Donnerstag 29. Juli 2010 von birdfish
Für das nächste Jahrhundert hat der Weltklimarat für die ariden und semi-ariden Gebiete im südlichen Afrika sehr dynamische Klimaszenarien mit einem erhöhten Vorkommen von extremen Regenfällen vorhergesagt.
Afrikanische Striemengrasmaus (Rhabdomys pumilio) – Foto: IZW
Klimabedingungen haben einen starken Einfluss auf das Vermehrungspotential von Parasiten. Viele von ihnen gelten als Krankheitserreger, die den Menschen, seinen Viehbestand und auch Wildtiere befallen können. Eine Studie von Ökologen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ermöglicht nun erste Rückschlüsse darauf, welche Folgen der Klimawandel auf den Parasitenbefall für Wild- und Nutztiere im südlichen Afrika hat.
So kommen in Afrikanischen Striemengrasmäusen (Rhabdomys pumilio) mehr Würmer vor, je feuchter und kühler die Region ist, in der die Mäuse leben. An sieben Standorten in Namibia und Südafrika hatten Götz Froeschke und Prof. Simone Sommer vom IZW gemeinsam mit Kollegen aus Hamburg und Südafrika insgesamt 440 Mäuse gefangen und untersucht. Die Fangstellen unterscheiden sich stark in Bezug auf den Jahresniederschlag, das Temperaturmittel und die Luftfeuchtigkeit. „Im Süden Namibias am Fish River Canyon fallen nur ca. 80 Millimeter Regen im Jahr, in Jonkershoek nahe der Atlantikküste hingegen weit über 1100 Millimeter“, erläutert Froeschke. Die Afrikanische Striemengrasmaus kann mit sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen leben und gilt als Überträger von gefährlichen Ektoparasiten, wie beispielsweise einer Zeckenart, die den Krim-Kongo-Fieber-Virus in sich trägt.
Die Evolutionswissenschaftler setzten die gemessenen Klimawerte statistisch in Beziehung zu dem Befall an Parasiten im Verdauungstrakt der Mäuse. In den 440 Tieren wiesen sie 15 Arten von Würmern, darunter vor allem Nematoden (Rundwürmer) nach. Circa 18 Prozent der Mäuse waren nur von einer Art befallen, knapp 23 Prozent trugen sogar zwei oder drei verschiedene Spezies. Besonders häufig stellten die Wissenschaftler die Parasiten an Standorten fest, die im Vergleich zum heißen Süden Namibias feucht und kühl waren. Sowohl Niederschlagsmenge als auch Luftfeuchtigkeit weisen einen hohen positiven Zusammenhang mit dem Befall auf. „Viele Würmer brauchen in ihrem Lebenszyklus eine feuchte Umgebung, da sie als Ei oder als Larve außerhalb des Wirtsorganismus überleben müssen“, erklärt Simone Sommer. „Manche Arten wie Syphacia obvelata sind sehr anpassungsfähig und kommen auch aufgrund einer sehr direkten Übertragung in trockenen Gegenden vor, für viele Würmer ist dies aber nicht möglich.“
Die Temperatur hat einen deutlich geringeren Einfluss auf das Vorkommen von Parasiten in den untersuchten Tieren. Dennoch ist auch dieser Zusammenhang signifikant: je kühler das Jahresmittel desto häufiger sind Mäuse von Würmern befallen. Mit der Temperaturverteilung kann circa 15 Prozent der Varianz des Parasitenbefalls erklärt werden, mit den Niederschlagsunterschieden sind es über 87 Prozent.
