KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Germanwatch erarbeitet Rahmenbedingungen zur Nutzung afrikanischen Energiepotenzials

Freitag 15. März 2013 von birdfish

Die Sicherstellung des Nutzens, der sich im Rahmen des DESERTEC-Konzepts für die lokale Bevölkerung in Nordafrika und dem Mittleren Osten (MENA) ergeben soll, und der gerechte Umgang mit Fragen des Eigentums und der Beteiligung sind unabdingbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Durchführung der „Energiewende“ im südlichen Mittelmeerraum.

Cover Springtime

Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen in der MENA-Region muss es daher bei der Umsetzung von DESERTEC neben Wirtschaftlichkeit, langfristiger Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit auch um Verteilungsgerechtigkeit, Sozialverträglichkeit und Beteiligungs- bzw. Mitbestimmungsmöglichkeiten – also um soziale und entwicklungspolitische Dimensionen – im lokalen Kontext gehen.

Vor diesem Hintergrund hat Germanwatch das Briefing Papier „It’s Springtime in the Desert – Safeguarding the Sustainable Implementation of the DESERTEC Concept” erstellt. Die beiden Autoren Boris Schinke und Jens Klawitter erarbeiten und diskutieren darin die Entwicklung eines Nachhaltigkeitsrahmenwerks für die interkontinentale Nutzung des nordafrikanischen erneuerbaren Energienpotenzials  – wie sie im Rahmen des DESERTEC-Konzepts geplant ist.

Mit dem Ziel, Risiken auf der Projektebene zu vermindern und Chancen für die lokale Bevölkerung im MENA-Raum zu fördern, bietet das Papier einen Diskussionsanstoß für eine interregionale Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Europa und der MENA-Region zur nachhaltigen Umsetzung des DESERTEC-Konzepts.

Aus Sicht der Autoren ist eine engere interkontinentale Zusammenarbeit im Rahmen eines Multistakeholder-Dialogs zur Erstellung eines übergeordneten Nachhaltigkeitsrahmens für DESERTEC unbedingte Voraussetzung dafür, dass sich DESERTEC zu weit mehr als einem reinen Energieinfrastrukturkonzept entwickelt und seinem entwicklungspolitischen Nachhaltigkeitsanspruch – ökonomisch, ökologisch und sozial – gerecht wird.

Publikation ‘It’s Springtime in the Desert’ (PDF, englisch)

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Software hilft Haushalten bei intelligentem Umgang mit den erneuerbaren Energien

Dienstag 5. März 2013 von birdfish

Energie wird immer teurer, Experten rechnen mit Rekordpreisen für Strom und Heizung.

Erneuerbare Energien sind die Zukunft
Optimale Nutzung erneuerbarer Energien – Foto: Ingwer Hansen

Eine neue Software-Plattform hilft, die Haushalts- und Firmenkasse zu entlasten. Sie unterstützt den Verbraucher beim intelligenten Umgang mit erneuerbaren Energien.

Strom- und Heizkosten steigen seit Jahren stetig. Die Deutschen versuchen gegenzusteuern. Wie eine Umfrage der Dekra ergab, senkt jeder zweite die Raumtemperatur, die große Mehrheit schränkt sich beim Kochen und Waschen ein und achtet bewusst auf ihren Verbrauch. Hier setzt eine neue offene Software-Plattform an: Sie unterstützt Mieter und Wohnungseigentümer, aber auch Gewerbe- und Industriebetriebe beim intelligenten Umgang mit Energie, und hilft Kosten zu senken. OGEMA (Open Gateway Energy Management Alliance) heißt das Java-basierte, frei erhältliche Framework für Energiemanagement, das Energieverbraucher und -erzeuger mit den Leitstellen der Netzbetreiber und Energieversorger verbindet. Die Fraunhofer-Institute für Windenergie und Engergiesystemtechnik IWES in Kassel, für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg und für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen entwickeln die Lösung im gleichnamigen Projekt OGEMA 2.0, das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU mit fünf Millionen Euro gefördert wird.

»Mit unserem System kann der Kunde künftig variable Strompreise beobachten und seinen Verbrauch an das Energieangebot anpassen, was ja mit dem Wandel hin zu erneuerbaren Energien immer wichtiger wird. Die Plattform fungiert quasi als Schnittstelle zwischen dem ‚Smart Grid‘ und dem ‚Smart Building‘«, erläutert Dr.-Ing. David Nestle, Leiter der Abteilung »Energiemanagement« am IWES, das Konzept der Software. Die OGEMA-Apps empfangen variable Stromtarife und berechnen automatisch, wann die angeschlossenen Geräte wie Kühlschrank, Gefriertruhe und Waschmaschine optimalerweise betrieben werden sollen. So kann der Verbraucher beispielsweise seine Spülmaschine zu kostengünstigen Zeiten einschalten – etwa weil ein Überangebot an Windenergie besteht. Aber auch Klimaanlagen, Heizkörperthermostate, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen lassen sich mit den Apps automatisch steuern. Auf OGEMA laufen zum Beispiel Applikationen, die den Verbraucher informieren, ob er den Strom seiner PV-Anlage selbst verbrauchen oder besser einspeisen sollte. Die entsprechenden Informationen erhält der Kunde über ein Display. Wiederum andere Apps schalten in Bürogebäuden die Heizung ab, wenn Räume nicht genutzt werden – etwa am Wochenende oder wenn Mitarbeiter unterwegs sind. Im gewerblichen Bereich eignet sich OGEMA auch, um Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen flexibel zu steuern und so deren Rentabilität zu steigern. Beispielsweise lässt sich über einen begrenzten Zeitraum die Heizleistung gegenüber dem prognostizierten Bedarf senken. Die so eingesparte Stromerzeugung kann als negative Regelenergie am Markt angeboten werden und so für Zusatzerträge sorgen.

Die Bandbreite der Apps ist vielseitig. Da OGEMA ein offenes System ist, kann jeder Entwickler und Hersteller seine Ideen, wie Energie effizienter eingesetzt werden soll, in Software für die Plattform umsetzen. “Unser Framework lässt sich mit anderen Open-Source-Projekten wie Android vergleichen. Dadurch zeichnet es sich auch aus: Bisherige Systeme für den Home- und Building-Automation-Bereich sind proprietär”, sagt Nestle.
Um die Entwicklung der Software und den Transfer der Forschungsergebnisse in den Markt voranzutreiben, wurden die OGEMA-Allianz und ein Industriearbeitskreis gegründet. Die Teilnehmer des Arbeitskreises erhalten regelmäßig gezielt Informationen zum Projektfortschritt und erfahren, wie sie Applikationen für die Plattform programmieren können. OGEMA 1.0 steht bereits zum kostenlosen Download bereit. Derzeit arbeiten die Fraunhofer-Forscher an OGEMA 2.0. Die fertige Version wird voraussichtlich Mitte 2013 erhältlich sein. Sie soll unter anderem über neue Sicherheitsfunktionen und verbesserte Programmierschnittstellen verfügen, auch sollen sich Apps künftig leichter installieren lassen.

Für den Nutzer ist OGEMA kostengünstig realisierbar, die Hardwarevoraussetzungen sind gering. Die Plattform läuft auf einem sogenannten Embedded-Rechner mit Webserver, der bereits für rund 30 Euro erhältlich ist. Der Verbraucher kann wahlweise per Smartphone, PC, Tablet oder Laptop auf den Webserver zugreifen. In ersten Feldversuchen hat sich das Energiemanagementsystem bereits bewährt: Unter anderem wurde es im E-Energy-Projekt Modellstadt Mannheim in rund 500 Haushalten getestet, die Familien bewerteten es in den Abschlussbefragungen sehr positiv. Auf der Hannover Messe vom 8. bis 12. April präsentieren die Forscher vom IWES, ISE und IIS OGEMA 2.0 und demonstrieren am Beispiel einer simulierten Umgebung, wie Verbraucher profitieren und ihre Energiekosten senken können (Halle 13, Stand C10).

Hier gibt es OGEMA 1.0 zum kostenlosen Download

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Massive Kritik an wirtschaftlich sinnloser Mitverbrennung von Holz in Kohlekraftwerken

Mittwoch 13. Juni 2012 von birdfish

Die von einigen Energiekonzernen vorangetriebene Mitverbrennung von Holz in Kohlekraftwerken lehnen viele Umwelt- und Holzwirtschaftsverbände ab.

Holz im Sägewerk
Holz für Kohlekraftwerke ist klimafeindlich und wirtschaftlicher Unsinn – Foto: hauku / Pixelio

Besonders kritisch wird in diesem Zusammenhang eine mögliche Förderung der Mitverbrennung von Holz gesehen. Mangelnde Effizienz, Ressourcenverschwendung, die Verknappung des einheimischen Rohstoffs Holz sowie ökologisch und wirtschaftlich sinnvollere Alternativen (insbesondere des Recyclings) sind die Hauptgründe, weshalb sich Umweltverbände und Verbände der deutschen Holzwirtschaft gegen die Mitverbrennung stemmen.

„Das in Deutschland verfügbare Holzaufkommen wird bereits vollständig durch stoffliche und energetische Holzverbraucher verwertet“, sagt Denny Ohnesorge von der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR). „Die Hälfte des Holzaufkommens wird energetisch genutzt. Dabei ist die stoffliche Holzverwendung auch aus klimapolitischer Sicht viel günstiger zu bewerten. Die Politik sollte daher nicht auch noch Anreize für eine Mitverbrennung von Holz in Kohlekraftwerken schaffen.“ Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung ergänzt: „Wir können es uns nicht leisten, Holz in Großkraftwerken mit Wirkungsgraden von höchstens 45 Prozent zu verbrennen, statt es dezentral und effizient für die stoffliche Nutzung und – in geringem Umfang – auch für die Raumheizung und in Kraft-Wärme-Kopplung zu nutzen. Der Bedarf solcher Kraftwerke würde zusätzlichen Druck auf die Wälder verursachen und den Spielraum für eine ökologischere Waldnutzung und Waldschutz verringern.“

Bekräftigt wurden die Pläne einiger Energieversorger zur Holzmitverbrennung in konventionellen Kohlekraftwerken durch eine Studie der Deutschen Energieagentur (DENA), die durch die Vattenfall Europe AG unterstützt wurde. Hierin wird unter anderem davon ausgegangen, dass bis zu 50 Prozent der derzeit eingesetzten Kohle durch holzhaltige Biomasse in Kohlekraftwerken ersetzt werden könne. Studien der Europäischen Union (zum Beispiel Mantau, Uni Hamburg) zeigen jedoch, dass Westeuropa – unter Beibehaltung der energiepolitischen Ziele zum weiteren Ausbau der Biomassenutzung – auf eine massive Deckungslücke in der Holzversorgung zusteuert.

Der Deutsche Naturschutzring (DNR), die Deutsche Umwelthilfe und das Forum Umwelt und Entwicklung lehnen eine Förderung der Mitverbrennung von Holz jedoch ebenso ab wie nachfolgende Verbände des Deutschen Holzwirtschaftsrats e.V. (DHWR): Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), Bundesverband Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. (BSHD), Bundesverband der Altholzaufbereiter und Verwerter e.V. (BAV) und Verband der Deutschen Säge- und Holzindustrie e.V. (VDS). Ähnlich wie im Fall von Papier können heutzutage die meisten Holzabfälle recycelt und wiederverwertet werden. Daher die Forderung der Verbände: Die Nutzung von Holz sollte ressourcen- und klimaschonend erfolgen und mit einer hohen Wertschöpfung verbunden sein.

DNR-Präsidiumsmitglied Elisabeth Emmert sagt: „Die steigende Nachfrage nach Energieholz führt – ebenso wie in anderen Bereichen der Bioenergieerzeugung – zu Konflikten mit dem Umwelt- und Naturschutz sowie sozialen und entwicklungspolitischen Zielen. Wer also in Deutschland auf Holz zur Mitverbrennung in Kohlekraftwerken setzt, setzt auf Holzimporte. Unabhängig von der Frage der Mengenverfügbarkeit muss auch importiertes Energieholz die Einhaltung strenger Nachhaltigkeitskriterien gewährleisten.“

Kohlekraftwerke befinden sich häufig an Standorten, die für die Versorgung mit Kohle günstig gewählt wurden, jedoch für die Versorgung mit holzartiger Biomasse – insbesondere aus den wenigen noch verfügbaren Holzreserven wie aus Übersee – ungeeignet sind. Da die Mitverbrennung wegen des bereits gebundenen nationalen Marktes auf eine Belieferung mit importierter Biomasse ausgerichtet werden müsste, stellt sich die Frage, wie sicher die kontinuierliche und langfristige Versorgung mit dem Rohstoff tatsächlich ist. Holzexperten gehen davon aus, dass sich die Energieversorger je nach Marktlage und Preisgefüge letztlich auf regionalen Rohholzmärkten versorgen. Besonders kritisch wäre es bei abbrechenden Versorgungsströmen aus Übersee, beispielsweise durch Zweifel an der Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung in der Herkunftsregion. Dieser Zugriff der Mitverbrenner auf den nationalen Holzmarkt würde zu Verwerfungen auf dem Rohstoffmarkt zum Nachteil der holzbe- und verarbeitenden Industrie führen.

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Österreichische Bundesregierung beschließt Atomstrom aus dem Land zu verbannen

Mittwoch 18. April 2012 von birdfish

Die österreichische Bundesregierung hat Anfang dieser Woche gemeinsam mit Vertretern der Energiewirtschaft und den Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Global 2000 ein Stopp für Atomstrom beschlossen.

Alpen
Österreich wird atomstromfrei – Foto: Dr. Stephan Barth / Pixelio

Ein Signal, das über die Landesgrenzen Österreichs hinaus geht.
In Österreich selbst ist zwar kein Atomkraftwerk in Betrieb, dennoch wurde jahrelang Atomstrom oder Strom unbekannter Herkunft aus dem Ausland zugekauft – vor allem aus den Nachbarstaaten Tschechien und Deutschland. Damit soll nun Schluss sein.

In Zukunft soll jede Kilowattstunde Strom, die nach Österreich importiert wird, mit Herkunftszertifikaten belegt werden. Die Energieunternehmen verpflichten sich gleichzeitig, auf den Bezug von Atomstromzertifikaten zu verzichten. Damit wird Atomstrom aus Österreich de facto verbannt.

Die Entscheidung ist ein Signal Richtung Atomkraftinvestoren. Denn viele osteuropäische Länder wie Tschechien oder Slowakei wollen die Atomkraftindustrie ausbauen. Damit wollen sie nicht unbedingt den heimischen Strombedarf decken. Sie planen den europäischen Markt zu bedienen und diesen Strom zum Beispiel nach Österreich oder Deutschland zu exportieren.

Sollten andere europäische Länder dem Beispiel Österreichs folgen und auf Atomstromimporte verzichten, setzen sie entscheidende Zeichen, die die Rentabilität geplanter AKW in dieser Region massiv gefährden. Im Hinblick auf die ohnehin nicht besonders rosigen Aussichten für die Atomindustrie ist das ein weiteres Argument, auf AKW-Neubauprojekte zu verzichten und stattdessen in Erneuerbare Energien zu investieren.

Ende der 1970er Jahre entschied sich die österreichische Bevölkerung in einem bundesweiten Volksentscheid gegen die Inbetriebnahme des bereits fertig gebauten AKW Zwentendorf. Nach der Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl lässt Österreich seine AKW-Pläne fallen und verzichtet per Gesetz auf die Erzeugung von Atomstrom.

Quelle: Niklas Schinerl / Greenpeace

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Fatal: Energie-Verschwendungsminister hat sich bei Effizienzrichtlinie durchgesetzt

Donnerstag 24. November 2011 von birdfish

„Die verabschiedete Position der Bundesregierung zur geplanten EU-Energieeffizienzrichtlinie ist ein fatales Signal für Energiesparen und Klimaschutz – besonders im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Durban.

Energieeffizienz fängt im Kleinen an
Energieeffizienz fängt im Kleinen an – Foto: Dagmar Struß

Denn sie zeigt, dass Ideologie vor Klimaschutz geht“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium haben sich diese Woche mit dem Bundeskanzleramt auf eine gemeinsame Verhandlungslinie zur EU-Richtlinie verständigt. Aus Sicht des NABU würde die von Energiekommissar Oettinger vorgelegte Richtlinie dadurch weitgehend wirkungslos.

„Offenbar hat sich Energie-Verschwendungsminister Rösler weitgehend durchgesetzt: Dort, wo EU-Energiekommissar Oettinger verbindliche Ziele und Maßnahmen aufgeschrieben hat, sollen künftig nur noch unverbindliche Empfehlungen stehen. So wird das nichts mit Energiesparen und Energiewende“, so Tschimpke. „Zudem verabschiedet sich die Regierung von dem Effizienzziel, das die EU auf deutsche Initiative hin beschlossen hatte – im Jahr 2007, als Frau Merkel noch Klimakanzlerin war“. Geht es nach der Bundesregierung, sollen weder die Energieeinsparziele noch die Effizienzaufträge für Energieversorger verbindlich vorgegeben werden. Gerade mit Letzterem könnten neue Effizienzdienstleistungen entstehen und die Verbraucher finanziell enorm entlastet werden. „Mit ihrer Haltung wendet sich die Bundesregierung gegen Klimaschutz, Wachstum und Beschäftigung“, kritisiert der NABU-Präsident.

Das Herzstück des Richtlinienentwurfs ist Artikel 6. Er beinhaltet die Aufgabe für Energieversorger, Verbrauchern verstärkt Angebote für Energieeinsparungen zu unterbreiten. Allein in Deutschland könnten Wirtschaft und Haushalte nach neuesten Berechnungen des Instituts für Energie- und Umweltfragen Heidelberg damit in 2020 um 25 Milliarden Euro jährlich entlastet werden.

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EU-Energieeffizienzrichtlinie: Einigung der Bundesregierung steht weiterhin aus

Montag 14. November 2011 von birdfish

Nur wenige Tage vor dem Treffen der Energieminister in Brüssel steht eine Einigung der Bundesregierung zur EU-Energieeffizienzrichtlinie weiterhin aus.

Energieeffizienz durch Haussanierung
Energieeffizienz durch Häusersanierung – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Streitpunkt zwischen den Ministerien ist Artikel 6. Er soll einen Markt für Energiedienstleistungen schaffen. Das Wirtschaftsministerium will ihn ersatzlos streichen.

Bei dem Anreizsystem handelt es sich um das Herzstück der Richtlinie, das die höchsten Energieeinsparungen und starke Wirtschaftsimpulse bringen würde. Die Idee: Energieverteiler oder -einzelhandel erhalten einen Effizienz-Auftrag. Sie müssen Angebote machen, mit denen Haushalte und Wirtschaft Energie sparen. Sie sollen Verbraucher dabei unterstützen, alte Kühlschränke oder undichte Fenster auszutauschen und Unternehmen helfen, Effizienzpotenziale bei Anlagen und Prozessen zu erschließen. Die Größe des Effizienz-Auftrags entspricht 1,5% der Energiemenge, die im Vorjahr verkauft wurde. Das System existiert bereits in mehreren EU-Staaten, darunter Italien, Dänemark, Frankreich und Großbritannien.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke kritisierte die Blockade des Wirtschaftsministeriums scharf: „Ausgerechnet der deutsche Wirtschaftsminister torpediert das Instrument, das erstmals einen Markt für Energieeffizienz schaffen würde.” Bundesminister Rösler verhindere damit, dass Verbraucher und Wirtschaft von Kosten durch Energieimporte von bis zu 50 Milliarden Euro jährlich entlastet würden.

Während in Deutschland ungewiss ist, wie die Bundesregierung entscheiden wird, hat die polnische Ratspräsidentschaft erste Vorschläge für eine Positionierung der Mitgliedsstaaten unterbreitet. So sollen Energieversorger, die weniger als 200 Gigawatt jährlich verkaufen und unter 50 Angestellte haben, vom Effizienz-Auftrag ausgenommen werden. Auch an anderen Stellen wollen die Mitgliedstaaten schwächere Vorgaben. Die Sanierungsquote von drei Prozent soll sich nicht auf alle öffentlichen Gebäude, sondern nur noch auf zentrale Regierungsgebäude beziehen.

Impulse für mehr Energieeffizienz könnten aus dem EU-Parlament kommen. Claude Turmes, Berichterstatter für den Industrieausschuss,  tritt dafür ein, dass Staaten nicht nur öffentliche Gebäude sanieren, sondern im gesamten Gebäudebestand Energie sparen. Bis 2050 soll der Energieverbrauch um 80% gegenüber 2010 sinken. Dabei sollen die EU-Länder Sorge tragen, dass Mietern keine finanziellen Nachteile entstehen und Kommunen bei der Sanierungsaufgabe unterstützt werden.

Auch verbindliche Energiesparziele sollen nach der Ansicht von Turmes früher kommen. Die EU-Kommission hatte verbindliche Zielvorgaben immer wieder hinausgezögert und zuletzt davon abgesehen, diese vorzuschlagen. Erst 2014 soll geprüft werden, ob die Mitgliedstaaten auf dem richtigen Weg sind, um dann gegebenenfalls nachzubessern. Eine endgültige Einigung zwischen EU-Ministerrat und EU-Parlament ist im kommenden Jahr vorgesehen. 2013 würde die Umsetzung in Deutschland folgen.

Quelle DNR

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NABU: Wirtschaftsminister Rösler soll die EU-Effizienzrichtlinie nicht verwässern

Freitag 16. September 2011 von birdfish

Der NABU ist alarmiert über die Bestrebungen von Bundeswirtschaftsminister Rösler, die wirksamsten Energiesparmaßnahmen aus dem Entwurf für die neue EU-Energieeffizienz-Richtlinie zu streichen.

Energieeffizienz durch Haussanierung
Energieeffizienz durch Häusersanierung – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

„Die derzeit in Brüssel diskutierte Effizienz-Richtlinie ist eine logische Konsequenz der europäischen Klimabeschlüsse von 2007 unter der EU-Ratspräsidentschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wenn Wirtschaftsminister Rösler die Richtlinie jetzt entkernen will, verspielt er für Deutschland immense Marktchancen durch intelligente Dienstleistungen und Technologien zum Energiesparen“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke vor dem heutigen energiepolitischen Gespräch der Umweltverbände im Bundeskanzleramt. „Statt die Richtlinie zu verwässern, braucht die deutsche Energiepolitik jetzt das Eingreifen einer Effizienzkanzlerin Angela Merkel, sonst setzt sich die verheerende Politik eines Ministeriums für Wirtschaft und Energieverschwendung durch“, meint der NABU-Präsident.

Besonders schlecht ist aus Sicht des NABU die pauschale Ablehnung eines absoluten EU-Einsparziels in Höhe von 20 Prozent weniger Energieverbrauch bis 2020 durch das Wirtschaftsministerium. Statt den enormen Energiehunger der EU tatsächlich zu senken, reicht es Minister Rösler offenbar schon, wenn der Energieverbrauch künftig weniger stark wächst als die Wirtschaft. Aber diese Position steht in krassem Kontrast zum Energiekonzept der Koalition, in dem sich die Bundesregierung verpflichtet hat, den Primärenergieverbrauch in Deutschland bis 2020 um ein Fünftel zu reduzieren. „Erst ein ambitioniertes Energiekonzept für Deutschland verabschieden und dann in Brüssel die eigene Politik unterwandern – das ist doppelzüngig“, kritisiert Tschimpke. „Wir brauchen endlich verbindliche und konkret bezifferte Energieeinsparziele für Europa und die einzelnen Mitgliedsstaaten.“

Der größte Teil der durch die Richtlinie erwarteten Energieeinsparungen stammt von einer neuen Vorgabe für Energieversorgungsunternehmen, die den Verbrauchern künftig Effizienzdienstleistungen anbieten sollen, beispielsweise Angebote für den Austausch alter Haushaltsgeräte. „Minister Rösler will diese Einsparziele für Energieversorger komplett streichen. Damit untergräbt er nicht nur die ganze Richtlinie, sondern ausgerechnet der Wirtschaftsminister verhindert auch Wachstum und Innovationen in dem neuen, riesigen Markt für Energieeffizienz“, kritisiert NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. Dabei belegt der kürzlich erschienene nationale Energieeffizienz-Aktionsplan, dass sich die Effizienzvorgabe für Energieversorger in Höhe von 1,5 Prozent Einsparungen pro Jahr locker erreichen lässt, betont der NABU-Energieexperte.

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Energieverschwendung endlich stoppen und der EU-Effizienzrichtlinie zustimmen

Mittwoch 22. Juni 2011 von birdfish

„Die Bundesregierung muss ihre Blockadehaltung gegenüber mehr Energieeffizienz in Europa beenden und Vorreiter für Klimaschutz und Innovationsförderung werden“, fordert NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Krankenhaus
Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden festschreiben – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Wie das gehen kann, zeigt nun ausgerechnet Merkels Parteifreund EU-Energiekommissar Günther Oettinger der Bundesregierung in seinem Entwurf für eine Energieeffizienzrichtlinie, die heute vorgestellt wird.

„Der NABU begrüßt die Richtlinie als wichtiger Beitrag für mehr Energiesparen und Energieeffizienz in Europa“, erklärt Tschimpke. Von der Bundesregierung erwartet der NABU, dass sie den Vorschlag von Oettinger unterstützt und sich darüber hinaus für seine weitere Verbesserung stark macht. „Deutschland muss die Marktchancen der Energieeffizienz endlich erkennen und beweisen, dass die Regierung es wirklich ernst meint mit dem Energiesparen“, betont Tschimpke. In dieser Hinsicht greife der Entwurf noch zu kurz. Ohne verbindliche und überprüfbare Zielkriterien laufe die Richtlinie Gefahr, ihre Ziele zu verfehlen.

Insbesondere den Vorstoß der Kommission, Energieversorger dazu zu verpflichten, jährlich weniger Energie an ihre Kunden zu verkaufen, begrüßt der NABU. „Unternehmen müssen mit Energiesparen und nicht mit Energieverschwendung Geld verdienen. So setzen wir Klimaschutzanreize und schaffen Zukunftsmärkte“, lobt der NABU-Präsident. Allerdings dürften nur anspruchsvolle Effizienzmaßnahmen wie umfassende Gebäudesanierungen auf die Zielvorgaben angerechnet werden.

Der NABU fordert zudem, die Reduktionsziele im europäischen Emissionshandel in dem Maße zu verschärfen, in dem durch die Effizienz-Richtlinie eine Reduzierung des Energieverbrauchs zu erwarten sei. „Wenn endlich weniger Energie verbraucht wird, müssen auch die Klimaschutzziele im Emissionshandel angepasst werden. Sonst verfallen die CO2-Zertifikatspreise und damit der Anreiz zum Klimaschutz“, so Tschimpke.

Ausgerechnet das europäische Energiesparziel von 20 Prozent bis 2020, das unter der EU-Ratspräsidentschaft von Angela Merkel 2007 gesetzt wurde, droht verfehlt zu werden. Laut Berechnungen der Kommission kommt die EU bis 2020 nur auf neun Prozent Energieeinsparung. Deutschland erreicht bis dahin knapp 13 Prozent. Das liege auch daran, dass sich die Bundesregierung gegen die Pläne der Kommission stelle, eine verbindliche Sanierungsquote von drei Prozent für öffentliche Gebäude in der Richtlinie festzuschreiben.

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