KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Kampf für den Urwald: Greenpeace übergibt Klimacamp an indonesische Gemeinden

Mittwoch 2. Dezember 2009 von birdfish

Greenpeace hat das Klimacamp auf der indonesischen Halbinsel Kampar an die örtlichen Gemeinden übergeben.

Klimacamp Abschied und Übergabe
Greenpeace übergibt das Klimacamp an die örtlichen Gemeinden. Zu den Feierlichkeiten sind über 1.000 Menschen gekommen. – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Mehr als tausend Menschen fanden sich ein, um an der feierlichen Zeremonie teilzunehmen. “Das Klimaschutzcamp ist ein Zeichen unserer Solidarität mit den Gemeinden in ihrem Kampf gegen die Entwaldung Kampars”, sagt Von Hernandez, Geschäftsführer des südostasiatischen Greenpeace-Büros. “Wir werden weiter mit ihnen zusammenarbeiten. Wir werden dafür sorgen, dass ihre Stimmen in Kopenhagen gehört werden – ihre und die vieler anderer Menschen, die eine bewohnbare Welt für ihre Kinder wollen.”

19.11.2009: Der Greenpeace-Protest in Indonesien hat zu einem ersten Erfolg geführt. Das indonesische Forstministerium hat die Aktivitäten des Unternehmens April auf der Halbinsel Kampar vorerst gestoppt. Die Konzessionen sollen überprüft werden. “Eine Atempause für das Klima”, so Shailendra Yashwant von Greenpeace Indonesien.

17.11.2009: Die nächste Einschüchterungswelle der Behörden ist angelaufen. Fast alle ausländischen Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten sind inzwischen ausgewiesen worden. Ihnen wird mal dies mal jenes vorgeworfen. Nichts davon ist wahr, alles nur vorgeschoben. Greenpeace hat bei der indonesischen Botschaft in Berlin gegen das Verhalten der Behörden vor Ort protestiert. Die Leiterin des Pressebereichs versprach, der Sache nachzugehen.

15.11.2009: Etwa 300 Menschen aus Teluk Meranti haben die Räumung des Greenpeace-Camps auf der indonesischen Halbinsel Kampar verhindert:”Wenn Greenpeace geht, müssen auch die Konzerne hier weggehen.”

14.11.2009: Die internationalen Greenpeace-Aktivisten, die am Donnerstag in Indonesien gegen Urwaldzerstörung protestiert haben, werden ausgewiesen. Sie wurden nach Jakarta geflogen. Bis Montag müssen sie das Land verlassen haben. Ob sie je wieder einreisen dürfen, ist derzeit unklar. Auch das Klimacamp bei Teluk Meranti wird von der Polizei geräumt. 15 Aktivisten mussten das Camp sofort verlassen.

13.11.2009: Der Greenpeace-Protest zeigt Wirkung: Der finnische Papierkonzern UPM-Kymmene will seinen Vertrag mit dem Unternehmen April kündigen. April gehört zu den größten Urwaldzerstörern in Indonesien. Greenpeace-Aktivisten hatten am Donnerstag alle sieben Bagger auf einer Konzession der Firma in der Provinz Riau/Sumatra zum Stillstand gebracht. Sie ketteten sich an den Maschinen fest.

“Dass UPM-Kymmene jetzt mit dieser Meldung herauskommt, ist ein Riesenerfolg”, sagt Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel. “Das zeigt wieder einmal, dass das internationale Zusammenspiel funktioniert: Die Probleme vor Ort angehen und in den Abnehmerländern Druck aufbauen. Die Strategie geht auf.”

UPM-Kymmene hat am Donnerstagabend um 19:30 Uhr bekanntgegeben, dass das Unternehmen den Liefervertrag mit April kündigen werde. Die Entscheidung sei Ende Oktober gefallen. Dem Vertragspartner wird zum guten Ende noch eine weiße Weste bescheinigt: April verfüge über eine Zertifizierung nach FSC, die die Nachhaltigkeit und Legalität der Zellstofflieferungen belege. Die Aktivitäten in Indonesien können damit allerdings nicht gemeint sein. Dort gibt es keine FSC-Zertifizierungen.

Greenpeace lässt derzeit prüfen, ob April in Indonesien illegal aktiv ist. Der Torfboden auf der Konzession zum Beispiel, wo gestern der Greenpeace-Protest stattfand, reicht vier Meter und mehr in die Tiefe. Ab drei Metern Dicke darf in Indonesien nicht gerodet werden. Doch die Behörden sehen offenbar weg.

Dafür sind sie umso eifriger, wenn gegen die Zerstörung protestiert wird. Die Greenpeace-Aktivisten wurden mehr als 24 Stunden in einem gefliesten Raum ohne Schlafstellen festgehalten und immer wieder befragt. Es gab keine Verpflegung. Andere Greenpeace-Mitarbeiter durften schließlich etwas zum Essen ins Gefängnis bringen.

Inzwischen sind die indonesischen Aktivisten wieder auf freiem Fuß, müssen sich aber in den kommenden Wochen einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Die ausländischen Greenpeace-Aktivisten, unter ihnen auch die Deutsche Laura Schmitz, wurden von der Immigrationspolizei in die nächstgrößere Stadt gebracht. Sie werden wahrscheinlich ausgewiesen – ob nur aus der Provinz Riau oder aus Indonesien, ist noch unklar. Ebenso, ob sie jemals wieder einreisen dürfen. Der Abschied, sagt Hölzel, sei nach den Wochen in engster Gemeinschaft sehr bewegend und traurig gewesen.

Greenpeace

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Brennende Regenwälder setzen massiv Treibhausgase frei – Klimakiller Torffeuer

Sonntag 29. November 2009 von birdfish

Torfgebiete, vor allem in den tropischen Regionen der Erde, sind gigantische Kohlenstoffspeicher.

Bau eines Damms
Bau eines Damms durch Greenpeace-Aktivisten gegen die weitere Entwässerung des Torfbodens – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Menschliche Einflüsse führen jedoch unter anderem zur Entwässerung dieser Moore, was in Kombination mit klimatisch bedingten Trockenperioden zu ausgedehnten Bränden führen kann. Dadurch aber werden ungeheure Mengen Kohlendioxid (CO2) frei, das als Treibhausgas zur Klimaerwärmung beiträgt.

Mittels lasergestützter Messungen konnte das Team um den LMU-Forscher Professor Florian Siegert jetzt das verbrannte Torfvolumen weitaus genauer bestimmen als dies bisher möglich war. Die neuen Hochrechnungen zeigen, dass im Jahr 2006 durch Torffeuer in Indonesien bis zu 900 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt wurden. Das ist mehr als die gesamten CO2-Emissionen Deutschlands im selben Jahr – und entspricht etwa 16 Prozent aller Emissionen durch Entwaldung weltweit. “Unsere Arbeit unterstreicht einmal mehr, welch entscheidende Rolle die hoch gefährdeten tropischen Torfökosysteme im Kontext der Klimaerwärmung spielen”, sagt Siegert. “Sie liefert aber auch wichtige Daten für die bevorstehende Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Denn dort werden unter anderem Programme verhandelt, die finanzielle und andere Anreize zum Schutz tropischer Torfsumpfwälder und deren riesiger Kohlenstoffspeicher liefern sollen. (PNAS online, 26. November 2009).

Über Jahrmillionen kann sich Pflanzenmaterial in Kohle umwandeln. In Mooren aber entsteht in einem ersten Zersetzungsschritt Torf. Dieses organische Material ist brennbar und wird daher in Europa auch als Heizmaterial abgebaut. Als stark verdichtete pflanzliche Substanz ist Torf aber auch ein wichtiger Speicher von Kohlenstoff in Bodennähe. “Es wird geschätzt, dass sich die Torfgebiete in den Tropen über 30 bis 45 Millionen Hektar erstrecken”, sagt Professor Florian Siegert vom GeoBio-Center der LMU München. “Das entspricht rund zehn Prozent der globalen Vorkommen und macht die tropischen Torfgebiete zu einem der größten oberflächennahen Speicher für organischen Kohlenstoff.” Dabei findet sich etwa die Hälfte dieser Torfgebiete in nur einem Land: Indonesien.

Einige der küstennahen Torfgebiete auf Borneo etwa sind vor über 20.000 Jahren entstanden. Hier haben sich – wie meist bei tropischen Torfgebieten – bis zu 20 Meter dicke, konvex geformte Torfdome gebildet. Sie dienen als Untergrund für Torfsumpfwälder und verfügen über eine ungeheure Kapazität zur Speicherung von Kohlenstoff: Alleine der Kohlenstoffgehalt in den indonesischen Torfgebieten wird auf mehr als 50 Gigatonnen geschätzt. Doch die Torfgebiete sind gefährdet. Naturbelassen sind sie schlichtweg zu feucht, um zu brennen. Vor allem die Entwässerung und die Entwaldung aber stören ihr ökologisches Gleichgewicht und machen sie anfällig für Feuer, das fast immer menschlichen Ursprungs ist. So nutzen private Firmen die Brände, um den Wald in großem Maßstab für Ölpalmen- oder Papierholzplantagen zu roden.

Die Brände aber sind doppelt gefährlich: Sie setzen im Rauch gigantische Mengen an Aerosolen und schädlichen Gasen frei, die in einigen Gebieten Südostasiens massive Gesundheitsprobleme verursachen. Zudem aber wird der gebundene Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid abgegeben, also als Treibhausgas, das zur Erderwärmung beiträgt. Das Problem verschärft sich dadurch, dass klimatisch bedingte Trockenperioden die Brennbarkeit des Torfes erhöhen. So wurden alleine in den indonesischen Torfgebieten während der El Niño-Trockenperiode von 1997/98 bis zu 2,57 Gigatonnen Kohlenstoff freigesetzt. “Die Schätzungen schwanken hier erheblich”, berichtet Siegert. “Man geht aber davon aus, dass das mindestens 13 Prozent, wenn nicht bis zu 40 Prozent der gesamten Emissionen durch das Verbrennen fossiler Energieträger in dieser Zeit entsprechen könnte. Diese riesigen Mengen an freigesetztem Kohlenstoff tragen signifikant zur Erderwärmung bei.”

Mit einer neuen Methode haben die Forscher aus München jetzt gemessen, wieviel einer Torfschicht durch ein Feuer verbrannt ist, denn nur so kann die Menge des freigesetzten Kohlendioxids verlässlich geschätzt werden. Weil die Torfgebiete kaum zugänglich sind, haben Siegert und sein Team vom Hubschrauber aus mit einem Laserscanner (LIDAR, “Light Detection and Ranging”) gearbeitet. Laserscanner senden hochfrequente optische Signale aus, deren Echo aufgezeichnet wird – und auf Zentimeter genau die Oberflächenhöhen bestimmen lässt. “So konnten wir zeigen, dass die verheerenden Torffeuer im Jahr 2006 eine durchschnittliche Brandtiefe von etwa 0,3 Metern verursachten”, so Siegert. Diese und andere Daten führten zu der Schätzung, dass im 2,79 Millionen Hektar großen Studiengebiet – was in etwa Brandenburg entspricht – wohl mehr als 180 Millionen Tonnen CO2 emittiert wurden. Das entspricht etwa 20 Prozent aller CO2-Emissionen in Deutschland.

“Diese gewaltigen Emissionen stammen von nur rund 13 Prozent der indonesischen Torfgebiete”, betont Siegert. Daher wurden die Emissionen des Jahres 2006, einem Jahr in dem aufgrund eines schwachen El Niño weniger Regen fiel, für ganz Indonesien hochgerechnet. Demzufolge wurden durch Torffeuer in Indonesien bis zu 900 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Das entspricht mehr als den gesamten CO2-Emissionen Deutschlands im Jahr 2006 oder rund 16 Prozent aller Emissionen durch Entwaldung weltweit. Indonesien gilt alleine wegen der regelmäßig wiederkehrenden gewaltigen Waldbrände als einer der weltweit größten Kohlenstoffemittenten, was durch die neuen, genaueren Daten nun bestätigt wurde. Dies unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Torffeuer für die Erderwärmung. Noch aber wird diese wichtige Kohlenstoffemissionsquelle weder in den Zahlen des Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC, “Intergovernmental Panel on Climate Change”) noch in regionalen und globalen Klimavorhersagemodellen berücksichtigt.

Die meisten Studien bezüglich der Landnutzungsänderungen und des Klimawandels beziehen sich nur auf die Biomasse des Waldes. Die neuen Ergebnisse zeigen aber einmal mehr, wie wichtig es ist, künftig auch die im Boden gespeicherte Biomasse in diese Modelle einzubeziehen. Der Kohlenstoffgehalt der Torfschichten ist abhängig von deren Dicke und kann bis zu 20 Mal höher sein als der im Wald selbst gespeicherte Kohlenstoff. “Der steigende Bedarf an Palmöl, eingeleitet durch die Nachfrage nach günstigen Biokraftstoffen, wird diese Situation ernsthaft verschärfen, wie die erneuten Brände dieses Jahres gezeigt haben”, berichtet Siegert. “Dies sollte auch Auswirkungen auf die europäische Politik in Bezug auf die erneuerbaren Energien haben. Auch in Kopenhagen werden Programme diskutiert werden wie etwa REDD, kurz für ‘Reduced Emissions from Deforestation and Degradation in developing countries’, das finanzielle Anreize schaffen könnte, die tropischen Torfsumpfwälder und deren riesige Kohlenstoffspeicher zu schützen.”

Publikation:
Derivation of burn scar depths and estimation of carbon emissions with LIDAR in Indonesian peatlands,
Uwe Ballhorn, Florian Siegert, Mike Mason, and Suwido Limin
PNAS online, 26. November 2009

Zahlreiche Artikel zu Greenpeace-Aktionen gegen die Entwässerung von Torfböden sowie Torffeuer in Indonesien finden Sie hier.

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Verzweifelter Kampf gegen Klimasünder in Indonesien – Vernichtung letzter Urwälder

Freitag 27. November 2009 von birdfish

Fünf Greenpeace-Aktivisten haben 26 Stunden lang auf einem Verladekran der Firma APP im indonesischen Urwald ausgeharrt.

Aktivisten auf dem Verladekran
Greenpeace-Aktivisten auf einem Verladekran der Sinar Mas-Firma APP in der indonesischen Provinz Riau. (c) Greenpeace

Sie wurden schließlich gestern Morgen von der Polizei heruntergeholt. Weitere sieben Aktivisten befanden sich gestern noch in Polizeigewahrsam. Der Geschäftsführer des südostasiatischen Greenpeace-Büros, Von Hernandez, kündigte an, der Protest gehe weiter, “bis die Regierungschefs der Welt aus ihrer Trägheit erwachen und sich in Kopenhagen auf ein faires, ehrgeiziges und rechtsverbindliches Klimaabkommen verständigen”. Dazu gehöre auch ein Fonds zum Schutz der Wälder.

25. November 2009: Greenpeace-Aktivisten haben im indonesischen Urwald eine der weltweit größten Zellstofffabriken geschlossen. Sie erkletterten Verladekräne auf dem Firmengelände des Unternehmens APP und legten so den Export lahm. APP ist eine Tochter des Megakonzerns Sinar Mas. Die Aktivisten protestierten damit gegen einen der größten Urwaldzerstörer in Indonesien.

Das Gelände der Zellstoffmühle ist riesig – so riesig, dass die Fabrik ihr eigenes Kraftwerk für die Energieversorgung betreibt. Verwüstung, wohin das Auge blickt. Es ist kaum zu glauben, dass hier einst intakter Urwald stand. Fabriken wie diese sind wesentliche Treiber des Klimawandels.

Das Holz, das APP verarbeitet, stammt aus den Torf-Urwäldern der Halbinsel Kampar. In diesen alten Torfmoorwäldern sind gigantische Mengen Kohlenstoff gebunden. Durch die Zerstörung des Urwalds werden diese in Form von CO2 freigesetzt und heizen den Klimawandel weiter an.

Konzerne wie Sinar Mas/APP oder das Konkurrenzunternehmen April gehören damit zu den großen unmittelbaren Klimazerstörern. Oft erfolgt die Entwaldung illegal. Nach indonesischem Recht sind Torfschichten, die weiter als drei Meter in die Tiefe reichen, geschützt. Auf Kampar ist das häufig der Fall. Doch die Behörden schauen weg, decken die Konzerne gar. Dieses Verhalten steht in krassem Widerspruch zum erklärten Ziel der Regierung, den CO2-Ausstoß des Landes zu senken. Indonesien ist allein durch die rasante Entwaldung der drittgrößte CO2-Emittent der Welt.

Shailandra Yashwant, Kampagnendirektor von Greenpeace in Südostasien, fordert die Politik auf zu handeln. Die führenden Politiker der Welt dürften nicht damit durchkommen, ein strenges Abkommen in Kopenhagen zu sabotieren, fordert er. “Unsere Regierungschefs müssen mit einer fairen, ehrgeizigen und rechtlich verbindlichen Vereinbarung zurückkommen. Weniger ist nicht akzeptabel. Dazu gehören auch Fonds, um die Entwaldung in Indonesien und anderswo zu stoppen.”

Greenpeace unterhält seit Oktober 2009 auf der Halbinsel Kampar ein Klimacamp. Es wurde auf dem Grund und Boden der Gemeinde von Teluk Meranti errichtet. Die Einwohner unterstützen die Aktivisten. Diese errichteten Dämme in den künstlich gezogenen Gräben, die den Torfboden trockenlegen sollen. Auf einer Konzession des Konzerns April ketteten sie sich an den Baggern fest. Die Behörden wiesen inzwischen etliche ausländischen Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten nach stundenlangen Verhören aus.

Greenpeace

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Der Wald: in Kyoto spielte er keine Rolle, in Kopenhagen muss er im Fokus stehen

Donnerstag 26. November 2009 von birdfish

Prof. Bernd Hansjürgens, Leiter des Departments Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) zum Kopenhagen-Gipfel.

CO2-Speicher Wald
CO2-Speicher Wald – (c) Ingwer Hansen

Eine wichtige Frage für die Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen besteht darin, ob und inwieweit die Wälder in ein neues Klimaabkommen einbezogen werden können. Noch im Kyoto-Protokoll spielte der Wald keine Rolle – hier fokussierten die Maßnahmen für den Klimaschutz allein auf die Emissionen aus den fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle oder Gas – und dies vor allem mit Blick auf die Industrieländer. Erst seit der Klimafolgekonferenz in Montreal 2005 gelangte das Thema Wald auf die Agenda der Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen. Unter der Überschrift “Reducing Emissions from Deforestation and Degradation” – REDD wurde gefordert, einen Mechanismus zu entwickeln, um den Wald in ein internationales Klimaregime einzubinden.

Der Wald spielt für die globale Situation der Treibhausgase eine zentrale Rolle. Wald bindet Kohlendioxid. Zugleich steht der Wald, wenn er abgeholzt wird, nicht mehr als Senke für die Aufnahme von CO2 zur Verfügung. Und nicht nur das – die Abholzung der Wälder durch Brandrodung und Umnutzung führt zur zusätzlichen Freisetzung von CO2 und zur Verstärkung des anthropogenen Treibhauseffekts. Rund 20 Prozent der gesamten CO2-Emissionen stammen aus der Vernichtung von Wald – entweder durch vollständige Abholzung der Flächen (”deforestation”) oder Reduktion der Walddichte (”degradation”). 20 Prozent – das sind weltweit immerhin genauso viele Emissionen wie aus dem gesamten Transportsektor! Die hierdurch verlorenen Flächen sind gewaltig und betreffen – bis auf Europa – alle Kontinente. Einigen wenigen Ländern mit Waldbestand kommt dabei eine besondere Bedeutung zu – im Vordergrund stehen hier die Länder mit tropischem Regenwald wie Indonesien, Myanmar, Kongo, Sambia oder Brasilien, aber auch die Länder mit borealem Waldbestand wie Kanada, die USA oder Russland.

Wald ist mehr als nur “Stöcke aus Kohlenstoff”

Es sind vor allem drei Gründe, die aus meiner Sicht eine Einbeziehung von Wald in die Klimaverhandlungen von Kopenhagen unabdingbar machen:

  1. Die Weltengemeinschaft kann es sich einfach nicht leisten, 20 Prozent der Treibhausgase aus den Klimaverhandlungen auszuklammern.
  2. Die Reduktion von CO2-Emissionen durch die Vermeidung von Abholzung ist eine sehr kostengünstige Vermeidungsalternative – die Schätzungen reichen je nach Lage und gegenwärtiger Nutzung von wenigen Cent bis zu 15 Euro pro vermiedener Tonne CO2. Vergleicht man dies z.B. mit der Speicherung von CO2 im Untergrund oder der Solarenergie, bei denen die Kosten bis zu 70 Euro pro Tonne reichen, so wird deutlich, dass erhebliche volkswirtschaftliche Kosten eingespart werden, wenn die Vernichtung von Wald gestoppt und CO2 auf diese Weise vermieden wird.
  3. Hinzu kommt: Bäume sind nicht nur “Stöcke aus Kohlenstoff”. Den Wald zu schützen bringt viele weitere Vorteile: Der Wald ist Nahrungsgrundlage und sichert das Überleben für die lokale Bevölkerung; er trägt zur Regulierung der regionalen Wasserkreisläufe bei; und er ist wichtig im globalen Zusammenhang, z.B. für die Erhaltung der Biodiversität. Die vom UFZ mit koordinierte TEEB-Studie führt im jüngsten Bericht einige Beispiele dafür auf, welchen ökonomischen Wert diese Ökosystemdienstleistungen haben. So wurde für einen tropischen Regenwald in Kamerun der Nutzen als Flutschutz auf 24, der Nutzen als Wasserspeicher sogar jährlich auf bis 270 US-Dollar pro Hektar geschätzt. Der Wert der Bestäuberfunktion im Wald lebender Tiere, etwa für benachbarte Kaffeeplantagen und andere landwirtschaftliche Produkte, ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Für einen Wald auf der indonesischen Insel Sulawesi wurde dieser auf 46 Euro pro Hektar geschätzt.

Die Idee von REDD ist dabei denkbar einfach: Die Länder mit hohen Waldbeständen und hoher Abholzung verzichten auf Waldvernichtung und erhalten dafür Zahlungen. Diese Zahlungen können für Überwachungs- und Schutzmaßnahmen eingesetzt werden, aber auch als Ausgleich für die lokale Bevölkerung, um den Verzicht auf Waldnutzung zu kompensieren und alternative Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.

Und die Chancen für ein Waldabkommen scheinen nicht so schlecht zu stehen. Wenn auch Viele ein Scheitern der Verhandlungen in Kopenhagen mittlerweile für wahrscheinlich halten, beim Thema Wald scheint ein Durchbruch möglich: Zahlreiche Länder haben sich für die Etablierung von REDD ausgesprochen. Brasilien mag als prominentestes Beispiel dienen. In den “Climate Talks in Bangkok”, einer der Gesprächsrunden vor der Klimakonferenz in Kopenhagen, wurde bereits ein weit reichender Vertragsentwurf erarbeitet, in dem in vielen Bereichen Einigkeit erzielt wurde. So wurden z.B. Zielwerte fixiert. Auch dass man heute allgemein von REDD Plus spricht, das erweiterte Maßnahmen zur Wiederaufforstung und zum Erhalt der Biodiversität explizit mit einbezieht, ist ein solches Ergebnis. Es ist zudem auffällig, dass hier die Entwicklungsländer das Tempo und die Inhalte bestimmen – und nicht die Industrieländer.

Der Teufel steckt im Detail

Und doch: Der Teufel steckt bei vielen Fragen wie so oft im Detail. Bei der Finanzierung ist unklar, ob es zu einer Fondslösung kommt oder eine marktorientierte Lösung gefunden wird. Im letzteren Fall würde der Wald Teil eines globalen Kohlenstoffmarktes werden. Dies könnte aber auch bedeuten, dass die Finanzierung waldbezogener Maßnahmen großen Schwankungen unterliegt. Gleichzeitig würden fallende CO2 Preise den Druck mindern, kohlenstoffarme Technologien zu entwickeln. Auch zentrale Fragen der Überwachung der Waldbestände, der Überprüfbarkeit und des Berichtswesens sind nicht geklärt. Auch muss gesichert sein, dass die Kompensationszahlungen in den Ländern angemessen an Beteiligte verteilt werden- und nicht allein beim Staat landen.

Prof. Bernd Hansjürgens - UFZ
Prof. Bernd Hansjürgens, Leiter des Departments Ökonomie am UFZ – (c) André Künzelmann / UFZ

Besonders umstritten ist die Frage, ob die REDD-Bestimmungen Regelungen gegen die Umwandlung von naturnahen Wäldern in Plantagen enthalten sollen – Länder wie z.B. die Demokratische Republik Kongo wehren sich dagegen, aus ökologischer Sicht sind hier aber klare Regelungen dringend geboten. Es ist sehr schwierig, die Interessen von mehr als 100 beteiligten Staaten unter einen Hut zu bringen. Dies zeigt sich darin, dass viele Paragraphen des Vertragsentwurfs in Klammern gesetzt sind und mehrere Optionen enthalten. Immerhin hat eine sehr einflussreiche Studie unter Beteiligung Norwegens gezeigt, wie in einem phasenweisen Prozess die strittigen Fragen schrittweise geklärt werden können. Dies gibt in einem Umfeld, in dem zurzeit eher pessimistische Äußerungen zu hören sind, Anlass zu ein wenig Optimismus.

Prof. Bernd Hansjürgens

Literaturquellen:

  • Horton, B., Colarullo, G., Bateman, I., Peres, C. (2003), Evaluating non-users willingness to pay for a large scale conservation programme in Amazonia, Environmental Conservation: 139-146.
  • Kaiser, B. and Roumasset, J. (2002), “Valuing indirect ecosystem services: the case of tropical watersheds”, Environment and Development Economics, 701-714.
  • Lescuyer G (2007)Valuation techniques applied to tropical forest environmental services: rationale, methods and outcomes. Paper presented at the “West and Central Africa Tropical Forest Investment Forum: Issues and Opportunities for Investment in Natural Tropical Forests” sponsored by ITTO, August 28-30th 2007, Accra, Ghana
  • Mallawaarachchi, T., R.K. Blamey, M.D. Morrison, A.K.L. Johnson, and J.W. Bennet (2001), “Community Values for Environmental Protection in a Cane Farming Catchment in Northern Australia: A Choice Modelling Study”, Journal of Environmental Management 62, 301-316 , 2001
  • Priess, J.A., Mimler, M., Klein, A.-M., Schwarze, S., Tscharntke, T. & Steffan-Dewenter, I. (2007) Linking deforestation scenarios to pollination services and economic returns in coffee agroforestry systems. Ecological Applications, 17, 407-417
  • Yaron, G. (2001), “Forest, plantation crops or small-scale agriculture? An economic analysis of alternative land use options in the Mount Cameroun Area”, Journal of Environmental Planning and Managment, 44 (1), 85-108.

Material

Tabellarische Auflistung der Waldflächen und ihre Veränderung (PDF)

Erläuterung der Ökosystemfunktionen von Wald und ökonomische Bewertung (PDF)

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Erfolg für Greenpeace-Protest in Indonesien: Kahlschlag auf Kampar vorerst gestoppt

Donnerstag 19. November 2009 von birdfish

Der Greenpeace-Protest in Indonesien hat zu einem ersten Erfolg geführt.

Protest in Indonesien
Protest gegen Unternehmen April, das auf der indonesischen Kampar-Halbinsel die alten Torf-Urwälder zerstört – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Das indonesische Forstministerium hat die Aktivitäten des Unternehmens April auf der Halbinsel Kampar vorerst gestoppt. Die Konzessionen sollen überprüft werden. “Eine Atempause für das Klima”, so Shailendra Yashwant von Greenpeace Indonesien.

Update 17.11.2009: Die nächste Einschüchterungswelle der Behörden ist angelaufen. Fast alle ausländischen Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten sind inzwischen ausgewiesen worden. Ihnen wird mal dies mal jenes vorgeworfen. Nichts davon ist wahr, alles nur vorgeschoben. Greenpeace hat bei der indonesischen Botschaft in Berlin gegen das Verhalten der Behörden vor Ort protestiert. Die Leiterin des Pressebereichs versprach, der Sache nachzugehen.

15.11.2009: Etwa 300 Menschen aus Teluk Meranti haben die Räumung des Greenpeace-Camps auf der indonesischen Halbinsel Kampar verhindert:”Wenn Greenpeace geht, müssen auch die Konzerne hier weggehen.”

14.11.2009: Die internationalen Greenpeace-Aktivisten, die am Donnerstag in Indonesien gegen Urwaldzerstörung protestiert haben, werden ausgewiesen. Sie wurden nach Jakarta geflogen. Bis Montag müssen sie das Land verlassen haben. Ob sie je wieder einreisen dürfen, ist derzeit unklar. Auch das Klimacamp bei Teluk Meranti wird von der Polizei geräumt. 15 Aktivisten mussten das Camp sofort verlassen.

13.11.2009: Der Greenpeace-Protest zeigt Wirkung: Der finnische Papierkonzern UPM-Kymmene will seinen Vertrag mit dem Unternehmen April kündigen. April gehört zu den größten Urwaldzerstörern in Indonesien. Greenpeace-Aktivisten hatten am Donnerstag alle sieben Bagger auf einer Konzession der Firma in der Provinz Riau/Sumatra zum Stillstand gebracht. Sie ketteten sich an den Maschinen fest.

“Dass UPM-Kymmene jetzt mit dieser Meldung herauskommt, ist ein Riesenerfolg”, sagt Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel. “Das zeigt wieder einmal, dass das internationale Zusammenspiel funktioniert: Die Probleme vor Ort angehen und in den Abnehmerländern Druck aufbauen. Die Strategie geht auf.”

UPM-Kymmene hat am Donnerstagabend um 19:30 Uhr bekanntgegeben, dass das Unternehmen den Liefervertrag mit April kündigen werde. Die Entscheidung sei Ende Oktober gefallen. Dem Vertragspartner wird zum guten Ende noch eine weiße Weste bescheinigt: April verfüge über eine Zertifizierung nach FSC, die die Nachhaltigkeit und Legalität der Zellstofflieferungen belege. Die Aktivitäten in Indonesien können damit allerdings nicht gemeint sein. Dort gibt es keine FSC-Zertifizierungen.

Greenpeace lässt derzeit prüfen, ob April in Indonesien illegal aktiv ist. Der Torfboden auf der Konzession zum Beispiel, wo gestern der Greenpeace-Protest stattfand, reicht vier Meter und mehr in die Tiefe. Ab drei Metern Dicke darf in Indonesien nicht gerodet werden. Doch die Behörden sehen offenbar weg.

Dafür sind sie umso eifriger, wenn gegen die Zerstörung protestiert wird. Die Greenpeace-Aktivisten wurden mehr als 24 Stunden in einem gefliesten Raum ohne Schlafstellen festgehalten und immer wieder befragt. Es gab keine Verpflegung. Andere Greenpeace-Mitarbeiter durften schließlich etwas zum Essen ins Gefängnis bringen.

Inzwischen sind die indonesischen Aktivisten wieder auf freiem Fuß, müssen sich aber in den kommenden Wochen einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Die ausländischen Greenpeace-Aktivisten, unter ihnen auch die Deutsche Laura Schmitz, wurden von der Immigrationspolizei in die nächstgrößere Stadt gebracht. Sie werden wahrscheinlich ausgewiesen – ob nur aus der Provinz Riau oder aus Indonesien, ist noch unklar. Ebenso, ob sie jemals wieder einreisen dürfen. Der Abschied, sagt Hölzel, sei nach den Wochen in engster Gemeinschaft sehr bewegend und traurig gewesen.

Greenpeace

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Indonesische Behörden gehen hart gegen Klimaschutz-Aktivisten und Journalisten vor

Mittwoch 18. November 2009 von birdfish

In der indonesischen Provinz Riau greifen die Behörden hart gegen Greenpeace-Aktivisten und Journalisten durch.

Greenpeace in Indonesien unter Druck
Polizei im Klimaschutzcamp. Die Räumung wird angeordnet – (c) Teluk Meranti, IDN

Konzerne wie April, die den Urwald zerstören, bleiben unbehelligt. Dabei verstoßen die Behörden sogar gegen landeseigene Gesetze und gegen das erklärte Ziel Indonesiens, den CO2-Ausstoß zu senken. Greenpeace hat bereits beim indonesischen Botschafter in Berlin gegen diese Willkür protestiert.

Die Greenpeace-Aktivitäten auf der indonesischen Halbinsel Kampar stehen im Einklang mit den Zielen des Landes, den CO2-Ausstoß zu senken. Indonesien erreicht dieses Ziel nur, wenn es die dramatische Zerstörung der Torf-Urwälder stoppt. Die Trockenlegung und Entwaldung dieser Gebiete hat Indonesien mittlerweile zum drittgrößten CO2-Emittenten der Welt gemacht.

Das Greenpeace-Camp auf der Halbinsel Kampar ist errichtet worden, um auf die Zerstörung aufmerksam zu machen. Es steht auf dem Gebiet der Gemeinde Teluk Meranti, die den Bau ausdrücklich erlaubt hat. Eine überwältigende Mehrheit der Einwohner begrüßt und unterstützt die Greenpeace-Aktivitäten. Sie waren es auch, die durch ihre Solidarität und ihren Mut zunächst die Räumung des Camps durch die Polizei verhinderten.

Doch die lokalen Behörden haben nur vorübergehend nachgegeben. Offensichtlich gibt es Anweisung von oben, Greenpeace auf jeden Fall zu stoppen. Internationale Aktivisten wurden mit fadenscheinigen Gründen verhaftet und verhört, die meisten des Landes verwiesen. Das Gleiche erlebten zwei ausländische Journalisten. Auch die Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel wurde stundenlang verhört.

Greenpeace hat bei der indonesischen Botschaft in Berlin gegen dieses Vorgehen protestiert. Waldcampaigner Tobias Riedl übergab einen Brief an den indonesischen Botschafter. Darin fordert Greenpeace, alle festgehaltenen Mitarbeiter unverzüglich freizulassen und alles zu tun, damit die friedliche Arbeit für den Umwelt- und Klimaschutz weitergehen kann.

Wenn Sie dem Anliegen Nachdruck verleihen wollen, so können Sie hier eine E-Mail an den indonesischen Präsidenten schreiben. Fordern Sie ihn auf, die Einschüchterungsversuche der Behörden zu stoppen. Durchgreifen ist nötig – aber nicht gegen Umweltschützer sondern gegen diejenigen, die den Urwald und das Klima zerstören. Der Text ist hier bereits in englisch vorformuliert.

Hier das Greenpeace-Schreiben an den indonesischen Botschafter.

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Brasilien zeigt den reichen Ländern, wie es geht: tiefe Einschnitte im CO2-Ausstoß

Freitag 13. November 2009 von birdfish

Das Schwellenland Brasilien hat freiwillige tiefe Einschnitte im Treibhausgasausstoß angekündigt.

Brandrodung im brasilianischen Regenwald
Waldbrände im brasilianischen Regenwald. Regenwald wird niedergebrannt, um Weideplaetze fuer Rinder oder landwirtschaftliche Anbauflaeche zu schaffen.
- (c) Daniel Beltra / Greenpeace

Bis 2020 sollen die Emissionen um 38 bis 42 Prozent sinken. Die Betonung liegt auf freiwillig. Es bleibe die historische Pflicht der reichen Industriestaaten, sich auf drastische CO2-Reduktionen festzulegen, heißt es aus Regierungskreisen.

Seit Monaten wird verhandelt, seit Monaten stagnieren die Vorgespräche zum UN-Klimagipfel in Kopenhagen. Ausgerechnet die Hauptverantwortlichen für die Klimakrise sind auch die Hauptblockierer der Verhandlungen, zuletzt Anfang November in Barcelona.

“Beschämend” nennt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid die bisherigen Angebote der reichen Industrieländer. “Europa will seine Treibhausgase bis 2020 gerade mal um lächerliche 20 Prozent senken, obwohl Klimawissenschaftler für die Gruppe der Industriestaaten mindestens 40 Prozent Reduktion für notwendig halten.”

Das Schwellenland Brasilien führt die reichen Industrienationen jetzt vor: Es bereitet ehrgeizige Vorschläge für die Weltklimakonferenz vor – und geht in Vorleistung. Bis 2020 will Brasilien 38 bis 42 Prozent Treibhausgase einsparen, die Hälfte durch einen weitgehenden Stopp der Entwaldung, die andere Hälfte in Landwirtschaft und Industrie.

Laut Präsidialamtsministerin Dilma Rousseff legt sich Brasilien damit nicht auf konkrete Ziele fest. Es handle sich um eine politische Geste und ein Signal. Die Verantwortung liege bei den Industrieländern, sagte Roussef gestern in Sao Paulo.

Smid begrüßt das Signal. “Der brasilianische Staatschef Lula zeigt mit seinem Angebot, was engagierter Klimaschutz ist. Wo bleibt die Klimaverantwortung von Bundeskanzlerin Merkel? Von ihr hätten wir uns solche Initiativen gewünscht, die die festgefahrenen Verhandlungen aus der Krise holen.”

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Palmölfirmen zerstören Urwald in Sumatra und entwässern CO2-Speicher Torfboden

Donnerstag 5. November 2009 von birdfish

Gräben durchziehen die Gegend um das Dorf Teluk Meranti in Sumatra.

Bau eines Damms
Bau eines Damms, gegen die weitere Entwässerung des Torfbodens – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Palmölfirmen ziehen sie durch den Urwald, um den Torfboden zu entwässern, die Wälder abzufackeln und Monokulturen anzulegen. Greenpeace-Aktivisten haben der Gemeinde geholfen, die Entwässerung aufzuhalten: Sie haben einen Damm gebaut. Bei den Arbeiten half auch Mélanie Laurent, bekannt geworden durch den Tarantino-Film “Inglourious Basterds”.

“Urwaldzerstörung gehört zu den Hauptursachen für den Klimawandel, deshalb bin ich mit Greenpeace hierher gekommen”, erklärte Laurent. “Wir appellieren an die Regierungschefs, die Entwaldung zu stoppen – hier und überall auf der Welt. Das ist einer der Schlüssel, um die Klimakatastrophe zu verhindern.”

Meluk Meranti liegt auf der Halbinsel Kampar im Distrikt Riau. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern hat Greenpeace ein Klimaschutzcamp im Urwald aufgebaut. Vom Camp aus wollen die Aktivisten weitere Dämme auf Kampar bauen. Sie setzen damit eine Arbeit fort, die Greenpeace bereits 2007 begonnen hat.

Die Wälder in Kampar stehen auf bis zu 16 Meter dicken Torfschichten. Torf speichert besonders viel Kohlenstoff. In Kampar sind es etwa zwei Milliarden Tonnen. Dieser Kohlenstoff wird als CO2 wieder freigesetzt, wenn die Urwälder zerstört werden.

Die Zerstörung erfolgt in drei Schritten. Zunächst kommen die Holzfäller und holen die wertvollsten Bäume aus dem Wald. Dann werden Entwässerungsgräben gezogen, um den Boden trockenzulegen. Schließlich wird der restliche Urwald abgeholzt oder niedergebrannt, um Platz für Plantagen zu schaffen.

In Indonesien hängen schätzungsweise zwischen 60 und 90 Millionen Menschen existenziell von den Urwäldern ab. Die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage führt zwangsläufig zu Konflikten. Zwar haben indigene Gemeinden theoretisch das Recht zu kontrollieren, was mit ihrem angestammten Land geschieht. In der Praxis aber setzen Regierung und Unternehmen sich immer wieder über dieses Recht hinweg.

Zum Verlust des Waldes kommen weitere Schädigungen hinzu. Wo Brandrodung üblich ist, leiden rund 30 Prozent der Kleinkinder unter Atemwegserkrankungen und Entwicklungsstörungen. Pestizide aus den Monokulturen verseuchen die Gewässer, der Fischfang geht zurück. In den Torfwaldregionen ist die Armut zwei- bis viermal so hoch wie im restlichen Indonesien.

Zudem heizt die Urwaldzerstörung den Klimawandel an. Indonesien ist mittlerweile allein durch die Vernichtung seiner Torfwälder zum drittgrößten CO2-Emittenten der Welt nach den USA und China aufgestiegen. Deshalb ist Urwaldschutz auch Klimaschutz.

“Die Regierungschefs der Welt müssen sich auf tiefe Einschnitte im CO2-Ausstoß und auf die nötige finanzielle Hilfe beim Urwaldschutz einigen”, sagt Bustar Maitar vom südostasiatischen Greenpeace-Büro. “Anderenfalls gehen wir einem massenhaften Artensterben, Überschwemmungen, Dürren und Hungersnot entgegen.”

Greenpeace

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