KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Unsicheres CCS-Gesetz soll schmutzigem Kohlestrom sauberes Image verschaffen

Montag 30. August 2010 von birdfish

Im Wirtschaftsministerium fand jetzt die Anhörung zum “Gesetz zur Demonstration und Anwendung von Technologien zur Abscheidung, zum Transport und zur dauerhaften Speicherung von Kohlendioxid” (CCS-Gesetz) statt.

Verpressung von CO2 birgt enorme Risiken
Verpressung von CO2 birgt enorme Risiken – Kraftwerk Weisweiler, Foto: Jürgen Nießen/pixelio, Montage: BUND

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in diesem Zusammenhang seine ablehnende Haltung zu diesem Vorhaben und dem Gesetzentwurf bekräftigt. “Die unterirdische Verpressung von Kohlendioxid ist eine Feigenblatt-Technologie, hinter der die schmutzigen Folgen der Kohleverstromung versteckt werden sollen”, sagte der BUND-Energieexperte Robert Pörschmann.

Die CCS-Technologie, die sich noch im Forschungsstadium befinde, stehe vor allem für ein ‘Weiter so’ in der Energiepolitik. Ob CCS in der Zukunft überhaupt machbar und bezahlbar sei und ob die Technologie dem Klimaschutz diene, seien offene Fragen. Mit vagen Verweisen auf das künftig einzusetzende CCS-Verfahren wollten die Energiekonzerne vor allem die für sie lukrativen Strukturen der Energieversorgung zementieren. Dies verhindere den Ausbau erneuerbarer Energien und trage dazu bei, dass sich die Energiekonzerne vor ihrer Verantwortung für mehr Klimaschutz drückten. CCS berge zudem zahlreiche Sicherheitsrisiken für Mensch und Umwelt, die nach dem jetzigen Stand der Technologieentwicklung nicht auszuschließen seien.

“CCS ist ineffizient und teuer. Diese Technik bindet viele Millionen Euro, die in große teure Kohlekraftwerke anstatt in erneuerbare Energien fließen. Hinzu kommen weitere Nachteile. Nicht nur, dass ein Kraftwerk mit CCS zur Erzeugung der gleichen Strommenge bis zu einem Drittel mehr Braun- oder Steinkohle benötigt als ein Kraftwerk ohne CCS. Es verursacht auch neue schwere Umweltschäden durch den Abbau von mehr Kohle und seinen enormen zusätzlichen Wasserbedarf”, sagte Pörschmann.

Der Umweltverband kritisiert am CCS-Gesetzentwurf, dass er zwar formal vorgebe, zunächst nur der Erprobung der Technologie zu dienen, tatsächlich aber durch unzureichende Beschränkungen die Tür zur Anwendung von CCS weit aufstoße. Insgesamt könne auch der neue Gesetzentwurf – der erste war im Juni 2009 gescheitert – die wesentlichen Sicherheitsfragen nicht beantworten. Der Verband lehne den vorgelegten Gesetzentwurf daher strikt ab. Unverfroren sei insbesondere, dass die Allgemeinheit auf den Risiken der CCS-Technologie sitzen bleiben solle. So werde es den Energiekonzernen erlaubt, spätestens 30 Jahre nach Beendigung der CO2-Verpressung sämtliche Haftungsrisiken auf die Bundesländer zu übertragen.

Pörschmann: “Ob die sichere Endlagerung des Kohlendioxids über mehrere tausend Jahre funktioniert, weiß niemand. Diese Technologie ist ein teurer Weg, dessen Risiken vor allem die Bundesländer und damit die Steuerzahler und die betroffenen Regionen tragen sollen. Unklar ist auch, ob es überhaupt genügend sichere CO2-Lagerstätten gibt und welche Mengen Kohlendioxid tatsächlich verpresst werden könnten. Zudem eignen sich mit CCS ausgerüstete Großkraftwerke nicht als flexible Regelkraftwerke zur Ergänzung erneuerbarer Energien.”

Ein CCS-Gesetz, das prinzipiell keine Sicherheit für die CO2-Lagerstätten gewährleisten könne, keine ausreichende Vorsorge treffe und die Betreiber schon nach kurzer Zeit vollständig aus jeglicher Haftung entlasse, dürfe vom Bundestag nicht verabschiedet werden, sagte der BUND-Sprecher.

BUND-Stellungnahme zum CCS-Gesetz (PDF)

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Moore und Torf – die effektivsten CO2-Speicher der Erde in Gefahr

Montag 23. August 2010 von birdfish

Allgemeines zu Moor und Torf

Moore sind nasse Lebensräume. Der ständige Wasserüberschuss aus Niederschlägen oder Mineralbodenwasser bedeutet einen Sauerstoffmangel und führt zu einem unvollständigen Abbau der pflanzlichen Reste, die als Torf abgelagert werden.

Sonnentau im Moor
Der geschützte Sonnentau wächst in Mooren – Foto: Dagmar Struß

Durch die Anhäufung von Torf wächst die Oberfläche von lebenden Mooren in die Höhe. Im Gegensatz zu Sümpfen  herrscht in Mooren eine permanente Wassersättigung. Gelegentliches Austrocknen führt in Sümpfen zu einem vollständigen Abbau der organischen Substanz zu Humus. In Mooren ist durch die permanente Wassersättigung dieser Abbau gehemmt, so dass Torf entstehen kann.

Quelle: Wikipedia – dort auch mehr Informationen über Entstehung und Vorkommen

Moor und Torf als CO2-Speicher

Moorgebiete sind gigantische Kohlenstoffspeicher: Sie beherbergen weltweit mindestens 550 Gigatonnen Kohlenstoff, obwohl sie nur drei Prozent der Landoberfläche bedecken. Zum Vergleich: Die gesamte globale Vegetation speichert nur 600 Gigatonnen, der Mensch emittiert etwa acht Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr durch Verbrennung fossiler Energieträger.

Quelle : KlimaCampus / Universität Hamburg

Moore in Gefahr

In Anbetracht dessen, welche Bedeutung die weltweiten Moore für den Klimaschutz besitzen, ist es eine Tragödie mit anzusehen, wie ein Moor nach dem anderen zerstört wird.

Ganz extrem betrifft die Zerstörung das Land Indonesien, wo Moore entwässert werden, m hier Palmölplantagen zu errichten.

Kleine Forschritte sind vorhanden. So verspricht seit kurzem das indonesische Forstministerium, zukünftig keine Genehmigungen für die Umwandlung von Torfwäldern in Plantagen zu vergeben. Das kümmert die Großkonzerne jedoch wenig. Insbesondere der Konzern Sinar Mas zerstört unvorstellbar große Moor- und Urwaldflächen und macht auch nicht halt vor Menschen und Tieren, die im Urwald leben.

Sinar Mas beliefert renommierte Firmen wie z.B. Burger King und Pizza Hut mit Palmöl. Hier war exemplarisch Nestlé in der Kritik, die dieses Palmöl u.a. für ihre Kitkat-Schokoriegel verwenden.  Diese nahmen die Kritik zuerst nicht ernst. Nach großen Verbraucher-Protesten handelten sie jedoch und rangen dem Palmöl-Belieferer ab, den nachhaltigen Anbau zu garantieren.

Genützt hat dieses nicht, denn die Zerstörungen durch Sinar Mas gehen weiter. Da der Konzern selbst massivem Druck ausgesetzt ist, hatte er eine unabhängige Untersuchung veranlasst, um die Anschuldigungen zu überprüfen, die vor allem von Greenpeace massiv erhoben werden. Als dieses Audit nun ergab, dass die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen, hat das Unternehmen die Ergebnisse manipuliert.

Einen schweren Schlag hatten nun die russischen Moore zu verkraften. Im Juli 2010 waren gerade Wissenschaftler der Uni Hamburg aufgebrochen, um die Klimaschutz-Relevanz der russischen Moore zu erforschen. Bereits wenige Tage später – im August 2010 – wüteten in Russland bereits  zahlreiche Brände, die nicht zu löschen waren und große Moorgebiete zerstörten.

Wiedervernässung und Renaturierung – Paludikultur

In Deutschland erkennt man – nicht zuletzt durch steten Druck der Umweltverbände – immer mehr die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz. So gibt es hier Projekte zur Wiedervernässung – z.B. am niedersächsischen Theikenmoor.

Deutschland unterstützt auch osteuropäische Länder bei der Wiedervernässung ihrer Moore. Das Bundesumweltministerium (BMU) finanziert z.B.  im Rahmen der Internationalen Klima-Initiative ein Modellprojekt zur großflächigen Moorrenaturierung in Belarus (Weißrussland).

Mehr Informationen zum Thema liefert auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, für das die Untersuchung von Feuchtgebieten wie Mooren und Auenlandschaften einen wichtigen Schwerpunkt bildet.

Paludikultur nennt man die nachhaltige Landwirtschaft auf wiedervernässten Mooren.

Moore in Deutschland

In Deutschland sind 99% aller Moore zerstört (degradiert) und verursachen über fünf Prozent aller [deutschen] Treibhausgasemissionen. (BfN 02/2012)

Von einst etwa 500.000 Hektar Hochmoorfläche in Deutschland sind nur etwa 30.000 Hektar übrig geblieben. Moore erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Durch ihr hohes Wasserspeicher-Vermögen sind sie sehr wichtig als natürlicher Hochwasserschutz und Grundwasserspeicher. Dank ihrer beträchtlichen Reinigungskraft sind Moore unverzichtbar für den Erhalt unserer Trinkwasservorräte. Sie leisten darüber hinaus auch einen großen Beitrag zum globalen Klimaschutz, da Moore enorme Mengen an Kohlenstoff speichern – weit mehr, als dies Wälder tun. Sie beherbergen außerdem eine Vielzahl von hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten, darunter Torfmoose, Zwergbirke oder die Moosbeere, Libellenarten wie die Große Moosjungfer, zahllose Tagfalter wie der Hochmoor-Perlmutterfalter und den Hochmoor-Gelbling. Durch die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes sind sie jedoch zunehmend in ihrem Bestand bedroht. Da diese Arten an die oft sehr nährstoffarmen Bedingungen in den Moorgebieten angepasst sind, können sie nicht auf andere Standorte ausweichen.

In Anbetracht dessen, wie schnell der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität voranschreiten, reichen die deutschen Maßnahmen bei weitem noch nicht aus. Umweltverbände fordern daher von der Bundesregierung ein Programm zur Renaturierung von Mooren.

Weiterführende Infos

Der NABU hat eine informative Website zum Moorschutz zusammen gestellt

Infos zu Paludikultur von der Uni Greifswald.

Die Zeitschrift „Natur und Landschaft“ hat ein Schwerpunktheft zum Thema erstellt und gibt einen Überblick über die Situation der Moore und des Moorschutzes weltweit und in Deutschland. Konkreter Handlungsbedarf wird aufgezeigt, und verschiedene Ansätze, Möglichkeiten und Chancen der Moorrestitution werden dargestellt.
Das Heft (02/2012) kostet 7,60 Euro plus Versand und kann hier bestellt werden.

Nach den verheerenden Bränden in Russland macht der NABU auf die alarmierenden Folgen für das Weltklima aufmerksam. Nach Schätzungen von Prof. Florian Siegert vom GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität in München könnten allein durch die Torfbrände in Russland zwischen 30 und 100 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid entstanden sein. Das entspricht in etwa vier bis zwölf Prozent der CO2-Jahresemission Deutschlands. Diese erste Auswertung basiert auf zunächst gering aufgelösten Satellitendaten. Um das gesamte Ausmaß der Katastrophe detailliert zu erfassen bedarf es dringend weiterer Forschung. Thomas Tennhardt, NABU-Vizepräsident und Leiter des Fachbereichs Internationales: „Die Torfbrände hatten nicht nur schlimme Auswirkungen für die Menschen und Tiere in der Region. Die Gefahr für das Klima wird durch die freigesetzten Rußpartikel noch verstärkt. Sie halten sich sehr lang in der Atmosphäre und können bis zur Arktis getragen werden, wo sie die Eisschmelze weiter beschleunigen.“

Wochenlang brannten im Umland von Moskau nicht nur Wälder, sondern auch Torfmoore. Die dadurch entstandene extreme Feinstaubbelastung kostete vermutlich Tausende von Menschen das Leben. Der dichte Qualm aus brennenden Mooren enthält große Mengen des äußerst gefährlichen Kohlenstoffmonoxids und klimaschädliches Kohlendioxid. Die daraus resultierende Schadstoffbelastung ist um ein Vielfaches höher als die aus brennenden Wäldern. Die russischen Torfmoore wurden seit den dreißiger Jahren flächendeckend für eine wirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Um das Entstehen von Torfbränden künftig zu verhindern und die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme zu sichern, müssen die ehemaligen Torfmoore wieder vernässt werden.

Aus NABU-Sicht ist es daher notwendig, in den betroffenen Regionen in Russland ein Konzept zur Wiederherstellung der Moore zu starten. Dies schließt nicht zwangsläufig eine weitere Nutzung aus. Felix Grützmacher, NABU-Referent für Moorschutz: „In Deutschland zeigen solche Projekte bereits vielversprechende Ergebnisse. Bei der wirtschaftlichen Nutzung von zum Beispiel Schilf als Brenn- oder Baustoff kann der Boden nass bleiben und die Gefahr von Feuern ist gebannt. Dies wäre nicht nur ein Beitrag für den Klimaschutz, sondern hätte positive Effekte für viele Tier- und Pflanzenarten.

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Entwurf des CCS-Gesetzes Schnellschuss – Legitimation für klimaschädliche Kraftwerke

Donnerstag 15. Juli 2010 von birdfish

Gestern wurde erneut der Gesetzentwurf zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) vorgestellt, der vor der Bundestagswahl aufgrund von Bürgerprotesten zurück gestellt wurde.

Investitionen in die Vergangenheit
Regierung hält der Kohlelobby die Stange – (c) Rolf van Melis / Pixelio

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete den Entwurf als Schnellschuss. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und Umweltminister Norbert Röttgen drängten auf die Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie, um den Energiekonzernen EU-Fördergelder zu sichern. Dabei nähmen sie unkalkulierbare Risiken durch die unerprobte Technologie in Kauf. Die CCS-Technologie könne absehbar keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie mache Kraftwerke sogar deutlich ineffizienter, erhöhe den Ressourcenverbrauch und blockiere die Energiewende. Insbesondere die Langzeitsicherheit der unterirdischen CO2-Lagerstätten sei zweifelhaft. Daher finde CCS auch keine Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Umweltverband forderte die Koalitionsfraktionen auf, das Gesetz endgültig zu stoppen.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: “Die CO2-Abscheidung ist und bleibt eine Feigenblatt-Technologie der Konzerne, um die klimaschädliche aber bislang lukrative Kohleverstromung weiter zu legitimieren. Für eine zukunftsfähige Energiepolitik ist CCS überflüssig und das muss die Regierung auch in ihrem Energiegesamtkonzept berücksichtigen.”

Das CCS-Gesetz sollte nach Angaben der Minister eigentlich nur Demonstrationsvorhaben ermöglichen. Durch zu schwache Vorgaben werde es jedoch zum Einfallstor, um die Technologie schon bald im großen Maßstab umzusetzen, sagte Werner Neumann, der energiepolitische Sprecher des BUND. Im Gesetzentwurf seien Speichermengen zulässig, die schon jetzt CO2-Endlager von bis zu mehreren hundert Quadratkilometern Ausmaß ermöglichten. Die vorgesehene Überprüfung des Gesetzes im Jahr 2017 sei Makulatur, da bis dahin keine belastbaren Erkenntnisse zum längerfristigen Verhalten von CO2 im Untergrund vorliegen könnten.

Neumann: “Leckagen, Risiken wie die Kontamination von Grundwasser oder das Auslösen von Erdbeben müssen sicher ausgeschlossen werden, bevor CCS zur Anwendung kommen könnte.” Angesichts solcher Gefahren seien auch die vorgesehenen Haftungsregelungen für die Konzerne nicht zufriedenstellend.

Im ersten Anlauf scheiterte das CCS-Gesetz im letzten Jahr an massiven Protesten von Umweltverbänden und der Bevölkerung. Dass die Technologie durch die jetzt vorgesehenen finanziellen Angebote an Bundesländer und Kommunen künftig mehr Akzeptanz finde, sei nicht zu erwarten. “Angesichts der Risiken, die die betroffenen Regionen dauerhaft tragen müssten, wird sich die Bevölkerung kaum als Versuchskaninchen für die Energiekonzerne hergeben”, sagte Weiger.

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CO2-Endlager: Unterirdische Speicher sind wesentlich kleiner als zuvor berechnet

Dienstag 22. Juni 2010 von birdfish

Vattenfall  will Kohlendioxid (CO2) aus Kohlekraftwerken im Boden verpressen und lagern. Doch die Brandenburger wehren sich.

Protest gegen CO2-Endlager
Protest gegen CO2-Endlager – Foto: Gordon Welters / Greenpeace

Ihre Initiativen werden unter anderem auch von Greenpeace unterstützt. Die Umweltorganisation ist dort zur Zeit mit seiner Protest-Tour “Zeitbombe CO2-Endlager” unterwegs.

Das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) liefert den Endlager-Gegnern nun ein dickes, neues Argument: Es gab bekannt, dass in den mit Salzwasser gefüllten porösen Gesteinsschichten Deutschlands statt 20 Gigatonnen (Gt), wie im Jahr 2005 geschätzt, nur 6,4 Gt CO2 gespeichert werden können.

Die Bundesministerien für Umwelt und für Wirtschaft arbeiten derzeit an einem neuen Gesetzesentwurf für die umstrittene Verpressung. “Die Regierung darf keinen übereilten Einstieg in die kommerzielle CO2-Verpressung zulassen”, erklärt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. “Sie verschwendet Geld und Energie für ein Projekt, das in die völlig falsche Richtung führt. Es ist riskant, weitgehend ungeprüft und fördert den Klimakiller Kohle.”

Nach dem Start in Neutrebbin besucht die Protest-Tour von Greenpeace die Städte Beeskow, Cottbus, Potsdam und zum Abschluss Berlin. Mit einer drei Meter großen Zeitbomben-Attrappe warnen die Umweltschützer vor den unkalkulierbaren Risiken der sogenannten CCS-Technik (”Carbon Capture and Storage”). Die Menschen in Brandenburg haben vor allem Angst davor, dass CO2-Endlager undicht werden und das Gas hochkonzentriert ausströmt. An diesen Stellen wären Menschenleben in Gefahr und Boden und Grundwasser könnten verseucht werden. Die Bürgerinitiativen in Brandenburg spielen eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung. “So ein Projekt lässt sich nur durchsetzen, wenn es vor Ort akzeptiert wird. An dieser Hürde sind bereits die Pläne für die CO2-Verpressung in Schleswig-Holstein gescheitert”, erklärt Smid.

Tricksen und Täuschen für ein riskantes Projekt

Vattenfall treibt die CO2-Verpressung voran und wird dabei von Lobbyverbänden wie dem IZ-Klima (Informationszentrum klimafreundliches Kohlekraftwerk e. V.) sowie einzelnen Behörden und Ministerien unterstützt. So hat sich der Brandenburger Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) die Position Vattenfalls zu Eigen gemacht. Für den Konzern geht es darum, Subventionen in Millionenhöhe zu erhalten und Umweltauflagen zu umgehen. Zudem will er sich um die Verantwortung drücken: Nach Schließung ist das Endlager noch mindestens 10.000 Jahre lang ein Risiko. Vattenfall will aber nur 30 Jahre lang für mögliche Folgeschäden durch Lecks in den CO2-Speichern haften.

“Vattenfall täuscht die Bevölkerung vor Ort, spielt Risiken herunter und verbreitet Falschinformationen. Der Konzern will die Verpressung durchsetzen, um weiter an Braunkohle zu verdienen”, sagt Smid.

Zudem taucht im Gesetzesentwurf nicht der Begriff “Ablagerung” auf, sondern “CO2-Speicherung”. Das strenge Abfallrecht umgeht Vattenfall damit geschickt. Stattdessen greift das weniger strenge Bergrecht, dass für die Ausbeutung von Rohstoffen gilt. Smid: “Durch all diese Manipulationen würden die möglichen CO2-Endlager zu geologischen Zeitbomben.”

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EU konterkariert eigenen Klimaschutzkurs: staatliche Subventionierung für Kohlekraft

Freitag 9. April 2010 von birdfish

Die EU-Kommission will die staatliche Subventionierung für den Bau neuer Kohlekraftwerke zulassen.

Braunkohle-Kraftwerke
Braunkole-Kraftwerke sind keine Investition in die Zukunft – (c) Kurt F. Domnik / Pixelio

Darauf hatten Deutschland und Polen bereits 2008 im Rahmen der Verhandlungen über das Klima- und Energiepaket gedrängt. Nach dem durchgesickerten Gesetzesentwurf können die EU-Regierungen von 2013 bis 2016 die Kosten für den Kraftwerksbau zu 15 Prozent übernehmen. Einzige Bedingung sei, die Kraftwerke so zu konstruieren, dass sie nachträglich mit der zukünftigen Technik für die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) ausgerüstet werden können.

Praktisch reicht es also, wenn neben dem Kraftwerk genügend Platz vorhanden ist. Umweltschützer warfen der Kommission vor, ihre eigenen Klimaschutzbemühungen zu unterlaufen: “Das geht gegen alles, wofür die EU in Sachen Klimaschutz steht. Es ist das Schlechteste was aus dem Deal, den Angela Merkel 2008 in letzter Minute durchgedrückt hat, herauskommen konnte,” sagte Sanjeev Kumar vom WWF in Brüssel und forderte die anderen EU-Regierungen auf, das Gesetz noch zu stoppen.

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Bundesweite Baumpflanzaktion gegen CCS – 5000 Bäume an 90 Standorten gepflanzt

Donnerstag 1. April 2010 von birdfish

An über 90 Standorten in ganz Deutschland pflanzten Bürger, Politiker und Vereine mehr als 5000 Bäume um gegen die geplante Endlagerung von Kohlendioxid (CO2) aus Kohlekraftwerken zu protestieren.

Baumpflanzaktion gegen CO2-Speicherung - Kleiner Baumpflanzer in Beskow
Baumpflanzaktion gegen CO2-Speicherung – Kleiner Baumpflanzer in Beskow – (c) ccs-protest.de

“Wir sind von der Resonanz total überwältigt”, sagte Martin Schmid von WikiWoods.org. Es war die bundesweit größte Pflanzaktion gegen die umstrittene CCS-Technologie aller Zeiten in Deutschland, resümierte der Sprecher der Baumpflanz-Initiative.

Unter dem Motto “Bäume statt CO2-Endlager” riefen WikiWoods gemeinsam mit BruchKultur e.V. zu einer Pflanzaktion am 27. März auf, der sich die Menschen aus Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt anschlossen. Tausende Bürger nutzen die Möglichkeit auf eigenem Grundstück oder gemeinsam auf ausgewiesenen Flächen Bäume zu pflanzen und ein Zeichen gegen eine falsche Energiepolitik zu setzen. Schwerpunkte der Aktion waren die akut von Endlager bedrohten Brandenburger Regionen in Beeskow, Neutrebbin und Letschin.

“Kohle hat keine Zukunft in einer modernen Energieversorgung”, sagte die Brandenburger Landtagsabgeordnete Sabine Niels (B90/ Grüne) bei der Baumpflanzung im märkischen Beeskow. Die Landwirtschaftsexpertin wählte bewusst einen Ginkgo-Baum.  “Zum Jahrtausendwechsel erklärte das deutsche “Kuratorium Baum des Jahres” den Ginkgo zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden und zum Baum des Jahrtausends”, erklärte Niels ihre Wahl. Neben Niels nahmen auch der Landtagsabgeordnete Peer Jürgens (Linke), der Beeskower Bürgermeister Frank Steffen, sowie über 300 Bürger teil. Bürgermeister Steffen rief den engagierten Bürgern zu, er werde sämtliche rechtlichen und politischen Möglichkeiten ausschöpfen, um die CO2-Endlagerung zu verhindern. Allein im Raum Beeskow wurden über 1000 Bäume gepflanzt, so Wilk Müller von der lokalen Bürgerinitiative “CO2-Endlager stoppen” begeistert.

In Neutrebbin und Letschin pflanzten die Bürger der Region zusammen mit den Bundestagsabgeordneten Dagmar Enkelmann (Linke) und Hans-Georg von der Marwitz (CDU) fast 2000 Bäume. Von der Marwitz betonte, dass die Erprobungsbohrungen nicht unter besiedeltes Gebiet gehörten. Scharfe Kritik hingegen äußerte Enkelmann an ihrem Parteikollegen Ralf Christoffers. Der brandenburgische Wirtschaftsminister hatte sich am Vortag für eine zügige Verabschiedung des CCS-Gesetzes ausgesprochen. “Das entspricht nicht dem Koalitionsvertrag” so Enkelmann. Besonders die Kinder und Jugendlichen hatten ihre Freude als die engagierte Linkspolitikerin Enkelmann mit Schülern der Oderbruch-Oberschule eine Allee bei Alttrebbin pflanzte. “Wenn der Baum mal groß ist, soll unser Strom nicht mehr aus Kohle und Atom hergestellt werden”, berichte eine Schülerin. “Jeder Baum solle ein Mahnmal für eine umweltfreundliche Energieversorgung sein – für eine enkeltaugliche Zukunft”, so Rolf Ignaz von Bruchkultur e.V., der die Pflanzungen im Oderbruch koordinierte.

In Schleswig-Holstein beteiligten sich rund 100 Bürger an der Aktion und pflanzten rund 500 Bäume. “RWE hat sein Vorhaben, ein Kohlendioxidendlager in Schleswig-Holstein einzurichten, nicht aufgegeben”, sagte Ute Petersen von der Bürgerinitiative “Stoppt das CO2-Endlager” aus Nordfriesland. In der Umsetzung wurde lediglich “das Tempo herausgenommen. Trotz der Ankündigung von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), in Norddeutschland keine Endlager einrichten zu wollen, bleiben die Bürger wachsam. Es handele sich lediglich um laute Gedanken des Bundesumweltministers Norbert Röttgen, so Petersen.

Die größte zusammenhängende Pflanzung fand im mecklenburgischen Zarnekla bei Greifswald statt. Dort pflanzte WikiWoods gemeinsam mit dem Verein I.G.E.L. e.V. über 2500 Bäume. “Wir wollen uns solidarisch mit den von Endlager bedrohten Regionen zeigen”, heißt es seitens I.G.E.L. e.V.

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CCS und Erneuerbare Energien wichtig für Zwei-Grad-Ziel – Risiken jedoch unbekannt

Dienstag 16. März 2010 von birdfish

Das PIK und andere forschten, welchen Einfluss Energiearten und Technologien auf Erreichung des Zwei-Grad-Ziels haben könnten.

Transformation des Energiesystems
Transformation des Energiesystems – Quelle: Knopf et al. (2009); historische Daten: IEA (2007)

Heraus kam, dass die CCS-Technologie und die Nutzung von Biomasse erheblich zur Erreichung des Ziels beitragen könnten. Die Forscher betonen jedoch auch, dass etwaige technische Machbarkeit und Risiken von CCS und die ökologischen Probleme, die intensive Biomassenutzung mit sich bringt, nicht Gegenstand der Untersuchung war.

Die Nutzung erneuerbarer Energie, das Abscheiden und Einlagern von Kohlendioxid aus industriellen Abgasen sowie Steigerungen der Energie-Effizienz sind entscheidende Technologien, um den Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. In einer Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins „The Energy Journal“ berichtet ein Forscherteam vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und vier weiteren europäischen Institutionen, dass die Konzentration der Treibhausgase in der Erdatmosphäre zu geringen Kosten bei entsprechend niedrigen Werten gehalten werden kann. Die Kosten und die Abhängigkeit von einzelnen Technologien nehmen jedoch mit der Wahrscheinlichkeit zu, mit der man das Zwei-Grad-Ziel erreichen will.

„Wir sind zunächst von einer idealisierten Welt ausgegangen, in der alle vorhandenen und neu entwickelten Technologien frei verfügbar sind“, sagt Ottmar Edenhofer. „Wir haben jedoch auch Szenarien untersucht, in denen einige Technologien nicht oder nur begrenzt verfügbar sind“, fügt der Chefökonom des PIK hinzu. Wie die Wissenschaftler nun in einem Artikel der Sonderausgabe der Zeitschrift „The Energy Journal“ berichten, sind dann jedoch die Kosten für die Vermeidung des Klimawandels deutlich höher und sehr hochgesteckte Klimaschutzziele können nicht erreicht werden.

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts „Adaptation and mitigation strategies: supporting European climate policy“ (Anpassungs- und Vermeidungsstrategien zur Unterstützung europäischer Klimaschutzpolitik, ADAM) haben die Forscher technologische Möglichkeiten untersucht, den Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Erdatmosphäre auf drei unterschiedliche Werte zu begrenzen. Diese Werte entsprechen Kohlendioxid-Konzentrationen von 550, 450 und 400 ppm (Teile pro Million) und Wahrscheinlichkeiten von ungefähr 15, 50 und 75 Prozent, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Die Wissenschaftler nutzten fünf hoch entwickelte Computermodelle, die die Bereiche Energie, Umwelt und Wirtschaft abbilden, um die technologischen Szenarien zu entwickeln und verglichen die Ergebnisse systematisch.

Transformation des Energiesystems
Transformation des Energiesystems – Quelle: Knopf et al. (2009); historische Daten: IEA (2007)

„Die Modelle zeigen, dass es unterschiedliche technologische Entwicklungspfade gibt, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen“, sagt Brigitte Knopf, die wissenschaftliche Koordinatorin des ADAM Modellvergleichs. Alle Modelle zeigten, dass die Treibhausgaskonzentration zu geringen Kosten bei 400 ppm gehalten werden kann. Dabei entstünden, aufsummiert bis zum Ende des Jahrhunderts, Verluste von nicht mehr als 2,5 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts, berichten die Forscher. Dazu sei es jedoch notwendig, ein Portfolio von Technologien einsetzen zu können. „Es gibt nicht den einen Königsweg zur Lösung des Klimaproblems“, sagt Knopf, „aber die Modelle stimmen in der Bedeutung der unterschiedlichen Technologien überein.“

Ohne das Abscheiden und Einlagern von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, CCS) oder die intensive Nutzung erneuerbarer Energie wird die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration erheblich höhere Kosten verursachen. Ambitionierte Klimaschutzziele wären womöglich nicht zu halten. In den Simulationen mit einem der Modelle war dazu auch der Einsatz von Biomasse zur Produktion von Strom und Wärme unverzichtbar, bei zwei anderen Modellen verdoppelten sich die Kosten, wenn die Nutzung der Biomasse auf ein nachhaltig verfügbares Potenzial beschränkt wurde.

Dagegen spielt die Kernenergie für die Vermeidung des Klimawandels eine untergeordnete Rolle, da auf den Ausbau von Kernenergie fast kostenneutral verzichtet werden kann. Darüber hinaus zeigen die Modelle, dass ein globaler Ausstieg aus der Kernenergie die Kosten der Vermeidung kaum erhöhen würde.

„Unsere Modellanalyse allein kann jedoch nicht alle wirtschaftlichen und politischen Fragen beantworten oder aufzeigen, wie mit den Risiken einiger der Technologien umzugehen ist“, sagt Brigitte Knopf. So sei bislang beispielsweise unklar, ob CCS überhaupt technisch machbar und sicher ist oder in welchem Maße die intensive Nutzung von Biomasse als Energieträger in Konkurrenz zu Nahrungsmittelproduktion und Naturschutz treten würde. Die Studie zeigt jedoch eindeutig, dass es bei der Begrenzung der Kosten für die Vermeidung des Klimawandels – einer wichtigen Voraussetzung für ein globales Klimaschutzabkommen – darauf ankommt, einen ganzen Fächer entsprechender Technologien weiter zu entwickeln.

Originalpublikation:

Ottmar Edenhofer, Brigitte Knopf, Terry Barker, Lavinia Baumstark, Elie Bellevrat, Bertrand Château, Patrick Criqui, Morna Isaac, Alban Kitous, Socrates Kypreos, Marian Leimbach, Kai Lessmann, Bertrand Magné, Serban Scrieciu, Hal Turton, Detlef P. van Vuuren (2009) The Economics of Low Stabilization: Model Comparison of Mitigation Strategies and Costs. The Energy Journal, Volume 31, Special Issue

ADAM Projekt-Homepage am PIK

Internationale ADAM Projekt-Homepage

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EU-Kommission will Emissionszertifikate künftig in europaweiter Versteigerung sehen

Samstag 6. Februar 2010 von birdfish

Die Europäische Kommission strebt im Rahmen des Emissionshandelssystems eine europaweite Versteigerung der Zertifikate an.

CO2-Emissionen
Lukrativer Handel mit CO2-Emissionen – Foto: Rolf van Melis / Pixelio

Das berichtet der Informationsdienst ENDS Daily. Bisher versteigert jedes Mitgliedsland seine Zertifikate in einem eigenen System. Das will die Kommission für die Phase ab 2013 ändern – gegen Widerstand aus Deutschland, Großbritannien und Polen.

Die Regeln für die Versteigerung ab 2013 werden demnächst im Komitologieverfahren vereinbart. Diesen Prozess steuert zwar die Kommission, letztlich entscheiden aber Vertreter der Mitgliedstaaten. Das Europäische Parlament hat allerdings ein Einspruchrecht.

Währenddessen konnte die Kommission in einem anderen Zusammenhang offenbar einen Erfolg verbuchen: Sie setzte – ebenfalls im Komitologieverfahren – durch, dass ein Teil der Einnahmen aus der Versteigerung der Emissionszertifikate für Projekte in den Bereichen CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) sowie erneuerbare Energien zur Verfügung gestellt wird, berichtet ENDS Daily. Es handelt sich um etwa 300 Millionen Zertifikate im derzeitigen Wert von etwa 4,5 Milliarden Euro. Wieviel davon für CCS und wie viel für Erneuerbare genutzt werden soll, blieb zunächst offen. Das EU-Parlament muss der Regelung noch zustimmen.

Originalartikel (engl., kostenpflichtig)

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