Dienstag 6. Juli 2010 von birdfish
Seit zwei Jahren verheizen vier Linienbusse der Stuttgarter Straßenbahnen Palmöldiesel aus Urwaldzerstörung.
Proteste gegen Einsatz von Palmöl in Stuttgarter Linienbussen – Foto: Martin Storz / Greenpeace
Gegen dieses klimaschädliche Palmölprojekt haben Greenpeace-Aktivisten vor dem Rathaus anlässlich eines internationalen Mobilitätskongresses in Stuttgart protestiert. Warum nimmt Stuttgart an dem fragwürdigen Pilotprojekt zweier Mineralölkonzerne und Daimler teil, obwohl sich die Stadt das Thema Nachhaltigkeit eigentlich groß auf die Fahnen geschrieben hat?
Palmöl-Diesel von Neste Oil in Stuttgarter Bussen = Urwaldzerstörung steht auf dem Greenpeace-Flugblatt, das Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace, gemeinsam mit den Aktivisten an die Teilnehmer des Kongresses Cities for Mobility verteilt. Hölzel erklärt: “Das Interesse der Stadt Stuttgart an Klima- und Urwaldschutz ist vorgetäuscht. Wer Diesel aus Urwaldzerstörung einsetzt und Nachhaltigkeit predigt, ist komplett unglaubwürdig.”
Riesige Flächen wertvoller Regenwälder fallen in Indonesien der wachsenden europäischen Palmölnachfrage zum Opfer. Die Umwandlung in Plantagen vernichtet die Heimat bedrohter Arten wie dem Orang-Utan. Besonders heikel ist die Zerstörung der kohlenstoffreichen Torfwälder. Mit jeder Rodung entweichen riesige Mengen CO2 in die Atmosphäre.
Ehrenamtliche Greenpeace-Aktivisten informieren seit Mai 2010 die Stuttgarter Bürger über das klimaschädliche Palmölprojekt ihrer Stadt. Greenpeace hat bei Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster (CDU) im Vorfeld nachgehakt. Die Antwort kam per Post: Auch aus seiner Sicht sei es der falsche Ansatz, lokale Umwelt- und Klimaziele durch Maßnahmen zu erreichen, die global kontraproduktiv seien. Das Roden der Regenwälder zur Kraftstoffgewinnung würde kaum mit den Stuttgarter Nachhaltigkeitszielen im Einklang stehen. Das Pilotprojekt soll jedoch bis 2011 fortgeführt werden, um Erkenntnisse zur Verträglichkeit von Palmöl in Motoren zu sammeln.
Ob die Fortführung des Stuttgarter Projekts tatsächlich zu relevanten Erkenntnissen führen wird? Immerhin fahren im finnischen Helsinki zu Testzwecken seit drei Jahren 300 Linienbusse mit Palmöl-Diesel, so dass Datenmaterial bereits zur Genüge vorliegen sollte. Den Diesel aus Urwaldzerstörung liefert Neste Oil. Der finnische Mineralölkonzern behauptet, nachhaltiges Palmöl vom Hersteller IOI zu beziehen. Diese Aussage scheint äußerst fragwürdig, wenn man bedenkt, dass IOI nachweislich in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten verwickelt ist.
Neste Oil hat große Pläne. Der Konzern baut nach Finnland weitere Raffinerien in Rotterdam und Singapur. Damit wird sich der Ölmulti an die Spitze der weltweit größten Palmöl-Abnehmer schwingen. Die Konsequenz: Neste Oil kann seine hochgefahrene Produktion nur decken, wenn in Indonesien weitere Plantagen auf Kosten des Urwalds und seiner Bewohner angelegt werden.
Bereits im Dezember 2008 musste Neste Oil aufgrund des öffentlichen Protestes ein ähnliches Projekt abbrechen. Um Folgeprojekte zu verhindern, fordert Greenpeace den sofortigen Stopp des Stuttgarter Pilotprojektes mit Palmöl-Diesel.
