KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

BUND startet Aktionsmonat: Im September bis 100 Euro für Kauf eines A++-Kühlgeräts

Donnerstag 2. September 2010 von birdfish

Anlässlich der Internationalen Funkausstellung IFA, die Ende dieser Woche in Berlin startet, fordert die Kampagne “energieeffizienz – jetzt” Maßnahmen zur Verbreitung effizienter Kühlgeräte.

Neue Kennzeichnung trägt zur Verwirrung bei
Neue Kennzeichnung trägt zur Verwirrung bei

Bei rund 30 Millionen veralteten Kühlgeräten in Deutschland wäre ein flächendeckender Austausch ineffizienter Geräte ein großer Beitrag für den Klimaschutz, von dem alle profitierten, so die Verbände. Ein sparsamer A++-Kühlschrank verbraucht nach Angaben der Initiatoren bis zu 50 Prozent weniger Strom als ein Gerät der A-Klasse. Um effiziente Geräte zu erkennen, fehle es jedoch an einer für Verbraucher eindeutigen Kennzeichnung. Erforderlich seien außerdem funktionierende umfassende Rücknahmesysteme für Altgeräte, so die Träger von “energieeffizienz – jetzt!”, das sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das Öko-Institut, der Bundesarbeitskreis für umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) und der Deutsche Naturschutzring (DNR).

Während des Aktionsmonats, den der BUND gemeinsam mit co2online und den Handelsketten MEDIMAX und ElectronicPartner: (EP) ausruft, wird Verbrauchern der Austausch ihrer stromfressenden Kühlschränke leicht gemacht. Vom 3. bis zum 30. September erhalten sie beim Kauf eines Kühlgerätes in den MEDIMAX-Filialen und bei EP-Markenhändlern gegen Gutschein einen Bonus von bis zu 100 Euro. Voraussetzung ist der Kauf eines besonders sparsamen A++-Gerätes eines Markenherstellers.

Christian Noll, BUND-Energieeffizienz-Experte: “Der Kauf sparsamer Kühlgeräte zahlt sich in jedem Fall aus. Dennoch schrecken Verbraucher oft vor den höheren Anschaffungskosten zurück. Damit veraltete und energiefressende Haushaltsgeräte schneller ausgetauscht werden, muss ein staatliches Markteinführungsprogramm für die effizientesten Geräte aufgelegt werden.”

“Dass die ‘Abwrackprämie’ für Stromfresser funktioniert, zeigen erfolgreiche Aktionen in den Niederlanden, Italien und Österreich”, sagte DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen. Dort seien die Preise bei den effizientesten Geräten durch die hohe Nachfrage bereits gesunken. “Frühere Vorschläge für Effizienzprogramme aus dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium müssen endlich umgesetzt werden, wenn Deutschland nicht Schlusslicht in Europa werden will.”

Dietlinde Quack, Leiterin der Verbraucher-Informationskampagne EcoTopTen am Öko-Institut e.V., kritisierte, dass Verbraucher nicht erkennen können, wie viel ein effizientes Gerät durch den geringeren Stromverbrauch an Folgekosten einspare. “Die Gesamtkosten, die über die Lebensdauer eines Gerätes entstehen, müssen beim Kauf ausgewiesen werden. Hier sollte die Bundesregierung nachbessern.” Auf der Internetseite www.ecotopten.de bietet das Öko-Institut eine Übersicht über die sparsamsten Kühl- und Gefriergeräte der Energieeffizienzklasse A++ – einschließlich der jährlichen Gesamtkosten im Vergleich zu marktüblichen, ineffizienteren Produkten.

Informationen zum Aktionsmonat des BUND

Hintergrund

Die effiziente Verwendung von Energie ist der Schlüssel für den Schutz von Klima und Rohstoffen. Weniger Energieverbrauch ist aber nicht nur mehr Klimaschutz, ein geringerer Verbrauch von Strom und Wärme entlastet auch entscheidend die Ausgaben – ob in Unternehmen oder in privaten Haushalten. Viele kleine Effizienzsteigerungen befördern Prozesse, die gegen wirtschaftliche Krisen und Umweltschäden wappnen: Wenn beispielsweise Deutschland effizient beleuchtet würde, könnten drei Großkraftwerke abgeschaltet werden. Und Energiesparlampen sind nur ein Baustein für eine energieeffiziente Zukunft.

