KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Klimaversprechen der Bundesregierung wird von den Fraktionen der Koalition verwässert

Dienstag 9. März 2010 von birdfish

Germanwatch kritisiert, dass die Kopenhagen-Ankündigung  nur teilweise erfüllt wird.

Afrikanischer Bettler
Verschiebung der Gelder zwischen den Kostenstellen geht zulasten der Ärmsten – (c) Detlev Beutler / Pixelio

In nächtlicher Sitzung hat der  Haushaltsausschuss des Bundestages beschlossen, dass für die  internationale Klimafinanzierung bis 2012 jährlich durchschnittlich 420  Millionen bereitgestellt werden sollen. Germanwatch kritisiert, dass der  größte Teil dieser Gelder bereits vor Jahren schon einmal in anderem  Zusammenhang versprochen wurde. Damit wird das von der Bundeskanzlerin  in Kopenhagen gemachte Versprechen von neuen und zusätzlichen Mitteln  nur zu einem viel zu kleinen Teil eingelöst. Sah es bis gestern noch so  aus, als würde der komplette Betrag aus früher versprochenen Mitteln  bestehen, stellen die Koalitionsfraktionen nun zumindest 70 Millionen  Euro als neues Geld bereit.

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch: “Die  Glaubwürdigkeit Deutschlands in der internationalen Klimapolitik hängt  auch an der Umsetzung des in Kopenhagen gemachten Versprechens: mehr  Klimaschutz in Schwellen- und Entwicklungsländern, mehr Finanzierung  durch die Industrieländer. Die Haushälter der Koalition haben nun  durchgesetzt, anders als vom BMU und BMZ gefordert, dass nur ein  geringer Teil wirklich zusätzliches Geld ist. Dies ist nicht das  gewünschte Signal für weltweit ernsthaften Klimaschutz. Das Recycling  alter Versprechen trägt nicht zur Vertrauensbildung mit den  Entwicklungsländern bei.”

So wird ein Großteil der 420 Millionen Euro für den Klimaschutz dadurch  erbracht, dass die unter großem Medienecho 2008 von Bundeskanzlerin  Angela Merkel angekündigten Gelder für den Artenschutz nun als Klimageld  verpackt werden. Nur teilweise konnte die Umwidmung abgewendet werden.

Christoph Bals kommentiert: “Wenn die ursprüngliche Planungen der  Haushälter durchgekommen wäre, wäre das die völlige Bloßstellung für die  Bundeskanzlerin gewesen. Weder die versprochene Zahl von 420 Millionen  Euro wäre eingehalten worden – es waren nur 350 Millionen angesetzt -  noch hätte auch nur ein Euro neues Geld auf dem Tisch gelegen. Es wäre  nur von der einen Klimatasche in die andere verschoben worden. Mit  diesen 70 Millionen Euro und den Mitteln aus der Versteigerung von  Emissionserlösen besteht nun zumindest ein gewisser Spielraum für die  Bundesregierung, vielversprechende Klimaschutz- und Anpassungsprojekte  in besonders progressiven Entwicklungsländern zusätzlich zu  unterstützen.” Dies sei gerade mit Blick auf die im Mai geplante und von  Deutschland initiierte internationale Ministerkonferenz strategisch von  zentraler Bedeutung.

Kategorie: Artensterben, Entwicklungsländer, Gruppen, Internationale ZA, Personen, Politik, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Klimawandel lässt Meeresspiegel steigen – Sundarbans in Bangladesh trifft es hart

Dienstag 2. März 2010 von birdfish

Fotograf Peter Caton hat im Auftrag von Greenpeace die Auswirkungen der Klimaveränderung in der Region Sundarbans, Bangladesh dokumentiert.

Betroffener Bewohner Sundarbans
Sukhdev Chowkidar – betroffener Bewohner Sundarbans – (c) Peter Caton / Greenpeace

Der Anstieg des Meeresspiegels trifft die Menschen dort sehr hart. Große Teile der Landschaft sind bereits in Meer verschwunden.

Sundarbans ist einer der größten Mangrovenwälder der Erde und gehört zum UNESCO Weltnaturerbe. Er liegt im Flussdelta zwischen den drei Flüssen Ganges, Brahmaputra und Meghna. Seitenarme der Flüsse durchziehen die Landschaft, die sich dadurch in viele kleine Inseln teilt.

Auf 20.000 Quadratkilometern erstreckt sich ein artenreiches Ökosystem.. Die Region ist die Heimat des vom Aussterben bedrohten Bengalischen Tigers. Das Leben der Menschen ist von den Gezeiten bestimmt. Teile der tiefliegenden Landschaft werden regelmäßig überflutet und das Wasser des Monsunregens fließt über die drei Flüsse ins Meer.

Bangladesh gehört zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Schon heute kämpfen Menschen dort gegen die Folgen des Klimawandels. Auch in der Region Sundarbans bedroht der Klimawandel das Leben der Menschen.

Der Anstieg des Meresspiegels wirkt sich in der tiefliegenden Küstenregion besonders stark aus. Immer mehr Land verschwindet im Meer. An den Küsten Bangladeshs sind bereits 230 km Land fortgespült worden. Die Flut dringt immer weiter ins Land ein. Regelmäßig werden auch bewohnte Küstenstreifen überflutet. Bisher lebten die Menschen von den Flüssen. Doch jetzt werden sie von den extremen Wassermassen bedroht. Keiner will seine Heimat aufgeben. Doch viele ziehen weg, aus Furcht bei der nächsten Flut das eigene Leben zu verlieren. Zurück bleiben nur die Alten. Doch ohne Hilfe der Jüngeren wird für sie das Überleben schwierig. Armut ist in der Region weit verbreitet.

Doch auch in den Städten ist die Klimaveränderung spürbar. Der Monsun wird immer stärker. Das Wasser läuft vom Landesinneren durch das Flussdelta ins Meer. Wieder müssen die Menschen in Sundarbans um ihre Häuser fürchten. Auch steigt die Zahl der tropischen Stürme, die auf die Küste treffen. Erst im Mai dieses Jahres traf der Zyklon Aila Indien und Bangladesh. Es ertranken mindestens 81 Menschen. In Sundarbans wurden die Menschen von dem Zyklon stark getroffen. Viele verloren ihre Häuser. Nahrungsgrundlagen wurden zerstört. Neue Nahrungsmittel anzubauen ist schwierig. Durch die ständigen Überflutungen versalzt die Erde zunehmend.

Es wird geschätzt, dass 15 Prozent des Landes bis 2020 unter Wasser sein werden und 30.000 Menschen ihre Heimat verloren haben.

Kategorie: Allgemeines, Boden, Elemente, Entwicklungsländer, Ernährung, Gesundheit, Gruppen, Mensch, Meteorologie, Prognosen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Weiter wie bisher ist keine Option – Vorschläge für Wege aus der Hungerkrise

Dienstag 16. Februar 2010 von birdfish

Für den Weltagrarbericht wurden Vorschläge für eine fortschrittliche Landwirtschaft erarbeitet.

Klimawandel bringt Dürre
Klimawandel bringt der Landwirtschaft neue Probleme – (c) Verena N. / Pixelio

Warum müssen auf unserem Planeten über eine Milliarde Menschen hungern und gleichzeitig ebenso viele an krank machender Fettleibigkeit leiden?

2,3 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2008 weltweit geerntet, mehr als je zuvor, auch pro Kopf der Bevölkerung. Doch nur 47% davon dienten der menschlichen Ernährung. Der Rest ist Tierfutter, Sprit, industrieller Rohstoff und Abfall. Unser globales Ernährungs-System ist eine der wichtigsten Ursachen für Klimawandel, Artensterben, Umweltvergiftung und Wasserknappheit; aber auch für vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit.

Im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank fassten 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Stand des globalen Wissens über die Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen.

58 Regierungen verabschiedeten die Zusammenfassung der Ergebnisse. Sie sind unbequem und alarmierend, warnen vor Irrwegen und zeigen Auswege.

Die Webseite zum Weltagrarbericht präsentiert die wichtigsten Ergebnisse, macht alle seine Berichte zugänglich und liefert Hintergründe und Detailinformationen. Sie soll zum Nachdenken und zur Diskussion anregen, vor allem aber zum Handeln.

Website Weltagrarbericht

Kategorie: Anpassung, Boden, Elemente, Ernährung, Gruppen, Landwirtschaft, Mensch, Politik, Ressourcen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Wassermanagement, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Anpassungsstrategien weltweit – Beispiele für Maßnahmen als Pressespiegel

Freitag 12. Februar 2010 von birdfish

Der Klimawandel wird unsere Welt nachhaltig verändern.

Dürre in Afrika
Dürre und Überschwemmungen in den armen Ländern nehmen zu. – (c) Dieter Schütz / Pixelio

Während noch vielerorts am Ernst der bevorstehenden Veränderung gezweifelt wird, gibt es zahlreiche Staaten, Regionen und Städte auf der Welt, die über eine Legislaturperiode hinausdenken und Schutzmaßnahmen für die Zukunft ergreifen.

Während man sich in Deutschland z.B. zu Veränderungen in der Landwirtschaft oder Küstenschutz Gedanken macht, gibt es Staaten in der Welt, die der Klimawandel weit extremer zu schaffen macht. Einige sind durch Anstieg des Meeresspiegels vom Untergang bedroht, andere verlieren durch anhaltende Dürren ihre Ernährungsgrundlage.

Hier möchten wir einen Pressespiegel entstehen lassen, der über die deutschen Grenzen hinaus sieht und bemerkenswerte Maßnahmen zum Schutz gegen die Klimawandelfolgen dokumentiert.

Vorschläge hierzu werden gern entgegen genommen!


Singapurs Schutz vor den Fluten

Ein Damm staut das Wasser des Singapore River an seiner Mündung. So erhält die City ein einzigartiges Süsswasserreservoir und schützt sich vor dem steigenden Meeresspiegel.

Singapurs Wassermanagement gewinnt immer wieder internationale Preise, die Singapore International Water Week vom 28. Juni bis 2. Juli 2010 steht denn auch unter dem Motto: «Sauberes und erschwingliches Wasser». Beides ist in manchen südostasiatischen Metropolen eine unerreichbare Utopie.

Neue Zürcher Zeitung Online vom 07.02.2010


Stand 02/2010

Kategorie: Allgemeines | Keine Kommentare »

Oxfam-Studie: Der Klimawandel bedroht Lebensgrundlagen von 1,7 Mrd. Kleinbauern – Agrarministertreffen ohne verbindliche Ziele

Mittwoch 20. Januar 2010 von birdfish

Der Klimawandel gefährdet die Lebensgrundlagen von 1,7 Mrd. Kleinbauern.

Klimaopfer Bangladesch
Rahela Begum (40) aus Bangladesch drischt mit ihrem Mann die magere Reisernte. Seit das Klima verrückt spielt, trocknen ihre Felder regelmäßig aus oder werden überflutet. (c) Oxfam

Das geht aus der Oxfam-Studie ‘People-Centred Resilience’ hervor. Die betroffenen Kleinbauern – davon 837 Millionen in Asien und 228 Millionen in Afrika – leben in ertragsschwachen und benachteiligten Gebieten, teils mit geringen Niederschlägen. Oxfam forderte daher die Teilnehmer des Berliner Agrarministergipfels auf, sich für agrar-ökologische Anbauverfahren einzusetzen, um Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu verbessern. ‘Diese Unterstützung zahlt sich dreifach aus: Sie verbessert die Ernährungssituation, fördert die Anpassung an den Klimawandel und hilft, Treibhausgase zu reduzieren’, erklärte Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Umweltschonende Anbaumethoden würden allerdings bislang bei der Hungerbekämpfung kaum berücksichtigt. ‘Der EU-Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro, der während der Nahrungsmittelkrise 2008 geschaffen wurde, finanziert nur zu 14 Prozent Projekte mit einer agrar-ökologischen Komponente’, kritisiert Wiggerthale. Hingegen fließen 51 Prozent der Mittel in Projekte, in denen Pestizide verwendet werden. ‘Die Landbewirtschaftung muss weniger auf Düngemittel, Pestizide und Technologie setzen, und mehr auf ökologische Anbaumethoden und traditionelles Wissen. So können Klimarisiken und damit auch Hunger und Armut für Kleinbauern erheblich verringert werden’, sagt Wiggerthale.

Laut Studie sind in Entwicklungsländern bereits 384 Millionen Hektar vom Verlust der Bodenfruchtbarkeit betroffen. Die fruchtbare Humusschicht werde immer dünner. In Afrika treffe dies für 65 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat kürzlich erklärt, es müssten vermehrt Treibhausgase aus der Nahrungsmittelproduktion in Kauf genommen werden, damit genügend Lebensmittel für alle Menschen verfügbar seien. Oxfam widerspricht dieser Auffassung. ‘Für den Klimaschutz macht es einen bedeutenden Unterschied, ob Düngemittel und Pestizide oder agrarökologische Anbauverfahren eingesetzt werden’, so Wiggerthale. Lachgas-Emissionen beim Ausbringen von Dünger sowie der Humusabbau durch die intensive Landbewirtschaftung trügen zum Klimawandel bei. Wichtig sei ein klimapolitischer Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft hierzulande. ‘Das Ziel: Weniger Fleisch, weniger klimaschädliche Überdüngung, mehr Bodenschutz und mehr Grünland’.

Das Handelsblatt zitiert vom Agrargipfel die Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner. “Wir Agrarminister wollen dort weitergehen, wo die Staatengemeinschaft in Kopenhagen vorerst Stopp gemacht hat”, sagte die CSU-Frau. Sie räumte einen Konflikt zwischen Ernährungssicherung und Klimaschutz ein. “Um im Jahr 2050 alle Menschen auf unserem Planeten mit Lebensmitteln zu versorgen, muss das verfügbare Angebot an Lebensmitteln um 70 Prozent gesteigert werden”, sagte sie. “Andererseits müssen wir aber auch alles daran setzen, die Klimabelastungen zu begrenzen. Die Landwirte sind Verursacher und Leidtragende auf der anderen Seite zugleich.” Agrarprodukte müssten möglichst klimaschonend hergestellt werden.

Das hörte sich gut an, aber Verbindliches kam dann bei dem Gipfel der Landwirtschaftsminister nicht heraus. Man verständigte sich lediglich darauf, dass jedes Land Aktionen gegen den Klimawandel prüfen möge und dass man erwägt, Projekte zur Speicherung von Kohlenstoff in den Böden zu fördern. Kein großer Wurf in Anbetracht dessen, dass die Landwirtschaft nach Angaben des UN-Klimarats einen Anteil von etwa zwölf Prozent am globalen Ausstoß von Treibhausgasen hat. (Handelsblatt vom 17.01.10)

Der WWF formuliert das Fazit der Veranstaltung noch schärfer. “Mehr als warme Worte kamen bei dem Treffen nicht heraus”, so die Einschätzung von Matthias Meißner, Agrarreferent des WWF Deutschland. Die Abschlusserklärung sei eine Ansammlung von schwachen Formulierungen. Handlungsempfehlungen und Zielvorgaben suche man vergeblich. Die Minister konstatierten, dass die Branche stark unter dem Klimawandel zu leiden habe, aber sie bekannten sich nicht zu einem konkreten Klimaschutzprogramm. Der WWF betont: “weltweit gehen mindestens 14 Prozent des Treibhausgasausstoßes direkt auf das Konto der Landwirtschaft. Hinzu kommen Emissionen, die durch die Umwandlung von Wäldern zu Ackerland freigesetzt werden.” Hier bestehe dringender Handlungsbedarf. Leider wehre sich die Branche nach wie vor gegen konkrete Klimaschutzvorgaben. Klare Worte zur Umsetzung seien die Minister bei dem Treffen in Berlin schuldig geblieben. Viele wichtige Themenbereiche, wie der Schutz der weltweiten Biologischen Vielfalt; der Schutz von natürlichen Ressourcen und Konsumveränderungen fehlten im Papier gänzlich.

“Das vollmundig zum Agrargipfel deklarierte Treffen ist erneut zur überflüssigen Messefolklore zur Grünen Woche verkommen”, so Matthias Meißner. Es werde höchste Zeit, dass das Bundesministerium für Ernäh-rung Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) seine Hausaufgaben erledige. Dazu gehöre es, die Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft voranzutreiben. Leider ließen die der jüngsten Äußerungen von Ministerin Ilse Aigner zur Klimarelevanz der Landwirtschaft kein Umdenken erkennen. Die vom BMELV angestrebte Führungsrolle Deutschlands werde nur umsetzbar sein, wenn BMZ und BMELV gemeinsam ihre Politik das Thema Sicherung der Welternährung an konsequenten Nachhaltigkeitskriterien ausrichten und die schwächelnden UN-Prozesse neu beleben.

Die Oxfam-Studie  ‘People-Centred Resilience’ kann hier angesehen werden. (PDF, engl.)

Kategorie: Allgemeines, Arbeit, Boden, EU, Elemente, Entwicklungsländer, Ernährung, Forschung, Gesundheit, Gruppen, Internationale ZA, Konferenzen-Events, Mensch, Meteorologie, Politik, Prognosen, Sensibilisierung, Verbraucher, Veröffentlichungen, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Bis zu 100.000 Menschen demonstrierten für ein verbindliches Klimaabkommen

Dienstag 15. Dezember 2009 von birdfish

Zur Halbzeit der internationalen Klimakonferenz haben am Samstag in Kopenhagen und anderen Städten der Welt Zehntausende für ein weitreichendes Abkommen zum Klimaschutz demonstriert.

Impressionen von der Demo in Kopenhagen
Impressionen von der Demo für mehr Klimaschutz in Kopenhagen 2009 – (c) Bjoern Jettka / Greenpeace

“Genug über das Klima geredet – jetzt müssen Taten folgen” forderten Klimaschützer weltweit. Zugleich müsse es schnelle Hilfe für arme Länder geben, damit diese ihren Beitrag zum Kampf gegen die Erderwärmung auch bezahlen können.

Bis zum Ende der Woche werden rund 115 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen erwartet. Bundeskanzlerin Merkel wird nach derzeitigem Programm am Donnerstag vor dem Gipfelplenum reden. Das Klimaschutzabkommen, auf das sich 192 Staaten in Kopenhagen verständigen wollen, muss die Erderwärmung wirksam begrenzen.

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International, kritisiert die Bundeskanzlerin. Sie tue nicht genug für den Klimaschutz. “Angela Merkel kann in Kopenhagen das Ruder herumreißen. Doch ihr Verhalten in der aktuellen Debatte ist mehr als enttäuschend.” Da Merkel gerade eine Wahl gewonnen habe, sei derzeit nichts zu verlieren. “Deutschland ist dennoch nicht zu Zugeständnissen bereit, die von Wissenschaftlern als notwendig eingefordert werden”

Auf der Demonstrantion in Kopenhagen schlugen die Redner ernste Töne an: “Wie lange wollen die Staatsführer noch zulassen, dass Menschen bei uns durch den Klimawandel sterben?” rief zornig die Sängerin Angelique Kidjou aus dem westafrikanischen Benin. Wir haben als Menschheit der Natur auf unserem Planeten eine zu große Last aufgebürdet. Jetzt müssen wir gemeinsam sehr schnell Verantwortung übernehmen, forderten viele Teilnehmer/innen.

Am frühen Abend ging die dänische Polizei massiv gegen Demonstranten vor. Nach Medienangaben wurden etwa 400 Personen festgenommen. Die Festnahmen seien vorbeugend erfolgt, so die Begründung der Polizei. Sie unterstellte den Demo-Teilnehmer/innen kriminelle Absichten während des Marsches zum Tagungsort der UN-Klimakonferenz.

Die Veranstalter sprachen von bis zu 100.000 Teilnehmern, die Polizei zum Auftakt der Kundgebung von rund 10 000. In mehr als 130 weiteren Ländern fanden zudem rund 4.000 Veranstaltungen für ein verbindliches Klimaabkommen statt. Wie in vielen anderen Städten demonstrierten etwa in Athen Menschen trotz strömenden Regens. Ihre Mahnung an alle: “Das Klima brennt”.

Kategorie: EU, Entwicklungsländer, Ernährung, Gesundheit, Gruppen, Internationale ZA, Mensch, Politik, Sensibilisierung, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Klimaverhandlungen in Kopenhagen: Weltmächte pokern um die Zukunft

Montag 14. Dezember 2009 von birdfish

Vor einer Woche haben die Klimaverhandlungen in Kopenhagen begonnen.

