KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Brandenburg ist Spitze beim Ökolandbau – Niedersachsen bildet das Schlusslicht

Montag 30. August 2010 von birdfish

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat an die Bundesländer und die Bundesregierung appelliert, den ökologischen Landbau stärker zu fördern.

Stiefkind Bodenschutz
Bodenschutz: Politik muss Anreize zum Umdenken schaffen – Foto: Bernd Boscolo / Pixelio

Ein vom DNR vorgelegtes Ranking zeigt Brandenburg mit einem Flächenanteil von 10,5% an der Landwirtschaftsfläche des Landes an der Spitze, gefolgt von Hessen mit 9,3%, dem Saarland mit 8,9% und Mecklenburg-Vorpommern mit 8,7%.

Trauriges Schlusslicht ist Niedersachsen mit einem Flächenanteil von lediglich 2,9%. Sachsen und Schleswig-Holstein mit 3,5% stehen nicht viel besser da. „Um so verhängnisvoller ist es daher, dass Schleswig-Holstein aus der Förderung des Ökolandbaus aussteigen will“, kritisierte Kornelie Blumenschein vom DNR-Präsidium und Vorsitzende der Ökolandbau-Vereinigung Gäa.

Der DNR verwies auf die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie die einen Anteil des Ökolandbaus von 20 bis 2010 vorsieht. Dieses Ziel wird mit einem durchschnittlichen Flächenanteil von lediglich 5,6% im Bundesgebiet klar verfehlt, monierte der DNR.

Der Nutzen des ökologischen Landbaus im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft besteht zum einen in positiven Effekten für die biologische Vielfalt. Neben der Ausstattung mit naturnahen und miteinander vernetzten Flächen ist vor allem eine naturschonende Bewirtschaftung von Bedeutung. Zum anderen enthalten Ökoprodukte bei verschiedenen Kulturen (wie Kohl, Salat, Tomaten oder Kartoffeln) gegenüber dem konventionellen Anbau deutlich höhere Gehalte an Antioxidantien, Vitaminen und bioaktiven Stoffen und nicht zuletzt profitiert auch das Klima vom Ökolandbau vor allem wegen des Verzichts auf synthetischen Dünger und des kleineren Viehbestandes je Fläche. Zudem kann ein ökologisch bewirtschafteter Boden mehr CO2 binden.DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen, Vorsitzender der Jury Ökologischer Landbau, wies auf die nationalen Angebotsengpässe bei einem weiter boomenden Ökomarkt hin. Eine wesentliche Ursache für die hohe Importquote von nahezu 50% sei die zu geringe Förderung der Ökologischen Landwirtschaft in Deutschland.

So habe sich der Förderstopp in zahlreichen Bundesländern in den Jahren 2005 und 2006 als schwerwiegender Fehler erwiesen. Die Förderprogramme seien zwar inzwischen wieder angelaufen, aber meistens auf niedrigerem Niveau.

Der DNR forderte daher von den Bundesländern eine deutliche Anhebung der Förderprämien und von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner eine deutliche Aufstockung der Mittel für das Bundesprogramm Ökolandbau.

Anteil Ökofläche an Landbaufläche des Bundeslandes in % 2009:

1. Brandenburg 10,5
2. Hessen 9,3
3. Saarland 8,9
4. Mecklenburg-Vorpommern 8,7
5. Stadtstaaten zusammen 7,5
6. Baden-Württemberg 7,0
7. Bayern 5,8
8. Rheinland-Pfalz 4,5
9. Thüringen 4,3
10. Nordrhein-Westfalen 4,2
11. Sachsen-Anhalt 4,2
12. Sachsen 3,5
13. Schleswig-Holstein 3,5
14. Niedersachsen 2,9

Durchschnittswert: 5,6

Kategorie: Artensterben, Boden, Elemente, Ernährung, Gesundheit, Gruppen, Landwirtschaft, Mensch, Politik, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Verbraucher, Veröffentlichungen, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Moore und Torf – die effektivsten CO2-Speicher der Erde in Gefahr

Montag 23. August 2010 von birdfish

Allgemeines zu Moor und Torf

Moore sind nasse Lebensräume. Der ständige Wasserüberschuss aus Niederschlägen oder Mineralbodenwasser bedeutet einen Sauerstoffmangel und führt zu einem unvollständigen Abbau der pflanzlichen Reste, die als Torf abgelagert werden.

Sonnentau im Moor
Der geschützte Sonnentau wächst in Mooren – Foto: Dagmar Struß

Durch die Anhäufung von Torf wächst die Oberfläche von lebenden Mooren in die Höhe. Im Gegensatz zu Sümpfen  herrscht in Mooren eine permanente Wassersättigung. Gelegentliches Austrocknen führt in Sümpfen zu einem vollständigen Abbau der organischen Substanz zu Humus. In Mooren ist durch die permanente Wassersättigung dieser Abbau gehemmt, so dass Torf entstehen kann.

