KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

CO2-Speicherung – die Gegenargumente

BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz

Der BUND stellt ein neues geologisches Gutachten vor, dass vielfältige Risiken im Zusammenhang mit einer CO2-Speicherung aufzeigt. Der Umweltverband fordert daher, das Gesetz zur Errichtung von Anlagen mit CCS-Technologie, das von Kanzleramt, Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium vorangetrieben wird und noch im November 2010 vom Kabinett verabschiedet werden soll, diesen Sicherheitsrisiken Rechnung trägt.

Die zentralen Ergebnisse des geologischen Gutachtens zur CO2-Endlagerung

CO2-Verpressung kann Leckagen oder Erdbeben verursachen
Der Druck, der für die  Verpressung von CO2 in den Untergrund benötigt wird, kann  Leckagen oder Erdbeben verursachen. Entweichendes Kohlendioxid, das sich in Senken oder Tälern ansammelt, kann zur Gefahr für die Bevölkerung werden.

Es droht eine Versalzung des Grundwassers
Das CO2 soll in sog. “saline Aquifere” eingelagert werden. Dabei handelt es sich um tiefliegende, mit Salzwasser getränkte Sandsteinschichten. Bei der Verpressung verdrängt das CO2 einen Teil des Salzwassers aus den Gesteinsporen. Es kommt zwangsläufig zu ausgedehnten Versalzungen höherer Süßwasser-Stockwerke. Die zukünftige Versorgung mit Trink- und Brauchwasser ist dadurch gefährdet.

Dichtheit der CO2-Endlager ist nicht nachweisbar
Es gibt bisher keine brauchbaren Konzepte, wie die Dichtheit eines CO2-Endlagers nachgewiesen werden kann, bevor es genehmigt und in Betrieb genommen wird. Umfangreiche Darstellungen der CO2-Endlager  in Rechenmodellen und Computer-Grafiken täuschen oft einen Wissensstand vor, der tatsächlich nicht vorhanden ist. Die Ergebnisse dieser Rechenmodelle beruhen zumeist auf nicht dokumentierten Annahmen und sind im Regelfall weder valide noch verifizierbar.

Speicherkapazitäten für höchstens 27 Jahre
Die zu Beginn der CCS-Debatte verbreiteten Vorstellungen über das verfügbare geologische Fassungsvermögen des Untergrundes waren vollkommen überzogen: Für den CO2-Ausstoß deutscher Kohlekraftwerke reicht es für höchstens 27 Jahre (inklusive der Gebiete unter der Nordsee). Bei diesen Berechnungen blieben konkurrierende Nutzungen des Untergrundes wie zum Beispiel für den Abbau von Erzen oder zur Gewinnung von erneuerbaren Energien wie Geothermie unberücksichtigt.

CO2-Endlagerung steht in Konkurrenz zu erneuerbaren Energien
Konkurrenz um die Nutzung des Untergrundes besteht z. B. mit Erdgas- und Druckluftspeicher sowie der erneuerbaren Energie Geothermie.

CCS ist ineffizient: Die Technologie benötigt 30 Prozent mehr Energie zur Stromerzeugung
Die Stromerzeugung mit CCS z. B. aus Braunkohle benötigt ca. 30 Prozent mehr Energie. Dadurch würden auch Schäden der Kohleförderung steigen. Dazu zählen u. a. der Landschaftsverbrauch, die  Grundwasser-Absenkungen oder eine Versauerung des Grundwassers.

Zusammensetzung des Gases und mögliche Folgen ungewiss
Bei den verschiedenen Konzepten zur CO2-Abscheidung bestehen noch zahlreiche ungeklärte Fragen. So weiß man noch nicht, ob CO2-Abscheidungsanlagen mit Rauchgasreinigungsanlagen kompatibel sind. Es ist zudem unklar, welche Zusammensetzung der abgeschiedene Gasstrom haben wird. Die aus der Zusammensetzung des Gases erwachsenen Konsequenzen, wie Korrosionsverhalten der CO2-Pipelines, sind noch unzureichend erforscht.  Es besteht auch die Gefahr, dass durch Substanzen im Gas Schwermetalle aus dem Boden gelöst werden und ins Untergrundwasser gelangen.

Hier die ausführliche Studie zu den Risiken der CO2-Speicherung (PDF)

(Stand: 11/2010)

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung

Der Umweltrat warnte vor übereilten Weichenstellungen. Er ist der Meinung, dass die Anwendung von CCS im großen Maßstab derzeit nicht befriedigend geregelt werden kann. Das Gesetz würde dazu führen, dass die begrenzten unterirdischen Speicher durch das eingelagerte CO2 langfristig blockiert werden. Die Speicher würden jedoch in Zukunft aber ggf. auch für andere Zwecke gebraucht, etwa den Ausbau erneuerbarer Energien.
Der SRU plädiert für ein Forschungsgesetz, das nur die Erprobung von CCS ermöglicht. Bevor grundsätzlich über die Zukunft der Energieversorgung entschieden würde, müsse Zeit sein für eine breite gesellschaftliche Debatte.

Unser Bericht vom 8.05.2009

Die Stellungnahme des Umweltrates (PDF)

Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)

Der NABU bemängelt, dass ein Gesetz über die Ablagerung von Millionen Tonnen Kohlendioxid für Tausende Jahre in wenigen Wochen ohne ausführliche Beratung verabschiedet werden soll. Inhaltlich fordert der NABU, dass diejenigen Energie- und Klimaschutztechnologien, von denen wir wissen, dass sie funktionieren – wie Erdwärmenutzung und Druckluftspeicherung – klaren Vorrang haben vor der Kohlendioxid-Deponierung. Von dieser weiß noch niemand, ob sie sicher ist und dauerhaft funktioniert.

Unser Bericht vom 24.04.2009

Die Stellungnahme des NABU zum CCS-Gesetzentwurf (PDF)

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Im Rahmen eines Kongresses zur Zukunft der Kohleverstromung und der aktuellen CCS-Projekte zog Daniel Vallentin vom Wuppertal Institut das Resumee, dass die bisherigen Verzögerungen bei der CCS-Entwicklung dazu führen, dass CCS erst frühestens 2025-2030 zur großmaßstäblichen Erprobung bereit steht. Das Verfahren habe bis dahin jedoch schon seine Relevanz vollends verloren, weil es preislich nicht mehr mit dem zukünftigen Energieangebot werde konkurrieren können. Denn schon einige Jahre vorher werde Offshore-Strom billiger produziert als Kohlestrom plus CCS. Strom aus einem regenerativen Energieträgermix werde spätestens bis 2030 billiger sein als Kohlestrom mit CCS. [...]

Quelle: Telepolis / Heise vom 20.04.2010, “Die Zeit macht CCS irrelevant”

Der GtV-Bundesverband Geothermie

Der Bundesverband Geothermie sieht das neue CCS-Gesetz als Ungleichbehandlung zu den erneuerbaren Energien.

Unser Bericht vom 2. 04.2009 zur Argumentation der Geothermie

Vorschläge der Geothermischen Vereinigung vom 05.05.2009 zur Änderung des Entwurfs eines CCS-Gesetzes (PDF)

Greenpeace

Unser Bericht vom 25.03.2009 zum Greepeace-Protest.

Die Stellungsnahme von Greenpeace vom CCS-Gesetz

Nachfolgend wichtige Argumentationspunkte gegen die CO2-Lagerung:

CSS kommt zu spät

Die Klimakrise verlangt sofortiges Handeln. Nach Berechnungen des Weltklimarats (IPCC) muss der Höchstpunkt der weltweiten Emissionen spätestens im Jahr 2015 erreicht sein und danach deutlich sinken. Hierzu kann die CCS-Technologie keinen wesentlichen Beitrag leisten, denn für den großflächigen Einsatz wird sie nicht vor 2030 zur Verfügung stehen. „CCS wird viel zu spät auf dem Schauplatz erscheinen, um einen Beitrag zur Minderung des gefährlichen Klimawandels zu leisten“, heißt es im Entwicklungsprogramm
der Vereinten Nationen (UNDP). Denn im Moment sind lediglich so genannte Demonstrationsanlagen in Planung, im März 2007 verpflichteten sich die EU-Mitgliedstaaten, bis 2015 zehn bis zwölf solcher Teststationen zu bauen und in Betrieb zu nehmen.
Derweil wird die CCS-Technologie von Energiekonzernen wie E.ON, RWE und Vattenfall als Rechtfertigung für den Bau neuer Kohlekraftwerke benutzt. Diese nennen sich „CCS“-fähig („capture-ready“), wenn sie theoretisch mit einer CO2-Abscheidungsanlage nachgerüstet werden können. Ob dies aber jemals in die Tat umgesetzt wird, steht in den Sternen.

CCS vergeudet Energie

Nicht nur die Abscheidung des CO2, auch der Transport und die Lagerung würden viel teure Energie verschlingen. Es wurde errechnet, dass je nach Art des CCS-Verfahrens bis zu 40 Prozent der Kraftwerksleistung verloren gehen könnten. Um diesen hohen Effizienzverlust auszugleichen, müsste ein
Kohlekraftwerk entsprechend mehr Kohle verbrennen. Darüber hinaus bräuchten CCSKraftwerke zum Auffangen und Abscheiden des Kohlendioxids fast doppelt so viel Frischwasser wie ein herkömmliches Kraftwerk.
Was momentan an Verbesserung des Wirkungsgrades im Kraftwerksbetrieb erarbeitet wird, würde die CCS-Technologie im Nu wieder zunichte machen.

CCS ist gefährlich

Das von den restlichen Abgasen abgetrennte und komprimierte CO2 soll via Lkw, Züge oder Pipelines zu geologischen Speichern transportiert werden. In Deutschland kommen vor allem erschöpfte Öl- und Gasfelder in Frage, außerdem „salinare Aquifere“. Das sind mit Salzwasser gefüllte poröse Gesteinsschichten in 1000 bis 4000 Metern Tiefe, die von der Umwelt abgeschlossen sind. Wie sicher diese Endlager sind, weiß aber niemand genau. Bei der Lagerung von CO2 besteht grundsätzlich die Gefahr, dass es zurück an die Oberfläche wandert. Leckagen, undichte Stellen, an denen CO2 dann  hochkonzentriert austritt, würden Menschenleben gefährden und Boden und Grundwasser verseuchen.
Bei einer Leckage-Rate von nur einem Prozent, bei der also jährlich ein Prozent des eingepressten Kohlendioxids wieder in die Atmosphäre gelangt, wäre dem langfristig notwendigen Klimaschutz kaum geholfen. Schon nach zehn Jahren verblieben nur noch 90 Prozent des mühsam für alle „Ewigkeit“ gespeicherten Kohlendioxids in der Erde.

CCS ist teuer

Die Kostenschätzungen für die CCS-Technologie variieren stark, doch ein „Schnäppchen“ ist nicht dabei. Teuer wird neben dem Nachrüsten der Kraftwerke besonders der Bau von Pipelines und CO2-Verpressungsanlagen.
Nach einer Studie der Unternehmensberatungs-Gesellschaft McKinsey verlangt allein die Entwicklung der CCS-Technik in Europa eine rund zehn Milliarden schwere Anschubfinanzierung aus den Staatskassen – zu Lasten der Steuerzahler also. Die Entsorgung von einer Tonne CO2 würde zwischen 60 und 90 Euro kosten. Da sich die Kraftwerks-Betriebskosten so nahezu verdoppeln, ist auch mit höheren Strompreisen zu rechnen – 20, 50, 100 Prozent teurer? Es ist nicht absehbar. So wird sich die CCS-Technologie vermutlich als nicht wettbewerbsfähig herausstellen. Noch dazu verschlingt sie Gelder, die dringend zur Entwicklung nachhaltiger Energien benötigt werden, da diese das Klima ab sofort und weitaus kostengünstiger schonen.

CCS birgt Haftungsrisiken

Bei einer Risiko-Technologie wie CCS stellt sich die Frage: Wer haftet eigentlich für mögliche Schäden aufgrund von Leckagen, etwa für erkrankte Menschen, verschmutztes Trinkwasser oder vermehrte Treibhausgasemissionen?
Schon weil die Gefahren nicht kalkulierbar sind, kann die vorhandene Gesetzgebung die Frage der Haftbarkeit nicht klären. Die Industrie ist jedoch nicht bereit, hohe Summen in die CCS-Technologie zu
investieren, solange sie nicht von der langfristigen Haftung befreit wird. So drängen manche mögliche Betreiber auf eine zeitlich begrenzte Haftung für permanent gelagertes CO2 auf zehn Jahre. Viele Befürworter von CCS fordern von den Regierungen sogar nahezu vollständigen rechtlichen Schutz.
Womöglich muss am Ende die Öffentlichkeit das Risiko für die CO2-Lagerung tragen und für daraus entstehende Schäden zahlen.

Quelle: Greenpeace-Flugblatt anlässlich einer Protestaktion zum geplanten CSS-Gesetz am 25.03.09