KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Archiv für die 'Artensterben' Kategorie

Schlechte Anpassung: Schmetterlinge und Vögel „flattern“ dem Klimawandel hinterher

Donnerstag 2. Februar 2012 von birdfish

Vögel und Schmetterlinge können offenbar mit dem Klimawandel nicht mithalten.

Segelalter
Der Segelalter kann klimatischen Verschiebungen besser folgen als andere Arten – Foto: Chris van Swaay / Butterfly Climate Risk Atlas 2008

Die Temperaturen haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten in Europa schneller erhöht als beide Tiergruppen sich anpassen konnten. Sie sind damit langsamer nach Norden gewandert als es ihre klimatischen Erfordernisse für nötig erscheinen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht hat. Im statistischen Mittel lägen demnach Schmetterlinge 135 und Vögel sogar 212 Kilometer gegenüber der Temperaturerhöhung und der Verschiebung ihrer Lebensräume nordwärts zurück.

Dies ist der erste Beleg für einen ganzen Kontinent, dass der Klimawandel zu einer deutlichen Verschiebung der Lebensräume führt und Lebensgemeinschaften aus verschiedenen Tiergruppen auseinander reißen kann. Für die Studie wertete das internationale Forscherteam Daten von ehrenamtlichen Beobachtungsnetzwerken aus, die aufgebaut sind wie das Tagfaltermonitoring Deutschland und die durch rund 1,5 Millionen Beobachtungsstunden erhoben wurden.

NABU Umwelt-Tarif

Die Autoren hatten für ihre Studie eine einfache Methode entwickelt, um abzubilden und auszuwerten, ob, wie und wo bestimmte Tier- und Pflanzengruppen vom Klimawandel beeinflusst werden. Dazu entwickelten sie einen Index für die Durchschnittstemperatur, unter der Arten vorkommen. Für Vögel und Tagfalter wurde dieser hier aus über 9000 bzw. über 2000 Beobachtungsorten in Europa berechnet. Für jede Art lässt sich daraus ein sogenannter „Species Temperature Index“ (STI) berechnen. Nimmt man dann alle Arten an einem Standort zusammen, so bildet dann der Durchschnittswert der STIs aller Arten den „Community Temperature Index“ (CTI). Wird nun dieser CTI nach einer gewissen Zeit wieder erhoben, lassen sich klimabedingte Veränderungen in den Artenzusammensetzungen relativ leicht messen. In der hier vorliegenden Studie zeigten sich im Beobachtungszeitraum von 1990 bis 2008 deutliche Verschiebungen. „Die Veränderungen im Community Temperature Index (CTI) sagen zwar nichts darüber aus, wie einzelne Arten vom Klimawandel beeinflusst werden, aber sie zeigen sehr gut das Gesamtbild des tatsächlichen Rückganges der kälteliebenden Arten, der Zunahme von wärmeliebenden Arten und der Summe aus beiden“, erläutert Dr. Vincent Devictor vom französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS). In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich der Lebensraum der Tagfalter in Europa im Mittel um 239 Kilometer nach Norden verschoben. Die Schmetterlinge sind dagegen statistisch gesehen nur 114 Kilometer nordwärts gewandert. Noch größer ist die Kluft bei den Vögeln Europas: Hier steht einer Temperaturveränderung von 249 Kilometern lediglich eine Wanderung von 37 Kilometern gegenüber.

„Unsere Ergebnisse weisen nicht nur darauf hin, dass Vögel und Schmetterlinge nicht schnell genug dem Klimawandel hinterher ziehen können. Sie zeigen auch, dass die Lücke zwischen beiden Gruppen größer wird“, betont Chris van Swaay von der Niederländischen Schmetterlingsstiftung. Für die einzelnen Länder sind die Ergebnisse recht unterschiedlich: So hat sich die Durchschnittstemperatur der Lebensräume von Vogelarten in Tschechien kaum, in Schweden dagegen stark erhöht. Bei Schmetterlingen gab es in Großbritannien nur geringe, in den Niederlanden dagegen starke Veränderungen.
„Daten aus Deutschland, wie sie im Rahmen des Tagfalter-Monitoring (TMD) erhoben werden, dürften in wenigen Jahren dann auch ähnliche Analysen zulassen, waren hier aber noch nicht mit eingeflossen, da sie noch nicht lange genug vorlagen, um hier vergleichbar mit einfließen zu können“, teilte PD Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) mit.

Gerade bei Vögeln sind die Ergebnisse überraschend. Kaum eine Tiergruppe ist so mobil und legt so weite Wege zurück. Die Erklärung dafür ist dennoch einfach: „ Dass Schmetterlinge im Schnitt auf europäischer Ebene schneller auf den Klimawandel reagieren als Vögel, könnte daran liegen, dass sie relativ kurze Lebenszyklen haben und sehr temperatursensibel sind, was ihnen ermöglicht, Temperaturveränderungen besser zu verfolgen, als Vögel es können“, vermutet Dr. Oliver Schweiger vom UFZ.

Trotzdem sind die Ergebnisse aus Sicht der Wissenschaftler alarmierend, denn Vögel und Schmetterlinge zählen zu den am meisten verbreiteten und mobilsten Tiergruppen. Die Verzögerung bei der Klimadrift könnte verschiedenste Lebensgemeinschaften auseinanderreißen, fürchtet Josef Settele: „Zum Beispiel sind viele Vogelarten bei ihrer Ernährung auf Raupen bestimmter Schmetterlingsarten angewiesen und könnten daher unter den Veränderungen leiden. Je spezialisierter eine Art ist, umso gefährdeter wird diese durch solche Verschiebungen sein. Die Raupen des Natterwurz-Perlmutterfalter (Boloria titania) sind beispielsweise auf den Wiesenknöterich (Polygonum bisorta) als Fraßpflanze angewiesen. Auch wenn es diese Schmetterlingsart vielleicht gerade noch so schaffen würde, mit den Temperaturen mitzuziehen – die Pflanze, von der sie abhängig ist, ist dagegen bei weitem nicht so mobil.“

Daneben zeigt die Studie aus Sicht der Wissenschaftler vor allem, wie wichtig die von ehrenamtlichen Beobachtern zusammengetragenen Daten zu den Veränderungen in der Natur sind und dass Vorhersagen für die Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosysteme nur möglich sind, wenn die komplexen Veränderungen in den Strukturen und der Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften über die ganze Nahrungskette hinweg erfasst werden.

Originalpublikation:

Vincent Devictor, Chris van Swaay, Tom Brereton, Lluís Brotons, Dan Chamberlain, Janne Heliölä, Sergi Herrando, Romain Julliard, Mikko Kuussaari, Åke Lindström, Jirí Reif, David B. Roy, Oliver Schweiger, Josef Settele, Constantí Stefanescu, Arco Van Strien, Chris Van Turnhout, Zdenek Vermouzek, Michiel WallisDeVries, IrmaWynhoff and Frédéric Jiguet (2012): Differences in the climatic debts of birds and butterflies at a continental scale. Nature Climate Change. AOP, DOI: 10.1038/NCLIMATE1347

Die Untersuchungen wurden u.a. von der Europäischen Union im Rahmen der EU-Projekte ALARM, MACIS und STEP sowie vom BMBF im Rahmen des Projektes CLIMIT gefördert.

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

“Die Zukunft, die wir wollen” – Erster Textentwurf für Rio+20-Gipfel liegt vor

Donnerstag 19. Januar 2012 von birdfish

Das Sekretariat der Konferenz der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung (UNCSD) hat einen Entwurfstext für den für Juni anberaumten UN-Gipfel Rio+20 veröffentlicht.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Bis 23. Januar beziehungsweise 17. Februar haben die Regierungen und die EU Zeit für erste Kommentare.

“Die Zukunft, die wir wollen” (The Future We Want) – so ist der erste Entwurf des Textes für die UN-Verhandlungen über nachhaltige Entwicklung überschrieben. 20 Jahre nach dem ersten Weltgipfel, der die Themen Umwelt und Entwicklung zusammen behandelte, soll vom 20. bis 22. Juni 2012 im brasilianischen Rio de Janeiro das nächste Nationentreffen zu nachhaltiger Entwicklung stattfinden. “Grünes” Wirtschaften und ein neuer globaler institutioneller Rahmen für die internationale Umweltpolitik werden die Hauptthemen sein. Es soll aber auch Bilanz gezogen werden, was 1992 in Rio und 2002 in Johannesburg in puncto nachhaltige Entwicklung beschlossen wurde und was davon umgesetzt ist. Die EU hatte im Oktober 2011 Schlussfolgerungen zu ihrer Position für den Rio+20-Gipfel veröffentlicht.

Vom 25.-27. Januar finden die ersten offiziellen Diskussionen über den 2012er UN-Gipfel über nachhaltige Entwicklung statt. Die Staats- und RegierungsvertreterInnen haben bis 23. Januar Zeit, die ersten beiden Teile des Textes (sogenannter “Zero Draft”) schriftlich zu kommentieren. Es geht dabei um die fünfseitige Präambel, die “Vision” der UN für die Zukunft (Teil I) und die bereits bestehenden Beschlüsse (”Renewing Political Commitment”)

Teil III-V können bis Mitte Februar schriftlich kommentiert werden. Diese Textteile werden zusammen mit den Anmerkungen der einzelnen Staaten im März debattiert. Darin geht es um “grünes” Wirtschaften im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armtusbekämpfung (Teil III), den institutionellen Rahmen für nachhaltige Entwicklung (Teil IV) und dann die konkrete Umsetzung (”Framework for action and follow-up” – Teil V). Der letzte Teil enthält zum Beispiel Unterüberschriften wie Wasser, Energie, Lebensmittelsicherheit, Meere, Klimawandel und Wälder.

Nichtregierungsorganisationen sind eine der sogenannten “Major Groups”, die im Rahmen von UN-Verhandlungen – ohne Stimmrecht – beteiligt werden müssen.

Rio+20 – Erster Entwurf mit Zusammenfassung (engl.)

Offizielle Seite zum Rio+20-Gipfel

Quelle: DNR


AvocadoStore.de - Eco fashion & green lifestyle

Kategorie: Anpassung, Artensterben, Boden, EU, Elemente, Energiearten, Entwicklungsländer, Ernährung, Gesetze, Gruppen, Internationale ZA, Konferenzen-Events, Landwirtschaft, Luft, Mensch, Politik, Prognosen, Ressourcen, Tiere und Pflanzen, Umfragen, Veröffentlichungen, Wasser, Wassermanagement, Wirtschaft, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Bundesamt warnt vor Folgen anhaltenden massiven Verlusts an Grünland

Dienstag 17. Januar 2012 von birdfish

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) warnt vor den Folgen des weiter anhaltenden massiven Verlusts an Grünland in den letzten Jahren in Deutschland.

Grünland wird weniger
Das Grünland wird immer weniger – Foto: Dagmar Struß

Grünlandflächen sind nicht nur prägende Elemente in der Agrarlandschaft mit hohem ästhetischem Naturwert, sondern haben eine hohe Bedeutung für zahlreiche Artengruppen wie auch für den Boden-, Wasser- und Klimaschutz. Alleine von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875.000 ha verringert, – mit teilweise dramatischen Folgen für typische Pflanzen- und Tierarten wie Witwenblume, Kuckuckslichtnelke, Wiesenknopf und des auf letzteren angewiesenen Ameisen-Bläulings sowie weitere Schmetterlingsarten. „Grünland hat für den Schutz von Biodiversität, aber auch für die Ressourcen Wasser, Boden und Klima eine zentrale Funktion. Nur wenn es uns gelingt, das noch verbleibende Dauergrünland in Umfang und Qualität zu sichern und zu entwickeln, können wir unserer Verantwortung gerecht werden und die bis 2020 vereinbarten Biodiversitätsziele auf europäischer und bundesdeutscher Ebene erreichen“, sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Prof. Beate Jessel im Vorfeld der internationalen Grünen Woche in Berlin.

Wichtigste Ursache des Grünlandumbruchs ist der massiv gestiegene Maisanbau,. Ein Umbruch von Grünland ist dabei insbesondere auch für den Klimaschutz negativ, da Grünland hohe Mengen an Kohlenstoff bindet, die beim Umbrechen wieder aus den Böden entweichen. So werden beim Umbruch von 1 ha Grünland ca. 20-35 t C-Äquivalente des ursprünglichen Bodenkohlenstoffs frei gesetzt. Nach Ansicht der BfN-Präsidentin ist es daher unabdingbar, mit den Instrumenten der Europäischen Agrarpolitik (GAP) den Erhalt von Dauergrünland zukünftig auch auf Betriebsebene zu verankern. Die entsprechenden extensiven Nutzungssysteme mit zum Beispiel Milchvieh in Weidehaltung, 1-2 schürigen Wiesen oder dem ökologischen Landbau, die einer natur- und artgerechten Tierproduktion und dem Erhalt der Biodiversität besonders dienen, müssten für die Landwirte attraktiver und rentabel ausgestaltet werden. Neben den traditionellen Nutzungen als Wiesen und Weiden sollten hierbei auch neuartige Nutzungen wie Agroforstsysteme oder großflächige Weidelandschaften stärker berücksichtigt werden.

Die BfN-Präsidentin begrüßte in diesem Zusammenhang, dass die EU-Kommission dem Schutz des Grünlandes in der GAP ab 2014 eine stärkere Bedeutung als bisher beimessen will. Jessel: „Diese gute Absicht darf bis zum Beginn der reformierten GAP aber nicht durch weiteren und vorsorglichen Umbruch wertvollen artenreichen Grünlands durch Betriebe konterkariert werden. Hier sind unbedingt Nachbesserungen notwendig. Aus Sicht des Naturschutzes ist es erforderlich, dass ein sofortiges Umbruchverbot gilt und nicht erst ab 2014, sowie statt der weiterhin gültigen 5% Grenze eine einzelfallbezogene Umbruchbewilligungspflicht eingeführt wird.“

Um den notwendigen Grünlandschutz zum Erfolg zu machen sowie effektiven Klima-, Wasser- und Bodenschutz zu betreiben muss auch die finanzielle Ausstattung von Agrarumweltmaßnahmen im Grünland deutlich erhöht werden.

Kategorie: Allgemeines, Artensterben, Boden, Elemente, Forschung, Gruppen, Landwirtschaft, Prognosen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Wasser, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Brasilien torpediert Klimaschutz – Gesetz erlaubt nun großflächige Regenwaldrodung

Donnerstag 8. Dezember 2011 von birdfish

Mit Bestürzung reagiert der WWF auf die nächtliche Entscheidung des brasilianischen Senats, das geltende Waldschutzgesetz auszuhebeln.

Amazonas Waldbrand
Brasilianischer Regenwald in Gefahr – Foto: Nigel Dickonson / WWF

Damit bereitet die Kammer den Weg für die Zerstörung von 76,5 Millionen Hektar Regenwald, einer Fläche so groß wie Deutschland, Österreich und Italien zusammen. Der Senat votierte mit 59 zu 8 Stimmen für die Reform des Gesetzes. Nach offiziellen Angaben der brasilianischen Regierung würde die durch das neue Forstgesetz ermöglichte Zerstörung des Regenwaldes das Weltklima mit bis zu 28 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich aufheizen. Das entspräche etwa dem Treibhausgassaustoß von Deutschland in drei Jahrzehnten.

WWF-Vorstand Eberhard Brandes bezeichnete das Votum des brasilianischen Senats als „kurzsichtige Fehlentscheidung mit Folgen für die ganze Welt”. Brandes weiter:

„Brasilien torpediert mit dieser Entscheidung den weltweiten Wald- und Klimaschutz. Der brasilianische Senat ist vor der Agrarlobby eingeknickt. Die sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Waldzerstörung wurden völlig ausgeblendet, ebenso wie die Folgen für das Weltklima. Damit hat Brasilien ein fatales Signal für viele andere Länder mit großen, schutzbedürftigen Waldflächen gegeben. Sechzig Prozent des Amazonas stehen auf brasilianischem Boden. Er hat aber Bedeutung für die ganze Welt. Eine solche Entscheidung ausgerechnet im UN-Jahr der Wälder und während der UN-Klimakonferenz zu fällen, zeugt eindeutig davon, dass hier wirtschaftliche Wachstumsraten vor Umweltschutz gehen.“

Der WWF ruft dazu auf, eine Protest-E-Mail direkt an die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff zu richten. Sie kann mit ihrem Einsatz die Rodung des Regenwaldes noch stoppen. „Jetzt ist die Zeit, sich direkt an die Präsidentin Dilma Rousseff zu wenden, die in wenigen Monaten Gastgeberin der großen Rio+20 Konferenz zu Umwelt und Nachhaltigkeit sein wird.“

Im Wahlkampf hatte sie zugesagt, keiner Amnestie für illegale Entwaldung zuzustimmen sowie keine Gesetze zu unterschreiben, die neue Entwaldungen ermöglichen. Damit entspräche die Präsidentin dem Wunsch der Mehrheit der Brasilianer: Einer repräsentativen Umfrage zufolge lehnen 85 Prozent der Brasilianer die Ausweitung von Nutzflächen auf Kosten des Regenwaldes ab.

Hier können Sie gegen das neue Gesetz protestieren.

Greenpeace

Kategorie: Allgemeines, Artensterben, Gesetze, Gruppen, Internationale ZA, Klimamodelle, Landwirtschaft, Politik, Prognosen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Wirtschaft, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Lebewesen im Klimastress – Klimawandel beeinflusst die Gene von Organismen

Donnerstag 24. November 2011 von birdfish

Der Klimawandel setzt Lebewesen unter Stress. Sowohl der Wandel in den durchschnittlichen Lebensbedingungen, als auch die Zunahme an extremen Ereignissen wirken sich auf Organismen aus.

Taucher in Kieler Bucht
Taucher verpflanzen in der Kieler Bucht Seegras für ein Freilandexperiment. Foto: T. Reusch / IFM-GEOMAR

Welchen Einfluss insbesondere Klimaextreme auf Seegräser haben, untersuchten Wissenschaftler der Christian-Albrechts Universität zu Kiel, der Universität Münster und des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt online in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).
Seegraswiesen säumen weltweit die flachen Küstenregionen und bieten einen idealen Lebensraum für viele Fische, Krustentiere und andere Kleinlebewesen. Der weltweite Rückgang der Seegraspopulationen in den vergangenen Jahren wird daher von Wissenschaftlern mit großer Besorgnis betrachtet. Eine wichtige Rolle dabei könnte der Klimawandel spielen. Beobachtungen zeigen, dass vor allem häufigere Extremereignisse wie zum Beispiel Hitzewellen dem Seegras zu schaffen machen. Wie genau sich Extremereignisse auf Seegräser auswirken, untersuchten Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der Universität Münster und des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in einer Studie, die aktuell in der renommierten Fachzeitschrift „Proceeding of the National Academy of Sciences“ (PNAS) erscheint.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Thorsten Reusch vom IFM-GEOMAR befassten sich dabei mit der Frage, ob sich Hitzewellen auch auf die Genregulation des gewöhnlichen Seegrases (Zostera marina) auswirken. „Im Mittelmeer überstehen Seegräser dieser Art wesentlich höhere Temperaturen, als in den heimischen Gewässern Nord- und Ostsee. Hier sind die Seegrasbestände durch im Sommer auftretende Hitzewellen bei Wassertemperaturen über 25°C stark gefährdet“, erläutert der Kieler Ökologe die Hintergründe der Untersuchungen. Die Anpassungsfähigkeit an Hitze scheint eine genetische Basis zu haben, die die Forscher entschlüsseln wollten. Für die Analyse sammelten die Doktorandinnen Susanne Franssen und Nina Bergmann Seegräser an verschiedenen Standorten in Nord- und Südeuropa und setzten diese in einer speziellen Versuchsanlage, dem AQUATRON kontrollierten Hitzewellen aus. Anschließend untersuchten die Forscher die Aktivität fast aller Gene der Pflanzen.

Überraschenderweise aktivierten alle Pflanzen Gene, die Hitzestress abfangen können, egal ob sie aus Nord- oder Südeuropa stammten. Während die südeuropäischen Pflanzen jedoch sofort nach der Hitzewelle wieder eine normale Genaktivität zeigten, wiesen die nordeuropäischen Pflanzen unumkehrbare Schädigungen auf. Offensichtlich entscheidet sich also erst in der Erholungsphase nach der Hitzewelle, ob eine Pflanze weiter wächst oder dauerhaft geschädigt bleibt. Um Voraussagen zur Anpassungsfähigkeit von Organismen an Extremereignisse wie Hitzewellen zu treffen, scheint daher die Untersuchung der Genaktivität in der Erholungsphase besser geeignet zu sein. „Die gewonnenen Erkenntnisse werfen viele weitere Fragen auf, wir sind jetzt insbesondere daran interessiert, ob auch innerhalb der nördlichen Bestände Pflanzen ihre Genaktivität schnell wieder in den Normalzustand regulieren können. Denn dann könnten sich unsere Bestände in Nord- und Ostsee an den Klimawandel anpassen“, sagt Reusch.

Originalpublikation
Franssen, S.U., J. Gu, N. Bergmann, G. Winters, U.C. Klostermeier, P. Rosenstiel, E. Bornberg-Bauer, and T.B.H. Reusch, 2011: Transcriptomic resilience to global warming in the seagrass Zostera marina, a marine foundation species. Proceedings of the National Academy of Sciences, Early Edition.

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Elemente, Forschung, Gruppen, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Wettlauf mit dem Klimawandel – Bewohner des Meeres stärker vom Wandel betroffen

Freitag 11. November 2011 von birdfish

Das Leben im Meer ist dem globalen Klimawandels noch stärker ausgesetzt als Pflanzen und Tiere and Land.

Suppenschildkroete
Suppenschildkroete – Foto: Megan Saunders

Das berichtet eine Studie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science. Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Beteiligung von Wolfgang Kiessling, Professor am Museum für Naturkunde Berlin, hat die globalen Klimadaten der letzten 50 Jahre analysiert und erstmals die Geschwindigkeit des Klimawandels an Land und in den Ozeanen verglichen.

Wasser erwärmt sich weit langsamer als Luft. Deshalb ist der Temperaturanstieg in den Ozeanen langsamer als am Land. Die räumlichen Temperaturunterschiede im Meer sind ebenfalls viel geringer als an Land. Daraus ergibt sich für die meisten Meeresregionen überraschenderweise eine höhere Geschwindigkeit des Klimawandels. Vergleicht man z.B. einen Zeitraum von 10 Jahren, so beginnt der Frühling in den Meeren der Nordhalbkugel durchschnittlich 2 Tage früher, während es an Land weniger als 1,5 Tage sind. In der Nordsee werden Frühlingstemperaturen sogar 5-10 Tage früher erreicht. „Das Meeresleben muss auf diesen Klimawandel durch Anpassung oder Abwanderung reagieren“, erläutert Wolfgang Kießling vom Museum für Naturkunde in Berlin, einer der Autoren der Arbeit.

Die Wissenschaftler um Michael Burrows von der Scottish Association of Marine Science haben auch eine überraschende Komplexität der Klimaänderung ermittelt. Nicht immer zeigt die Richtung der Klimaerwärmung in Richtung Pol. Die Geschwindigkeit des Klimawandels ist auch regional sehr unterschiedlich. Neben der Nordsee sind es gerade Regionen mit hoher Biodiversität, zum Beispiel die tropischen Meere, welche sich rasant verändern. Dies allein ist schon beunruhigend, aber „besonders schlimm wird es, wenn die Erwärmung in Richtung Landmassen geht, wie zum Beispiel im Mittelmeer“, meint Kießling. Dort geht die Richtung der Temperaturerhöhung nach Südfrankreich und Norditalien, was für die mit der Temperaturerhöhung wandernden Meerestiere bedeutet, dass es kein Entkommen gibt. Ein Ausweichen in kühlere Meerestiefen sei für die meisten Meeresbewohner keine Option, meinen die Autoren. In tieferen Bereichen fehlen das Sonnenlicht und damit die pflanzliche Nahrung. Ohne Anpassung könnte es deshalb zu einem erhöhten Artensterben in den Meeren kommen.

Originalpublikation

Burrows, M.T., Schoeman, D.S., Buckley, L.B., Moore, P., Poloczanska, E.S., Brander, K.M., Brown, C., Bruno, J.F., Duarte, C.M., Halpern, B.S., Holding, J., Kappel, C.V., Kiessling, W., O’Connor, M.I., Pandolfi, J.M., Parmesan, C., Schwing, F.B., Sydeman, W.J., and Richardson, A.J., 2011, The Pace of Shifting Climate in Marine and Terrestrial Ecosystems: Science.(3.11.2011)

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Elemente, Forschung, Gruppen, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

EU-Agrarreform weniger grün als erwartet – Subventionen an Bedingungen geknüpft

Donnerstag 27. Oktober 2011 von birdfish

Die Gesetzentwürfe für die europäische Landwirtschaftspolitik ab 2014  bleiben hinter den Erwartungen von Umweltverbänden zurück.

Monokulturen bleiben erlaubt
Monokulturen bleiben erlaubt – Foto: Dagmar Struß

Zwar sollen 30 Prozent der direkten Agrarsubventionen an eine ökologische Bewirtschaftung gekoppelt sein, umweltschädliche Monokulturen bleiben dennoch erlaubt.

Pro Jahr werden in der Europäischen Union derzeit Agrarsubventionen in Höhe von knapp 60 Milliarden Euro vergeben. Dem neuen Vorschlag zufolge sollen bis 2020 insgesamt 435,5 Milliarden Euro in die europäische Landwirtschaft fließen. Die Verhandlungen der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments könnten sich bis Ende 2012 ziehen. Der EU-Agrarkommissar Dacian Cioloş rechnet mit Verteilungskämpfen.

Nach seinen Plänen sollen Großbetriebe weniger Geld bekommen als kleine Bauernhöfe. Und die Beihilfen aus Brüssel sollen begrenzt werden: nach Abzug der Lohnkosten wäre demnach bei 300.000 Euro Schluss mit Zuschüssen. Die volle Unterstützung soll ein Landwirt nur noch erhalten, wenn er Teile seiner Ackerfläche für Wiesen, Hecken oder Wald zur Verfügung stellt.

Der BUND und die Naturschutzstiftung EuroNatur bezeichneten die Vorschläge für die Agrarreform als einen „richtigen, aber viel zu zaghaften Schritt“. So werde  die Vorgabe, künftig wenigstens auf sieben Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der Natur Vorrang einzuräumen, positive Auswirkungen auf die Artenvielfalt entfalten, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Aber praktisch müssten große Agrarbetriebe kaum Korrekturen an bisherigen, umweltschädlichen Anbauweisen vornehmen, kritisierte er. Die Verbände setzen ihre Hoffnung nun auf das Europäische Parlament, das seit dem Lissabon-Vertrag in der Agrarpolitik mitentscheiden darf.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament Martin Häusling versprach, sich einzumischen: “Die Grünen werden mit jenen innerhalb und außerhalb der europäischen und nationalen Institutionen zusammenarbeiten, die sich für eine umweltgerechtere und nachhaltigere Landwirtschaft und eine gerechte Verteilung der öffentlichen Gelder einsetzen”. Seine Fraktion bemängelt unter anderem, dass die wichtigste Maßnahme für eine grünere Landwirtschaft beschnitten worden sei: die Fruchtfolge. Ein Landwirt müsse lediglich auf 30 Prozent der Anbaufläche die Fruchtfolge anwenden, auf den restlichen 70 Prozent könne er weiterhin Monokulturen wie etwa Mais anbauen. Dadurch hätte die Fruchtfolge keine positiven Wirkungen auf die Bodenqualität, die Artenvielfalt, den Klimaschutz und die Reinhaltung der Gewässer.

Quelle: DNR

Kategorie: Artensterben, Boden, EU, Elemente, Ernährung, Gesetze, Gruppen, Landwirtschaft, Mensch, Politik, Tiere und Pflanzen, Wasser, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Aussichten für europäische Meere bei fortschreitendem Klimawandel sind schlecht

Freitag 30. September 2011 von birdfish

Wissenschaftler des Projekts für Klimawandel und marine Ökosysteme (CLAMER) haben den Einfluss des Klimawandels auf die Meere in Europa erforscht. 

Klimawandel bedroht europäische Meere
Klimawandel bedroht europäische Meere – Foto: Dagmar Struß

In ihrem abschließendem Bericht  wiesen sie deutlich auf die Folgen des Klimawandels und der Eisschmelze in der Arktis hin.

Die Veränderungen seien schneller eingetreten als zunächst erwartet, erklärte Carlo Heip Vorsitzender des Projekts und Autor des Berichts, in den letzten 25 Jahren hätten die, durch die Klimaerwärmung steigenden Meerestemperaturen eine Eisschmelze in der Arktis  verursacht und den Meeresspiegel ansteigen lassen. Dieser und die stärkeren Winde hätten bisher zu 15% der Küstenerosion beigetragen. Die Meeresspiegel, die in Teilen Großbritanniens um bis zu 60 Zentimeter ansteigen könnten, stellten ein Problem für alle tiefer gelegenen Regionen in der EU dar, so der Bericht weiter. Gerade für ärmere Länder innerhalb der EU, die nicht genügend Geld für Schutzmaßnahmen haben, stelle dies ein Problem dar. Zudem würden immer mehr Tierarten durch eisfreie Passagen in der Arktis vom Atlantik in den Pazifik gelangen, dies werde auf Dauer die Ökosysteme beider Ozeane empfindlich belasten.

In den letzten fünf Jahren seien die größten Eisschmelzen in der Arktis verzeichnet worden, somit stehe ein eisfreier Arktischer Sommer kurz bevor, erklärte Kim Holmen vom norwegischen Polar Institut.

Ziel des Projekts ist es die Gesellschaft in der EU über die Folgen der Klimaerwärmung und deren Einfluss auf die Meere aufzuklären um eine politische Lösung zu finden, wie man ihnen begegnen kann.

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, EU, Elemente, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »