KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Oxfam und Greenpeace unterstützen Protest gegen klimafeindliche Braunkohletagebaue

Freitag 18. November 2011 von birdfish

Drei Klimazeuginnen aus Entwicklungsländern forderten vor dem Kohlekraftwerk Jänschwalde von Betreiber Vattenfall, die Planung neuer Braunkohletagebaue zu stoppen und das Klima zu schützen.

Klimazeuginnen
Klimazeuginnen protestieren in Jänschwalde – Foto: Gordon Welters / Oxfam

Die Frauen halten Warnschilder, die symbolisch die sichtbaren Folgen des Klimawandels in ihrer Heimat abbilden: Trinkwassermangel in Südafrika, Dürre in Nigeria und Meeresspiegelanstieg in Papua-Neuguinea. Gemeinsam mit ihnen demonstrieren Aktivisten von Greenpeace und Oxfam sowie Menschen aus der Lausitz, deren Wohnort durch den Tagebau bedroht ist, gegen die Energiepolitik des schwedischen Stromkonzerns: Vattenfall setzt trotz der beschlossenen deutschen Klimaschutzziele auf den Abbau und die Verbrennung von Braunkohle und heizt so den Klimawandel an.

Vattenfall-Energiepolitik hat weltweite Folgen für Menschen

„In meiner Heimat Südafrika verdorren durch die weltweite Erwärmung die Felder. Heute bin ich an einem der Orte, an denen der Klimawandel vorangetrieben wird. Konzerne wie Vattenfall tragen mit ihrer Energiepolitik eine Mitschuld“, sagt eine der anwesenden Klimazeuginnen, Zukiswa Millicent Nomwa, Sprecherin der Environment Monitoring Group in Südafrika. Die drei Frauen engagieren sich seit Jahren für den Umwelt- und Klimaschutz in ihren Heimatländern. Gemeinsam mit Hauwa Uma-Mustaphar aus Nigeria und Serafhina Gigira Aupong aus Papua-Neuguinea besucht Frau Nomwa im Vorfeld der Weltklimakonferenz (18.11. bis 9.12.2011 in Durban, Südafrika) Deutschland, um über die sichtbaren Folgen des Klimawandels zu berichten. „Es kann nicht sein, dass vor allem arme Menschen in Entwicklungsländern unter Wetterextremen oder Dürren leiden, obwohl diese Länder insgesamt kaum zum Klimawandel beitragen“, sagt Jan Urhahn, Klima-Campaigner der Entwicklungsorganisation Oxfam.

Lausitz: Vattenfall vertreibt Menschen aus ihrer Heimat

Derzeit betreibt Vattenfall in der Lausitz bereits fünf Tagebaue und drei Kohlekraftwerke; darunter das Kraftwerk Jänschwalde, den drittgrößten CO2-Emittenten Europas. Fünf weitere Braunkohletagebaue sind geplant, die über Jahrzehnte hinweg zur Klimaerwärmung beitragen werden. Dafür müssten mehr als 3.000 Menschen ihre Dörfer verlassen. „Ohne Rücksicht stellt der schwedische Energiekonzern Vattenfall hier in der Lausitz seine Profitgier über das Wohl von Mensch und Umwelt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Vattenfall noch immer an der Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger, festhält?“, sagt Greenpeace-Energieexpertin Anike Peters. Braunkohle setzt bei der Verbrennung etwa dreimal so viel klimaschädliches CO2 frei wie Erdgas.

Bürger/innen-Stimme gegen den Tagebau Welzow-Süd II

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Mit emissionsarmem Holz heizen: Klima und Wälder schonen mit dem Blauen Engel

Dienstag 8. November 2011 von birdfish

Pünktlich zur Heizsaison stehen viele Hausbesitzer und Betreiber von Heizanlagen oder größeren Kesseln vor der Entscheidung, ob sich ein Austausch lohnt.

Holz im Sägewerk
Holz im Sägewerk – Foto: hauku / Pixelio

Bei der Frage nach einem umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Brennstoff, der Erdöl oder Erdgas ersetzen kann, steht Holz weit oben auf der Skala der möglichen Alternativen – emissionsarme Brennmaterialien sind dabei vor allem Holzhackschnitzel und Holzpellets.

Damit jedoch die Klimaschutzbemühungen nicht durch den Raubbau an unseren Wäldern untergraben werden oder unnötig Schadstoffe in die Atmosphäre gelangen, müssen Holzbrennstoffe nachhaltig gewonnen, emissionsarm getrocknet und effizient genutzt werden. Auch sollten sie möglichst kurze Transportwege zurücklegen.

Diese und weitere Kriterien, die gemeinsam mit dem IFEU Heidelberg erarbeitet wurden, stellt das Öko-Institut im Rahmen der Kennzeichnung nachhaltig erzeugter Holzhackschnitzel und Holzpellets mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ vor. „Holzprodukte mit dem Blauen Engel müssen aus einer nachweisbar nachhaltigen Forstwirtschaft stammen“, erklärt Jens Gröger Projektleiter am Öko-Institut, die Vorteile gegenüber herkömmlichen Hackschnitzeln und Pellets. „Wer also künftig mit diesen Materialien heizt, trägt dazu bei, dass Wälder nachhaltiger bewirtschaftet werden.“

Strenge Vorgaben für eine nachhaltige Holzwirtschaft

Der Blaue Engel wird nur an Holzbrennstoffe aus Wäldern vergeben, die mindestens den FSC-, PEFC- oder den Naturland-Kriterien entsprechen. Diese Siegel sind bereits seit vielen Jahren erfolgreich für Forstprodukte eingeführt. Ihre Kriterien werden nun erstmals auch auf Holzhackschnitzel und Pellets angewendet. Zusätzlich müssen Nachhaltigkeitsanforderungen zum Schutz arten- und kohlenstoffreicher Flächen eingehalten werden, die in der EU für Biokraftstoffe gelten. Der Blaue Engel für Holzhackschnitzel und Pellets stellt zudem sicher, dass für ihre Herstellung nur Reststoffe aus Sägewerken, Holz aus so genannten Kurzumtriebsplantagen (schnellwachsende Bäume) oder Hölzer mit einem Durchmesser von mehr als sieben Zentimeter aus kontinuierlich bewaldeten Flächen verwendet werden. Damit verbleiben dünnere Äste im Wald und sichern dessen biologische Vielfalt und den natürlichen Nährstoffkreislauf.

Um das Umweltzeichen zu erhalten, ist zudem der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln zur Ertragssteigerung im Wald verboten. Außerdem dürfen nur chemisch unbehandelte Hölzer beispielsweise aus der Möbelproduktion oder Sägewerken zum Einsatz kommen. Der Hersteller ist verpflichtet, die Holzherkunft lückenlos zu dokumentieren.

CO2-Emissionen während des Transports transparent auszeichnen

Hackschnitzel und Pellets verbrennen als biogene Brennstoffe praktisch CO2-frei. Werden sie jedoch über weite Entfernungen bis zum Einsatzort transportiert, müssen die entsprechenden Treibhausgasemissionen in die Gesamtbilanz einbezogenen werden. Der Blaue Engel macht dies transparent: In den Produktinformationen müssen Hersteller die Transportemissionen ausweisen.
Verbraucherinnen und Verbraucher können damit direkten Einfluss auf die Herkunft der Bioenergie nehmen und einen konkreten Beitrag zum Umweltschutz leisten.

„Im internationalen Jahr der Wälder ist es besonders wichtig, darüber zu informieren, welche Lösungen Klima- und Waldschutz verbinden“, betont Gröger. „Holzhackschnitzel und Holzpellets als Bioenergie zum Heizen können eine solche Lösung sein, wenn sie die entsprechenden Bedingungen erfüllen.“ Neben dem Anbau und Transport macht der Blaue Engel auch bei der Trocknung der Hölzer Vorgaben für den Einsatz von erneuerbaren Energien, zur Energieeffizienz und zur Minimierung der Feinstaubbelastung.

