KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Brandenburg ist Spitze beim Ökolandbau – Niedersachsen bildet das Schlusslicht

Montag 30. August 2010 von birdfish

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat an die Bundesländer und die Bundesregierung appelliert, den ökologischen Landbau stärker zu fördern.

Stiefkind Bodenschutz
Bodenschutz: Politik muss Anreize zum Umdenken schaffen – Foto: Bernd Boscolo / Pixelio

Ein vom DNR vorgelegtes Ranking zeigt Brandenburg mit einem Flächenanteil von 10,5% an der Landwirtschaftsfläche des Landes an der Spitze, gefolgt von Hessen mit 9,3%, dem Saarland mit 8,9% und Mecklenburg-Vorpommern mit 8,7%.

Trauriges Schlusslicht ist Niedersachsen mit einem Flächenanteil von lediglich 2,9%. Sachsen und Schleswig-Holstein mit 3,5% stehen nicht viel besser da. „Um so verhängnisvoller ist es daher, dass Schleswig-Holstein aus der Förderung des Ökolandbaus aussteigen will“, kritisierte Kornelie Blumenschein vom DNR-Präsidium und Vorsitzende der Ökolandbau-Vereinigung Gäa.

Der DNR verwies auf die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie die einen Anteil des Ökolandbaus von 20 bis 2010 vorsieht. Dieses Ziel wird mit einem durchschnittlichen Flächenanteil von lediglich 5,6% im Bundesgebiet klar verfehlt, monierte der DNR.

Der Nutzen des ökologischen Landbaus im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft besteht zum einen in positiven Effekten für die biologische Vielfalt. Neben der Ausstattung mit naturnahen und miteinander vernetzten Flächen ist vor allem eine naturschonende Bewirtschaftung von Bedeutung. Zum anderen enthalten Ökoprodukte bei verschiedenen Kulturen (wie Kohl, Salat, Tomaten oder Kartoffeln) gegenüber dem konventionellen Anbau deutlich höhere Gehalte an Antioxidantien, Vitaminen und bioaktiven Stoffen und nicht zuletzt profitiert auch das Klima vom Ökolandbau vor allem wegen des Verzichts auf synthetischen Dünger und des kleineren Viehbestandes je Fläche. Zudem kann ein ökologisch bewirtschafteter Boden mehr CO2 binden.DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen, Vorsitzender der Jury Ökologischer Landbau, wies auf die nationalen Angebotsengpässe bei einem weiter boomenden Ökomarkt hin. Eine wesentliche Ursache für die hohe Importquote von nahezu 50% sei die zu geringe Förderung der Ökologischen Landwirtschaft in Deutschland.

So habe sich der Förderstopp in zahlreichen Bundesländern in den Jahren 2005 und 2006 als schwerwiegender Fehler erwiesen. Die Förderprogramme seien zwar inzwischen wieder angelaufen, aber meistens auf niedrigerem Niveau.

Der DNR forderte daher von den Bundesländern eine deutliche Anhebung der Förderprämien und von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner eine deutliche Aufstockung der Mittel für das Bundesprogramm Ökolandbau.

Anteil Ökofläche an Landbaufläche des Bundeslandes in % 2009:

1. Brandenburg 10,5
2. Hessen 9,3
3. Saarland 8,9
4. Mecklenburg-Vorpommern 8,7
5. Stadtstaaten zusammen 7,5
6. Baden-Württemberg 7,0
7. Bayern 5,8
8. Rheinland-Pfalz 4,5
9. Thüringen 4,3
10. Nordrhein-Westfalen 4,2
11. Sachsen-Anhalt 4,2
12. Sachsen 3,5
13. Schleswig-Holstein 3,5
14. Niedersachsen 2,9

Durchschnittswert: 5,6

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Die russischen Torfbrände sind Klimakiller: bis zu 100 Mio t Kohlendioxid ausgestoßen

Freitag 27. August 2010 von birdfish

Nach den verheerenden Bränden in Russland macht der NABU auf die alarmierenden Folgen für das Weltklima aufmerksam.

Ein feuchtes Moor kann nicht brennen
Ein feuchtes Moor kann nicht brennen – Foto: Dohduhdah / Wikipedia

Nach Schätzungen von Prof. Florian Siegert vom GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität in München könnten allein durch die Torfbrände in Russland zwischen 30 und 100 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid entstanden sein. Das entspricht in etwa vier bis zwölf Prozent der CO2-Jahresemission Deutschlands. Diese erste Auswertung basiert auf zunächst gering aufgelösten Satellitendaten. Um das gesamte Ausmaß der Katastrophe detailliert zu erfassen bedarf es dringend weiterer Forschung. Thomas Tennhardt, NABU-Vizepräsident und Leiter des Fachbereichs Internationales: „Die Torfbrände hatten nicht nur schlimme Auswirkungen für die Menschen und Tiere in der Region. Die Gefahr für das Klima wird durch die freigesetzten Rußpartikel noch verstärkt. Sie halten sich sehr lang in der Atmosphäre und können bis zur Arktis getragen werden, wo sie die Eisschmelze weiter beschleunigen.“

Wochenlang brannten im Umland von Moskau nicht nur Wälder, sondern auch Torfmoore. Die dadurch entstandene extreme Feinstaubbelastung kostete vermutlich Tausende von Menschen das Leben. Der dichte Qualm aus brennenden Mooren enthält große Mengen des äußerst gefährlichen Kohlenstoffmonoxids und klimaschädliches Kohlendioxid. Die daraus resultierende Schadstoffbelastung ist um ein Vielfaches höher als die aus brennenden Wäldern. Die russischen Torfmoore wurden seit den dreißiger Jahren flächendeckend für eine wirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Um das Entstehen von Torfbränden künftig zu verhindern und die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme zu sichern, müssen die ehemaligen Torfmoore wieder vernässt werden.

Aus NABU-Sicht ist es daher notwendig, in den betroffenen Regionen in Russland ein Konzept zur Wiederherstellung der Moore zu starten. Dies schließt nicht zwangsläufig eine weitere Nutzung aus. Felix Grützmacher, NABU-Referent für Moorschutz: „In Deutschland zeigen solche Projekte bereits vielversprechende Ergebnisse. Bei der wirtschaftlichen Nutzung von zum Beispiel Schilf als Brenn- oder Baustoff kann der Boden nass bleiben und die Gefahr von Feuern ist gebannt. Dies wäre nicht nur ein Beitrag für den Klimaschutz, sondern hätte positive Effekte für viele Tier- und Pflanzenarten.

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Moore und Torf – die effektivsten CO2-Speicher der Erde in Gefahr

Montag 23. August 2010 von birdfish

Allgemeines zu Moor und Torf

Moore sind nasse Lebensräume. Der ständige Wasserüberschuss aus Niederschlägen oder Mineralbodenwasser bedeutet einen Sauerstoffmangel und führt zu einem unvollständigen Abbau der pflanzlichen Reste, die als Torf abgelagert werden.

Sonnentau im Moor
Der geschützte Sonnentau wächst in Mooren – Foto: Dagmar Struß

Durch die Anhäufung von Torf wächst die Oberfläche von lebenden Mooren in die Höhe. Im Gegensatz zu Sümpfen  herrscht in Mooren eine permanente Wassersättigung. Gelegentliches Austrocknen führt in Sümpfen zu einem vollständigen Abbau der organischen Substanz zu Humus. In Mooren ist durch die permanente Wassersättigung dieser Abbau gehemmt, so dass Torf entstehen kann.

Quelle: Wikipedia – dort auch mehr Informationen über Entstehung und Vorkommen

Moor und Torf als CO2-Speicher

Moorgebiete sind gigantische Kohlenstoffspeicher: Sie beherbergen weltweit mindestens 550 Gigatonnen Kohlenstoff, obwohl sie nur drei Prozent der Landoberfläche bedecken. Zum Vergleich: Die gesamte globale Vegetation speichert nur 600 Gigatonnen, der Mensch emittiert etwa acht Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr durch Verbrennung fossiler Energieträger.

