KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum weltweiten ‘Jahr der Wälder’erklärt

Mittwoch 19. Januar 2011 von birdfish

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum ersten Mal zum Jahr der Wälder erklärt.

Wald: Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen
Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen – Foto: Fletcher & Baylis / WWF

Der offizielle Startschuss fällt am 2. Februar in New York. Laut WWF brauchen die Wälder der Erde dringend mehr Aufmerksamkeit: Weltweit hat der Mensch bereits mehr als die Hälfte der Wälder vernichtet. Die Entwaldungsrate ist ungebremst. Rund um den Globus gehen jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald verloren. Illegaler Holzeinschlag, Brandrodung oder Umwandlung in Agrarland sind die Hauptursachen. Der meiste Wald schwindet in den artenreichen Tropen.

Der WWF will das UN-Jahr der Wälder nutzen, um für einen bewussten Umgang mit der Ressource Wald zu werben. „2011 sollen die Menschen verstehen, wer für das Abholzen der Wälder verantwortlich ist“, erläutert Philipp Göltenboth, Leiter des Waldschutzprogrammes des WWF Deutschland. „Das sind wir. Schließlich verschwinden die 36 Fußballfelder Wald pro Minute nicht einfach so. Aus ihnen wird Holz gewonnen, und daraus entstehen beispielsweise Wegwerfartikel aller Art, vom Papiertaschentuch bis zum Pappbecher für den täglichen Coffee to go. Oder die Wälder müssen weichen, weil an ihre Stelle Soja für die  immer stärker anwachsende Fleischproduktion angebaut wird. Dabei haben die Verbraucher viele Möglichkeiten durch bewussten Konsum zum Waldschutz beizutragen, etwa durch den Kauf FSC-zertifizierter Papierprodukte wie etwa Taschentücher, die dann nicht aus Raubbau stammen“.

Rund ein Drittel der weltweiten Landmassen, etwa 3,9 Milliarden Hektar, sind von Wäldern bedeckt – von den Tropen über die gemäßigten Breiten bis zu den borealen Weiten des Nordens und den  Regenwäldern des Südens. Von den etwa 1,8 Millionen beschriebenen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde leben etwa zwei Drittel im Wald. Wälder sind damit die artenreichsten Lebensräume überhaupt.

Wälder sind zugleich Lebensraum, Existenzgrundlage und Speisekammer für Millionen von Menschen; laut UN leben 1,6 Milliarden Menschen direkt im und vom Wald. Darüber hinaus produzieren Wälder Sauerstoff und speichern Kohlendioxid. Sie sind Wasserspeicher, schützen vor Überschwemmungen und bewahren den Boden vor Erosion. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge stellen Wälder im globalen Durchschnitt Dienstleistungen und Rohstoffe im Wert von etwa 750 Euro pro Hektar und Jahr zur Verfügung. Die Wälder der Erde haben also einen Dienstleistungswert von ca. 3 Billionen Euro pro Jahr, was dem zehnfachen des deutschen  Bundeshaushaltes für 2011entspricht.

Mit mehr als 300 Projekten in fast 90 Ländern setzt sich der WWF derzeit für die Bewahrung der Wälder ein. Damit steuert der WWF das größte Waldschutzprogramms der Welt. Bis heute stehen weltweit bereits etwa zehn Prozent aller Wälder unter Schutz. Zugleich sind inzwischen über 85 Millionen Hektar Wald weltweit durch nachhaltige Nutzung vor Raubbau geschützt -  durch das vom WWF geförderten Zertifizierungssystem des Forest Stewardship Council (FSC).

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Mangrovenwälder spielen eine wesentliche Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf

Montag 22. November 2010 von birdfish

Basierend auf den Ergebnissen eines zehnjährigen Forschungsprojektes gibt ein neu erschienenes Fachbuch umfassende Einblicke in Struktur und Funktion des Ökosystems Mangrove.

Mangroven-Fischer
Mangroven-Fischer – Foto: Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT)

1995 begann am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen ein Langzeitprojekt zur Erforschung von Mangroven im Norden Brasiliens: “MADAM – Mangrove Dynamics and Management”. Das ZMT hat nun im Springer-Verlag ein Buch herausgegeben, das die Ergebnisse von zehn Jahren interdisziplinärer Forschung in einem der größten Mangrovengebiete der Erde zusammenfasst.

Mangroven sind Gezeitenwälder, die in den Tropen die Küsten säumen und eine Vielfalt an außergewöhnlichen Lebensformen beherbergen. Tiere und Pflanzen sind dort an die extremen Umweltbedingungen angepasst, die ein den Tiden ausgesetzter Standort mit sich bringt. Weltweit bedecken die Mangrovenwälder eine Fläche von ca.15 Millionen ha, das entspricht der Hälfte der Fläche Deutschlands. Man schätzt jedoch, dass in den letzten 30 Jahren ihr Bestand um fast vier Millionen ha abgenommen hat. Im Verhältnis zur Gesamtfläche schwindet der Mangrovenwald schneller als der tropische Regenwald.

Will man die Zerstörung der Mangroven verhindern, müssen nachhaltige Bewirtschaftungsformen gefunden werden. Dazu sind grundlegende Kenntnisse ihrer Struktur, ihrer ökologischen Funktionen und ihrer Nutzung durch den Menschen notwendig. Über einen Zeitraum von zehn Jahren erhoben die Wissenschaftler im MADAM – Projekt Daten zu Waldstruktur und Artenvielfalt eines noch relativ ungestörten Mangrovengebietes im Süden der Amazonasmündung, sowie zu dessen Verbindung zum Hinterland und dem offenen Meer. An dem fachübergreifenden Projekt war ein deutsch – brasilianisches Team an Biologen, Geologen, Geographen, Sozioökonomen und Modellierern beteiligt.

Wie die Untersuchungen zeigten, haben Mangrovenwälder eine große Anzahl äußerst wichtiger Funktionen. Aufgrund ihrer hohen Produktion an Biomasse spielen sie eine nicht unwesentliche Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Abgestorbenes Tier- und Pflanzenmaterial, das aus den Mangroven ins Meer gespült wird, nährt die küstennahen Ökosysteme. Mangrovensümpfe sind Aufwuchsgebiete für viele wirtschaftlich wichtige Fisch-, Krebs- und Garnelenarten. Überall dort, wo sie dem Städtebau und der Garnelenzucht weichen mussten, gingen die Erträge der Küstenfischerei drastisch zurück. Auch schützen Mangrovenwälder die Küsten vor Sturmfluten und Erosion und das Hinterland vor dem Anstieg des Meeresspiegels. Sie behalten Schadstoffe und Sedimente aus Flusseinträgen zurück, bevor diese in die Küstenmeere gelangen und dort die Lebensgemeinschaften schädigen.

In dem Untersuchungsgebiet mit seinen etwa 85.000 Einwohnern leben zwei Drittel der Haushalte direkt oder indirekt von den natürlichen Produkten der Mangrove. Die Forscher bestimmten den sozioökonomischen Stellenwert von mehr als einem Dutzend Mangrovenprodukten, wie Landkrabben, Fischen und Holz und zeigten Nutzungskonflikte auf. Im Buch werden Strategien für den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Gebietes vorgestellt und diskutiert. Einbezogen wurden dabei naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse sowie die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten und die Erfahrungen und Prioritäten der Nutzergruppen.

Mangroven wurden lange Zeit als Ödnis angesehen, nutzlose Sümpfe, die der Rodung preisgegeben wurden. Das MADAM-Projekt hat in Brasilien auf verschiedenen Ebenen, von lokalen Nutzern bis hin zu nationalen Regierungsorganisationen ein Umdenken in Gang gesetzt. Basierend auf den Forschungsergebnissen wurden von der lokalen Bevölkerung verwaltete Schutzgebiete eingerichtet. Das kürzlich erschienene Fachbuch besiegelt eine höchst erfolgreiche deutsch brasilianische Forschungszusammenarbeit. Es stellt eine Grundlage dar zum besseren Verständnis eines faszinierenden Ökosystems, seiner Bedeutung für den Menschen und der Faktoren, die es bedrohen.

Originalpublikation
Saint-Paul U., Schneider H. (Hrsg.) Mangrove Dynamics and Management in North Brazil. Ecological Studies 211, Springer, 2010, 410 Seiten.

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Kolonisierung mit kommerziellem Ackerbau trug zu afrikanischer Wüstenbildung bei

Dienstag 13. Juli 2010 von birdfish

Schätzungsweise eine Milliarde Tonnen Staub werden jährlich in der Sahara und der südlich angrenzenden Sahelzone aufgewirbelt und u.a. mit den Passatwinden Richtung Atlantik transportiert.

Sandsturm im Sahel
Sand- und Staubsturm im Sahel – Foto: J. Leyrer / NIOZ

Seit mehr als 200 Jahren beeinflusst der Mensch diesen Prozess nachhaltig. Das belegt erstmals eine Studie, die MARUM-Wissenschaftler Dr. Stefan Mulitza und Kollegen im Juli 2010 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichen. Demnach trug der exportorientierte, kommerzielle Ackerbau im Lauf der Kolonisierung der schwarzafrikanischen Staaten zur Verwüstung des Sahel und zur erhöhten Bodenerosion bei. Die Nature-Studie belegt menschlichen Einfluss auf Bodenerosion und Staubentwicklung

Die Belege stammen aus mehreren Sedimentkernen, die Bremer Geowissenschaftler während einer Expedition mit dem Forschungsschiff METEOR etwa 30 Kilometer vor der mauretanischen Küste in 323 Meter Wassertiefe gewannen. Einer dieser Kerne ist knapp fünfeinhalb Meter lang. In ihm ist die Klima- und Umweltentwicklung des Sahel während der letzten 3.200 Jahre gespeichert. „Beim Stichwort Sahelzone denken wir meist an die schreckliche Dürre in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts“, sagt Stefan Mulitza, Fahrtleiter der Expedition und Erstautor des Nature-Artikels. „Wir können jetzt nachweisen, dass menschliche Einflüsse in den letzten 200 Jahren die natürliche Erosion und Staubentwicklung in Westafrika überprägt haben.“

Im Zeitraum von 1.200 Jahren vor bis etwa 200 Jahre nach Christi Geburt herrschte im Sahel ein eher feuchtes Klima. Davon zeugen feinkörnige Ablagerungen, die viel Aluminium bzw. Eisen enthalten und vom Senegal-Fluss in den Atlantik gespült wurden. Danach wird das Klima zunehmend trockener, insbesondere zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert. Die ausbleibenden Niederschläge reißen Lücken in die Vegetationsdecke, und die Erosion nimmt zu. Gröbere, siliziumreiche Partikel, die mit den Passatwinden in den Atlantik driften, prägen die Meeresablagerungen dieses Zeitraums.

„Weniger Niederschlag, mehr Staub; dieser Zusammenhang leuchtet ein und wird durch unsere geochemischen Analysen auch bestätigt – zumindest bis ins 18. Jahrhundert“, sagt Dr. Mulitza. Danach koppelt sich die Staubentwicklung allmählich von der Niederschlagsmenge ab. „Aus den Ablagerungen lesen wir heraus, dass ab dem 18. Jahrhundert trotz zunächst höherer Niederschläge auch die Staubmengen zunehmen.“

Die Gründe liegen auf der Hand: Mit dem Einzug der Kolonialherren verändert sich die afrikanische Landwirtschaft grundlegend. Die Produktionsweise wird im Lauf der Zeit vom Anbau der für den Export bestimmten „Cash crops“ dominiert. „Die stärkste Zunahme der Erosion bzw. der größte Anstieg des Staubeintrags in den Atlantik fällt bezeichnenderweise mit dem flächendeckenden Anbau von Erdnüssen im Senegal, in Nigeria und Gambia im 19 Jahrhundert zusammen“, bilanziert Stefan Mulitza. Durchrationalisierte Erdnusspflanzungen benötigen große Flächen und viel Licht. Deshalb wird verstärkt gerodet. Die jetzt offenere, teils lückenhafte Vegetationsdecke ist anfälliger für Erosion. Als Folge wird mehr Staub aufgewirbelt und aufs Meer verweht.

„Lokal könnte der höhere Staubgehalt der Atmosphäre die Dürre im Sahel noch verstärkt haben. Mehr Staub in der Atmosphäre heißt weniger Sonneneinstrahlung und eine kühlere Erdoberfläche. Das kann sich negativ auf die während des Monsuns fallenden Niederschläge auswirken“, sagt Stefan Mulitza.

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Anpassungsstrategien weltweit – Beispiele für Maßnahmen als Pressespiegel

Freitag 12. Februar 2010 von birdfish

Der Klimawandel wird unsere Welt nachhaltig verändern.

