KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Das neue EU-Energielabel holt auf: Auszeichnung von Geräten wurde geprüft

Freitag 12. April 2013 von birdfish

Der Handel erfüllt weitgehend die Pflicht zur Kennzeichnung der Energieeffizienz von Elektrogeräten wie Waschmaschinen, Kühlschränken oder Fernsehapparaten.

Skala - Teil des neuen LabelsSkala – Teil des neuen Labels

Dies zeigen Ladenbegehungen des Öko-Instituts, der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und der Verbraucherzentralen (VZ) Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Partner im Projekt „Come on Labels“ stellen fest, dass 85 Prozent der insgesamt 2.374 betrachteten Geräte korrekt gekennzeichnet waren. Lediglich vier Prozent waren fehlerhaft ausgezeichnet; elf Prozent der Geräte trugen gar kein Label.

Auszeichnung energieeffizienter Geräte geprüft

Bereits im vergangenen Jahr hatten Öko-Institut, DUH und die VZ Sachsen und Sachsen-Anhalt überprüft, inwieweit die 2011 reformierte Energieeffizienz-kennzeichnung von Haushalts- und Fernsehgeräten im Handel korrekt umgesetzt wurde. Die Expertinnen und Experten kontrollierten dabei insgesamt 20 Geschäfte in den Städten Freiburg, Regensburg, Halle und Leipzig sowie einen Onlinehändler auf die korrekte Anbringung des EU-Energieeffizienzetiketts.

„Im Vergleich zum letzten Jahr, als lediglich 63 Prozent der Geräte im Handel einwandfrei mit dem EU-Energielabel gekennzeichnet waren, sehen wir jetzt eine deutliche Verbesserung“, fasst Dr. Corinna Fischer, Projektleiterin am Öko-Institut die Ergebnisse der Ladenbegehungen zusammen. „Mit den Informationen des Labels können sich Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf einfach für energieeffiziente Geräte entscheiden und somit dauerhaft ihre Stromkosten senken. Deshalb rufen wir den Handel weiter auf, den gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen und seinen Kundinnen und Kunden diese Informationen zur Verfügung zu stellen.“

Die Leiterin für Verbraucherschutz bei der DUH, Agnes Sauter, ergänzt: „Haushaltsgroßgeräte sind hochwertige Wirtschaftsgüter. Deshalb möchte der Verbraucher vor dem Kauf besonders gut informiert werden. Die Kennzeichnungsvorschriften sollen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit wichtigen Ressourcen anregen. Gleichzeitig machen die auf dem Label enthaltenen Informationen den Stromverbrauch für den Konsumenten transparent. Das kann erheblich zu Kostenersparnissen beitragen, insbesondere mit Blick auf die gesamte Lebensdauer.“

Wasch- und Geschirrspülmaschinen auf den vorderen Plätzen
Wie bei den Ladenbegehungen in 2012 schnitten Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen am besten ab: 86 beziehungsweise 92 Prozent der Geräte waren korrekt gekennzeichnet. Bei 5,8 bzw. 0,8 Prozent der Geräte entsprach die Kennzeichnung nicht den Vorschriften. So waren die Etiketten entweder unvollständig oder versteckt angebracht. Bei acht bzw. sieben Prozent der Geräte war gar keine Kennzeichnung erkennbar.

Doch auch bei Kühl- und Gefriergeräten hat sich die Kennzeichnung deutlich verbessert: 96 Prozent der Geräte trugen das Energieeffizienzzeichen, lediglich ein Prozent war fehlerhaft gekennzeichnet und nur 2,7 Prozent der Geräte trugen gar kein Label.

Bei Backöfen und Fernsehgeräten besteht nach wie vor der größte Nachholbedarf: Bei den Backöfen trugen 9,6 Prozent der Geräte kein Label; 12,7 Prozent waren fehlerhaft gekennzeichnet. Bei Fernsehgeräten war der Anteil von nicht gekennzeichneten Geräten mit knapp einem Fünftel am geringsten – hier dürfen noch ältere, nicht gekennzeichnete Geräte abverkauft werden. „Der Handel würde aber einen wichtigen Beitrag zur Verbraucherinformation leisten, wenn er auch ältere Fernsehgeräte freiwillig kennzeichnen würde“, so Corinna Fischer weiter.

Unterschiede nach Ladentypen und Regionen

Hinsichtlich der verschiedenen Ladentypen beobachteten die Wissenschaftlerinnen und Verbraucherschützer, dass die Kennzeichnung bei Küchenstudios und Möbelhäusern sich gegenüber der letzten Begehung verbessert hat. Deutlicher Handlungsbedarf besteht noch bei Supermärkten sowie kleinen Elektrofachhändlern: Hier sind jeweils nur 59 Prozent der Geräte korrekt gekennzeichnet.

Im Internet hingegen braucht das Label nicht abgebildet zu werden. Daher sind die Informationen oft schwer aufzufinden, selbst wenn sie vorhanden sind. Die Verbraucherschützer fordern deshalb, dass die Abbildung des Labels auch im Onlinehandel verbindlich gemacht wird. Regionale Unterschiede waren kaum erkennbar, mit Ausnahme von Regensburg. Dort war die korrekte Kennzeichnung um rund zehn Prozent höher als in den übrigen Regionen.

Neues Effizienzlabel ist weniger fehleranfällig
Die Ladenbegehungen zeigten zudem, dass es im Vergleich zum alten Label beim Einsatz des neuen Etiketts deutlich weniger fehlerhaft gekennzeichnete Geräte gibt. Der Hauptgrund dafür ist sehr wahrscheinlich, dass das Label in einem Stück aufgebracht wird, statt wie das alte in zwei Teilen, von denen häufig einer vergessen wurde. Dennoch gibt es noch immer 18 Prozent an Altgeräten, die mit dem alten Label gekennzeichnet sind. Da dieses Nebeneinander für Verbraucherinnen und Verbraucher verwirrend ist, fordern die Organisationen den Handel auf, auch Altgeräte freiwillig mit dem neuen Label zu kennzeichnen.

„Die Ladenbegehungen zeigen, dass die Energieeffizienzkennzeichnung insgesamt auf einem guten Weg ist“, sagt Martina Angelus, Energiereferentin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. „Um den Konsumentinnen und Konsumenten die Auswahl eines energieeffizienten Produktes weiter zu erleichtern, muss die Kennzeichnung mit dem EU-Label bei manchen Produktgruppen und Ladentypen jedoch noch verbessert werden. Das Projekt Come On Labels bietet Händlern dafür eine Broschüre mit Hinweisen für die richtige Kennzeichnung der Geräte an. Sie ist auf Anfrage kostenlos erhältlich.“

Hintergrundinformationen zum Projekt „Come on Labels“:
Das EU-Projekt Come On Labels unterstützt und begleitet die Einführung der neuen Energiekennzeichnung in den teilnehmenden EU-Staaten. Das Projekt wird vom Energieeffizienz-Zentrum SEVEn (CZ) koordiniert und beteiligt Partner in 13 europäischen Ländern. Nationale Kontaktstelle ist das Öko-Institut e.V.

Hauptziel des Projekts ist die Förderung einer Energiekennzeichnung für Energieverbrauchende Geräte. Die Expertinnen und Experten sammeln vorhandene Ergebnisse von Gerätetests, überprüfen die ordnungsgemäße Kennzeichnung in Verkaufsstellen und tragen zur Aufklärung der Verbraucher bei.

Das Projekt Come On Labels

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EU-Grünbuch für Klimaziele 2030 zu schwach Deutschland muss Energiewende europäisieren

Mittwoch 3. April 2013 von birdfish

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission zur Klima- und Energiepolitik nach 2020.

Energiewende auch EU-weit vorantreiben
Energiewende auch EU-weit vorantreiben – Foto: Dagmar Struß

Die Ziele von 40 Prozent Treibhausgasreduktionen und 30 Prozent erneuerbaren Energien sind aus Sicht des Dachverbands jedoch bei Weitem zu schwach. „Der Weltklimarat hat klar darauf hingewiesen, dass Industrieländer ihre Emissionen schon bis 2020 um bis zu 40 Prozent senken müssen, um die Klimaerwärmung einzudämmen. Es kann nicht sein, dass Europa dieses Ziel erst zehn Jahre später erreicht“, kritisierte Hartmut Vogtmann, Präsident des Deutschen Naturschutzrings.

Aus Sicht des Deutschen Naturschutzrings könnte Europa seine Treibhausgase bis 2030 schon um 55 Prozent reduzieren, wenn es auf Energieeffizienz und erneuerbaren Energien setzt. „Die Kommission vernachlässigt, dass Effizienz mehr als die Hälfte der CO2-Reduktionen stemmen kann, und noch dazu die Kosten der Energiewende bremst. Der Vorschlag einiger Länder, nur noch ein Ziel für Treibhausgase zu vereinbaren, wäre Wahnsinn. Das würde bedeuten, dass wir in Europa Atomkraft fördern, bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz aber Stillstand hätten“, warnte Vogtmann. „Die Bundesregierung hat sich bei der Energiewende auf den Atomausstieg und ehrgeizige Klimaziele festgelegt. Dies muss nun auch in Europa vorangetrieben werden.“

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EU-weite Datenbank macht Ergebnisse von Energie-Effizienzprojekten zugänglich

Montag 25. März 2013 von birdfish

“Die Fülle an technischem, wirtschaftlichem und politischem Know-how, das in den 58 Pilotgemeinden entstanden ist, machen wir hier über eine benutzerfreundliche, interaktive Datenbank zugänglich.

Concerto Logo

Hier können Kommunen und Städte angesichts der zu bewältigenden Energie-Herausforderungen Lösungen und Inspirationen finden”, sagte Sven Dammann von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission.

Eine Datenbank über groß angelegte Neubau- und Sanierungsprojekte in 58 europäischen Städten und Gemeinden hat die EU-Initiative CONCERTO auf der Messe ISH 2013 in Frankfurt vorgestellt.

“Die Fülle an technischem, wirtschaftlichem und politischem Know-how, das in den 58 Pilotgemeinden entstanden ist, machen wir hier über eine benutzerfreundliche, interaktive Datenbank zugänglich. Hier können Kommunen und Städte angesichts der zu bewältigenden Energie-Herausforderungen Lösungen und Inspirationen finden”, sagte Sven Dammann von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission.

„Wir bieten einen breiten Fundus an Informationen“, berichtete Kilian Seitz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das die Datenbank erstellt hat.

Zum Beispiel könne sich eine interessierte Gemeinde zunächst einen Überblick verschaffen, welche Technologien in den CONCERTO-Projekten zum Einsatz kommen und mit welchen Ergebnissen. Dabei werden die Ergebnisse über aussagekräftige Indikatoren wie CO2-Vermeidungskosten oder Amortisationszeiten abgebildet. Bei der Berechnung dieser Indikatoren werden sowohl gemessene als auch berechnete Energieflüsse verwendet. Hierbei wird auf eine größtmögliche Transparenz Wert gelegt, um die erhaltenen Werte nachvollziehen und richtig interpretieren zu können.

Damit vom Politiker bis zum Ingenieur jeder Nutzer passende Informationen bekommt, lassen sich Daten und Indikatoren über gezielte Filter eingrenzen: thematisch – “zeige alle Projekte mit Solarthermie”; zielgruppenspezifisch – “zeige alle Daten und Indikatoren die für Bauherren interessant sind”; geografisch oder auch anhand von Ereignissen – “zeige alle Indikatoren, die für ein Neubauprojekt oder die Entwicklung eines Förderprogramms interessant sind”. „Auch Fragen wie „Welche Demonstrationsobjekte haben die geringsten CO2-Vermeidungskosten?“ lassen sich beantworten“, so Seitz. Allerdings, räumte er ein, müssten bei einer Analyse immer auch die Rahmenbedingungen im jeweiligen Land und in der Region in die Betrachtung einbezogen werden. Aus diesem Grund sei es empfehlenswert, sich zunächst die Projekte im eigenen Land anzuschauen.

Doch auch beim Blick über die Grenzen hinweg lassen sich aus der Datenbank wertvolle Erkenntnisse ziehen, sind die Beteiligten der EU-Initiative CONCERTO überzeugt. „Städte und Gemeinden, die Energieeffizienzprojekte oder neue Anlagen für mehr erneuerbare Energien planen, können hier handfeste Argumente finden, etwa um die Entscheidungsträger zu überzeugen“, sagte in Frankfurt Emil ter Horst von der Gemeinde Almere in den Niederlanden. Dort ist in den vergangenen Jahren ein neuer Stadtteil entstanden, der unter anderem mit Fernwärme aus einem solarthermischen Kraftwerk versorgt wird. Dieses sorgt dafür, dass 10 Prozent der benötigten Wärme vor Ort aus Erneuerbaren erzeugt werden. Insgesamt wurde der CO2-Ausstoss bei der Wärme um 93 Prozent reduziert, der Strom ist zu 100 Prozent Ökostrom.
„Welche Erkenntnisse diese Datenbank tatsächlich ermöglicht, lässt sich heute noch gar nicht absehen“, ergänzte Ciaran Lynch vom Limerick Institute of Technology in Irland. In North Tipperary ist in den vergangenen Jahren nicht nur das erste Öko-Dorf in ganz Irland entstanden, es wurden auch zahlreiche bestehende Gebäude energetisch saniert und mit modernen Heizsystemen wie hocheffizienten Gasbrennern, Solarthermie und Biomasseheizungen ausgestattet. Das Monitoring der verschiedenen Maßnamen war wichtiger Bestandteil des Projekts.

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CONCERTO Initiative

Montag 25. März 2013 von birdfish

Im Rahmen der CONCERTO-Initiative arbeiten 58 europäische Städte und Gemeinden an dem gemeinsamen Ziel, die Energiewende in Europa Realität werden zu lassen.

Energieeffiziente Neubauten werden errichtet, bestehende Gebäude saniert und komplette Stadtquartiere so umgebaut, dass sie weniger Energie verbrauchen, und den verbleibenden Bedarf weitgehend mit lokalen erneuerbaren Energien decken.
Dabei setzen sie je nach lokalen Gegebenheiten auf einen unterschiedlichen Mix aus Effizienzmaßnahmen in Gebäuden und  Erneuerbaren Energien. Die CONCERTO Initiative wird von der Europäischen Union durch das Europäische Forschungsrahmenprogramm gefördert.

Zur CONCERTO website

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Gemeinschaftswerk Energiewende sozial gestalten: Positionspapier der klima-allianz

Montag 11. März 2013 von birdfish

Auf Initiative der Klima-Allianz wurde jetzt ein Positionspapier des Aktionsbündnisses zur Energiewende vorgestellt.

Töpfer vor BundespressekonferenzTöpfer vor der Bundespresse-Konferenz. Foto: D. Setton / klima-allianz

Unter der Schirmherrschaft des früheren Umweltministers und UNEP-Exekutivdirektors Prof. Klaus Töpfer (CDU) fordert ein breites Bündnis aus Sozial- und Verbraucherschutzverbänden, Umweltorganisationen, Kirchen und Gewerkschaften die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien zu einem ernsthaften Dialog über die soziale Ausgestaltung des „Gemeinschaftswerks Energiewende“ auf.
Als Grundlage für die Gespräche, die unter der Moderation von Prof. Töpfer stattfinden sollen, dient ein gemeinsames Positionspapier der beteiligten Organisationen mit einem 8-Punkte Forderungskatalog.

„Wer die Diskussion über die Energiewende als eskalierende Preisdebatte führt, spielt mit der Zustimmung der Bevölkerung. Wir dürfen nicht vergessen, dass die globalen Gefahren des Klimawandels und die Reaktorkatastrophe von Fukushima der Auslöser und Ausgangspunkt für die Umstellung unserer Energieversorgung waren und sind“, mahnt Töpfer, Direktor des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam. Eine soziale Ausgestaltung des Generationenprojekts Energiewende sei nach seiner festen Überzeugung möglich. Die ökologische und die soziale Dimension stünden nicht im Widerspruch zueinander.

Notwendig seien jetzt eine klare Programmatik und Gestaltungswillen der politischen Parteien. Beides sei in den aufgeheizten Debatten der zurückliegenden Wochen kaum mehr erkennbar gewesen. Töpfer: „Wir verstehen die Energiewende als eine gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Im politischen Dialog wollen wir über die Vorstellungen und Konzepte der Parteien ins Gespräch kommen, wie der Atomausstieg und der parallele Umbau des Energiesystems hin zu Erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz zielstrebig und sozial gerecht weitergetrieben werden kann.“

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH), Michael Spielmann, nennt „die bisherige Debatte über die soziale Dimension der Energiewende eindimensional und von wahltaktischen Motiven geprägt“. Eindimensional sei sie, weil die Umweltfolgekosten der Kohleverbrennung und des Einsatzes der Atomenergie ebenso ausgeblendet würden, wie die steigenden und in absoluten Zahlen viel höheren Energiekosten der Haushalte für Heizen und Mobilität. „Aufgabe der Politik ist es, Konzepte und Lösungen vorzulegen und nicht in einen unseriösen Wettstreit darüber einzutreten, wem wie schnell die höchsten Energiewende-Kosten einfallen. Wer mit Angstmache Politik und Wahlkampf macht, verursacht Kollateralschäden an der Energiewende und fährt sie schlimmstenfalls vor die Wand.“ Das wachsende Armutsproblem in Deutschland sei weder durch die Energiewende verursacht, noch durch ihre Verlangsamung oder Beendigung zu lösen, sagte Spielmann. Dazu bedürfe es einer wirksamen Sozialpolitik, weshalb auch Umweltverbände, die auf einem anderen Feld tätig seien, in diesem Fall ein Papier unterzeichnet hätten, in dem die Forderung nach angemessenen Einkommen als Grundlage für ein menschenwürdiges Leben ohne Armut und ohne Energiearmut erhoben werde.

Generalsuperintendent Martin Herche von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz betonte, dass die Energiewende nur als ein „solidarisches Gemeinschaftsprojekt“ gelingen könne. Dies gelte sogar weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus, weil die Umgestaltung unseres Energiesystems Deutschlands wichtigster Beitrag zum Klimaschutz und damit zu mehr globaler Gerechtigkeit sei. Herche erklärt: „Steigende Energiepreise sind nicht allein der Energiewende anzulasten. Die Bedürftigen in diesem Land sind nicht durch die Energiewende bedürftig, sondern weil die Kluft zwischen arm und reich insgesamt zu groß geworden ist.

Deshalb muss ihre Situation ganz unabhängig vom Stand der Energiewende dringend verbessert werden. So fordern wir die Einführung von flächendeckenden Mindestlöhnen von mindestens 8,50 € pro Stunde.“ Diese Forderung wird von allen unterzeichnenden Organisationen geteilt. „Wir appellieren an den Bundestag, die entsprechende Bundesratsinitiative zustimmend aufzunehmen. Nötig ist auch die pauschalierte Anhebung der Sozialtransfers um die gestiegenen Energiekosten“, so Herche.

Der Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten, ist überzeugt, dass die Akzeptanz der Energiewende mit der sozial gerechten Verteilung von Kosten und Belastungen steht und fällt. „Die Energiewende darf nicht zum Synonym für einseitige Kostenbelastungen, für höhere Verbraucherpreise und steigende Mieten werden. Dass es Energiewende und ambitionierten Klimaschutz nicht zum Nulltarif gibt, versteht jeder. Dass die einen profitieren sollen und die anderen finanzieren, versteht niemand.“ Siebenkotten forderte eine sozialverträgliche Lösung für das so genannte Mieter-Vermieter-Dilemma bei Maßnahmen zur energetischen Sanierung im Wohnungsbestand. Die Klimaschutzziele müssten erreicht werden, jedoch dürften dabei Mieterinnen und Mieter nicht in die Situation geraten, dass sie wegen zu stark gestiegener Mieten übermäßig belastet werden oder sogar ihre Wohnung aufgeben müssen.

Der Geschäftsführer des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft und Sprecher der klima-allianz, Damian Ludewig, erklärt: „Mit unserem Positionspapier zeigen wir: Es geht auch gerecht! Die Energiewende macht Strom nicht teurer, sondern ist eine Versicherung gegen Energiepreissteigerungen der Zukunft. Auch ohne den Umstieg auf Erneuerbare Energien wären Kosten für neue Kraftwerke, die Modernisierung der Netze und für immer teurere fossile Brennstoffe entstanden. Für den Umstieg sind nun Anfangsinvestitionen nötig, die gerecht verteilt werden müssen. Die Privilegierung der Industrie bei den Energiepreisen ist daher abzusenken.“ Ludewig fürchtet, dass willkürliche Privilegien für immer größere Teile der Industrie am Ende die Akzeptanz der Energiewende insgesamt untergraben. „Mittlerweile verlagern diese Privilegien in der Summe deutlich über 13 Milliarden Euro an Energiekosten pro Jahr von den begünstigten Unternehmen auf private Stromverbraucherinnen und -verbraucher und Mittelstand bzw. die Steuerzahler“, so Ludewig.

Tatsächlich hat die Politik Teilen der Wirtschaft in den vergangenen Jahren ein ganzes Bündel von Vergünstigungen bei den Energiepreisen gewährt. Diese bestehen in Ausnahmeregelungen bei der EEG- und KWK-Umlage, sie werden auch bei den Netzentgelten, bei den direkten und indirekten Beiträgen der Emissionsminderungsverpflichtung, bei der Energie- und Stromsteuer und schließlich bei der anteiligen Übernahme der Infrastrukturkosten für Verteilnetze gewährt.

Hier das gemeinsame Positionspapier des Aktionsbündnisses mit acht zentralen Forderungen.

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Energieeffizienz auf politische Agenda: Uni-Institut EEP übergab Positionspapier

Donnerstag 7. März 2013 von birdfish

Ende Februar 2013 haben Heinz Dürr, einer der Stifter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) an der Universität Stuttgart, und EEP-Chef Thomas Bauernhansl ein Positionspapier an Bundesumweltminister Peter Altmaier zur Energiewende übergeben.

Wärmedämmung unterm Dach
Energieeffizienz eine wichtige Säule der Energiewende – Foto: Viktor Mildenberger / Pixelio

Beim Effizienz-Gipfel Stuttgart 2013 am 16. Mai wird Altmaier das Papier mit hochrangigen Wirtschaftsvertretern sowie geladenen Gästen aus Politik und Wissenschaft diskutieren.
Ohne Energieeffizienz keine Energiewende – das Institut für Energieeffizienz in der Produktion will die hohe Bedeutung der Energieeffizienz für eine erfolgreiche Energiewende in der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft klar hervorheben. Am 16. Mai 2013 findet in Stuttgart daher der erste Effizienz-Gipfel des EEP statt. Hier werden hochrangige Vertreter aus Politik, Forschung und Industrie die Schlüsselstellung der Energieeffizienz speziell in der Produktion für das Gelingen der Energiewende herausarbeiten. Das Positionspapier des EEP bezieht hier kritisch Stellung.

Die Politik hat zwar erkannt, dass die Energieeffizienz entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende ist. Die hierfür notwendigen Investitionen von gut 100 Milliarden Euro geben aber immer wieder Anlass zu Diskussionen. Dabei wäre laut einer gemeinsamen Studie der Deutschen Energieagentur (DENA) und des Frontier Economics das Geld hervorragend angelegt, denn bis 2020 könnte man Energiekosten von bis zu 120 Milliarden einsparen. Und: In Deutschland ist die Produktion einer Kilowattstunde im Schnitt dreimal so teuer wie die Vermeidung ihres Verbrauchs.

„Ganz offensichtlich“, so heißt es im Positionspapier des EEP „wurde Energiepolitik bislang fast ausschließlich aus der Sicht des Angebots und nicht mit Bezug auf die Nachfrage diskutiert. Die Nachfrage aber wird durch die Energieeffizienz bestimmt. Und ohne Energieeffizienz wird die Energiewende nicht erfolgreich umzusetzen sein. Insbesondere dann nicht, wenn wir in überschaubaren Zeiträumen denken.“

Professor Thomas Bauernhansl hält die Zeit bis zur Umsetzung für einen ganz entscheidenden Faktor: „Aktivitäten von Produktionsunternehmen zur Energieeinsparung können viel schneller ihre Wirkung entfalten, als Großvorhaben, wie etwa die kürzlich im Bundestag verabschiedeten 1,3 Milliarden Euro als Beihilfe zur Anhebung der jährlichen Sanierungszahl für Wohnungsheizung und -dämmung von aktuell 1% aus 2% pro Jahr. Kleinere Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz können in der Industrie am raschesten umgesetzt werden und entfalten sofort ihre Wirkung. Umfangreichere Anlagen können in ein bis zwei Jahren installiert werden, jeder Netzausbau dauert länger. Außerdem sind derartige Schritte in aller Regel kostengünstiger und finden dezentral, also am Ort des Energiebedarfs, statt. Es gibt unendlich viele Beispiele für Energieeffizienz. Hier ist Ingenieurkunst gefragt – und darüber verfügen wir in Deutschland wie in keinem anderen Land. Nicht nur in Großkonzernen, sondern auch im Mittelstand entstehen innovative und technologisch führende Lösungen, die beträchtliche Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Eine deutsche Technologieführerschaft im Bereich der Energieeffizienz in der globalisierten Welt schafft und sichert Arbeitsplätze über eine starke Binnenmarktposition, aber auch über den Export“, so Bauernhansl.

Die Autoren des Papiers stellen weiterhin fest:

  • Es fehlen teilweise moderne Technologien. Hier besteht großer Entwicklungsbedarf, der finanziert werden muss.
  • Für vorhandene Technologien fehlen Anreize und Förderinstrumente.
  • Auch bei entsprechender Wirtschaftlichkeit gibt es erheblichen Aufklärungsbedarf in der Industrie und bei Privatpersonen.

Heinz Dürr betont: “Die Energiewende muss gelingen, deshalb müssen wir mehr für die Energieeffizienz tun. Sei es über Einspeisevergütungen, steuerliche Abschreibungen, Übernahme von Beratungskosten oder auch unbürokratische Finanzierungshilfen. Ganz entscheidend ist, dass das Thema Energieeffizienz auf die politische Agenda gesetzt wird. Mindestens gleichberechtigt mit den erneuerbaren Energien. Die Politik muss die Bürger dabei mitnehmen und nicht nur von Netzausbau, Versorgungssicherheit, Kraftwerksabschaltungen und Strompreisen sprechen.”

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Software hilft Haushalten bei intelligentem Umgang mit den erneuerbaren Energien

Dienstag 5. März 2013 von birdfish

Energie wird immer teurer, Experten rechnen mit Rekordpreisen für Strom und Heizung.

Erneuerbare Energien sind die Zukunft
Optimale Nutzung erneuerbarer Energien – Foto: Ingwer Hansen

Eine neue Software-Plattform hilft, die Haushalts- und Firmenkasse zu entlasten. Sie unterstützt den Verbraucher beim intelligenten Umgang mit erneuerbaren Energien.

Strom- und Heizkosten steigen seit Jahren stetig. Die Deutschen versuchen gegenzusteuern. Wie eine Umfrage der Dekra ergab, senkt jeder zweite die Raumtemperatur, die große Mehrheit schränkt sich beim Kochen und Waschen ein und achtet bewusst auf ihren Verbrauch. Hier setzt eine neue offene Software-Plattform an: Sie unterstützt Mieter und Wohnungseigentümer, aber auch Gewerbe- und Industriebetriebe beim intelligenten Umgang mit Energie, und hilft Kosten zu senken. OGEMA (Open Gateway Energy Management Alliance) heißt das Java-basierte, frei erhältliche Framework für Energiemanagement, das Energieverbraucher und -erzeuger mit den Leitstellen der Netzbetreiber und Energieversorger verbindet. Die Fraunhofer-Institute für Windenergie und Engergiesystemtechnik IWES in Kassel, für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg und für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen entwickeln die Lösung im gleichnamigen Projekt OGEMA 2.0, das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU mit fünf Millionen Euro gefördert wird.

»Mit unserem System kann der Kunde künftig variable Strompreise beobachten und seinen Verbrauch an das Energieangebot anpassen, was ja mit dem Wandel hin zu erneuerbaren Energien immer wichtiger wird. Die Plattform fungiert quasi als Schnittstelle zwischen dem ‚Smart Grid‘ und dem ‚Smart Building‘«, erläutert Dr.-Ing. David Nestle, Leiter der Abteilung »Energiemanagement« am IWES, das Konzept der Software. Die OGEMA-Apps empfangen variable Stromtarife und berechnen automatisch, wann die angeschlossenen Geräte wie Kühlschrank, Gefriertruhe und Waschmaschine optimalerweise betrieben werden sollen. So kann der Verbraucher beispielsweise seine Spülmaschine zu kostengünstigen Zeiten einschalten – etwa weil ein Überangebot an Windenergie besteht. Aber auch Klimaanlagen, Heizkörperthermostate, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen lassen sich mit den Apps automatisch steuern. Auf OGEMA laufen zum Beispiel Applikationen, die den Verbraucher informieren, ob er den Strom seiner PV-Anlage selbst verbrauchen oder besser einspeisen sollte. Die entsprechenden Informationen erhält der Kunde über ein Display. Wiederum andere Apps schalten in Bürogebäuden die Heizung ab, wenn Räume nicht genutzt werden – etwa am Wochenende oder wenn Mitarbeiter unterwegs sind. Im gewerblichen Bereich eignet sich OGEMA auch, um Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen flexibel zu steuern und so deren Rentabilität zu steigern. Beispielsweise lässt sich über einen begrenzten Zeitraum die Heizleistung gegenüber dem prognostizierten Bedarf senken. Die so eingesparte Stromerzeugung kann als negative Regelenergie am Markt angeboten werden und so für Zusatzerträge sorgen.

Die Bandbreite der Apps ist vielseitig. Da OGEMA ein offenes System ist, kann jeder Entwickler und Hersteller seine Ideen, wie Energie effizienter eingesetzt werden soll, in Software für die Plattform umsetzen. “Unser Framework lässt sich mit anderen Open-Source-Projekten wie Android vergleichen. Dadurch zeichnet es sich auch aus: Bisherige Systeme für den Home- und Building-Automation-Bereich sind proprietär”, sagt Nestle.
Um die Entwicklung der Software und den Transfer der Forschungsergebnisse in den Markt voranzutreiben, wurden die OGEMA-Allianz und ein Industriearbeitskreis gegründet. Die Teilnehmer des Arbeitskreises erhalten regelmäßig gezielt Informationen zum Projektfortschritt und erfahren, wie sie Applikationen für die Plattform programmieren können. OGEMA 1.0 steht bereits zum kostenlosen Download bereit. Derzeit arbeiten die Fraunhofer-Forscher an OGEMA 2.0. Die fertige Version wird voraussichtlich Mitte 2013 erhältlich sein. Sie soll unter anderem über neue Sicherheitsfunktionen und verbesserte Programmierschnittstellen verfügen, auch sollen sich Apps künftig leichter installieren lassen.

Für den Nutzer ist OGEMA kostengünstig realisierbar, die Hardwarevoraussetzungen sind gering. Die Plattform läuft auf einem sogenannten Embedded-Rechner mit Webserver, der bereits für rund 30 Euro erhältlich ist. Der Verbraucher kann wahlweise per Smartphone, PC, Tablet oder Laptop auf den Webserver zugreifen. In ersten Feldversuchen hat sich das Energiemanagementsystem bereits bewährt: Unter anderem wurde es im E-Energy-Projekt Modellstadt Mannheim in rund 500 Haushalten getestet, die Familien bewerteten es in den Abschlussbefragungen sehr positiv. Auf der Hannover Messe vom 8. bis 12. April präsentieren die Forscher vom IWES, ISE und IIS OGEMA 2.0 und demonstrieren am Beispiel einer simulierten Umgebung, wie Verbraucher profitieren und ihre Energiekosten senken können (Halle 13, Stand C10).

Hier gibt es OGEMA 1.0 zum kostenlosen Download

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Studie zeigt neue Wege auf für weniger Treibhausgase in der Landwirtschaft

Freitag 1. März 2013 von birdfish

Die Landwirtschaft verursacht rund 10 bis 12 Prozent aller vom Menschen produzierten Treibhausgase.

Konventionelle LandwirtschaftKonventionelle Landwirtschaft verursacht viele Treibhausgase. Foto: U. Benz / TUM

Wie lassen sich diese Emissionen verringern? Eine Studie hat erstmals in einer vollständigen Bilanz alle Faktoren untersucht, die zur Freisetzung von Klimagasen beitragen: die Boden- und Klimabedingungen sowie die Art und Intensität der Produktion – also ökologischer oder konventioneller Landbau. Als Ergebnis entstand ein neues Modell, mit dem Landwirtschaftsbetriebe ihre Klimabilanz ermitteln und verbessern können.

In der jetzt vorgestellten Studie untersuchten Wissenschaftler je 40 ökologische und 40 konventionelle Landwirtschaftsbetriebe in vier Agrarregionen Deutschlands. Diese Pilotbetriebe erzeugen pflanzliche Produkte und Milch. Die Wissenschaftler erfassten alle relevanten Klimagasflüsse – Methan, Lachgas und Kohlendioxid – für den gesamten Produktionsprozess. Für die Milcherzeugung rechneten sie auch den Zukauf von Sojaschrot aus Südamerika und alle damit verbundenen Treibhausgas-Emissionen ein.

Strategien für eine bessere Klimabilanz
CO2-Emissionen entstehen durch den Einsatz fossiler Energien – vor allem Dieselkraftstoff – in der Landwirtschaft. Treibhausgase fallen aber auch bei der Herstellung von Mineraldüngerstickstoff, Pflanzenschutzmitteln, landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten an.

„Es gibt verschiedene Wege, um die Klimabilanz zu verbessern“, erklärt Prof. Kurt-Jürgen Hülsbergen von der Technischen Universität München (TUM). „Eine wirksame Strategie ist, Futter selbst anzubauen statt Soja zuzukaufen. Außerdem können Betriebe ihre Produktionsverfahren verbessern und moderne Technik einsetzen, um die Erträge bei gleichem Energieaufwand zu steigern.“

Im Pflanzenbau ist vor allem die Erhöhung der Stickstoffeffizienz bedeutsam. Besonders hohe Lachgasemissionen treten auf, wenn die Kulturpflanzen den Düngerstickstoff ungenügend verwerten. Da seine Herstellung viel Energie kostet, belastet nicht genutzter Stickstoff die Klimabilanz zusätzlich.

Das Treibhausgas CO2 verschwindet aus der Klimabilanz, wenn es durch Humusaufbau langfristig im Boden gebunden wird. „Dies lässt sich erreichen, wenn Betriebe vielfältige Fruchtfolgen mit Leguminosen anbauen“, erklärt Prof. Gerold Rahmann vom Thünen-Institut. „Auch eine weniger intensive Bodenbearbeitung und organische Düngung wirken sich günstig aus.“

Wer liegt vorn: bio oder konventionell?
Der Biolandbau zeichnet sich durch eine hohe Energieeffizienz und geringe flächenbezogene CO2-Emissionen aus. Allerdings sind auch die Erträge im ökologischen Landbau deutlich geringer, daher relativiert sich dieser Vorteil. Die ertragsbezogen Emissionen im Ackerbau betragen etwa 80 Prozent der Emissionen der konventionellen Pilotbetriebe.

Öko-Milchviehbetriebe nutzen mehr selbst angebautes Weidefutter und kaufen kein Sojaschrot zu. Dies zahlt sich aus, wie Hülsbergen erläutert: „Bei gleicher Milchleistung liegen die CO2-Emissionen in den ökologischen Pilotbetrieben im Mittel um 200 Gramm je Kilogramm Milch niedriger als in den konventionellen Betrieben.“

Die Untersuchungen zeigen, dass vor allem zwischen den einzelnen Ökobetrieben Erträge und Treibhausgas-Emissionen stark schwanken, teilweise mehr als zwischen den Anbauformen ökologisch oder konventionell. Demzufolge ist auch das individuelle Können der Betriebsleiter ein wichtiger Faktor bei der Treibhausgasbilanz der Höfe: Es gibt ein erhebliches innerbetriebliches Optimierungspotenzial.

Schneller Transfer in die Praxis
Die Untersuchung liefert erstmals eine vollständige Übersicht von klimarelevanten Faktoren, die alle Emissionen in Tierhaltung und Anbau berücksichtigt. „Wir haben jetzt ein praxistaugliches Modell, um Ursachen geringer Energieeffizienz oder hoher Treibhausgas-Emissionen aufzuklären“, so Hülsbergen. „Wir arbeiten daran, unser Modell so zu optimieren, das es unmittelbar in der Klimaschutzberatung von Betrieben eingesetzt werden kann.“

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