KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Ozon und Feinstaub stellen EU-weit das größte Luftverschmutzungsproblem dar

Freitag 11. November 2011 von birdfish

Zwar ist die Luftqualität in Europa zwischen 1999 und 2009 besser geworden, aber immer noch gefährden verschiedene Schadstoffe die Gesundheit der europäischen Bevölkerung.

Smog über Wien
Smog über Wien – Foto: Adolf Riess / Pixelio

Das ist das Ergebnis der neuesten Auswertung der Luftdaten durch die Europäische Umweltagentur (EEA).

Doch auch wenn insgesamt die Luftqualität besser geworden ist, muss noch mehr getan werden, um die Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung und die negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Die bodennahen Ozonwerte und der Gehalt an Feinstaub (PM) in der Luft ist in den letzten Jahren nahezu konstant auf zu hohem Niveau geblieben. Um die Luftqualität zu verbessern, müsse es viele unterschiedliche Maßnahmen geben, so die EEA, unter anderem die Reduktion von Emissionen an deren Quellen, bessere Stadtplanung und die Veränderung des individuellen Lebensstils.

Ozon und PM seien die problematischsten Schadstoffe für die Gesundheit. Sie können Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen verursachen oder verschlimmern, die wiederum zu vorzeitigen Todesfällen führen können. Eutrophierung, ein Überangebot an Nährstoffen wie Stickstoff in terrestrischen und aquatischen Ökosystemen, ist ein weiteres großes durch Luftverschmutzung verursachtes Problem. Der Ausstoß von Ammoniak (NH3) aus der Landwirtschaft und Stickoxiden (NOx) oder Schwefeldioxid aus Verbrennungsprozessen, die zur Versauerung des Regens und Eutrophierung beitragen, sind in den letzten Jahren allerdings gesunken.

Der jährliche Bericht der EEA umfasst die Daten von 38 Ländern in Europa. Viele der EU-Mitgliedstaaten konnten auch 2010 und 2011 bei mindestens einem Luftschadstoff nicht die Grenzwerte einhalten.

Zu den Ergebnissen des EEA-Jahresbericht über Luftqualität im Einzelnen:

Feinstaub:

Zwanzig Prozent der städtischen EU-Bevölkerung lebt in Gebieten, in denen der im EU-Recht vorgegebene 24-Stunden-Grenzwerte für Feinstaub in der Größe von 10 Mikrometern (PM10) im Jahr 2009 überschritten wurde. Für die 32 Mitgliedsländer der EEA liegt der Wert sogar noch höher, bei 39%. Legt man den strengeren Richtlinienwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde, leben aber sogar 80 bis 90 Prozent der städtischen EU-Bevölkerung in Gebieten, in denen der PM10-Feinstaubwert zu hoch ist. Diese Situation scheint sich auch trotz Gegenmaßnahmen bisher nicht zu verbessern.

Ozon

Ozon wird nicht direkt emittiert, sondern ist das Produkt einer chemischen Reaktion zwischen anderen Gasen. Obwohl vom Menschen verursachten Emissionen von vielen dieser “Vorprodukte” abgenommen hat, sind die Ozonwerte zwischen 1999 und 2009 nicht deutlich gesunken. Etwa 17% der europäischen BürgerInnen leben in Gebieten, in denen das EU-Ziel für Ozon-Konzentration im Jahr 2009 überschritten wurde. Wenn die Ozonwerte mit den strengeren Richtlinien der WHO verglichen werden, wurde 2009 mehr als 95% der städtischen EU-Bevölkerung über diesem Niveau ausgesetzt. Auch über ein Drittel der Ozonwerte der gesamten Ackerfläche der 32 EEA-Mitgliedsländer liegen über dem EU-Ziel-Niveau.

Schwefeldioxid (SO2)

Die SO2-Werte in Europa sind zwischen 1999 bis 2009 unm etwa die Hälfte gesunken. Das hat dazu beigetragen, die fortschreitende Versauerung durch sauren Regen zu bremsen. Auch hier sind die EU-Grenzwerte weniger streng als die der WHO. Nur wenige EU-StadtbewohnerInnen sind höheren SO2-Werten ausgesetzt als von der EU vorgegeben. Nimmt man die WHO als Basis sind allerdings 68 bis 85% der EU-städtischen Bevölkerung einer Konzentration oberhalb des WHO-Richtlinien ausgesetzt.

Stickstoffdioxid (NO2)

Die NO2-Konzentrationen sind in den letzten Jahren leicht zurückgegangen. Überschreitungen gab es in der Regel in der Nähe von Hauptstraßen. Zwölf Prozent der europäischen Stadtbevölkerung leben allerdings auch jenseits von Verkehrsadern in Gebieten mit NO2-Konzentrationen oberhalb von EU- und WHO-Grenzwerten.

Schwermetalle

Atmosphärische Konzentrationen von Arsen, Cadmium, Blei und Nickel sind in Europa im Allgemeinen gering. Allerdings kommt es mitunter zu erhöhten Schwermetallkonzentrationen in Böden, Sedimenten und Organismen. Trotz erheblicher Reduktion der Schwermetallemissionen seit 1990 in der EU ist das Risiko für die europäischen Ökosystemen weiterhin groß.

Quelle: DNR

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EU-Kommission hat ihren Fahrplan für ein ressourcenschonenendes Europa vorgelegt

Donnerstag 13. Oktober 2011 von birdfish

Die EU-Kommission hat ihren Fahrplan für ein ressourcenschonenendes Europa vorgelegt.

Buddeln bis es nicht mehr geht?
Ressourcen schonen geht anders – Foto: jurec / Pixelio

Damit will sie aufzeigen, wie der Ressourcenverbrauch gemessen und vom Wirtschaftswachstum entkoppelt werden kann.

Fortschritte hin auf dem Weg zu einem nachhaltigen Niveau des europäischen Ressourcenverbrauchs sollen mit einem “vorläufigen Leitindikator” gemessen werden, der von einer “Anzeigetafel” weiterer Indikatoren ergänzt werden soll. Als Leitindikator hat die Kommission Ressourcenproduktivität gewählt – also das Verhältnis von BIP zur Masse des domestischen Materialverbrauchs. Der Indikator soll perspektivisch verbessert werden und dann auch den Rohstoffverbrauch außerhalb der EU berücksichtigen.

Umweltverbände haben den Leitindikator scharf kritisiert: “In der Güterproduktion Material effizienter zu nutzen, reicht nicht aus, um die vielfältigen Probleme der Übernutzung natürlicher Ressourcen zu lösen”, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der EU-Umweltdachverband Friends of the Earth Europe (FOEE) forderte die Kommission auf, sich nicht auf den domestischen Materialverbrauch zu beschränken, sondern den globalen Ressourcenverbrauch der EU mithilfe von globalen Land-, Wasser- und CO2-Fußabdrücken zu messen.Als “Anzeigetafel” will die Kommission Indikatoren zu Wasser-, Land- und Werkstoffverbrauch sowie CO2 nutzen. Es bleibt in dem Fahrplan jedoch unklar, ob diese Indikatoren – wie die geforderten Fußabdrücke – eine Lebenszyklusperspektive einnehmen sollen. Auch das Zusammenspiel der Indikatoren bleibt aus FOEEs Sicht vage.

Das Europäische Umweltbüro (EEB) warnte, dass die Strategie mit konkreten regulativen Maßnahmen unterfüttert werden müsse, um das Ziel einer ressourcenschonenden Wirtschaft zu erreichen. Die Ankündigung, dass die 2014 anstehende Überarbeitung der Abfallgesetzgebung dazu genutzt werden solle, nah an das Ziel einer abfallfreien Gesellschaft heranzukommen, wurde begrüßt, ebenso wie die anvisierte Ausweitung des Geltungsbereichs der Ökodesign-Richtlinie auf nicht-energetische Ressourcen. Für letzteres seien jedoch verbindliche Ziele notwendig.

Dem Thema Internalisierung von Umweltkosten widmet der Fahrplan ein ganzes Kapitel. So soll der Abbau von umweltschädlichen Subventionen und die Umsetzung von ökologischen Steuerreformen mithilfe des Europäischen Semesters vorangetrieben werden. Dies begrüßten der Deutsche Naturschutzring (DNR) und der NABU und mahnten an, diesen Worten Taten folgen zu lassen.

Die EU-Umweltminister werden im Dezember Schlussfolgerungen zu dem Fahrplan verabschieden. Die Kommission werde dann die entsprechenden politischen und Legislativvorschläge zu seiner Durchführung vorlegen, heißt es in der begleitenden Pressemeldung der Kommission. Auch die Mitgliedstaaten müssten auf ihrer Ebene tätig werden.

Parallel hat die Kommission ihren Fortschrittsbericht der thematischen Strategie zu Ressourcen im Rahmen des 6. Umweltaktionsprogramms veröffentlicht. Darin stellt sie fest, dass es trotz Verbesserungen bei einzelnen Ressourcen weiterhin notwendig ist, einen umfassenden und strategischen Ansatz zu Ressourceneffizienz auf EU-Ebene zu verfolgen.

Quelle: DNR

Ressourceneffizienzfahrplan (PDF)

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NABU: Wirtschaftsminister Rösler soll die EU-Effizienzrichtlinie nicht verwässern

Freitag 16. September 2011 von birdfish

Der NABU ist alarmiert über die Bestrebungen von Bundeswirtschaftsminister Rösler, die wirksamsten Energiesparmaßnahmen aus dem Entwurf für die neue EU-Energieeffizienz-Richtlinie zu streichen.

Energieeffizienz durch Haussanierung
Energieeffizienz durch Häusersanierung – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

„Die derzeit in Brüssel diskutierte Effizienz-Richtlinie ist eine logische Konsequenz der europäischen Klimabeschlüsse von 2007 unter der EU-Ratspräsidentschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wenn Wirtschaftsminister Rösler die Richtlinie jetzt entkernen will, verspielt er für Deutschland immense Marktchancen durch intelligente Dienstleistungen und Technologien zum Energiesparen“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke vor dem heutigen energiepolitischen Gespräch der Umweltverbände im Bundeskanzleramt. „Statt die Richtlinie zu verwässern, braucht die deutsche Energiepolitik jetzt das Eingreifen einer Effizienzkanzlerin Angela Merkel, sonst setzt sich die verheerende Politik eines Ministeriums für Wirtschaft und Energieverschwendung durch“, meint der NABU-Präsident.

Besonders schlecht ist aus Sicht des NABU die pauschale Ablehnung eines absoluten EU-Einsparziels in Höhe von 20 Prozent weniger Energieverbrauch bis 2020 durch das Wirtschaftsministerium. Statt den enormen Energiehunger der EU tatsächlich zu senken, reicht es Minister Rösler offenbar schon, wenn der Energieverbrauch künftig weniger stark wächst als die Wirtschaft. Aber diese Position steht in krassem Kontrast zum Energiekonzept der Koalition, in dem sich die Bundesregierung verpflichtet hat, den Primärenergieverbrauch in Deutschland bis 2020 um ein Fünftel zu reduzieren. „Erst ein ambitioniertes Energiekonzept für Deutschland verabschieden und dann in Brüssel die eigene Politik unterwandern – das ist doppelzüngig“, kritisiert Tschimpke. „Wir brauchen endlich verbindliche und konkret bezifferte Energieeinsparziele für Europa und die einzelnen Mitgliedsstaaten.“

Der größte Teil der durch die Richtlinie erwarteten Energieeinsparungen stammt von einer neuen Vorgabe für Energieversorgungsunternehmen, die den Verbrauchern künftig Effizienzdienstleistungen anbieten sollen, beispielsweise Angebote für den Austausch alter Haushaltsgeräte. „Minister Rösler will diese Einsparziele für Energieversorger komplett streichen. Damit untergräbt er nicht nur die ganze Richtlinie, sondern ausgerechnet der Wirtschaftsminister verhindert auch Wachstum und Innovationen in dem neuen, riesigen Markt für Energieeffizienz“, kritisiert NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. Dabei belegt der kürzlich erschienene nationale Energieeffizienz-Aktionsplan, dass sich die Effizienzvorgabe für Energieversorger in Höhe von 1,5 Prozent Einsparungen pro Jahr locker erreichen lässt, betont der NABU-Energieexperte.

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Trittbrettfahrerei ahnden: Spieltheorie zeigt Möglichkeiten für Klimaverhandler

Mittwoch 31. August 2011 von birdfish

Bei allen internationalen Bemühungen zur Verringerung von Treibhausgas-Emissionen sind Trittbrettfahrer ein Problem.

Klimagipfel in Cancún
Namensschilder beim Klimagipfel in Cancún 2010 – Foto: IISD

Einen neuen Lösungsansatz für den Umgang mit solchen Staaten zeigt eine Studie aus der ökonomischen Spieltheorie auf, die diese Woche in der renommierten US-Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wird. Zumindest auf dem Papier ist es möglich, ein höheres Maß internationaler Zusammenarbeit zu erreichen, so ermittelten Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

„Trittbrettfahrer sind Länder, die weiter ungehemmt CO2 ausstoßen, auch wenn sich ein Großteil der internationalen Staatengemeinschaft zur Emissionsreduktion verpflichtet“, sagt Leitautor Jobst Heitzig. Sie profitieren vom Klimaschutz, den andere durch CO2 einsparende Maßnahmen wie beispielsweise die Umstellung auf erneuerbare Energien finanzieren. Dies schreckt dann auch viele jener Nationen ab, die etwas gegen die Erderwärmung tun wollen – wegen der Trittbrettfahrer erscheint ihnen das weniger lohnend. Bisher haben spieltheoretische Untersuchungen deshalb die Chancen für mehr Zusammenarbeit beim Schutz des Weltklimas als eines besonderen öffentlichen Guts „eher pessimistisch eingeschätzt“, so Heitzig.

Wenn aber die Staatengemeinschaft ein Ausbrechen aus den Emissionsreduktionen auf eine neuartige Weise zu bestrafen androht, so die Analyse der Forscher, erscheint eine langfristige internationale Kooperation beim Klimaschutz wahrscheinlicher: Stößt ein Land in einer Verpflichtungsperiode mehr CO2 aus als vereinbart, könnten die anderen Staaten in der nächsten Verpflichtungsperiode in einem bestimmten Maß dasselbe tun. „Dann können die Trittbrettfahrer nicht mehr darauf rechnen, dass andere für sie die Aufgabe des Klimaschutzes übernehmen“, so Heitzig. „Sie hätten einen Anreiz, einen eigenen Beitrag zu leisten.“

Eine solche Strategie wäre flexibel und dynamisch – sie droht nicht mit einem Abbruch der Kooperation, sondern nur mit graduellen Veränderungen, wobei die Verhältnismäßigkeit der Reaktionen gewahrt bliebe. Kurzfristig könne sich hierbei die Emissionsbilanz verschlechtern, langfristig aber stabilisiere sie sich, so das Kalkül der Wissenschaftler. Statt um bislang diskutierte und für die Weltwirtschaft problematische Sanktionen wie etwa Strafzölle geht es hier um Sanktionen im System der Emissionsreduktionen selbst, beispielsweise durch eine zeitweise Umverteilung von Emissionsrechten.

Allerdings seien in dieser Analyse „eine ganze Reihe Annahmen enthalten“, betont Heitzig. Erstens geht die Spieltheorie in der hier verwendeten Form davon aus, dass alle Akteure sich weitgehend rational verhalten. Zweitens wird angenommen, dass die Akteure im Wesentlichen das Ziel des Klimaschutzes teilen. Und drittens ist das Modell der internationalen Klimapolitik stark vereinfacht. „Es ist eine Modellstudie, die von einem im schlimmsten Falle rein eigennützigen Verhalten der Akteure bei ihrer langfristigen Kosten-Nutzen-Optimierung ausgeht.“

Jenseits der Kalküle der Spieltheorie gibt es gute Gründe für Staaten, Vorreiter des Klimaschutzes zu sein. „Sie können Vorbild für andere sein. Und wer die Nase vorn hat beim Umbau seines Energiesystems, hat auch gute Aussichten, international zum Technologieführer zu werden und Innovationen gewinnbringend zu exportieren“, erklärt PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. „Spieltheorie kann der Realpolitik keine taktischen Anleitungen geben – sie kann aber sehr wohl strategische Optionen aufzeigen.“

Die Studie entstand im Rahmen des Potsdamer Forschungs- und Technologieverbundes zu Naturgefahren, Klimawandel und Nachhaltigkeit (PROGRESS), bei dem Geo-, Klima- und Politikwissenschaftler zusammenarbeiten. Gemeinsam entwickeln sie konkrete Optionen auch für Entscheider in Politik und Verwaltung, damit diese Risiken wie dem Klimawandel wirksamer begegnen können. Innerhalb des PROGRESS-Forschungsbereiches Transdisziplinäre Konzepte und Methoden sollen die in der vorliegenden Studie dargestellten Ansätze weiter entwickelt und auf andere Themengebiete angewendet werden.

Artikel:
Heitzig, J., Lessmann, K., Zou, Y. (2011): Self-enforcing strategies for cooperation in the climate mitigation game
and other repeated public good games. Proceedings of the National Academy of Sciences [doi:10.1073/pnas.1106265108]

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Luftverpestung durch Kreuzfahrtschiffe: ‘MS Deutschland’ ist ein Alptraumschiff

Freitag 26. August 2011 von birdfish

Mit einer Protestaktion am Hamburger Kreuzfahrtterminal hat der NABU seine Kampagne „Mir stinkts! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!“ fortgesetzt.

Kampagne Mir stinkts für sauberere Kreuzfahrtschiffe
Kampagne ‘Mir stinkts’ für sauberere Kreuzfahrtschiffe

Vor dem dort ankernden „Traumschiff“ MS Deutschland protestierten Umweltschützer mit Atemschutzmasken und einem plakativ rauchenden Schiffsschornstein dagegen, dass auch das bekannteste deutsche Kreuzfahrtschiff auf hoher See mit giftigem Schweröl fährt und ohne Rußpartikelfilter die Umwelt verpestet.

„Die MS Deutschland ist Symbol für den Traumurlaub auf See – aber die Abgase des Ozeanriesens sind ein Alptraum für die Umwelt“, sagte Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg. Denn zur Gewinnmaximierung würden Kreuzfahrtreeder wie Deilmann, zu der die MS Deutschland gehört, aber auch stark wachsende Kreuzfahrtanbieter wie AIDA und TUI Cruises nicht etwa mit vergleichsweise sauberem Schiffsdiesel fahren, sondern mit dem billigsten und giftigsten aller Treibstoffe, nämlich Schweröl. Während Pkw-Diesel nur einen Schwefelgehalt von 0.001Prozent enthalten darf, dürfen Luxusliner wie AIDA Luna, Mein Schiff, sowie die MS Deutschland mit Schweröl fahren, das einen Schwefelanteil von bis zu 4.5 Prozent hat – also dem 4.500fachen dessen, was an Land erlaubt ist.

„Es ist eine Irreführung der Kunden, wenn etwa die Deilmann-Reederei auf ihrer Internetseite den „Respekt vor der Natur“ betont, ihre Schiffe aber tatsächlich mit giftigem Schweröl fahren und keinerlei System zur Abgasnachbehandlung haben“, kritisiert NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger. Der hohe Schwefelanteil des Schweröls und fehlende Rußfilter führen dazu, dass etwa die MS Deutschland auf großer Fahrt nicht nur das Klima schädigt, sondern auch die Gesundheit der Menschen gefährdet.

Tatsächlich ist die Schifffahrt in Europa mittlerweile der größte Verursacher von Schwefelemissionen. „Die Kreuzfahrtschiffe verbergen ihr zum Himmel stinkendes Umweltproblem hinter ihrer strahlend weißen Fassade. Mit dem Animationsfilm „Schwarze Brise“ zeigen wir die traurige Wirklichkeit“, erklärt Oeliger. Der Film illustriert drastisch: Ein einziges Kreuzfahrtsschiff stößt so viele Schadstoffe aus, wie 5 Millionen Autos.

Der NABU fordert die Reedereien auf, ab sofort auf die Verwendung von Schweröl zu verzichten. Insbesondere nördlich des 40. Breitengrades ist diese Maßnahme dringend nötig, denn die Auswirkungen der Rußpartikel auf das Arktis- und Grönlandeis sind besonders gravierend und verstärken das fatale Abschmelzen des Eises. Zugleich müssten alle neugebauten Kreuzfahrtschiffe mit einem Rußpartikelfilter ausgestattet werden, fordert der NABU.

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Kieler Meeresforscher untersuchen Folgen des Klimawandels mit neuer Versuchsanlage

Mittwoch 17. August 2011 von birdfish

Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) untersuchen, wie sich das Leben am Boden der Ostsee in den kommenden Jahrzehnten entwickelt.

Benthokosmen in Kiel
Benthokosmen in Kiel – Foto: J. Steffen / IFM-GEOMAR

Mit Hilfe von sechs großen Versuchstanks, den so genannten „Benthokosmen“ simulieren sie Umweltbedingungen, die sie für die Zukunft erwarten. Ziel der Forscher ist es, mögliche strukturelle und funktionale Verschiebungen in den Lebensgemeinschaften zu erfassen und deren Konsequenzen abzuschätzen.

Klimawandel – bei diesem Begriff denken die meisten Menschen an höhere Temperaturen, den Meeresspiegelanstieg oder stärkere Stürme. Doch auch die Lebewelt am Meeresboden wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern. Forscher des IFM-GEOMAR ermitteln mit Hilfe einer neuen Experimentieranlage, wie sich der Klimawandel auf die Organismen am Boden der Ostsee auswirkt.

Dafür wurden auf einem Ponton vor dem Kieler Aquarium sechs große Kunststoff-Bassins installiert, die über eine komplexe Mess- und Steuerelektronik verfügen. Jetzt beginnen die Forschungsarbeiten in den neuen „Benthokosmen“: Ein Team um den Ökologen Prof. Dr. Martin Wahl richtet darin verschiedene Lebensgemeinschaften ein und setzt diese steigenden Temperaturen, erhöhten Kohlendioxid-Werten, einer wachsenden Menge an Nährstoffen, sinkenden Sauerstoff-Mengen, abnehmenden Lichtmengen oder anderen ökologischen Veränderungen aus, welche die Forscher für die kommenden Jahrzehnte annehmen. „Wir interessieren uns für das Benthos, also die Tiere und Pflanzen am Boden der Ostsee“, erklärt Wahl. „Mit Hilfe unserer Experimente möchten wir herausfinden, wie diese Lebewesen auf den Klimawandel reagieren, ob sie sich anpassen können, wie sich die Zusammensetzung der Arten neu organisiert und ob sich damit die Funktionen und Dienste der Lebensgemeinschaft ändern.“

Für ihren ersten Versuchsaufbau sammeln die Wissenschaftler heimische und eingewanderte Organismen aus der Kieler Bucht, etwa den Blasentang Fucus vesiculosus und die eingewanderte Rotalge Gracilaria vermiculophylla, die Miesmuschel Mytilus edulis und die Meerassel Idotea baltica. „Diese Arten prägen das Ökosystem vor unserer Haustür. Sie machen einen substantiellen Anteil der Biomasseproduktion aus, tragen wesentlich zur Wasserqualität bei, und bieten einen Lebensraum und Nahrung für zahlreiche andere Arten. Ihre Reaktionen auf den Klimawandel könnten darum eine regelrechte Kettenreaktion mit Konsequenzen für die Belüftung des Wassers, die Stabilität der Küste oder den Fischbestand auslösen“, so Prof. Wahl. „Wir vermuten aber, dass die Arten der Ostsee, die ein sehr junges und variables Meer ist, resistenter gegen die Veränderungen sind als ähnlich wichtige Lebewesen zum Beispiel im östlichen Mittelmeer.“

Um diesen Vergleich zu ermöglichen, haben die Kieler zusammen mit israelischen Forschern in Haifa die Finanzierung einer baugleichen Experimentieranlage beantragt, in welcher ebenfalls die Auswirkungen des Klimawandels auf Lebensgemeinschaften untersucht werden sollen. Wahl: „Durch die Kooperation mit dem National Institute of Oceanography (NIO) ergibt sich eine Reihe interessanter Gegenüberstellungen. Zwar sind beide Meere durch ihre Randlage und den begrenzten Wasseraustausch mit den Weltozeanen gekennzeichnet. Das Mittelmeer verfügt aber über eine größere Artenvielfalt und eine größeren Anzahl an endemischen Arten, die nur in dieser Region existieren. In dem warmen, salzreichen und nährstoffarmen Wasser leben sie bereits hart am Limit – außerdem gibt es dort weitaus weniger Temperaturschwankungen als in der Ostsee. Veränderungen wird das Ökosystem an der israelischen Küste daher vielleicht schwerer verkraften können.“

Gleichzeitig mit der Kieler Experimentieranlage wird ein Infobereich im Internet eingerichtet, in dem Interessierte die aktuellen Messergebnisse ablesen und per Kamera einen Blick in die Tanks werfen können. Für die energetische Grundversorgung rüsten die Forscher ihre Anlage mit einem Solarpanel und einem kleinen Windrad aus, um bei ihrer Erforschung der Klimawandels möglichst schonend mit den Ressourcen umzugehen.

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2700 Hektar neuer Regenwald entsteht – Großprojekt Harapan auf der Insel Sumatra

Donnerstag 14. Juli 2011 von birdfish

Das Klimaschutzprojekt „Harapan Rainforest“ im indonesischen Regenwald, ist bis Ende 2013 angelegt.

Seltener Höckerstorch
Höckerstorch – der seltenste aller Störche – Foto: Hung V. Do

NABU-Präsident Olaf Tschimpke, Dr. Rudolf Specht vom Bundesumweltministerium mit Vertretern der deutschen Botschaft, Projektbeteiligten und Förderern aus England und Singapur sowie Vertretern der zuständigen indonesischen Behörden haben es besucht. Hochrangige internationale Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden unterstützen das artenreiche Projektgebiet auf der indonesischen Insel Sumatra. Außer einem feierlichen Empfang und einer gemeinsamen Baumpflanzaktion stand vor allem die Begutachtung der bisherigen Projektarbeit im Vordergrund.

Seit Ende 2009 fördert das Bundesumweltministerium das „Harapan Rainforest“-Projekt mit mehr als 7,5 Millionen Euro aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) über die KfW Entwicklungsbank. Im Rahmen einer Partnerschaft mit dem NABU und seinem britischen BirdLife-Partner Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) setzt sich die indonesische Regenwald-Stiftung Yayasan KEHI dabei für die Wiederherstellung von zerstörten Lebensräumen und einen effektiven und langfristigen Schutz des artenreichen Waldes ein. Zur Instandsetzung des Ökosystems wurden inzwischen zahlreiche Baumschulen eingerichtet, in denen dieses Jahr bis zu drei Millionen Jungpflanzen gezogen werden können. Damit können mehr als 2.700 Hektar degradierter Regenwald wiederaufgeforstet werden.

“Das Harapan-Projekt demonstriert auf eindrucksvolle Weise, wie Klimaschutz und der Erhalt der biologischen Vielfalt Hand in Hand gehen”, sagte der NABU-Präsident auf seiner Eröffnungsrede am vergangenen Sonntag. „Wir sind sehr stolz, dieses großartige Projekt zu unterstützen und damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den rasant fortschreitenden Wald- und Artenverlust zu leisten.“ Dabei sei es unabdingbar, die Lebenssituation der Bevölkerung zu verbessern und langfristige Alternativen zu bieten. Mittlerweile wurden dafür mehr als 170 „grüne Jobs“ im Bereich Waldschutz für die lokale Bevölkerung geschaffen. Einige Gemeinden betreiben eigene Baumschulen im Projektgebiet, außerdem gibt es zwei mobile Schulen für die indigene Bevölkerung und einen Arzt, der ihre medizinische Versorgung sicherstellt.

„Harapan Rainforest“ ist das erste Gebiet für so genannte Ökosystemrestauration in Indonesien. Als Pilotprojekt kann es als Modell für weitere 24 Millionen Hektar tropische Wälder in Indonesien dienen, die zurzeit weder aktiv bewirtschaftet noch geschützt werden. Das Projektgebiet ist mit circa 1.000 Quadratkilometern größer als Berlin und beherbergt unzählige vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, darunter den Sumatra-Tiger, den Sumatra-Elefanten, den Schabrackentapir und den Höckerstorch, die seltenste Storchenart der Welt.

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Abfälle aus Olivenölproduktion lassen sich zur Gewinnung von Bioenergie nutzen

Dienstag 5. Juli 2011 von birdfish

Bei der Produktion von Olivenöl bleiben umweltbelastende flüssige und feste Reststoffe zurück.

Olivenernte
Olivenernte – Foto: Fraunhofer-Institut

Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart haben in ersten Untersuchungen gezeigt, dass sich diese Reststoffe zur Gewinnung von Bioenergie nutzen lassen. Mehr als zwei Drittel der organischen Trockensubstanz können zu Biogas vergoren werden.

Mehr als 2 Millionen Tonnen Olivenöl werden jährlich in Europa hergestellt. Nach der Ernte werden die Oliven von Blättern befreit, gewaschen, gemahlen und die flüssige Phase von der festen in einem Dekanter getrennt. Aus dem Wasser-Öl-Gemisch wird das wertvolle Speiseöl gewonnen, indem es durch Zentrifugieren von der wässrigen Phase getrennt wird. Übrig bleibt die wässrige Phase, die in recht hohen Konzentrationen Schwebstoffe und Substanzen wie Fettsäuren und Phenole enthält, welche für Tiere und Pflanzen toxisch sind. Die flüssigen Reststoffe können daher nicht einfach in die Umwelt, Flüsse oder Seen eingeleitet werden und stellen in den Anbauregionen in Italien, Griechenland und Spanien ein Entsorgungsproblem dar. Die festen Olivenreststoffe aus der Ölmühle bestehen zum Großteil aus Proteinen und enthalten ebenfalls Phenole.

In einem von der EU geförderten Projekt entwickeln und erproben Partner aus Forschung und Industrie ein Konzept, nach dem bei der Olivenölherstellung anfallenden Abfallstoffe verwertet werden können. Die Idee ist, zunächst verwertbare Substanzen wie Polyphenole zu extrahieren, um sie als natürliche Antioxidantien in der Kosmetik- oder Lebensmittelindustrie nutzen zu können. Die Restbiomasse soll energetisch verwertet werden. Hierzu untersuchen Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart, inwieweit die Reststoffe zu Biogas als Energieträger vergoren werden können. Erste Untersuchungen im Labormaßstab zeigen, dass sowohl die flüssigen als auch die festen Reststoffe wertvolle Energie in Form von Biogas liefern.

Die Forscher haben in ihren Versuchsreihen die je nach Herstellungsverfahren unterschiedlichen Abfallfraktionen aus den drei Anbauländern untersucht. »Wir haben die Reststoffe nach einem am Fraunhofer IGB entwickelten Verfahren vergoren, bei dem die Substrate in den Reaktoren während der Vergärung optimal durchmischt werden«. erläutert Prof. Dr. Dieter Bryniok, Projektleiter am Fraunhofer IGB. »Sowohl in festen als auch in flüssigen Abfällen wurde hierbei der Anteil der organischen Verbindungen, abhängig von den eingesetzten Abfallfraktionen, um 75 bis 90 Prozent reduziert – das heißt der Großteil der abbaubaren Verbindungen in den Abfallstoffen wird durch anaerobe Bakterien umgesetzt«. Je nach Zusammensetzung der jeweiligen Abfallfraktion wurden dabei aus festen Abfällen innerhalb von 20–30 Tagen bis zu 720 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz gebildet. Bei den flüssigen Abfällen konnten die Forscher innerhalb von 10 Tagen 680 bis 980 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz nachweisen. Zum Vergleich: Eine konventionelle Biogasanlage mit Maissilage liefert im Schnitt 680 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz.

Derzeit untersuchen die Fraunhofer-Forscher, wie sie in kontinuierlich betriebenen Vergärungsprozessen, in denen ständig Substrat zugeführt wird, die Biogasausbeute weiter erhöhen können. »Bereits jetzt können wir sagen, dass je nach Art der Abfälle pro Tonne Feststoffabfall bis zu 3600 kWh und pro Tonne Flüssigabfall bis zu 540 kWh Energie gewonnen werden können«, so Bryniok. Würden alle Reststoffe der Olivenölproduktion in Europa zu Biogas vergoren, entspräche die hierbei lieferbare Bioenergie in etwa der Menge, für die Mais auf einer Fläche von 2800 Quadratkilometern – einer Fläche so groß wie das Saarland – angebaut werden müsste! Die Vergärung organischer Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion kann somit einen spürbaren und nachhaltigen Beitrag zu einer dezentralen Energieversorgung leisten.

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