Dürre in Afrika
Dürre und Überschwemmungen in den armen Ländern nehmen zu. – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Während noch vielerorts am Ernst der bevorstehenden Veränderung gezweifelt wird, gibt es zahlreiche Staaten, Regionen und Städte auf der Welt, die über eine Legislaturperiode hinausdenken und Schutzmaßnahmen für die Zukunft ergreifen.

Während man sich in Deutschland z.B. zu Veränderungen in der Landwirtschaft oder Küstenschutz Gedanken macht, gibt es Staaten in der Welt, die der Klimawandel weit extremer zu schaffen macht. Einige sind durch Anstieg des Meeresspiegels vom Untergang bedroht, andere verlieren durch anhaltende Dürren ihre Ernährungsgrundlage.

Hier möchten wir einen Pressespiegel entstehen lassen, der über die deutschen Grenzen hinaus sieht und bemerkenswerte Maßnahmen zum Schutz gegen die Klimawandelfolgen dokumentiert.

Vorschläge hierzu werden gern entgegen genommen!


Weltweit
Konkrete Vor-Ort-Projekte in betroffenen Regionen
z.B. Mosambik, Tschad, Sudan, Brasilien
Projekte gegen Klimawandelfolgen

Der Deutsche Entwicklungsdienst (seit 2011 im Verbund GIZ) hat eine Zeitschrift heraus gegeben, in der mehr als ein Dutzend Beiträge über Klimawandelfolgen in südlichen Ländern berichten. Zugleich werden hier Projekte / Initiativen vorgestellt, die dem Klimawandel etwas entgegen setzen.

So wird zum Beispiel von einer Kleinstadt auf den Philippinen berichtet, die Armutsbekämpfung und Klimaschutz miteinander verbindet. In diversen afrikanischen Ländern werden verschiedene Projekte vorgestellt, die Strategien gegen schwindende Wasserressourcen entwickeln.

Die Zeitschrift (vom Dezember 2010) zum Download (PDF)


Wälder

Anpassung der Wälder und der Menschen an den Klimawandel (Studie 2009)

Die Studie vom internationalen Verband forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO), die im Rahmen der globalen Waldpartnerschaft (CPF) erstellt wurde, zeigt, dass die bedeutende Rolle der Wälder als massiver Speicher von Treibhausgasen aufgrund der schädlichen Auswirkungen des Klimawandels und des damit verbundenen möglichen Waldverlustes vollständig verloren gehen könnte.

Artikel zur Studie

Die komplette Studie als PDF (engl.)


Asien
Tourismus in Südostasien

Der Tourismus ist für viele südostasiatische Länder eine wichtige Einnahmequelle, insbesondere ausländische Reisende versprechen Einkommen. Negativ dagegen ist sein Einfluss auf die Umwelt – das macht beispielsweise der Kohlendioxid-Fußabdruck der Tourismusindustrie deutlich.  Die Tourismusindustrie ist für das Klima also weitgehend eher Fluch als Segen.

Das Hintergrundapier von Germanwatch zeigt Möglichkeiten auf, wie den Touristenzielen Puerto Princesa, Palawan (Philippinen) und Denpasar, Bali (Indonesien) auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene Unterstützung in klimafreundlicher Entwicklung gegeben werden kann. Praktische Handlungsempfehlungen auf der lokalen Ebene und Politikempfehlungen für nationale, regionale und internationale Prozesse folgen. (Stand 11/11)

Deutsche Zusammenfassung (PDF)

Vollständiges Briefing Paper (PDF, engl.)


Singapurs Schutz vor den Fluten

Ein Damm staut das Wasser des Singapore River an seiner Mündung. So erhält die City ein einzigartiges Süsswasserreservoir und schützt sich vor dem steigenden Meeresspiegel.

Singapurs Wassermanagement gewinnt immer wieder internationale Preise, die Singapore International Water Week vom 28. Juni bis 2. Juli 2010 steht denn auch unter dem Motto: «Sauberes und erschwingliches Wasser». Beides ist in manchen südostasiatischen Metropolen eine unerreichbare Utopie.

Neue Zürcher Zeitung Online vom 07.02.2010


Osteuropa / Russland
Sibirien

Nachhaltiges Landmanagement in Westsibirien

Osnabrücker Wissenschaftler kooperieren mit russischen Forschern, um Lösungen für nachhaltige Landnutzungspraktiken und Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Um dem Klimawandel zu begegnen, müssen der Verbrauch natürlicher Ressourcen sowie der Ausstoß klimaschädlicher Stoffe verringert werden. Forschungen zum nachhaltigen Landmanagement in international bedeutsamen Beispielregionen sollen hier Lösungen bieten. [...]

Hochschule Osnabrück, Pressemitteilung vom 21.11.2011


Stand 11/2011

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Wie viel Mensch verkraftet der Boden?

Freitag 5. Februar 2010 von birdfish

Fruchtbare Böden sind nötig, um Nahrung und Rohstoffe zu erzeugen.

Bodenforschungsteam in Mexico
Deutsch-mexikanisches Bodenforschungsteam in der Region Quintana Roo. – (c) Institut für Geografie

Doch die Weltbevölkerung wächst – und mit ihr der “Leistungsdruck” auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wie lange halten Ackerböden so etwas durch? Darüber forscht die Geografie-Professorin Birgit Terhorst von der Universität Würzburg.
Wann trägt ein Ökosystem seine Bewohner nicht mehr und bricht zusammen? Diesen Prozess ergründet Birgit Terhorst in Mexiko, weil er dort schon einmal stattgefunden hat: auf der Halbinsel Yucatan in der Region um Quintana Roo, die unter anderem während der so genannten präklassischen Periode (250 bis 950 A. D.) von den Maya dicht besiedelt war.

Berühmt ist die Hochkultur der Maya unter anderem für ihre Landwirtschaft, in der es bereits Bewässerungssysteme gab. Das Gebiet, in dem die Würzburger Professorin forscht, war damals extrem stark besiedelt und intensiv landwirtschaftlich genutzt: Man geht davon aus, dass die Maya-Zivilisation während der Präklassik zeitweise über 13 Millionen Menschen zählte.

Maya hielten Brachzeiten nicht mehr ein

“Die Maya betrieben eine Form des Ackerbaus, bei der die Flächen regelmäßig brachzuliegen hatten”, sagt Birgit Terhorst. Doch je stärker die Bevölkerung wuchs, desto häufiger hielten die Maya die nötige Brache nicht mehr ein: “Die Böden laugten aus, fielen verstärkt der Erosion zum Opfer und überzogen das Gestein am Ende nur noch als dünne Schicht.”

Die Professorin ist überzeugt: “Die Zerstörung der Böden hat mit dazu geführt, dass die Kultur der Maya unterging.” Andere wissenschaftliche Thesen weisen einem Klimawandel die Schuld zu: Ihnen zufolge wurden den Maya mehrfache Trockenzeiten zum Verhängnis, in denen die Niederschläge für die Landwirtschaft weitgehend ausblieben. “Aber wir haben in den Böden für den gleichen Zeitraum eindeutige Beweise dafür gefunden, dass zumindest die Region von Quintana Roo gut mit Wasser versorgt war”, so Terhorst.

Die Wissenschaftlerin und ihr Team wollen in einem neuen Projekt jetzt weitere Beweise finden, die ihre These für eine größere Region untermauern. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben; Birgit Terhorst kooperiert dabei mit dem Geografen Professor Bodo Damm von der Universität Eichstätt und mit Dr. Elizabeth Solleiro von der mexikanischen Hochschule UNAM (Universidad Nacional Autonoma de Mexico).

Im Frühling gehen die Projektpartner auf eine erste Geländeexkursion nach Mexiko: Mit Erdbohrern ziehen sie Bodenproben und bestimmen Zustand und Mächtigkeit der Böden. Mikroskopische und bodenchemische Analysen geben dann unter anderem Aufschluss über Mineralgehalt und Pflanzennährstoffe.

Interessant sind besonders Stellen, an denen geschichtlich “alte” Böden erhalten sind, meist überdeckt durch jüngere Schichten. “Mit unseren Analysen können wir dann Rückschlüsse auf die damaligen Verhältnisse ziehen und sie mit den heutigen vergleichen”, sagt Terhorst.

Wie haben sich Nährstoffhaushalt und Tragfähigkeit der Böden verändert, in welchem Ausmaß hat sich die Landschaft durch Eingriffe der Maya verändert? Für solche Untersuchungen eignet sich die Region Quintana Roo sehr gut, weil sie seit den Maya nur noch dünn besiedelt war und kaum noch landwirtschaftlich genutzt wurde.

Das Projekt läuft bis 2011. Es soll neue Erkenntnisse liefern, mit denen Wissenschaftler besser abschätzen können, wie viel “Besiedlungs- und Landwirtschaftsdruck” ein Ökosystem auf Dauer verkraftet und mit welchen Maßnahmen es sich womöglich stabilisieren lässt. Diese Frage ist in vielen Regionen der Erde aktuell – überall dort, wo die Bevölkerung stark wächst und wo Anbauflächen und Nahrung knapp sind.

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Landnutzung und Klimawandel

Donnerstag 17. Dezember 2009 von birdfish

Auch in Deutschland wird künftig die Land- und Forstwirtschaft durch die sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen und die notwendigen Reaktionen der Politik darauf – z.B. hinsichtlich Fördermaßnahmen – beeinflusst werden.

Landwirtschaft
Landwirtschaft in Deutschland – (c) Cornerstone / Pixelio

Mit einem Anteil von ca. 80 % an der Gesamtfläche Deutschlands haben Land- und Forstwirtschaft einen großen Einfluss auf den Schutz und die Entwicklung der biologischen Vielfalt und sind gleichzeitig mit am stärksten vom Klimawandel betroffen. Zudem können Landnutzung und Landnutzungsänderungen als Quellen für Treibhausgase selbst wesentlich zum Klimawandel beitragen. Hier sind vor allem die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren, der Umbruch von Grünland und die Intensivtierhaltung kritisch zu sehen. Wälder und Landwirtschaftsflächen können aber auch als Treibhausgas-(THG) senken ihrerseits den Klimawandel mildern. “Zur Lösung der Probleme wird es entscheidend darauf ankommen, schlüssige Konzepte für klimaschonende und naturverträgliche Landnutzungsformen zu entwickeln und umzusetzen. Diese müssen nicht nur unsere Nahrungsmittelversorgung und eine nachhaltige Holzproduktion bzw. Rohstoffversorgung sichern, sondern sollten zugleich so ausgestaltet und optimiert werden, dass sie zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen”, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Sowohl der ökologische Landbau als auch die naturverträgliche Waldwirtschaft böten hier gute Lösungsansätze und seien durch geeignete Fördermaßnahmen verstärkt zu unterstützen und auszubauen. “Nur mit einer naturverträglichen Land- und Forstwirtschaft werden wir die internationalen Ziele zu Klimaschutz und Biologischer Vielfalt erreichen können”, sagte Jessel. “Denn mit einem weiteren Waldumbau z.B. in standortheimische, naturnahe Wälder oder einer standortangepassten Erhöhung von Holzvorräten und Totholzanteilen können wir ihre Senkenwirkung für Treibhausgase wie auch ihre Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel stärken. Damit könnten sowohl Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) als auch der deutschen Anpassungs-strategie an den Klimawandel (DAS) erreicht werden”, so die BfN-Präsidentin. Mit Blick auf die derzeitige Klimakonferenz in Kopenhagen fordert das BfN zudem, die Klima- und Biodiversitätspolitik nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene stärker zu verzahnen.

Hintergrund:

Erwartete Klimaänderungen und Auswirkung auf Landnutzungen
Bei einem mittleren Emissionsszenario prognostizieren die derzeit verfügbaren regionalen Klimamodelle für Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung um ca. 2-3,5 °C. Die Erwärmung wird insbesondere in den Wintermonaten zu spüren sein. Die Niederschläge werden sich sowohl regional als auch je nach Jahreszeit deutlich unterscheiden. Im Sommer muss mit regional bis zu 40% weniger Regen gerechnet werden. Besonders betroffen wären dabei der Südwesten und der Nordosten Deutschlands. In Regionen, in denen eine geringe Wasserverfügbarkeit während der Vegetationsperiode bereits heute zu Problemen in der Landnutzung führt, wird sich die Situation verschärfen, zumal sich mit den steigenden Temperaturen auch der Wasserbedarf erhöht und sich nach längeren Trockenperioden die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden verringert. Dies könnte insbesondere weite Teile Ostdeutschlands betreffen. Der extreme Hitzesommer von 2003 kann als Beispiel für die möglichen Bedingungen dienen, auf die sich zukünftige Landnutzungen einstellen müssen.
Im Winter wird eine regional unterschiedliche Zunahme der Niederschlagsmengen erwartet. In den am stärksten betroffenen Regionen würden zwischen 40 und 70% mehr Winterniederschläge fallen. Die Zunahme der Winterniederschläge könnte zu steigenden Schäden durch Überflutung und Staunässe sowie zu vermehrter Erosion und Auswaschung von Nähr- und Schadstoffen führen.

Erste Analysen zur Häufigkeit von Extremereignissen lassen darüber hinaus eine Zunahme von Starkniederschlägen erwarten. Insgesamt wird mit einer erhöhten Variabilität des Klimas gerechnet.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Eine Zunahme der Klimavariabilität erhöht die Wahrscheinlichkeit von Ertragseinbußen und erschwert eine Anpassung durch geeignete Kulturpflanzen in ganz Deutschland. Die möglichen negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft umfassen Ertragseinbußen durch Einschränkungen in der Wasserversorgung und durch zu hohe Temperaturen. So kann es bei Pflanzen mit niedrigerem Temperaturoptimum wie beispielweise Winterweizen zu Ertragseinbußen kommen. In Brandenburg wurde ein Rückgang der mittleren Erträge von Winterweizen um ca. 17 % bis zum Jahr 2050 modelliert. Bei extremen Temperaturen können Pflanzen dauerhaft geschädigt werden. Besonders in Gebieten, die bereits heute eine ungünstige klimatische Wasserbilanz aufweisen, wie z. B. Brandenburg, wird sich das Problem der Wasserverfügbarkeit durch eine Abnahme der Sommerniederschläge noch verschärfen.

Auswirkungen auf den Wald

Auch auf die vorhandenen Forstflächen werden sich die prognostizierten Klimaänderungen mit Temperaturanstieg, Stürmen und Niederschlagsänderungen negativ auswirken. Vor allem nicht standortgerechte Wälder und unter ihnen die historisch bedingt weit verbreiteten i.d.R. künstlich angelegten Fichtenforste werden durch den Hitze- und Trockenstress beeinträchtigt und dadurch auch anfälliger für Insektenkalamitäten

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Wachsen oder schrumpfen die Alpen? Gebirgswachstum und Klimawandel

Mittwoch 4. November 2009 von birdfish

Die Alpen wachsen genau so schnell in die Höhe, wie sie schrumpfen.

Erosion in den Alpen
Die hohe Sedimentfracht des Flusses zeigt die starke Wirkung der Erosion unterhalb des Bernina Gletschers in der Schweiz – (c)GFZ

Dieses paradoxe Resultat konnte eine Gruppe deutscher und schweizer Geowissenschaftler nachweisen. Durch Gletscher und Flüsse wird etwa genau so viel Material von den Alpenhängen abgetragen wie aus der tiefen Erdkruste nachwächst.

Die Klimazyklen der Kaltzeit in Europa seit 2,5 Millionen Jahren haben diese Erosion beschleunigt. In der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins “Tectonophysics” (Nr.474, S.236-249) weisen die Wissenschaftler nach, dass die heutige Hebung der Alpen durch die starken Klimavariationen angetrieben wird.

Die Entstehung der Alpen durch die Kollision der beiden Kontinente Afrika und Europa begann vor etwa 55 Millionen Jahren. Dies führte zur Auffaltung des höchsten europäischen Gebirges, das seine große Höhe wahrscheinlich schon vor einigen Jahrmillionen erreichte. Derzeit wachsen aber die Schweizer Alpen durch diesen tektonischen Prozess nicht mehr.

Schweizer Geodäten, die schon seit Jahrzehnten die Alpen mit allerhöchster Genauigkeit vermessen, haben festgestellt, dass Alpengipfel dennoch im Vergleich zum Flachland mit bis zu einem Millimeter pro Jahr aufsteigen. Über Jahrmillionen müsste sich eine beträchtliche Höhe ergeben. Doch warum sind dann die Alpen dann nicht so hoch wie das Himalaya? Forscher des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ konnten messen, dass die Berge mit fast genau der gleichen Geschwindigkeit gleichzeitig wieder abgetragen werden.

“Diese Erosion der Berge ist nicht einmal mit den hochpräzisen Methoden der modernen Erdvermessung zu erfassen,” erläutert Prof. Friedhelm v. Blanckenburg vom GFZ das Problem. “Wir benutzen das seltene Isotop Beryllium-10, das in der Landoberfläche durch kosmische Strahlung entsteht. Je schneller eine Oberfläche abgetragen wird, umso weniger Isotope dieser Art sind darin vorhanden.” Dazu haben von Blanckenburg und GFZ-Wissenschaftlerin Dr. Hella Wittmann dieses “kosmogene” Isotop im Sand schweizer Alpenflüsse und damit in den unmittelbaren Produkten der Erosion analysiert.

Wie kommt es nun, dass die Alpen genauso schnell abgetragen werden wie sie hochsteigen? “Hier sind reine Auftriebskräfte am Werk. Es ist wie bei einem Eisberg im Meer. Schmilzt die Spitze, steigt der Eisberg im fast denselben Betrag aus dem Wasser,” erklärt von Blanckenburg. So ist die paradoxe Situation der Alpen, dass sie durch Wind, Wasser, Gletscher und Bergstürze ständig von oben fein gemahlen und abgetragen werden, aber von unten, aus dem Erdmantel, ständig nachwachsen. Dieses Phänomen, wenn auch längst theoretisch postuliert, wurde für ein gesamtes Gebirge nun jetzt erstmals nachgewiesen.

So bewegen sich die Alpen stetig nach oben, obwohl sie im plattentektonischen Sinne fast für “tot” erklärt werden können. Anstelle der Plattenkräfte sind es die starken Klimavariationen seit dem Anfang der sog. quartären Kaltzeit vor ungefähr 2.5 Millionen Jahren, auf die gerade die Berghänge so besonders empfindlich durch Erosion reagieren. Das hält die Alpen in Bewegung.

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Klima- und Artenschutz im Bergnebelwald – BMU unterstützt Nationalpark in Ruanda

Mittwoch 21. Oktober 2009 von birdfish

Das Bundesumweltministerium (BMU) stellt aus Mitteln der internationalen Klimaschutzinitiative rund 1,6 Millionen Euro für den Schutz des Nyungwe-Nationalparks in Ruanda zur Verfügung.

Berggorilla in Ruanda
Arten- und Klimaschutz in letzter Minute – (c) kathy1976 / pixelio

In Zusammenarbeit mit ruandischen Partnern wird die Universität Koblenz-Landau bis zum Jahr 2012 eine Schutzzone um den Park errichten. Dadurch soll die fortschreitende Abholzung des für Klimaschutz und Artenvielfalt bedeutenden Bergnebelwaldes verhindert werden.

Ruanda ist ein “hot spot” der Biodiversität und besitzt mit dem Nationalpark „Forêt de Nyungwe“ den größten Bergnebelwald Ostafrikas. Durch die Suche der Bevölkerung nach Feuerholz wächst allerdings der „Nutzungsdruck“ auf den Wald. Ruanda ist mit mehr als 400 Einwohnern pro Quadratkilometer extrem dicht besiedelt. Die Bevölkerung lebt zu fast 90 Prozent von der Subsistenzlandwirtschaft und nutzt Holz als zentrale Energiequelle.

Mit dem vom BMU geförderten Vorhaben soll auf einer Fläche von 7000 Hektar rund um den Nyungwe-Nationalpark die land- und forstwirtschaftliche Produktion nachhaltiger gestaltet und intensiviert werden, um die Wälder zu schonen. Agroforstsysteme, also der Anbau von Bäumen und Sträuchern auf landwirtschaftlichen Flächen, machen die Holzentnahme aus dem Wald entbehrlich. Sie schützen zudem den Boden vor Erosion und ermöglichen die gleichzeitige Produktion von Brenn- und Nutzholz. Klimaschädliches Kohlendioxid wird in der Biomasse der Bäume und der organischen Bodensubstanz dauerhaft gebunden. Auch die Ernährungssicherheit und die Einkommenssituation der lokalen Bevölkerung verbessern sich.

Aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative finanziert das Bundesumweltministerium Projekte zur Emissionsminderung und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Entwicklungsländern. Der Schutz des Nationalparks in Ruanda ist gleichzeitig ein Beitrag zur internationalen Initiative “LifeWeb”, die Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf der 9. Vertragsstaatenkonferenz über die biologische Vielfalt 2008 in Bonn angestoßen hatte.

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