesentliche Teil des Kraftwerks verbirgt sich statt in einer aufwendigen Konstruktion in einem einfachen Schacht, der vor dem Wehr in das bestehende Flussbett gegraben wird. Das Wasser strömt in die kistenförmige Anlage hinab, treibt eine Turbine an und wird unter dem Wehr zurück in den Fluss geleitet. Möglich wird dies, weil mehrere Hersteller Generatoren entwickelt haben, die unter Wasser arbeiten können – ein Maschinenhaus am Ufer wird überflüssig.
Die TUM-Forscher mussten dennoch einige Probleme lösen: Wie verhindern sie, dass sich unerwünschte Wirbel bilden, wenn das Wasser plötzlich nach unten strömt? Und wie schonen sie die Fische? Rutschmann und Sepp schlugen zwei Fliegen mit einer Klappe – genauer gesagt mit einer Klappe im Wehr oberhalb des Kraftwerkschachts. Diese lässt einen kleinen Teil des Wassers durchfließen und damit auch die Fische passieren. Außerdem verhindert diese Fließbewegung die Wirbelbildung, die zu Wirkungsverlusten und erhöhtem Verschleiß beim Antrieb der Turbine führen würde.

Kern des Konzepts aber ist nicht die Optimierung der Effizienz, sondern die Optimierung der Kosten: Standardisierte, vorgefertigte Module sollen die Bestellung einer „Kraftwerk-Kiste“ wie aus einem Katalog ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass die Kosten gegenüber einem Buchtenkraftwerk um 30 bis 50 Prozent niedriger ausfallen werden“, sagt Rutschmann. Schon bei einer Fallhöhe des Wassers von nur ein bis zwei Metern kann das Schachtkraftwerk deshalb rentabel arbeiten, während ein Buchtenkraftwerk mindestens die doppelte Höhe benötigt. Ein weiterer Vorteil der Serienproduktion: Je nach Bedarf und Finanzkraft können bei einem breiteren Gewässer mehrere Schächte nebeneinander gegraben werden – auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Damit können Investoren Standorte in den Blick nehmen, die bislang für die Nutzung der Wasserkraft kaum interessant waren. Besondere Aktualität bekommt diese Möglichkeit durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese verlangt, auch kleinere Flüsse für Fische durchgängig zu machen. Allein in Bayern gibt es mehrere Tausend Querbauwerke, wie etwa Wehre, die deshalb umgerüstet werden müssen, etliche erfüllen gleichzeitig die Voraussetzung für ein Schachtkraftwerk. Der Bau Tausender Fischrampen würde die EU-Staaten Milliarden kosten und das Klima mit Tonnen von Kohlendioxid belasten. Würden stattdessen Schachtkraftwerke mit Fisch-Klappe und einem zusätzlichen Fischaufstieg installiert werden, übernähmen die jeweiligen Investoren die Kosten und produzierten langfristig klimafreundlichen Strom, der für eine kleine Gemeinde ausreicht – ein Wasserkraftwerk im Flüsschen nebenan.

Auch in Entwicklungsländern könnte das Schachtkraftwerk eine bedeutende Rolle übernehmen. „Große Teile der Weltbevölkerung haben überhaupt keinen Zugang zu Energie“, klagt Rutschmann. „Ihre einzige Chance ist eine dezentrale Stromversorgung mit kostengünstigen, einfachen zu bedienenden Kraftwerken, die nicht oft gewartet werden müssen.“ Für den Fall, dass schon die Turbine nicht bezahlbar ist, hat Rutschmann eine Alternative ins Auge gefasst: „Man kann eine billige Tauchpumpe kaufen und sie rückwärts laufen lassen – das funktioniert in unserem Kraftwerk auch.“

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KLIMA 2010 – Klimawandel-Einfluss auf das Management weltweiter Wasserressourcen

Dienstag 19. Oktober 2010 von birdfish

Die Onlinekonferenz KLIMA 2010 / CLIMATE 2010 steht vor der Tür.

Klima 2010 Konferenz

Im Vorfeld der nächsten Runde der internationalen UN-Klimaschutzverhandlungen in Cancún/Mexico thematisiert die weltweite, wissenschaftliche und CO2-freundliche Konferenz die Frage, welchen Einfluss der Klimawandel auf das Management der weltweiten Wasserressourcen haben wird. Bereits zum dritten Mal wird die Klimakonferenz von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) organisiert.

Unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers Röttgen können sich Forscher, Unternehmen, Behörden genauso wie die interessierte Öffentlichkeit auf der Konferenzplattform vom 1. bis 7. November 2010 über den Klimawandel informieren und miteinander diskutieren. Ziel der Online-Konferenz ist es, die Suche nach globalen und regionalen Lösungen gegen die Folgen des Klimawandels für die Wasserversorgung voranzutreiben und die Dringlichkeit der Thematik ins Licht der breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Onlinekonferenz KLIMA 2010

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