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Neue EU Studie zur Bodenversiegelung – Gutes Siedlungsmanagement wäre sinnvoll

Freitag 21. Januar 2011 von birdfish

Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat eine Studie zur Bodenversiegelung in Europa veröffentlicht.

Helsinki - weniger Versiegelung pro Einwohner
Helsinki – weniger Versiegelung pro Einwohner – Foto: Birgit Winter / Pixelio

Die hierfür ausgewerteten Satellitenbilder zeigen, dass in europäischen Städten der Versiegelungsgrad der Böden wie auch der Anteil versiegelter Böden pro Einwohner sehr unterschiedlich ausfällt.

Der Studie nach weist zum Beispiel Helsinki mit seinen rund einer Millionen Einwohnern und seinem weitläufigen Stadtgebiet relativ gering verdichtete Böden auf. Der Versiegelungsanteil pro Einwohner ist daher zwar hoch, doch können die Böden infolge des in weiten Teilen geringen und nur partiell hohen Versiegelungsgrades ihre ökosystemaren Funktionen eingeschränkt noch wahrnehmen. Die 1-Millionenstadt Sofia ist hingegen deutlich kompakter bebaut, so dass der Versiegelungsanteil pro Einwohner geringer, aber der Versiegelungsgrad der Böden insgesamt höher ist als in Helsinki.

Die Wissenschaftler machen in der Studie deutlich, dass ein geringer Anteil versiegelter Böden pro Einwohner und somit eine kompakte Bebauung zwar sinnvoll ist, da so der ökologische Fußabdruck pro Einwohner reduziert wird.  Dennoch können dicht versiegelte Böden dazu führen, dass sie ihre wichtigen ökosystemaren Funktionen, beispielsweise zur Verbesserung des Mikroklimas, der Wasserreinhaltung und -speicherung, nicht erfüllen kann. Vor dem Hintergrund klimawandelbedingter steigender Temperaturen und zunehmender Wetterextreme fordern die Wissenschaftler ein intelligentes Siedlungsmanagement in Städten. Bodenversiegelung müsse überall dort, wo sie nicht erforderlich sei, beispielsweise auf Parkplätzen und öffentlichen Plätzen, reduziert und zugleich Grünflächen und der städtische Baumbestand deutlich ausgeweitet werden.

Die Studie und weiterführende Informationen finden Sie auf der EEA-Website

Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat eine Studie zur Bodenversiegelung in Europa veröffentlicht. Die hierfür ausgewerteten Satellitenbilder zeigen, dass in europäischen Städten der Versiegelungsgrad der Böden wie auch der Anteil versiegelter Böden pro Einwohner sehr unterschiedlich ausfällt.

Der Studie nach weist zum Beispiel Helsinki mit seinen rund einer Millionen Einwohnern und seinem weitläufigen Stadtgebiet relativ gering verdichtete Böden auf. Der Versiegelungsanteil pro Einwohner ist daher zwar hoch, doch können die Böden infolge des in weiten Teilen geringen und nur partiell hohen Versiegelungsgrades ihre ökosystemaren Funktionen eingeschränkt noch wahrnehmen. Die 1-Millionenstadt Sofia ist hingegen deutlich kompakter bebaut, so dass der Versiegelungsanteil pro Einwohner geringer, aber der Versiegelungsgrad der Böden insgesamt höher ist als in Helsinki.

Die Wissenschaftler machen in der Studie deutlich, dass ein geringer Anteil versiegelter Böden pro Einwohner und somit eine kompakte Bebauung zwar sinnvoll ist, da so der ökologische Fußabdruck pro Einwohner reduziert wird.  Dennoch können dicht versiegelte Böden dazu führen, dass sie ihre wichtigen ökosystemaren Funktionen, beispielsweise zur Verbesserung des Mikroklimas, der Wasserreinhaltung und -speicherung, nicht erfüllen kann. Vor dem Hintergrund klimawandelbedingter steigender Temperaturen und zunehmender Wetterextreme fordern die Wissenschaftler ein intelligentes Siedlungsmanagement in Städten. Bodenversiegelung müsse überall dort, wo sie nicht erforderlich sei, beispielsweise auf Parkplätzen und öffentlichen Plätzen, reduziert und zugleich Grünflächen und der städtische Baumbestand deutlich ausgeweitet werden. [jgl]


Studie und weiterführende Informationen: EEA-Seite

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Der Welthunger könnte um 20% zunehmen – Afrika wohl am schlimmsten betroffen

Montag 6. Dezember 2010 von birdfish

Dürreresistentere Pflanzen, verbessertes Wassermanagement, aber auch angepasste Institutionen: So könnte sich die Landwirtschaft nach Meinung internationaler Agrarökonomen an den Klimawandel anpassen.

Dürre in Afrika
Dürre und Überschwemmungen führen zunehmend zu Hunger in armen Ländern. – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Bei der dreitägigen Konferenz der European Association of Agricultural Economists (EAAE) trafen sich jetzt Forscher aus Europa, Afrika, Asien und Amerika an der Universität Hohenheim zu aktuellen Fragen, die sich aus dem Klimawandel für die Ernährungssicherung ergeben. Eine beunruhigende Erkenntnis: Afrika wird wahrscheinlich am stärksten unter den negativen Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Die Ernährungssicherung und die Auswirkungen des Klimawandels gehören zu den Forschungsschwerpunkten der Universität Hohenheim.

Die sicherste wissenschaftliche Erkenntnis in Bezug auf den Klimawandel ist, dass Unsicherheiten und Schwankungen weiter zunehmen werden. Zwar sind sich die Experten einig, dass Temperaturen und die Niederschlagsmenge im globalen Durchschnitt zunehmen werden, doch detaillierte Vorhersagen zu Dauer, Stärke, Verlauf sowie die regionale Verteilung von Niederschlag und Trockenheit werden ungewisser. Die unsicheren Wetterverhältnisse der Zukunft sind besonders für Landwirte eine schwierige Herausforderung.