Quelle : KlimaCampus / Universität Hamburg

Moore in Gefahr

In Anbetracht dessen, welche Bedeutung die weltweiten Moore für den Klimaschutz besitzen, ist es eine Tragödie mit anzusehen, wie ein Moor nach dem anderen zerstört wird.

Ganz extrem betrifft die Zerstörung das Land Indonesien, wo Moore entwässert werden, m hier Palmölplantagen zu errichten.

Kleine Forschritte sind vorhanden. So verspricht seit kurzem das indonesische Forstministerium, zukünftig keine Genehmigungen für die Umwandlung von Torfwäldern in Plantagen zu vergeben. Das kümmert die Großkonzerne jedoch wenig. Insbesondere der Konzern Sinar Mas zerstört unvorstellbar große Moor- und Urwaldflächen und macht auch nicht halt vor Menschen und Tieren, die im Urwald leben.

Sinar Mas beliefert renommierte Firmen wie z.B. Burger King und Pizza Hut mit Palmöl. Hier war exemplarisch Nestlé in der Kritik, die dieses Palmöl u.a. für ihre Kitkat-Schokoriegel verwenden.  Diese nahmen die Kritik zuerst nicht ernst. Nach großen Verbraucher-Protesten handelten sie jedoch und rangen dem Palmöl-Belieferer ab, den nachhaltigen Anbau zu garantieren.

Genützt hat dieses nicht, denn die Zerstörungen durch Sinar Mas gehen weiter. Da der Konzern selbst massivem Druck ausgesetzt ist, hatte er eine unabhängige Untersuchung veranlasst, um die Anschuldigungen zu überprüfen, die vor allem von Greenpeace massiv erhoben werden. Als dieses Audit nun ergab, dass die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen, hat das Unternehmen die Ergebnisse manipuliert.

Einen schweren Schlag hatten nun die russischen Moore zu verkraften. Im Juli 2010 waren gerade Wissenschaftler der Uni Hamburg aufgebrochen, um die Klimaschutz-Relevanz der russischen Moore zu erforschen. Bereits wenige Tage später – im August 2010 – wüteten in Russland bereits  zahlreiche Brände, die nicht zu löschen waren und große Moorgebiete zerstörten.

Wiedervernässung und Renaturierung

In Deutschland erkennt man – nicht zuletzt durch steten Druck der Umweltverbände – immer mehr die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz. So gibt es hier Projekte zur Wiedervernässung – z.B. am niedersächsischen Theikenmoor.

Deutschland unterstützt auch osteuropäische Länder bei der Wiedervernässung ihrer Moore. Das Bundesumweltministerium (BMU) finanziert z.B.  im Rahmen der Internationalen Klima-Initiative ein Modellprojekt zur großflächigen Moorrenaturierung in Belarus (Weißrussland).

Mehr Informationen zum Thema liefert auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, für das die Untersuchung von Feuchtgebieten wie Mooren und Auenlandschaften einen wichtigen Schwerpunkt bildet.

Moore in Deutschland

Von einst etwa 500.000 Hektar Hochmoorfläche in Deutschland sind nur etwa 30.000 Hektar übrig geblieben. Moore erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Durch ihr hohes Wasserspeicher-Vermögen sind sie sehr wichtig als natürlicher Hochwasserschutz und Grundwasserspeicher. Dank ihrer beträchtlichen Reinigungskraft sind Moore unverzichtbar für den Erhalt unserer Trinkwasservorräte. Sie leisten darüber hinaus auch einen großen Beitrag zum globalen Klimaschutz, da Moore enorme Mengen an Kohlenstoff speichern – weit mehr, als dies Wälder tun. Sie beherbergen außerdem eine Vielzahl von hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten, darunter Torfmoose, Zwergbirke oder die Moosbeere, Libellenarten wie die Große Moosjungfer, zahllose Tagfalter wie der Hochmoor-Perlmutterfalter und den Hochmoor-Gelbling. Durch die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes sind sie jedoch zunehmend in ihrem Bestand bedroht. Da diese Arten an die oft sehr nährstoffarmen Bedingungen in den Moorgebieten angepasst sind, können sie nicht auf andere Standorte ausweichen.

