KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Südafrikanischer Klimagipfel gestartet – hohe Erwartungen an neue Verhandlungen

Mittwoch 30. November 2011 von birdfish

Zum Klimagipfel im südafrikanischen Durban legte die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch in einem Hintergrundpapier ihre Erwartungen an die Verhandlungen vor.

COP17 Klimagipfel Durban

Hauptfokus der Debatte werden in diesem Jahr die Verhandlungen um ein rechtlich verbindliches Abkommen sein. Im Zentrum der Diskussion stehen die EU, die USA und die großen Schwellenländer.

“Der Erfolg von Durban hängt davon ab, ob die Staaten neue Gleise für den internationalen Klimaprozess legen werden. Knackpunkte sind hierbei die Einigung auf eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls sowie eine Verständigung darauf, wie ein rechtlich verbindliches Abkommen mit differenzierten Verpflichtungen für alle Länder bis spätestens 2015 verhandelt werden kann”, erklärt Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch. Der EU komme dabei eine Schlüsselrolle zu, gemeinsam mit Schwellenländern und gegebenenfalls gegen die USA eine ambitionierte Einigung durchzusetzen.

Das zweite große Thema ist die Finanzierung geplanter Kooperationen im Klima- und Regenwaldschutz sowie für Anpassung an den Klimawandel. Der Green Climate Fund, der beim letztjährigen Klimagipfel in Cancún prinzipiell beschlossen wurde, solle nun umsetzungsreif gemacht werden. Damit könnten zukünftig direkt Projekte für den Klimaschutz oder Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern finanziert werden. Außerdem sollte nach Meinung von Germanwatch ein Arbeitsplan für die nächsten 12 Monate beschlossen werden, der die Schritte festlegt, wie die Industrieländer ihre Verpflichtungen der Klimafinanzierung bis 2020 erfüllen.

Weitere Prozesse in den Bereichen Anpassung an die Klimafolgen, Technologiekooperation oder Regenwaldschutz aus Cancún sollten in Durban konkretisiert und dann in die Tat umgesetzt werden.

“Die Bedeutung der Klimagipfel hat sich seit Kopenhagen 2009 verändert. Das Verhandeln dort kommt nur voran, wenn Staaten zuhause mutig handeln, und wenn sie Vorreiterkoalitionen schließen, um das Handeln und Verhandeln voranzubringen. Diese Koalitionen können wichtige Impulse geben für eine große Transformation hin zu einer emissionsarmen Gesellschaft”, so Bals weiter.

Hintergrundpapier zum Klimagipfel

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Sonderbericht des IPCC: Schnelles Handeln zum Schutz vor Wetterextremen gefordert

Donnerstag 24. November 2011 von birdfish

Nur eine Woche vor Beginn der UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban legt der Weltklimarat IPCC insbesondere Entscheidungsträgern einen Sonderbericht zu den Risiken von Wetterextremen vor.

Inseln verschwinden
Mann auf nahezu überschwemmter Insel – Foto: Zeitenspiegel / Brot für die Welt

Das Hilfswerk “Brot für die Welt” und die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch begrüßen, dass der Gesamtbericht den Entscheidungsträgern Handlungsrezepte dafür gibt, wo und wie sie sich auf drohende Extremereignisse einstellen und dazu Risikomanagement betreiben sollen.

Manfred Treber von Germanwatch, der die Verhandlungen vor Ort begleitet hat, weist allerdings auch auf Schwächen des Berichts hin: “In der Zusammenfassung für Entscheidungsträger wird nicht ausreichend dargestellt, dass sich Risikozuwachs durch besseren Klimaschutz ‘vermeiden’ lassen würde. In einer um vier oder fünf Grad erwärmten Welt, auf die wir derzeit mangels ausreichenden Klimaschutzes zusteuern, werden die Konsequenzen ganz andere sein als wenn es gelingt, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Dennoch hat der Weltklimarat in seinem Gesamtbericht mehrfach aufgeführt, dass wir weltweit eine große Transformation brauchen. Nur mit einem Systemwechsel hin zu nachhaltiger Energiegewinnung und Wirtschaft können wir es mit der Herausforderung des Klimawandels aufnehmen”, so Treber.

Der Bericht des Klimarates untersuchte ebenfalls die Auswirkungen von bisherigen Naturkatastrophen, die vor allem vergleichsweise hohe Schäden in Entwicklungsländern hervorrufen. “Die Politik braucht nun konkrete Lösungsstrategien, um für zukünftige Gefährdungen die richtigen Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Wir müssen den Trend zu unverhältnismäßig vielen Opfern und menschlichem Leid in den Entwicklungsländern durch Wetterextreme stoppen”, erklärt Thomas Hirsch, Klimaexperte von “Brot für die Welt”. Insbesondere kleine Inselstaaten, die Flussdelta-Regionen in Asien und Bergregionen sind gefährdet.

Während der einwöchigen Diskussionen der Wissenschaftler wurde der Entwurf noch in einigen Punkten verändert. “Brot für die Welt” und Germanwatch begrüßen den neu aufgenommenen Verweis auf die Ernährungssicherheit in der Zusammenfassung für Entscheidungsträger. “Die Zunahme von Dürren, unter anderem in Westafrika, wird die langfristige Sicherstellung des Menschenrechts auf Nahrung gefährden”, fügt Hirsch hinzu. “Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit müssen viel besser miteinander verzahnt werden. Denn nach der Katastrophe ist bisher noch vor der Katastrophe”.

Ab dieser Woche verhandeln die Staaten auf dem UN-Klimagipfel in Durban. “Der IPCC-Bericht unterstreicht die Dringlichkeit des Handelns in der Klimapolitik, sowohl was den Klimaschutz angeht als auch die Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Folgen. In Durban müssen die Regierungen daher die Grundlage für eine klimapolitische Zukunftsarchitektur legen, die es noch ermöglicht, die globale Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen”, fügt Manfred Treber hinzu. Letzteres ist zum einen politisch vereinbartes Ziel, zum anderen dringend notwendig, um einen in großem Maßstab gefährlichen Klimawandel noch abzuwenden.

Zusammenfassung des IPCC-Reports (PDF, engl.)

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Oxfam und Greenpeace unterstützen Protest gegen klimafeindliche Braunkohletagebaue

Freitag 18. November 2011 von birdfish

Drei Klimazeuginnen aus Entwicklungsländern forderten vor dem Kohlekraftwerk Jänschwalde von Betreiber Vattenfall, die Planung neuer Braunkohletagebaue zu stoppen und das Klima zu schützen.

Klimazeuginnen
Klimazeuginnen protestieren in Jänschwalde – Foto: Gordon Welters / Oxfam

Die Frauen halten Warnschilder, die symbolisch die sichtbaren Folgen des Klimawandels in ihrer Heimat abbilden: Trinkwassermangel in Südafrika, Dürre in Nigeria und Meeresspiegelanstieg in Papua-Neuguinea. Gemeinsam mit ihnen demonstrieren Aktivisten von Greenpeace und Oxfam sowie Menschen aus der Lausitz, deren Wohnort durch den Tagebau bedroht ist, gegen die Energiepolitik des schwedischen Stromkonzerns: Vattenfall setzt trotz der beschlossenen deutschen Klimaschutzziele auf den Abbau und die Verbrennung von Braunkohle und heizt so den Klimawandel an.

Vattenfall-Energiepolitik hat weltweite Folgen für Menschen

„In meiner Heimat Südafrika verdorren durch die weltweite Erwärmung die Felder. Heute bin ich an einem der Orte, an denen der Klimawandel vorangetrieben wird. Konzerne wie Vattenfall tragen mit ihrer Energiepolitik eine Mitschuld“, sagt eine der anwesenden Klimazeuginnen, Zukiswa Millicent Nomwa, Sprecherin der Environment Monitoring Group in Südafrika. Die drei Frauen engagieren sich seit Jahren für den Umwelt- und Klimaschutz in ihren Heimatländern. Gemeinsam mit Hauwa Uma-Mustaphar aus Nigeria und Serafhina Gigira Aupong aus Papua-Neuguinea besucht Frau Nomwa im Vorfeld der Weltklimakonferenz (18.11. bis 9.12.2011 in Durban, Südafrika) Deutschland, um über die sichtbaren Folgen des Klimawandels zu berichten. „Es kann nicht sein, dass vor allem arme Menschen in Entwicklungsländern unter Wetterextremen oder Dürren leiden, obwohl diese Länder insgesamt kaum zum Klimawandel beitragen“, sagt Jan Urhahn, Klima-Campaigner der Entwicklungsorganisation Oxfam.

Lausitz: Vattenfall vertreibt Menschen aus ihrer Heimat

Derzeit betreibt Vattenfall in der Lausitz bereits fünf Tagebaue und drei Kohlekraftwerke; darunter das Kraftwerk Jänschwalde, den drittgrößten CO2-Emittenten Europas. Fünf weitere Braunkohletagebaue sind geplant, die über Jahrzehnte hinweg zur Klimaerwärmung beitragen werden. Dafür müssten mehr als 3.000 Menschen ihre Dörfer verlassen. „Ohne Rücksicht stellt der schwedische Energiekonzern Vattenfall hier in der Lausitz seine Profitgier über das Wohl von Mensch und Umwelt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Vattenfall noch immer an der Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger, festhält?“, sagt Greenpeace-Energieexpertin Anike Peters. Braunkohle setzt bei der Verbrennung etwa dreimal so viel klimaschädliches CO2 frei wie Erdgas.

Bürger/innen-Stimme gegen den Tagebau Welzow-Süd II

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Besserer Klimaschutz dank Spieltheorie? Klimaschutzabkommen effektiver gestalten

Donnerstag 3. November 2011 von birdfish

Der Bochumer Professor Carsten Vogt erforscht Möglichkeiten, internationale Klimaschutzabkommen mit spieltheoretischen Ansätzen erfolgreicher zu gestalten.

Carsten Vogt
Professor Carsten Vogt, Hochschule Bochum

Erfolge in der Klimaschutz-Politik sind seit Jahren ziemlich rar”, weiß Professor Carsten Vogt von der Hochschule Bochum: “Die letzten beiden Klimagipfel in Kopenhagen und Cancun haben uns kaum weiter gebracht.” Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wird der Bochumer Wirtschaftsdozent in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Professor Bodo Sturm von der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur (HTWK) in Leipzig versuchen, neue und innovative Lösungsansatz für das Problem zu erarbeiten. Das Projekt ist Teil des neuen Förderschwerpunkts “Ökonomik des Klimawandels”, mit dem die deutsche ökonomische Klimafolgenforschung international stärker profiliert werden soll.

“Die an den Klimaschutzabkommen beteiligten Staaten haben sehr unterschiedliche Interessen”, erläutert Carsten Vogt und versucht die komplizierte Problematik anhand einiger Beispiele verständlich zusammenzufassen: “Zum einen sind die Länder sehr unterschiedlich von den Folgen des Klimawandels betroffen. In Teilen Afrikas etwa wird es zu verschärften Hungersnöten kommen, weil die Ernteerträge infolge noch höherer Temperaturen sinken werden. Länder in den nördlichen Breiten, wie etwa Kanada, könnten durch höhere Ernteerträge sogar vom Klimawandel profitieren. Zum anderen sind auch die ökonomischen Möglichkeiten, dem Klimawandel zu begegnen, sehr unterschiedlich verteilt: Ein Land wie Bangladesh kann sich kaum gegen den Meeresspiegelanstieg wehren, weil ihm die finanziellen Mittel fehlen. Unsere Nachbarn in den Niederlanden hingegen können sich höhere Deiche leisten. Daher ist es sehr schwierig, Industrie- und Schwellenländer sowie Entwicklungsländern in ein Boot zu bekommen.”

Darüber hinaus, so der Ökonom, verfügten die Akteure in der Klimapolitik über teils extrem unterschiedliche Auffassungen, wie eine gerechte internationale Lastenverteilung im Klimaschutz aussehen könnte: “Manche Entwicklungsländer verweisen auf ihre sehr viel geringeren Pro-Kopf-Emissionen an CO2. Wenn man also gleiche Pro-Kopf-Emissionen als gerecht ansieht, dann müssten zunächst und ausschließlich die Industrieländer ihren Ausstoß an Treibhausgasen verringern. Orientiert man sich aber eher am Verursacherprinzip auf der Basis der aktuellen Gesamtemissionen, dann müssten auch Länder wie China und Indien einen Minderungsbeitrag erbringen.” Die unterschiedlichen Vorstellungen darüber, was “fair” ist, würden die Klimaverhandlungen zusätzlich erschweren, folgert Carsten Vogt.

Mit Hilfe mathematischer Methoden aus der Spieltheorie will der Bochumer Wissenschaftler nun die Chancen auf Lösungen in der Klimapolitik untersuchen. Dabei sollen die Unterschiedlichkeit der Länder und deren unterschiedliche Fairnessbegriffe berücksichtigt werden. “Das wird sicherlich nicht einfach”, so Vogt, “aber es bringt uns auch nicht weiter, wesentliche Aspekte, die in der Realität eine Rolle spielen, in Modellen der Klimaverhandlungen auszublenden.” Vielleicht stelle sich am Ende heraus, dass der bisherige Ansatz der Vereinten Nationen – möglichst alle Staaten an einer Verhandlungslösung zu beteiligen – gar nicht zielführend sei.
Sobald erste konkrete Ergebnisse vorliegen, wird der Bochumer Wirtschaftsdozent diese den internationalen Entscheidern der Klimapolitik in sogenannten “policy briefings” zur Verfügung stellen. Projektbegleitend sind Workshops geplant, zu denen Experten aus Wissenschaft und Politik eingeladen werden. “Der Wille zur Unterstützung ist groß und das Thema so wichtig, dass alle Lösungsmöglichkeiten intensiv geprüft werden müssen”, so Prof. Carsten Vogt.

Parallel zu dem eher theoretischen Teil des Projekts an der Hochschule Bochum wird Professor Bodo Sturm von der HTWK empirisch ermitteln, wie es um die reale Zahlungsbereitschaft für den Klimaschutz steht. Die Ergebnisse der Befragungen und ökonomischen Experimente sollen im Idealfall in die theoretischen Modelle eingespeist werden. Aus den genehmigten Fördermitteln von knapp 500.000 Euro werden dazu in Bochum und Leipzig für die kommenden drei Jahre zwei zusätzliche Mitarbeiterstellen finanziert.


Aktion Deutschland Hilft

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Klimaschutzfonds für ärmere Länder: EU soll jährlich 30 Milliarden bereitstellen

Freitag 28. Oktober 2011 von birdfish

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat am Mittwoch in einer Resolution verlangt, dass die EU jährlich 30 Milliarden Euro für Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen in ärmeren Ländern bereitstelle.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Dies solle Teil der Verhandlungsposition für die UN-Klimakonferenz in Durban Ende des Jahres sein. Die Industrienationen hatten sich dazu verpflichtet, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar in einen Klimafonds einzuzahlen. Die EU hat bereits 7,2 Milliarden Euro für die Jahre 2010 bis 2012 versprochen.

Nach Ansicht des Umweltausschuss müsse die EU ferner öffentlich und unwiderruflich eine zweite Kyoto-Verpflichtungsperiode unterstützen, auch wenn vergleichbare Treibhausgasminderungen anderer Länder nötig seien. Die Abgeordneten bekräftigten erneut ihre Forderungen nach einer Erhöhung des EU-Klimaziels und einer Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionshandel ab Januar. Umweltgruppen begrüßten die Abstimmung im Umweltausschuss als wichtiges Zeichen für die Klimaverhandlungen.

Resolution des EU-Parlaments (PDF)

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Germanwatch-Nachlese: Klimaverhandlungen in Panama nach Durban ausgeschifft

Donnerstag 13. Oktober 2011 von birdfish

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch kommentiert die Ergebnisse der jetzt in Panama zu Ende gegangenen UN-Klimaverhandlungsrunde.

Germanwatch Logo

Es war die letzte umfassende Vorbereitungssitzung sieben Wochen vor dem UN-Klimagipfel im südafrikanischen Durban.

Sven Harmeling, Teamleiter Internationale Klimapolitik bei Germanwatch und Beobachter bei den Klimaverhandlungen in Panama: “Germanwatch begrüßt die Fortschritte, die auf technischer Ebene bei der Konferenz in Panama im Vorfeld des Klimagipfels in Durban gemacht wurden. Allerdings müssen sich alle Regierungen vor Augen führen, worum es geht. Schon heute spüren immer mehr Menschen, allen voran in Afrika, die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels. Wir erwarten, dass die Regierungen mit dem Ziel nach Durban fahren, den afrikanischen Klimagipfel zu einem Meilenstein und Wendepunkt im Kampf gegen den Klimawandel zu machen. Entscheidungen, die die Zukunft des Kyoto-Protokolls sichern, müssen zugleich den Weg zu einem umfassenden Abkommen mit den Schwellenländern für 2015 freimachen.”

Sven Harmeling weiter: “Scheitern und Erfolg in Durban sind möglich. Für einen echten Meilenstein bedarf es auf der einen Seite einer klaren Zukunft für das Kyoto-Protokoll und seine zentralen Elemente, auf der anderen Seite eines klaren Verhandlungsmandats für eine verbindliche Gesamtlösung mit den USA und Schwellenländern. Viele Entwicklungsländer haben auf diese Notwendigkeit hingewiesen, und auch von Seiten Chinas kamen positive Signale. Darüber hinaus muss ein Paket zur konkreten Umsetzung der in Cancún auf den Weg gebrachten Institutionen und Prozessen beschlossen werden, in den Bereichen Anpassung an die Klimafolgen, Klimaschutz, der dafür notwendigen finanziellen Unterstützung und Technologie. Hier gab es in Panama konstruktive Diskussionen, die die Verhandlungen einer Entscheidungsfindung in Durban näher gebracht haben. Besonders wichtig ist die Implementierung des Green Climate Fund.”

Das Steuer ist jetzt in der Hand der Umweltminister und der Staats- und Regierungschefs, allen voran in der EU. Sven Harmeling: “Die EU hat in Panama einen wesentlichen Beitrag zu dem konstruktiven Verhandlungsverlauf geleistet. Die europäischen Umweltminister können am kommenden Montag auf die Entwicklung in Panama reagieren und ihren Verhandlern ein starkes Verhandlungsmandat zu geben, um die Zukunft des Kyoto-Protokolls zu sichern.” Angela Merkel und andere Staats- und Regierungschefs haben beim G20-Gipfel im November die Chance, durch ein klares Signal Richtung Durban und mit der Einführung innovativer Finanzierungsinstrumente die Klimaschutzdynamik in vielen Entwicklungsländern zu beschleunigen. Viel versprechend sind hier insbesondere Abgaben auf den internationalen Flug- und Schiffsverkehr, die auch in Panama von verschiedenen Ländern als Optionen benannt wurden. Deutschland kann mit einer Finanzzusage an den neuen Green Climate Fund den Verhandlungen weiteren Schub geben. “Kommen diese Signale nicht, setzen wir Kurs auf Sturm,” sagt Sven Harmeling, “mit politischem Willen kann Durban jedoch die strukturellen Voraussetzungen für einen Gezeitenwechsel hin zu einer globalen Antwort auf die Klimakrise liefern.”

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Maßnahmen gegen Luftbelastungen: Satellit zeigt Schadstoffausstoß in Mega-Städten

Dienstag 4. Oktober 2011 von birdfish

Die Stickoxidmengen, die in Ballungszentren in die Luft gelangen, lassen sich künftig unabhängig von Hochrechnungen und Modellsimulationen bestimmen.

Smog über Wien
Smog über Wien – Foto: Adolf Riess / Pixelio

Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie bestimmen aus Satellitendaten zur aktuellen Schadstoffbelastung und Wetterdaten, wie lange die Stickoxide in der Atmosphäre bleiben. Aus der Verweildauer und der aktuellen Belastung errechnen sie dann den ursprünglichen Ausstoß. Die Erfassung der Emissionen ermöglicht gezielte Maßnahmen zur Luftreinhaltung. Bislang werden die Emissionen anhand von Hochrechnungen abgeschätzt, was oft zu ungenauen Ergebnissen führt.

In Großstädten entweichen Unmengen an Schadstoffen in die Atmosphäre. So entstehen besonders im Verkehr täglich tausende Tonnen an gesundheitsschädlichen Stickoxiden, die in vielen Ländern noch ungefiltert in die Luft strömen. Wie hoch die Emissionen im Schnitt sind, ermitteln Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz mit Kollegen der Universität Heidelberg und des königlich-niederländischen meteorologischen Instituts de Bilt nun erstmals anhand umfangreicher Messungen des Satelliteninstruments OMI, das die weltweite Stickoxid-Belastung misst.

„Wir haben einen unabhängigen Weg gefunden, aus den Satelliten-Daten die durchschnittliche Verweildauer des Stickoxids in der Luft zu bestimmen“, sagt Steffen Beirle, Erstautor der Studie, die jetzt im Fachmagazin Science veröffentlicht wird. Nur wenn die Forscher wissen, wie lange eine Substanz in der Atmosphäre bleibt, können sie nämlich aus der aktuellen Belastung berechnen, wie viel von dem Stoff ursprünglich ausgestoßen wurde.

Die freigesetzten Abgasmengen werden weltweit zwar seit Jahren in Emissionskatastern erfasst. Allerdings basieren diese Kataster meist auf Hochrechnungen von Verkehr und Energieverbrauch der jeweiligen Staaten, die besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern oft noch sehr ungenau sind oder nicht existieren.

Ihre unabhängige Methode haben die Forscher unter anderem auf die saudi-arabische Hauptstadt Riad angewendet, die in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist und daher unter immer höheren Stickoxidbelastungen zu leiden hat. Als Testfall für die Mainzer Methode eignet sich die Metropole besonders gut, weil sie isoliert auf der arabischen Halbinsel liegt, so dass sich ihre Stickoxid-Emissionen nicht mit denen anderer wesentlicher Quellen vermischen, was die Analyse zusätzlich erschweren würde.

Um Information über die durchschnittliche Verweildauer der Stickoxide zu bestimmen, untersuchten die Wissenschaftler, wie schnell diese in der Abgasfahne abgebaut werden. Um klare Abgasfahnen in den Satellitendaten erkennen zu können, bedienten sie sich dabei eines Tricks: Sie nutzten Wetterdaten, um die Messergebnisse von OMI für acht verschiedene Windrichtungen sowie für Windstille zu sortieren, und getrennte Karten der mittleren Stickoxidbelastung um Riad zu erstellen. Mit einer mathematischen Operation können daraus die Verweildauer des Stickoxids in der Atmosphäre und damit die tatsächlichen Emissionen in Riad ermittelt werden.

„Unsere Methode der Emissionsbestimmung von Stickoxiden ist unabhängig von bisherigen Verfahren und kann weltweit auf Megastädte angewandt werden“, sagt Steffen Beirle. Die so ermittelten Daten können helfen, die globalen Modelle der Atmosphärenchemie zu optimieren. Die Daten helfen letztlich aber auch, Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung besser an die lokalen Gegebenheiten anzupassen.

Die Arbeit der Mainzer Forscher war Bestandteil des Europäischen Forschungsprojekts MEGAPOLI, dessen Ziel es ist, globale Klimaeffekte der Luftverschmutzung von Megastädten zu ermitteln. An MEGAPOLI sind 22 renommierte Forschungsinstitutionen beteiligt.

Originalpublikation:
Steffen Beirle, K. Folkert Boersma, Ulrich Platt, Mark G. Lawrence, and Thomas Wagner
Megacity emissions and lifetimes of nitrogen oxides probed from space

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Den Klimawandelfolgen entgegnen: Projekt gibt Afrikanern Hilfe zur Selbsthilfe

Mittwoch 31. August 2011 von birdfish

In Afrika verursachen die globale Klimaerwärmung und der starke Verstädterungsprozess große Bedrohungen für die Bevölkerung.

Straßenszene aus Ouagadougou
Straßenszene aus Ouagadougou
- Foto: Stephan Pauleit / TUM)

Niederschlagsknappheit erschwert die Landwirtschaft zunehmend, für viele Bauern ist daher die Flucht in städtische Ballungszentren einzige Überlebenshoffnung. Zu dieser Zuwanderrate kommt in afrikanischen Stadtregionen noch ein hohes Bevölkerungswachstum von über 5% pro Jahr hinzu. Ein internationales Forschungsprojekt unter Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) nimmt sich dieser Problemlage jetzt an. Das gemeinsame Ziel: Die Entwicklung von Strategien zur Risikominimierung afrikanischer Städte, die durch den globalen Klimawandel bedroht sind.

Die europäische Union stellt dem internationalen Forscherkonsortium im Rahmen ihres 7. Forschungs-Rahmenprogramms während bis 2013 insgesamt 3,5 Mio. Euro für das Projekt CLUVA (Climate change and Urban Vulnerability in Africa) zur Verfügung. Als europäische Projektpartner sind neben der TUM unter Leitung des italienischen Instituts AMRA die Universität Kopenhagen, die Universität Manchester, das italienische Centro Euro-Mediterraneo per i Cambiamenti Climatici, das deutsche Helmholtz Zentrum für Umweltforschung sowie das norwegische Institut für Stadt- und Regionalforschung NIBR beteiligt. Die afrikanischen Partner kommen von der Addis Ababa-Universität Äthiopien, der Ardhi-Universität Tansania, der Université Gaston Berger de Saint Louis Senegal, der Université de Yaoundé I in Kamerun, der Universität Ouagadogou in Burkina Faso, sowie dem Council for Scientific and Industrial Research CSIR in Südafrika.

Die Wissenschaftler untersuchen die Strategien zur Risikominimierung am Beispiel von fünf afrikanischen Großstädten: St. Louis (Senegal), Ouagadougou (Burkina Faso), Douala (Kamerun), Addis Ababa (Äthiopien) sowie Dar Es Salaam (Tansania). Meist wachsen die Stadtränder dort ohne strategische Planung in das Umland hinaus. In Dar Es Salaam beispielsweise lebt etwa 70% der Bevölkerung in ungeplanten Siedlungen. Vor allem in diesen Wachstumszonen gibt es erhebliche Defizite in der Infrastruktur, in der Ökologie, im sozialen Bereich und in der Sicherheit. Außerdem wird die Versorgung der Bewohner mit Nahrungsmitteln, Strom und Wasser immer schwieriger. Dazu kommt die erwartete massive Landflucht: Schon heute leben 297 Millionen Menschen der afrikanischen Bevölkerung in Städten oder an den Küstengebieten – 2030 werden es voraussichtlich 1,4 Millionen Menschen sein. Das Forscherkonsortium möchte daher schon jetzt die Risiken durch die globale Klimaveränderung benennen – und Wege aufzeigen, um die Anpassungsfähigkeit der Großstädte zu erhöhen.

Das Team am TUM-Lehrstuhl Strategie und Management der Landschaftsentwicklung untersucht dabei speziell die Rolle städtischer Grünstrukturen und Ökosysteme bei der Anpassung afrikanischer Städte an den Klimawandel. Dabei spielen hauptsächlich die Regenwasserrückhaltefähigkeit, die Kühlwirkung auf das städtische Lokalklima sowie die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Brennholz aus den Grünstrukturen eine bedeutende Rolle. „Methodisch kommen eine Erfassung und stadtspezifische Kartierung dieser verschiedenen Einflussfaktoren gemeinsam mit den afrikanischen Partnern vor Ort zur Anwendung“, erklärt Prof. Stephan Pauleit, Leiter des Lehrstuhls Strategie und Management der Landschaftsentwicklung. Die Erkenntnisse der TUM über die Robustheit der Grünstrukturen gegenüber globalen Klimaveränderungen und dem Siedlungsdruck in Afrika fließen – zusammen mit den anderen Forschungsergebnissen aus dem CLUVA-Projekt – in eine Strategie für eine zukunftsweisende, modellhafte Stadtplanung afrikanischer Städte ein.

„Die Feldforschung wird durch unsere afrikanischen Partner betrieben. Die europäischen Wissenschaftler stehen jederzeit unterstützend zur Seite und bringen ihr gesamtes Know-how in den Forschungsprozess mit ein. Hand in Hand wird dadurch das Fachwissen über den Umgang mit Klimarisiken in Afrika bei den afrikanischen Partner-Universitäten aufgebaut“, erklärt Pauleit. „Die Ergebnisse aus dem CLUVA-Projekt werden daher in Zukunft auch die Lehre an den afrikanischen Partner-Universitäten bereichern. So bietet das Projekt sozusagen doppelt Hilfe zur Selbsthilfe“, freut er sich.

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