Wer diese Forderung unterstützen möchte, kann bei Greenpeace online an der Petition teilnehmen oder selbst Unterschriften sammeln (letzteres ein PDF).
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Montag 5. Juli 2010 von birdfish
Wissenschaftliche Studien prognostizieren auch für Europa einen spürbaren Klimawandel und damit verbunden eine Zunahme extremer Wetterereignisse.
Künstliche Beregnung soll Aufschluss über Pflanzenverhalten geben – Foto: Uni Bayreuth
Wie aber verhalten sich einzelne Pflanzenarten, wenn sie immer öfter starken Regenfällen oder Dürreperioden ausgesetzt sind? Wie verändern sich Pflanzengemeinschaften oder ganze Ökosysteme unter dem Einfluss klimatischer Bedingungen, die in Europa bisher unbekannt sind?
Mit dieser Thematik befasst sich ein Forschungsteam um Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein, Inhaber des Lehrstuhls für Biogeografie an der Universität Bayreuth. Einen Überblick über bisherige Forschungsergebnisse enthält eine kürzlich erschienene Veröffentlichung der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Der Band vereint die Beiträge einer Konferenz zum Thema “Continents under Climate Change”, die im Frühjahr 2010 in Berlin stattfand.
Versuchsflächen mit ausgefeilter Simulationstechnik
Extreme Wetterereignisse zu simulieren, die in Mitteleuropa voraussichtlich mit zunehmender Häufigkeit eintreten, und deren Auswirkungen auf die Pflanzenwelt zu untersuchen – dies ist der Kern der Bayreuther Forschungsarbeiten. Im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität wurde unter der Bezeichnung “EVENT” eine Serie von Experimenten gestartet, die auf viele Jahre hin angelegt ist. Neben Prof. Dr. Anke Jentsch (Universität Koblenz-Landau) sind weitere Forscher nationaler und internationaler Institutionen daran beteiligt. Die Experimente sind Teil des bayerischen Forschungsverbundes FORKAST, der sich den Auswirkungen des Klimas auf Ökosysteme widmet.
Die Forschungsarbeiten im Rahmen von “EVENT” sind vielfältig. Sie umfassen stark kontrollierte Untersuchungen an Topfpflanzen, Experimente auf Versuchsfeldern mit ausgewählten pflanzlichen Arten, aber auch besonders naturnahe Experimente in etablierten Lebensgemeinschaften. Die Forschungsflächen sind dabei technisch so hervorragend ausgestattet, dass die Bayreuther Wissenschaftler eine Vielzahl möglicher Klimaszenarien mit hoher Präzision nachahmen können: Zeltartige Dächer schirmen die Pflanzen von Niederschlägen ab und ermöglichen die künstliche Erzeugung von Trockenperioden. Zudem lässt sich der Grad der Bodenfeuchtigkeit durch gezielte Bewässerungsmaßnahmen steuern. Erwärmungsprozesse, wie sie im Sommer oder im Winter stattfinden, können realitätsnah simuliert werden. Mit speziellen Heizkabeln im Boden lassen sich rasche Abfolgen von Frost- und Tauperioden simulieren, wie sie infolge des Klimawandels häufiger vorkommen werden. Exakte Messungen unter künstlich erzeugten Klimabedingungen, systematische Wiederholungen dieser Simulationen und Vergleiche mit Pflanzen, die gegenwärtig unter “normalen” Verhältnissen aufwachsen – so lassen sich die Effekte extremer Wetterereignisse mit hoher Zuverlässigkeit bestimmen.
Häufige Bodenfrostwechsel
Wenn die Verhältnisse am Boden häufig zwischen Frost und Tau hin- und herwechseln, hat das erhebliche Folgen für die Vegetation. Dies konnten die Bayreuther Forscher am Beispiel von Grünlandflächen (Mähwiesen) und Heiden nachweisen. Dabei stellte sich heraus, dass einzelne Pflanzenarten sehr unterschiedlich auf den Bodenfrostwechsel reagieren. Einzelne Populationen brechen nach unterbrochenen Frostphasen regelrecht zusammen. Weitere Experimente sollen helfen, diese Zusammenhänge genauer aufzuklären.
Artenvielfalt und Widerstandskraft
Nicht selten führt die Simulation extremer Klimaereignisse zu differenzierten Ergebnissen, die zur Vorsicht gegenüber Pauschalurteilen mahnen. So gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass Pflanzen eine höhere Widerstandskraft entwickeln, wenn sie mit Pflanzen anderer Arten in Gemeinschaft leben. Artenvielfalt erhöht in diesen Fällen die Widerstandsfähigkeit: ein Beispiel für die Relevanz der Biodiversität. Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Heidekraut ist derart anfällig, dass die Blütezeit nach extremen Trockenperioden deutlich später einsetzt – aber nur innerhalb von Mischkulturen aus Heidekraut und Gräsern. Denn bei Dürre bilden die Gräser ein dichtes Wurzelnetzwerk aus, das dem Boden Wasser entzieht und dem Heidekraut das Überleben erschwert. Unter derartigen Umständen wirkt sich Artenvielfalt durchaus nachteilig aus.
Genetische Varianten
Wie reagieren genetische Varianten der gleichen Pflanzenart auf extreme Wetterereignisse? Derzeit weiß man noch relativ wenig darüber. Die “Common Garden”-Experimente im Rahmen von “EVENT” sollen in dieser Hinsicht neue Erkenntnisse zutage fördern. Das Interesse richtet sich dabei auf europäische Hauptgräser und Hauptbaumarten. Es geht insbesondere um die Frage, welche Varianten den künstlich erzeugten Klimaszenarien am besten angepasst sind. “Ökosysteme können Extremereignisse anscheinend besser überstehen, wenn die für ihre Funktionen konstitutiven Pflanzenarten in Varianten vorliegen, die aufgrund ihrer Gene eine relativ hohe Widerstandsfähigkeit mitbringen,” erklärt Beierkuhnlein. “Dies könnte ein interessanter Anknüpfungspunkt für Strategien sein, die darauf abzielen, die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen zu stabilisieren.”
Originalpublikation
Anke Jentsch und Carl Beierkuhnlein, Simulating the Future – Responses of Ecosystems, Key Species, and European Provenances to Expected Climatic Trends and Events, in: Nova Acta Leopoldina, NF 112, Nr. 384, S. 89 – 98 (2010)
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Freitag 25. Juni 2010 von birdfish
Der NABU will sich verstärkt für den Schutz von Mooren einsetzen und fordert von Bund und Ländern deutlich mehr Engagement zum Erhalt dieses für den Arten- und Klimaschutz wichtigen Ökosystems.
Kraniche über dem Moor – Foto: uschi dreiucker / Pixelio
Mit einem symbolischen ersten Spatenstich haben jetzt erste Maßnahmen zur Wiedervernässung der Moorflächen am Theikenmeer in Niedersachsen begonnen. Damit startet das NABU-Projekt zur Renaturierung des bedeutenden Schutzgebietes in eine neue Phase. Nach dem Erwerb von Moorflächen, dem Erstellen eines bodenkundlichen Gutachtens und den notwendigen Vermessungsarbeiten werden nun Verwallungen aufgeschüttet, die eine gezielte Wiedervernässung des Moores ermöglichen. Ziel des Projektes ist es, das 240 Hektar große Naturschutzgebiet Theikenmeer wieder in ein lebendiges Hochmoor zu verwandeln.
„Den Mooren in Deutschland geht es schlecht. Von ursprünglich 1,5 Millionen Hektar Mooren in Deutschland können heute nur noch fünf Prozent als naturnah eingestuft werden. Das ist ein Alarmzeichen für die Bemühungen um den Erhalt der biologischen Vielfalt und für den Klimaschutz. Jeder Tag, mit dem ein engagierter Moorschutz auf die lange Bank geschoben wird, bedeutet eine zusätzliche Belastung für unser Klima und den fortschreitenden Verlust bedeutender Lebensräume“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
Moore erfüllen nicht nur eine wichtige Funktion für den Landschaftswasserhaushalt und als Lebensraum für viele bedrohte Arten, sie sind auch ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. In Mooren lagert doppelt so viel Kohlenstoff wie in allen Wäldern weltweit. Werden Moorlandschaften entwässert, um sie landwirtschaftlich oder für den Torfabbau zu nutzen, oxidiert der Kohlenstoff und heizt unserem Klima weiter ein.
„Die Renaturierung des Theikenmeeres ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich jede Investition im Moorschutz doppelt auszahlt. Wir sichern und verbessern damit nicht nur die Überlebenschancen vieler heimischer Arten, sondern können so auf lange Sicht 435.000 Tonnen CO2-Emissionen allein aus den Moorflächen des Theikenmeeres verhindern“, sagte NABU-Moorschutzreferent Felix Grützmacher.
Der NABU verfügt heute über 45 Hektar Grundbesitz am Theikenmeer und verwaltet weitere zehn Hektar aus dem Besitz der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Ein Teil der restlichen Fläche im Schutzgebiet ist im Besitz der öffentlichen Hand. Hiervon werden ebenfalls rund 50 Hektar durch den NABU betreut. Durch praktische Arbeit des NABU vor Ort konnten bereits Erfolge im Artenschutz erzielt werden. Neben einer großen Kreuzotterpopulation sind im Theikenmeer wieder streng geschützte Vogelarten wie Rohrweihe, Sumpfohreule, Neuntöter, Schwarzkehlchen und Ziegenmelker zuhause.
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Donnerstag 24. Juni 2010 von birdfish
EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hat über die Festlegung von Nachhaltigkeitskriterien für die Zertifizierung von Biokraftstoffen und Bioenergie aus Pflanzenölen informiert.
Nutzpflanzen verdrängen die Nahrungsproduktion – Foto: Dagmar Struß
„Es ist strikt verboten, Tropenwälder zu roden oder Moore trocken zu legen, um Pflanzen für Biokraftstoffe anzubauen“, sagte Oettinger. Auch könnten Mitgliedstaaten nur Biokraftstoffe mit hoher Treibhausgaseinsparung zur Erreichung der Biospritziele anerkennen lassen. So muss Biosprit mindestens 35 Prozent weniger CO2 ausstoßen als herkömmlicher Kraftstoff.
Die vier großen Brüssler Umweltorganisationen BirdLife International, ClientEarth, das Europäische Umweltbüro und Transport & Environment warfen der Kommission vor, das Problem der Ausbreitung von Agrarland in ökologisch sensible Gebiete, nämlich wenn die Nahrungsmittelproduktion durch den Anbau von Energiepflanzen verdrängt wird, keineswegs gelöst zu haben. In diesem Fall spricht man von indirekter Landnutzungsänderung, die nicht von den europäischen Nachhaltigkeitskriterien erfasst ist. „Solange die Kommission nicht bereit ist, sich mit der Problematik zu befassen, sind alle Versuche der EU, Biosprit als nachhaltig zu verkaufen, irreführend, kontraproduktiv und zum Scheitern verurteilt“, sagte Nusa Urbancic von Transport & Environment.
Die vier Umweltverbände hatten die EU-Kommission bereits Anfang März wegen der Vorenthaltung von wissenschaftlichen Dokumenten verklagt. Die Papiere sollen Informationen über die negativen Auswirkungen einer gesteigerten europäischen Biokraftstoffnachfrage der EU auf die Umwelt und die Lebensmittelpreise enthalten. Nach eigenen Angaben hält die Kommission derzeit 140 Dokumente zurück.
Nach der Erneuerbare-Energien-Richtlinie soll der Anteil regenerativer Energien im Verkehr bis 2020 zehn Prozent betragen. Das soll hauptsächlich durch den Einsatz von Biokraftstoffen erreicht werden. Vor der Verabschiedung der Richtlinie Ende 2008 war die EU-Kommission wegen der von Kritikern vorausgesagten verheerenden sozialen und ökologischen Auswirkungen einer erhöhten Biospritnachfrage massiv unter Beschuss geraten.
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Mittwoch 23. Juni 2010 von birdfish
Im Bundestag fand die abschließende Beratung über das Bundeswaldgesetz statt. Der NABU zog eine ernüchternde Bilanz.
Foto: Ingwer Hansen
„Dies ist ein schwarzer Tag für den Wald, denn der vorliegende Entwurf zur Änderung des Bundeswaldgesetzes ist absolut unzureichend. Er liefert keine Antworten auf die gestiegene Holznachfrage, den Klimawandel und den fortschreitenden Verlust der Artenvielfalt“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.
Mit der Änderung des Bundeswaldgesetzes hätte Schwarz-Gelb die Möglichkeit gehabt, den vielen verbalen Bekenntnissen zu einer nachhaltigen Forstwirtschaft in Deutschland endlich handfeste Taten folgen zu lassen. „Anscheinend liegt den Regierungsparteien nichts an einem klaren Bekenntnis zur nachhaltigen Forstwirtschaft, stattdessen bleiben sie lieber unkonkret und unverbindlich“, kritisierte Miller. Das sei reine Klientelpflege, der Wald gehe dabei leer aus. Aus NABU-Sicht ist es unverständlich, dass sich die Lobby der Waldbesitzer und große Kreise der Forstwirtschaft so vehement gegen ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit im Bundeswaldgesetz sträuben.
„Der Aufbau naturnaher Wälder, der Verzicht auf Kahlschläge, der Schutz des Bodens und die Förderung der biologischen Vielfalt sind für jeden vernünftigen Waldbesitzer und Förster selbstverständliche Ziele. Sie gelten in Bayern genauso wie in Schleswig-Holstein. Die Forstwirtschaft klopft sich immerzu selber auf die Schulter, wie hervorragend und nachhaltig sie angeblich ist, wenn es aber darum geht, Farbe zu bekennen, werden alle blass“, sagte NABU-Waldexperte Johannes Enssle.
Dabei gehe es darum, endlich allgemeingültige Grundsätze für eine moderne und nachhaltige Waldwirtschaft zu formulieren. „Aus meiner Sicht wäre das doch eher ein Lob und eine Bestätigung für all diejenigen, die schon seit Jahrzehnten die sogenannte gute fachliche Praxis im Wald umsetzen und dies zum Beispiel durch eine Zertifizierung dokumentieren“, so Enssle. Spekulanten und Investoren, die mit dem Kauf von Wald kurzfristig Profit machen wollten, könnte so leichter das Handwerk gelegt werden.
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Dienstag 22. Juni 2010 von birdfish
Vattenfall will Kohlendioxid (CO2) aus Kohlekraftwerken im Boden verpressen und lagern. Doch die Brandenburger wehren sich.
Protest gegen CO2-Endlager – Foto: Gordon Welters / Greenpeace
Ihre Initiativen werden unter anderem auch von Greenpeace unterstützt. Die Umweltorganisation ist dort zur Zeit mit seiner Protest-Tour “Zeitbombe CO2-Endlager” unterwegs.
Das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) liefert den Endlager-Gegnern nun ein dickes, neues Argument: Es gab bekannt, dass in den mit Salzwasser gefüllten porösen Gesteinsschichten Deutschlands statt 20 Gigatonnen (Gt), wie im Jahr 2005 geschätzt, nur 6,4 Gt CO2 gespeichert werden können.
Die Bundesministerien für Umwelt und für Wirtschaft arbeiten derzeit an einem neuen Gesetzesentwurf für die umstrittene Verpressung. “Die Regierung darf keinen übereilten Einstieg in die kommerzielle CO2-Verpressung zulassen”, erklärt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. “Sie verschwendet Geld und Energie für ein Projekt, das in die völlig falsche Richtung führt. Es ist riskant, weitgehend ungeprüft und fördert den Klimakiller Kohle.”
Nach dem Start in Neutrebbin besucht die Protest-Tour von Greenpeace die Städte Beeskow, Cottbus, Potsdam und zum Abschluss Berlin. Mit einer drei Meter großen Zeitbomben-Attrappe warnen die Umweltschützer vor den unkalkulierbaren Risiken der sogenannten CCS-Technik (”Carbon Capture and Storage”). Die Menschen in Brandenburg haben vor allem Angst davor, dass CO2-Endlager undicht werden und das Gas hochkonzentriert ausströmt. An diesen Stellen wären Menschenleben in Gefahr und Boden und Grundwasser könnten verseucht werden. Die Bürgerinitiativen in Brandenburg spielen eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung. “So ein Projekt lässt sich nur durchsetzen, wenn es vor Ort akzeptiert wird. An dieser Hürde sind bereits die Pläne für die CO2-Verpressung in Schleswig-Holstein gescheitert”, erklärt Smid.
Tricksen und Täuschen für ein riskantes Projekt
Vattenfall treibt die CO2-Verpressung voran und wird dabei von Lobbyverbänden wie dem IZ-Klima (Informationszentrum klimafreundliches Kohlekraftwerk e. V.) sowie einzelnen Behörden und Ministerien unterstützt. So hat sich der Brandenburger Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) die Position Vattenfalls zu Eigen gemacht. Für den Konzern geht es darum, Subventionen in Millionenhöhe zu erhalten und Umweltauflagen zu umgehen. Zudem will er sich um die Verantwortung drücken: Nach Schließung ist das Endlager noch mindestens 10.000 Jahre lang ein Risiko. Vattenfall will aber nur 30 Jahre lang für mögliche Folgeschäden durch Lecks in den CO2-Speichern haften.
“Vattenfall täuscht die Bevölkerung vor Ort, spielt Risiken herunter und verbreitet Falschinformationen. Der Konzern will die Verpressung durchsetzen, um weiter an Braunkohle zu verdienen”, sagt Smid.
Zudem taucht im Gesetzesentwurf nicht der Begriff “Ablagerung” auf, sondern “CO2-Speicherung”. Das strenge Abfallrecht umgeht Vattenfall damit geschickt. Stattdessen greift das weniger strenge Bergrecht, dass für die Ausbeutung von Rohstoffen gilt. Smid: “Durch all diese Manipulationen würden die möglichen CO2-Endlager zu geologischen Zeitbomben.”
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Dienstag 22. Juni 2010 von birdfish
Der Weg für ein europäisches Holzhandelsgesetz ist frei.
Holzhandelsgesetz kommt – Foto: K. Becker / WWF
Kommission, Parlament und Ministerrat der Europäischen Union haben sich auf einen gemeinsamen Entwurf für ein solches Gesetz verständigt, welches die Einfuhr illegaler Holzprodukte nach Europa stoppen soll. Wichtigster Punkt: Es wird verboten, Holzprodukte aus illegaler Herkunft auf den Markt zu bringen. Der Kompromissentwurf soll nun im Juli vom Parlament und im Herbst vom Ministerrat verabschiedet werden. Eine Annahme in beiden Gremien erscheint derzeit als Formsache. Der WWF hat sich seit Jahren für ein Holzhandelsgesetz stark gemacht. Es ist aus Sicht des WWF eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen die globale Entwaldung.
