KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Szenarien für künftige Energieversorgung: DNR-Steckbrief zeigt Energiefahrplan 2050

Mittwoch 25. Januar 2012 von birdfish

Die EU-Kommission hat im Dezember ihren Energiefahrplan 2050 vorgelegt, in dem sie Szenarien für die Energieversorgung der Zukunft aufzeichnet. Der Steckbrief bietet einen Überblick über die wichtigsten Inhalte.

Sonnenergie
Sonnenergie ist die schonendste Energieform. Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Der Fahrplan soll Wege aufzeigen, wie der Energiesektor so umgebaut werden kann, dass die CO2-Emissionen des Energiesektors bis 2050 um 85 Prozent verringert werden können. Die EU-Koordination hat die wichtigsten Inhalte des Fahrplans, Positionen der Umweltverbände zu dem Fahrplan sowie eine Einordnung in den politischen Kontext übersichtlich in einem DNR-Steckbrief zusammengefasst.

DNR-Steckbrief EU-Energiefahrplan 2050


LichtBlick

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Flucht vor den Folgen des Klimawandels – Klimawandel, Migration und Konflikte

Mittwoch 7. Dezember 2011 von birdfish

Eine Studie der UNO zeigt die Zusammenhänge von Klimawandel, Migration und Konflikten auf.

Studie zum Klimawandel in Afrika
Studie zum Klimawandel in Afrika

In Afrika schreitet der Klimawandel schon heute merklich voran. So stieg die durchschnittliche Temperatur in der westafrikanischen Sahelzone von 1970 bis 2006 um durchschnittlich 1 Grad, in anderen Gebieten sogar um bis zu 2 Grad.

Eine solch drastische Erwärming hat enorme Auswirkungen auf Niederschläge, Vegetation und Bevölkerung. Eine Studie der UNO, die jetzt auf dem Klimagipfel in Durban vorgestellt wurde zeigt diese Veränderungen für 17 westafrikanische Länder auf.

Die Studie entstand in Zusammenarbeit von UNEP und weiteren Einrichtungen. UNEP-Direktor Achim Steiner zur Studie: „Die Analyse unterstreicht, wie die Konkurrenz von Gemeinschaften um knappe Ressourcen wie Land, Wasser und Wälder in Westafrika bereits Realität ist. Die regionale Zusammenarbeit bildet den Schlüssel dafür, Spannungen abzubauen, Risiken zu beherrschen und die Möglichkeiten zunehmender Konflikte durch die Umweltveränderungen ausgelöste Migration zu drosseln.“

Die gesamte Studie „Livelihood Security: Climate Change, Migration and Conflict in the Sahel” (Sicherheit der Lebensgrundlagen: Klimawandel, Migration und Konflikt im Sahel) finden Sie hier.

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Klimaschutzfonds für ärmere Länder: EU soll jährlich 30 Milliarden bereitstellen

Freitag 28. Oktober 2011 von birdfish

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat am Mittwoch in einer Resolution verlangt, dass die EU jährlich 30 Milliarden Euro für Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen in ärmeren Ländern bereitstelle.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Dies solle Teil der Verhandlungsposition für die UN-Klimakonferenz in Durban Ende des Jahres sein. Die Industrienationen hatten sich dazu verpflichtet, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar in einen Klimafonds einzuzahlen. Die EU hat bereits 7,2 Milliarden Euro für die Jahre 2010 bis 2012 versprochen.

Nach Ansicht des Umweltausschuss müsse die EU ferner öffentlich und unwiderruflich eine zweite Kyoto-Verpflichtungsperiode unterstützen, auch wenn vergleichbare Treibhausgasminderungen anderer Länder nötig seien. Die Abgeordneten bekräftigten erneut ihre Forderungen nach einer Erhöhung des EU-Klimaziels und einer Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionshandel ab Januar. Umweltgruppen begrüßten die Abstimmung im Umweltausschuss als wichtiges Zeichen für die Klimaverhandlungen.

Resolution des EU-Parlaments (PDF)

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Europäer wollen grünere Weltwirtschaft – Die EU soll einheitliche Position vertreten

Freitag 24. Juni 2011 von birdfish

Nach dem Willen der Europäischen Kommission und der Mehrheit der EU-Bürgerinnen soll mehr in den Umweltschutz investiert werden, damit die Wirtschaft umweltfreundlicher wird.

Industrie und Landschaft
EU-Bürger/innen wünschen sich grünere Weltwirtschaft – Foto: Klaus Steves / Pixelio

Die Kommission verabschiedete jetzt politische Leitlinien zur Vorbereitung einer einheitlichen EU-Position für die Rio+20-Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung im kommenden Jahr. Bei der Konferenz in Rio de Janeiro werden 20 Jahre nach dem ersten Gipfeltreffen für die Erde der Wandel zu einer umweltverträglichen globalen Wirtschaft und die nachhaltige Entwicklung auf der Tagesordnung stehen. Die Leitlinien müssen noch mit dem EU-Parlament und den Mitgliedstaaten abgestimmt werden.

EU-Umweltkommissar Janez Potocnik und EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs betonten die Wichtigkeit der Konferenz in Rio für die Bekämpfung der Armut in der Welt. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Ressourcen und Naturkapital sei von wesentlicher Bedeutung für alle Länder, sagte Potocnik.  Die Entwicklungsländer bekämen die Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung als erste zu spüren. Überschwemmungen, Dürren und der Anstieg des Meeresspiegels seien die sichtbarsten Folgen, ergänzte Piebalgs.

Eine neue Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass die große Mehrheit der EU-Bürger für mehr Umweltschutz plädiert. 90 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass die Europäische Union, die Wirtschaft und jeder Einzelne mehr für eine bessere Umwelt tun solle. Fast drei Viertel der Deutschen sind der Auffassung, dass beim Schutz der Umwelt vor allem die europäische Politik gefordert sei.

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Nahrung und Produktionsmittel wie Wasser und Böden gerecht und effizient nutzen

Montag 23. Mai 2011 von birdfish

Es ist nicht notwendig, die Lebensmittelproduktion in den kommenden vier Jahrzehnten deutlich zu steigern, damit alle Menschen satt werden.

Gerechte und effiziente Landwirtschaft gegen Welthunger
Gerechte und effiziente Landwirtschaft gegen Welthunger – Foto: Manfred Schimmel / Pixelio

Dieser Prognose der Welternährungsorganisation FAO widersprachen die Autoren von der Universität Hohenheim.

2009 forderte die FAO, wegen der wachsenden Bevölkerung bis 2050 weltweit 70 Prozent mehr Nahrungsmittel anzubauen. Laut WWF, der gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung die Studie in Auftrag gab, berücksichtigte die FAO bei ihrer Berechnung wichtige Faktoren wie den Klimawandel nicht. Die postulierte Produktionssteigerung sei nur ein Teil der Lösung, sagte der Agrarreferent des WWF Matthias Meissner. Dringlicher sei es, dass Nahrungsmittel und knappe Produktionsmittel wie Wasser und Böden gerechter und effizienter genutzt würden.

Die Zahlen der FAO wurden von der Agrarindustrie gern als Argument für mehr Chemie auf den Äckern verwendet. Auch den Einsatz von Gentechnik und Agrarsubventionen ohne zusätzliche Umweltauflagen begründeten die Verfechter der industriellen Landwirtschaft mit der FAO-Prognose. Die Argumente richteten sich auch gegen den Ökolandbau, der ohne Pestizide oder synthetischen Dünger auskommt und dadurch weniger erntet.

Auch die Menge der Nahrungsmittel, die weggeworfen würden, habe die FAO nicht bei ihrer Vorhersage berücksichtigt. Nach eigenen Angaben beträgt die Lebensmittelverschwendung je nach Region zwischen 20 und fast 35 Prozent.

Studie von WWF und Heinrich-Böll-Stiftung

Studie der FAO zu Lebensmittelverschwendung


Aktion Deutschland Hilft

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Nobelpreisträger und Forscher mahnen Politik und Wirtschaft zu Verantwortung

Donnerstag 19. Mai 2011 von birdfish

Nobelpreisträger und führende Umweltforscher haben die Entscheider in Politik und Wirtschaft aufgefordert, ihrer Verantwortung für den Planeten gerecht zu werden.

Forscher tagten in Stockholm
Forscher tagten in Stockholm – Foto: Mattias Klum

„Wir sind die erste Generation, die die globalen Gefahren für die Menschheit erkennt“, heißt es in dem nach zweitägigen Beratungen beschlossenen Stockholm-Memorandum. Die Wissenschaftler übergaben es gestern in der Königlichen Akademie, wo sonst die Nobelpreise verkündet werden, der vom UN-Generalsekretär eingesetzten hochrangigen Expertengruppe zur globalen Nachhaltigkeit. Die Empfehlungen der Nobelpreisträger fließen ein in die Vorbereitung der großen UN-Umweltkonferenz „Rio plus 20“ im kommenden Jahr.
„Der Dialog zwischen Wissenschaft und Politik muss in eine neue Phase treten“, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Initiator der vor vier Jahren begonnenen Nobelpreisträgertreffen und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. „Es geht um erkenntnisgestützte Entscheidungen statt ideologiegetriebene Politik.“ Dieses Signal gehe von dem globalen Symposium in Stockholm aus, dem dritten nach Potsdam und London.

„Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind die Bedingung für Armutsbekämpfung und wirtschaftliche Entwicklung“, betonen die Wissenschaftler in der Erklärung. Es sei falsch, einen Gegensatz zu sehen zwischen Entwicklung und beispielsweise Klimaschutz. Gerade die Bevölkerung in den armen Ländern der Welt ist Umweltveränderungen besonders ausgesetzt. Das Wachstum der Weltbevölkerung, heißt es in dem Papier, mache die Wende zur Nachhaltigkeit noch dringlicher. Die Erderwärmung müsse unter zwei Grad Celsius bleiben, wenn gefährliche Klimaveränderungen vermieden werden sollen.

„Trotz mancher Unsicherheiten wissen wir genug, um sagen zu können: Es gibt erhebliche Risiken“, sagte der Chemie-Nobelpreisträger Mario Molina, Professor an der Universität von Kalifornien. Ein Beispiel sei der Treibhauseffekt als Folge von CO2-Emissionen. „Wir verändern die Funktionsweise unseres Planeten, und wir stoßen an die Grenzen seiner Belastbarkeit“, sagte Molina. Die Nobelpreisträger seien in ihrem Urteil in besonderer Weise unabhängig, betonte Molina. Sie arbeiten mehrheitlich nicht im Feld Klima, Energie, Umwelt – kommen aber zu den gleichen Schlussfolgerungen wie die Nachhaltigkeitsforschung selbst.

Um die Interessen unserer Nachfahren bei Entscheidungen über die Zukunft angemessen zu berücksichtigen, so das Memorandum, sollten neuartige Elemente generationenübergreifender Demokratie erkundet werden. Jenseits der Idee „grünen Wachstums“ müsse in Zukunft das Naturkapital ebenso wie das finanzielle Kapital bei allen wirtschaftlichen Entscheidungen mit einberechnet werden. Ökosystemare Leistungen – etwa die von Wäldern – seien einer jener Faktoren, die in konventionelle Berechnungsweisen wie die des Brutto-Inlandsprodukts nicht einfließen. Derzeit lebe die Gegenwart auf Kosten der Zukunft.

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Handel: Reiche Länder verursachen immer mehr CO2-Emissionen in ärmeren Ländern

Freitag 29. April 2011 von birdfish

Reiche Länder sind zunehmend für den Ausstoß von Treibhausgasen in ärmeren Ländern verantwortlich.

Hohe CO2-Emissionen durch Güter für die Industrieländer
Hohe CO2-Emissionen durch Güter für die Industrieländer – Foto: schneiderlein2808 / Pixelio

Dort verursachen sie durch ihren Konsum mehr CO2 als sie in ihren eigenen Grenzen einsparen. Dies hat ein internationales Wissenschaftlerteam in der ersten umfassenden Studie zu diesem Thema herausgefunden. In den Industrieländern werden mehr und mehr Waren konsumiert, die in Entwicklungsländern produziert werden. Während in Industrieländern der Emissionsanstieg zwischen 1990 und 2008 insgesamt gebremst wurde, betrug er weltweit 39 Prozent. Die CO2-Emissionen für die Produktion von Gütern, die in Industrieländern konsumiert werden, ist dabei überdurchschnittlich gewachsen. Eine Verlagerung von Emissionen in die ärmeren Länder könnte auf Dauer die Wirkung von Emissionsbegrenzungen etwa in Deutschland oder Europa unterlaufen, so die Autoren.

„Wer ein Radio oder eine Hose in Deutschland kauft, verursacht CO2-Emissionen im Herstellungsland, weil die Fertigung nun einmal Energie verbraucht – etwa in China oder Bangladesh“, erklärt Jan Christoph Minx aus den Forschungsbereichen Klimaökonomie und Sustainable Engineering der Technischen Universität Berlin (TU), einer der Autoren. Unter dem Klimaschutzabkommen des Kyoto Protokolls haben sich Industrieländer zur Begrenzung ihres CO2-Ausstoßes verpflichtet. Für Schwellen- und Entwicklungsländer wurde auf eine solche Begrenzung jedoch verzichtet, um notwendiges Wirtschaftswachstum im Kampf gegen die Armut nicht zu behindern. Industrienationen können deshalb auch durch wachsenden Konsum von Produkten aus Entwicklungsländern direkt zum globalen Anstieg klimaschädlicher CO2-Emissionen beitragen.

„Durch ihren Konsum haben die meisten Industrieländern zu mehr Emissionswachstum in Entwicklungsländern beigetragen, als sie durch Klimaschutz zu Hause eingespart haben“, so Minx. Der Konsum in Industrienationen verursachte einen Emissionsanstieg in Entwicklungsländern, welcher die bis 2008 erreichten Emissionseinsparungen in den Industrienationen um ein Fünffaches übersteigt. „Wir begrenzen Emissionen bei uns, verursachen aber zugleich mehr CO2-Ausstoß in Regionen ohne Klimaschutzziele“, sagt Minx. Nur durch dieses Auslagern von Emissionen, so die Autoren, könnten die Industrieländer bislang ihre Klimaschutzziele mit vergleichsweise geringen Anstrengungen und trotz wachsenden Konsums erreichen.

Die Studie ist in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen. Die Autoren haben Emissionsverlagerungen in  95 Ländern und 57 Wirtschaftsbranchen über 19 Jahre hinweg untersucht. Bislang hatte es ähnliche Analysen nur für einzelne Jahre gegeben.

Die Ergebnisse deuten auf Schwächen im internationalen Berichtssystem zur Erfassung von Emissionen hin. „Im heutigen Zurechnungssystem müssen Industriestaaten die durch ihren Konsum verursachten Emissionen nicht melden, selbst wenn diese zum weltweiten Emissionsanstieg beitragen“, sagt Leitautor Glen P. Peters vom Center for International Climate and Environmental Research (CICERO) in Oslo. „Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass sie über die durch internationalen Handel auftretenden Emissionen zusätzlich berichten sollten.“ Emissionen werden unter dem Kyoto Protokoll dem Land zugeschrieben, auf dessen Gebiet sie entstehen. Ob dieses Prinzip alleine ausreicht, solange es nur regionale Ziele im internationalen Klimaschutz gibt, stellt die Studie nun in Frage.

„Das bedeutet nicht, dass man auf regionale Regeln zur Emissionsvermeidung genauso gut verzichten könnte, sondern dass im Gegenteil deren Ausweitung nötig ist“, erklärt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der zugleich das von der Michael-Otto Stiftung mitfinanzierte Fachgebiet Klimaökonomie an der TU Berlin leitet. Auch er ist einer der Autoren. Derzeit ist das Klimaschutzsystem international zersplittert. „Jetzt brauchen wir Pfade zu einem globalen Abkommen“, betont Edenhofer. Nur ein solches könne letztlich die in der Studie aufgezeigten Probleme vermeiden.

Es sei nicht die Klimapolitik in Industrienationen, die zur Verlagerung von Emissionen führt – entscheidend seien andere Treiber des globalen Strukturwandels, so argumentieren die Autoren weiter.  Beispielsweise führt das niedrigere Lohnniveau in Entwicklungs- und Schwellenländern zu Produktionsverlagerungen aus Industrieländern. Die Wissenschaftler stützen sich dabei auf Computersimulationen anderer Forscher sowie auf eigene Beobachtungen. So zeigt ein Vergleich der Europäischen Union und der USA: Nur in der EU gibt es verbindliche Regeln für Klimaschutz, trotzdem ist hier wie dort der Transfer von Emissionen durch Handel gleichermaßen gestiegen.

Originalpublikation:
Peters, Glen P., Minx, Jan C., Weber, Christopher L., Edenhofer, Ottmar: Growth in emission transfers via international trade from 1990 to 2008. Proceedings of the National Academy of Sciences (2011) [doi: 10.1073/pnas.1006388108]

Link zu PNAS-Artikel (engl.)

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Skandal um Abholzungslizenzen im Kongo – Mensch, Tier und Wald in akuter Gefahr

Mittwoch 23. Februar 2011 von birdfish

Das Greenpeace-Büro in der Demokratischen Republik Kongo ist alarmiert. Umweltminister José Endundo plant, das Moratorium auf neue Einschlagkonzessionen aufzuheben.

Pygmäen vor Holzfällerfahrzeug. Mit jedem abtransportierten Baumstamm wird die Überlebenschance für ihre Kultur schlechter
Pygmäen vor Holzfällerfahrzeug. Mit jedem abtransportierten Baumstamm wird die Überlebenschance für ihre Kultur schlechter – Foto: Filip Verbelen / Greenpeace

Zudem will er 15 illegale Lizenzen legalisieren. Allein dadurch würde eine Urwaldfläche fünfmal so groß wie Belgien zur Zerstörung freigegeben.

Die tropischen Wälder des Kongobeckens sind nach dem Amazonas-Regenwald die größten zusammenhängenden Urwälder der Welt. Im Kampf gegen den Klimawandel spielen sie eine bedeutende Rolle. 80 Prozent der intakten afrikanischen Wälder befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Das entspricht acht Prozent des weltweit in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs.

Nicht nur für das Klima sind diese Wälder von überragender Bedeutung. Sie sind auch Ökosysteme mit einer überwältigenden Artenvielfalt. Und sie sind die Lebensgrundlage für mehr als 40 Millionen Menschen. Die Zerstörung des Urwalds bedroht ihre Existenz.

Der angeblich schonende Einschlag

“Selektive Extraktion” nennen internationale Holzkonzerne ihre Einschlagmethode in Afrika, bei der sie – scheinbar schonend – nur die ein bis zwei wertvollsten Urwaldriesen pro Hektar absägen. Aus ihnen werden Furnierhölzer, Musikinstrumente, Fensterrahmen oder Parkettfußböden gemacht.
In der Demokratischen Republik Kongo befinden sich fast zwei Drittel des afrikanischen Regenwaldes. Der Krieg hat die Entwicklung verhindert – auch die zerstörerische im Wald…

Durch das Fällen, den Abtransport mit Bulldozern und auch den Bau von Zufahrtsstraßen werden jedoch wesentlich größere Gebiete geschädigt als der Begriff “selektive Abholzung” vorgaukeln möchte. Es wird geschätzt, dass die Treibhausgasemissionen durch die “begleitenden” Infrastrukturmaßnahmen 2,5-mal höher sind als die, die ohnehin schon durch die Abholzung entstehen.

Die Reform – Wunsch und Wirklichkeit

Auf Druck der Weltbank wurde Anfang des neuen Jahrtausends in der DR Kongo eine Reform der Forstwirtschaft eingeleitet. Sie sollte die nachhaltige Waldwirtschaft fördern, die Staatseinnahmen erhöhen, die traditionellen Rechte lokaler Gemeinden sichern und – vor allem – zur Verminderung der Armut beitragen.

Von der Weltbank eingefordert, unterzeichnete die DRK 2002 ein Moratorium auf neue Einschlagkonzessionen. Unmittelbare Folge: Es wurden innerhalb weniger Tage über 100 Einschlaglizenzen vergeben, entsprechend einer Fläche von 15 Millionen Hektar Wald. Damit war das Moratorium von vornherein untergraben.

Ein wichtiger Punkt in diesem Prozess war die Legalitätsüberprüfung von 156 Holzeinschlagstiteln. Eine Interministeriale Kommission startete in der DR Kongo 2005 eine Überprüfung der alten Titel.
Das Ergebnis gab Umweltminister José Endundo im Januar 2009 bekannt: 65 Titel (mehr als 12 Millionen Hektar) wurden in langfristige Konzessionen umgewandelt. Die meisten dieser Konzessionen hält die in Liechtenstein ansässige Unternehmensgruppe NST (Nordsüdtimber) mit ihrer Tochterfirma Soderfor und dem deutsch-schweizerischen Konzern Danzer. Allerdings war dieser Untersuchungsprozess alles andere als transparent.

Zurück zum Status Quo

Die Glaubwürdigkeit der Waldreform wird weiterhin unterminiert: Im Januar 2011 gab Enundo bekannt, dass er 15 Titel, die zwei Jahre zuvor für illegal erklärt worden waren und annulliert werden sollten, legalisieren werde. Zudem kam heraus, dass von den 156 untersuchten Ansprüchen nur rund 15 aktiv waren. Alle anderen existierten lediglich auf dem Papier.

Mit anderen Worten: Die angebliche Überprüfung von 2008 hat dazu gedient, den alten Status Quo wiederherzustellen. Laut Waldreform sollen 40 Prozent der Steuereinnahmen aus dem Holzexport an die Regionen zurückfließen. Davon ist bisher kein Cent angekommen.

“Wieder mal zeigt sich, dass eine Weltbankreform nicht die Ergebnisse liefert, die angestrebt sind”, sagt die Greenpeace-Biologin Andrea Cederquist. “Man muss sie vielmehr als legalisierte Form der Waldzerstörung betrachten. Immer noch sind Intransparenz, Korruption und fehlende Strafverfolgung die entscheidenden Charakteristika der Holzindustrie. Die Beiträge zur Armutsbekämpfung sind vernachlässigbar gering.”

Greenpeace

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