KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Moore und Torf – die effektivsten CO2-Speicher der Erde in Gefahr

Allgemeines zu Moor und Torf

Moore sind nasse Lebensräume. Der ständige Wasserüberschuss aus Niederschlägen oder Mineralbodenwasser bedeutet einen Sauerstoffmangel und führt zu einem unvollständigen Abbau der pflanzlichen Reste, die als Torf abgelagert werden.

Sonnentau im Moor
Der geschützte Sonnentau wächst in Mooren – Foto: Dagmar Struß

Durch die Anhäufung von Torf wächst die Oberfläche von lebenden Mooren in die Höhe. Im Gegensatz zu Sümpfen  herrscht in Mooren eine permanente Wassersättigung. Gelegentliches Austrocknen führt in Sümpfen zu einem vollständigen Abbau der organischen Substanz zu Humus. In Mooren ist durch die permanente Wassersättigung dieser Abbau gehemmt, so dass Torf entstehen kann.

Quelle: Wikipedia – dort auch mehr Informationen über Entstehung und Vorkommen

Moor und Torf als CO2-Speicher

Moorgebiete sind gigantische Kohlenstoffspeicher: Sie beherbergen weltweit mindestens 550 Gigatonnen Kohlenstoff, obwohl sie nur drei Prozent der Landoberfläche bedecken. Zum Vergleich: Die gesamte globale Vegetation speichert nur 600 Gigatonnen, der Mensch emittiert etwa acht Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr durch Verbrennung fossiler Energieträger.

Quelle : KlimaCampus / Universität Hamburg

Der NABU hat zum Thema “Klimaschutz natürlich – Die Bedeutung von Mooren für Natur und Klima” eine informative Broschüre zum Thema herausgegeben.

Die große wirtschaftliche Bedeutung der Moore für den Klimaschutz

Die Renaturierung / Wiedervernässung von Mooren besitzt nicht nur eine herausragende Bedeutung für den Schutz gefährdeter Arten, Biotope und Landschaften, sondern leistet auch einen effektiven und wirtschaftlichen Beitrag zum Klimaschutz.

Diesem Thema hat sich das Bundesamt für Naturschutz in seiner Studie “Beitrag ausgewählter Schutzgebiete zum Klimaschutz und dessen monetäre Bewertung” gewidmet. (Stand: März 2013)

Hier gibt es mehr Infos zur BfN-Studie

Moore in Gefahr

In Anbetracht dessen, welche Bedeutung die weltweiten Moore für den Klimaschutz besitzen, ist es eine Tragödie mit anzusehen, wie ein Moor nach dem anderen zerstört wird.

Ganz extrem betrifft die Zerstörung das Land Indonesien, wo Moore entwässert werden, m hier Palmölplantagen zu errichten.

Kleine Forschritte sind vorhanden. So verspricht seit kurzem das indonesische Forstministerium, zukünftig keine Genehmigungen für die Umwandlung von Torfwäldern in Plantagen zu vergeben. Das kümmert die Großkonzerne jedoch wenig. Insbesondere der Konzern Sinar Mas zerstört unvorstellbar große Moor- und Urwaldflächen und macht auch nicht halt vor Menschen und Tieren, die im Urwald leben.

Sinar Mas beliefert renommierte Firmen wie z.B. Burger King und Pizza Hut mit Palmöl. Hier war exemplarisch Nestlé in der Kritik, die dieses Palmöl u.a. für ihre Kitkat-Schokoriegel verwenden.  Diese nahmen die Kritik zuerst nicht ernst. Nach großen Verbraucher-Protesten handelten sie jedoch und rangen dem Palmöl-Belieferer ab, den nachhaltigen Anbau zu garantieren.

Genützt hat dieses nicht, denn die Zerstörungen durch Sinar Mas gehen weiter. Da der Konzern selbst massivem Druck ausgesetzt ist, hatte er eine unabhängige Untersuchung veranlasst, um die Anschuldigungen zu überprüfen, die vor allem von Greenpeace massiv erhoben werden. Als dieses Audit nun ergab, dass die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen, hat das Unternehmen die Ergebnisse manipuliert.

Einen schweren Schlag hatten nun die russischen Moore zu verkraften. Im Juli 2010 waren gerade Wissenschaftler der Uni Hamburg aufgebrochen, um die Klimaschutz-Relevanz der russischen Moore zu erforschen. Bereits wenige Tage später – im August 2010 – wüteten in Russland bereits  zahlreiche Brände, die nicht zu löschen waren und große Moorgebiete zerstörten.

Zerstörung der Moore durch die Landwirtschaft

45 Millionen Tonnen klimaschädlicher Treibhausgase im Jahr und damit fünf Prozent der Emissionen Deutschlands stammen aus entwässerten und genutzten Mooren. Damit gehören genutzte Moore zu den größten Quellen von Treibhausgasen in Deutschland. Das macht eine NABU-Studie zum aktuellen Kenntnisstand der Forschung deutlich.
Der NABU fordert Bund und Länder auf, die Subventionierung des Maisanbaus zur Biogaserzeugung zu streichen und stärker in den Moorschutz zu investieren. Förderprogramme müssen die Wiederherstellung geschädigter Moore ermöglichen und die Rückführung von Acker in Grünland finanziell unterstützen. Mit einer gleichzeitigen Anhebung des Grundwasserstandes und einer extensiven Nutzung kann ein wesentlicher Beitrag für den Klimaschutz geleistet werden. [Quelle: NABU - Stand: 03/2013]

Wiedervernässung und Renaturierung – Paludikultur
sowie diverse Moorschutzprojekte

In Deutschland erkennt man – nicht zuletzt durch steten Druck der Umweltverbände – immer mehr die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz. So gibt es hier Projekte zur Wiedervernässung – z.B. am niedersächsischen Theikenmoor.

Deutschland unterstützt auch osteuropäische Länder bei der Wiedervernässung ihrer Moore. Das Bundesumweltministerium (BMU) finanziert z.B.  im Rahmen der Internationalen Klima-Initiative ein Modellprojekt zur großflächigen Moorrenaturierung in Belarus (Weißrussland).

Mehr Informationen zum Thema liefert auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, für das die Untersuchung von Feuchtgebieten wie Mooren und Auenlandschaften einen wichtigen Schwerpunkt bildet.

Paludikultur nennt man die nachhaltige Landwirtschaft auf wiedervernässten Mooren.

„MoorFutures“ ist die erste regionale Initiative zum Handel mit Emissionszertifikaten aus wiedervernässten Mooren. Es wurde am Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald entwickelt und wird nun durch das Land Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt. Damit können Unternehmen ihre Emissionen faktisch vor der Haustür kompensieren. Gerade für osteuropäische Länder mit großen entwässerten Moorflächen können „Moorfutures“ sehr interessant sein.
MoorFutures Website

Durch den im Jahr 2011 von NABU und Volkswagen Leasing gegründeten Deutschen Moorschutzfonds werden mittlerweile über zehn Projekte dauerhaft unterstützt.
Allein durch die drei großen niedersächsischen Projekte im Lichtenmoor, am Theikenmeer und im Großen Moor bei Gifhorn können auf lange Sicht über 800.000 Tonnen klimaschädliches CO2 eingespart werden.

DBU fördert Wiederbelebung erzgebirgischer Moore in einem deutsch-tschechischen Modellprojekt

Die erzgebirgischen Moore sind bedroht. Um die Hochmoore im Erzgebirge vor dem Austrocknen zu schützen, fördert die DBU ein grenzübergreifendes Projekt des Zweckverbands Naturpark „Erzgebirge/Vogtland“ in Deutschland und Tschechien. Das Projekt soll den Wasserhaushalt der Moore wiederherstellen, um das Torfwachstum zu unterstützen.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und nach seinem Abschluss ist eine zweisprachige Konferenz über „Grenzüberschreitenden Moorschutz“ angedacht. (Stand: Februar 2013)

Mehr Informationen zum Projekt gibt es bei der DBU

Moore in Deutschland

In Deutschland sind 99% aller Moore zerstört (degradiert) und verursachen über fünf Prozent aller [deutschen] Treibhausgasemissionen. (BfN 02/2012)

Von einst etwa 500.000 Hektar Hochmoorfläche in Deutschland sind nur etwa 30.000 Hektar übrig geblieben. Moore erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Durch ihr hohes Wasserspeicher-Vermögen sind sie sehr wichtig als natürlicher Hochwasserschutz und Grundwasserspeicher. Dank ihrer beträchtlichen Reinigungskraft sind Moore unverzichtbar für den Erhalt unserer Trinkwasservorräte. Sie leisten darüber hinaus auch einen großen Beitrag zum globalen Klimaschutz, da Moore enorme Mengen an Kohlenstoff speichern – weit mehr, als dies Wälder tun. Sie beherbergen außerdem eine Vielzahl von hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten, darunter Torfmoose, Zwergbirke oder die Moosbeere, Libellenarten wie die Große Moosjungfer, zahllose Tagfalter wie der Hochmoor-Perlmutterfalter und den Hochmoor-Gelbling. Durch die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes sind sie jedoch zunehmend in ihrem Bestand bedroht. Da diese Arten an die oft sehr nährstoffarmen Bedingungen in den Moorgebieten angepasst sind, können sie nicht auf andere Standorte ausweichen.

In Anbetracht dessen, wie schnell der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität voranschreiten, reichen die deutschen Maßnahmen bei weitem noch nicht aus. Umweltverbände fordern daher von der Bundesregierung ein Programm zur Renaturierung von Mooren.


Niedersachsen stellt alle Moore unter Schutz

Die neue rot-grüne Landesregierung will den Torfabbau in allen niedersächsischen Mooren einstellen und die Moore als natürliche CO2-Speicher definieren. Die Grundlage für den Moorschutz in Niedersachsen soll eine aktuelle Bestandsanalyse der Hoch- und Niedermoore bilden. Ziel ist es, Böden mit hohen Kohlenstoffgehalten wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen. So soll ihre Klima- und Bodenschutzfunktion zurückgewonnen werden. Mittel- bis langfristig möchte die Landesregierung ein Moorschutzsystem „Norddeutsche Moorlandschaft” schaffen. Hierfür sollen die Flächen zusammengestellt sowie Schutzziele und Nutzungen im kooperativen Dialog mit der Bevölkerung, den Landwirten und Verbänden festgelegt werden. Komplette Meldung der Landesregierung vom 09.04.2013


Weiterführende Infos

Der NABU hat eine informative Website zum Moorschutz zusammen gestellt

Infos zu Paludikultur von der Uni Greifswald.

Die Zeitschrift „Natur und Landschaft“ hat ein Schwerpunktheft zum Thema erstellt und gibt einen Überblick über die Situation der Moore und des Moorschutzes weltweit und in Deutschland. Konkreter Handlungsbedarf wird aufgezeigt, und verschiedene Ansätze, Möglichkeiten und Chancen der Moorrestitution werden dargestellt.
Das Heft (02/2012) kostet 7,60 Euro plus Versand und kann hier bestellt werden.