Auch über eine andere beunruhigende Erkenntnis herrschte unter den Agrarökonomen auf der EAAE-Konferenz Einigkeit: Afrika wird am meisten unter den negativen Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Dort, wie auch auf den anderen Kontinenten, werden vor allem Arme, Hungernde sowie Menschen in ökonomischen und ökologischen Randgebieten betroffen sein. Die Forscher gehen davon aus, dass die Anzahl der chronisch unterernährten Menschen durch die Effekte des Klimawandels um ca. 20% steigen wird.

Die Landwirtschaft spielt hier eine Doppelrolle: Einerseits leidet sie unter dem Klimawandel, andererseits hat sie ihn mit verursacht. 70 bis 80% des globalen Wasserverbrauchs gehen in die landwirtschaftliche Produktion und sie verursacht 14% der Welt-CO2-Emmissionen. Dabei könnte die Landwirtschaft in den nördlichen Teilen der USA sowie in Nordeuropa sogar vom Klimawandel profitieren. Die Agrarökonomen sehen diese Landwirte in der Pflicht, ihr zusätzliches Potenzial zu nutzen, um die Verluste im Süden auszugleichen.

Da nur sehr unsichere Voraussagen darüber möglich sind, welche Gegenden künftig von Dürren oder Überschwemmungen heimgesucht werden, aber gleichzeitig an vielen Standorten mehr Schädlinge zu erwarten sind, müsse sich die Pflanzen- und Tierzucht nach Ansicht der Experten auf die Überwindung von gleichzeitig auftretenden multiplen Stressfaktoren ausrichten. Beispielsweise sollten die Kulturpflanzen so gezüchtet werden, dass sie in Zukunft widerstandsfähiger gegen bestimmte Krankheiten sind und gleichzeitig toleranter auf Dürreperioden reagieren.

Kontroverse: Weniger Fleisch für besseres Klima?

Die Forscher diskutierten auch die Frage, wie sich der Klimawandel durch die Vermeidungsstrategien beeinflussen lässt. Zum Beispiel dadurch, dass weltweit weniger Fleisch gegessen wird, um die klimaschädliche Tierproduktion zu verringern oder zumindest effektiver zu gestalten. Hier konnten sich die Forscher noch nicht darauf einigen, ob eine solche Forderung effizient ist. Es gelte zunächst effiziente Formen der Anpassung sowie der Vermeidung zu identifizieren und nur diese ökonomisch zu fördern.

Mit konsequenten Anpassungs- und Vermeidungsstrategien könnte die Zahl der zusätzlichen hungernden Menschen wieder aufgefangen und kompensiert werden, so der Konsens der Forscher. Jedoch würden entsprechende Maßnahmen zurzeit nur begrenzt umgesetzt.

Landwirtschaftliche Produktion besser absichern

Eine weitere zentrale Forschungsfrage war, wie sich die Landwirte selbst besser gegen die Auswirkungen des Klimawandels absichern und wie sie besser darauf reagieren können. Hier sei nach Auffassung der Wissenschaftler weitere Forschung unabdingbar. Insbesondere sollten die institutionellen Zusammenhänge untersucht werden, in denen sich die landwirtschaftlichen Haushalte bewegen.

Dabei sei zu klären, welche institutionellen Mechanismen, die Auswirkungen des Klimawandels abfedern könnten. So diskutierten die Forscher beispielsweise besondere Programme der Mikrofinanzierung, aber auch die Möglichkeiten von Ernteausfall-Versicherungen für die Landwirte in Entwicklungsländern.

Kernkompetenz der Universität Hohenheim seit 1818

Mit dem diesjährigen EAAE-Seminar war die Universität Hohenheim zum zweiten Mal Gastgeberin des internationalen Forschertreffens. Der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Hans-Peter Liebig, betonte in seiner Rede zur Eröffnung, die Universität Hohenheim komme damit ihrem Auftrag nach, die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Ernährungssicherung zu untersuchen und realistische Perspektiven aufzuzeigen. Diesen Auftrag habe sie „von Beginn an nun schon seit fast 200 Jahren“. Damals waren es zwei besonders nasse Jahre, die zu Ernteausfällen und Hungersnöten führten, und Königin Katharina 1818 veranlassten die Ackerbauschule Hohenheim zu gründen, aus der sich schließlich die Universität Hohenheim entwickelte.

Hintergrund: European Association of Agricultural Economists (EAAE)

Die europäische Vereinigung der Agrarökonomen (European Association of Agricultural Economists – EAAE) veranstaltet in einem Drei-Jahres Rhythmus ein Seminar, das Themen der ländlichen und landwirtschaftlichen Entwicklung in Entwicklungsländern diskutiert. So hat dieses Seminar in den letzten Jahren an Forschungseinrichtungen in Montpellier (2007), Florence (2004), Wye-Kent (2001) und Wageningen (1998) stattgefunden. Nach 1992 war es dieses Jahr das erste Mal, dass die Universität Hohenheim wieder dieses Seminar erfolgreich ausgetragen hat.


Aktion Deutschland Hilft

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Kleinwasserkraftwerke sind kostengünstig, sauber, effektiv und fast überall einsetzbar

Freitag 22. Oktober 2010 von birdfish

Wasserkraft ist die älteste und „sauberste“ erneuerbare Energie.

Klein aber effektiv und umweltfreundlich
Klappe lässt Wasser und Fische passieren. Kraftwerk steckt in Kiste vor dem Wehr. – Foto: Andreas Heddergott / TU München

Doch das Potenzial der Wasserkraft schien in Deutschland ausgeschöpft, Großprojekte in Entwicklungsländern stehen wegen des starken Eingriffs in die Umwelt in der Kritik. Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben nun ein Kleinwasserkraftwerk entwickelt, das mehrere Probleme auf einmal löst: Es ist so einfach konstruiert und damit so kostengünstig, dass es auch an geringen Gefällen rentabel arbeitet. Zudem versteckt es sich in einem Schacht, sodass Landschaft und Gewässer geschont werden. Die Kraftwerke könnten an Tausenden ungenutzten Standorten in Europa und in bislang unversorgten Regionen weltweit Strom produzieren.
Mit Wasserkraft werden in Deutschland gut drei Prozent des verbrauchten Stroms erzeugt – und daran schien sich auch nicht mehr viel zu ändern. Denn die guten Standorte für Wasserkraftanlagen sind hierzulande schon längst belegt. In einigen Schwellenländern wird dagegen über gigantische Stauseen diskutiert, die alte Kulturlandschaften überschwemmen und Ökosysteme zerstören. Ärmeren Ländern wiederum fehlen Geld und Ingenieurwissen, um Wasserkraft einsetzen zu können.