In Anbetracht dessen, wie schnell der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität voranschreiten, reichen die deutschen Maßnahmen bei weitem noch nicht aus. Umweltverbände fordern daher von der Bundesregierung ein Programm zur Renaturierung von Mooren.

Weiterführende Infos

Der NABU hat eine informative Website zum Moorschutz zusammen gestellt

Nach den verheerenden Bränden in Russland macht der NABU auf die alarmierenden Folgen für das Weltklima aufmerksam. Nach Schätzungen von Prof. Florian Siegert vom GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität in München könnten allein durch die Torfbrände in Russland zwischen 30 und 100 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid entstanden sein. Das entspricht in etwa vier bis zwölf Prozent der CO2-Jahresemission Deutschlands. Diese erste Auswertung basiert auf zunächst gering aufgelösten Satellitendaten. Um das gesamte Ausmaß der Katastrophe detailliert zu erfassen bedarf es dringend weiterer Forschung. Thomas Tennhardt, NABU-Vizepräsident und Leiter des Fachbereichs Internationales: „Die Torfbrände hatten nicht nur schlimme Auswirkungen für die Menschen und Tiere in der Region. Die Gefahr für das Klima wird durch die freigesetzten Rußpartikel noch verstärkt. Sie halten sich sehr lang in der Atmosphäre und können bis zur Arktis getragen werden, wo sie die Eisschmelze weiter beschleunigen.“

Wochenlang brannten im Umland von Moskau nicht nur Wälder, sondern auch Torfmoore. Die dadurch entstandene extreme Feinstaubbelastung kostete vermutlich Tausende von Menschen das Leben. Der dichte Qualm aus brennenden Mooren enthält große Mengen des äußerst gefährlichen Kohlenstoffmonoxids und klimaschädliches Kohlendioxid. Die daraus resultierende Schadstoffbelastung ist um ein Vielfaches höher als die aus brennenden Wäldern. Die russischen Torfmoore wurden seit den dreißiger Jahren flächendeckend für eine wirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Um das Entstehen von Torfbränden künftig zu verhindern und die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme zu sichern, müssen die ehemaligen Torfmoore wieder vernässt werden.

Aus NABU-Sicht ist es daher notwendig, in den betroffenen Regionen in Russland ein Konzept zur Wiederherstellung der Moore zu starten. Dies schließt nicht zwangsläufig eine weitere Nutzung aus. Felix Grützmacher, NABU-Referent für Moorschutz: „In Deutschland zeigen solche Projekte bereits vielversprechende Ergebnisse. Bei der wirtschaftlichen Nutzung von zum Beispiel Schilf als Brenn- oder Baustoff kann der Boden nass bleiben und die Gefahr von Feuern ist gebannt. Dies wäre nicht nur ein Beitrag für den Klimaschutz, sondern hätte positive Effekte für viele Tier- und Pflanzenarten.

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Unser Leben auf Umweltkredit: für dieses Jahr sind die Ressourcen bereits verbraucht

Montag 23. August 2010 von birdfish

Seit Samstag leben wir auf Pump. In weniger als neun Monaten hat die Menschheit die ökologischen Ressourcen des gesamten Jahres bereits verbraucht.

Die Erde leidet unter menschlichem Raubbau
Die Erde leidet unter menschlichem Raubbau – Foto: Michael Poliza / WWF

Das ergeben Berechnungen des Ökologischen Fußabdrucks vom Global Footprint Networks an dem auch der WWF beteiligt ist.

„Den Rest des Jahres leben wir auf Kredit und verbrauchen die Reserven der Erde“, so Christoph Heinrich, Geschäftsleiter Naturschutz des WWF Deutschland. Die vorhandenen Ressourcen der Erde verbrauche die wachsende Weltbevölkerung immer schneller.  Der „Welterschöpfungstag“ rücke im Kalender kontinuierlich weiter nach vorne. Im letzten Jahr fiel er noch auf den 25. September, fast einen ganzen Monat später. „Bis Ende 2010 werden wir voraussichtlich 150 Prozent unserer Ressourcen aufgebraucht haben“, so Heinrich weiter. „Die Erde würde eineinhalb Jahre brauchen, um sich von diesem Raubbau zu erholen.“

Der Ökologische Fußabdruck berechnet, wie viel produktive Fläche benötigt wird, um alle Ressourcenbedürfnisse inklusive der Energieversorgung und Müllentsorgung der Menschheit zu gewährleisten. Auch die CO2-Emissionen werden dabei einbezogen. Sie machen den größten und am schnellsten wachsenden Teil des ökologischen Fußabdrucks aus. Allein der CO2-Fußabdruck der Menschheit habe sich seit 1970 mehr als verdoppelt. Bereits seit 30 Jahren können sich die natürlichen Ressourcen der Erde nicht mehr so schnell erneuern, wie die Menschheit sie verbraucht.

„Klimawandel, Artensterben, Wassermangel sowie der Kollaps der Fischbestände sind klare Anzeichen dafür, dass der Planet unter der menschlichen Übernutzung leidet. Die Folgen sind heute schon sichtbar. Wir können nicht nur auf Kredit konsumieren, irgendwann müssen wir auch unsere Schulden bei der Natur zurück zahlen“, so Christoph Heinrich.  Regierungen, Unternehmen und Konsumenten hätten bereits heute Mittel in der Hand, um nachhaltiger zu leben, sei es durch Energieeffizienz, den Einsatz Erneuerbarer Energien, bewussteren Fleischkonsum oder umweltfreundliche Mobilität.

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Europäische Kommission veröffentlicht umweltpolitischen Fortschrittsbericht

Mittwoch 18. August 2010 von birdfish

Die EU-Kommission hat die Überprüfung der Umweltpolitik für das Jahr 2009 veröffentlicht.

Bedrohter Kiebitz: Großer Nachholbedarf der EU-Länder beim Schutz der Biodiversität
Bedrohter Kiebitz: Großer Nachholbedarf der EU-Länder beim Schutz der Biodiversität – Foto: Jala 7 / Pixelio

Der Bericht zeigt die Entwicklungen in der EU-Politik im vergangenen Jahr auf und beleuchtet die Umwelttrends sowie umweltpolitischen Leistungen in der EU und ihren Mitgliedstaaten.

Danach haben die Mitgliedstaaten im Bemühen um eine CO2-arme und ressourceneffiziente Wirtschaft viele grüne Initiativen in ihre Konjunkturprogramme eingebaut. Nachholbedarf sieht der Bericht insbesondere beim Kampf gegen den Verlust der biologischen Vielfalt sowie bei der Ressourceneffizienz.
Die Studie geht konkret auf die politischen Entwicklungen der vier Prioritäten des 6. Umweltaktionsprogramms ein. Im Bereich Klimawandel waren die letztjährigen Aktivitäten in der EU vor allem durch die Bemühungen geprägt, diesen abzuschwächen. Für die zweite Priorität, Natur und biologische Vielfalt, zeigt der Bericht die Notwendigkeit der effektiven Nutzung dieser Vielfalt und der Ökosystemleistungen. Gleichzeitig kommt er zu dem Ergebnis, dass es sich auch wirtschaftlich lohnt, in den Schutz von Ökosystemen zu investieren. Im Themenbereich Gesundheit und Umwelt hat die EU 2009 unter anderem mit der Umsetzung der Chemikalienvorschriften und der REACH-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe auf verschiedenen Feldern Fortschritte erzielt. Im Bereich Abfall und natürliche Ressourcen, der vierten Priorität des 6. Umweltaktionsprogramms, hat die EU im vergangenen Jahr einen Maßnahmenkatalog für Nachhaltigkeit bei Verbrauch und Produktion entwickelt sowie ein Endkundenforum eingerichtet, um Maßnahmen für eine bessere Abfallbewirtschaftung praxisnah zu entwickeln. Über die vier Prioritäten hinaus, erläutert die Studie weitere Schlüsselthemen für 2010 und die folgenden Jahre.
Die jährliche Überprüfung der Umweltpolitik dient dazu, die neuesten Umwelttrends und politischen Entwicklungen in der EU und auf nationalem Niveau sowie den Fortschritt bei der Verwirklichung der wichtigsten Umweltziele der EU zu beurteilen.

Die Dateien zum Bericht (engl.) – Es lassen sich auch Daten zu den Ländern einzeln als PDF aufrufen.

Die Pressemeldung der EU-Kommission

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Kooperation mit Mongolei – Klimawandel hat hier bereits deutliche Spuren hinterlassen

Dienstag 17. August 2010 von birdfish

Endlose Weiten unter blauem Himmel und hier und da mal eine Jurte; so zeigen viele Fotos die Mongolei.

Klimawandelfolgen in der Mongolei
Klimawandelfolgen in der Mongolei – Foto: Bernhard Stribrny / BIK-F

Doch der Eindruck unversehrter Natur trügt: Permafrostböden tauen, Wasserkreisläufe verändern sich und Waldbrände vernichten ganze Landstriche. Der Klimawandel macht sich in dem zentralasiatischen Land deutlich bemerkbar. Dem will die mongolische Regierung durch ein gezieltes Umweltmanagement und externes Know-how entgegenwirken. Nachdem der Umweltminister des Landes im März das Frankfurter Biodiversität und Klimaforschungszentrum (BiK-F) besucht hatte, waren jetzt vier Wissenschaftler in der Mongolei und haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Von Ulaanbaatar aus fuhren die BiK-F-Forscher in die östlich der Hauptstadt gelegene Provinz Khentii, die als Dschingis Kahns Heimat gilt. Während die Gruppe aus deutschen und mongolischen Wissenschaftlern des „Institute of Meteorology and Hydrology“ (IMH) tagsüber die vom Klimawandel betroffenen Gebiete besichtigte, wurden abends bei der traditionellen Nomadensuppe Pläne geschmiedet. Zurück in Frankfurt sagte Rüdiger Wittig, Mitglied des BiK-F-Leitungsgremiums und Professor für Ökologie und Geobotanik an der Goethe-Universität Frankfurt: „Wir werden mit Unterstützung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ein bereits vorhandenes Camp zu einem Forschungsstützpunkt mit Wetterstation ausbauen.“

Schon jetzt liegt der durchschnittliche Temperaturanstieg in Zentralasien über dem globalen Mittel. Während die Klimaveränderung im Süden der Mongolei zur Ausdehnung der Wüste führt, verschieben sich die Vegetationszonen auch im Norden des Landes. Die ursprünglichen Taigawälder lichten sich. Erhöhte Durchschnittstemperaturen und saisonale Veränderungen bei den Niederschlägen führen vermehrt zu Waldbränden und wirken sich negativ auf die ohnehin kurzen Vegetationsperioden aus. Die Wälder haben kaum Gelegenheit, sich zu verjüngen, wobei der Bestand an Bäumen vermehrt von Schädlingen befallen und geschwächt wird. Das System ist aus der Balance. Legaler und illegaler Holzeinschlag tragen ein Übriges zur Gefährdung des Lebensraums vieler Tiere und Pflanzen bei.

Die BiK-F-Wissenschaftler wollen nun eine Strategie zur Stabilisierung des Wald- und Steppenökosystem in der Provinz Khentii entwickeln. Zur Umsetzung des Abkommens mit dem mongolischen „Centre of Climate-Environment Research“ steht nach Aussagen der Forscher zunächst eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Tier- und Pflanzenarten und der Klimaveränderungen an. „Wir müssen wissen, was sich in der hoch sensiblen Übergangsregion zwischen Steppe und Taiga durch den Klimawandel verändert. Dazu brauchen wir geologisch-bodenkundliche Basisinformationen und Klimadaten“, erklärt Prof. Bernhard Stribrny. Eine weitere wichtige Maßnahme ist nach Auffassung des Senckenberg-Wissenschaftlers und Leiters der BiK-F-Transferstelle die genaue Analyse der Wechselwirkungen, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen Arten und Lebensraum ergeben. Die ermittelten Daten sollen in Modellierungen eingehen und als Basis für Handlungsempfehlungen dienen.

Obwohl Tiere und Pflanzen gut an das für die geografische Lage charakteristisch trockene und raue Kontinentalklima der Mongolei angepasst sind, wirken sich die Veränderungen des Lebensraums fatal auf die biologische Vielfalt aus. Nicht nur die für die Taigawälder typischen Säuger wie Elche, Bären und Hirsche sind bedroht, auch Reptilien, Vögel und Insekten sowie für das Land wichtige Weidepflanzen. Die mongolischen Steppen- und Waldökosysteme reagieren empfindlich. Schon kleine Veränderungen können weitreichende Folgen nach sich ziehen. Davon betroffen ist nicht nur die Ökologie, sondern auch die Ökonomie: Schon allein die Forstwirtschaft bekommt die Auswirkungen des Klimawandels bereits deutlich zu spüren. Zudem lebt rund ein Drittel der Mongolen als Nomaden von Rindern, Schafen, Kamelen und Ziegen und ist somit direkt von natürlichen Ressourcen abhängig. Die Klimaveränderungen gefährden also auch ihre Existenz.

Schon in den 1990er Jahren hat die mongolische Regierung Steppen und weite Bereiche der ursprünglichen Wälder unter besonderen Schutz gestellt. Insgesamt 48 Naturschutzgebiete wurden eingerichtet. Eine “Strictly Protected Area“ liegt in der Provinz Khentii, wo das Biodiversität und Klima Forschungszentrum die Forschungsstation einrichten wird.

Weitere konkrete Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Ökosysteme wollen die Partner schon im November 2010 abstimmen. Dazu findet eine Klimakonferenz in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar statt. Darüber hinaus sieht das kürzlich unterzeichnete Memorandum of Understanding den Austausch junger Wissenschaftler vor. Im Sommer 2011 haben deutsche Studenten im Rahmen einer größeren Exkursion die Chance, im Field Camp vor Ort an der Bestandsaufnahme der Pflanzen mitzuwirken und können so auch Land und Leute kennenlernen. Zwei mongolische Studenten sind spontan mit nach Frankfurt gekommen. Weitere junge Nachwuchswissenschaftler aus der Mongolei sollen an der Universität Frankfurt ausgebildet werden und können mehrere Monate lang Messtechniken und Klimamodellierungen trainieren.

Die vereinbarten Forschungsarbeiten sollen einen Beitrag zum Erhalt der Wald- und Steppenökosysteme auf dem Hochplateau der nördlichen Mongolei liefern und verhindern, dass das Naturparadies zum ökologischen Krisengebiet wird. Das geschieht auch vor dem Hintergrund, dass die ausgedehnten Steppenlandschaften und Taigawälder der Mongolei, einschließlich der Permafrostböden, wichtige Faktoren für die Entwicklung des globalen Klimas, insbesondere in der nördlichen Hemisphäre, darstellen.

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WWF: Mangelhaftes Forstmanagement verschärft russisches Waldbrandinferno

Donnerstag 5. August 2010 von birdfish

Mehr als 7.000 Waldbrände lodern derzeit rund um Moskau und im russischen Fernen Osten.

Waldbrand im Amurgebiet
Waldbrand im Amurgebiet – Foto: Masterov / WWF

„Daran ist nicht allein die aktuelle Hitzewelle Schuld“, betont Aurel Heidelberg, Waldreferent beim WWF Deutschland. Die Gründe seien vielfältig, aber eine mangelhafte Vorsorge und ein miserables Waldmanagement seien die  Hauptursachen für die Brandkatastrophen. „Hier rächen sich die Fehler aus den vergangenen Jahrzehnten“, befürchtet der WWF. Illegaler Holzeinschlag, die Übernutzung der Wälder und großflächiger Kahlschlag hätten zu der aktuellen prekären Lage maßgeblich beigetragen.

Eine verfehlte Bewirtschaftung der Flächen, Kahlschlag und illegaler Holzeinschlag  habe vielerorts zu einer Verbuschung und Versteppung geführt. Diese Wälder brennen jetzt wie Zunder.  Darüber hinaus wurden vor allem im europäischen Teil Russlands im großen Stil Sümpfe trockengelegt. Ziel war es, den eingelagerten Torf abzubauen und ihn als Brennstoff für Privathaushalte zu nutzen oder den Torf als Rohmaterial für Gartenerde nach Mitteleuropa zu exportieren. „Geraten die ausgetrockneten Torfflächen in Brand, kann man sie kaum mehr löschen“, so Heidelberg.  Die Feuer ersticken wohl erst mit Einbruch des Winters. Die Rauchschwaden aus solchen trockengelegten Moorflächen enthalten Kohlenmonoxid, Feinstaub, Formaldehyd und andere giftige Verbindungen, die zu starken gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung führen können.

Der WWF sieht darüber hinaus große Versäumnisse in der Brandbekämpfung. Durch die Vergabe von Konzessionen auf vielen Flächen unterblieben Vorsorgemaßnahmen. Zudem habe ein 2007 verabschiedetes Forstgesetz dazu geführt, dass Kapazitäten bei der Brandbekämpfung massiv abgebaut wurden. Überwachungsflüge und der Einsatz von so genannten „Feuerspringern“, die Brände bereits im Frühstadium bekämpfen sollen, seien kontinuierlich zurückgegangen. In der Folge werden die Flammen später entdeckt und können viel schwieriger bekämpft werden.

Um künftige Brände zu reduzieren, fordert der WWF  ehemalige Torfabbauflächen zu renaturieren. Die Überflutung dieser Flächen würde Mensch und Umwelt vor Bränden schützen und wertvolle Lebensräume zurückgewinnen. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach Richtlinien des FSC (Forest Stewardship Council) könne zudem einen Beitrag zur Prävention von Waldbränden leisten. Die Anlage von Waldbrandschutzstreifen aus feuerresistenten Lärchen habe sich vor allem im russischen Fernen Osten als Präventionsmaßnahme bewährt. Überdies müsse wieder ein Frühwarnsystem  gegen Waldbrände aufgebaut werden.

Studie: ‘Wälder in Flammen’ – Ursachen und Folgen der weltweiten Waldbrände (PDF)

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Kein deutscher Raps mehr für Biodiesel ohne die Zertifizierung der Nachhaltigkeit

Mittwoch 4. August 2010 von birdfish

Ab dieser Ernte gelten für den Rapsanteil im Biodiesel für landwirte neue Regeln.

Neue Regeln für den Raps
Für den Raps gelten neue Regeln – Foto: Dagmar Struß

Die Rapsernte kann ab diesem Jahr nicht für die Herstellung von Biodiesel verwendet werden, wenn der produzierende Landwirt nicht vor der Auslieferung der Ware erklärt hat, dass er nachhaltig produziert.

Auch die Agrarhändler müssen tätig werden und sich nach der neuen Nachhaltigkeitsverordnung zertifizieren lassen.

Ohne den Markt für die Biodieselherstellung würden den Landwirten rund 60 Prozent ihres Raps-Absatzes wegbrechen, Tendenz 2010 steigend. „Wer als Landwirt keine Selbsterklärung abgibt und sich als Betrieb entlang der Herstellungskette nicht zertifizieren lässt, schießt damit wirtschaftlich ein Eigentor“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Mit Sorge haben die Produzenten von Biodiesel zur Kenntnis genommen, dass bisher nur wenige Landwirte eine Selbsterklärung abgegeben haben und sich nur ein verschwindend geringer Anteil der Agrarhändler zertifizieren ließ.

In der Folge befürchten die Biokraftstoffhersteller Lieferengpässe für zertifiziert nachhaltig hergestellten Raps.„Wer sich nicht allerspätestens jetzt um die Nachhaltigkeit kümmert, hat am Markt vorbei produziert und bleibt auf seiner Ware sitzen“, sagte Baumann.
Landwirte müssen zum Zeitpunkt der Lieferung des Rapses dem Agrarhändler eine Selbsterklärung übergeben. Der Agrarhändler muss spätestens bei der Auslieferung des fertigen Biodiesels durch den Biokraftstoffproduzenten an den Mineralölkonzern sein Zertifikat vorlegen. In Deutschland gibt es etwa 1500 dieser Agrarhändler. „Wir fordern die Landwirte und Agrarhändler dringend auf tätig zu werden, damit die Biokraftstoffindustrie den Markt mit nachhaltigem und zertifiziertem Biodiesel versorgen kann“, sagte Baumann.

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