„Dies ist die erste empirische Studie, die den Einfluss von Klimavariablen auf den Befall mit Parasiten in Säugetieren entlang eines natürlichen Klimagradienten beschreibt“, ordnet Prof. Sommer die Erkenntnisse ein. Bisher war nur aus Tests unter Laborbedingungen bekannt, dass beispielsweise die Luftfeuchtigkeit eine bedeutende Rolle spielt. Die Striemengrasmaus soll nun als Modellspezies für kommende Studien dienen, bei denen auch größere Säugetiere und vor allem Nutztiere untersucht werden. Die Wissenschaftler erhoffen sich Rückschlüsse darauf, wie der Klimawandel auf Viehbestände oder Wildtiere wirkt. „Bisher gibt es lediglich Vermutungen, welchem Druck Parasiten und Wirte durch Klimaänderungen ausgesetzt sind. Durch unsere Studie an den Striemengrasmäusen haben wir eine Datengrundlage geschaffen und elementare Zusammenhänge aufgezeigt“, erklärt Sommer. In feuchter werdenden Regionen müssten sich Tiere wahrscheinlich auf einen höheren Parasitenbefall einstellen. Es gelte aber noch im Detail zu erforschen, wie welche Spezies an welchem Ort auf der Welt auf Klimaränderungen reagiert. In weiterführenden Arbeiten planen die Wissenschaftler des IZW, auch genetische und physiologische Untersuchungen einzuschließen.
Die Studie entstand gemeinsam mit Rainer Harf (Universität Hamburg) und Dr. Sonja Matthee (University of Stellenbosch, Südafrika) und ist 2010 in der Fachzeitschrift OIKOS erschienen.
Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Elemente, Forschung, Gesundheit, Gruppen, Luft, Mensch, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit |
Keine Kommentare »
Dienstag 27. Juli 2010 von birdfish
Die Vorstellung von Würmern im Fisch dürfte bei den meisten Menschen Ekel hervorrufen.
Fadenwürmer im Eisfisch – Foto: BiK-F
Doch durch Helminthen, so der wissenschaftliche Begriff für Würmer, zu denen auch Nematoden gehören, die als Parasiten im Meer und von Meerestieren leben, lässt sich eine Menge über den Lebensraum herausfinden. Das ist das Ziel von Prof. Dr. Sven Klimpel vom Frankfurter Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F). Bei einer Forschungsexpedition in den Nordatlantik war sein Mitarbeiter Markus W. Busch jetzt den Auswirkungen des Klimawandels in der Barentssee auf der Spur.
Die vierwöchige, in Kooperation mit dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung (Max Rubner-Institut (MRI)) durchgeführte Reise mit dem deutschen Fischereiforschungsschiff „Walther Herwig III“ endete am 12. Juli. Überraschend für das Forscherteam des MRI wie auch für Sven Klimpel und seinen Mitarbeiter Markus W. Busch war, dass mittlerweile auch kleinste Kabeljau-Exemplare von parasitierenden Fadenwürmern befallen sind. Vom Parasitenbefall bei Fischen schließen die Wissenschaftler auf Veränderungen im Nahrungsgefüge. Die Barentssee ist ein ca. 1,4 Millionen Quadratkilometer großes Randmeer des Arktischen Ozeans. Ausläufer des Golfstroms sorgen hier auch im Winter für große eisfreie Zonen. Wegen dieser besonderen Bedingungen und der Vielfalt an Organismen ist die Barentssee vor allem für die Fischerei von Bedeutung.
Zu warm und zu sauer
So lässt sich der Zustand der Weltmeere zusammenfassen. Ein Großteil des während der letzten 200 Jahre durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre gelangten Kohlendioxids hat sich in den Ozeanen gelöst und den pH-Wert der Weltmeere sinken lassen. Diese Versauerung hat vor allem Folgen für Meeresorganismen mit einem Kalkmantel, wie z.B. Korallen. Schon für das Jahr 2006 verzeichnete das International Council for the Exploration of the Sea (ICES) einen Höhepunkt der Wassertemperatur in der gesamten Barentssee. – Unter solchen, sich verändernden Bedingungen wandelt sich auch das Artengefüge eines Ökosystems. Wissenschaftler sehen in der Erwärmung einen entscheidenden Grund für die ausschließlich polwärts gerichtete Migration Kälte angepasster Arten. Auch Sven Klimpel erklärt: „Die Erwärmung der oberen Wasserschicht der Ozeane kann Veränderungen der Nahrungsnetze und der Artenzusammensetzung zur Folge haben, die wir derzeit noch gar nicht abschätzen können.“
Eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische und andere Meeresbewohner ist vor allem das Zooplankton, zu dem eine Vielzahl kleinster Meerestiere gehört. Dazu erläutert der Leiter des BiK-F-Projekts „Medizinische Biodiversität und Parasitologie“: „Der Rückgang vieler Fischarten hängt signifikant mit einer veränderten Artenzusammensetzung, der Bestandsabnahme mancher Arten und auch mit der kleineren Körpergröße dieser Nahrungsorganismen zusammen.“ Zunehmend gerät das natürliche, fein aufeinander abgestimmte Gefüge der Meere aus der Balance. Da die schmarotzenden Nutznießer über das Nahrungsnetz in ihren Wirt gelangen, wirken Veränderungen im Nahrungsangebot sich auch auf den Parasitenbefall der Fische aus.