Quelle: Wikipedia – dort auch mehr Informationen über Entstehung und Vorkommen

Moor und Torf als CO2-Speicher

Moorgebiete sind gigantische Kohlenstoffspeicher: Sie beherbergen weltweit mindestens 550 Gigatonnen Kohlenstoff, obwohl sie nur drei Prozent der Landoberfläche bedecken. Zum Vergleich: Die gesamte globale Vegetation speichert nur 600 Gigatonnen, der Mensch emittiert etwa acht Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr durch Verbrennung fossiler Energieträger.

Quelle : KlimaCampus / Universität Hamburg

Moore in Gefahr

In Anbetracht dessen, welche Bedeutung die weltweiten Moore für den Klimaschutz besitzen, ist es eine Tragödie mit anzusehen, wie ein Moor nach dem anderen zerstört wird.

Ganz extrem betrifft die Zerstörung das Land Indonesien, wo Moore entwässert werden, m hier Palmölplantagen zu errichten.

Kleine Forschritte sind vorhanden. So verspricht seit kurzem das indonesische Forstministerium, zukünftig keine Genehmigungen für die Umwandlung von Torfwäldern in Plantagen zu vergeben. Das kümmert die Großkonzerne jedoch wenig. Insbesondere der Konzern Sinar Mas zerstört unvorstellbar große Moor- und Urwaldflächen und macht auch nicht halt vor Menschen und Tieren, die im Urwald leben.

Sinar Mas beliefert renommierte Firmen wie z.B. Burger King und Pizza Hut mit Palmöl. Hier war exemplarisch Nestlé in der Kritik, die dieses Palmöl u.a. für ihre Kitkat-Schokoriegel verwenden.  Diese nahmen die Kritik zuerst nicht ernst. Nach großen Verbraucher-Protesten handelten sie jedoch und rangen dem Palmöl-Belieferer ab, den nachhaltigen Anbau zu garantieren.

Genützt hat dieses nicht, denn die Zerstörungen durch Sinar Mas gehen weiter. Da der Konzern selbst massivem Druck ausgesetzt ist, hatte er eine unabhängige Untersuchung veranlasst, um die Anschuldigungen zu überprüfen, die vor allem von Greenpeace massiv erhoben werden. Als dieses Audit nun ergab, dass die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen, hat das Unternehmen die Ergebnisse manipuliert.

Einen schweren Schlag hatten nun die russischen Moore zu verkraften. Im Juli 2010 waren gerade Wissenschaftler der Uni Hamburg aufgebrochen, um die Klimaschutz-Relevanz der russischen Moore zu erforschen. Bereits wenige Tage später – im August 2010 – wüteten in Russland bereits  zahlreiche Brände, die nicht zu löschen waren und große Moorgebiete zerstörten.

Wiedervernässung und Renaturierung

In Deutschland erkennt man – nicht zuletzt durch steten Druck der Umweltverbände – immer mehr die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz. So gibt es hier Projekte zur Wiedervernässung – z.B. am niedersächsischen Theikenmoor.

Deutschland unterstützt auch osteuropäische Länder bei der Wiedervernässung ihrer Moore. Das Bundesumweltministerium (BMU) finanziert z.B.  im Rahmen der Internationalen Klima-Initiative ein Modellprojekt zur großflächigen Moorrenaturierung in Belarus (Weißrussland).

Mehr Informationen zum Thema liefert auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, für das die Untersuchung von Feuchtgebieten wie Mooren und Auenlandschaften einen wichtigen Schwerpunkt bildet.

Moore in Deutschland

Von einst etwa 500.000 Hektar Hochmoorfläche in Deutschland sind nur etwa 30.000 Hektar übrig geblieben. Moore erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Durch ihr hohes Wasserspeicher-Vermögen sind sie sehr wichtig als natürlicher Hochwasserschutz und Grundwasserspeicher. Dank ihrer beträchtlichen Reinigungskraft sind Moore unverzichtbar für den Erhalt unserer Trinkwasservorräte. Sie leisten darüber hinaus auch einen großen Beitrag zum globalen Klimaschutz, da Moore enorme Mengen an Kohlenstoff speichern – weit mehr, als dies Wälder tun. Sie beherbergen außerdem eine Vielzahl von hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten, darunter Torfmoose, Zwergbirke oder die Moosbeere, Libellenarten wie die Große Moosjungfer, zahllose Tagfalter wie der Hochmoor-Perlmutterfalter und den Hochmoor-Gelbling. Durch die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes sind sie jedoch zunehmend in ihrem Bestand bedroht. Da diese Arten an die oft sehr nährstoffarmen Bedingungen in den Moorgebieten angepasst sind, können sie nicht auf andere Standorte ausweichen.

In Anbetracht dessen, wie schnell der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität voranschreiten, reichen die deutschen Maßnahmen bei weitem noch nicht aus. Umweltverbände fordern daher von der Bundesregierung ein Programm zur Renaturierung von Mooren.

Weiterführende Infos

Der NABU hat eine informative Website zum Moorschutz zusammen gestellt

Nach den verheerenden Bränden in Russland macht der NABU auf die alarmierenden Folgen für das Weltklima aufmerksam. Nach Schätzungen von Prof. Florian Siegert vom GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität in München könnten allein durch die Torfbrände in Russland zwischen 30 und 100 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid entstanden sein. Das entspricht in etwa vier bis zwölf Prozent der CO2-Jahresemission Deutschlands. Diese erste Auswertung basiert auf zunächst gering aufgelösten Satellitendaten. Um das gesamte Ausmaß der Katastrophe detailliert zu erfassen bedarf es dringend weiterer Forschung. Thomas Tennhardt, NABU-Vizepräsident und Leiter des Fachbereichs Internationales: „Die Torfbrände hatten nicht nur schlimme Auswirkungen für die Menschen und Tiere in der Region. Die Gefahr für das Klima wird durch die freigesetzten Rußpartikel noch verstärkt. Sie halten sich sehr lang in der Atmosphäre und können bis zur Arktis getragen werden, wo sie die Eisschmelze weiter beschleunigen.“

Wochenlang brannten im Umland von Moskau nicht nur Wälder, sondern auch Torfmoore. Die dadurch entstandene extreme Feinstaubbelastung kostete vermutlich Tausende von Menschen das Leben. Der dichte Qualm aus brennenden Mooren enthält große Mengen des äußerst gefährlichen Kohlenstoffmonoxids und klimaschädliches Kohlendioxid. Die daraus resultierende Schadstoffbelastung ist um ein Vielfaches höher als die aus brennenden Wäldern. Die russischen Torfmoore wurden seit den dreißiger Jahren flächendeckend für eine wirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Um das Entstehen von Torfbränden künftig zu verhindern und die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme zu sichern, müssen die ehemaligen Torfmoore wieder vernässt werden.

Aus NABU-Sicht ist es daher notwendig, in den betroffenen Regionen in Russland ein Konzept zur Wiederherstellung der Moore zu starten. Dies schließt nicht zwangsläufig eine weitere Nutzung aus. Felix Grützmacher, NABU-Referent für Moorschutz: „In Deutschland zeigen solche Projekte bereits vielversprechende Ergebnisse. Bei der wirtschaftlichen Nutzung von zum Beispiel Schilf als Brenn- oder Baustoff kann der Boden nass bleiben und die Gefahr von Feuern ist gebannt. Dies wäre nicht nur ein Beitrag für den Klimaschutz, sondern hätte positive Effekte für viele Tier- und Pflanzenarten.

Kategorie: Allgemeines | Keine Kommentare »

Hochwasser: Die Renaturierung von Auen ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll

Freitag 20. August 2010 von birdfish

Die jüngsten Hochwasser an Neiße und Spree zeigen, dass Hochwasserschutzmaßnahmen weiter ein Thema bleiben werden.

Naturschutz ist Hochwasserschutz
Naturschutz ist Hochwasserschutz, der sich rechnet – Foto: Hanspeter Bolliger / Pixelio

Wie sich solch teure Maßnahmen, so gestalten lassen, dass Mensch und Natur optimal profitieren, zeigt eine gerade veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Wissenschaftler der TU Berlin konnten nachweisen, dass der Nutzen naturverträglicher Hochwasserschutzmaßnahmen die Kosten um den Faktor 3:1 überwiegt.

Naturverträgliche Hochwasserschutzmaßnahmen in Form von Deichrückverlegungen und Auenrenaturierungen rechnen sich damit auch volkswirtschaftlich: „Was für die Natur gut ist, zahlt sich so auch für die Bevölkerung aus“, kommentierte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) das Ergebnis der Studie, die das Bundesamt in Auftrag gab. Bei traditionellen Kosten-Nutzen-Analysen schneiden Hochwasserschutzmaßnahmen, die auch dem Naturschutz zugute kommen, vergleichsweise schlecht ab, denn die Analysen betrachten nur die Hochwasser senkende Wirkung. Mit der vorliegenden Studie wurde eine Methodik erarbeitet, die auch die Wirkung der Auen als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als Erholungsraum für die Menschen und als Filter für Schadstoffe und damit zusätzlich den ökonomischen Nutzen von verschiedenen Ökosystemfunktionen quantitativ erfasst. Ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 3:1 bedeutet, dass der monetäre Wert des ökologischen und ökonomischen Nutzens der Maßnahmen dreimal so hoch ist wie ihre Kosten.
In Anbetracht des zunehmenden Risikos von Schäden durch Überschwemmungen und des hohen Verlustes aktiver Auen in den vergangenen Jahrzehnten, stellt sich immer wieder die Frage, welche Hochwasserschutzmaßnahmen sinnvoll sind. Das Spektrum reicht von technisch geprägten Maßnahmen wie Deichbau und -sanierung bis hin zu Naturschutz fördernden Projekten wie Deichrückverlegungen, der Wiedergewinnung natürlicher Überschwemmungsflächen und einer Revitalisierung von Auen. Die Studie macht dabei deutlich, dass multifunktional ansetzende Maßnahmen, die neben dem Hochwasserschutz anderen Ökosystemfunktionen mit zugute kommen, auch volkswirtschaftlich gesehen einen höheren Nutzen bringen.
„Das Bundesamt für Naturschutz liefert mit der Studie ein Instrument, mit dem in Zukunft bei wasserbaulichen Entscheidungen auch die Ökosystemdienstleistungen quantifiziert berücksichtigt werden können“, sagte Beate Jessel. „Erweiterte Kosten-Nutzen-Analysen können bei Planungen, z. B. im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen als Entscheidungshilfe für nachhaltige Lösungen dienen und für neue Transparenz sorgen“, erläuterte die BfN-Präsidentin.

Hintergrundinformationen

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erarbeiteten die Wissenschaftler der TU Berlin das methodische Grundgerüst und wendeten dieses am Fallbeispiel Elbe an. Die Forscher wählten einen ökonomischen Ansatz, um das Nutzen-Kosten-Verhältnis naturverträglicher Maßnahmen an der Elbe einschätzen zu können. Ein Wert über 1 bescheinigt dabei einen volkswirtschaftlichen Mehrwert. Die umfangreichste der untersuchten Deichrückverlegungsvarianten, bei der rund 35.000 Hektar Überflutungsflächen an der Elbe zurück gewonnen werden, erreicht einen positiven Wert von 3,1. Ein solches Programm würde durchschnittliche jährliche Kosten von 18 Millionen Euro verursachen. Der ermittelte Nutzen beläuft sich auf das Dreifache und setzt sich unter anderem aus den vermiedenen Hochwasserschäden von im Durchschnitt 6 Millionen Euro pro Jahr und den eingesparten Kosten durch eine Verkürzung der zu unterhaltenden Deichlinie von 5 Millionen Euro pro Jahr zusammen. Hinzu kommen die Einsparungen für ansonsten an anderer Stelle erforderliche Maßnahmen zur Minderung der Nährstofffracht der Elbe (z. B. durch Nutzungseinschränkungen in der Landwirtschaft oder Steigerung der Reinigungsleistung von Kläranlagen), die zur Erreichung der festgelegten Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erforderlich sind, in Höhe von 16 Millionen Euro pro Jahr. Ferner berücksichtigten die Forscher die Wertschätzung der Bevölkerung für den Erhalt von natürlichen Auenlandschaften, die mittels der Zahlungsbereitschaft erfasst wurde, mit einem jährlichen Wert von 30 Millionen Euro.

Die Resultate der Kosten-Nutzen-Analyse zeigen deutlich: Betrachtet man nur die Hochwasserschutzwirkung würden naturverträgliche Deichrückverlegungen ein negatives Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweisen. Berücksichtigen Entscheidungsträger auch den zusätzlichen Nutzen, der sich aus der Naturschutz- und Gewässerschutzwirkung von Deichrückverlegungen ergibt, ist mit einem positiven Nutzen-Kosten-Verhältnis zu rechnen. Deichrückverlegungen sind dann nicht nur naturschutzfachlich, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Es ist davon auszugehen, dass eine begrenzte Zahl technischer Schutzmaßnahmen mit starker Hochwasserschutzwirkung an ausgewählten Stellen kombiniert mit großflächigen Auenreaktivierungen mit ihren vielfältigen ökologischen Vorteilen zu einem besonders wirkungsvollen und ökonomisch effizienten Schutzprogramm führen. Mit der Wiederherstellung von naturnahen Auen kann somit in Deutschland ein effizienter Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt geleistet werden.
Mit der Studie verdeutlicht das BfN in einem konkreten Anwendungsfall den ökonomischen Wert von Naturschutz. Das Untersuchungsergebnis unterstreicht dabei auch die zentrale Aussage des TEEB-Berichtes (The Economics of Ecosystems and Biodiversity), dass sich Naturschutz volkswirtschaftlich lohnt. Das internationale Forschungsprojekt ermittelte, dass die Schutzgebiete der Erde jährlich Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,4 – 5,2 Bio. USD erbringen, wohingegen jährlich nur Investitionen in Höhe von etwa 45 Mrd. USD für den Erhalt der Ökosysteme notwendig wären. Der Forderung des TEEB-Berichtes, dass Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen in Zukunft deshalb bei allen relevanten Entscheidungen systematisch in Kosten-Nutzen-Analysen einbezogen werden müssen, kommt das BfN mit der Studie „Ökonomische Bewertung naturverträglicher Hochwasservorsorge an der Elbe und ihren Nebenflüssen“ entgegen.

Bezugshinweis: Die Studie ist erschienen im Landwirtschaftsverlag in der BfN Schriftenreihe unter dem Titel „Ökonomische Bewertung naturverträglicher Hochwasservorsorge an der Elbe“. Naturschutz und Biologische Vielfalt Heft 89.
Bezug über: BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag, 48084 Münster, ISBN 978-3-7843-3989-4

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Infos zum TEEB-Bericht

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Boden, Elemente, Forschung, Gruppen, Landwirtschaft, Meteorologie, Politik, Prognosen, Ressourcen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Wassermanagement, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Klimawandel ließ die Mammuts aussterben – Parallelen zur heutigen Zeit vorhanden

Donnerstag 19. August 2010 von birdfish

Nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor rund 21000 Jahren folgten die Mammuts den sich zurückziehenden Gletschern in kühlere Regionen der Nordhalbkugel.

Mammuts starben aufgrund des Klimawandels aus
Mammuts starben aufgrund des Klimawandels aus – Abbildung: Mauricio Anton / Wikipedia

Dort starben die beeindruckenden Tiere sowie weitere große Säuger wie Wollnashorn und Höhlenlöwe vor etwa 11000 Jahren aus. Für dieses Massensterben wurden lange Zeit vor allem eiszeitliche Jäger verantwortlich gemacht. Jetzt belegt eine aktuelle Studie: Der Mensch war wahrscheinlich nicht die Hauptursache für das Aussterben der Eiszeitriesen. Der Grund war wohl vielmehr das sich verändernde Klima.
Die bisher umfangreichste Untersuchung über Klima und Vegetation der Nordhalbkugel während der letzten Eiszeit wurde im renommierten Fachjournal „Quarternary Science Reviews“ veröffentlicht. Neben Wissenschaftlern aus England und Schweden ist auch der kürzlich an das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) berufene Professor Thomas Hickler daran beteiligt. Der Leiter des Projektbereichs “Dynamische Biosphäre und Klimavariabilität” sagte: „Die so genannte Megafauna hat bereits frühere Warmzeiten überlebt. Deshalb gingen bisher viele davon aus, dass die menschliche Jagd die Hauptursache für ihr Aussterben war. Unsere Ergebnisse bestätigen jedoch Untersuchungen der letzten Jahre, die dem Klima die größere Rolle beimessen.“

Anhand von Pollendaten und Computersimulationen untersuchten die Wissenschaftler die durch den damaligen Klimawandel verursachten Veränderungen der Vegetation während und nach der Eiszeit. Die Ergebnisse belegen eindrucksvoll, wie sich der Lebensraum – parallel zu steigenden Temperaturen, bei zunehmender Feuchtigkeit und dem gleichzeitigen Anstieg des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre – verändert hat. Die Produktivität der Ökosysteme nahm dabei insgesamt zu. Die für die einst riesige Eiszeitsteppe typische krautige Biomasse, von der sich Eiszeitriesen wie Wollmammut und Wollnashorn ernährt hatten, wurde durch Wälder und Tundren verdrängt und ging stark zurück. Die großen Säugetiere fanden deshalb immer weniger Nahrung – was schließlich, in Kombination mit der Bejagung durch den Menschen, zu ihrem Aussterben führte. Und ohne die großen Pflanzenfresser fehlte auch Fleischfressern wie Höhlenlöwen und Höhlenbären die Beute, sie verschwanden ebenfalls.

Thomas Hickler sieht in diesen eiszeitlichen Ereignissen eine Parallele zur heutigen Zeit. Im Hinblick auf die Bedrohung von Arten und Lebensräumen äußert der BiK-F-Wissenschaftler: „Die Auswirkungen der Kombination aus Klimawandel und menschlicher Einflussnahme auf die Ökosysteme könnte auch in naher Zukunft zu Massenaussterben führen, zumal es wahrscheinlich noch deutlich wärmer wird als damals. Außerdem greift der Mensch heute viel stärker in die Umwelt ein als damals durch die Jagd. Land- und Forstwirtschaft nehmen bereits zirka 50 Prozent der Landoberfläche in Anspruch, und immer mehr Menschen konkurrieren mit der Artenvielfalt um das, was noch übrig ist.“

Originalpublikation:

Judy R.M. Allen, Thomas Hickler, Joy S. Singarayer, Martin T. Sykes, Paul J. Valdes, Brian Huntley,: Last glacial vegetation of northern Eurasia. – Quaternary Science Reviews doi:10.1016/j.quascirev.2010.05.031.

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Ernährung, Forschung, Gruppen, Landwirtschaft, Mensch, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Europäische Kommission veröffentlicht umweltpolitischen Fortschrittsbericht

Mittwoch 18. August 2010 von birdfish

Die EU-Kommission hat die Überprüfung der Umweltpolitik für das Jahr 2009 veröffentlicht.

Bedrohter Kiebitz: Großer Nachholbedarf der EU-Länder beim Schutz der Biodiversität
Bedrohter Kiebitz: Großer Nachholbedarf der EU-Länder beim Schutz der Biodiversität – Foto: Jala 7 / Pixelio

Der Bericht zeigt die Entwicklungen in der EU-Politik im vergangenen Jahr auf und beleuchtet die Umwelttrends sowie umweltpolitischen Leistungen in der EU und ihren Mitgliedstaaten.

Danach haben die Mitgliedstaaten im Bemühen um eine CO2-arme und ressourceneffiziente Wirtschaft viele grüne Initiativen in ihre Konjunkturprogramme eingebaut. Nachholbedarf sieht der Bericht insbesondere beim Kampf gegen den Verlust der biologischen Vielfalt sowie bei der Ressourceneffizienz.
Die Studie geht konkret auf die politischen Entwicklungen der vier Prioritäten des 6. Umweltaktionsprogramms ein. Im Bereich Klimawandel waren die letztjährigen Aktivitäten in der EU vor allem durch die Bemühungen geprägt, diesen abzuschwächen. Für die zweite Priorität, Natur und biologische Vielfalt, zeigt der Bericht die Notwendigkeit der effektiven Nutzung dieser Vielfalt und der Ökosystemleistungen. Gleichzeitig kommt er zu dem Ergebnis, dass es sich auch wirtschaftlich lohnt, in den Schutz von Ökosystemen zu investieren. Im Themenbereich Gesundheit und Umwelt hat die EU 2009 unter anderem mit der Umsetzung der Chemikalienvorschriften und der REACH-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe auf verschiedenen Feldern Fortschritte erzielt. Im Bereich Abfall und natürliche Ressourcen, der vierten Priorität des 6. Umweltaktionsprogramms, hat die EU im vergangenen Jahr einen Maßnahmenkatalog für Nachhaltigkeit bei Verbrauch und Produktion entwickelt sowie ein Endkundenforum eingerichtet, um Maßnahmen für eine bessere Abfallbewirtschaftung praxisnah zu entwickeln. Über die vier Prioritäten hinaus, erläutert die Studie weitere Schlüsselthemen für 2010 und die folgenden Jahre.
Die jährliche Überprüfung der Umweltpolitik dient dazu, die neuesten Umwelttrends und politischen Entwicklungen in der EU und auf nationalem Niveau sowie den Fortschritt bei der Verwirklichung der wichtigsten Umweltziele der EU zu beurteilen.

Die Dateien zum Bericht (engl.) – Es lassen sich auch Daten zu den Ländern einzeln als PDF aufrufen.

Die Pressemeldung der EU-Kommission

Kategorie: Artensterben, EU, Gruppen, Landwirtschaft, Politik, Ressourcen, Ressourcen sparen, Tiere und Pflanzen, Umfragen, Veröffentlichungen, Wirtschaft, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Kooperation mit Mongolei – Klimawandel hat hier bereits deutliche Spuren hinterlassen

Dienstag 17. August 2010 von birdfish

Endlose Weiten unter blauem Himmel und hier und da mal eine Jurte; so zeigen viele Fotos die Mongolei.

Klimawandelfolgen in der Mongolei
Klimawandelfolgen in der Mongolei – Foto: Bernhard Stribrny / BIK-F

Doch der Eindruck unversehrter Natur trügt: Permafrostböden tauen, Wasserkreisläufe verändern sich und Waldbrände vernichten ganze Landstriche. Der Klimawandel macht sich in dem zentralasiatischen Land deutlich bemerkbar. Dem will die mongolische Regierung durch ein gezieltes Umweltmanagement und externes Know-how entgegenwirken. Nachdem der Umweltminister des Landes im März das Frankfurter Biodiversität und Klimaforschungszentrum (BiK-F) besucht hatte, waren jetzt vier Wissenschaftler in der Mongolei und haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Von Ulaanbaatar aus fuhren die BiK-F-Forscher in die östlich der Hauptstadt gelegene Provinz Khentii, die als Dschingis Kahns Heimat gilt. Während die Gruppe aus deutschen und mongolischen Wissenschaftlern des „Institute of Meteorology and Hydrology“ (IMH) tagsüber die vom Klimawandel betroffenen Gebiete besichtigte, wurden abends bei der traditionellen Nomadensuppe Pläne geschmiedet. Zurück in Frankfurt sagte Rüdiger Wittig, Mitglied des BiK-F-Leitungsgremiums und Professor für Ökologie und Geobotanik an der Goethe-Universität Frankfurt: „Wir werden mit Unterstützung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ein bereits vorhandenes Camp zu einem Forschungsstützpunkt mit Wetterstation ausbauen.“

Schon jetzt liegt der durchschnittliche Temperaturanstieg in Zentralasien über dem globalen Mittel. Während die Klimaveränderung im Süden der Mongolei zur Ausdehnung der Wüste führt, verschieben sich die Vegetationszonen auch im Norden des Landes. Die ursprünglichen Taigawälder lichten sich. Erhöhte Durchschnittstemperaturen und saisonale Veränderungen bei den Niederschlägen führen vermehrt zu Waldbränden und wirken sich negativ auf die ohnehin kurzen Vegetationsperioden aus. Die Wälder haben kaum Gelegenheit, sich zu verjüngen, wobei der Bestand an Bäumen vermehrt von Schädlingen befallen und geschwächt wird. Das System ist aus der Balance. Legaler und illegaler Holzeinschlag tragen ein Übriges zur Gefährdung des Lebensraums vieler Tiere und Pflanzen bei.

Die BiK-F-Wissenschaftler wollen nun eine Strategie zur Stabilisierung des Wald- und Steppenökosystem in der Provinz Khentii entwickeln. Zur Umsetzung des Abkommens mit dem mongolischen „Centre of Climate-Environment Research“ steht nach Aussagen der Forscher zunächst eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Tier- und Pflanzenarten und der Klimaveränderungen an. „Wir müssen wissen, was sich in der hoch sensiblen Übergangsregion zwischen Steppe und Taiga durch den Klimawandel verändert. Dazu brauchen wir geologisch-bodenkundliche Basisinformationen und Klimadaten“, erklärt Prof. Bernhard Stribrny. Eine weitere wichtige Maßnahme ist nach Auffassung des Senckenberg-Wissenschaftlers und Leiters der BiK-F-Transferstelle die genaue Analyse der Wechselwirkungen, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen Arten und Lebensraum ergeben. Die ermittelten Daten sollen in Modellierungen eingehen und als Basis für Handlungsempfehlungen dienen.

Obwohl Tiere und Pflanzen gut an das für die geografische Lage charakteristisch trockene und raue Kontinentalklima der Mongolei angepasst sind, wirken sich die Veränderungen des Lebensraums fatal auf die biologische Vielfalt aus. Nicht nur die für die Taigawälder typischen Säuger wie Elche, Bären und Hirsche sind bedroht, auch Reptilien, Vögel und Insekten sowie für das Land wichtige Weidepflanzen. Die mongolischen Steppen- und Waldökosysteme reagieren empfindlich. Schon kleine Veränderungen können weitreichende Folgen nach sich ziehen. Davon betroffen ist nicht nur die Ökologie, sondern auch die Ökonomie: Schon allein die Forstwirtschaft bekommt die Auswirkungen des Klimawandels bereits deutlich zu spüren. Zudem lebt rund ein Drittel der Mongolen als Nomaden von Rindern, Schafen, Kamelen und Ziegen und ist somit direkt von natürlichen Ressourcen abhängig. Die Klimaveränderungen gefährden also auch ihre Existenz.

Schon in den 1990er Jahren hat die mongolische Regierung Steppen und weite Bereiche der ursprünglichen Wälder unter besonderen Schutz gestellt. Insgesamt 48 Naturschutzgebiete wurden eingerichtet. Eine “Strictly Protected Area“ liegt in der Provinz Khentii, wo das Biodiversität und Klima Forschungszentrum die Forschungsstation einrichten wird.

Weitere konkrete Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Ökosysteme wollen die Partner schon im November 2010 abstimmen. Dazu findet eine Klimakonferenz in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar statt. Darüber hinaus sieht das kürzlich unterzeichnete Memorandum of Understanding den Austausch junger Wissenschaftler vor. Im Sommer 2011 haben deutsche Studenten im Rahmen einer größeren Exkursion die Chance, im Field Camp vor Ort an der Bestandsaufnahme der Pflanzen mitzuwirken und können so auch Land und Leute kennenlernen. Zwei mongolische Studenten sind spontan mit nach Frankfurt gekommen. Weitere junge Nachwuchswissenschaftler aus der Mongolei sollen an der Universität Frankfurt ausgebildet werden und können mehrere Monate lang Messtechniken und Klimamodellierungen trainieren.

Die vereinbarten Forschungsarbeiten sollen einen Beitrag zum Erhalt der Wald- und Steppenökosysteme auf dem Hochplateau der nördlichen Mongolei liefern und verhindern, dass das Naturparadies zum ökologischen Krisengebiet wird. Das geschieht auch vor dem Hintergrund, dass die ausgedehnten Steppenlandschaften und Taigawälder der Mongolei, einschließlich der Permafrostböden, wichtige Faktoren für die Entwicklung des globalen Klimas, insbesondere in der nördlichen Hemisphäre, darstellen.

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Boden, Elemente, Ernährung, Forschung, Gesundheit, Gruppen, Luft, Mensch, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Wasser, Wälder | Keine Kommentare »

Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)

Dienstag 17. August 2010 von birdfish

Ziel des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) ist es, international herausragende Forschung auf dem Gebiet der Interaktionen zwischen organismischer Biodiversität und Klima durchzuführen.

BIK-F Logo

Mit innovativen Forschungsansätzen und unter Einsatz eines breiten Spektrums moderner Methoden – von der satellitengestützten Fernerkundung der Klima-, Areal- und Ökosystemreaktionen bis hin zur Molekulargenetik und Massenspektrometrie – werden vergangene wie gegenwärtige Ereignisse und Prozesse dokumentiert und analysiert, um darauf basierend verlässliche Projektionen für die Zukunft zu erarbeiten.

Das Zentrum stellt durch seine Tätigkeit sowohl auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene, als auch auf globaler Ebene wissenschaftliche Expertise zur Verfügung, wie sie für die umfassende Erforschung und für das Management klimawandelbedingter, ökologisch und medizinisch relevanter Biodiversitätsveränderungen benötigt wird. Hierdurch trägt es auch zur Erfüllung internationaler Übereinkommen wie der UN-Biodiversitätskonvention, der UN-Klimarahmenkonvention, der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie oder der EU-Wasserrahmenrichtlinie bei.

Quelle: Website des BIK-F

Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) seit 1. Juli 2008 im Rahmen der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert.
Das Senckenberg Forschungsinstitut und die Goethe-Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft, Ressourcen- und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben.

Kategorie: Allgemeines | Keine Kommentare »

Lichtverschmutzung belastet die Natur – Klimaschutz durch effiziente Beleuchtung

Freitag 13. August 2010 von birdfish

In Deutschland verschwenden Städte und Gemeinden jedes Jahr drei bis vier Milliarden Kilowattstunden Strom für die öffentliche Beleuchtung von Straßen, Brücken und Plätzen.

Viel Licht am Potsdamer Platz
Viel Licht am Potsdamer Platz – Foto: beata wróbel / pixelio

„Die Modernisierung der Stadtbeleuchtung ist einer der wichtigsten Beiträge der Kommunen zum Klimaschutz. Durch intelligente Lichtplanung und Beleuchtungstechnik kann der Energieverbrauch um 30 bis 50 Prozent gesenkt und die klammen Haushalte vieler Städte von steigenden Kosten für Strom und Wartung entlastet werden“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Jede dritte Straßenlaterne sei mehr als 20 Jahre alt und gehöre damit eher ins Technikmuseum. Zudem machen europäische Anforderungen an die Energieeffizienz der Straßenbeleuchtung bis spätestens 2015 eine Umrüstung erforderlich.

Gleichzeitig entdecken immer mehr Kommunen in Deutschland Licht als attraktives Mittel, um das Stadtbild zu verschönern. Astronomen schätzen, dass das Ausmaß an künstlicher Beleuchtung in der Nacht durch immer mehr und vor allem hellere Lichtquellen jährlich in Deutschland um mehr als fünf Prozent zugenommen hat. „Vielerorts fällt das Licht aber nicht nur auf Straßen-, Rad- und Gehwege, sondern strahlt völlig ungenutzt in den Nachthimmel, in Schlafzimmerfenster und benachbarte Naturräume. Diese Lichtverschmutzung muss nicht sein“, so NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. „Gerade veraltete und schlecht konstruierte Lichtquellen werden häufig zu tödlichen Fallen für nachtaktive Insekten, Vögel und Fledermäuse.“

Der NABU fordert die Kommunen auf, den verschwenderischen und zum Teil völlig nutzlosen Einsatz von Licht zu begrenzen. Weniger sei mehr, müsse die zentrale Leitlinie für die nächtliche Beleuchtung lauten. Daher sollte auch die aus ökologischen Gründen unverzichtbare Dunkelheit in Naturräumen in der Stadt und im Umland erhalten bleiben. „Eine energetische und naturverträgliche Sanierung der Stadtbeleuchtung in Deutschland kann dazu beitragen, pro Jahr rund eine Million Tonnen an klimaschädlichen Kohlendioxid zu vermeiden und gleichzeitig die Licht- und Aufenthaltsqualität deutlich zu verbessern”, so Große Ruse.

Kategorie: Artensterben, Gruppen, Mensch, Politik, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Städte, Tiere und Pflanzen, Verbraucher, Veröffentlichungen, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »