KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Nach wie vor werden Stuttgarter Stadtbusse mit Palmöl gefahren und Regenwald zerstört

Dienstag 6. Juli 2010 von birdfish

Seit zwei Jahren verheizen vier Linienbusse der Stuttgarter Straßenbahnen Palmöldiesel aus Urwaldzerstörung.

Proteste gegen Palmöl-Einsatz in Stuttgart
Proteste gegen Einsatz von Palmöl in Stuttgarter Linienbussen – Foto: Martin Storz / Greenpeace

Gegen dieses klimaschädliche Palmölprojekt haben Greenpeace-Aktivisten vor dem Rathaus anlässlich eines internationalen Mobilitätskongresses in Stuttgart protestiert. Warum nimmt Stuttgart an dem fragwürdigen Pilotprojekt zweier Mineralölkonzerne und Daimler teil, obwohl sich die Stadt das Thema Nachhaltigkeit eigentlich groß auf die Fahnen geschrieben hat?

Palmöl-Diesel von Neste Oil in Stuttgarter Bussen = Urwaldzerstörung steht auf dem Greenpeace-Flugblatt, das Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace, gemeinsam mit den Aktivisten an die Teilnehmer des Kongresses Cities for Mobility verteilt. Hölzel erklärt: “Das Interesse der Stadt Stuttgart an Klima- und Urwaldschutz ist vorgetäuscht. Wer Diesel aus Urwaldzerstörung einsetzt und Nachhaltigkeit predigt, ist komplett unglaubwürdig.”

Riesige Flächen wertvoller Regenwälder fallen in Indonesien der wachsenden europäischen Palmölnachfrage zum Opfer. Die Umwandlung in Plantagen vernichtet die Heimat bedrohter Arten wie dem Orang-Utan. Besonders heikel ist die Zerstörung der kohlenstoffreichen Torfwälder. Mit jeder Rodung entweichen riesige Mengen CO2 in die Atmosphäre.

Ehrenamtliche Greenpeace-Aktivisten informieren seit Mai 2010 die Stuttgarter Bürger über das klimaschädliche Palmölprojekt ihrer Stadt. Greenpeace hat bei Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster (CDU) im Vorfeld nachgehakt. Die Antwort kam per Post: Auch aus seiner Sicht sei es der falsche Ansatz, lokale Umwelt- und Klimaziele durch Maßnahmen zu erreichen, die global kontraproduktiv seien. Das Roden der Regenwälder zur Kraftstoffgewinnung würde kaum mit den Stuttgarter Nachhaltigkeitszielen im Einklang stehen. Das Pilotprojekt soll jedoch bis 2011 fortgeführt werden, um Erkenntnisse zur Verträglichkeit von Palmöl in Motoren zu sammeln.

Ob die Fortführung des Stuttgarter Projekts tatsächlich zu relevanten Erkenntnissen führen wird? Immerhin fahren im finnischen Helsinki zu Testzwecken seit drei Jahren 300 Linienbusse mit Palmöl-Diesel, so dass Datenmaterial bereits zur Genüge vorliegen sollte. Den Diesel aus Urwaldzerstörung liefert Neste Oil. Der finnische Mineralölkonzern behauptet, nachhaltiges Palmöl vom Hersteller IOI zu beziehen. Diese Aussage scheint äußerst fragwürdig, wenn man bedenkt, dass IOI nachweislich in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten verwickelt ist.

Neste Oil hat große Pläne. Der Konzern baut nach Finnland weitere Raffinerien in Rotterdam und Singapur. Damit wird sich der Ölmulti an die Spitze der weltweit größten Palmöl-Abnehmer schwingen. Die Konsequenz: Neste Oil kann seine hochgefahrene Produktion nur decken, wenn in Indonesien weitere Plantagen auf Kosten des Urwalds und seiner Bewohner angelegt werden.

Bereits im Dezember 2008 musste Neste Oil aufgrund des öffentlichen Protestes ein ähnliches Projekt abbrechen. Um Folgeprojekte zu verhindern, fordert Greenpeace den sofortigen Stopp des Stuttgarter Pilotprojektes mit Palmöl-Diesel.

Wer diese Forderung unterstützen möchte, kann bei Greenpeace online an der Petition teilnehmen oder selbst Unterschriften sammeln (letzteres ein PDF).

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Palmöl gehört nicht in den Tank: Mehrere Busse in Stuttgart laufen mit reinem Palmöl

Mittwoch 26. Mai 2010 von birdfish

Die Fahrgäste der Stuttgarter Buslinie 42 staunten nicht schlecht: Jugendliche in Orang-Utan-Kostümen unterhielten sich lautstark über den Diesel aus Urwaldzerstörung, der den Bus antreibt.

Protest gegen Palmöl-Busse
Orang Utans protestieren in Stuttgart gegen Palmöl-Busse – Foto: Martin Storz / Greenpeace

Die Greenpeace-Jugend protestierte damit gegen ein als klimafreundlich propagiertes Pilotprojekt der Stuttgarter Straßenbahnen: Dort fahren vier Busse ausschließlich mit Diesel aus 100 Prozent Palmöl.

“Die wenigsten Stuttgarter wussten von dem Palmöl in den Bustanks, aber erstaunlich viele waren interessiert”, berichtet Ivo Bantel von der Greenpeace-Jugend. An zwei Haltestellen konnten sich Passanten an Greenpeace-Ständen über die Folgen des Pilotprojekts für das Klima informieren und eine Protest-Petition unterschreiben.

Wer dann an der Station Olgaeck in den Bus einstieg, wusste beim Anblick der Affen-Kostüme bereits Bescheid – die ahnungslosen Mitfahrer waren durch das Belauschen der Orang-Utans spätestens bis zum nächsten Stop im Bilde.

Das Palmöl stammt aus Indonesien und Malaysia. Dort rodet die Palmölindustrie riesige Urwaldflächen und kohlenstoffreiche Torfmoore, die bei der Umwandlung in Plantagen gigantische Mengen CO2 freisetzen. Die Landrechte der lokalen Bevölkerung werden kaum beachtet, unmenschliche Arbeitsbedingungen sind an der Tagesordnung.

Hersteller des Palmöl-Diesels ist der finnische Mineralölkonzern Neste Oil. Diese Firma behauptet, nachhaltiges Palmöl zu beziehen, obwohl ihr Lieferant IOI nachweislich in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten verwickelt ist. Neste Oil baut aktuell neben seiner Raffinerie in Finnland zwei weitere Großanlagen in Rotterdam und Singapur.

Damit setzt sich Neste Oil mit einem Bedarf von 2,5 Millionen Tonnen an die Weltspitze der größten Palmöl-Abnehmer. Der weltweite Bedarf an Palmöl steigt rapide an, das billige Pflanzenöl wird verwendet für Lebensmittel, Kosmetika, Waschmittel, zur Strom- und Wärmegewinnung und – als Treibstoff.

“Palmöl gehört nicht in den Tank”, betont Ivo. “Wir werden alle Protest-Unterschriften an den Stuttgarter Oberbürgermeister übermitteln und fordern ihn auf, sich für den Klimaschutz und den Erhalt der letzten Urwälder einzusetzen. Das Pilotprojekt Palmöl-Diesel muss gestoppt werden. ”

Die busfahrenden Orang-Utans und Infostände der Greenpeace-Jugend bilden den Auftakt der Kampagne gegen Palmöl-Diesel. An diesem Tag wurden Unterschriften im dreistelligen Bereich gesammelt. Wer das klimafeindliche Pilotprojekt der Stuttgarter Straßenbahnen stoppen möchte, kann auf der Greenpeace-Homepage weiterhin seine virtuelle Unterschrift abgeben. Die Erfahrung zeigt, dass der Protest Wirkung zeigt: Ein ähnliches Projekt wie in Stuttgart von Neste Oil und einer schwedischen Fährschiff-Gesellschaft musste 2008 aufgrund öffentlicher Proteste abgebrochen werden.

Stuttgarter Flyer: Palmöl gehört nicht in den Tank

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Indonesien will keine Genehmigung mehr für die Umwandlung von Torfwäldern vergeben

Dienstag 18. Mai 2010 von birdfish

Indonesiens Forstministerium wird zukünftig keine Genehmigungen für die Umwandlung von Torfwäldern in Plantagen mehr vergeben.

Torfwälder Indonesiens
Austrocknung von Torfwälder trägt maßgeblich zum Klimwandel bei. – (c) Daniel Beltrá / Greenpeace

Das Ministerium schiebt mit dieser Absichtserklärung der indonesischen Papier- und Palmölindustrie einen Riegel vor, die durch die Brandrodung der kohlestoffreichen Torfmoore den Klimawandel anheizt.

“Das Forstministerium muss sich nun mit dem indonesischen Agrar- und Umweltministerium zusammenschließen, um den Umwandlungsstopp wertvoller Torfwälder gesetzlich zu verankern”, erklärt Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace. Alles hängt davon ab, wie schnell und effektiv die industrielle Urwaldzerstörung gerichtlich verfolgt und bestraft werden kann. Torfmoore mit einer Tiefe von über drei Metern sind bereits gesetzlich vor der Umwandlung in Plantagen geschützt, dennoch setzen sich Konzerne wie Sinar Mas mit Leichtigkeit über das Verbot hinweg.

Greenpeace gegenüber versicherte der indonesische Forstminister Zulkifli Hasan, zukünftig ungeachtet der Tiefe der Torfmoore keinerlei Genehmigungen für Umwandlungen mehr ausstellen zu wollen. Das verschafft dem Umweltminister den nötigen Druck, um in einem Dreierverbund mit dem Forst- und Agrarministerium die fortschreitende Urwaldzerstörung zu bremsen. Auch Indonesiens Präsident Yudhoyono kommt seinem Plan, bis 2020 den CO2-Ausstoß seines Landes um 41 Prozent zu senken, einen großen Schritt näher. Die Austrocknung der kohlestoffreichen Torfmoore für die Papier- und Palmölproduktion setzt gewaltige Mengen an Treibhausgasen frei und verschafft Indonesien einen zweifelhaften dritten Platz im Wettbewerb um den weltweit größten CO2-Emittenten.

Der Wirtschaftsfaktor Palmöl sorgt für Unmut unter indonesischen und internationalen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen. Berichte von Korruption, mafiaähnlichen Geschäftspraktiken und Landkonflikten mit der ansässigen Bevölkerung durch die Palmölindustrie bringen die indonesische Forst- und Umweltpolitik zunehmend in Verruf. Auch aus Europa verstärkt sich der Druck: Papier- und Palmölabnehmer reagieren auf die Meinung der Endverbraucher und sprechen sich gegen Produkte aus Urwaldzerstörung aus.

Greenpeace fordert einen sofortigen Abholzungsstopp zum Schutz des indonesischen Urwaldes. Die Zerstörung der Regen- und Torfmoorwälder gefährdet zahlreiche bedrohte Tierarten wie den Orang-Utan und beraubt Kleinbauern ihrer Lebensgrundlage. Die Regierung muss gemeinsam mit den ansässigen Gemeinden nachhaltige Lösungen erarbeiten, die die Existenzgrundlage der bäuerlichen Kleinbetriebe sichern und den großen Palmöl- und Papierproduzenten Anbaumöglichkeiten bieten, ohne wertvolle Torfwälder zu zerstören.

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Kampf für den Urwald: Greenpeace übergibt Klimacamp an indonesische Gemeinden

Mittwoch 2. Dezember 2009 von birdfish

Greenpeace hat das Klimacamp auf der indonesischen Halbinsel Kampar an die örtlichen Gemeinden übergeben.

Klimacamp Abschied und Übergabe
Greenpeace übergibt das Klimacamp an die örtlichen Gemeinden. Zu den Feierlichkeiten sind über 1.000 Menschen gekommen. – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Mehr als tausend Menschen fanden sich ein, um an der feierlichen Zeremonie teilzunehmen. “Das Klimaschutzcamp ist ein Zeichen unserer Solidarität mit den Gemeinden in ihrem Kampf gegen die Entwaldung Kampars”, sagt Von Hernandez, Geschäftsführer des südostasiatischen Greenpeace-Büros. “Wir werden weiter mit ihnen zusammenarbeiten. Wir werden dafür sorgen, dass ihre Stimmen in Kopenhagen gehört werden – ihre und die vieler anderer Menschen, die eine bewohnbare Welt für ihre Kinder wollen.”

19.11.2009: Der Greenpeace-Protest in Indonesien hat zu einem ersten Erfolg geführt. Das indonesische Forstministerium hat die Aktivitäten des Unternehmens April auf der Halbinsel Kampar vorerst gestoppt. Die Konzessionen sollen überprüft werden. “Eine Atempause für das Klima”, so Shailendra Yashwant von Greenpeace Indonesien.

17.11.2009: Die nächste Einschüchterungswelle der Behörden ist angelaufen. Fast alle ausländischen Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten sind inzwischen ausgewiesen worden. Ihnen wird mal dies mal jenes vorgeworfen. Nichts davon ist wahr, alles nur vorgeschoben. Greenpeace hat bei der indonesischen Botschaft in Berlin gegen das Verhalten der Behörden vor Ort protestiert. Die Leiterin des Pressebereichs versprach, der Sache nachzugehen.

15.11.2009: Etwa 300 Menschen aus Teluk Meranti haben die Räumung des Greenpeace-Camps auf der indonesischen Halbinsel Kampar verhindert:”Wenn Greenpeace geht, müssen auch die Konzerne hier weggehen.”

14.11.2009: Die internationalen Greenpeace-Aktivisten, die am Donnerstag in Indonesien gegen Urwaldzerstörung protestiert haben, werden ausgewiesen. Sie wurden nach Jakarta geflogen. Bis Montag müssen sie das Land verlassen haben. Ob sie je wieder einreisen dürfen, ist derzeit unklar. Auch das Klimacamp bei Teluk Meranti wird von der Polizei geräumt. 15 Aktivisten mussten das Camp sofort verlassen.

13.11.2009: Der Greenpeace-Protest zeigt Wirkung: Der finnische Papierkonzern UPM-Kymmene will seinen Vertrag mit dem Unternehmen April kündigen. April gehört zu den größten Urwaldzerstörern in Indonesien. Greenpeace-Aktivisten hatten am Donnerstag alle sieben Bagger auf einer Konzession der Firma in der Provinz Riau/Sumatra zum Stillstand gebracht. Sie ketteten sich an den Maschinen fest.

“Dass UPM-Kymmene jetzt mit dieser Meldung herauskommt, ist ein Riesenerfolg”, sagt Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel. “Das zeigt wieder einmal, dass das internationale Zusammenspiel funktioniert: Die Probleme vor Ort angehen und in den Abnehmerländern Druck aufbauen. Die Strategie geht auf.”

UPM-Kymmene hat am Donnerstagabend um 19:30 Uhr bekanntgegeben, dass das Unternehmen den Liefervertrag mit April kündigen werde. Die Entscheidung sei Ende Oktober gefallen. Dem Vertragspartner wird zum guten Ende noch eine weiße Weste bescheinigt: April verfüge über eine Zertifizierung nach FSC, die die Nachhaltigkeit und Legalität der Zellstofflieferungen belege. Die Aktivitäten in Indonesien können damit allerdings nicht gemeint sein. Dort gibt es keine FSC-Zertifizierungen.

Greenpeace lässt derzeit prüfen, ob April in Indonesien illegal aktiv ist. Der Torfboden auf der Konzession zum Beispiel, wo gestern der Greenpeace-Protest stattfand, reicht vier Meter und mehr in die Tiefe. Ab drei Metern Dicke darf in Indonesien nicht gerodet werden. Doch die Behörden sehen offenbar weg.

Dafür sind sie umso eifriger, wenn gegen die Zerstörung protestiert wird. Die Greenpeace-Aktivisten wurden mehr als 24 Stunden in einem gefliesten Raum ohne Schlafstellen festgehalten und immer wieder befragt. Es gab keine Verpflegung. Andere Greenpeace-Mitarbeiter durften schließlich etwas zum Essen ins Gefängnis bringen.

Inzwischen sind die indonesischen Aktivisten wieder auf freiem Fuß, müssen sich aber in den kommenden Wochen einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Die ausländischen Greenpeace-Aktivisten, unter ihnen auch die Deutsche Laura Schmitz, wurden von der Immigrationspolizei in die nächstgrößere Stadt gebracht. Sie werden wahrscheinlich ausgewiesen – ob nur aus der Provinz Riau oder aus Indonesien, ist noch unklar. Ebenso, ob sie jemals wieder einreisen dürfen. Der Abschied, sagt Hölzel, sei nach den Wochen in engster Gemeinschaft sehr bewegend und traurig gewesen.

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Brennende Regenwälder setzen massiv Treibhausgase frei – Klimakiller Torffeuer

Sonntag 29. November 2009 von birdfish

Torfgebiete, vor allem in den tropischen Regionen der Erde, sind gigantische Kohlenstoffspeicher.

Bau eines Damms
Bau eines Damms durch Greenpeace-Aktivisten gegen die weitere Entwässerung des Torfbodens – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Menschliche Einflüsse führen jedoch unter anderem zur Entwässerung dieser Moore, was in Kombination mit klimatisch bedingten Trockenperioden zu ausgedehnten Bränden führen kann. Dadurch aber werden ungeheure Mengen Kohlendioxid (CO2) frei, das als Treibhausgas zur Klimaerwärmung beiträgt.

Mittels lasergestützter Messungen konnte das Team um den LMU-Forscher Professor Florian Siegert jetzt das verbrannte Torfvolumen weitaus genauer bestimmen als dies bisher möglich war. Die neuen Hochrechnungen zeigen, dass im Jahr 2006 durch Torffeuer in Indonesien bis zu 900 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt wurden. Das ist mehr als die gesamten CO2-Emissionen Deutschlands im selben Jahr – und entspricht etwa 16 Prozent aller Emissionen durch Entwaldung weltweit. “Unsere Arbeit unterstreicht einmal mehr, welch entscheidende Rolle die hoch gefährdeten tropischen Torfökosysteme im Kontext der Klimaerwärmung spielen”, sagt Siegert. “Sie liefert aber auch wichtige Daten für die bevorstehende Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Denn dort werden unter anderem Programme verhandelt, die finanzielle und andere Anreize zum Schutz tropischer Torfsumpfwälder und deren riesiger Kohlenstoffspeicher liefern sollen. (PNAS online, 26. November 2009).

Über Jahrmillionen kann sich Pflanzenmaterial in Kohle umwandeln. In Mooren aber entsteht in einem ersten Zersetzungsschritt Torf. Dieses organische Material ist brennbar und wird daher in Europa auch als Heizmaterial abgebaut. Als stark verdichtete pflanzliche Substanz ist Torf aber auch ein wichtiger Speicher von Kohlenstoff in Bodennähe. “Es wird geschätzt, dass sich die Torfgebiete in den Tropen über 30 bis 45 Millionen Hektar erstrecken”, sagt Professor Florian Siegert vom GeoBio-Center der LMU München. “Das entspricht rund zehn Prozent der globalen Vorkommen und macht die tropischen Torfgebiete zu einem der größten oberflächennahen Speicher für organischen Kohlenstoff.” Dabei findet sich etwa die Hälfte dieser Torfgebiete in nur einem Land: Indonesien.

Einige der küstennahen Torfgebiete auf Borneo etwa sind vor über 20.000 Jahren entstanden. Hier haben sich – wie meist bei tropischen Torfgebieten – bis zu 20 Meter dicke, konvex geformte Torfdome gebildet. Sie dienen als Untergrund für Torfsumpfwälder und verfügen über eine ungeheure Kapazität zur Speicherung von Kohlenstoff: Alleine der Kohlenstoffgehalt in den indonesischen Torfgebieten wird auf mehr als 50 Gigatonnen geschätzt. Doch die Torfgebiete sind gefährdet. Naturbelassen sind sie schlichtweg zu feucht, um zu brennen. Vor allem die Entwässerung und die Entwaldung aber stören ihr ökologisches Gleichgewicht und machen sie anfällig für Feuer, das fast immer menschlichen Ursprungs ist. So nutzen private Firmen die Brände, um den Wald in großem Maßstab für Ölpalmen- oder Papierholzplantagen zu roden.

Die Brände aber sind doppelt gefährlich: Sie setzen im Rauch gigantische Mengen an Aerosolen und schädlichen Gasen frei, die in einigen Gebieten Südostasiens massive Gesundheitsprobleme verursachen. Zudem aber wird der gebundene Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid abgegeben, also als Treibhausgas, das zur Erderwärmung beiträgt. Das Problem verschärft sich dadurch, dass klimatisch bedingte Trockenperioden die Brennbarkeit des Torfes erhöhen. So wurden alleine in den indonesischen Torfgebieten während der El Niño-Trockenperiode von 1997/98 bis zu 2,57 Gigatonnen Kohlenstoff freigesetzt. “Die Schätzungen schwanken hier erheblich”, berichtet Siegert. “Man geht aber davon aus, dass das mindestens 13 Prozent, wenn nicht bis zu 40 Prozent der gesamten Emissionen durch das Verbrennen fossiler Energieträger in dieser Zeit entsprechen könnte. Diese riesigen Mengen an freigesetztem Kohlenstoff tragen signifikant zur Erderwärmung bei.”

Mit einer neuen Methode haben die Forscher aus München jetzt gemessen, wieviel einer Torfschicht durch ein Feuer verbrannt ist, denn nur so kann die Menge des freigesetzten Kohlendioxids verlässlich geschätzt werden. Weil die Torfgebiete kaum zugänglich sind, haben Siegert und sein Team vom Hubschrauber aus mit einem Laserscanner (LIDAR, “Light Detection and Ranging”) gearbeitet. Laserscanner senden hochfrequente optische Signale aus, deren Echo aufgezeichnet wird – und auf Zentimeter genau die Oberflächenhöhen bestimmen lässt. “So konnten wir zeigen, dass die verheerenden Torffeuer im Jahr 2006 eine durchschnittliche Brandtiefe von etwa 0,3 Metern verursachten”, so Siegert. Diese und andere Daten führten zu der Schätzung, dass im 2,79 Millionen Hektar großen Studiengebiet – was in etwa Brandenburg entspricht – wohl mehr als 180 Millionen Tonnen CO2 emittiert wurden. Das entspricht etwa 20 Prozent aller CO2-Emissionen in Deutschland.

“Diese gewaltigen Emissionen stammen von nur rund 13 Prozent der indonesischen Torfgebiete”, betont Siegert. Daher wurden die Emissionen des Jahres 2006, einem Jahr in dem aufgrund eines schwachen El Niño weniger Regen fiel, für ganz Indonesien hochgerechnet. Demzufolge wurden durch Torffeuer in Indonesien bis zu 900 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Das entspricht mehr als den gesamten CO2-Emissionen Deutschlands im Jahr 2006 oder rund 16 Prozent aller Emissionen durch Entwaldung weltweit. Indonesien gilt alleine wegen der regelmäßig wiederkehrenden gewaltigen Waldbrände als einer der weltweit größten Kohlenstoffemittenten, was durch die neuen, genaueren Daten nun bestätigt wurde. Dies unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Torffeuer für die Erderwärmung. Noch aber wird diese wichtige Kohlenstoffemissionsquelle weder in den Zahlen des Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC, “Intergovernmental Panel on Climate Change”) noch in regionalen und globalen Klimavorhersagemodellen berücksichtigt.

Die meisten Studien bezüglich der Landnutzungsänderungen und des Klimawandels beziehen sich nur auf die Biomasse des Waldes. Die neuen Ergebnisse zeigen aber einmal mehr, wie wichtig es ist, künftig auch die im Boden gespeicherte Biomasse in diese Modelle einzubeziehen. Der Kohlenstoffgehalt der Torfschichten ist abhängig von deren Dicke und kann bis zu 20 Mal höher sein als der im Wald selbst gespeicherte Kohlenstoff. “Der steigende Bedarf an Palmöl, eingeleitet durch die Nachfrage nach günstigen Biokraftstoffen, wird diese Situation ernsthaft verschärfen, wie die erneuten Brände dieses Jahres gezeigt haben”, berichtet Siegert. “Dies sollte auch Auswirkungen auf die europäische Politik in Bezug auf die erneuerbaren Energien haben. Auch in Kopenhagen werden Programme diskutiert werden wie etwa REDD, kurz für ‘Reduced Emissions from Deforestation and Degradation in developing countries’, das finanzielle Anreize schaffen könnte, die tropischen Torfsumpfwälder und deren riesige Kohlenstoffspeicher zu schützen.”

Publikation:
Derivation of burn scar depths and estimation of carbon emissions with LIDAR in Indonesian peatlands,
Uwe Ballhorn, Florian Siegert, Mike Mason, and Suwido Limin
PNAS online, 26. November 2009

Zahlreiche Artikel zu Greenpeace-Aktionen gegen die Entwässerung von Torfböden sowie Torffeuer in Indonesien finden Sie hier.

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Verzweifelter Kampf gegen Klimasünder in Indonesien – Vernichtung letzter Urwälder

Freitag 27. November 2009 von birdfish

Fünf Greenpeace-Aktivisten haben 26 Stunden lang auf einem Verladekran der Firma APP im indonesischen Urwald ausgeharrt.

Aktivisten auf dem Verladekran
Greenpeace-Aktivisten auf einem Verladekran der Sinar Mas-Firma APP in der indonesischen Provinz Riau. (c) Greenpeace

Sie wurden schließlich gestern Morgen von der Polizei heruntergeholt. Weitere sieben Aktivisten befanden sich gestern noch in Polizeigewahrsam. Der Geschäftsführer des südostasiatischen Greenpeace-Büros, Von Hernandez, kündigte an, der Protest gehe weiter, “bis die Regierungschefs der Welt aus ihrer Trägheit erwachen und sich in Kopenhagen auf ein faires, ehrgeiziges und rechtsverbindliches Klimaabkommen verständigen”. Dazu gehöre auch ein Fonds zum Schutz der Wälder.

25. November 2009: Greenpeace-Aktivisten haben im indonesischen Urwald eine der weltweit größten Zellstofffabriken geschlossen. Sie erkletterten Verladekräne auf dem Firmengelände des Unternehmens APP und legten so den Export lahm. APP ist eine Tochter des Megakonzerns Sinar Mas. Die Aktivisten protestierten damit gegen einen der größten Urwaldzerstörer in Indonesien.

Das Gelände der Zellstoffmühle ist riesig – so riesig, dass die Fabrik ihr eigenes Kraftwerk für die Energieversorgung betreibt. Verwüstung, wohin das Auge blickt. Es ist kaum zu glauben, dass hier einst intakter Urwald stand. Fabriken wie diese sind wesentliche Treiber des Klimawandels.