PROSA – Methode für die Kriterienentwicklung für Umweltkennzeichnung

Für die Ableitung von Vergabekriterien für das Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ prüft das Öko-Institut gemäß ISO 14024, welche Umweltauswirkungen für die potenzielle Vergabe eines Klimaschutz-Umweltzeichens relevant sind. Neben dem Energieverbrauch und dem Treibhausgasausstoß werden weitere wichtige Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte analysiert wie die umweltgerechte Produktion, die Schadstofffreiheit, der Gesundheits- und Arbeitsschutz, die Reparaturfreundlichkeit oder die Recyclingfähigkeit.

Grundlage für die Kriterienentwicklung ist jeweils eine Nachhaltigkeitsanalyse mit der vom Öko-Institut entwickelten Methode PROSA (Product Sustainability Assessment). Ausgehend von einer Marktanalyse beinhaltet PROSA eine vereinfachte Ökobilanz an repräsentativen Produkten, die Berechnung typischer Lebenszykluskosten und eine Nutzenanalyse der Produktgruppe. Entlang des Produktlebensweges werden Nachhaltigkeitsaspekte untersucht, die besonderen Hot-Spots des Produktes identifiziert und daraus Vergabekriterien abgeleitet.

Weitere Informationen

Studie „PROSA – Technisch getrocknete Holzhackschnitzel / Holzpellets“ für die Entwicklung von Kriterien für das Umweltzeichen für klimarelevante Produkte und Dienstleistungen (PDF)

Informationen zur Vergabegrundlage der Produktgruppe RAL-UZ 153 – Holzhackschnitzel / Holzpellets des Blauen Engels

Informationen zum Blauen Engel mit dem Zusatz „Schützt das Klima“ und nachhaltigen Konsum auf der Website des Öko-Instituts

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2010: rund 127 Gigawattstunden Strom verloren – Windgas kann Verlust stoppen

Freitag 7. Oktober 2011 von birdfish

Weil die Leitungen in Deutschland nicht genügend ausgebaut sind, passt ein zunehmender Teil von Ökostrom nicht mehr ins Stromnetz.

Windgas macht Windenergie effektiver
Windgas macht Windenergie effektiver – Foto: Dagmar Struß

Wie Greenpeace Energy jetzt bekannt gab, gingen nach neuesten Zahlen der Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr rund 127 Gigawattstunden Strom verloren.

Bei dem verloren gegangenen Strom handelt es sich größtenteils um Windstrom. Laut Greenpeace Energy hätte der Strom im Wert von 30 Millionen Euro ausgereicht, um mehr als 30.000 Haushalte über ein Jahr hinweg zu versorgen.

Angesichts des überlasteten Stromnetzes setzt Greenpeace Energy auf Windgas. “Windgas ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende in Deutschland”. erklärt Astrid Kleinkönig, Marketingleiterin bei Greenpeace Energy. “Die Technik ermöglicht, dass wir uns in Zukunft vollständig aus Erneuerbaren Energien versorgen.” Deswegen prüft Greenpeace Energy derzeit Standorte für die nötige Infrastruktur. Für den Aufbau der Windgas-Technologie ist in dem neuen Tarif proWindgas ein Aufschlag enthalten.

Nachfrage nach erneuerbaren Energien steigt
Für diesen Tarif haben sich bislang 3.000 Kunden angemeldet und den entsprechenden Vertrag unterschrieben. Die Nachfrage übertrifft auch bei Greenpeace Energy die Erwartungen. Wie die Energiegenossenschaft bekannt gab, laufe das erst im Juli gestartete Gasangebot besser als erwartet. Nun seien die Prognosen nach oben korrigiert worden: Bis zum Jahresende sollen 5.000 Kunden proWindgas beziehen.

Ab dem 1. Oktober werden die proWindgas-Kunden zunächst mit Erdgas beliefert. Zum neuen Jahr soll dann schrittweise ein wachsender Anteil Windgas beigemischt werden. Bei diesem Gas handelt es sich um ein erneuerbares Gas, das aus überschüssigem Windstrom gewonnen wird. Es entsteht durch die Umwandlung in Wasserstoff, der ins Erdgasnetz eingespeist wird. Das Gasnetz wird so zum Langzeitspeicher für erneuerbare Energien.

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Gas als Brennstoff für Autos kann jetzt auch aus Wind und Sonne erzeugt werden

Montag 16. Mai 2011 von birdfish

Bisher gehörte Erdgas zu den fossilen Brennstoffen. Künftig kann man aus Gas auch umweltfreundlichen Strom erzeugen.