Denn auch kleinere Anlagen sind ökonomisch aufwendig und überdies ökologisch keinesfalls unbedenklich. Will man etwa die Wasserkraft an einem relativ niedrigen Wehr nutzen, muss man bislang einen Teil des Flusses am Wehr vorbei durch ein sogenanntes Buchtenkraftwerk führen – mit folgenden Nachteilen:

  • Die große Dimension der Anlage mit einer betonierten Umleitung des Wassers und einem Maschinenhaus verschlingt hohe Baukosten und zerstört Uferlandschaft.
  • Um eine optimale Strömung im Kraftwerk zu erreichen, muss die Konstruktion je nach Höhe des Wehres und der umliegenden Topographie individuell geplant werden: Wie wird eine bis zu den Turbinen gleichmäßige Strömung erreicht? Wie soll das Wasser von dort aus ausgeleitet werden?
  • Zwar sollen Fischtreppen den Tieren helfen, das Kraftwerk zu umgehen. Der Abstieg gelingt ihnen oft aber nicht, weil sie von der Strömung Richtung Kraftwerk getrieben werden. Größere Fische werden an den Rechen gedrückt, der den „Eingang“ des Kraftwerks schützt, kleinere können durch die Turbine verletzt werden.

Das Kleinwasserkraftwerk, das ein Team um Prof. Peter Rutschmann und Dipl.-Ing. Albert Sepp am Oskar von Miller-Institut, der TUM-Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft, im Modell entwickelt hat, lässt die Landschaft dagegen weitgehend unangetastet. Nur ein kleines Transformator-Häuschen am Ufer ist sichtbar. Der wesentliche Teil des Kraftwerks verbirgt sich statt in einer aufwendigen Konstruktion in einem einfachen Schacht, der vor dem Wehr in das bestehende Flussbett gegraben wird. Das Wasser strömt in die kistenförmige Anlage hinab, treibt eine Turbine an und wird unter dem Wehr zurück in den Fluss geleitet. Möglich wird dies, weil mehrere Hersteller Generatoren entwickelt haben, die unter Wasser arbeiten können – ein Maschinenhaus am Ufer wird überflüssig.
Die TUM-Forscher mussten dennoch einige Probleme lösen: Wie verhindern sie, dass sich unerwünschte Wirbel bilden, wenn das Wasser plötzlich nach unten strömt? Und wie schonen sie die Fische? Rutschmann und Sepp schlugen zwei Fliegen mit einer Klappe – genauer gesagt mit einer Klappe im Wehr oberhalb des Kraftwerkschachts. Diese lässt einen kleinen Teil des Wassers durchfließen und damit auch die Fische passieren. Außerdem verhindert diese Fließbewegung die Wirbelbildung, die zu Wirkungsverlusten und erhöhtem Verschleiß beim Antrieb der Turbine führen würde.

Kern des Konzepts aber ist nicht die Optimierung der Effizienz, sondern die Optimierung der Kosten: Standardisierte, vorgefertigte Module sollen die Bestellung einer „Kraftwerk-Kiste“ wie aus einem Katalog ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass die Kosten gegenüber einem Buchtenkraftwerk um 30 bis 50 Prozent niedriger ausfallen werden“, sagt Rutschmann. Schon bei einer Fallhöhe des Wassers von nur ein bis zwei Metern kann das Schachtkraftwerk deshalb rentabel arbeiten, während ein Buchtenkraftwerk mindestens die doppelte Höhe benötigt. Ein weiterer Vorteil der Serienproduktion: Je nach Bedarf und Finanzkraft können bei einem breiteren Gewässer mehrere Schächte nebeneinander gegraben werden – auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Damit können Investoren Standorte in den Blick nehmen, die bislang für die Nutzung der Wasserkraft kaum interessant waren. Besondere Aktualität bekommt diese Möglichkeit durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese verlangt, auch kleinere Flüsse für Fische durchgängig zu machen. Allein in Bayern gibt es mehrere Tausend Querbauwerke, wie etwa Wehre, die deshalb umgerüstet werden müssen, etliche erfüllen gleichzeitig die Voraussetzung für ein Schachtkraftwerk. Der Bau Tausender Fischrampen würde die EU-Staaten Milliarden kosten und das Klima mit Tonnen von Kohlendioxid belasten. Würden stattdessen Schachtkraftwerke mit Fisch-Klappe und einem zusätzlichen Fischaufstieg installiert werden, übernähmen die jeweiligen Investoren die Kosten und produzierten langfristig klimafreundlichen Strom, der für eine kleine Gemeinde ausreicht – ein Wasserkraftwerk im Flüsschen nebenan.

Auch in Entwicklungsländern könnte das Schachtkraftwerk eine bedeutende Rolle übernehmen. „Große Teile der Weltbevölkerung haben überhaupt keinen Zugang zu Energie“, klagt Rutschmann. „Ihre einzige Chance ist eine dezentrale Stromversorgung mit kostengünstigen, einfachen zu bedienenden Kraftwerken, die nicht oft gewartet werden müssen.“ Für den Fall, dass schon die Turbine nicht bezahlbar ist, hat Rutschmann eine Alternative ins Auge gefasst: „Man kann eine billige Tauchpumpe kaufen und sie rückwärts laufen lassen – das funktioniert in unserem Kraftwerk auch.“

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KLIMA 2010 – Klimawandel-Einfluss auf das Management weltweiter Wasserressourcen

Dienstag 19. Oktober 2010 von birdfish

Die Onlinekonferenz KLIMA 2010 / CLIMATE 2010 steht vor der Tür.

Klima 2010 Konferenz

Im Vorfeld der nächsten Runde der internationalen UN-Klimaschutzverhandlungen in Cancún/Mexico thematisiert die weltweite, wissenschaftliche und CO2-freundliche Konferenz die Frage, welchen Einfluss der Klimawandel auf das Management der weltweiten Wasserressourcen haben wird. Bereits zum dritten Mal wird die Klimakonferenz von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) organisiert.

Unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers Röttgen können sich Forscher, Unternehmen, Behörden genauso wie die interessierte Öffentlichkeit auf der Konferenzplattform vom 1. bis 7. November 2010 über den Klimawandel informieren und miteinander diskutieren. Ziel der Online-Konferenz ist es, die Suche nach globalen und regionalen Lösungen gegen die Folgen des Klimawandels für die Wasserversorgung voranzutreiben und die Dringlichkeit der Thematik ins Licht der breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Onlinekonferenz KLIMA 2010

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Effizientere Abwassertechnik spart Energie und kann CO2-Ausstoß erheblich senken

Donnerstag 16. September 2010 von birdfish

Bei der Abwasserbehandlung lassen sich nach einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) große Mengen an Kohlendioxid einsparen.

Alte Kläranlage
Investitionen in kommunale Klimaanlagen sollen Klima und Haushaltkasse schonen – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Durch Energieeffizienz-Maßnahmen sowie durch verbesserte Eigenenergieerzeugung lässt sich der Kohlendioxid-Ausstoß der Abwasserbehandlung in Deutschland um bis zu 40 Prozent senken. „Mit moderner Umwelttechnik können Abwasserbehandlungsanlagen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Höhere Energieeffizienz und eine stärkere Nutzung von Klärgasen sind die Schlüssel für eine klimaverträgliche Abwassertechnologie“, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth.

Abwasserbehandlungsanlagen sind für 20 Prozent des Energiebedarfs in deutschen Städten und Gemeinden verantwortlich. Sie benötigen fast 4.400 Gigawattstunden (GWh/a) Strom pro Jahr und sind damit der größte Einzelenergieverbraucher vor Schulen, Krankenhäusern und anderen kommunalen Einrichtungen. Anders ausgedrückt: Die Jahresleistung eines modernen Kohlekraftwerks wird nur für das Betreiben von Abwasserbehandlungsanlagen benötigt. Pro Jahr entstehen so rund drei Millionen Tonnen des Klimagases Kohlendioxid. Dieser Energiebedarf lässt sich um über 20 Prozent senken. Darüber hinaus kann die Eigenenergieerzeugung der Abwasseranlagen im Betrieb verdoppelt bis vervierfacht werden. Damit könnten etwa 900 GWh Strom pro Jahr eingespart und somit rund 600.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen vermieden werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Steigerung der Energieeffizienz auf kommunalen Kläranlagen“ die im Auftrag des UBA erstellt wurde.

Die Studie untersucht die Wechselwirkungen von Energieoptimierung und Anlagenbetrieb und zeigt geeignete Ansatzpunkte zur Energieeffizienzsteigerung auf. Dabei vergleicht sie etablierte Verfahren mit neuer Technik und beschreibt vielversprechende Ansatzpunkte für eine energetische Optimierung besonders bei der Belüftung des Abwassers und bei der Behandlung des Klärschlamms. Zudem weist sie nach: Auch die Energiegewinnung ist für einen energieeffizienten Betrieb der Kläranlagen bedeutend. „Gelingt es, Klärgas besser zu gewinnen und zu verwerten, ließe sich die Stromerzeugung durch kommunale Kläranlagen nahezu verdoppeln. Auch dadurch ließen sich rund 600.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen“, so Jochen Flasbarth.
Der neue Förderschwerpunkt „Energieeffiziente Abwasseranlagen“ bereichert das Umweltinnovationsprogramm des Bundesumweltministeriums. Gefördert werden innovative Konzepte zur Energieoptimierung und zum Ressourcenschutz in der Abwasserbehandlung. Das fängt an beim Abwassertransport in der Kanalisation und geht über die Behandlung des Abwassers bis hin zur Einleitung in die Gewässer. Weitere Aspekte sind die Abwärmenutzung im Kanalnetz, die Stromeinsparung und Energieerzeugung in Kläranlagen, die Erhöhung der Energieeffizienz sowie die Rückgewinnung von Rohstoffen aus dem Abwasser und dem Klärschlamm.

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Sozial- und kulturwissenschaftliche Aspekte bei Anpassungsstrategien berücksichtigen

Dienstag 14. September 2010 von birdfish

Die Wissenschaft ist sich weitgehend darüber einig, dass der Klimawandel die Lebensbedingungen auf der Erde erheblich verändern wird.

Leben mit dem Klimawandel
Leben mit dem Klimawandel – Foto: I. Friedrich / Pixelio

Wie können, wie sollen sich die Menschen auf die absehbaren Konsequenzen einstellen? Mit dieser Frage befassen sich weltweit immer mehr Forschungsprojekte. Auf der Basis empirischer Daten wollen sie globale oder regionale Strategien der Anpassung an den Klimawandel erarbeiten. Dabei ändern sich bisherige Sichtweisen auf soziale und wirtschaftliche Prozesse – mit erheblichen, oftmals unbeachteten Folgen für Entwicklungskonzepte in Wissenschaft und Politik.

Auf diese Zusammenhänge macht Prof. Dr. Detlef Müller-Mahn aufmerksam, der an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Bevölkerungs- und Sozialgeographie innehat. In Afrika ist er seit vielen Jahren an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen beobachtet er mit wachsender Sorge, wie internationale Debatten über den Klimawandel sich auf den Umgang mit Entwicklungsfragen auswirken. Gemeinsam mit seinem britischen Kollegen Terry Cannon vom Institute for Development Studies (IDS) in Brighton hat er in der Zeitschrift “Natural Hazards” eine kritische Analyse vorgelegt.

Sozioökonomische Entwicklungen und politische Verantwortung:
Ein Plädoyer gegen naturalistische Vorstellungen

Die beiden Autoren betonen, wie dringlich es ist, dass über Anpassungsstrategien an den Klimawandel weltweit nachgedacht wird. Zugleich aber warnen sie davor, menschliche Gesellschaften wie natürliche Ökosysteme zu betrachten, die auf klimatische Veränderungen immer nur nachträglich reagieren können. Wissenschaft und Politik sollten nicht allein darauf hinarbeiten, die Widerstandsfähigkeit (”resilience”) ganzer Gesellschaften durch klimapolitische Abwehrmaßnahmen zu stärken, sondern dabei immer auch die Verwundbarkeit (”vulnerability”) von Individuen und gesellschaftlichen Gruppen im Blick behalten und deren Interessen schützen.

Wie Cannon und Müller-Mahn kritisch anmerken, verleitet der Vergleich mit natürlichen Ökosystemen dazu, einen wesentlichen Aspekt zu vernachlässigen: Soziale und wirtschaftliche Gegebenheiten und etablierte Machtstrukturen haben einen entscheidenden Anteil daran, wie verwundbar die Menschen sind. Sozioökonomische Verhältnisse in den ärmsten Regionen der Erde so zu gestalten, dass die Menschen in ihrem lokalen Umfeld möglichst autonom und sicher leben können – dies muss nach Auffassung der beiden Wissenschaftler ein elementares Ziel von Entwicklung bleiben. Das gelte erst recht angesichts der dramatischen Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. “Naturalistische Sichtweisen verleiten dazu, ethisch-politische Leitbegriffe wie Gerechtigkeit und Gleichheit zu vernachlässigen. Auch die individuelle Verantwortung der Akteure in Wirtschaft und Politik wird dabei zu leicht ausgeblendet,” erklärt Müller-Mahn und fügt hinzu: “Die blumige Redeweise von der Gerechtigkeit gegenüber künftigen Generationen ist dafür kein Ersatz.”

Risiken und Katastrophen:
Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven

Wer an die Herausforderungen des Klimawandels so herangehen will, dass die ethische und politische Dimension von Entwicklungsfragen im Blickfeld bleibt, darf – so die beiden Autoren – einen grundlegenden Sachverhalt nicht übersehen: Wetterereignisse und Klimaentwicklungen sind keinesfalls aus sich selbst heraus, sozusagen ihrer inneren Natur nach, Risiken oder Katastrophen. Diesen Charakter gewinnen sie erst im Zusammenwirken mit der Lebenswelt von Menschen. Es hängt wesentlich auch von deren Bedürfnissen, Interessen, Gewohnheiten und Zukunftsentwürfen ab, in welcher Weise die Natur als gefährlich oder katastrophal erlebt wird. “Nur wer diesen Zusammenhang anerkennt, ist angesichts des Klimawandels zu einem angemessenen Umgang mit Entwicklungsfragen in der Lage,” so Müller-Mahn.

“An dieser Stelle sind nicht die Naturwissenschaften, sondern die Sozial- und Kulturwissenschaften gefordert. Die Forschung muss sich viel stärker als bisher dafür interessieren, wie Menschen in ihren jeweiligen Regionen mit Wetterereignissen und Klimaentwicklungen umgehen. Deren Interessen, Erfahrungen und lokales Wissen sind wertvolle Beiträge für Entwicklungskonzepte, die ihnen dabei helfen wollen, die eigenen Lebensverhältnisse gegenüber dem Klimawandel abzusichern,” erläutert der Bayreuther Experte für Sozialgeographie seinen Forschungsansatz. Auch über die Begriffswelten, in denen öffentlich über Wetter und Klima geredet wird, sollte seiner Überzeugung nach intensiver nachgedacht werden. Denn dadurch könnten Interessens- und Machtstrukturen deutlicher zutage treten, die einer Entwicklung zugunsten armer Regionen und Bevölkerungsgruppen möglicherweise im Weg stehen.

Online-Veröffentlichung:

Terry Cannon, Detlef Müller-Mahn:
Vulnerability, resilience and development discourses in context of climate change,
in: Natural Hazards, “Online First”.
DOI-Bookmark: 10.1007/s11069-010-9499-4

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Neuer TEEB-Report: Lokale Umweltpolitik ökonomisch neu denken und ausrichten

Montag 13. September 2010 von birdfish

Die Initiative zur Ökonomie der Ökosysteme und der Biodiversität legt parallel auf vier Konferenzen weltweit ihren neuen Bericht vor.

Landwirte brauchen Anreize zum Erhalt natürlicher Ressourcen
Landwirte brauchen Anreize zum Erhalt natürlicher Ressourcen – Foto: André Künzelmann / UFZ

Der Bericht betont die hohe Bedeutung lokaler und regionaler Management-Entscheidungen, um den Umgang mit den natürlichen Ressourcen nachhaltiger zu gestalten. Das gilt vor allem für Entwicklungsländer. Aber auch in Europa muss man sich über die Stärkung neuer Ansätze Gedanken machen, so die Umweltökonomen im neuen TEEB-Report.
Ein möglicher Ansatz ist es, Naturschutz und Ökosystemdienstleistungen als Leistungen des ländlichen Raumes stärker zu betonen und etwa in den kommunalen Finanzausgleich aufzunehmen.
Eine zentrale Aufgabe ist ferner die Reform der Agrardirektzahlungen durch die EU und die Bundesländer. Zahlungen sollten stärker an die Leistungen, die die Landwirtschaft für die Allgemeinheit erbringt, gebunden werden. Nicht zuletzt ist die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft ein zentraler Eckpfeiler – so sollte die Politik die konsequente Umsetzung der Aarhus-Konvention zur Umweltinformation als Chance für eine bessere Umweltpolitik begreifen. Das alles dient nicht nur der Umwelt, sondern ist auch ökonomisch sinnvoll, wie die Studie an zahlreichen Fallbeispielen zeigt.

Mehr als 140 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aus 40 Ländern haben am über 200 Seiten dicken TEEB-Bericht für lokale und regionale Entscheider mitgearbeitet. „Die Ökonomie der Ökosysteme und der Biodiversität“ (The Economics of Ecosystems and Biodiversity – TEEB) wurde 2007 ins Leben gerufen. TEEB ist eine unabhängige Studie, die vom Ökonomen Pavan Sukhdev geleitet und vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) organisiert wird. Die wissenschaftliche Koordination erfolgt durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Finanziert wird die Studie von der Europäischen Kommission, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen und Schweden.
Der jüngste Bericht für regionale und lokale Entscheidungsträger wurde parallel auf Veranstaltungen in Curitiba (Brasilien), Neu Delhi (Indien), Kapstadt (Südafrika) und Gent (Belgien) vorgestellt. Er ist einer von vier miteinander verbundenen Berichten. Dazu gehören neben dem jetzt veröffentlichten „TEEB-Bericht für lokale und regionale Entscheidungsträger“ ein Bericht zu den ökologischen und ökonomischen Grundlagen und die Berichte für die nationale und internationale Politik sowie für die Wirtschaft, die beide bereits erschienen sind. Der Endbericht wird im Oktober auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt im japanischen Nagoya vorgestellt.

Die Bedeutung von lokalen Entscheidungen für die Biodiversität weltweit.

Mit ihrem Report „TEEB for Local and Regional Policy“ wenden sich die Experten nun an Entscheidungsträger in Landesbehörden und Kommunen sowie an Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen und Verbänden. Damit berücksichtigen sie, dass weitreichende Schutzmaßnahmen für die Biologische Vielfalt und damit für unsere Lebensgrundlagen zwar auf hoher politischer Ebene beschlossen werden können, die Umsetzung aber regional und lokal erfolgen muss. Der nun veröffentlichte, letzte spezielle TEEB-Bericht zeigt, dass gerade auf lokaler Ebene die wichtigsten Entscheidungen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung getroffen werden. Dabei spielen die ökonomischen Aspekte eine zentrale Rolle. Dies gilt sowohl in Industrieländern, z.B. wenn es um Entscheidungen bei neuen Infrastukturmaßnahmen oder der Landnutzung geht, aber auch in Entwicklungsländern, wo das tägliche Leben oft von den Gütern und Dienstleistungen der Natur direkt abhängt. „Wenn wir uns auf die verschiedenen Leistungen der Natur konzentrieren, dann können wir erkennen, wie wir direkt und indirekt von einer natürlichen Umwelt abhängig sind. Diese Einsicht sollte auch bei Lokalpolitikern und Behörden reifen“, hofft Pavan Sukhdev, Leiter der TEEB-Studie. „Wir bitten daher die öffentliche Hand dringend, diesen Bericht zu lesen, um die Leistungen der Natur und die ökonomische Dimension dieses natürlichen Kapitals zu verstehen.“
Dabei ist den Autoren wichtig, zu betonen, dass die Verantwortung nicht allein bei der öffentlichen Hand liegt: „Die Kompetenz von Partnern in der Zivilgesellschaft wie Verbänden des Naturschutzes und aus der Landwirtschaft kann Behörden entlasten und sinnvoll ergänzen. Dafür muss aber eine entsprechende Umweltinformation seitens der Behörden und eine Einbindung von Verbänden und anderen Akteuren durch partizipative Ansätze sichergestellt sein. Auch das Verbandsklagerecht sollte als Chance verstanden werden“, erklärt Dr. Heidi Wittmer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), die den neuen TEEB-Bericht zusammen mit ihrer Kollegin Prof. Haripriya Gundimeda vom Indian Institute of Technology Bombay (IITB) koordiniert hat. „Um die ökonomische Bedeutung der Natur als unsere Lebensgrundlage sichtbar zu machen, bedarf es der Aktivierung von Bürgern und Verbänden im Sinne der Aarhus-Konvention.“

Das Potenzial der Ökosysteme für eine nachhaltige Regionalentwicklung deutlich machen:

Das Potenzial, das die Ökosysteme bieten, wird oft noch nicht ausreichend verstanden, denn Entwicklungsstrategien basieren meist auf ökonomischem Wachstum (ohne die Rolle der Natur dafür zu berücksichtigen), die Dienstleistungen der Natur sind nicht immer offensichtlich, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen profitieren oder leiden unter dem Raubbau an der Natur und die Effekte zeigen sich oft erst mit großer zeitlicher Verzögerung. Gleichzeitig können intakte Ökosysteme nicht nur Probleme auf lokaler Ebene lösen, sondern auch helfen, die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. Zum Beispiel können Moore auf vergleichsweise geringer Fläche den meisten Kohlenstoff speichern. Sie bedecken nur drei Prozent der Landfläche der Erde, speichern aber knapp ein Viertel des im Boden gebundenen Kohlenstoffs. Die momentane Landnutzung weltweit sorgt dafür, dass jedes Jahr 1,5 Gigatonnen weniger gespeichert werden und auch dadurch die Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Atmosphäre ansteigt. Die Weltbank schätzt, dass die Entwicklungsländer von 2010 bis 2050 zwischen 70 und 100 Milliarden US-Dollar aufbringen müssen für Anpassungsmaßnahmen an ein zwei Grad wärmeres Klima. Die Sicherung der Trinkwasserversorgung und der Hochwasserschutz bergen dabei das größte Potenzial, Kosten zu sparen. Zu beidem können funktionierende Ökosysteme einen wichtigen Beitrag leisten. Das hat die TEEB-Studie anhand von Beispielen aus aller Welt gezeigt.

Lokale, nationale und europäische Ebene in Ihrer Verantwortung stärker verbinden – das Beispiel Agrarpolitik:

Der neue TEEB-Bericht erläutert für die lokale Ebene die Möglichkeiten, die eine bessere Sichtbarkeit des ökonomischen Wertes von Ökosystemen bieten. Er stellt hierfür mögliche Werkzeuge vor und diskutiert verschiedene Anwendungsgebiete, sei es beim Management von Städten, ländlichen Regionen oder Schutzgebieten, aber auch bei Instrumenten der Raumplanung. Ebenso werden neue Instrumente wie etwa Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen vorgestellt, wie sie aktuell für den Erhalt der tropischen Wälder im Gespräch sind und in vielen Fällen vor Ort schon angewandt werden. Wichtig ist daher die nutzerfreundliche Komponente: Der Report wird ab September im Internet mit einem Angebot von über 100 Fallstudien aus der ganzen Welt unterstützt. Für solche lokalen Aktivitäten ist aber der nationale und länderbezogene Rahmen von entscheidender Bedeutung, denn dort werden die institutionellen Rahmenbedingungen für lokale Entscheidungen festgelegt. Die Agrarpolitik ist hier ein zentrales Beispiel: Entscheidungen fallen zwar auf der Ebene des einzelnen landwirtschaftlichen Betriebes – die ökonomischen Anreize dafür werden aber durch die politischen Entscheidungen zur Förderung getroffen – auf Länder- und auf EU-Ebene. Hier bietet die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik im Jahr 2013 eine herausragende Chance, den Landwirten bessere Anreize zum Erhalt der natürlichen Ressourcen zu bieten – wie dies auch bereits vom Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) nachdrücklich gefordert wird. Eine aktuelle Studie der Michael-Otto-Stiftung zeigt ferner auf, dass die erforderlichen Mittel von 1,5 Mrd. Euro durch eine Umgestaltung der Agrarsubventionen verfügbar gemacht werden können. Damit würde einer zentralen Forderung der TEEB-Studie Rechnung getragen: Den Verlust von Ökosystemleistungen für die Gesellschaft stärker bei der Ausrichtung von Subventionen zu berücksichtigen. „Die Reform der Agrarpolitik ist ein zentraler Gradmesser der Umweltpolitik für die nächsten Jahre. Gelingt hier keine deutliche Weiterentwicklung hin zu einer nachhaltigen Landbewirtschaftung bei gleichzeitiger ökonomischer Sicherung der landwirtschaftlichen Betriebe, dann erscheint auch ein weiteres Umsteuern in zentralen Umweltthemen wie dem Klima- und Hochwasserschutz zunehmend unwahrscheinlich,“ so Carsten Neßhöver vom UFZ, Mitkoordinator der TEEB-Studie.

Bewährte Instrumente der Politik ökologisch neu ausrichten, um ökonomisch zu profitieren – Weiterentwicklung des Finanzausgleichs:

Der Report für die lokale Politik und Behörden zeigt, wie abhängig die Städte von der Natur sind und wie Ökosystemdienstleistungen preiswerte Lösungen für kommunale öffentliche Dienstleistungen bieten können. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass im Jahr 2050 bis zu 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden – mit großen Auswirkungen auf die Umwelt. “Länderregierungen, Städte und Kommunen können alle einen großen Beitrag auf dem Weg zu einer Ressourcen schonenden ‘Green Economy’ leisten. Denn der Umgang mit Ressourcen in Städten ist momentan für 70 Prozent des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit verantwortlich”, unterstreicht Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms UNEP. “Einige Kommunen haben sich dieser Herausforderung bereits gestellt – wie die Fallstudien im Bericht mit positiven Beispielen zeigen. Weitere sollten diesem Vorbild folgen.” Eine Möglichkeit hierfür bietet der ökologische Finanzausgleich. Länder wie Portugal und Brasilien praktizieren bereits solche Ansätze, bei denen die ökologischen Leistungen des ländlichen Raumes – etwa durch Wasserbereitstellung, Naturschutz und Erholungsraum – im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs zwischen Städten und Gemeinden berücksichtigt werden. Dies würde auch den Druck auf ländliche Gemeinden mindern, denn durch immer neue Gewerbeflächen in sensitiven Ökosystemen gefährden diese momentan oft dauerhaft ihr Naturkapital.

Der Report erscheint im Vorfeld der 10. Konferenz der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD COP10), die vom 18. bis 29. Oktober im japanischen Nagoya stattfinden wird. Dort entscheiden die Vertragsstaaten der Konvention über die Strategie für die nächsten Jahrzehnte. Bereits im Vorfeld wird deutlich, dass ökonomischen Ansätzen zur Unterstützung der bestehenden Naturschutzmaßnahmen eine zentrale Rolle zukommt. Die TEEB-Berichte bieten hierfür eine wichtige Grundlage.

TEEB – The Economics of Ecosystems and Biodiversity for Local and Regional Policy Makers – Der englische Bericht  zum Download.

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Hochwasser: Die Renaturierung von Auen ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll

Freitag 20. August 2010 von birdfish

Die jüngsten Hochwasser an Neiße und Spree zeigen, dass Hochwasserschutzmaßnahmen weiter ein Thema bleiben werden.

Naturschutz ist Hochwasserschutz
Naturschutz ist Hochwasserschutz, der sich rechnet – Foto: Hanspeter Bolliger / Pixelio

Wie sich solch teure Maßnahmen, so gestalten lassen, dass Mensch und Natur optimal profitieren, zeigt eine gerade veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Wissenschaftler der TU Berlin konnten nachweisen, dass der Nutzen naturverträglicher Hochwasserschutzmaßnahmen die Kosten um den Faktor 3:1 überwiegt.

Naturverträgliche Hochwasserschutzmaßnahmen in Form von Deichrückverlegungen und Auenrenaturierungen rechnen sich damit auch volkswirtschaftlich: „Was für die Natur gut ist, zahlt sich so auch für die Bevölkerung aus“, kommentierte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) das Ergebnis der Studie, die das Bundesamt in Auftrag gab. Bei traditionellen Kosten-Nutzen-Analysen schneiden Hochwasserschutzmaßnahmen, die auch dem Naturschutz zugute kommen, vergleichsweise schlecht ab, denn die Analysen betrachten nur die Hochwasser senkende Wirkung. Mit der vorliegenden Studie wurde eine Methodik erarbeitet, die auch die Wirkung der Auen als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als Erholungsraum für die Menschen und als Filter für Schadstoffe und damit zusätzlich den ökonomischen Nutzen von verschiedenen Ökosystemfunktionen quantitativ erfasst. Ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 3:1 bedeutet, dass der monetäre Wert des ökologischen und ökonomischen Nutzens der Maßnahmen dreimal so hoch ist wie ihre Kosten.
In Anbetracht des zunehmenden Risikos von Schäden durch Überschwemmungen und des hohen Verlustes aktiver Auen in den vergangenen Jahrzehnten, stellt sich immer wieder die Frage, welche Hochwasserschutzmaßnahmen sinnvoll sind. Das Spektrum reicht von technisch geprägten Maßnahmen wie Deichbau und -sanierung bis hin zu Naturschutz fördernden Projekten wie Deichrückverlegungen, der Wiedergewinnung natürlicher Überschwemmungsflächen und einer Revitalisierung von Auen. Die Studie macht dabei deutlich, dass multifunktional ansetzende Maßnahmen, die neben dem Hochwasserschutz anderen Ökosystemfunktionen mit zugute kommen, auch volkswirtschaftlich gesehen einen höheren Nutzen bringen.
„Das Bundesamt für Naturschutz liefert mit der Studie ein Instrument, mit dem in Zukunft bei wasserbaulichen Entscheidungen auch die Ökosystemdienstleistungen quantifiziert berücksichtigt werden können“, sagte Beate Jessel. „Erweiterte Kosten-Nutzen-Analysen können bei Planungen, z. B. im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen als Entscheidungshilfe für nachhaltige Lösungen dienen und für neue Transparenz sorgen“, erläuterte die BfN-Präsidentin.

Hintergrundinformationen

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erarbeiteten die Wissenschaftler der TU Berlin das methodische Grundgerüst und wendeten dieses am Fallbeispiel Elbe an. Die Forscher wählten einen ökonomischen Ansatz, um das Nutzen-Kosten-Verhältnis naturverträglicher Maßnahmen an der Elbe einschätzen zu können. Ein Wert über 1 bescheinigt dabei einen volkswirtschaftlichen Mehrwert. Die umfangreichste der untersuchten Deichrückverlegungsvarianten, bei der rund 35.000 Hektar Überflutungsflächen an der Elbe zurück gewonnen werden, erreicht einen positiven Wert von 3,1. Ein solches Programm würde durchschnittliche jährliche Kosten von 18 Millionen Euro verursachen. Der ermittelte Nutzen beläuft sich auf das Dreifache und setzt sich unter anderem aus den vermiedenen Hochwasserschäden von im Durchschnitt 6 Millionen Euro pro Jahr und den eingesparten Kosten durch eine Verkürzung der zu unterhaltenden Deichlinie von 5 Millionen Euro pro Jahr zusammen. Hinzu kommen die Einsparungen für ansonsten an anderer Stelle erforderliche Maßnahmen zur Minderung der Nährstofffracht der Elbe (z. B. durch Nutzungseinschränkungen in der Landwirtschaft oder Steigerung der Reinigungsleistung von Kläranlagen), die zur Erreichung der festgelegten Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erforderlich sind, in Höhe von 16 Millionen Euro pro Jahr. Ferner berücksichtigten die Forscher die Wertschätzung der Bevölkerung für den Erhalt von natürlichen Auenlandschaften, die mittels der Zahlungsbereitschaft erfasst wurde, mit einem jährlichen Wert von 30 Millionen Euro.

Die Resultate der Kosten-Nutzen-Analyse zeigen deutlich: Betrachtet man nur die Hochwasserschutzwirkung würden naturverträgliche Deichrückverlegungen ein negatives Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweisen. Berücksichtigen Entscheidungsträger auch den zusätzlichen Nutzen, der sich aus der Naturschutz- und Gewässerschutzwirkung von Deichrückverlegungen ergibt, ist mit einem positiven Nutzen-Kosten-Verhältnis zu rechnen. Deichrückverlegungen sind dann nicht nur naturschutzfachlich, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Es ist davon auszugehen, dass eine begrenzte Zahl technischer Schutzmaßnahmen mit starker Hochwasserschutzwirkung an ausgewählten Stellen kombiniert mit großflächigen Auenreaktivierungen mit ihren vielfältigen ökologischen Vorteilen zu einem besonders wirkungsvollen und ökonomisch effizienten Schutzprogramm führen. Mit der Wiederherstellung von naturnahen Auen kann somit in Deutschland ein effizienter Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt geleistet werden.
Mit der Studie verdeutlicht das BfN in einem konkreten Anwendungsfall den ökonomischen Wert von Naturschutz. Das Untersuchungsergebnis unterstreicht dabei auch die zentrale Aussage des TEEB-Berichtes (The Economics of Ecosystems and Biodiversity), dass sich Naturschutz volkswirtschaftlich lohnt. Das internationale Forschungsprojekt ermittelte, dass die Schutzgebiete der Erde jährlich Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,4 – 5,2 Bio. USD erbringen, wohingegen jährlich nur Investitionen in Höhe von etwa 45 Mrd. USD für den Erhalt der Ökosysteme notwendig wären. Der Forderung des TEEB-Berichtes, dass Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen in Zukunft deshalb bei allen relevanten Entscheidungen systematisch in Kosten-Nutzen-Analysen einbezogen werden müssen, kommt das BfN mit der Studie „Ökonomische Bewertung naturverträglicher Hochwasservorsorge an der Elbe und ihren Nebenflüssen“ entgegen.

Bezugshinweis: Die Studie ist erschienen im Landwirtschaftsverlag in der BfN Schriftenreihe unter dem Titel „Ökonomische Bewertung naturverträglicher Hochwasservorsorge an der Elbe“. Naturschutz und Biologische Vielfalt Heft 89.
Bezug über: BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag, 48084 Münster, ISBN 978-3-7843-3989-4

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Infos zum TEEB-Bericht

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