Um die langjährigen Erfahrungen und das gesammelte Wissen von Umweltverbänden, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzuführen, haben der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) mit dem Öko-Institut und dem Bundesarbeitskreis für umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) die Kampagne energieeffizienz – jetzt! gestartet. Einig in der Zielstellung arbeiten die Kampagnenmitglieder unabhängig voneinander an der umwelt- und klimaschonenden Nutzung von Energie in Haushalten und Unternehmen und tragen so gemeinsam zur gesamtgesellschaftlichen Anstrengung für mehr Energieeffizienz bei. Die Kampagne wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Kampagne zur Energieeffizienz

Kategorie: EU, Gesetze, Gruppen, Politik, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Verbraucher, Veröffentlichungen, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Glühlampenausstieg: Handlungsbedarf bei der Sammlung von Energiesparlampen

Mittwoch 1. September 2010 von birdfish

Die Sammlung und ordnungsgemäße Entsorgung quecksilberhaltiger Energiesparlampen bewegt sich in Deutschland weiter auf einem beklagenswert niedrigen Niveau.

Neue Regeln für Lampen ab 1. September
Neue Regeln für Lampen ab 1. September – Foto: Dagmar Struß

Daran haben Absichtserklärungen des Handels und der Lampenhersteller, in denen in der Vergangenheit der Auf- und Ausbau freiwilliger Rückgabemöglichkeiten angestrebt wurde, wenig geändert. Das ist das Ergebnis von insgesamt 124 Testbesuchen, die Mitarbeiter der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) im Vorfeld der bevorstehenden zweiten Stufe des EU-Glühlampenverbots aktuell in Bau- und Elektromärkten sowie Drogerien durchgeführt hat.

Die Testbesucher der DUH interessierten sich einerseits für das Informationsangebot der Verkaufsstellen, in denen die Kunden über die korrekte Entsorgung von quecksilberhaltigen Altlampen aufgeklärt werden. Anderseits ging es um die Bereitschaft des Handels, Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren auf freiwilliger Basis zurückzunehmen. „Das Ergebnis liegt selbst hinter unseren Befürchtungen zurück. Die bisherige Politik des Bundesumweltministeriums, auf Freiwilligkeit des Handels zu setzen, muss danach als gescheitert angesehen werden“, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Nur zehn der besuchten Geschäfte (das entspricht acht Prozent) informierten am Verkaufsregal über die Entsorgungspflichten der Verbraucher und die Rückgabemöglichkeiten direkt im Markt oder bei den kommunalen Sammelstellen. Nur knapp jeder fünfte besuchte Händler (19 Prozent) bietet den Verbraucherinnen und Verbrauchern freiwillige Rückgabemöglichkeiten von Altlampen in Form von sichtbar aufgestellten Sammelbehältern.

Jährlich fallen in Deutschland rund 120 Millionen quecksilberhaltige, sogenannte Gasentladungslampen, zur Entsorgung an. Nur 35 Prozent davon werden getrennt gesammelt und ordnungsgemäß entsorgt. Betrachtet man die Sammelquote von ausgedienten Energiesparlampen aus Privathaushalten, sinkt sie sogar auf beschämend niedrige 10 bis 20 Prozent. Unter Federführung des Bundesumweltministeriums diskutieren seit über einem Jahr Handelsverbände und von Lampenherstellern beauftragte Rücknahme- und Recyclingsysteme für Altlampen, wie die Sammelquote von Altlampen in Deutschland erhöht werden kann. Ein wichtiger Aspekt dabei ist der freiwillige Ausbau der Rückgabemöglichkeiten von alten Energiesparlampen für Verbraucher im Handel. Vor einem halben Jahr wurde dazu eine gemeinsame Erklärung der Beteiligten veröffentlicht. „Es genügt nicht, wenn als Ergebnis dieser Initiative ganze 19 Prozent der Handelsbetriebe freiwillige Rückgabemöglichkeiten anbieten. Überall dort, wo die quecksilberhaltigen Energiesparlampen angeboten werden, müssen diese auch zurückgegeben werden können. Jetzt ist Umweltminister Röttgen am Zuge, eine gesetzliche Verpflichtung des Handels zur kostenlosen Rücknahme von Altlampen und Elektrokleingeräten zu erlassen. Mit dem Prinzip Freiwilligkeit kommen wir jedenfalls nicht weiter“, kommentierte Resch.

Die DUH fordert darüber hinaus Städte und Gemeinden auf, zusätzliche Altlampen-Annahmestellen einzurichten und alle kommunalen Sammelstellen für Altlampen zu öffnen. „In jeder Gasentladungslampe findet sich eine kleine Menge Quecksilber. Wir sollten uns in Deutschland vornehmen, mit Schweden gleichzuziehen und ebenfalls 80 Prozent der Altlampen zurück erhalten“, erläuterte Resch.

Bei den Testbesuchen der DUH gab auf gezieltes Nachfragen rund die Hälfte der Unternehmen an, dass sie im Prinzip alte Energiesparlampen zurücknähmen. Die tatsächliche Rücknahme dieser Märkte bzw. die ordnungsgemäße Entsorgung von in diesen Märkten gesammelten Altlampen ist aber in vielen Fällen unklar und zweifelhaft – oft fehlen schon gesonderte Sammelbehälter oder eine geeignete Rücklauflogistik. Die DUH-Mitarbeiter konnten unter anderem feststellen, dass Altlampen in einigen Märkten zusammen mit Altbatterien gesammelt wurden. In einem Fall entsorgte gar ein Baumarkt-Mitarbeiter Altlampen unmittelbar nach der Rücknahme in den Restmüll.

Ab dem Stichtag für die zweite Stufe des Glühlampenausstiegs am 1. September müssen die Lampenhersteller ihre Produkte europaweit genauer als bisher mit wesentlichen Daten kennzeichnen. Dabei muss auch der Quecksilbergehalt einer jeden Lampe angegeben werden. Die Verbraucherinformationen müssen auf der Verpackung sichtbar angegeben und auf frei zugänglichen Internetseiten bereitgestellt werden. „Mit den neuen Kennzeichnungspflichten wird es für die Verbraucherinnen und Verbraucher einfacher, hochwertige Energiesparlampen zu erkennen und aus dem breiten Angebot im Verkaufsregal die Besten zu wählen“, kommentierte Maria Elander, die Leiterin des Bereichs Kreislaufwirtschaft der DUH. Welche Energiesparlampe am besten geeignet ist, hängt von speziellen Kundenvorlieben, vor allem dem geplanten Einsatzbereich ab – ob sie im Innen- oder Außenbereich genutzt werden soll, ob sie häufig oder selten an- und ausgeschaltet wird, ob sie dimmbar sein soll oder ob ein warmes oder eher nüchternes Licht bevorzugt wird. Anhaltspunkte für gute Energiesparlampen sind eine lange Lebensdauer (mindestens 10.000 Stunden) und ein niedriger Quecksilbergehalt. Für die meisten Verbraucher ist auch wichtig, dass die Lampen schnell ihre volle Leuchtkraft erreichen, also eine kurze Anlaufzeit haben.

Hintergrund

Am 1. September 2010 greift die zweite Stufe des EU-weiten Glühlampenausstiegs. Die EG-Verordnung 244/2009 schreibt neue Ökodesign-Anforderungen für Lampen vor. Ab 1. September 2009 durften klare Glühlampen mit einer Leistung von mehr als 75 Watt sowie alle matten Glühlampen nicht mehr verkauft werden. Mit der zweiten Stufe fallen nun auch klare Glühlampen mit mehr als 60 Watt weg. In insgesamt vier Stufen bis 2012 werden alle ineffizienten Standardglühbirnen und konventionelle Halogenglühlampen aus den Verkaufsregalen verbannt. Die Verordnung soll zur Einhaltung der europäischen Energieeffizienz- und Klimaschutzziele beitragen. Die unter den EU-Staaten und mit dem Europaparlament abgestimmte Regelung dient der Verbesserung der Marktdurchdringung von energieeffizienten Beleuchtungstechniken und soll im Jahr 2020 zu einer Energieeinsparung von rund 39 Terawattstunden (Mrd. kWh) führen – das entspricht der Stromerzeugung von sieben modernen Kohle- oder vier großen Atomkraftwerken.

Kategorie: Gruppen, Politik, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Umfragen, Verbraucher, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Studie vergleicht Niedrig-Energie-Szenarien – AKW Laufzeitverlängerungen sind unnötig

Freitag 27. August 2010 von birdfish

Heute werden der Bundesregierung  Szenarien für ein neues Energiekonzept vorgelegt.

Mittelkürzung bei energetischer Gebäudesanierung falscher Schritt
Mittelkürzung bei energetischer Gebäudesanierung falscher Schritt – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Dazu veröffentlichte die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch gestern eine Studie, die vier wichtige Niedrig-Energie-Szenarien für Deutschland untersucht.

Dabei handelt es sich um das “Leitszenario 2009″ im Auftrag des Bundesumweltministeriums, das “Szenario 3 der Energiezukunft 2050″ im Auftrag der Energieversorger EnBW, E.ON Energie, RWE Power und Vattenfall Europe, das “Modell Deutschland. Klimaschutz bis 2050″ im Auftrag von WWF Deutschland und der “Klimaschutz: Plan B 2050″ im Auftrag von Greenpeace Deutschland.

“Der Vergleich zeigt, dass drei der vier analysierten Szenarien die Verringerung der Treibhausgase in Deutschland um 80 bis 95 Prozent bis 2050 im Vergleich zu 1990 erreichen, und das ohne Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und zu volkswirtschaftlich akzeptablen Kosten”, erklärt Jan Burck, Autor der Studie. Lediglich das von den vier großen Energiekonzernen in Auftrag gegebene Szenario der Forschungsstelle Energiewirtschaft stellt die Erreichbarkeit der angepeilten Reduktionsziele in Deutschland ohne Atomkraft in Frage.

Der Szenarienvergleich zeigt, dass die ambitionierten Klimaziele nur durch einen weiteren massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien und der dazu erforderlichen Stromnetze zu erreichen sind. Gleichzeitig werden umfangreiche Investitionen in Energieeffizienz benötigt. “Die aktuelle Kürzung der KfW Förderprogramme für energetische Gebäude-Sanierung ist leider genau der falsche Schritt”, bemängelt Burck. “Die Szenarien zeigen deutlich, dass ohne Fortschritte bei der Energieeffizienz die Umsteuerung wesentlich teuerer wird.”

“Sichere Stromversorgung und Kosten sind nicht das Problem. Aber es müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden: Ausbau von Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Stromnetz. Das neue Energiekonzept bietet die Chance. Doch diese muss auch ergriffen werden”, fasst Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, zusammen.

Die Studie dient auch dazu, die angekündigten Szenarien der Bundesregierung besser analysieren zu können. “Mit dem Szenarienvergleich haben wir ein hervorragendes Instrument, um zu prüfen, ob zweifelhafte Grundannahmen der Bundesregierung die Ergebnisse der Szenarien besonders beeinflusst haben”, ergänzt Jan Burck.

Studie: “Welche Energie-Zukunft ist möglich?

Kategorie: Allgemeines, Energiearten, Erneuerbare Energien, Gesetze, Gruppen, Mensch, Politik, Prognosen, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Städte, Verbraucher, Veröffentlichungen, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Energieeffizienz statt Laufzeitverlängerung: Zukunftsweisendes Energiekonzept fehlt

Donnerstag 26. August 2010 von birdfish

Energieeffizienz statt Laufzeitverlängerung: Umwelt-, Verbraucherverbände und Gewerkschaften fordern zukunftsweisendes Energiekonzept.

Finanzkürzungen bei Gebäudesanierungen sind kontraproduktiv
Finanzkürzungen bei Gebäudesanierungen sind kontraproduktiv – Foto: Viktor Mildenberger / Pixelio

Umwelt-, Verbraucherverbände und Gewerkschaften appellieren an die Bundesregierung, mit ihrem Energiekonzept endlich wirksame Maßnahmen Steigerung der Energieeffizienz auf den Weg zu bringen. Die im Sparpaket für 2011 angekündigte Milliarden-Kürzung bei der energetischen Gebäudesanierung müssten zurückgenommen werden. Nur so könne die Bundesregierung ihre Klimaschutzziele erreichen und wichtige Impulse für eine zukunftsfähige Energieversorgung setzen, so der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der Deutsche Mieterbund (DMB) und die Industriegewerkschaften IG Metall und IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) bei einer Pressekonferenz heute in Berlin. Die verstärkte Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen würde die Energiekosten für Wirtschaft und Verbraucher deutlich senken und etwa 850 000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Insgesamt könnten im Strom- und Gebäudesektor durch die effizientere Nutzung von Energie bis zum Jahr 2020 jährlich rund 100 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden. Dafür sei eine langfristige, angemessene Förderung energetischer Sanierungen im Gebäudebereich nötig. Zudem müsste mit dem Energiekonzept ein Energieeffizienzgesetz kommen, das ein verbindliches Einsparziel von mindestens zwei Prozent pro Jahr festsetze. Im Gesetz müsse unter anderem die zusätzliche Einrichtung eines Energieeffizienzfonds festgelegt werden, mit dem auch die Anschaffung energieeffizienter Haushaltsgeräte gefördert werden könne.

Klaus Brunsmeier, stellvertretender BUND-Vorsitzender: „Statt Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke müssen Energieeinsparungen Kern eines zukunftsfähigen Energiekonzeptes sein. Die Energiekonzerne hingegen interessiert vor allem, mit ihren alten abgeschriebenen Atomkraftwerken weiterhin Millionen zuverdienen.“

Der DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen kritisierte, dass die Bundesregierung bei der Energieeffizienz in Europa von Staaten wie Dänemark und Großbritannien abgehängt worden sei und hierzulande nicht einmal die EU-Vorgaben eingehalten würden. „Mit dem Energiegesamtkonzept muss Deutschland Vorreiter bei der Energieeffizienz werden“, forderte er.

Ein ambitioniertes Energieeffizienzgesetz könne wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz zum Job-Motor werden und langfristig Arbeitsplätze sichern, sagte Wolfgang Rhode, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. „Energieeffiziente Technologien werden im internationalen Innovationswettbewerb immer wichtiger. Gerade die Beschäftigung in der Metall- und Elektroindustrie kann davon profitieren“, so Rohde.

„Von Programmen im Effizienzbereich profitiert nicht nur der Klimaschutz, sondern auch die Verbraucher“, sagte Holger Krawinkel, Leiter des Fachbereichs Bauen, Energie, Umwelt des vzbv. „Zwar rechnet sich der Kauf effizienter Haushaltsgeräte trotz höherer Anschaffungskosten. Damit aber veraltete und energiefressende Haushaltsgeräte schneller ausgetauscht werden, soll ein Förderprogramm für die effizientesten Geräte aufgelegt werden“, verlangte Krawinkel. Außerdem müssten insgesamt mehr Mittel gezielt für Maßnahmen der Energieeffizienz, etwa zur Gebäudesanierung, eingesetzt werden.

Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes: „Die Energiekosten sind Preistreiber Nummer Eins bei den Wohnkosten. Eine Modernisierung des Gebäudebestandes ist unverzichtbar. Die Kosten dafür müssen über Förderprogramme abgefedert werden, damit sie nicht zu überzogenen Mietbelastungen führen. Der von der Bundesregierung im Sparpaket angekündigte Abbau der Zuschüsse für Gebäudesanierungen ist daher ein völlig falsches Signal und muss zurückgenommen werden.“

„Durch die geplante Kürzung bei den CO2-Gebäudesanierungsprogrammen werden über 100 000 Arbeitsplätze gerade im regionalen Handwerk gefährdet“, sagte Martin Mathes, Leiter der Abteilung Wirtschafts-, Bau- und Arbeitsmarktpolitik der IG BAU. „Will die Bundesregierung ihre klimapolitische Glaubwürdigkeit behalten und ein klima- und beschäftigungspolitisches Erfolgsprogramm nicht gefährden, dann muss sie die Streichungspläne ad acta legen“, so Mathes. Der von der KfW-Bank letzte Woche ausgesprochene Förderstopp für energetische Teilsanierungen und für Einzelmaßnahmen wie effiziente Heizungspumpen ab Anfang September sei ein weiterer Rückschritt.

Kategorie: Arbeit, Energiearten, Gesetze, Gruppen, Mensch, Politik, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Städte, Verbraucher, Veröffentlichungen, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Einfluss Erneuerbarer Energien auf Kaufkraft, Arbeitsplätze und Steuern in Kommunen

Mittwoch 25. August 2010 von birdfish

Kommunen können beim Umstieg auf Erneuerbare Energien nicht nur sparen. Sie erhalten echte Mehrwerte.

Solarfassade: nachhaltiges Bauen zahlt sich aus
Solarfassade: nachhaltiges Bauen zahlt sich aus – Foto: C. Nöhren / Pixelio

In einer aktuellen Studie untersuchen das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und das Zentrum für Erneuerbare Energien der Universität Freiburg (ZEE), welchen Einfluss der Ausbau Erneuerbarer Energien auf Arbeitsplätze, Kaufkraft und Steuereinnahmen vor Ort haben. Im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien prüfen die Institute, inwieweit Kommunen von der Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien profitieren und wie sich die Wertschöpfungseffekte je nach Ausbaugrad und Technologie entwickeln können. Kommunen profitieren von der Nutzung Erneuerbarer Energien durch die Einsparung von fossilen Brennstoffkosten, die Schaffung von regionalen Arbeitsplätzen und durch Steuer- und Pachteinnahmen. Ziel der Studie ist es, diese unterschiedlichen Wertschöpfungseffekte auf kommunaler Ebene aufzuschlüsseln und vergleichbar zu machen.

Die gesamte kommunale Wertschöpfung steigt von 6,6 Mrd. Euro im Jahr 2009 auf mindestens 12,3 Mrd. Euro im Jahr 2020, wenn der Ausbaugrad erreicht wird, den die AEE-/BEE-Branchenprognose erwartet. Dadurch werden im Jahr 2020 mindestens 33 Mrd. Euro fossile Brennstoffimporte vermieden.

Das Hintergrundpapier stellt erste Vorabergebnisse der Studie des IÖW und ZEE vor. Im September 2010 werden die ausführlichen Ergebnisse unter dem Titel „Kommunale Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“ publiziert.

Kategorie: Arbeit, Energiearten, Erneuerbare Energien, Gruppen, Mensch, Politik, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Städte, Veröffentlichungen, Wirtschaft, Öffentlichkeit | 1 Kommentar »

Regierung muss Atomlobby standhalten und die Brennelementesteuer nicht aufgeben

Dienstag 24. August 2010 von birdfish

Der NABU hat die Bundesregierung davor gewarnt, sich von der millionenschweren Anzeigenkampagne der Atomlobby beeinflussen zu lassen.

Anti-Atomdemo
Immer mehr Menschen setzen sich gegen Atomkraft ein – Foto: BUND

„Wenn die Koalition jetzt die Steuer auf nukleare Brennelemente streicht und die Atomlaufzeiten verlängert, macht sie den Diener vor den Konzernen. Die Marketingmillionen von RWE, Vattenfall und Co. dürfen nicht mehr Einfluss haben als die Überzeugungen der Bevölkerungsmehrheit“, forderte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Am Wochenende hatten zahlreiche Wirtschaftsbosse die Bundesregierung in Zeitungsanzeigen aufgefordert, auf die geplante Brennelementesteuer zu verzichten und die Laufzeiten der Atomkraftwerke (AKW) deutlich zu verlängern.

Die Energiekonzerne müssen nach Auffassung des NABU stärker an den Kosten der Atommüllentsorgung beteiligt werden – auch ohne Verlängerung der AKW-Laufzeiten. Dazu sei die von Umweltminister Röttgen angedachte Steuer auf atomare Brennelemente geeignet. Die Konzerne bevorzugen dagegen einen Vertrag mit freiwilligen Zahlungen in einen Fonds. „Einfache Bürger können ihre Steuerpflicht auch nicht durch freiwillige Überweisungen umgehen. Durch einen solchen Vertrag macht sich die Bundesregierung abhängig von den Almosen der Konzerne“, so Tschimpke. Schließlich würden die Wirtschaftsmilliarden nur dann fließen, wenn die Atomreaktoren ungestört weiter liefen. Dadurch sei zu befürchten, dass der Staat bei der Atomaufsicht beide Augen zudrücke, um dringend benötigte Einnahmen zu sichern.

Gegen die Lobbymacht der Konzerne setzt der NABU auf die besseren Argumente und die Stimme der Bevölkerung. Daher unterstützt der Umwelt- und Naturschutzverband die bundesweite Anti-Atom-Demonstration am 18. September in Berlin. „Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, den Lobbyinteressen der Atomindustrie entgegenzutreten. Am 18. September demonstrieren wir für eine Wende hin zu Energiesparen, Energieeffizienz und naturverträglichen erneuerbaren Energien“, erklärte NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. Längere Atomlaufzeiten seien Gift für diese Energiewende. Denn unflexible Atomkraftwerke ließen sich mit dem wechselnden Stromangebot aus Wind und Sonne nicht vereinbaren. Außerdem sei weiterhin völlig ungeklärt, wie der bei der Risikotechnologie entstehende Atommüll sicher entsorgt werden könne.

Kategorie: Energiearten, Energieversorger, Gesetze, Gruppen, Politik, Ressourcen, Sensibilisierung, Wirtschaft, Öffentlichkeit | 2 Kommentare »

Unser Leben auf Umweltkredit: für dieses Jahr sind die Ressourcen bereits verbraucht

Montag 23. August 2010 von birdfish

Seit Samstag leben wir auf Pump. In weniger als neun Monaten hat die Menschheit die ökologischen Ressourcen des gesamten Jahres bereits verbraucht.

Die Erde leidet unter menschlichem Raubbau
Die Erde leidet unter menschlichem Raubbau – Foto: Michael Poliza / WWF

Das ergeben Berechnungen des Ökologischen Fußabdrucks vom Global Footprint Networks an dem auch der WWF beteiligt ist.

„Den Rest des Jahres leben wir auf Kredit und verbrauchen die Reserven der Erde“, so Christoph Heinrich, Geschäftsleiter Naturschutz des WWF Deutschland. Die vorhandenen Ressourcen der Erde verbrauche die wachsende Weltbevölkerung immer schneller.  Der „Welterschöpfungstag“ rücke im Kalender kontinuierlich weiter nach vorne. Im letzten Jahr fiel er noch auf den 25. September, fast einen ganzen Monat später. „Bis Ende 2010 werden wir voraussichtlich 150 Prozent unserer Ressourcen aufgebraucht haben“, so Heinrich weiter. „Die Erde würde eineinhalb Jahre brauchen, um sich von diesem Raubbau zu erholen.“

Der Ökologische Fußabdruck berechnet, wie viel produktive Fläche benötigt wird, um alle Ressourcenbedürfnisse inklusive der Energieversorgung und Müllentsorgung der Menschheit zu gewährleisten. Auch die CO2-Emissionen werden dabei einbezogen. Sie machen den größten und am schnellsten wachsenden Teil des ökologischen Fußabdrucks aus. Allein der CO2-Fußabdruck der Menschheit habe sich seit 1970 mehr als verdoppelt. Bereits seit 30 Jahren können sich die natürlichen Ressourcen der Erde nicht mehr so schnell erneuern, wie die Menschheit sie verbraucht.

„Klimawandel, Artensterben, Wassermangel sowie der Kollaps der Fischbestände sind klare Anzeichen dafür, dass der Planet unter der menschlichen Übernutzung leidet. Die Folgen sind heute schon sichtbar. Wir können nicht nur auf Kredit konsumieren, irgendwann müssen wir auch unsere Schulden bei der Natur zurück zahlen“, so Christoph Heinrich.  Regierungen, Unternehmen und Konsumenten hätten bereits heute Mittel in der Hand, um nachhaltiger zu leben, sei es durch Energieeffizienz, den Einsatz Erneuerbarer Energien, bewussteren Fleischkonsum oder umweltfreundliche Mobilität.

Kategorie: Artensterben, Boden, Elemente, Energiearten, Ernährung, Forschung, Gruppen, Landwirtschaft, Luft, Mensch, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Verbraucher, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Laufzeiten: Energiekonzept der Regierung basiert auf unrealistischen Annahmen

Freitag 20. August 2010 von birdfish

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind die von verschiedenen Wirtschaftsforschungsinstituten für die Bundesregierung erstellten Analysen zum Energiekonzept lediglich Gefälligkeitsgutachten.

AKW Biblis
Gutachten werden zugunsten der AKW zurechtgebogen – (c) setcookie / Pixelio

Sie könnten keine Entscheidungsgrundlage liefern, wie eine Energieversorgung in Deutschland künftig auszusehen habe. Die gestern von der Wochenzeitung “Die Zeit” öffentlich gemachten Grundannahmen der Analysen zum Energiekonzept, dass nur bei AKW-Laufzeitverlängerungen aktiver Klimaschutz betrieben, die Energieeffizienz gesteigert und der Ausbau der Erneuerbaren Energien dynamisch vorangetrieben würden, während in einem Energieszenario ohne Laufzeitverlängerungen nichts dergleichen geschehe, seien absurd.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: “Die unsinnige Annahme, dass bei Beibehaltung des bisherigen Atomausstiegfahrplanes der Klimaschutz in Deutschland faktisch ausfällt, belegt erneut, dass eine sachliche Prüfung der Notwendigkeit von Laufzeitenverlängerungen für Atomkraftwerke nicht gewollt ist. Ansonsten hätte die Bundesregierung auch ein entsprechendes Szenario unter Beibehaltung des geltenden Atomausstieggesetzes durchrechnen lassen.”

Bundesumweltminister Norbert Röttgen habe mehrfach erklärt, dass auf Atomkraftwerke in Deutschland verzichtet werden könne, sobald die Erneuerbaren Energien einen Anteil von 40 Prozent an der Stromversorgung erreichen. Die entscheidende Frage, wann dies der Fall sei, werde aber in den beauftragten Energieszenarien nicht untersucht. Nach einem Bericht der Bundesregierung zum weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland werde dieser Anteil deutlich vor dem geplanten Abschalten des letzten Atommeilers im Jahr 2022 erreicht.

Weiger: “Die Bundesregierung muss sofort ihre Verhandlungen mit den Stromkonzernen über längere AKW-Laufzeiten beenden und alle unbrauchbaren Energieszenarien ad acta legen. Stattdessen muss jetzt unverzüglich eine Diskussion über die Verkürzung der Laufzeiten der Atomkraftwerke beginnen.”

Der BUND kündigte für den 18. September eine große Anti-Atom-Demonstration in Berlin an, bei der gemeinsam mit anderen Verbänden und Bürgerinitiativen das Regierungsviertel umzingelt werden soll.

Kategorie: Allgemeines, Energiearten, Erneuerbare Energien, Gesetze, Gruppen, Politik, Prognosen, Ressourcen, Sensibilisierung, Veröffentlichungen, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »