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Waldberichte, Waldwirtschaft & Co (Deutschland)

Waldzustandsbericht 2012: Landwirtschaftsministerium erkennt Verbesserung – BUND sieht im Bericht ein Armutszeugnis für die deutsche Waldpolitik

Der Gesamtzustand des deutschen Waldes hat sich nach Angaben des Ministeriums 2012 im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Sie kommentieren den Bericht:

Erholt haben sich vor allem die Buchen. Der Kiefer geht es so gut wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Eichen weisen hingegen schon seit rund zehn Jahren einen schlechten Kronenzustand auf. Dieser Trend setzt sich aufgrund eines hohen Befalls von Raupen und der Pilzkrankheit Mehltau fort. Insgesamt haben 39 Prozent der Waldfläche keine Schäden an den Baumkronen, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 36 Prozent der Bäume weisen leichte Schäden auf (2011: 35 Prozent). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Kronenverlichtungen ist von 28 Prozent im Jahr 2011 auf nun 25 Prozent gesunken. Im Durchschnitt hat sich die Kronenverlichtung von 20,4 auf 19,2 Prozent vermindert.

Rund ein Drittel der Landesfläche in Deutschland besteht aus Wald (11,1 Millionen Hektar). Die häufigsten Baumarten sind hierzulande die Nadelbäume Fichte (28 Prozent) und Kiefer (24 Prozent), gefolgt von den Laubbäumen Buche (15 Prozent) und Eiche (10 Prozent). Alle vier Baumarten nehmen zusammen rund drei Viertel der Waldfläche ein. Als Indikator für den Zustand des Waldes dient den Förstern die Bewertung der Baumkrone. Die Abweichung von einem voll benadelten bzw. voll belaubten gesunden Baum der jeweiligen Art (Kronenverlichtung) wird in mehreren Stufen ermittelt. Die Schadstufen 2, 3 und 4 werden der Kategorie “deutliche Kronenverlichtungen” zugeordnet. Das entspricht einer Kronenverlichtung von mehr als 25 Prozent. Schadstufe 1 mit Kronenverlichtungen zwischen 11 und 25 Prozent gilt als Warnstufe. Schadstufe 0 umfasst alle Bäume mit bis zu zehn Prozent Kronenverlichtung. Die mittlere Kronenverlichtung ist der Mittelwert aller untersuchten Bäume.

Der BUND kritisiert die im Waldzustandsbericht angewendete Methode, starke Fraß- und Mehltauschäden als natürliche Erscheinungen einzuordnen.
“Der schlechte Bodenzustand, verursacht von Schadstoffemissionen aus Landwirtschaft und Verkehr, ist nach wie vor Hauptursache für die Erkrankungen der Bäume”, sagte Weiger.

Eine weitere Ursache seien Wald-Monokulturen mit der Dominanz von Fichten- und Kieferforsten. Sie seien artenarm und instabil und deshalb anfällig für Käferbefall und Sturmschäden. Die übermäßige Nutzung von Holz als Brennstoff lauge die Böden zusätzlich aus, da kaum noch Restholz und Rinde im Wald verblieben.

“Dem Wald helfen am Ende auch keine Insektenvernichtungsmittel und kein Dünger. Eine nachhaltige Forstwirtschaft muss die Wälder als Ganzes erhalten und pflegen. Ein Wald, der vom Menschen gedüngt werden muss damit er nicht stirbt, ist vom Zustand der Nachhaltigkeit weit entfernt. Eine nachhaltige Waldpolitik muss dafür sorgen, dass wir ausgedehnte und wildwüchsige Wälder haben, in denen Bäume jeden Alters und Lebensgemeinschaften höchster Vielfalt überleben können”, sagte der BUND-Vorsitzende.

Zehn Prozent des Waldes müssten außerdem als „Urwälder von Morgen“ in möglichst zusammenhängenden Flächen einer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Auf den übrigen 90 Prozent der Waldfläche in Deutschland müsse es eine ökologisch verträgliche Forstwirtschaft geben, forderte Weiger. Dabei müssten für den Wald wesentliche Eigenschaften wie das Vorhandensein ausreichender Bodennährstoffe, die Speicherfähigkeit für Kohlendioxid, die Artenvielfalt sowie die Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes verbessert werden. Es gebe hierzulande bereits eine Reihe nachahmenswerter Beispiele wie den Lübecker Stadtwald oder mit dem FSC-Siegel zertifizierte Forstbetriebe in ganz Deutschland.

Zum Waldzustandbericht 2012 (hier sind die Ergebnisse auch nochmal auf die Bundesländer heruntergebrochen. Zudem finden sich hier auch die Waldzustandsberichte der Vorjahre)


Der Waldbericht der Bundesregierung 2009 (PDF)

Integrierte Strategie zur Minderung von Stickstoffemissionen (Amt für Naturschutz, PDF)

Die Bundesregierung veröffentlichte am 10. Juni 2009 den Waldbericht. Dieser benennt Ursachen für den immer noch sehr schlechten Waldzustand und zeigt Gegenmaßnahmen auf. Die Waldzustandserhebung in Deutschland zeigt: Nach wie vor sind mehr als zwei Drittel der Waldbäume geschädigt, 26 Prozent sogar stark. Mehr als die Hälfte der Eichen weist starke Kronenverlichtungen auf. Das ist ein neuer Höchststand. Verantwortlich für den schlechten Zustand der Wälder sind verschiedene Gründe, wobei die vom Menschen verursachten Luftverunreinigungen – und hier vor allem Stickstoffverbindungen – einen besonders großen Anteil haben.

Die integrierte Strategie zur Minderung der Stickstoffemissionen des Umweltbundesamtes (UBA) stellt Maßnahmen zur Verringerung der landwirtschaftlichen Stickstoffemissionen – wie etwa den sparsamen Einsatz stickstoffhaltiger Handelsdünger und stickstoffoptimierte Fütterung – als besonders wirkungsvoll und kosteneffizient heraus. Sie haben zudem deutliche Synergien: Neben dem Wald profitieren auch Gewässer und Klima.

Der Waldbericht der Bundesregierung stellt die Notwendigkeit der Minderung der Luftverunreinigungen dar, insbesondere der Freisetzung von Stickstoffverbindungen, die den Zustand der Wälder negativ beeinflussen. Stickstoffverbindungen stören durch einseitige Überdüngung und Säurebildung das Nährstoffgleichgewicht in Pflanzen und Böden. Waldbäume werden dadurch anfälliger gegenüber anderen Belastungsfaktoren wie etwa klimatische Einflüsse oder Schädlingsbefall. Darüber hinaus sind Stickstoffoxide aus Industrie und Verkehr Vorläuferstoffe für bodennahes Ozon, das zu direkten Blatt- oder Nadelschäden bei Waldbäumen und Wildpflanzen führt und ihre Vitalität mindert.

Wälder bedecken rund ein Drittel der Landfläche Deutschlands. Sie vollbringen für den Menschen unverzichtbare Dienstleistungen. Zu diesen gehören neben der Holzproduktion unter anderem auch die Wasserspeicherung und -filterung, der Schutz vor Hochwasser und Bodenerosion, der klimatische Ausgleich, die Funktion als Lebensraum für Pflanzen und Tiere sowie als Raum für Erholung und Inspiration für den Menschen. Es droht die Gefahr, dass der Wald durch die Schadstoffeinträge seinen vielfältigen wichtigen Funktionen langfristig nicht mehr gerecht werden kann.

Zum Schutz der Ökosysteme verpflichtete sich Deutschland im Rahmen der Genfer Luftreinhaltekonvention und der EU-Richtlinie über nationale Emissionsobergrenzen, den Ausstoß von Luftverunreinigungen bis 2010 deutlich zu reduzieren. Diese Ziele werden in Bezug auf Stickstoffverbindungen durch die bisher ergriffenen Maßnahmen voraussichtlich nicht erreicht. Daher hat das UBA eine integrierte Strategie zur Minderung der Stickstoffemissionen erstellt. Diese Strategie weist deutliche Synergieeffekte und somit vielfältigen Nutzen auch für andere Ökosysteme aus. Besonders hohe Emissionsminderungspotenziale bei gleichzeitiger Kosteneffizienz geeigneter Maßnahmen bestehen in der Landwirtschaft. Sie ist für mehr als die Hälfte aller Stickstoffemissionen verantwortlich. Aber auch Maßnahmen im Verkehrssektor – wie die Ausweitung der LKW-Maut auf alle LKW über 3,5 t und alle Fernstraßen und eine zügige Einführung schwerer Nutzfahrzeuge, die die EURO-VI-Norm erfüllen – sowie weitere Emissionsminderungen bei der Stromproduktion in Großfeuerungsanlagen, tragen zu verringerten Einträgen gasförmiger und gelöster Stickstoffverbindungen in die Ökosysteme bei. Von solchen Maßnahmen profitieren nicht nur die deutschen Wälder, sondern auch unsere Binnen- und Küstengewässer sowie das Klima.

Quelle: Amt für Naturschutz 06/09


Waldzustandsbericht 2009

Das Bundeslandwirtschaftsministerium legt den Waldzustandsbericht 2009 vor und berichtet, dass es fast allen deutschen Bäumen etwas besser geht.

CO2-Speicher Wald
CO2-Speicher Wald – (c) Ingwer Hansen

Leider hat sich gerade der Kronenzustand vieler Buchen stark verschlechtert. Dies sei vor allem auf den Fruchtbehang zurückzuführen.

Die Ergebnisse der Erhebung im Einzelnen:

Im Durchschnitt beträgt der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen in den Schadstufen 2 bis 4 etwa 27 Prozent. Im Jahr 2008 lag der Anteil bei 26 Prozent. Der Anteil ohne Verlichtung betrug 2009 rund 36 Prozent (2008: 31). Die mittlere Kronenverlichtung ist leicht von 20,4 auf 19,7 Prozent zurückgegangen.

Die Einschätzung der Kronenverlichtung erfolgt im Vergleich zu einem vollbenadelten oder vollbelaubten gesunden Exemplar der jeweiligen Baumart auf einer Schadstufenskala von 0 bis 4. Die Schadstufen 2, 3 und 4 werden dabei der Kategorie “deutliche Kronenverlichtungen” zugeordnet.

Die Hauptbaumarten haben sich wie folgt entwickelt:
  • Bei der Fichte ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 30 auf 26 Prozent zurückgegangen. Auch die mittlere Kronenverlichtung ging gegenüber dem Vorjahr von 20,8 auf 19,4 Prozent zurück.
  • Auch die Kiefer hat sich gegenüber dem Vorjahr erholt. Der Anteil deutlicher Kronenverlichtungen beträgt 13 Prozent (2008: 18). Die mittlere Kronenverlichtung ging von 18,9 auf 15,8 Prozent zurück.
  • Bei der Eiche ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 52 auf 48 Prozent zurückgegangen. Die mittlere Kronenverlichtung ging ebenfalls zurück, von 28,3 auf 26,5 Prozent.
  • Nur bei der Buche stieg der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen innerhalb eines Jahres um 20 Prozentpunkte auf 50 Prozent. Das ist ein ähnlicher Anstieg wie er 2004 als Reaktion auf den trockenen und heißen Sommer 2003 zu verzeichnen war. Die mittlere Kronenverlichtung hat sich dagegen von 22,0 auf 27,0 Prozent erhöht.

Bucheckern

Ursache für das vergleichsweise schlechtere Abschneiden der Buche war der üppige Behang mit Bucheckern. Die Buchensamen sind eine entscheidende Grundlage für den Nachwuchs im Wald und die Anpflanzung neuer Waldbestände. Die Samenbildung geht bei der Buche aber teilweise auch zu Lasten der Belaubung. Zudem sorgte ein trockener August mit überdurchschnittlichen Temperaturen dafür, dass die Blätter schneller vertrockneten und abfielen. Ungewöhnlich ist die Häufung der guten Samenjahre der Buche im letzten Jahrzehnt. Da die Fruchtbildung dieser Baumart von der Sommertemperatur des Vorjahres mitbestimmt wird, liegt ein Zusammenhang mit dem Klimawandel nahe.

“Besonders durch den Klimawandel wird der Schutz und die sinnvolle Nutzung unserer Wälder immer wichtiger. Die Wälder leisten einen bedeutsamen Beitrag zum Klimaschutz. Mit 330 Kubikmetern Holz pro Hektar gehört der deutsche Wald zu den vorratsreichsten CO2-Speichern in Europa”, sagte Aigner. In der ober- und unterirdischen Biomasse (Holz, Laub/Nadeln und Wurzeln) sind 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden. Wird der Waldboden in die Rechnung einbezogen, erhöht sich der Kohlenstoffspeicher um fast eine weitere Milliarde Tonnen.

Durch die Speicherung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten wird die positive Klimawirkung der Wälder weiter verstärkt. Jeder Kubikmeter Holz enthält etwa 0,3 Tonnen Kohlenstoff, der in Gebäuden und Produkten wie Möbeln jahrzehntelang gebunden ist. Holz kann dabei energieintensive Materialien ersetzen und Treibhausgasemissionen, die bei der Produktion anderer Materialien entstehen, in erheblichem Ausmaß einsparen.

Hinzu kommt die energetische Verwendung von Holz, die einen wichtigen Beitrag zur Verringerung fossiler Brennstoffe leistet. Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft trägt somit bedeutsam dazu bei, dass die von der Bundesregierung beschlossenen Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen eingehalten werden können. Die Wälder für den Klimawandel zu rüsten, ist eine wichtige Zukunftsaufgabe, bei der die Forstwirtschaft der Unterstützung bedarf. Bundesministerin Aigner fordert zu diesem Zweck die Einrichtung eines Waldklimafonds, der aus einem Teil der Emissionshandelserlöse gespeist wird.

Stand: Januar 2010


Nachhaltige Waldwirtschaft – Eine Bilanz der Förderprojekte des BMBF

Autoren, Redakteure und Herausgeber legen nun die Broschüre „Nachhaltige Waldwirtschaft. Ein Förderschwerpunkt des BMBF in der Bilanz“ vor.

Die Nachlese bündelt das gleichnamige Forschungsprogramm, das zwischen 2004 und 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 30 Millionen Euro gefördert wurde.

www.nachhaltige-waldwirtschaft.de

Stand: Februar 2013