Fadenwürmer als Biomarker und Informationsträger
In einem komplexen Ökosystem stehen alle Lebewesen in Wechselwirkung zueinander. Um Störungen entgegen zu steuern oder zumindest ausbalancieren zu können, muss man die einzelnen „Bauteile“ verstehen. Ökosystemforschung untersucht einzelne Komponenten von Lebensräumen und fügt die gewonnenen Ergebnisse zu einem Gesamtbild zusammen. So unappetitlich die Parasiten im Kabeljau der Barentssee sonst auch sein mögen, bei den Untersuchungen von Sven Klimpel übernehmen sie eine „tragende Rolle“. Als Bioindikatoren helfen sie nicht nur regionale Fischbestände zu unterscheiden, sondern sind nach Aussage des Wissenschaftlers auch bedeutende Informationsträger bei der Erforschung des Nahrungsspektrums bestimmter Arten.
Deshalb beschränkt sich der Parasitologe nicht nur auf abstrakte Energieflussmodelle. Sein Mittel der Wahl zur Untersuchung klimabedingter Veränderungen ist die detaillierte Analyse des Parasitenbefalls bei Fischen und anderen Meeresorganismen. Da auch die üblichen Mageninhaltsanalysen lediglich punktuell und auch nur zum Zeitpunkt der Probennahme Auskunft über Nahrungsgewohnheiten geben, ermöglicht die detaillierte Analyse der Miniatur-Plagegeister Rückschlüsse auf weiter zurückliegende Interaktionsprozesse zwischen Organismen. Auf diese Weise können auch kurzfristige Veränderungen im Nahrungsgefüge der Wirte wie z.B. bei Fischen berücksichtigt werden. – Da sie ausschließlich „zur Untermiete“ leben, sind Parasiten hocheffizient und ausgesprochen zielstrebig. Kennt man ihre Lebenszyklen und Gewohnheiten sowie ihre Zwischen- und Endwirte, verdichten sich die nahrungsökologischen Untersuchungen zu einem Bild vom Nahrungsspektrum und den Ausbreitungsmechanismen einer Parasitenart. Das ist möglich, da viele Parasiten spezifisch für die jeweiligen Endwirte sind. Von solchen detaillierten Untersuchungen verspricht sich Sven Klimpel weitere Informationen zu Reproduktionserfolgen von Fischbeständen, über deren Migration und Populationsdynamik. Also bisher noch weitgehend offenen Fragen, deren Beantwortung im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels und die Überfischung der Meere von großer Bedeutung ist.
Nachbearbeitung im BiK-F-Labor
“Wir vermuten, dass die Distanz zur norwegischen Küste einen wesentlichen Einfluss auf die Parasitierung der dort vorkommenden Konsumfischarten hat. Insbesondere die charakteristischen Gewässerbedingungen in der Barentssee könnten Auswirkungen auf das Vorkommen und die Verbreitung bestimmter Parasitengruppen haben“, sagte Sven Klimpel. Fischproben, die schon an Bord bearbeitet und für parasitologische und molekularbiologische Analysen vorbereitet und konserviert wurden, werden nun im Frankfurter BiK-F-Labor genauer untersucht. Der Wissenschaftler sagte: „Wir gehen davon aus, dass die verschiedenen Parasitenarten bei den Fischen der Barentssee sich von denen in anderen Regionen des nördlichen Atlantiks deutlich unterscheiden. Anhand der genetisch eindeutig identifizierten Fadenwürmer in Fischen sind wir beispielsweise auch in der Lage, genau zu bestimmen, welche Wal- bzw. Robbenarten in dem untersuchten Gebiet vorkommen und welche Populationsgrößen sie theoretisch haben könnten.“ Von den Untersuchungen verspricht sich Sven Klimpel eindeutige Ergebnisse und Erklärungsmuster für Veränderungen in den nördlichen Gewässern.
Die Bedeutung der Ozeane
In der Summe nehmen marine Ökosysteme 71 Prozent der Gesamtfläche der Erde ein. Das entspricht einer Fläche von 361 Millionen Quadratkilometern. Auf Grund seiner enormen Tiefenausdehnung ist der marine Lebensraum um ein Vielfaches größer als alle Lebensräume an Land, zu denen auch Süßwasser-Ökosysteme wie Seen, Bäche und Flüsse zählen. Dabei spielen die Ozeane eine bedeutende Rolle für das Klima auf der Erde. Insbesondere im Rahmen der globalen Erhöhung des Kohlendioxid-Anteils in der Atmosphäre tragen die Meere als so genannte „CO2-Falle“ zur Stabilisierung des Weltklimas bei. Neben der Erwärmung der Meere ist das Gleichgewicht auch durch die Versauerung gestört, die durch die stetig steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre ebenfalls zunimmt.
Im Vergleich zu den Lebensräumen an Land reagieren marine Ökosysteme deutlich sensibler und schneller auf Klimaänderungen. Die Belastungen der Fischpopulationen durch Überfischung kommen hinzu. Fische und Fischprodukte sind bedeutsam für die Welternährung. Deren Anteil an der Eiweißversorgung der Weltbevölkerung beträgt nach Zahlen der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) 15 Prozent. Rund drei Milliarden Menschen sind schon jetzt darauf angewiesen. Hinzu kommen wirtschaftliche Interessen und viele Arbeitsplätze, die an der Fischereiindustrie hängen. Einst galten die Meere als unerschöpfliches Reservoir. Doch selbst wenn die Fischereinationen regelmäßig über Fangquoten und Methoden zur nachhaltigen Befischung der Ozeane diskutieren, verbessert sich für die Meeresbewohner nicht viel. – Nicht mehr und größer, sondern weniger und kleiner werden die Fische, die einer ständig wachsenden Weltbevölkerung zur Verfügung stehen.
Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Elemente, Ernährung, Forschung, Gesundheit, Gruppen, Mensch, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit |
Keine Kommentare »
Montag 26. Juli 2010 von birdfish
Wie wird die europäische Landwirtschaft in vier Jahren aussehen, wie wird künftig die gemeinsame Agrarpolitik in der EU gestaltet?
Welche Änderungen wird es in der Agrarpolitik der EU geben? – Foto: Dagmar Struß
Darüber debattierten jetzt Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft sowie aus der Agrarwissenschaft auf einer Konferenz der Europäischen Kommission in Brüssel. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erörterten die bisherigen Ergebnisse einer öffentlichen Konsultation, die die Kommission im April gestartet hatte. Im Wesentlichen ging es um folgende vier Fragen: Warum benötigen wir eine gemeinsame Agrarpolitik? Was erwarten die Bürger von der EU-Landwirtschaft? Warum muss die GAP reformiert werden? Welches Instrumentarium benötigen wir für die GAP von morgen?
Laut dem Informationsdienst EurActiv kristallisierten sich drei Schwerpunktthemen heraus: die Garantie der Ernährungssicherheit, eine umweltfreundlichere Landwirtschaft und der Erhalt des Wohlstands ländlicher Gebiete. In den Beiträgen wurde betont, dass die Agrarsubventionen fairer verteilt und weitere finanzielle Anreize geschaffen werden sollen, damit die Landwirte die Umweltvorgaben auch umsetzen können. Viele Bürger hoben hervor, dass faire Wettbewerbsbedingungen für Landwirte, Lebensmittelindustrie und Händler gewährleistet werden müssen. Zudem sollte die Vielfalt der Landwirtschaft im der gesamten EU erhalten werden.
Der für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständige Kommissar Dacian Ciolos wies auf die starke Beteiligung an der Konsultation hin. Innerhalb von zwei Monaten waren knapp 6000 Beiträge aus der Öffentlichkeit, von Experten und Nichtregierungsorganisationen eingegangen. Das mache deutlich, dass die Agrarpolitik den Menschen wichtig ist und dass es dabei nur um die Erzeugung von Lebensmitteln, sondern auch um die Bereitstellung umfassenderer öffentlicher Güter geht, sagte Ciolos.
Zu Beginn der Konferenz schaltete die Stiftung EuroNatur und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) eine neue Webseite frei. Dort sind die Ergebnisse des Analyse- und Diskussionsprozesses von zahlreichen Verbänden zur Agrarreform nachzulesen. Die Verbände zeigen auf, wie aus ihrer Sicht eine zukunftsfähige nachhaltige Landwirtschaft gestaltet werden sollte. „Eine ökologische Neuausrichtung der Agrarpolitik ist dringend erforderlich. Nur so können wir den neuen Herausforderungen wie Artenschwund und Klimawandel wirksam begegnen“, sagte Lutz Ribbe von EuroNatur.
Bis November will die Kommission eine Mitteilung vorlegen, die die verschiedenen Möglichkeiten für die Agrarpolitik nach 2014 auflistet.
Kommission zur GemeinsamenAgrarpoltik nach 2013
Website der Agrarplattform
Kategorie: Anpassung, Artensterben, Boden, EU, Elemente, Ernährung, Gruppen, Konferenzen-Events, Landwirtschaft, Mensch, Politik, Tiere und Pflanzen, Wirtschaft |
Keine Kommentare »
Montag 26. Juli 2010 von birdfish
Biodiversität soll mehr in den eruropäischen Vordergrund rücken.
Der geschützte Sonnentau wächst in Mooren – Foto: Dagmar Struß
Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat im Juli das im März von den Staats- und Regierungschefs verabschiedete Ziel unterstützt, den Biodiversitätsverlust und die Degradierung der Ökosystemleistungen bis 2020 zu stoppen und die Biodiversität, wenn möglich, wiederherzustellen.
Darüber hinaus fordert er auch die Entwicklung von Unterzielen sowie die Integration der Biodiversitätsbelange in andere Politiken wie Forst- oder Landwirtschaft und Regional- und Entwicklungspolitik. Der durch den Umweltausschuss verabschiedete Bericht beleuchtet zudem die Umsetzung der europäischen Gesetzgebungen zum Biodiversitätsschutz. Er soll im September im Plenum des Europäischen Parlaments verabschiedet werden.
Der Ausschuss der Regionen (AdR) hat seine Position zu einer EU 2020-Biodiversitätsstrategie zum bereits im Juni verabschiedet.
Derzeit laufen die ersten Überlegungen zum neuen EU-Biodiversitätsaktionsplan. Nach der Sommerpause wird es voraussichtlich eine öffentliche Konsultation zu dem Thema geben.
Kategorie: Anpassung, Artensterben, EU, Gesetze, Gruppen, Landwirtschaft, Politik, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wälder, Öffentlichkeit |
Keine Kommentare »
Freitag 23. Juli 2010 von birdfish
In der Ostsee hat sich ein riesiger Algenfilm gebildet.
Algenblüte in der schwedischen Ostsee – Foto: Jarmo Syvaenen / WWF
Über 1600 km in der Länge und 190 km in der Breite erstreckt sich die Algenschicht. Rund 377.000 Quadratkilometer der Wasseroberfläche in der Ostsee sind derzeit von der Schicht aus Blaualgen bedeckt. Der aktuelle Algenfilm ist der größte, der seit 2005 in der Ostsee beobachtet wurde. Nach Ansicht des WWF tragen die Algenblüten wie in diesem Jahr zur Verschärfung der immensen Sauerstoffprobleme der Ostsee bei. Die Schicht aus Blaualgen zieht sich derzeit von Finnland bis in die Pommersche Bucht und nordwestlich von Rügen hin. In den deutschen Küstengewässern sind besonders das Achterwasser/Oderhaff und der Strelasund betroffen.
„Hohe Temperaturen, wenig Wind und ein überdüngtes Meer – das sind perfekte Bedingungen für Algenwuchs“ erläutert Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros. Algenblüte sei eigentlich ein natürliches Phänomen. Aufgrund des hohen Nährstoffgehalts in der Ostsee vermehrten sich die Algen jedoch explosionsartig. „Riesige Algenteppiche schaden in erster Linie der Meeresumwelt. Pflanzen sterben ab und regelrechte Todeszonen ohne Sauerstoff bilden sich am Meeresgrund weiter aus“. Sterben die Algen ab, wird besonders viel Sauerstoff verbraucht und giftiger Schwefelwasserstoff gebildet, der allen Organismen am Ostseegrund schadet.
Einen Grund für das Massenwachstum der Blaualgen sieht der WWF in den Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft. Über Flüsse gelangen große Mengen Stickstoff und Phosphor aus Düngemitteln ins Meer, die bei günstigen Witterungsbedingungen die Algenblüte vorantreiben. „Überdüngung ist das größte Umweltproblem der Ostsee und der Motor für die Ausbreitung der sauerstoffarmen Zonen“ sagt Jochen Lamp weiter. „Es ist unverantwortlich, wenn die Ostseeanrainer einerseits ehrgeizige Ziele zum Stopp des Nährstoffeintrags beschließen, und dann dieselben Staaten die Überdüngung anheizen“. In Schweden ist beispielsweise kürzlich die Düngemittelsteuer abgeschafft worden. In Mecklenburg-Vorpommern wurde das Landeswassergesetz so geändert, dass statt bisher bis auf sieben Meter jetzt bis auf einen Meter an Gräben und Bäche heran gedüngt und gespritzt werden darf.
Zum Schutz der belasteten Ostsee fordert der WWF daher strengere Maßstäbe für die Landwirtschaftseinträge, einen ostseeweiten Bann von Phosphaten in Waschmitteln und die konsequente Abwassereinigung von Kreuzfahrt- und Fährschiffen in der Ostsee. Die Abwässer müssten zudem während der Liegezeit in den Häfen entsorgt werden. Schätzungsweise 340 Tonnen Stickstoff und 112 Tonnen Phosphor gelangen jedes Jahr aus Abwässern der Passagierschifffahrt direkt ins Wasser der Ostsee.
Kategorie: Artensterben, Elemente, Gesetze, Gruppen, Politik, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Wirtschaft, Öffentlichkeit |
Keine Kommentare »
Freitag 23. Juli 2010 von birdfish
Das Europäische Umweltbüro (EEB) hat im Juli einen ernüchternden Statusbericht zur Wasserrahmenrichtlinie veröffentlicht.
Gewässer müssen für die Zukunft erhalten werden – Foto: Hanspeter Bolliger / Pixelio
Der Bericht „Zehn Jahre Wasserrahmenrichtlinie – ein zahnloser Tiger?“ verdeutlicht, wie wenig europäische Regierungen zum Schutz und zur Restauration der europäischen Gewässer tun und wie wenig ambitioniert die Länder bei der Umsetzung seit Inkrafttreten der Wasserrahmenrichtline vor zehn Jahren waren. Auf Grundlage von acht Flussgebietsplänen in Europa stellt der Bericht fest, dass mit wenigen Fortschritten in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Die nationalen Flussgebietspläne zum Schutz und zur Verbesserung der Gewässer zeigen danach wenig oder gar keinen Erfolg.
Viele Pläne vertagen die beschlossenen Verbesserungen auf das Jahr 2027. Das würde einen weitreichenden Missbrauch der gesetzlich vorgesehenen Ausnahmeregelungen bedeuten. „Das ist im Anbetracht der Tatsache, wie wichtig Wasser für unser Leben ist und wie wir es noch verschmutzen, inakzeptabel, sagt Pieter de Pous, EEB-Referent für Wasserpolitik. „Europas Flüsse, Seen und Feuchtgebiete bieten Dienstleistungen von sozialem und wirtschaftlichem Wert und sollten für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Mit einer zeitigen und effizienten Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wird Europa weiterhin von solchen Dienstleistungen profitieren können, Geld sparen, neue Arbeitsplätze schaffen und auf nachhaltige Weise wachsen können“.
EEB-Bericht “Zehn Jahre Wasserrahmenrichtlinie – ein zahnloser Tiger?” (PDF, engl.)
Kategorie: Anpassung, Artensterben, EU, Elemente, Gesetze, Gruppen, Politik, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit |
Keine Kommentare »
Montag 19. Juli 2010 von birdfish
Angesichts der anhaltenden Hitze hat der NABU darauf hingewiesen, dass die Stromproduktion auf Basis von Atom und Kohle besonders anfällig für den Klimawandel ist.
Klimawandel und Atomkraft kippen das Ökosystem Fluss - besser mit Windkraft – Foto: Jetti Kuhlemann / Pixelio
„Bei Strom aus Wind und Sonne stellen die Energiekonzerne immer die Versorgungssicherheit in Frage. Jetzt erleben wir, dass auch große Atom- und Kohlekraftwerke vom Wetter abhängig sind“, erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Wenn die Wassertemperaturen in Rhein, Neckar und Elbe weiter steigen, dürften die dortigen Atommeiler nicht weiter aufgeheiztes Kühlwasser in die Flüsse leiten. Den Kraftwerken drohe dann die Abschaltung. Denn der Gewässerschutz müsse klaren Vorrang haben vor den Profitinteressen der Kraftwerksbetreiber.
Mit der Einleitung des Kühlwassers heizen die Kohle- und Atommeiler die ohnehin warmen Gewässer weiter auf. Dem NABU zufolge bedeute dies für die Ökosysteme eine hohe Belastung. Es drohe Fischsterben und das Ausbreiten für den Menschen gefährlicher Keime. Diese Situation werde durch den Klimawandel künftig häufiger eintreten. „Auch hier wird deutlich, dass Atom und Kohle keine zukunftsfähige Stromversorgung gewährleisten können. Ein weiterer Grund, am vereinbarten Atomausstieg festzuhalten“, so Miller.
Um eine nachhaltige Stromversorgung für die Zukunft zu gewährleisten, müsse die Gesellschaft auf Energieeinsparung, Energieeffizienz und naturverträgliche erneuerbare Energien setzen. „Die schwankende Stromproduktion aus Wind und Sonne lässt sich durch neue Energiespeicher und intelligente Stromnetze ausgleichen. Hierauf muss sich die Politik konzentrieren anstatt die Atomlaufzeiten zu verlängern und neue Kohlekraftwerke zu bauen“, forderte NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse.
Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Elemente, Energiearten, Gruppen, Meteorologie, Politik, Prognosen, Ressourcen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Verbraucher, Veröffentlichungen, Wasser, Wirtschaft, Öffentlichkeit |
1 Kommentar »
Montag 19. Juli 2010 von birdfish
Nach mehr als 30 Probentagen endet dieser Tage in Ny-Ålesund auf Spitzbergen eines der größten europäischen Experimente zu den Folgen der Ozeanversauerung.
Arbeit an den Mesokosmen – Foto: Maike Nicolai / IFM-GEOMAR
35 Forscher aus zwölf Nationen untersuchten unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) sechs Wochen lang, welche Auswirkungen steigende Kohlendioxidkonzentrationen auf die Lebensgemeinschaft im Meer haben. Prof. Dr. Ulf Riebesell, wissenschaftlicher Leiter der Studie, spricht von „einem „Riesensprung in der Erforschung der Ozeanversauerung“. Die neun für das Experiment genutzten Mesokosmen – die größten Reagenzgläser der Welt – werden am 22. Juli 2010 vom Greenpeace-Schiff ESPERANZA nach Kiel zurück gebracht.
Die von Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen führen nicht nur zu einer Erwärmung des globalen Klimas. Sie sorgen auch dafür, dass der pH-Wert des Meereswassers sinkt und die Ozeane versauern. „Dieses Phänomen, das wir als ‚Das andere CO2-Problem‘ bezeichnen, kann dazu führen, dass sich maritime Lebensgemeinschaften stark verändern. Kalkbildende Organismen wie Muscheln, Schnecken, Seeigel, aber auch das mikroskopisch kleine Plankton, das an der Basis des Nahrungsnetzes steht, reagieren empfindlich auf die Ozeanversauerung“, erklärt der Meeresbiologe Prof. Dr. Ulf Riebesell. Da kaltes Wasser mehr Kohlendioxid aufnehmen kann, kommt die Ozeanversauerung in den Polargebieten stärker und früher zum Tragen als anderswo. Forscher vermuten daher, dass die empfindlichen Ökosysteme der Polarregionen besonders stark gefährdet sind.
Um die Auswirkungen der Ozeanversauerung unter realen Bedingungen zu untersuchen, haben die Wissenschaftler neun 17 Meter hohe Mesokosmen im Kongsfjord vor Ny-Ålesund im Nordwesten Spitzbergens verankert. Diesen überdimensionalen Reagenzgläsern, von denen jedes eine Wassersäule von etwa 50 Kubikmetern einschließt, wurde Kohlenstoffdioxid in verschieden hoher Konzentration zugesetzt. „Wir haben Bedingungen simuliert, wie sie in 20, 40, 60 Jahren und weiter in der Zukunft zu erwarten sind, wenn die Emissionen im bisherigen Maß fortschreiten“, erklärt Riebesell. Während ihrer täglichen Messungen und Probennahmen beobachteten Biologen und Chemiker die Veränderungen des Meerwassers und der eingeschlossenen Lebensgemeinschaft. Die simulierte Ozeanversauerung führte zu unerwartet starken Änderungen der Entwicklung und Produktivität der Planktongemeinschaft mit erheblichen Auswirkungen auf die Freisetzung klimarelevanter Gase und die Umsatzraten wichtiger Elemente im Meerwasser.
Nach Abschluss der Arbeiten in Ny-Ålesund stehen für alle Teilnehmer umfangreiche Auswertungen im Labor an. „Das Experiment ist besser verlaufen, als wir erhofft hatten“, bilanziert Riebesell. „Stürme, wie wir sie in der Ostsee durchmachen mussten, gab es glücklicherweise nicht. Das Eis, das sich bei steigenden Temperaturen von den Gletschern löste und auf die Mesokosmen zutrieb, konnte unsere Eiswache rechtzeitig beiseite schieben. Und die neugierigen Robben und Belugas haben sich nur bis auf einige Meter genähert.“
Sechs Wochen lang fuhren die Forscher in Schlauchbooten regelmäßig von der Station in Ny-Ålesund mit Planktonnetzen, Wasserschöpfern und Sonden hinaus, um Messungen in den Mesokosmen durchzuführen und Proben für ihre Laborarbeiten zu nehmen. Täglich wurden den Mesokosmen über 300 Liter Wasser entnommen und in den Laboren aufbereitet und analysiert. Mit über 60 Messparametern und zehntausenden von Einzelanalysen wird dies der bislang umfangreichste experimentelle Datensatz zu den Folgen der Ozeanversauerung. „Wir erwarten einen Riesensprung in der Erforschung der Ozeanversauerung“, so Riebesell.
In diesen Tagen werden die Mesokosmen im Kongsfjord abgebaut. Die Forscher erhalten dabei wieder Unterstützung von der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die ihr Schiff ESPERANZA für das Aussetzen und Einholen sowie den Transport der Mesokosmen und der wissenschaftlichen Geräte zur Verfügung stellt. Neben der Unterstützung des IFM-GEOMAR bei der Forschung zur Ozeanversauerung ist Greenpeace im Sommer 2010 in der Arktis unterwegs, um die Lebensgemeinschaften des Meeresbodens im Arktischen Ozean erstmals zu erfassen und die Arbeiten zur Gletscherschmelze auf Grönland von 2009 fortzusetzen. Am 22. Juli 2010 wird das Schiff in Kiel erwartet, am 24. und 25. Juli 2010, 10 bis 17 Uhr lädt die ESPERANZA an der Außenpier des IFM-GEOMAR an der Kiellinie zum „open ship“.
Weitere Informationen:
Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Boden, Elemente, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Luft, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit |
Keine Kommentare »