Autos können mit Gas aus Sonnenenergie fahren
Autos können mit Gas aus Sonnenenergie fahren – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Forscher des Fraunhofer IWES und des ZSW Stuttgart sind an einem Projekt beteiligt, in dem Audi und SolarFuel eine neuartige Anlage errichten. Sie wandelt Strom aus Wind und Sonne erstmals im industriellen Maßstab in Methan um, also in künstlich hergestelltes Erdgas. Während sich Strom schlecht speichern lässt, kann man das Erdgas problemlos lagern. Bei Flaute und bedecktem Himmel kann man daraus über Gaskraftwerke wieder Strom erzeugen, oder den Tank von Gasautos damit füllen.

Auf  Feldern und Äckern drehen sich zunehmend mehr Rotoren von Windkraftwerken, und auf den Dächern sieht man statt Ziegeln vermehrt Solaranlagen. An einem windigen sonnigen Tag liefern diese Anlagen oft mehr Strom als die Verbraucher benötigen – an windstillen lauen Tagen reicht die Stromproduktion dagegen nicht aus. Den Strom zu speichern und später zu verwenden, gestaltet sich recht schwierig. Hier soll das neue Technologiekonzept »Power-to-Gas« künftig helfen, das Forscher vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel gemeinsam mit ihren Kollegen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg ZSW in den letzten Jahren entwickelt haben. Sie wandelt Strom aus erneuerbaren Energien in Methan um, in künstlich hergestelltes Erdgas – auch e-gas genannt, kurz für erneuerbares Gas. Der Vorteil: Im Gegensatz zu Strom lässt sich das Methan lagern. Herrscht ein Mangel an Strom, kann das Gas in Gaskraftwerken erneut Strom erzeugen. Außerdem lassen sich damit herkömmliche Erdgasautos betanken. Das Methan und Erdgas die gleichen chemischen Eigenschaften haben, braucht das Auto dafür nicht umgerüstet werden. »Unser Konzept Power-to-Gas löst gleich zwei Kernprobleme der Energiewende: Die Speicherung von erneuerbaren Energien und die Versorgung mit klimafreundlichem Kraftstoff. Damit wird eine stabile Stromversorgung auch mit Wind- und Solarenergie möglich«, sagt Dr. Michael Sterner, leitender Wissenschaftler am IWES.

Betrieb der Anlage ab 2013

Die Firmen SolarFuel und Audi setzen dieses Technologiekonzept nun erstmals im industriellen Maßstab um – gemeinsam mit dem IWES und dem ZSW. Die Anlage, die 2013 in Betrieb gehen soll, wird eine Leistung von 6,3 Megawatt haben, etwa so viel wie drei große Windräder oder 1000 Photovoltaikanlagen. Das für den Prozess benötigte CO2 wird aus einer Biogasanlage des Partners EWE in unmittelbarer Nähe bereitgestellt, die Reststoffe und Abfälle verwertet und klimaneutrales CO2 liefert. Das erzeugte Methan wird in Werlte in Niedersachsen in das Gasnetz eingespeist, wo es dann in Deutschlands größten Speichern, den Gasspeichern, lagert. Von dort aus strömt es über die vorhandenen Erdgasleitungen zu den Verbrauchern.

Doch wie funktioniert das Verfahren? Der elektrische Strom spaltet Wassermoleküle zunächst in Wasserstoff und Sauerstoff auf. Lässt man den Wasserstoff mit CO2 reagieren, entsteht das Methan. Das Verfahren an sich ist seit langem bekannt. Es in großem Maßstab einzusetzen, um Netzengpässe durch erneuerbaren Energien auszugleichen, ist dagegen ein gänzlich neuer Ansatz. »Strom- und Gasnetz zu koppeln, ist ergänzend zu Netzausbau, Lastmanagement und Kurzzeitspeichern ein Eckpfeiler der Energiewende«, sagt Prof. Dr. Jürgen Schmid, Leiter des IWES. »Es ist absehbar, dass erneuerbarer Strom zur Primärenergie wird, da sich beispielsweise Windstrom mit zur günstigsten Art und Weise der Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien entwickelt.« Indem die Power-to-Gas-Technologie die Strom- und Gasnetze koppelt, kann sie Stromengpässe von bis zu zwei Wochen überbrücken. »E-Gas stellt die Stromversorgung mit erneuerbaren Energien und damit die Energiewende auf sichere Beine«, sagt Sterner.

CO2 aus nachhaltigen Quellen nutzen

Damit das Verfahren das Klima nicht schädigt ist es wichtig, das CO2 aus nachhaltigen Quellen zu gewinnen. Davon gibt in Deutschland genügend: Alleine in den bestehenden 50 Biogas-Aufbereitungsanlagen entstehen 500 000 Tonnen CO2. Damit ließen sich 4,8 Terawattstunden Strom speichern – das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa eineinhalb Millionen Haushalten. Herkömmliche Biogasanlagen liefern ebenfalls sehr viel CO2. Alleine 20 Prozent der Anlagen könnten zwei Millionen Tonnen CO2 bereitstellen. Weitere große Quellen sind Bioethanolanlagen, Brauereien und Klärwerke, sie liefern 1,1 Millionen Tonnen CO2.

Nutzt man das CO2 aus Biogasanlagen für die Power-to-Gas-Anlage, ergibt sich ein weiterer Vorteil: Das Biogas, das zu 60 Prozent aus Methan und zu 40 Prozent aus CO2 besteht, wird über Biogas-Aufbereitungsanlagen üblicherweise in das Gasnetz eingespeist, um es in der Fläche einer sinnvollen energetischen Nutzung zuzuführen. Dabei entweichen etwa zwei Prozent des Methans in die Atmosphäre, man spricht von Methanschlupf. Eine heikle Angelegenheit für das Klima, da Methan auf hundert Jahre gesehen 21 mal klimaschädlicher ist als CO2. „Dieses Loch können wir stopfen, indem man das Biogas durch die Power-to-Gas-Anlage leitet. Dabei entsteht aus dem Biogas fast reines Methan, das ohne Methanschlupf aufbereitet werden kann“, erläutert Sterner.

e-gas als Tankfüllung

Auch als Kraftstoff hat e-gas eine gute CO2-Bilanz. »Über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs gesehen produziert ein e-gas betriebenes Fahrzeug kaum mehr CO2 als ein Elektroauto«, sagt Prof. Dr. Schmid. Elektrofahrzeuge haben zwar im Betrieb sehr geringe Emissionen, ihre Herstellung ist aber deutlich CO2-intensiver als die Herstellung von Gasfahrzeugen. »Betankt« man ein Elektroauto mit Strom aus Windenergie, stößt es zwar nur 5 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer aus. Dafür wird bei der Herstellung sehr viel CO2 produziert: Bei einer Lebensfahrleistung von 200 000 Kilometern sind es umgerechnet je nach Fahrzeugkonzept 50 bis 60 Gramm pro Kilometer. Damit stößt ein Elektroauto insgesamt 55 bis 60 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Ein Gasfahrzeug verursacht mit Windgas aus Windstrom zwar je nach Technologiestand 20 bis 30 Gramm pro Kilometer im Fahrbetrieb, ist aber in der Herstellung mit 30 bis 35 Gramm klimafreundlicher als das Elektroauto und kommt damit insgesamt ebenfalls nur auf 50 bis 65 Gramm pro Kilometer. Die Elektromobilität und e-gas können sich gut ergänzen. Denn bislang stellen die Batteriesysteme von Elektroautos noch eine große Herausforderung dar – ihre Reichweite ist noch sehr begrenzt und sie sind recht kostenintensiv. Möchte der Fahrer weitere Strecken zurücklegen, könnte er auf e-gas aus Wind- und Solarstrom umschalten, ohne den CO2-Ausstoss stark zu erhöhen.

Was die Wirtschaftlichkeit der Power-to-Gas-Anlage angeht, ist Sterner zuversichtlich: „Selbst bei einem ideal ausgebauten Stromnetz und optimalem Lastmanagements sind Stromspeicher nötig. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sich hier ein wirtschaftliches Konzept ergibt“, ist sich der Forscher sicher. Denn während die Speicher, die im Stromnetz vorhanden sind, die Stromversorgung nur für wenige Stunden aufrechterhalten können, bietet das Erdgasnetz eine rund 3000-fach höhere Speicherkapazität.

Website “Power to Gas”

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Werden Steuersätze für Energieträger bald auf Basis des CO2-Ausstoßes berechnet?

Dienstag 19. April 2011 von birdfish

Die Kommission hat einen Vorschlag für die Revision der EU-Energiesteuerrichtlinie vorgelegt.

Besteuerung nach CO2-Ausstoß wäre eine effektive Sache
Besteuerung nach CO2-Ausstoß wäre eine effektive Sache – Foto: Konstantinos Dafalias / Pixelio

Darin schlägt sie vor, die Mindeststeuersätze für Energieträger künftig auf Basis des CO2-Ausstoßes zu berechnen.

Je höher die CO2-Emissionen eines Energieträgers, desto höher soll dieser also künftig besteuert werden. Von der neuen Regelung würden emissionsärmere Energieträger wie Erdgas profitieren, Diesel hingegen würde stärker besteuer werden.

Umweltverbände begrüßten den Vorstoß der Kommission, der in Richtung einer lange geforderten CO2-Steuer geht. Mit den Vorschlägen würden diejenigen belohnt, die in effiziente Technologien und Erneuerbare Energien investierten, so das Forum Ökologisch-Soziale Markt-wirtschaft (FÖS). Das FÖS forderte die Bundesregierung auf, den Kommissionsvorschlag zu unterstützen und sich nicht von der Dieselindustrie vereinnahmen zu lassen. Wenn die Mindeststeuersätze hoch genug gewählt würden, könne die Richtlinie einen wertvollen Beitrag zur Klimapolitik leisten und eine Emissionsverringerung um 30 Prozent bis 2020 leicht erreichbar machen, so der Umweltdachverband Europäisches Umweltbüro (EEB).

Großbritannien plant angeblich, im EU-Ministerrat mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen die Richtlinie zu stimmen. Das berichtete EU-Infodienst Euractiv unter Berufung auf Stimmen aus Diplomatenkreisen. Da der Rat in Steuerfragen mit Einstimmigkeit entscheiden muss, würde dies das Aus für den Kommissionsvorschlag bedeuten.

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Analyse beagt: Rascher Atomausstieg geht ohne Stromlücke und ohne Preisexplosion

Sonntag 20. März 2011 von birdfish

Ein zügiger Ausstieg aus der Kernenergie bietet Chancen für Fortschritte im Klimaschutz, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden oder die Portemonnaies der Bürger übermäßig zu strapazieren.

Erneuerbare Energien sind die Zukunft

Erneuerbare Energien sind die Zukunft – Adam Oswell / WWF-Canon

Zu dieser Einschätzung kommen WWF und Öko-Institut aufgrund einer Analyse des Strommarktes. „Unsere Berechnungen zeigen: Es geht beides – Klimaschutz und Ausstieg aus der Kernenergie“, sagt Regine Günther, Leiterin des Bereichs Energie- und Klimaschutz beim WWF Deutschland. „Wir müssen jetzt einen Weg für die Energieversorgung einschlagen, der Menschen gemachte Katastrophen heute und in Zukunft ausschließt. Unser Vorschlag liegt auf dem Tisch. Jetzt muss die Bundesregierung endlich einen kohärenten Plan für eine fast treibhausgasfreie Entwicklung ohne Kernenergie bis 2050 vorlegen“, so die WWF-Klimaleiterin.

Dr. Felix Christian Matthes, Forschungskoordinator beim Öko-Institut, hat für den WWF ein beschleunigtes Ausstiegsszenario durchgerechnet. Demnach könnte die gesamte installierte Nettoleistung der heute am Netz befindlichen Kernkraftwerke von insgesamt 20.500 MW bis zum Jahr 2020 anders erbracht werden.

„Der vollständige Ausstieg aus der Kernenergie ist in Deutschland bis 2020 möglich. Zehn Kernkraftwerke können sofort abgeschaltet werden, vier Kraftwerke bis 2013 und die verbliebenen drei Kernkraftwerke im zweiten Drittel der Dekade“, fasst Dr. Felix Christian Matthes zusammen. „Die Effekte der Kraftwerksstilllegungen auf den Strompreis werden ausgesprochen gering sein. Auch die gefürchtete „Stromlücke“ bleibt aus, weil es genügend Alternativen gibt.“

Konkret könnte der beschleunigter Auslaufpfad so aussehen: Sehr kurzfristige dauerhafte Stilllegung der sieben ältesten Kernkraftwerke sowie des derzeit nicht betriebenen KKW Krümmel, ermöglicht durch die vorhandenen Reserven des Systems. Zwei weitere Blöcke könnten dank der so genannten Kaltreserven im deutschen Stromversorgungssystem ebenfalls sehr kurzfristig abgeschaltet werden. Vier weitere Blöcke ließen sich bis 2013 stilllegen – in Kombination mit Lastmanagement-Maßnahmen sowie der Inbetriebnahme der Kraftwerke, die bis 2013 ans Netz gehen. Durch den Neubau von Kraftwerken in den Bereichen Biomasse, Kraft-Werke-Kopplungs-Anlagen sowie anderen Erdgas-Kraftwerken ließen sich drei weitere Blöcke bis 2020 abschalten.

Insgesamt könnten bis 2020 so 21.000 MW ganz ohne Kernenergie erzeugt werden, zeigen die Berechnungen des Öko-Instituts. Dies sind 500 MW mehr als die derzeitige Leistung aller deutschen Kernkraftwerke.

Öko-Institut und WWF gehen davon aus, dass von einem veränderten energiepolitischen Kurs positive Impulse für den Klimaschutz ausgehen können. Das Ziel, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur unterhalb von zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, sei erreichbar. Dazu müssen die Industrieländer ihre Treibhausgase allerdings bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Die WWF-Studie „Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050“ zeigt, wie sich dieses Ziel erreichen lässt.

Um den Wandel von einer klimaschädlichen zur klimaverträglichen Wirtschaftsweise voranzutreiben, seien gezielte Investitionen und Förderungen von Innovationen in allen Bereichen notwendig. Neben der Stromerzeugung seien weitere zentrale Handlungsfelder der Gebäudesektor, der Straßenverkehr sowie die Industrie. Ohne den Einbezug der Landwirtschaft sowie der Landnutzung sei das ambitionierte Klimaschutzziel ebenfalls nicht zu erreichen. „Anspruchsvoller Klimaschutz muss alle Sektoren erfassen“, so Regine Günther. „Die heute vermeintlich preiswerten Wege führen langfristig häufig in die Irre. Wir müssen eine Energieversorgung hinbekommen, die menschengemachte Katastrophen ausschließt.“

Neben einer massiven Steigerung der Energieeffizienz spielen die erneuerbaren Energien eine herausragende Rolle für das „Modell Deutschland“. Sie könnten 83 Prozent der Stromerzeugung bis 2050 ausmachen. Dafür würden intelligente Stromnetze, massiv ausgebaute Speicherkapazitäten sowie neue Marktregeln benötigt.

Studie: “Schneller Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Kurzfristige Ersatzoptionen, Strom- und CO2-Preiseffekte” (PDF)

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Wie funktioniert eine Biogasanlage?

Donnerstag 20. Januar 2011 von birdfish

Die Agentur für Erneuerbare Energien hat eine gute Erklärung zur Funktion von Biogasanlagen ausgearbeitet:

In der Vorgrube werden Gülle und andere Substrate zwischengelagert und eventuell zerkleinert, verdünnt oder gemischt. Substrate sind die feste oder flüssige Biomasse, die im Fermenter zur Biogaserzeugung eingesetzt werden.

In Biogasanlagen kommen Energiepflanzen (z.B. Mais und andere Getreide, Schilfgras), Reststoffe wie Ernterückständen (z.B. Rübenblätter), tierische Exkremente (z.B. Gülle, Mist), Nebenprodukte der Lebensmittelproduktion (z.B. Fette, Speisereste, Kartoffelschalen) oder organische Abfälle (z.B. Klärschlamm) zum Einsatz.

Der Fermenter (auch: Gärbehälter, Faulbehälter oder Bioreaktor) ist das Kernstück der Biogasanlage. Der Fermenter ist ein Behälter, in dem Biomasse unter Ausschluss von Licht und Sauerstoff von Mikroorganismen abgebaut wird. Aus den Abbauprodukten dieses Gärprozesses bilden methanogene Bakterien dann Methan und Kohlendioxid. Der Fermenter ist beheizt und verfügt über eine Durchmischungseinrichtung und eine Möglichkeit zur Entnahme des Biogases.

Das entstehende Biogas wird in der Haube direkt über dem Substrat gespeichert. Es kann direkt in ein Blockheizkraftwerk geleitet werden, wo es in einem Gasmotor zur Strom- und Wärmeerzeugung verbrannt wird. Alternativ kann das Biogas in einer Gasaufbereitungsanlage gereinigt werden. Bei dieser Biogasaufbereitung wird der Methangehalt des Biogases gesteigert, um dessen Zusammensetzung der Zusammensetzung konventionellen Erdgases anzugleichen. Dazu muss das Biogas veredelt werden, d.h. Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid und andere Schadgase müssen werden entfernt. Aufbereitetes Biogas wird auch als „Bioerdgas“ oder Bio-Methan bezeichnet. Es kann direkt in bestehende Erdgasnetze eingespeist werden oder als Kraftstoff in Erdgasautos genutzt werden.

Ist das Substrat im Fermenter vergoren, kommt es zunächst ins Gärrestelager, um dann als Dünger genutzt zu werden. Eine zweite Stufe der Vergärung in einem weiteren Fermenter kann nachgeschaltet werden, um aus den Gärresten noch mehr Biogas zu gewinnen.

Eine übersichtliche Illustration zu den Prozessen in und um die Biogasanlage (PDF)

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien, Januar 2011

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Hamburger Umweltbehörde will den Energiekonzern Vattenfall verklagen

Dienstag 2. November 2010 von birdfish

Es scheint ernst zu werden. Medienberichten zufolge will die Hamburger Umweltbehörde den Energiekonzern Vattenfall verklagen.

Brunsbüttel ist eines der ältesten und anfälligsten Atomkraftwerke in Deutschland
Brunsbüttel ist eines der ältesten und anfälligsten Atomkraftwerke in Deutschland. Betreiber ist Energiekonzern Vattenfall. – Foto: Dagmar Struß

Das Unternehmen weigert sich, nähere Informationen über sein Versorgungsnetz in der Hansestadt herauszugeben.

Die Hamburger Versorgungsnetze für Strom, Gas und Fernwärme sind durch den Verkauf der städtischen Versorger HEW und Hein Gas in Unternehmenshände übergegangen. So erlangte der schwedische Staatskonzern Vattenfall das Strom- und Fernwärmenetz.

Ende 2014 laufen die Verträge aus. Die Hansestadt will sie zurückkaufen, braucht dafür aber konkrete Angaben des Konzerns über Zustand und Leitungskapazität der Netze. Diese Daten liegen der Stadt nur bis 2002 vor. Die neueren Daten will Vattenfall offenbar aus Wettbewerbsgründen nicht herausrücken. Dies müsse das Unternehmen erst tun, wenn die Bürgerschaft beschließe, die Konzessionen auszuschreiben.

Die Hamburger Regierung befindet sich nun zwischen zwei Fronten. Sie steht durch eine Volksinitiative unter Druck, die sich im Sommer 2010 gegründet hat und den Rückerwerb der Netze fordert. Und steht einem Konzern gegenüber, der mauert.

Dass Hamburg sich seine Netze zurückerobern müsse, sagt auch Klimaexperte Karsten Smid von Greenpeace. “Nur wer die Netze hat, kann Hamburgs zukünftige Energiepolitik gestalten.” Smid hält eine härtere Gangart der Hamburger Umweltbehörde für überfällig. “Hamburg ist schon im Fall Moorburg eingeknickt und hat sich über den Tisch ziehen lassen. Es zeigt sich, dass Klima- und Energiepolitik in Hamburg nur gegen Vattenfall möglich ist.”


LichtBlick

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