KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Atomkraftwerke – Restlaufzeiten – Laufzeitverlängerung (mit Pressespiegel)

Abschaltungen und neue Restlaufzeiten deutscher Atomkraftwerke Mai 2011

Die Regierung von SPD und Grünen hat im Jahr 2000 den Atomkonsens auf den Weg gebracht. Als langfristiges Ziel wurde hier der komplette Ausstieg aus der Atomenergie vorgesehen. Als Übergangsregelung wurde vertraglich festgelegt, welche Werke in Deutschland bis wann abgeschaltet werden müssen.

Restlaufzeiten deutscher Atomkraftwerke 2009
Schwarz-Gelb macht Ausstiegsplan von Rot-Grün rückgängig

CDU/CSU und FDP hatten bereits im Wahlkampf verkündet, dass sie im Falle einer gemeinsamen Regierungsbildung gedenken, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Ende 2010 haben sie es umgesetzt.

Die Begründungen wie z.B. niedrige Strompreise sind jedoch allesamt durch Untersuchungen/ Studien entkräftet (siehe auch: ‘Atomkraftwerke – diverse Studien und Papiere’).
Der einzige Grund, der verbleibt, ist der betriebswirtschaftliche für die Betreiber. Denn nach Abschreibung einer Anlage ist der Gewinn aus den maroden Werken beträchtlich.
Die  stärksten Argumente gegen Laufzeitverlängerung sind die fehlende Sicherheit und die fehlende Lösung zur Endlagerung. Unter dem Einfluss der radioaktiven Strahlung ist die Materialermüdung der Bauteile stark erhöht und steigt mit zunehmenden Alter.

Restlaufzeiten deutscher Atomkraftwerke Ende 2010

So haben sich im Laufe der Geschichte der deutschen Atomkraft mittlerweile über 5.700 Pannen ereignet, die an dem Mythos, die Anlagen ließen sich sicher betreiben, zweifeln lassen.

Beispiel für die Folgen langer Laufzeiten ist das AKW Krümmel.
Hier ein Artikel zur Pannenserie des schleswig-holsteinischen Atomkraftwerkes Krümmel.

Weitere Argumente gegen die Laufzeitverlängerungen:
Zum einen ist Atomenergie nicht flexibel genug, um mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien einen integrativen Mix als Übergang zu bilden. Zum anderen ist es bisher nicht gelungen, ein sicheres Endlager für Atommüll in Deutschland auszumachen.

Fukushima 2011

Mit dem Erdbeben in Japan und den darauf folgenden Kernschmelzen ist die deutsche Pro-Atom-Politik nicht mehr zu halten. Der Druck aus der Bevölkerung wird so groß, dass CDU und FDP in Anbetracht anstehender Wahlen erst einmal einige Atommeiler vom Netz nehmen müssen.

Kurzfristige Sicherheitsüberprüfungen ergeben das, was Atomkraftgegener schon seit vielen Jahren predigen: Kein deutsches Atomkraftwerk ist sicher. Der Druck der Öffentlichkeit mit einem herben Ansehensverlusst veranlasst die schwarz-gelbe Bundesregierung dazu, einige meiler direkt abgescaltet zu lassen und den Rest in etwa um die Zeit weiterlaufen zu lassen, wie das Rot-Grün seinerzeit mit den Energiekonzernen ausgehandelt hatte.

Den aktuellen Stand zum Ende Mai 2011 entnehmen Sie der obersten Grafik.

Weitere Infos

Studie des BUND zu den Gefahren von Laufzeitverlängerungen bei deutschen Atomkraftwerken.

Wikipedia-Artikel zu den Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken

Atomkraftwerke – diverse Studien und Papiere

Pressespiegel

Verseuchtes Wasser in Fukushima überfordert AKW-Betreiber

Tepco kämpft weiter mit Problemen im Atomkraftwerk Fukushima: Etwa 280 Liter Grundwasser fließen pro Minute in die Reaktoren. Die Mengen überfordern die Helfer.

Zwei Jahre nach der Kernschmelze in Fukushima haben die technischen Hilfskräfte mit einer immer größeren Menge radioaktiv verseuchten Wassers zu kämpfen. Nach Angaben der New York Times dringen rund 280 Liter Grundwasser pro Minute in die Reaktorengebäude. Dort werde das Wasser hoch radioaktiv verseucht, bevor es wieder abgepumpt würde, um die Kühlsysteme des Atomkraftwerks zu schützen.[...]

Kompletter Artikel in ZEIT Online vom 30. April 2013


Endlagersuche ohne Ende

Er sollte ins Meer sinken, im ewigen Eis landen oder ins All fliegen. Seit es die Kernkraft nutzt, sucht Deutschland eine Kippe für Atommüll. Ohne Erfolg.

Alles zurück auf Null: 36 Jahre nach der Benennung von Gorleben als “nukleares Entsorgungszentrum”, beginnen Bund und Länder die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle neu. Ab sofort ist Deutschland wieder eine blütenweiße Landkarte, auf der in unterschiedlichen Gesteinsformationen und Bundesländern der beste Standort gesucht werden soll. Nicht mehr nach politischen, sondern nach rein wissenschaftlichen Kriterien soll jetzt transparent und glaubwürdig entschieden werden [...]

Kompletter Artikel in ZEIT Online vom 22. April 2013


Die Deutsche Umwelthilfe fordert bei Suche nach Atomendlager “Ende jeder Hintertürchenpolitik”

Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) hat Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) aufgefordert, bei der Atommüllentsorgung mit offenen Karten zu spielen. Ein Endlagersuchgesetz, bei dem Gorleben als möglicher Standort nicht von vornherein ausgeschlossen werde, sei nur dann akzeptabel, wenn jeder Anschein einer Vorfestlegung auf den nach Überzeugung der DUH ungeeigneten Salzstock vermieden werde. Außerdem müsse die Bundesregierung in der derzeit in der Ressortabstimmung befindlichen 14. Atomgesetznovelle endlich definitiv klarstellen, dass es auch in Zukunft keinen Export von hoch radioaktivem Atommüll ins Ausland geben wird. [Zu unserem Artikel vom 18.01.2011


CDU will Energiekonzerne zur Kasse bitten

Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke bedeuten mehr Geld für die Betreiber – und das soll nach dem Willen der CDU auch für die Beseitigung der strahlenden Hinterlassenschaften verwendet werden.
Doch Umweltminister Röttgen bezweifelt, dass die Konzerne überhaupt zahlen müssen.

Quelle und ausführlicher Artikel:  Spiegel Online vom 22.02.2010


CSU-Umweltexperte Göppel:
“Jeder Reaktor auf den Prüfstand”

Der CSU-Umweltexperte Josef Göppel stellt in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau den AKW-Betreibern harte Bedingungen zur Notwendigkeit: Oberstes Kriterium müsse die Sicherheit sein. Jeder Reaktor müsse vorher geprüft werden.

Hier lesen Sie das komplette Interview mit Göppel zu den Laufzeitverlängerungen – Frankfurter Rundschau, 21.01.10.


Laufzeitverlängerung: Verbraucherschützer pochen auf Abschöpfung der Gewinne aus Atomstrom

“Die Verbraucherverbände haben die künftige Bundesregierung aufgefordert, mögliche Zusatzgewinne der Stromkonzerne durch längere Laufzeiten der Atomkraftwerke „zu mindestens 80 Prozent“ den Verbrauchern zu Gute kommen zu lassen. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag) schlug Vorstand Gerd Billen von der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. als eine Möglichkeit vor, das Geld in einen Effizienzfonds zur Förderung von Gebäudesanierungen fließen zu lassen. Hier sei der Bedarf am größten und die Fördereffizienz am höchsten. [...]”

“Laufzeitverlängerung: Verbraucherschützer pochen auf Abschöpfung der Gewinne aus Atomstrom”, Neue Osnabrücker Zeitung vom 15.10.09


“Kartellwächter gegen längere AKW-Laufzeiten” – Handelsblatt vom 11.10.09

Das Bundeskartellamt hat die geplanten längeren Betriebsdauern von Kernkraftwerken kritisiert. „Wenn die Laufzeiten verlängert werden, wird die hohe Verdichtung der Erzeugungskapazitäten zementiert“, sagte Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer dem Handelsblatt. Gleichzeitig würde unabhängigen Energieerzeugern „der Boden unter den Füßen weggezogen“.


Kieler Atomaufsicht ließ Krümmel trotz Sicherheitsbedenken ans Netz

Organisationsdefizite, mangelnde Lernbereitschaft – und das Betriebshandbuch wurde auch nicht benutzt: Lang ist die Mängelliste eines Gutachtens von 2007 über den Kernreaktor Krümmel. Nach Informationen des SPIEGEL lag das Papier der Atomaufsicht zwar vor – sie ließ den Pannen-Reaktor aber trotzdem ans Netz. (15.08.2009)


Sehenswerter Beitrag der ARD vom Mitte Juli 2009 zum Zustand des AKW Krümmel nach dem letzten Vorfall:
Hier ist zu sehen, wie der Kurzschluss dicke Stahlplatten verbogen hat, das Öl aus der Wand tropft und wie naiv und ahnungslos man darüber forscht, woran das alles denn wohl gelegen haben könnte.


Gabriel wirft Oettinger Atomideologie vor

Als “unverantwortlich und ideologisch” kritisierte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel den Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger, die Laufzeitbeschränkung für deutsche Atomkraftwerke völlig aufzuheben. [...] (Pressemitteilung des BMU, 8. Juli 2009)


“Höhn: Atombetreiber wollen möglichst lange Schrottreaktoren weiterbetreiben”
Interview des Deutschlandfunks vom 6. Juli 2009 mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn.


“Die Gelddruckmaschinen”, Süddeutsche Zeitung vom 6. Juli 2009

Die Energieversorger haben ein außerordentliches Interesse an der Laufzeitverlängerung alter Atomkraftwerke, denn sie verdienen an einem abgeschriebenen, am Netz befindlichen Werk ca. eine Million Euro pro Tag.


Stand: 13.03.2013