“Die heutige Entscheidung macht trotz einiger verbliebener Schwachstellen den Weg frei für eine längst überfällige Regelung und sagt der illegalen Entwaldung den Kampf an” so Nina Griesshammer, Expertin für Forstpolitik und Tropenwaldschutz vom WWF Deutschland. „Wir sind froh, dass sich die EU nach Jahren schier endloser Debatten mit der jetzt gefundenen Regelung ihrer Verantwortung im Kampf gegen illegalen Holzhandel stellt. Die getroffene Vereinbarung wird einen enorm wichtigen Beitrag zum Schutz vor allem der Tropenwälder leisten.”
Der WWF sieht dennoch Bedarf für Nachbesserungen. Besonders negativ wird sich aus Sicht des WWF bemerkbar machen, dass zum Beispiel Bücher, Zeitungen und andere Druckerzeugnisse von der Regelung ausgenommen werden sollen. Das erhöht die Gefahr, dass weiter beträchtliche Mengen illegal geschlagenen Holzes in der EU auf den Markt gebracht werden. Erfreulich aus Sicht des WWF Deutschland ist vor allem, dass auch die Bundesregierung in den letzten Wochen in einigen wichtigen Punkten ihren Widerstand aufgegeben und so die jetzt überwiegend positive Regelung möglich gemacht hat. Sie hatte sich unter anderem lange Zeit gegen die nun getroffene Verbotsregelung gestellt.
Neben der „legalen“ Entwaldung ist illegaler Holzeinschlag weltweit eine der größten Bedrohungen für die Wälder. Zwischen 16 und 19 Prozent der Holzimporte in die Europäische Union stammen nach einer WWF-Studie aus illegalen Quellen. Die Definition bezieht sich auf Gesetzesverstöße bei Ernte, Transport, Einkauf oder Verkauf des Holzes.
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Mittwoch 16. Juni 2010 von birdfish
Das Julius Kühn-Institut (JKI) hat ein für alle Bürger frei zugängliches eingerichtete Themenportal zum Ökologischen Landbau eingerichtet.
Foto: Dagmar Struß
„Als erstes haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die Forschungsergebnisse des JKI zur alternativen Krankheits- und Schädlingsabwehr zu bündeln. Aber auch Ergebnisse vieler anderer Einrichtungen, die Wege suchen, um Pflanzen im Ökolandbau gesund zu erhalten, finden sich im neuen Internetauftritt“, so Dr. Stefan Kühne vom Julius Kühn-Institut. Er betreut das Portal wissenschaftlich und hat dafür gesorgt, dass es mit anderen wichtigen Internetportalen vernetzt ist.
Das neue Portal führt die vielfältigen Informationen z. B. zur Biologie von Schadorganismen wie Blattläusen oder Pilzkrankheiten oder der Anwendung von Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmitteln im Ökolandbau zusammen. Seit Jahren arbeiten die Forschungsinstitute des JKI an offenen Fragen bzw. Problemen dieser Bewirtschaftungsform – vor allem im Bereich Pflanzenschutz. Auch künftig werden Konzepte für den ökologischen Anbau von Kulturpflanzen wie Kartoffeln, Getreide oder Gemüse, ihren Schutz und ihre Pflege entwickelt. „Die praxisnahen Ergebnisse aus unseren eigenen Versuchen sind und werden immer im Portal zu finden sein“, verspricht Kühne.
In der Agrarpolitik der Bundesregierung Deutschland nimmt der Ökologische Landbau einen hohen Stellenwert ein. Er entspricht in besonderem Maße den Kriterien der Nachhaltigkeit und kann daher in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle für eine nachhaltige Landbewirtschaftung übernehmen. Die ökologisch bewirtschafteten Anbauflächen nehmen besonders in den neuen Bundesländern zu.
Das Themenportal Ökologischer Landbau
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