Freitag 9. Dezember 2011 von birdfish
“Die Zeichen für eine Fortsetzung internationaler Klimaschutzabkommen stehen unerwartet gut.
Die Uhr tickt – Foto: Konstantinos Dafalias / Pixelio
Ein erster Rettungsschirm für das Klima rückt in greifbare Nähe”, sagte der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, am Tag vor Abschluss der Klimaverhandlungen in Durban. Nach anfänglich verhärteten Positionen sei in der zweiten Woche endlich Bewegung in die Verhandlungen gekommen. “Inzwischen gibt es von vielen Staaten positive Signale für international verbindliche Regeln und es liegen gute Vorschläge auf dem Tisch. Die angereisten Minister und Delegationsleiter aus allen Teilen der Welt müssen diese Chance jetzt nutzen und die Fortführung des Kyoto-Protokolls beschließen”, so Weiger.
Zugleich warnte er davor, dass ohne ein verstärktes politisches Engagement der Minister die bisher erzielten Fortschritte nicht zum gewünschten Ergebnis führen würden. Die guten Vorschläge müssten jetzt in einem Abschlussdokument zusammengeführt werden, das ambitionierte Reduktionsverpflichtungen für die Industriestaaten ab 2013 enthält.
Noch vorhandene Schlupflöcher beim Klimaschutz für die Industriestaaten müssten geschlossen werden. So dürften die Staaten nicht die Möglichkeit haben, ihren Verpflichtungen zur Minderung der Treibhausgase durch den Kauf von Klimazertifikaten nach dem sogenannten Clean Development Mechanismus (CDM) auszuweichen. Auch die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) zur Abscheidung und unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid oder der Bau von Staudämmen dürften nicht als Klimaschutzmaßnahmen gelten.
Heftige Kritik übte Weiger an den USA, Kanada, Russland und Japan, die sich weiterhin strikt gegen jegliche internationale Regeln stellten. “Diese für die Wirksamkeit des globalen Klimaschutzes enorm wichtigen Staaten müssen ihre Verweigerungshaltung endlich aufgeben”, sagte der BUND-Vorsitzende.
Das in Durban diskutierte neue noch auszuhandelnde internationale Klimaschutzabkommen müsse nach Auffassung der BUND-Klimaschutzexpertin Ann-Kathrin Schneider vor allem schnell kommen und die Industriestaaten zu drastischen Minderungen ihrer CO2-Emissionen verpflichten. “Auch die Schwellenländer müssen Reduktionsverpflichtungen eingehen. Sie sollten dafür aber mehr Zeit bekommen. Und die Industriestaaten müssen die Entwicklungsländer beim Klimaschutz wesentlich stärker unterstützen als bisher geplant”, sagte Schneider.
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Freitag 9. Dezember 2011 von birdfish
Der NABU warnt Deutschland und die EU eindringlich davor, auf der UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban einer Entscheidung zuzustimmen, die den Einsatz der CCS-Technologie zur unterirdischen Ablagerung von CO2 in Entwicklungsländern fördern würde.
Verpressung von CO2 birgt enorme Risiken – Foto: Jürgen Nießen/pixelio, Montage: BUND
„Es kann nicht sein, dass wir in Deutschland auf CCS verzichten, um es dann unter deutlich schlechteren Sicherheitsstandards in Afrika und Asien zu fördern“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Falls die völlig unausgereifte CCS-Technik jemals einen Beitrag zur Lösung der Klimaprobleme leisten kann, dann nur unter höchsten Sicherheitsanforderungen“, so Tschimpke.
Auf der Klimakonferenz in Durban wird derzeit verhandelt, ob CCS in den sogenannten Clean-Development-Mechanismus (CDM) aufgenommen werden soll. Wenn CCS-Projekte unter den CDM fallen, könnten westliche Industrieländer und Konzerne ihre Emissionsbilanz künftig aufbessern, indem sie in CCS-Projekte in Entwicklungsländern investieren. Der CO2-Ausstoß, der durch das CCS-Projekt in dem betreffenden Entwicklungsland vermeintlich vermieden wird, wird dem Investor gut geschrieben. „Der Profit geht in die Industrieländer, die Risiken bleiben in den Entwicklungsländern – auf diese zynische Art hat CCS im CDM nichts verloren“ kritisiert der NABU-Präsident. Damit CCS einen Beitrag zur Lösung der Klimaprobleme leisten kann, müssen zunächst Forschung und behutsame Erprobung vorangebracht werden – und zwar unter höchsten Sicherheitsanforderungen. „Die vorgeschlagenen Sicherheitsstandards für CCS-Projekte in armen Ländern sind absolut unzureichend. In Deutschland würden wir unter den Bedingungen niemals einer CO2-Ablagerung unter der Erde zustimmen“. Während die Industrieländer ihre Emissionsbilanz aufhübschen könnten, müssten die Entwicklungsländer über Jahrhunderte mit den noch völlig ungeklärten Haftungsrisiken durch das unter Hochdruck in den Untergrund gepresste Kohlendioxid leben.
Besonders beunruhigend ist, dass auf der Klimakonferenz in Durban vor allem die erdölfördernden Länder der OPEC für CCS im CDM kämpfen. Denn nach den vorgeschlagenen Regelungen soll das CO2 unter die Erde gepresst werden, um mehr Erdöl aus unterirdischen Lagerstätten fördern zu können. „Das CDM-Instrument soll eigentlich Klimaschutz und Entwicklungshilfe miteinander verbinden. Wenn dabei nun CCS eingesetzt wird, damit Saudi-Arabien und Dubai ihre Ölvorkommen besser ausbeuten können, ist das in jeder Hinsicht absurd“, kritisiert NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse, der in Durban die UN-Klimaverhandlungen verfolgt.
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Montag 11. Juli 2011 von birdfish
Der Bundestag hat nun – entgegen heftigem Protest von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden – den Weg für die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid freigemacht.
Verpressung von CO2 birgt enorme Risiken – Kraftwerk Weisweiler, Foto: Jürgen Nießen/pixelio, Montage: BUND
306 Bundestagsabgeordnete stimmten dafür, 266 dagegen, eine Enthaltung gab es. Während die Opposition die zu erprobende Technologie als zu gefährlich und mit unberechenbaren Folgen für Mensch und Umwelt ablehnte, behaupteten Regierungsmitglieder, dass ohne CCS die Erderwärmung nicht auf zwei Grad begrenzt werden könnte.
Die umstrittene CCS-Technik soll nun zunächst bis 2017 erprobt und zu diesem Zweck CO2 in unterirdische Speichern einlagert werden.
Befürwortern der umstrittenen Technologie ging das Verabschiedete nicht weit genug. Sie kritisieren die eingezogene Ausstiegsklausel im Gesetz, durch die CCS mit Länder wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen gebremst werden könnte. Gerade hier gibt es viele mögliche Speicherstätten, aber auch besonders großen Widerstand in der Bevölkerung.
Nach Meinung vieler Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen wird mit dem CCS-Gesetz ohne Not die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt, denn trotz massiver Sicherheitsbedenken wird somit einer unerprobten und gefährlichen Technologie Tür und Tor geöffnet, wie BUND-Energieexpertin Tina Löffelsend kritisierte.
Risiken durch CCS drohen insbesondere durch die Verdrängung von Salzwasser im Untergrund. Schlimmstenfalls könne es dadurch zu einer Versalzung des Grundwassers kommen. Außerdem könne niemand die Garantie dafür übernehmen, dass die Lagerstätten dauerhaft dicht seien. Hinzu komme, dass trotz der enormen Kosten für CCS der Nutzen für den Klimaschutz zweifelhaft sei. Aufgrund von Effizienzverlusten durch das CCS-Verfahren werde mindestens ein Drittel mehr Brennstoff benötigt und zugleich mehr Kohlendioxid produziert.
Im Herbst wird das CCS-Gesetz im Bundesrat verhandelt. Dann besteht noch die Chance, dass die Bundesländer der Technologie ihre Zustimmung verweigern.
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Montag 20. Juni 2011 von birdfish
Bei ihrem Ratstreffen haben die EU-Energieminister einen Schwerpunkt auf Energieeffizienz und erneuerbaren Energien im Energiefahrplan 2050 verlangt.
Franzosen halten strikt am Atomkurs fest – Foto: Gabi Schoenemann / Pixelio
Zwischenziele könnten dabei ein klares Signal an den Markt senden. Der Energiefahrplan soll im Herbst veröffentlicht werden.
Einige Länder betonten, dass Kohle, Atom und CO2-Speicherung weiterhin eine Rolle spielen werde. Außerdem müssten die landesspezifischen Gegebenheiten berücksichtigt werden, etwa die natürlichen Ressourcen oder sozio-ökonomische geographische Eigenschaften.
Ferner gaben die Minister ihre volle Unterstützung für einen Beschluss zum Effizienzplan, den die EU-Kommission im März veröffentlicht hatte. Energiekommissar Oettinger erinnerte daran, dass auf die Mitgliedstaaten verbindliche Energiesparziele zukämen, wenn sie nicht ausreichend Fortschritte beim Energiesparen machten.
Weitere Themen auf der Agenda der Minister waren Investitionen in die Energieinfrastruktur und die Stresstests für Atomkraftwerke. Kurz vorher hatte das EU-Parlament kritisiert, dass die Tests unverbindlich seien.

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Mittwoch 11. Mai 2011 von birdfish
Der geplante CCS-Gesetzesentwurf beinhaltet eine Länderausstiegsklausel, die es erlaubt, vor den Küsten CO2-Endlager einzurichten – ohne Mitsprache des jeweiligen Bundeslandes.
Die CCS Zeitbombe tickt – Foto: Karsten Smid / Greenpeace
So sollen die Bundesländer außerhalb einer 20-Kilometer-Zone, der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), kein Mitspracherecht erhalten.
Und das, obwohl sich Bundesländer wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein entschieden gegen CO2-Endlager unter ihrem Gebiet ausgesprochen haben. Sollte das CCS-Gesetz zustande kommen, kann es tatsächlich zur unterirdischen Verpressung des Klimagases CO2 gegen den Willen der Bundesländer und vor allem gegen den Willen ihrer Bevölkerung kommen. Das CCS-Gesetz – eine reine Mogelpackung. Greenpeace fordert daher die Landesregierungen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf, das CCS-Gesetz der Bundesregierung abzulehnen. Dass diese beiden Länder besonders betroffen sind, zeigt eine Greenpeace-Auswertung zu potentiellen CO2-Endlagern.
Und was passiert dann? Durch den hohen Druck der CO2-Verpressung findet im Umkreis von bis zu 50 Kilometern eine Druckerhöhung statt. Dies birgt die Gefahr, dass salziges Wasser aus den Hohlräumen der Lagerstätten verdrängt wird und das Grundwasser verunreinigt – eine Gefahr für das Wasser sowie für die Bevölkerung.
Anike Peters, Greenpeace-Energieexpertin, argumentiert: “Von den CO2-Verpressungen unter dem Meer könnten viele Menschen direkt betroffen sein – aber das wird bewusst nicht an die große Glocke gehängt. Die Bundesländer dürfen sich nicht von der Bundesregierung über den Tisch ziehen lassen.” Auch rechtlich ist Deutschland nicht dazu verpflichtet, ein CCS-Gesetz zu erlassen, denn laut Artikel 4 Absatz 1 Satz 2 der europäischen CCS-Richtlinie haben alle EU-Mitgliedstaaten das Recht, “keinerlei Speicherung auf Teilen oder auf der Gesamtheit ihres Hoheitsgebietes zuzulassen.”
Greenpeace fordert daher von der Bundesregierung ein komplettes Verbot der CCS-Technologie in Deutschland – an Land wie unter der See. Denn CCS birgt noch weitere Risiken: Das CO2 könnte langfristig wieder an die Oberfläche kommen und den Klimawandel vorantreiben. Außerdem wäre die Technologie erst 2030 großflächig einsetzbar – für den Klimaschutz viel zu spät.
Besonders problematisch bei CO2-Endlagern unter dem Meer ist die Überwachung der Lagerstätten. Das sogenannte “Monitoring” unter dem Meeresboden und die Beseitigung eventueller Leckagen sind weitaus komplizierter als an Land. Kommt es zu Leckagen, stellt das CO2 eine Gefährdung der Meeresumwelt dar. Das Meerwasser könnte versauern und durch die im verpressten CO2 enthaltenen Giftstoffe wie Quecksilber und Blei verunreinigt werden.
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Dienstag 19. April 2011 von birdfish
Wie lassen sich Kohlendioxid-Emissionen nachhaltig senken?
Mit CO2 kann man Autositze herstellen. Foto: Viktor Mildenberger / Pixelio
Diese Frage ist der Dreh- und Angelpunkt fast jeder Diskussion um Treibhausgase und Erderwärmung. Die bisherigen Bemühungen konzentrieren sich darauf, den Energieeinsatz bei Verkehrsmitteln und Industrieprozessen effizienter zu machen oder Kohlendioxid geologisch einzulagern – dabei lässt sich das Gas auch als Rohstoff für chemische Synthesen verwenden.
Einen Ausstoß von 21 Prozent weniger CO2 als im Jahr 1990 will Deutschland bis zum Jahr 2012 erreichen. Durch die gesteigerte Energieeffizienz von Autos, Gebäuden und Fabriken lässt sich ein großer Teil der Emissionen vermeiden; das allein reicht aber nicht aus. Zusätzlich kann Kohlendioxid beispielsweise geologisch eingelagert werden, was aber mit verschiedenen Unsicherheiten verbunden ist: Es ist weder klar, wie viel Speicherplatz zur Verfügung steht, noch wie sicher diese Methode ist.
Ein vielversprechender Ansatzpunkt ist die industrielle Nutzung von CO2, sagt die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. So machen seine physikalischen Eigenschaften Kohlendioxid zu einem vielseitigen Industriegas – ob als Kohlensäure für Getränke, Schutzgas für Lebensmittel, als Kühlmittel oder in Feuerlöschern. Eine größere Bedeutung hat aber die Verwendung von CO2 für die Herstellung chemischer Produkte. Nicht nur einfache Verbindungen wie Harnstoff, Methan oder Methanol sind möglich; die stoffliche Nutzung von CO2 bietet auch Zugang zu Produkten mit einer hohen Wertschöpfung wie beispielsweise Polymeren. Die Dechema-Mitarbeiter Alexis Bazzanella und Dennis Krämer und die Chemikerin Martina Peters von Bayer Technology Services geben in einem Artikel des Magazins ‘Nachrichten aus der Chemie’ einen Überblick über die Möglichkeiten, die CO2 als Synthesebaustein bietet, und welchen Beitrag das zum Klimaschutz leisten kann.
CO2NET – Website zu chemischen Prozessen und der stofflichen Nutzung von CO2
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Montag 11. April 2011 von birdfish
In Böden ist doppelt so viel Kohlenstoff in Form von Humus gespeichert wie Kohlenstoff als CO2 (Kohlendioxid) in der Atmosphäre.
Bodenprobenahme in einem Miscanthus-Feld – Foto: vti
Durch Landnutzungsänderungen, wie die Umwandlung von Grünland in Ackerland, können innerhalb weniger Jahre bis zu 40% des Humus verloren gehen und als CO2 unser Klima beeinträchtigen. Der umgekehrte Weg dauert wesentlich länger: Werden Landnutzungsänderungen rückgängig gemacht, kann es Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern, bis sich der Humus wieder angereichert hat. Das ist das Ergebnis einer Studie von Christopher Poeplau und Axel Don aus dem Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Braunschweig, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Global Change Biology veröffentlicht wurde.
Um zu den Ergebnissen zu gelangen, haben die beiden Wissenschaftler im Rahmen des europäischen Großforschungsprojekts „Greenhouse-gas-Europe“ knapp 100 veröffentlichte Feldstudien zusammenfassend ausgewertet und daraus Modelle entwickelt. Mit ihnen lässt sich ermessen, wie sich verschiedene Landnutzungsänderungen auf die Humusvorräte im Boden auswirken. Wird eine Wiese in einen Acker umgewandelt, führt dies zu Humusverlusten von durchschnittlich 35%. In Deutschland sind in letzter Zeit mehr als 70.000 ha Grünland pro Jahr zu Ackerland umgebrochen worden, das entspricht 100.000 Fußballfeldern. Insgesamt betreffen Landnutzungsänderungen etwa 9% der deutschen Landfläche in einem Zeitraum von fünf Jahren – genug, um dadurch die gesamte Treibhausgasbilanz von Deutschland zu beeinflussen. Global verursachen Landnutzungsänderungen 20% der menschen-gemachten Treibhausgase, vor allem durch die Abholzung tropischer Wälder und die Umwandlung dieser Flächen in Acker- und Weideland.
Landnutzungsänderungen können auch rückgängig gemacht werden, um den verlorenen Humus wieder neu in den Boden zu bringen. Die neue Studie zeigt aber, dass eine Umwandlung von Acker zu Grünland nur sehr langsam und über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten den verloren gegangenen Kohlenstoff wieder als Humus im Boden bindet. Christopher Poeplau erklärt dazu: „Die bisherigen Studien haben den zeitlichen Aspekt meist ignoriert: Bisher war nicht klar, dass Böden über so langen Zeitraum nach Landnutzungsänderungen Humus akkumulieren können“.
Eine weitere untersuchte Landnutzungsänderung war die Aufforstung von Äckern und Grünland. Aufforstungen sollen einen positiven Beitrag zu Klimaschutz leisten, indem sie zusätzlichen Kohlenstoff als Humus und in der Biomasse der Bäume speichern. Die Untersuchungen am vTI geben ein differenziertes Bild: Bei einer Aufforstung von Ackerflächen steigt zwar der Kohlenstoffgehalt im Boden, allerdings nicht mehr als bei einer Umwandlung zu Grünland. Wird hingegen Grünland aufgeforstet, führt dies langfristig zu keiner zusätzlichen Kohlenstoffspeicherung im Boden. Axel Don bemerkt dazu: „Die Aufforstung von Grünland kann in den ersten Jahren sogar zu Humusverlusten führen und dadurch kontraproduktiv für den Klimaschutz sein, da auch die Kohlenstoffspeicherung in der Holzbiomasse von jungen Aufforstungen gering ist“. In Aufforstungen befinden sich etwa 30% des zusätzlich gespeicherten Kohlenstoffs in der Nadel- und Laubschicht und nicht im mineralischen Boden. „Der hier gespeicherte Kohlenstoff ist anfällig für Störungen wie Windwürfe und Waldbrand und kann sehr schnell wieder als CO2 verloren gehen“, so Axel Don. Die wesentliche Klimaschutzfunktion von Aufforstungen besteht in der zusätzlichen CO2-Speicherung in der Holzbiomasse. Bei Aufforstung von Grünland wird diese Klimaschutzleistung durch Verluste von Kohlenstoff aus dem Boden geschmälert.
Die Informationen aus den neu entwickelten Modellen könnten künftig die Qualität der Treibhausgas-Berichterstattung verbessern, zu der sich Deutschland international verpflichtet hat. An dem zum vTI gehörenden Institut für Agrarrelevante Klimaforschung werden die Treibhausgasinventare für die Landwirtschaft in Deutschland erstellt. Doch noch sind viele Fragen offen. Zum Beispiel befinden sich große Mengen Humus im Boden in Tiefen unterhalb von 30 cm. Bislang ist kaum bekannt, wie diese Bodenschicht auf Änderungen der Landnutzung reagiert. Deshalb reisen die Braunschweiger Wissenschaftler in mehreren Messkampagnen durch ganz Europa von Litauen bis Italien, um Bodenproben zu sammeln und neue Daten zu Landnutzungsänderungen zu gewinnen.
Website ‘Greenhouse Gas Management”
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Freitag 25. Februar 2011 von birdfish
Parlament und Öffentlichkeit ausgeschlossen – das könnte über der Tür der Bundesanstalt für Geowissenschaften stehen.
Braunkohlekraftwerk Neurath – Foto: Paul Langrock / Greenpeace
Greenpeace weiß von zwei weiteren Dokumenten, die die Behörde zurückhält: Zwischenberichte zum Speicherkataster. Sie sind hochbedeutsam für das Gesetzgebungsverfahren zu zukünftigen CO2-Endlagern und teilweise von Energiekonzernen finanziert.
Die Umweltorganisation rief jetzt alle Parlamentarier auf, die Herausgabe des geheimgehaltenen Berichts einzufordern. Wie die Bundesanstalt mit Informationen umgeht, die für alle Bürger von größter Bedeutung sind, ist ein Skandal. Der Speicherkataster bildet die geowissenschaftliche Grundlage für die zukünftige Standortauswahl sämtlicher CO2-Endlager. “Dem Wirtschaftsministerium und der Industrie liegt der Zwischenbericht seit Mai 2010 vor, aber Öffentlichkeit und Parlamentarier erhalten keinen Zugang”, so Klimaexperte Karsten Smid.
Die BGR, die Industrie und ihr Verhältnis zum Bürger
Smid konnte Ende letzten Jahres in der Bibliothek der BGR unter strengsten Auflagen eine Kopie des Zwischenberichts zum Speicherkataster (FKZ 0327765) einsehen. In dem dreibändigen Bericht sind detaillierte Aussagen zur Eignung des Untergrundes für die CO2-Verpressung zusammengetragen. Doch viele Seiten der Kopie mit Angaben zur Gesteinsbeschaffenheit waren geschwärzt.
Als Greenpeace die Karte mit den potentiellen CO2-Endlagern veröffentlichte, reagierte die BGR mit einer Pressemitteilung. Darin schrieb sie: “Das Projekt ‘Speicher-Kataster Deutschland’ wird noch in diesem Jahr der Öffentlichkeit präsentiert.” Was die Behörde präsentieren will, bleibt dahingestellt. Der Zwischenbericht zum Speicherkataster kann es nicht sein. Er gilt nach wie vor als Verschlusssache und soll erst im Mai 2012 veröffentlicht werden.
Finanziert wird der Bericht zu vier Fünfteln aus öffentlichen Geldern und zu einem Fünftel von der Industrie. Ein Konsortium aus Vattenfall, E.ON und der EnBW zahlte 300.000 Euro. Smid fordert eine unabhängige Kommission, um zu klären, ob die BGR wirklich unabhängig ist. “Es muss ausgeschlossen werden, dass die Industrie Einfluss auf die Forschung und ihre Resultate genommen hat – und das, bevor ein fertiges CCS-Gesetz den Bürgern jeglichen Handlungsspielraum nimmt.”
Nächste Station: Flintbek, Schleswig-Holsten
Am 22. Dezember 2010 schrieb Greenpeace-Experte Karsten Smid an das schleswig-holsteinische Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek. Unter Berufung auf das Umweltinformationsgesetz (UIG) forderte er eine Kopie des LLUR-Zwischenberichts für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein an.
Die Antwort traf jetzt, also zwei Monate später, im Greenpeace-Büro ein. Es wird auch diesmal lediglich Einsicht in eine Kopie gewährt. Das LLUR hatte bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften BGR um die Freigabe einer Kopie für Greenpeace gebeten. Die BGR als Rechteinhaberin lehnte ab.
“Die Behörden mauern”, sagt Smid. ” Es ist reine Schikane, dass selbst für einfache Aussagen um Fristverlängerung gebeten wird und ein Antwortschreiben immer am letzten Tag vor Fristende zugestellt wird. So dauert eine Behördenantwort zwei Monate. Die Frage ist: Was hat die BGR zu verbergen, warum soll die Öffentlichkeit nichts über den aktuellen Stand der CO2-Endlagersuche erfahren?”
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