Das Holz, das APP verarbeitet, stammt aus den Torf-Urwäldern der Halbinsel Kampar. In diesen alten Torfmoorwäldern sind gigantische Mengen Kohlenstoff gebunden. Durch die Zerstörung des Urwalds werden diese in Form von CO2 freigesetzt und heizen den Klimawandel weiter an.

Konzerne wie Sinar Mas/APP oder das Konkurrenzunternehmen April gehören damit zu den großen unmittelbaren Klimazerstörern. Oft erfolgt die Entwaldung illegal. Nach indonesischem Recht sind Torfschichten, die weiter als drei Meter in die Tiefe reichen, geschützt. Auf Kampar ist das häufig der Fall. Doch die Behörden schauen weg, decken die Konzerne gar. Dieses Verhalten steht in krassem Widerspruch zum erklärten Ziel der Regierung, den CO2-Ausstoß des Landes zu senken. Indonesien ist allein durch die rasante Entwaldung der drittgrößte CO2-Emittent der Welt.

Shailandra Yashwant, Kampagnendirektor von Greenpeace in Südostasien, fordert die Politik auf zu handeln. Die führenden Politiker der Welt dürften nicht damit durchkommen, ein strenges Abkommen in Kopenhagen zu sabotieren, fordert er. “Unsere Regierungschefs müssen mit einer fairen, ehrgeizigen und rechtlich verbindlichen Vereinbarung zurückkommen. Weniger ist nicht akzeptabel. Dazu gehören auch Fonds, um die Entwaldung in Indonesien und anderswo zu stoppen.”

Greenpeace unterhält seit Oktober 2009 auf der Halbinsel Kampar ein Klimacamp. Es wurde auf dem Grund und Boden der Gemeinde von Teluk Meranti errichtet. Die Einwohner unterstützen die Aktivisten. Diese errichteten Dämme in den künstlich gezogenen Gräben, die den Torfboden trockenlegen sollen. Auf einer Konzession des Konzerns April ketteten sie sich an den Baggern fest. Die Behörden wiesen inzwischen etliche ausländischen Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten nach stundenlangen Verhören aus.

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Der Wald: in Kyoto spielte er keine Rolle, in Kopenhagen muss er im Fokus stehen

Donnerstag 26. November 2009 von birdfish

Prof. Bernd Hansjürgens, Leiter des Departments Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) zum Kopenhagen-Gipfel.

CO2-Speicher Wald
CO2-Speicher Wald – (c) Ingwer Hansen

Eine wichtige Frage für die Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen besteht darin, ob und inwieweit die Wälder in ein neues Klimaabkommen einbezogen werden können. Noch im Kyoto-Protokoll spielte der Wald keine Rolle – hier fokussierten die Maßnahmen für den Klimaschutz allein auf die Emissionen aus den fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle oder Gas – und dies vor allem mit Blick auf die Industrieländer. Erst seit der Klimafolgekonferenz in Montreal 2005 gelangte das Thema Wald auf die Agenda der Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen. Unter der Überschrift “Reducing Emissions from Deforestation and Degradation” – REDD wurde gefordert, einen Mechanismus zu entwickeln, um den Wald in ein internationales Klimaregime einzubinden.

Der Wald spielt für die globale Situation der Treibhausgase eine zentrale Rolle. Wald bindet Kohlendioxid. Zugleich steht der Wald, wenn er abgeholzt wird, nicht mehr als Senke für die Aufnahme von CO2 zur Verfügung. Und nicht nur das – die Abholzung der Wälder durch Brandrodung und Umnutzung führt zur zusätzlichen Freisetzung von CO2 und zur Verstärkung des anthropogenen Treibhauseffekts. Rund 20 Prozent der gesamten CO2-Emissionen stammen aus der Vernichtung von Wald – entweder durch vollständige Abholzung der Flächen (”deforestation”) oder Reduktion der Walddichte (”degradation”). 20 Prozent – das sind weltweit immerhin genauso viele Emissionen wie aus dem gesamten Transportsektor! Die hierdurch verlorenen Flächen sind gewaltig und betreffen – bis auf Europa – alle Kontinente. Einigen wenigen Ländern mit Waldbestand kommt dabei eine besondere Bedeutung zu – im Vordergrund stehen hier die Länder mit tropischem Regenwald wie Indonesien, Myanmar, Kongo, Sambia oder Brasilien, aber auch die Länder mit borealem Waldbestand wie Kanada, die USA oder Russland.

Wald ist mehr als nur “Stöcke aus Kohlenstoff”

Es sind vor allem drei Gründe, die aus meiner Sicht eine Einbeziehung von Wald in die Klimaverhandlungen von Kopenhagen unabdingbar machen:

  1. Die Weltengemeinschaft kann es sich einfach nicht leisten, 20 Prozent der Treibhausgase aus den Klimaverhandlungen auszuklammern.
  2. Die Reduktion von CO2-Emissionen durch die Vermeidung von Abholzung ist eine sehr kostengünstige Vermeidungsalternative – die Schätzungen reichen je nach Lage und gegenwärtiger Nutzung von wenigen Cent bis zu 15 Euro pro vermiedener Tonne CO2. Vergleicht man dies z.B. mit der Speicherung von CO2 im Untergrund oder der Solarenergie, bei denen die Kosten bis zu 70 Euro pro Tonne reichen, so wird deutlich, dass erhebliche volkswirtschaftliche Kosten eingespart werden, wenn die Vernichtung von Wald gestoppt und CO2 auf diese Weise vermieden wird.
  3. Hinzu kommt: Bäume sind nicht nur “Stöcke aus Kohlenstoff”. Den Wald zu schützen bringt viele weitere Vorteile: Der Wald ist Nahrungsgrundlage und sichert das Überleben für die lokale Bevölkerung; er trägt zur Regulierung der regionalen Wasserkreisläufe bei; und er ist wichtig im globalen Zusammenhang, z.B. für die Erhaltung der Biodiversität. Die vom UFZ mit koordinierte TEEB-Studie führt im jüngsten Bericht einige Beispiele dafür auf, welchen ökonomischen Wert diese Ökosystemdienstleistungen haben. So wurde für einen tropischen Regenwald in Kamerun der Nutzen als Flutschutz auf 24, der Nutzen als Wasserspeicher sogar jährlich auf bis 270 US-Dollar pro Hektar geschätzt. Der Wert der Bestäuberfunktion im Wald lebender Tiere, etwa für benachbarte Kaffeeplantagen und andere landwirtschaftliche Produkte, ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Für einen Wald auf der indonesischen Insel Sulawesi wurde dieser auf 46 Euro pro Hektar geschätzt.

Die Idee von REDD ist dabei denkbar einfach: Die Länder mit hohen Waldbeständen und hoher Abholzung verzichten auf Waldvernichtung und erhalten dafür Zahlungen. Diese Zahlungen können für Überwachungs- und Schutzmaßnahmen eingesetzt werden, aber auch als Ausgleich für die lokale Bevölkerung, um den Verzicht auf Waldnutzung zu kompensieren und alternative Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.

Und die Chancen für ein Waldabkommen scheinen nicht so schlecht zu stehen. Wenn auch Viele ein Scheitern der Verhandlungen in Kopenhagen mittlerweile für wahrscheinlich halten, beim Thema Wald scheint ein Durchbruch möglich: Zahlreiche Länder haben sich für die Etablierung von REDD ausgesprochen. Brasilien mag als prominentestes Beispiel dienen. In den “Climate Talks in Bangkok”, einer der Gesprächsrunden vor der Klimakonferenz in Kopenhagen, wurde bereits ein weit reichender Vertragsentwurf erarbeitet, in dem in vielen Bereichen Einigkeit erzielt wurde. So wurden z.B. Zielwerte fixiert. Auch dass man heute allgemein von REDD Plus spricht, das erweiterte Maßnahmen zur Wiederaufforstung und zum Erhalt der Biodiversität explizit mit einbezieht, ist ein solches Ergebnis. Es ist zudem auffällig, dass hier die Entwicklungsländer das Tempo und die Inhalte bestimmen – und nicht die Industrieländer.

Der Teufel steckt im Detail

Und doch: Der Teufel steckt bei vielen Fragen wie so oft im Detail. Bei der Finanzierung ist unklar, ob es zu einer Fondslösung kommt oder eine marktorientierte Lösung gefunden wird. Im letzteren Fall würde der Wald Teil eines globalen Kohlenstoffmarktes werden. Dies könnte aber auch bedeuten, dass die Finanzierung waldbezogener Maßnahmen großen Schwankungen unterliegt. Gleichzeitig würden fallende CO2 Preise den Druck mindern, kohlenstoffarme Technologien zu entwickeln. Auch zentrale Fragen der Überwachung der Waldbestände, der Überprüfbarkeit und des Berichtswesens sind nicht geklärt. Auch muss gesichert sein, dass die Kompensationszahlungen in den Ländern angemessen an Beteiligte verteilt werden- und nicht allein beim Staat landen.

Prof. Bernd Hansjürgens - UFZ
Prof. Bernd Hansjürgens, Leiter des Departments Ökonomie am UFZ – (c) André Künzelmann / UFZ

Besonders umstritten ist die Frage, ob die REDD-Bestimmungen Regelungen gegen die Umwandlung von naturnahen Wäldern in Plantagen enthalten sollen – Länder wie z.B. die Demokratische Republik Kongo wehren sich dagegen, aus ökologischer Sicht sind hier aber klare Regelungen dringend geboten. Es ist sehr schwierig, die Interessen von mehr als 100 beteiligten Staaten unter einen Hut zu bringen. Dies zeigt sich darin, dass viele Paragraphen des Vertragsentwurfs in Klammern gesetzt sind und mehrere Optionen enthalten. Immerhin hat eine sehr einflussreiche Studie unter Beteiligung Norwegens gezeigt, wie in einem phasenweisen Prozess die strittigen Fragen schrittweise geklärt werden können. Dies gibt in einem Umfeld, in dem zurzeit eher pessimistische Äußerungen zu hören sind, Anlass zu ein wenig Optimismus.

Prof. Bernd Hansjürgens

Literaturquellen:

  • Horton, B., Colarullo, G., Bateman, I., Peres, C. (2003), Evaluating non-users willingness to pay for a large scale conservation programme in Amazonia, Environmental Conservation: 139-146.
  • Kaiser, B. and Roumasset, J. (2002), “Valuing indirect ecosystem services: the case of tropical watersheds”, Environment and Development Economics, 701-714.
  • Lescuyer G (2007)Valuation techniques applied to tropical forest environmental services: rationale, methods and outcomes. Paper presented at the “West and Central Africa Tropical Forest Investment Forum: Issues and Opportunities for Investment in Natural Tropical Forests” sponsored by ITTO, August 28-30th 2007, Accra, Ghana
  • Mallawaarachchi, T., R.K. Blamey, M.D. Morrison, A.K.L. Johnson, and J.W. Bennet (2001), “Community Values for Environmental Protection in a Cane Farming Catchment in Northern Australia: A Choice Modelling Study”, Journal of Environmental Management 62, 301-316 , 2001
  • Priess, J.A., Mimler, M., Klein, A.-M., Schwarze, S., Tscharntke, T. & Steffan-Dewenter, I. (2007) Linking deforestation scenarios to pollination services and economic returns in coffee agroforestry systems. Ecological Applications, 17, 407-417
  • Yaron, G. (2001), “Forest, plantation crops or small-scale agriculture? An economic analysis of alternative land use options in the Mount Cameroun Area”, Journal of Environmental Planning and Managment, 44 (1), 85-108.

Material

Tabellarische Auflistung der Waldflächen und ihre Veränderung (PDF)

Erläuterung der Ökosystemfunktionen von Wald und ökonomische Bewertung (PDF)

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Erfolg für Greenpeace-Protest in Indonesien: Kahlschlag auf Kampar vorerst gestoppt

Donnerstag 19. November 2009 von birdfish

Der Greenpeace-Protest in Indonesien hat zu einem ersten Erfolg geführt.

Protest in Indonesien
Protest gegen Unternehmen April, das auf der indonesischen Kampar-Halbinsel die alten Torf-Urwälder zerstört – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Das indonesische Forstministerium hat die Aktivitäten des Unternehmens April auf der Halbinsel Kampar vorerst gestoppt. Die Konzessionen sollen überprüft werden. “Eine Atempause für das Klima”, so Shailendra Yashwant von Greenpeace Indonesien.

Update 17.11.2009: Die nächste Einschüchterungswelle der Behörden ist angelaufen. Fast alle ausländischen Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten sind inzwischen ausgewiesen worden. Ihnen wird mal dies mal jenes vorgeworfen. Nichts davon ist wahr, alles nur vorgeschoben. Greenpeace hat bei der indonesischen Botschaft in Berlin gegen das Verhalten der Behörden vor Ort protestiert. Die Leiterin des Pressebereichs versprach, der Sache nachzugehen.

15.11.2009: Etwa 300 Menschen aus Teluk Meranti haben die Räumung des Greenpeace-Camps auf der indonesischen Halbinsel Kampar verhindert:”Wenn Greenpeace geht, müssen auch die Konzerne hier weggehen.”

14.11.2009: Die internationalen Greenpeace-Aktivisten, die am Donnerstag in Indonesien gegen Urwaldzerstörung protestiert haben, werden ausgewiesen. Sie wurden nach Jakarta geflogen. Bis Montag müssen sie das Land verlassen haben. Ob sie je wieder einreisen dürfen, ist derzeit unklar. Auch das Klimacamp bei Teluk Meranti wird von der Polizei geräumt. 15 Aktivisten mussten das Camp sofort verlassen.

13.11.2009: Der Greenpeace-Protest zeigt Wirkung: Der finnische Papierkonzern UPM-Kymmene will seinen Vertrag mit dem Unternehmen April kündigen. April gehört zu den größten Urwaldzerstörern in Indonesien. Greenpeace-Aktivisten hatten am Donnerstag alle sieben Bagger auf einer Konzession der Firma in der Provinz Riau/Sumatra zum Stillstand gebracht. Sie ketteten sich an den Maschinen fest.

“Dass UPM-Kymmene jetzt mit dieser Meldung herauskommt, ist ein Riesenerfolg”, sagt Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel. “Das zeigt wieder einmal, dass das internationale Zusammenspiel funktioniert: Die Probleme vor Ort angehen und in den Abnehmerländern Druck aufbauen. Die Strategie geht auf.”

UPM-Kymmene hat am Donnerstagabend um 19:30 Uhr bekanntgegeben, dass das Unternehmen den Liefervertrag mit April kündigen werde. Die Entscheidung sei Ende Oktober gefallen. Dem Vertragspartner wird zum guten Ende noch eine weiße Weste bescheinigt: April verfüge über eine Zertifizierung nach FSC, die die Nachhaltigkeit und Legalität der Zellstofflieferungen belege. Die Aktivitäten in Indonesien können damit allerdings nicht gemeint sein. Dort gibt es keine FSC-Zertifizierungen.

Greenpeace lässt derzeit prüfen, ob April in Indonesien illegal aktiv ist. Der Torfboden auf der Konzession zum Beispiel, wo gestern der Greenpeace-Protest stattfand, reicht vier Meter und mehr in die Tiefe. Ab drei Metern Dicke darf in Indonesien nicht gerodet werden. Doch die Behörden sehen offenbar weg.

Dafür sind sie umso eifriger, wenn gegen die Zerstörung protestiert wird. Die Greenpeace-Aktivisten wurden mehr als 24 Stunden in einem gefliesten Raum ohne Schlafstellen festgehalten und immer wieder befragt. Es gab keine Verpflegung. Andere Greenpeace-Mitarbeiter durften schließlich etwas zum Essen ins Gefängnis bringen.

Inzwischen sind die indonesischen Aktivisten wieder auf freiem Fuß, müssen sich aber in den kommenden Wochen einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Die ausländischen Greenpeace-Aktivisten, unter ihnen auch die Deutsche Laura Schmitz, wurden von der Immigrationspolizei in die nächstgrößere Stadt gebracht. Sie werden wahrscheinlich ausgewiesen – ob nur aus der Provinz Riau oder aus Indonesien, ist noch unklar. Ebenso, ob sie jemals wieder einreisen dürfen. Der Abschied, sagt Hölzel, sei nach den Wochen in engster Gemeinschaft sehr bewegend und traurig gewesen.

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