KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Veränderung tropischer Landnutzung wirkt sich auf CO2-Gehalt in der Atmosphäre aus

Dienstag 12. April 2011 von birdfish

Weltweit ist die Menge an organischem Kohlenstoff, der in Böden gespeichert ist, mindestens dreimal größer als die Menge an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre.

Abholzung sowie neue Ölpalmen in Jambi, Indonesien

Abholzung sowie neue Ölpalmen in Jambi, Indonesien. Foto: Oliver van Straaten.

Wissenschaftler der Universität Göttingen haben nun untersucht, wie sich eine Veränderung der Landnutzung auf die Menge an organischem Kohlenstoff im Boden und damit auch auf die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre auswirkt. Dazu haben die Forscher Datenmaterial aus bereits bestehenden Feldstudien gesammelt und analysiert. Ihre Ergebnisse sowie Empfehlungen für eine Verbesserung der Qualität der gesammelten Daten wurden nun in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA veröffentlicht.

Zwar wird der größte Teil des Klimagases CO2 weltweit durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen freigesetzt, aber rund 15 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen entstehen durch eine veränderte Nutzung von tropischen Böden. Dabei handelt es sich sowohl um CO2 aus Biomasse, das beispielsweise bei der Verbrennung von gerodetem Tropenwald entsteht, als auch um Kohlendioxid, das aus dem Boden freigesetzt wird. Um genau vorauszusagen, wie viel CO2 bei einer geplanten veränderten Nutzung des Landes freigesetzt wird, fehlen jedoch qualitativ hochwertige Untersuchungen vor allem in den trockeneren Regionen der Tropen.

Prof. Dr. Edzo Veldkamp und Dr. Marife D. Corre von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen haben daher zusammen mit Wissenschaftlern der University of Minnesota (USA) bestehende Daten über die Veränderungen der Kohlenstoffvorräte in Tropenböden gesammelt und überprüft. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass Niederschlag und Bodenart sowohl den Vorrat als auch die Freisetzung des CO2 beeinflussen. „Allerdings war die Verteilung der von uns ausgewerteten Feldstudien nicht repräsentativ für die Bedingungen in den Tropen, so dass eine Hochrechnung auf Basis der Daten zwingend zu einer Verzerrung führen muss“, erklärt Prof. Feldkamp. „Zwei Drittel der geänderten Landnutzung in den Tropen fand auf den relativ fruchtbaren Böden der trockeneren Tropen statt, die meisten Feldstudien dagegen eher in den Gebieten, wo eine relativ gute wissenschaftliche Infrastruktur vorliegt“, so die Bodenkundler.

Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass es kaum Studien über derzeit sehr populäre Landnutzungsarten wie zum Beispiel den Anbau von Ölpalmen zur Produktion von Biodiesel gibt. Zudem wurde ein wichtiger Teil der Studien auf Vulkanböden durchgeführt, obwohl diese nur etwa ein Prozent der Böden in den Tropen ausmachen. Trotzdem hat die Auswertung der Daten belastbare Ergebnisse gebracht, so die Göttinger Forscher: „Wenn man bei den Vorhersagen Niederschlag und Bodenart berücksichtigt, lässt sich die CO2-Freisetzung aus Böden deutlich besser vorhersagen, als das bisher der Fall war. Um noch verlässlichere Aussagen treffen zu können, braucht man allerdings deutlich mehr Feldstudien aus allen Bereichen der Tropen, vor allem aus den trockeneren Gebieten.“

Originalpublikation

Jennifer S. Powers et al. Geographic Bias of Field Observations of Soil Carbon Stocks with Tropical Land-Use Changes Precludes Spatial Extrapolation. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA. DOI: 10.1073/pnas.1016774108.

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Studie: Entwaldung auf indonesischem Sumatra befördert Klimawandel messbar

Dienstag 15. Februar 2011 von birdfish

Die massive Entwaldung der indonesischen Insel Sumatra beeinflusst messbar den Klimawandel.

Sumatra-Tiger - Population nimmt ab
Sumatra-Tiger – Population nimmt ab – Foto: David Lawson / WWF-UK

Nach WWF-Analysen hat der Waldverlust zwischen 1985 und 2008 mit etwa 7,5 Gigatonnen CO2-Emissionen zu Buche geschlagen. Dies entspricht etwa 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, die in den 1990er Jahren durch Änderungen in der Landnutzung entstanden sind. Die Abholzung, Trockenlegung und Brandrodung von Torfmoorwäldern hat zwischen 1990 und 2002 zusätzlich geschätzte 1,1 Gigatonnen CO2 jährlich verursacht. Sumatra hat seit 1985 die Hälfte seiner Tropenwälder verloren, über 13 Millionen Hektar.

„Sumatra war einmal ein grünes, tropisches Paradies. Das ist vorbei”, sagt WWF-Experte Markus Radday. Statt dichten Waldes mit bunter Artenvielfalt beherrschen Ölpalmen und Akazien die Insel. Abgeholzt wird hauptsächlich für Papier und Zellstoff und die Umwandlung in Palmöl-Plantagen. Europa zählt zu den Hauptabnehmern der Produkte, die aus diesen  Rohstoffen hergestellt werden. Besonderen Anteil an der Waldzerstörung haben zwei Papier- und Zellstoffgiganten: die Firmen Asia Pulp & Paper (APP) und Asia Pacific Resources International Holdings (APRIL).

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, so Markus Radday. „Zuerst trifft der Kahlschlag die Menschen, Tiere und Ökosysteme vor Ort. Früher oder später aber spüren wir ihn alle.“ Jetzt komme es darauf an, den Kahlschlag zu stoppen, die verbliebenen Wälder zu erhalten und mit Aufforstungen den Schaden zu begrenzen.

Wälder sind gigantische Kohlenstoffspeicher, besonders tropische, die im Vergleich zu anderen Wäldern doppelt so viel des Klimagases speichern können. Tropenwälder wirken darüber hinaus kühlend auf das Weltklima. „Intakte Wälder sind ein wichtiges Bollwerk gegen den Klimawandel“, sagt WWF-Experte Radday  Deshalb sei es wichtig, im Rahmen eines künftigen Klimaabkommens dem in den Wäldern gebundenen Kohlenstoff einen finanziellen Wert zu geben.

Damit ließen sich auch die berühmtesten Bewohner der sechstgrößten Insel der Erde retten: Orang-Utan, Sumatra-Elefanten, -Tiger und -Nashorn. Höchstens 2.800 Exemplare des Sumatra-Elefanten durchstreifen die Insel noch – 1985 waren es doppelt so viele. Der Bestand der heute maximal 7.000 Sumatra Orang-Utans wurde seither ebenfalls halbiert. Das Sumatra-Nashorn, von dem 1991 noch785 Tiere gezählt wurden, schafft es heute auf höchstens 200 Individuen. Von den 1.000 Sumatra-Tigern, die vor 30 Jahren auf der Insel heimisch waren, leben derzeit allenfalls noch 679 Exemplare.

Die WWF Studie ‘Sumatra’s Forests, their Wildlife and the Climate’ (PDF, engl.)

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Die Vereinten Nationen haben 2011 zum weltweiten ‘Jahr der Wälder’erklärt

Mittwoch 19. Januar 2011 von birdfish

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum ersten Mal zum Jahr der Wälder erklärt.

Wald: Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen
Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen – Foto: Fletcher & Baylis / WWF

Der offizielle Startschuss fällt am 2. Februar in New York. Laut WWF brauchen die Wälder der Erde dringend mehr Aufmerksamkeit: Weltweit hat der Mensch bereits mehr als die Hälfte der Wälder vernichtet. Die Entwaldungsrate ist ungebremst. Rund um den Globus gehen jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald verloren. Illegaler Holzeinschlag, Brandrodung oder Umwandlung in Agrarland sind die Hauptursachen. Der meiste Wald schwindet in den artenreichen Tropen.

Der WWF will das UN-Jahr der Wälder nutzen, um für einen bewussten Umgang mit der Ressource Wald zu werben. „2011 sollen die Menschen verstehen, wer für das Abholzen der Wälder verantwortlich ist“, erläutert Philipp Göltenboth, Leiter des Waldschutzprogrammes des WWF Deutschland. „Das sind wir. Schließlich verschwinden die 36 Fußballfelder Wald pro Minute nicht einfach so. Aus ihnen wird Holz gewonnen, und daraus entstehen beispielsweise Wegwerfartikel aller Art, vom Papiertaschentuch bis zum Pappbecher für den täglichen Coffee to go. Oder die Wälder müssen weichen, weil an ihre Stelle Soja für die  immer stärker anwachsende Fleischproduktion angebaut wird. Dabei haben die Verbraucher viele Möglichkeiten durch bewussten Konsum zum Waldschutz beizutragen, etwa durch den Kauf FSC-zertifizierter Papierprodukte wie etwa Taschentücher, die dann nicht aus Raubbau stammen“.

Rund ein Drittel der weltweiten Landmassen, etwa 3,9 Milliarden Hektar, sind von Wäldern bedeckt – von den Tropen über die gemäßigten Breiten bis zu den borealen Weiten des Nordens und den  Regenwäldern des Südens. Von den etwa 1,8 Millionen beschriebenen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde leben etwa zwei Drittel im Wald. Wälder sind damit die artenreichsten Lebensräume überhaupt.

Wälder sind zugleich Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen; laut UN leben 1,6 Milliarden Menschen direkt im und vom Wald. Darüber hinaus produzieren Wälder Sauerstoff und speichern Kohlendioxid. Sie sind Wasserspeicher, schützen vor Überschwemmungen und bewahren den Boden vor Erosion. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge stellen Wälder im globalen Durchschnitt Dienstleistungen und Rohstoffe im Wert von etwa 750 Euro pro Hektar und Jahr zur Verfügung. Die Wälder der Erde haben also einen Dienstleistungswert von ca. 3 Billionen Euro pro Jahr, was dem zehnfachen des deutschen  Bundeshaushaltes für 2011entspricht.

Mit mehr als 300 Projekten in fast 90 Ländern setzt sich der WWF derzeit für die Bewahrung der Wälder ein. Damit steuert der WWF das größte Waldschutzprogramms der Welt. Bis heute stehen weltweit bereits etwa zehn Prozent aller Wälder unter Schutz. Zugleich sind inzwischen über 85 Millionen Hektar Wald weltweit durch nachhaltige Nutzung vor Raubbau geschützt -  durch das vom WWF geförderten Zertifizierungssystem des Forest Stewardship Council (FSC).

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WWF: Mangelhaftes Forstmanagement verschärft russisches Waldbrandinferno

Donnerstag 5. August 2010 von birdfish

Mehr als 7.000 Waldbrände lodern derzeit rund um Moskau und im russischen Fernen Osten.

Waldbrand im Amurgebiet
Waldbrand im Amurgebiet – Foto: Masterov / WWF

„Daran ist nicht allein die aktuelle Hitzewelle Schuld“, betont Aurel Heidelberg, Waldreferent beim WWF Deutschland. Die Gründe seien vielfältig, aber eine mangelhafte Vorsorge und ein miserables Waldmanagement seien die  Hauptursachen für die Brandkatastrophen. „Hier rächen sich die Fehler aus den vergangenen Jahrzehnten“, befürchtet der WWF. Illegaler Holzeinschlag, die Übernutzung der Wälder und großflächiger Kahlschlag hätten zu der aktuellen prekären Lage maßgeblich beigetragen.

Eine verfehlte Bewirtschaftung der Flächen, Kahlschlag und illegaler Holzeinschlag  habe vielerorts zu einer Verbuschung und Versteppung geführt. Diese Wälder brennen jetzt wie Zunder.  Darüber hinaus wurden vor allem im europäischen Teil Russlands im großen Stil Sümpfe trockengelegt. Ziel war es, den eingelagerten Torf abzubauen und ihn als Brennstoff für Privathaushalte zu nutzen oder den Torf als Rohmaterial für Gartenerde nach Mitteleuropa zu exportieren. „Geraten die ausgetrockneten Torfflächen in Brand, kann man sie kaum mehr löschen“, so Heidelberg.  Die Feuer ersticken wohl erst mit Einbruch des Winters. Die Rauchschwaden aus solchen trockengelegten Moorflächen enthalten Kohlenmonoxid, Feinstaub, Formaldehyd und andere giftige Verbindungen, die zu starken gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung führen können.

Der WWF sieht darüber hinaus große Versäumnisse in der Brandbekämpfung. Durch die Vergabe von Konzessionen auf vielen Flächen unterblieben Vorsorgemaßnahmen. Zudem habe ein 2007 verabschiedetes Forstgesetz dazu geführt, dass Kapazitäten bei der Brandbekämpfung massiv abgebaut wurden. Überwachungsflüge und der Einsatz von so genannten „Feuerspringern“, die Brände bereits im Frühstadium bekämpfen sollen, seien kontinuierlich zurückgegangen. In der Folge werden die Flammen später entdeckt und können viel schwieriger bekämpft werden.

Um künftige Brände zu reduzieren, fordert der WWF  ehemalige Torfabbauflächen zu renaturieren. Die Überflutung dieser Flächen würde Mensch und Umwelt vor Bränden schützen und wertvolle Lebensräume zurückgewinnen. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach Richtlinien des FSC (Forest Stewardship Council) könne zudem einen Beitrag zur Prävention von Waldbränden leisten. Die Anlage von Waldbrandschutzstreifen aus feuerresistenten Lärchen habe sich vor allem im russischen Fernen Osten als Präventionsmaßnahme bewährt. Überdies müsse wieder ein Frühwarnsystem  gegen Waldbrände aufgebaut werden.

Studie: ‘Wälder in Flammen’ – Ursachen und Folgen der weltweiten Waldbrände (PDF)

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Nach wie vor werden Stuttgarter Stadtbusse mit Palmöl gefahren und Regenwald zerstört

Dienstag 6. Juli 2010 von birdfish

Seit zwei Jahren verheizen vier Linienbusse der Stuttgarter Straßenbahnen Palmöldiesel aus Urwaldzerstörung.

Proteste gegen Palmöl-Einsatz in Stuttgart
Proteste gegen Einsatz von Palmöl in Stuttgarter Linienbussen – Foto: Martin Storz / Greenpeace

Gegen dieses klimaschädliche Palmölprojekt haben Greenpeace-Aktivisten vor dem Rathaus anlässlich eines internationalen Mobilitätskongresses in Stuttgart protestiert. Warum nimmt Stuttgart an dem fragwürdigen Pilotprojekt zweier Mineralölkonzerne und Daimler teil, obwohl sich die Stadt das Thema Nachhaltigkeit eigentlich groß auf die Fahnen geschrieben hat?

Palmöl-Diesel von Neste Oil in Stuttgarter Bussen = Urwaldzerstörung steht auf dem Greenpeace-Flugblatt, das Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace, gemeinsam mit den Aktivisten an die Teilnehmer des Kongresses Cities for Mobility verteilt. Hölzel erklärt: “Das Interesse der Stadt Stuttgart an Klima- und Urwaldschutz ist vorgetäuscht. Wer Diesel aus Urwaldzerstörung einsetzt und Nachhaltigkeit predigt, ist komplett unglaubwürdig.”

Riesige Flächen wertvoller Regenwälder fallen in Indonesien der wachsenden europäischen Palmölnachfrage zum Opfer. Die Umwandlung in Plantagen vernichtet die Heimat bedrohter Arten wie dem Orang-Utan. Besonders heikel ist die Zerstörung der kohlenstoffreichen Torfwälder. Mit jeder Rodung entweichen riesige Mengen CO2 in die Atmosphäre.

Ehrenamtliche Greenpeace-Aktivisten informieren seit Mai 2010 die Stuttgarter Bürger über das klimaschädliche Palmölprojekt ihrer Stadt. Greenpeace hat bei Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster (CDU) im Vorfeld nachgehakt. Die Antwort kam per Post: Auch aus seiner Sicht sei es der falsche Ansatz, lokale Umwelt- und Klimaziele durch Maßnahmen zu erreichen, die global kontraproduktiv seien. Das Roden der Regenwälder zur Kraftstoffgewinnung würde kaum mit den Stuttgarter Nachhaltigkeitszielen im Einklang stehen. Das Pilotprojekt soll jedoch bis 2011 fortgeführt werden, um Erkenntnisse zur Verträglichkeit von Palmöl in Motoren zu sammeln.

Ob die Fortführung des Stuttgarter Projekts tatsächlich zu relevanten Erkenntnissen führen wird? Immerhin fahren im finnischen Helsinki zu Testzwecken seit drei Jahren 300 Linienbusse mit Palmöl-Diesel, so dass Datenmaterial bereits zur Genüge vorliegen sollte. Den Diesel aus Urwaldzerstörung liefert Neste Oil. Der finnische Mineralölkonzern behauptet, nachhaltiges Palmöl vom Hersteller IOI zu beziehen. Diese Aussage scheint äußerst fragwürdig, wenn man bedenkt, dass IOI nachweislich in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten verwickelt ist.

Neste Oil hat große Pläne. Der Konzern baut nach Finnland weitere Raffinerien in Rotterdam und Singapur. Damit wird sich der Ölmulti an die Spitze der weltweit größten Palmöl-Abnehmer schwingen. Die Konsequenz: Neste Oil kann seine hochgefahrene Produktion nur decken, wenn in Indonesien weitere Plantagen auf Kosten des Urwalds und seiner Bewohner angelegt werden.

Bereits im Dezember 2008 musste Neste Oil aufgrund des öffentlichen Protestes ein ähnliches Projekt abbrechen. Um Folgeprojekte zu verhindern, fordert Greenpeace den sofortigen Stopp des Stuttgarter Pilotprojektes mit Palmöl-Diesel.

Wer diese Forderung unterstützen möchte, kann bei Greenpeace online an der Petition teilnehmen oder selbst Unterschriften sammeln (letzteres ein PDF).

Greenpeace

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Palmöl gehört nicht in den Tank: Mehrere Busse in Stuttgart laufen mit reinem Palmöl

Mittwoch 26. Mai 2010 von birdfish

Die Fahrgäste der Stuttgarter Buslinie 42 staunten nicht schlecht: Jugendliche in Orang-Utan-Kostümen unterhielten sich lautstark über den Diesel aus Urwaldzerstörung, der den Bus antreibt.

Protest gegen Palmöl-Busse
Orang Utans protestieren in Stuttgart gegen Palmöl-Busse – Foto: Martin Storz / Greenpeace

Die Greenpeace-Jugend protestierte damit gegen ein als klimafreundlich propagiertes Pilotprojekt der Stuttgarter Straßenbahnen: Dort fahren vier Busse ausschließlich mit Diesel aus 100 Prozent Palmöl.

“Die wenigsten Stuttgarter wussten von dem Palmöl in den Bustanks, aber erstaunlich viele waren interessiert”, berichtet Ivo Bantel von der Greenpeace-Jugend. An zwei Haltestellen konnten sich Passanten an Greenpeace-Ständen über die Folgen des Pilotprojekts für das Klima informieren und eine Protest-Petition unterschreiben.

Wer dann an der Station Olgaeck in den Bus einstieg, wusste beim Anblick der Affen-Kostüme bereits Bescheid – die ahnungslosen Mitfahrer waren durch das Belauschen der Orang-Utans spätestens bis zum nächsten Stop im Bilde.

Das Palmöl stammt aus Indonesien und Malaysia. Dort rodet die Palmölindustrie riesige Urwaldflächen und kohlenstoffreiche Torfmoore, die bei der Umwandlung in Plantagen gigantische Mengen CO2 freisetzen. Die Landrechte der lokalen Bevölkerung werden kaum beachtet, unmenschliche Arbeitsbedingungen sind an der Tagesordnung.

Hersteller des Palmöl-Diesels ist der finnische Mineralölkonzern Neste Oil. Diese Firma behauptet, nachhaltiges Palmöl zu beziehen, obwohl ihr Lieferant IOI nachweislich in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten verwickelt ist. Neste Oil baut aktuell neben seiner Raffinerie in Finnland zwei weitere Großanlagen in Rotterdam und Singapur.

Damit setzt sich Neste Oil mit einem Bedarf von 2,5 Millionen Tonnen an die Weltspitze der größten Palmöl-Abnehmer. Der weltweite Bedarf an Palmöl steigt rapide an, das billige Pflanzenöl wird verwendet für Lebensmittel, Kosmetika, Waschmittel, zur Strom- und Wärmegewinnung und – als Treibstoff.

“Palmöl gehört nicht in den Tank”, betont Ivo. “Wir werden alle Protest-Unterschriften an den Stuttgarter Oberbürgermeister übermitteln und fordern ihn auf, sich für den Klimaschutz und den Erhalt der letzten Urwälder einzusetzen. Das Pilotprojekt Palmöl-Diesel muss gestoppt werden. ”

Die busfahrenden Orang-Utans und Infostände der Greenpeace-Jugend bilden den Auftakt der Kampagne gegen Palmöl-Diesel. An diesem Tag wurden Unterschriften im dreistelligen Bereich gesammelt. Wer das klimafeindliche Pilotprojekt der Stuttgarter Straßenbahnen stoppen möchte, kann auf der Greenpeace-Homepage weiterhin seine virtuelle Unterschrift abgeben. Die Erfahrung zeigt, dass der Protest Wirkung zeigt: Ein ähnliches Projekt wie in Stuttgart von Neste Oil und einer schwedischen Fährschiff-Gesellschaft musste 2008 aufgrund öffentlicher Proteste abgebrochen werden.

Stuttgarter Flyer: Palmöl gehört nicht in den Tank

Greenpeace

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Indonesien will keine Genehmigung mehr für die Umwandlung von Torfwäldern vergeben

Dienstag 18. Mai 2010 von birdfish

Indonesiens Forstministerium wird zukünftig keine Genehmigungen für die Umwandlung von Torfwäldern in Plantagen mehr vergeben.

Torfwälder Indonesiens
Austrocknung von Torfwälder trägt maßgeblich zum Klimwandel bei. – (c) Daniel Beltrá / Greenpeace

Das Ministerium schiebt mit dieser Absichtserklärung der indonesischen Papier- und Palmölindustrie einen Riegel vor, die durch die Brandrodung der kohlestoffreichen Torfmoore den Klimawandel anheizt.

“Das Forstministerium muss sich nun mit dem indonesischen Agrar- und Umweltministerium zusammenschließen, um den Umwandlungsstopp wertvoller Torfwälder gesetzlich zu verankern”, erklärt Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace. Alles hängt davon ab, wie schnell und effektiv die industrielle Urwaldzerstörung gerichtlich verfolgt und bestraft werden kann. Torfmoore mit einer Tiefe von über drei Metern sind bereits gesetzlich vor der Umwandlung in Plantagen geschützt, dennoch setzen sich Konzerne wie Sinar Mas mit Leichtigkeit über das Verbot hinweg.

Greenpeace gegenüber versicherte der indonesische Forstminister Zulkifli Hasan, zukünftig ungeachtet der Tiefe der Torfmoore keinerlei Genehmigungen für Umwandlungen mehr ausstellen zu wollen. Das verschafft dem Umweltminister den nötigen Druck, um in einem Dreierverbund mit dem Forst- und Agrarministerium die fortschreitende Urwaldzerstörung zu bremsen. Auch Indonesiens Präsident Yudhoyono kommt seinem Plan, bis 2020 den CO2-Ausstoß seines Landes um 41 Prozent zu senken, einen großen Schritt näher. Die Austrocknung der kohlestoffreichen Torfmoore für die Papier- und Palmölproduktion setzt gewaltige Mengen an Treibhausgasen frei und verschafft Indonesien einen zweifelhaften dritten Platz im Wettbewerb um den weltweit größten CO2-Emittenten.

Der Wirtschaftsfaktor Palmöl sorgt für Unmut unter indonesischen und internationalen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen. Berichte von Korruption, mafiaähnlichen Geschäftspraktiken und Landkonflikten mit der ansässigen Bevölkerung durch die Palmölindustrie bringen die indonesische Forst- und Umweltpolitik zunehmend in Verruf. Auch aus Europa verstärkt sich der Druck: Papier- und Palmölabnehmer reagieren auf die Meinung der Endverbraucher und sprechen sich gegen Produkte aus Urwaldzerstörung aus.

Greenpeace fordert einen sofortigen Abholzungsstopp zum Schutz des indonesischen Urwaldes. Die Zerstörung der Regen- und Torfmoorwälder gefährdet zahlreiche bedrohte Tierarten wie den Orang-Utan und beraubt Kleinbauern ihrer Lebensgrundlage. Die Regierung muss gemeinsam mit den ansässigen Gemeinden nachhaltige Lösungen erarbeiten, die die Existenzgrundlage der bäuerlichen Kleinbetriebe sichern und den großen Palmöl- und Papierproduzenten Anbaumöglichkeiten bieten, ohne wertvolle Torfwälder zu zerstören.

Greenpeace

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Kampf für den Urwald: Greenpeace übergibt Klimacamp an indonesische Gemeinden

Mittwoch 2. Dezember 2009 von birdfish

Greenpeace hat das Klimacamp auf der indonesischen Halbinsel Kampar an die örtlichen Gemeinden übergeben.

Klimacamp Abschied und Übergabe
Greenpeace übergibt das Klimacamp an die örtlichen Gemeinden. Zu den Feierlichkeiten sind über 1.000 Menschen gekommen. – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Mehr als tausend Menschen fanden sich ein, um an der feierlichen Zeremonie teilzunehmen. “Das Klimaschutzcamp ist ein Zeichen unserer Solidarität mit den Gemeinden in ihrem Kampf gegen die Entwaldung Kampars”, sagt Von Hernandez, Geschäftsführer des südostasiatischen Greenpeace-Büros. “Wir werden weiter mit ihnen zusammenarbeiten. Wir werden dafür sorgen, dass ihre Stimmen in Kopenhagen gehört werden – ihre und die vieler anderer Menschen, die eine bewohnbare Welt für ihre Kinder wollen.”

19.11.2009: Der Greenpeace-Protest in Indonesien hat zu einem ersten Erfolg geführt. Das indonesische Forstministerium hat die Aktivitäten des Unternehmens April auf der Halbinsel Kampar vorerst gestoppt. Die Konzessionen sollen überprüft werden. “Eine Atempause für das Klima”, so Shailendra Yashwant von Greenpeace Indonesien.

17.11.2009: Die nächste Einschüchterungswelle der Behörden ist angelaufen. Fast alle ausländischen Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten sind inzwischen ausgewiesen worden. Ihnen wird mal dies mal jenes vorgeworfen. Nichts davon ist wahr, alles nur vorgeschoben. Greenpeace hat bei der indonesischen Botschaft in Berlin gegen das Verhalten der Behörden vor Ort protestiert. Die Leiterin des Pressebereichs versprach, der Sache nachzugehen.

15.11.2009: Etwa 300 Menschen aus Teluk Meranti haben die Räumung des Greenpeace-Camps auf der indonesischen Halbinsel Kampar verhindert:”Wenn Greenpeace geht, müssen auch die Konzerne hier weggehen.”

14.11.2009: Die internationalen Greenpeace-Aktivisten, die am Donnerstag in Indonesien gegen Urwaldzerstörung protestiert haben, werden ausgewiesen. Sie wurden nach Jakarta geflogen. Bis Montag müssen sie das Land verlassen haben. Ob sie je wieder einreisen dürfen, ist derzeit unklar. Auch das Klimacamp bei Teluk Meranti wird von der Polizei geräumt. 15 Aktivisten mussten das Camp sofort verlassen.

13.11.2009: Der Greenpeace-Protest zeigt Wirkung: Der finnische Papierkonzern UPM-Kymmene will seinen Vertrag mit dem Unternehmen April kündigen. April gehört zu den größten Urwaldzerstörern in Indonesien. Greenpeace-Aktivisten hatten am Donnerstag alle sieben Bagger auf einer Konzession der Firma in der Provinz Riau/Sumatra zum Stillstand gebracht. Sie ketteten sich an den Maschinen fest.

“Dass UPM-Kymmene jetzt mit dieser Meldung herauskommt, ist ein Riesenerfolg”, sagt Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel. “Das zeigt wieder einmal, dass das internationale Zusammenspiel funktioniert: Die Probleme vor Ort angehen und in den Abnehmerländern Druck aufbauen. Die Strategie geht auf.”

UPM-Kymmene hat am Donnerstagabend um 19:30 Uhr bekanntgegeben, dass das Unternehmen den Liefervertrag mit April kündigen werde. Die Entscheidung sei Ende Oktober gefallen. Dem Vertragspartner wird zum guten Ende noch eine weiße Weste bescheinigt: April verfüge über eine Zertifizierung nach FSC, die die Nachhaltigkeit und Legalität der Zellstofflieferungen belege. Die Aktivitäten in Indonesien können damit allerdings nicht gemeint sein. Dort gibt es keine FSC-Zertifizierungen.

Greenpeace lässt derzeit prüfen, ob April in Indonesien illegal aktiv ist. Der Torfboden auf der Konzession zum Beispiel, wo gestern der Greenpeace-Protest stattfand, reicht vier Meter und mehr in die Tiefe. Ab drei Metern Dicke darf in Indonesien nicht gerodet werden. Doch die Behörden sehen offenbar weg.

Dafür sind sie umso eifriger, wenn gegen die Zerstörung protestiert wird. Die Greenpeace-Aktivisten wurden mehr als 24 Stunden in einem gefliesten Raum ohne Schlafstellen festgehalten und immer wieder befragt. Es gab keine Verpflegung. Andere Greenpeace-Mitarbeiter durften schließlich etwas zum Essen ins Gefängnis bringen.

Inzwischen sind die indonesischen Aktivisten wieder auf freiem Fuß, müssen sich aber in den kommenden Wochen einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Die ausländischen Greenpeace-Aktivisten, unter ihnen auch die Deutsche Laura Schmitz, wurden von der Immigrationspolizei in die nächstgrößere Stadt gebracht. Sie werden wahrscheinlich ausgewiesen – ob nur aus der Provinz Riau oder aus Indonesien, ist noch unklar. Ebenso, ob sie jemals wieder einreisen dürfen. Der Abschied, sagt Hölzel, sei nach den Wochen in engster Gemeinschaft sehr bewegend und traurig gewesen.

Greenpeace

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