Dürre entzieht Lebensgrundlage
Hunger in Äthiopien: einst fruchtbares Land wurde zu karger Wüste. Menschen finden weder Weideflächen noch ausreichend Wasser – (c) Nick Danziger / Oxfam

Umwelt- und Menschenrechtsverbände haben Ziele eingefordert, deren Umsetzbarkeit durch ein ganze Reihe von Studien seriöser Institute untermauert wurde. Zudem mahnten noch in jüngster Vergangenheit die führen deutschen und internationalen Klima-Wissenschaftler die Politik, sich der Dringlichkeit effektiver Maßnahmen bewusst zu sein. Eine große Verantwortung lastet somit auf dem Kopenhagener Klimagipfel.

Etwas Hoffnung aus den USA

Einen großen Hoffnungsstrahl schickte der amerikanische Präsident Obama, indem er ankündigte, am 18.12., dem letzten Konferenztag vor Ort zu sein. Zuvor hatte man befürchtet, dass er lediglich am Anfang der Verhandlungen auftauchen würde, um eine wertlose “Sonntagsrede” zu halten. Ein weiteres positives Signal aus den USA bestand darin, dass die dortige einige Treibhausgase endlich als schädlich anerkannt hat und deren Emissionen nun auch offiziell verboten oder reduziert werden müssen. In Anbetracht dessen, dass die USA mit China zusammen die größten Emissionswerte aufweisen, ist das ein später aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Folgende Ziele wären die Idealvorstellungen

für ein neues weltweites Klimaabkommen – erstellt von BUND und Oxfam:

  1. Globales Ziel: Temperaturanstieg auf deutlich unter 2°C begrenzen, mindestens 80% Reduktionen bis 2050
  2. Reduktionsziele für Industrieländer, Basisjahr 1990, 5-Jahres-Zeiträume, langfristige Zero-Carbon-Strategien für Industrieländer.
  3. Quantifizierbarer Klimaschutz der Schwellenländer und Berichterstattung zu durch die Industriestaaten unterstützten Maßnahmen.
  4. Finanzpaket 2010-2012, für den kurzfristigen Finanzbedarf für dringende Maßnahmen, insgesamt 30 Mrd. Euro.
  5. Langfristige Finanzarchitektur, die ab 2013 kontinuierliche Geldströme in die Entwicklungsländer ermöglicht.
  6. „Review“-Mechanismus, der spätestens 2015 die Ziele und die Finanzvolumina auf ihre Angemessenheit überprüft und ggf. nachjustiert.
  7. Form: völkerrechtlich verbindliche Verpflichtungen zu den obigen Punkten, Mandat für das Verhandeln der Details bis Sommer 2010.
Krasse Fronten: dänischer Entwurf – chinesischer Entwurf

Überraschend tauchte ein dänischer Abkommensentwurf auf, der als so provokativ empfunden wird, dass es keine Grundlage zu geben scheint, schließlich auf einen Nenner zu kommen.
Miturheber waren die Delegationen aus den USA und Großbritannien.

Zum einen soll nach dänischer Meinung das Kyoto-Abkommen nicht fortgeführt sondern ersetzt werden. Entwicklungsländer sollen streng festgelegte Emissionswerte zugeschrieben bekommen – die im realen Vergleich zu den Industrieländern wesentlich geringer ausfallen soll. Dem Bürger eines Entwicklungslandes wird es also untersagt, soviel Energie zu verbrauchen wie es dem Bürger eines Industrielandes zugestanden wird. Die Entwicklung von Technologien, die Entwicklungsländern nicht zugänglich sind, sollen gefördert werden. Die armen Länder sollen dagegen verpflichtet werden, ihre Wälder zu schützen, ohne dass man sich festlegt, dafür finanzielle Unterstützung bzw. Ausgleich zu zahlen. Langfristige Hilfen für arme Länder sind im Entwurf nicht vorgesehen.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die ärmeren Länder diese Vorlage als Kampfansage aufgefasst haben. Es fragt sich, ob mit einem solchen Affront ein einvernehmliches Abkommen überhaupt angestrebt wird.

Die Chinesen kamen dann prompt mit einer Retourkutsche in Fom eines eigenen Entwurfs, der dann wiederum die Emissionsreduzierungen einzig und allein auf die Industrieländer begrenzt sehen wollte. Selbst die Schwellenländer sollten von verpflichtenden Begrenzungsregelungen ausgenommen werden. Beteiligt waren an dem Entwurf Indien, Brasilien und Südafrika – ebenfalls Schwellenländer – und der Sudan als Sprecher der Entwicklungs- und Schwellenländer. Nicht verwunderlich, dass auch dieser Entwurf nicht auf große Gegenliebe gestoßen ist.

Geldzusagen als europäische Überzeugungstaktik

Derweil tagten in Brüssel 27 EU-Staats- und Regierungschefs und schlossen ihre Konferenz mit dem Versuch ab, mit einer Finanzspritze der EU den Klimaverhandlungen in Kopenhagen etwas guten Willen einzuimpfen.

“2,1 Milliarden Euro pro Jahr wollen die Europäer von 2010 bis 2012 bereitstellen, um Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel in Entwicklungsländern zu finanzieren. Das Geld soll zusätzlich zur regulären Entwicklungshilfe fließen. Das Feilschen zwischen den einzelnen Regierungschefs, wer wie viele Millionen zahlen muss, zieht sich noch hin. An einer Einigung gibt es aber keine Zweifel mehr. Obendrein soll der dänische EU-Klimaunterhändler Rasmussen in Kopenhagen den ärmeren Ländern für die Zeit nach 2020 EU-Hilfen von bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr anbieten.
Ohne diese Finanzzusagen, machten Gipfelteilnehmer deutlich, würde Kopenhagen scheitern. Die EU wolle weiter Führung zeigen, sagte der schwedische EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt. Die Strategie, den Geldbeutel zu öffnen, hat auch EU-intern schon oft Widerstände wundersam aufgelöst. Unbeantwortet blieb allerdings, aus welcher der leeren Kassen Europas die riesigen Summen kommen sollen.”
(Spiegel Online vom 11.12.09)

Ein Vertreter der Entwicklungsländer soll zu dem Angebot dieser Finanzmittel geäußert haben, dass dieses Geld nicht einmal reichte, um damit ausreichend Särge für die existenziell vom Klimawandel betroffen Menschen in den Entwicklungsländern zu bauen.

Tricksereien auf dem Rücken ärmster Menschen sowie zur Reduzierung der Emissionsreduzierung

Abgesehen davon muss die EU zugestehen, dass es sich teilweise um umgeschichtete Gelder handelt. Genau das, was Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit schon lange vorwerfen – auf nationaler wie EU-Ebene. Die Entwicklungsbudgets dürfen nicht auf die Maßnahmen des Klimaschutzes und der Hilfe bei Not durch Klimafolgen angerechnet werden, denn sonst ist die vollmundig proklamierte Hilfe nichts weiter als Zahlenschieberei auf dem Rücken der Ärmsten dieser Welt.

Ähnliche Zahlentricksereien gibt es bei den verbindlichen CO2-Emissionen. Germanwatch zeigt ein Beispiel hierür: Wird den Staaten erlaubt, selbst anzugeben, in welcher Höhe die Emissionen im Waldbereich eingerechnet werden, dann können Sie “Wälderschutz” auf ihre Reduktionsziele anrechnen, den sie gar nicht betreiben. Alleine damit wären die Ziele aller Industrieländer 5 Prozentpunkte weniger Wert.
Der Spiegel setzt in einer Rechnung noch ein Beispiel oben drauf: “So entpuppt sich die bis 2020 angekündigte 17-prozentige Emissionsminderung der USA bezogen auf 2005 als eine mickrige Zwei-Prozent-Einsparung, wenn man sie auf das von den Europäern herangezogene Basisjahr 1990 herunterrechnet.” (Spiegel Online, 13.12.09)

Ein paar Zahlen und Infos zu den Versprechungen der EU finden sich auch hier auf der Website der tagesschau.

Kleine Inselstaaten gehen voran

Dann kam die Allianz der kleinen Inselstaaten (AOSIS) und legte einen eigenen Vorschlag vor. Dieser Textvorschlag will zum einen die Fortführung des Kyoto-Protokoll gewährleisten. Er bietet gleichzeitig einen Textentwurf für ein ergänzendes rechtlich verbindliches Protokoll an. Dieses enthält unter anderem die Reduktionsziele für die USA, die auch unter der neuen Regierung nicht dem Kyoto-Protokoll beitreten wollen, aus Angst der Senat würde dieses dann nicht ratifizieren. Zugleich enthält es die Vereinbarungen über die Klimaschutz-Aktionspakete der Schwellen- und Entwicklungsländer. “Damit hat endlich eine Ländergruppe den Fahrplan für das notwendige rechtlich verbindliche Abkommen vorgelegt,” kommentierte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

Mit diesem Vorschlag zeigten die kleinen Inselstaaten den verhärteten Großen einen Weg auf zur Rückkehr zu einem offenen und transparenten Verhandlungsprozess. “Diese Gruppe von Inselstaaten will verhindern, dass sie hier einen Suizid-Vertrag unterschreiben. Jetzt sind die Industrie- und Schwellenländer gefragt, ob sie bereit sind zu dem ernsthaften Klimaschutz, über den sie sprechen”, so Bals weiter.

Dessima Williams, Vorsitzende der Gruppe der kleinen Inselstaaten, hatte den Vorschlag damit begründet, dass die territoriale Integrität der Staaten bedroht sei und sie deshalb nach Kopenhagen gekommen seien, um ein rechtlich bindendes Abkommen zu verabschieden. Der Text-Vorschlag ist hinsichtlich der Ziele für Emissionsreduktion und Finanzzahlungen sehr ambitioniert. Er hat das Ziel, einen Temperaturanstieg um mehr als 1,5 Grad zu vermeiden. “Es wird immer deutlicher, dass die Frage, ob die Industrieländer die versprochenen Klimafinanzzahlungen von dem längst versprochenen Geld für Armutsbekämpfung abzweigen, das Abkommen scheitern lassen könnte. Länder, die wegen des Klimawandels existenziell gefährdet sind, lassen sich mit einem solchen Etikettenschwindel nicht abspeisen,” erklärte Bals.

Die EU hat sich auf ihrer Ratssitzung nicht dazu durchringen können, das 30-Prozent-Reduktionsziel ohne wenn und aber auf den Tisch zu legen – und für den Fall eines erfolgreichen Gipfels das Ziel noch zu erhöhen.
“In Deutschland sind durch die Wirtschaftskrise im letzten und diesem Jahr die Emissionen um etwa 7 Prozent gesunken. In anderen Industriestaaten sieht das ähnlich aus. Verschiedene Studien zeigen, dass die Klimaziele ohne Zusatzkosten deutlich erhöht werden können,” so Bals. “Der Vorschlag der Inselstaaten zwingt Industrie- und Schwellenländer dazu, Farbe zu bekennen”.

Deutsche Beteiligung enttäuscht viele Hoffnungen

Inzwischen gibt sich die deutsche Kanzlerin zurückhaltend. Klimaschutz nur ohne Abwanderung von Arbeitsplätzen – mit diesem Argument lehnt die Bundeskanzlerin weitere deutsche und europäische Zugeständnisse ab. Greenpeace-Chef Naidoo kritisiert Merkels Verhalten als enttäuschend. (siehe auch Spiegel Online vom 13.12.09)

Auch der BUND kritisiert die Bundeskanzlerin und ihren Umweltminister. Norbert Röttgen und Kanzlerin Angela Merkel wird vorgeworfen, ohne neue substantielle Vorschläge nach Kopenhagen zu fahren. Die von beiden ständig wiederholte Beschwörung des so genannten “Zwei-Grad-Ziels” könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bundesregierung keine konkreten Vorschläge mache, wie ein solches Ziel zwischen den Staaten vereinbart und gemeinsam erreicht werden könne. Das “Zwei-Grad-Ziel” gilt als maximal akzeptable globale Temperaturerhöhung bis zum Ende dieses Jahrhunderts.

Außerdem habe Deutschland bisher keine greifbaren Zusagen zur Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in den Ländern des Südens gemacht. Kurz vor der entscheidenden Verhandlungsrunde in Kopenhagen habe das Entwicklungshilfeministerium auch noch infrage gestellt, dass die Mittel dafür zusätzlich bereitgestellt würden.

“Solche Botschaften aus Deutschland gefährden den Gipfelerfolg in Kopenhagen”, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. “Bundeskanzlerin Angela Merkel verliert jede politische Glaubwürdigkeit, wenn sie in Kopenhagen nichts zu bieten hat als leere Versprechungen. Der Weltklimagipfel kann ein wichtiger Schritt beim globalen Klimaschutz werden. Voraussetzung ist jedoch, dass auch aus Deutschland ernsthafte Angebote kommen, wie die Treibhausgase im eigenen Land und in der EU drastisch gesenkt werden sollen und wie die Industriestaaten die Entwicklungsländer künftig beim Klimaschutz unterstützen.”

Der BUND kritisierte auch das fehlende Engagement der Bundesregierung für ein europäisches CO2-Minderungsziel von mindestens 40 Prozent bis 2020. Das von der Europäischen Union beim EU-Gipfel beschlossene Reduktionsziel von 20 Prozent weniger CO2 bis 2020 sei völlig inakzeptabel. Damit werde eine halbherzige Klimapolitik fortgesetzt, wie sie seit geraumer Zeit auf europäischer Ebene betrieben werde, wo Deutschland regelmäßig den Bremser spiele. Ein Beispiel dafür sei die Gewährung großzügiger Ausnahmen für energieintensive Industrien beim Emissionshandel.

“Europa kann seine CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Wie das geht haben wir erst kürzlich mit einer Studie des Stockholmer Umweltforschungsinstitutes gezeigt. Aber Deutschland muss aufhören, Vorschläge für mehr Klimaschutz auf EU-Ebene zu verwässern. Kopenhagen droht zu scheitern, wenn diejenigen, die bisher eine Vorreiterrolle für sich in Anspruch nehmen, nicht endlich aus der Deckung kommen. Die Taktik, erst am Ende des Klimagipfels irgendwelche Joker zu präsentieren, kann schiefgehen. Wenn die Afrikanischen Länder wie befürchtet aus Frustration über die lahmenden Verhandlungen vorzeitig abreisen, dann muss der Gipfel als gescheitert gelten”, sagte Antje von Broock, die für den BUND den Kopenhagener Klimagipfel beobachtet.

Frau Merkel verbreitet derweil, dass man doch von einer Panikmache absehen sollte. Die globale Erwärmung sei zwar menschengemacht und real, aber kein Grund für übertriebene Sorge, zitiert der Spiegel.

Die deutschen Bürgerinnen und Bürger scheinen das anders zu sehen, wie der Spiegel zu berichten weiß:

80 Prozent der Bürger zu Einschränkungen bereit

Die Bürger in Deutschland sind jedenfalls bereit, ihren Teil zum Klimaschutz beizutragen. Eine überwältigende Mehrheit würde einer Umfrage zufolge Einschränkungen im Alltag hinnehmen, um den CO2-Ausstoß zu verringern und den Klimawandel einzudämmen. In der Emnid-Umfrage für “Bild am Sonntag” gaben 80 Prozent der Befragten an, sie würden für den Klimaschutz beim Autoverkehr, dem Fleischkonsum oder bei Flugreisen Verzicht üben. Nur 19 Prozent sind zu keinen Einschränkungen bereit.

Dass es der Politik gelingt, beim Klimaschutz voranzukommen, glauben allerdings nur die wenigsten – und so sind auch die Erwartungen an den Weltklimagipfel von Kopenhagen gering: 71 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage, ob sich die Staaten auf Maßnahmen einigen werden, die dem Klima wirklich helfen, mit Nein. Nur 23 Prozent rechnen mit einem Durchbruch in der kommenden Woche.

Dabei ist den Bundesbürgern wohl bewusst, dass die bisherigen Anstrengungen für den Klimaschutz nicht ausreichen: 58 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an, dass Deutschland noch nicht genügend unternehme, um den Klimawandel zu bremsen. 40 Prozent zeigten sich zufrieden mit der deutschen Klimapolitik.

(Aus: Spiegel online vom 13.12.09 )

Reaktionen auf Bundeskanzlerin Merkel

Wie bestellt meldete sich heute die deutsche Energie-Lobby, die um ihre Klimakiller-Werke und andere Gewinne fürchtet. Zur Zeit kippt in Deutschland ein geplantes Kohlekraftwerk nach dem anderen – nicht zuletzt an den zahlreichen Bürgerprotesten allerorten. Die deutschen Konzerne mit RWE an der Spitze eilen nun also ihrer Kanzlerin zur Hilfe und zaubern eine Studie aus dem Hut, die entgegen all der vielen bisherigen Forschungsergebnisse behauptet, eine eilige CO2-Minderung würde Deutschland Arbeitsplätze kosten. (Spiegel online, 14.12.09)

Für die Entwicklungsländer drückte der sudanesische Diplomat Lumumba Di-Aping seine Enttäuschung über die deutsche Kanzlerin im Rahmen eines Interviews der Frankfurter Rundschau aus.
Die Relationen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern würden einfach nicht stimmen. Die Brotkrumen, die die EU den armen Ländern nun hinwerfen würde, die könne man nicht als Bemühen um ein gerechtes Abkommen sehen. Die deutsche Kanzlerin griff der Sudanese Di-Aping direkt an: “Frau Merkel hat zwei Gesichter. Sie ist zu Hause eine große Ökologin, aber wenn es ums Geld für den Klimaschutz geht, steht sie auf der Bremse.” (Frankfurter Rundschau online, 14.12.09)

Dagmar Struß – birdfish

Kategorie: Allgemeines, Arbeit, EU, Energieversorger, Entwicklungsländer, Ernährung, Forschung, Gesundheit, Gruppen, Internationale ZA, Konferenzen-Events, Mensch, Personen, Politik, Prognosen, Ressourcen, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die landwirtschaftliche Produktivität

Freitag 11. Dezember 2009 von birdfish

Im Rahmen ihrer Schriftenreihe Ökologie setzt sich die Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Thema Klimawandel und das Recht auf Nahrung auseinander.

Titelbild der Studie
(c) Heinrich Böll Stiftung

Der Klimawandel und seine Folgen haben immense Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion und die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen.

Zunehmende Wetterextreme wie Fluten und Dürren vernichten Ernten, der steigende Meeresspiegel bedroht die küstennahe Landwirtschaft und gleichzeitig werden die globalen Trinkwasserreserven knapper. Bereits heute leiden mehr als eine Milliarde Menschen an Hunger und Mangelernährung.

Doch nicht nur der Klimawandel selbst, sondern auch Maßnahmen dagegen beeinflussen das Recht auf Nahrung. Und das auf oftmals sehr unauffällige Weise. Der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter macht immer wieder auf reale und mit Klimapolitik verbundene Menschenrechtsverletzungen aufmerksam. So gibt es Projekte bei denen die lokale Bevölkerung von ihrem Land vertrieben wurde, um Platz für Aufforstungsprojekte oder Plantagenwirtschaft mit Eukalyptusbäumen zu schaffen, die die Treibhausgasemission der Industrieländern kompensieren sollten. De Schutter fordert deshalb, dass der Menschenrechtsansatz konkrete Implikationen für die Maßnahmen zur Bekämpfung und Anpassung an den Klimawandel haben muss.

In der aktuellen Studie „Klimawandel und das Recht auf Nahrung“ analysiert die Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Human Rights Institute der Columbia Law School die Folgen des Klimawandels auf die Umsetzung des Rechts auf Nahrung und gibt Empfehlungen, wie beide Agenden besser zusammengeführt werden können.

Dazu gehört beispielsweise ein verstärkter Fokus auf Belange der Ernährungssicherung bereits bei der Datenerhebung sowie die Ernennung eines UN-Sonderbeauftragen für Klimawandel und Menschenrechte, dessen Aufgabe es ist internationale Maßnahmen zur Anpassung und Bekämpfung des Klimawandels auf die Verträglichkeit mit dem Recht auf Nahrung überprüft und bei auftretenden Problemen Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Die Autoren der Studie plädieren für ein Klimaregime, das auf Gleichbehandlung und Gerechtigkeit beruht und in einem kooperativen Ansatz Klimapolitik und das Recht auf Nahrung verbindet.

Hier finden Sie die umfassende Studie „Climate Change and the Right to Food“ (PDF, engl.).

Kategorie: Allgemeines, Arbeit, Entwicklungsländer, Ernährung, Forschung, Gesundheit, Gruppen, Internationale ZA, Landwirtschaft, Mensch, Politik, Prognosen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »