KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Wirtschaftliche Bedeutung der Artenvielfalt: Bruttosozialprodukt von 32 Billionen Dollar

Montag 8. März 2010 von birdfish

Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus, riesige Wirtschaftzweige sind auf eine intakte Natur angewiesen.

Arbeit der Bienen unbezahlbar
Arbeitsleistung der Bienen auf ca. vier Milliarden Dollar im Jahr geschätzt – (c) Dagmar Struß

Wissenschaftler schätzen, dass die Natur Jahr für Jahr ein Bruttosozialprodukt von 32 Billionen Dollar erwirtschaftet. „Angesichts dieser Dimensionen wird klar, dass es beim Schutz der biologischen Vielfalt nicht um Peanuts geht“, betont Günter Mitlacher vom WWF Deutschland. „Beim Artenschutz steht nicht allein die Rettung der Köcherfliege, sondern das Überleben der Menschheit auf dem Spiel.“ Der WWF fordert die wirtschaftliche Bedeutung der Natur stärker zu betonen und umweltzerstörerische Subventionen abzubauen.

„Will man den finanziellen Wert der Natur abschätzen, so ist das eine Gleichung mit vielen Unbekannten“, räumt Mitlacher ein. Breche man diese Gleichung auf einzelne Bereiche herunter, werde das Bild klarer. Allein die Leistung der Bienen als Produzenten von Honig und in Ihrer Rolle als Bestäuber zahlreicher Nutzpflanzen könne man auf etwa vier Milliarden Dollar im Jahr hochrechnen. Ein anderes Beispiel: Intakte Korallenriffe. Sie schützen die Küsten vor Sturmfluten und gelten als Kinderstube ungezählter Fischarten. Addiert man zu diesen Leistungen der Riffe die Einnahmen aus dem Tauchtourismus, so gehen Ökonomen von einer jährlichen wirtschaftlichen Leistung in Höhe von 170 Milliarden Dollar aus.

Der WWF betont, dass sich auch Investitionen in Naturschutzprojekte oft doppelt und dreifach auszahlen. Schätzungen zufolge könnte allein die Ausweisung von Meeresschutzgebieten eine Million Arbeitsplätze schaffen. Die Maßnahmen würden zugleich Fischerträge von 70 bis 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr sowie Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,5 bis 6,7 Billionen US-Dollar erbringen. Die Säuberung von Böden und Wasser, die Speicherung von Kohlendioxid durch Wälder und Ozeane oder die Bereitstellung von Medikamenten, die auf natürlichen Inhaltsstoffen beruhen, seien im Grunde unbezahlbar.

Auf vielen politischen Ebenen habe sich diese Erkenntnis leider noch nicht durchgesetzt, beklagt der WWF. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten friste der Artenschutz ein Schattendasein. Überfällige Investitionen in die ökologische Infrastruktur, etwa in die Renaturierung von Flußauen oder die Anlage von Naturwäldern werden als Luxus abgestempelt und verschleppt. Stattdessen klammere man sich an überholte Konzepte. Bestes Beispiel sei eine völlig verfehlte Subventionspolitik in der EU.

Der WWF Deutschland fordert den drastischen Abbau Umwelt zerstörender Subventionen z.B. für die Landwirtschaft und die Fischerei. Aktuellen Studien zufolge fließen weltweit Jahr für Jahr 670 Milliarden Euro an Staatshilfen in Branchen, die wesentlichen Anteil an der Zerstörung der Natur haben. „Diese  Geldverschwendung muss gestoppt und die Vergabe der Mittel an ökologische Kriterien geknüpft werden, um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu fördern“, so Günter Mitlacher vom  WWF.

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Klimawandel lässt Meeresspiegel steigen – Sundarbans in Bangladesh trifft es hart

Dienstag 2. März 2010 von birdfish

Fotograf Peter Caton hat im Auftrag von Greenpeace die Auswirkungen der Klimaveränderung in der Region Sundarbans, Bangladesh dokumentiert.

Betroffener Bewohner Sundarbans
Sukhdev Chowkidar – betroffener Bewohner Sundarbans – (c) Peter Caton / Greenpeace

Der Anstieg des Meeresspiegels trifft die Menschen dort sehr hart. Große Teile der Landschaft sind bereits in Meer verschwunden.

Sundarbans ist einer der größten Mangrovenwälder der Erde und gehört zum UNESCO Weltnaturerbe. Er liegt im Flussdelta zwischen den drei Flüssen Ganges, Brahmaputra und Meghna. Seitenarme der Flüsse durchziehen die Landschaft, die sich dadurch in viele kleine Inseln teilt.

Auf 20.000 Quadratkilometern erstreckt sich ein artenreiches Ökosystem.. Die Region ist die Heimat des vom Aussterben bedrohten Bengalischen Tigers. Das Leben der Menschen ist von den Gezeiten bestimmt. Teile der tiefliegenden Landschaft werden regelmäßig überflutet und das Wasser des Monsunregens fließt über die drei Flüsse ins Meer.

Bangladesh gehört zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Schon heute kämpfen Menschen dort gegen die Folgen des Klimawandels. Auch in der Region Sundarbans bedroht der Klimawandel das Leben der Menschen.

Der Anstieg des Meresspiegels wirkt sich in der tiefliegenden Küstenregion besonders stark aus. Immer mehr Land verschwindet im Meer. An den Küsten Bangladeshs sind bereits 230 km Land fortgespült worden. Die Flut dringt immer weiter ins Land ein. Regelmäßig werden auch bewohnte Küstenstreifen überflutet. Bisher lebten die Menschen von den Flüssen. Doch jetzt werden sie von den extremen Wassermassen bedroht. Keiner will seine Heimat aufgeben. Doch viele ziehen weg, aus Furcht bei der nächsten Flut das eigene Leben zu verlieren. Zurück bleiben nur die Alten. Doch ohne Hilfe der Jüngeren wird für sie das Überleben schwierig. Armut ist in der Region weit verbreitet.

Doch auch in den Städten ist die Klimaveränderung spürbar. Der Monsun wird immer stärker. Das Wasser läuft vom Landesinneren durch das Flussdelta ins Meer. Wieder müssen die Menschen in Sundarbans um ihre Häuser fürchten. Auch steigt die Zahl der tropischen Stürme, die auf die Küste treffen. Erst im Mai dieses Jahres traf der Zyklon Aila Indien und Bangladesh. Es ertranken mindestens 81 Menschen. In Sundarbans wurden die Menschen von dem Zyklon stark getroffen. Viele verloren ihre Häuser. Nahrungsgrundlagen wurden zerstört. Neue Nahrungsmittel anzubauen ist schwierig. Durch die ständigen Überflutungen versalzt die Erde zunehmend.

Es wird geschätzt, dass 15 Prozent des Landes bis 2020 unter Wasser sein werden und 30.000 Menschen ihre Heimat verloren haben.

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Grüner Fonds soll Klimaschutzfinanzierung in den Entwicklungsländern gewährleisten

Dienstag 9. Februar 2010 von birdfish

Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, hat den Vorschlag des World Future Council (WFC) zur Finanzierung des Klimaschutzes in den Entwicklungsländern aufgegriffen.

Sonnenkollektor auf einem Dach in Afrika
Sonnenkollektor auf einem Dach in Afrika – (c) Dieter Schütz / Pixelio

Ein neuer “grüner Fonds” solle rund 100 Milliarden Dollar pro Jahr für den Kampf gegen die Erderwärmung bereitstellen, schlug Strauss-Kahn auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor. Ein Teil dieses Geldes solle durch die Schaffung neuer Sonderziehungsrechte – der internen Währung des IWF – gesammelt werden. Der World Future Council hatte auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im vergangenen Dezember angeregt, den Ausbau erneuerbarer Energien durch die Ausgabe neuer, zinsloser Sonderziehungsrechte zu finanzieren und diesen Weg auch dem IWF präsentiert.

Durch diese Geldschöpfung in großem Stil könne ein globaler Green New Deal finanziert werden, sagte WFC-Gründer Jakob von Uexküll: „Dies bietet die wohl größte unternehmerische Chance aller Zeiten“. Die Ausgabe neuer Sonderziehungsrechte selbst in mehrstelliger Milliardenhöhe berge keine Inflationsgefahren, wenn das Geld in den Aufbau neuer, nachhaltiger Industrien fließe: “Inflation entsteht nur, wenn zu viel Geld zu wenige Waren jagt. Hier aber entstehe neues Geld nur gegen Leistung, indem arbeitslose Menschen und ungenutzte Produktionsmittel eingesetzt werden, um z.B. neue Wind- und Solaranlagen herzustellen. ”

Der World Future Council schlägt vor, das UN-Umweltprogramm UNEP und die neu gegründete Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) federführend mit dem Plan eines globalen Green New Deals zu beauftragen. Der IWF wäre für die technische Seite der Finanzierung und Geldschöpfung durch Sonderziehungsrechte verantwortlich.

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Partikelfilter-Förderung läuft weiter – auch Nutzfahrzeuge können jetzt profitieren

Dienstag 5. Januar 2010 von birdfish

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßt die vom Bundeskabinett verlängerte Förderung von Rußpartikelfiltern für Diesel-Pkw.

Abgase einsparen
(c) Kurt Bouda / Pixelio

Auch der nachträgliche Einbau von Rußfiltern in leichte Nutzfahrzeuge wird künftig gefördert. „Die Bundesregierung schafft mit der heutigen Entscheidung die Grundlage für funktionierende Umweltzonen. Über die Strafbesteuerung von ungefilterten Dieselfahrzeugen nimmt der Staat in 2010 und 2011 mehr als 200 Millionen Euro für die Filternachrüstung ein. Diese Einnahmen müssen zweckgebunden für die Filternachrüstung ausgegeben werden“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH).

Bislang seien nur 400.000 Dieselautos mit einem Rußpartikelfilter nachgerüstet worden. Resch erinnerte daran, dass Halter von Diesel-Pkw ohne Rußpartikelfilter seit April 2007 einen steuerlichen Zuschlag von 1,20 Euro je 100 Kubikzentimeter Hubraum zahlen. Dieser Steuermalus läuft bis zum 31. März 2011 und wird bis dahin rund 250 Millionen Euro in die Kassen des Finanzministers gebracht haben. Die Einnahmen aus dem Malus reichen aber für die Filternachrüstung von 1,5 Millionen Diesel-Pkw. Am letzten Dezembertag 2009 endet die bisherige Förderung von 330 Euro pro Filter.

Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass die Förderung für Filtereinbauten in Autos als Barzuschuss weitergeführt wird. Nachrüstende Autobesitzer können sich zudem auch seit dem 1. Januar 2010 an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) wenden und einen Antrag auf Förderung stellen. Mit der Verabschiedung des Haushalts 2010 voraussichtlich im April werden dann die Zuschüsse ausgezahlt. Nach Informationen der DUH beträgt die Grundausstattung des Förderetats 36 Millionen Euro. Hinzu kommen 30 – 35 Millionen Euro, die im Jahr 2009 nicht als Fördermittel abgerufen wurden. Die insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel in Höhe von 65 – 70 Millionen Euro müssen nach Ansicht der DUH im Rahmen der parlamentarischen Beratungen auf den Betrag aufgestockt werden, der aus den Malus-Einnahmen der Bundesregierung von rund 200 Millionen Euro zur Verfügung steht. Die Verwendung der höheren Kfz-Steuer für Dieselautos hatte die Bundesregierung einst zweckgebunden für die Filternachrüstförderung definiert.

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Ausgabe von Sonderziehungsrechten des IWF könnte Klimaschutzfinanzierung sichern

Freitag 18. Dezember 2009 von birdfish

„Den Klimawandel zu stoppen, wird hunderte Milliarden Dollar kosten.

Uexküll unterbreitet Finanzierungsvorschlag
Jakob von Uexküll, Träger des alternativen Nobelpreises, unterbreitet Finanzierungsvorschlag – (c) World Future Council

Ihn nicht zu stoppen, wird noch teurer sein – und unzählige Menschenleben fordern“, sagte Jakob von Uexküll, Gründer des World Future Council und des Alternativen Nobelpreises am Mittwoch. Bei einer Pressekonferenz schlug er deshalb die Ausgabe von Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds vor, um schnell große Summen für die Verringerung des Klimawandels und die Anpassung an dessen Folgen zur Verfügung stellen zu können. Uexküll kritisierte gleichzeitig einen ähnlichen Vorschlag des US-Milliardärs George Soros aus der letzten Woche. Soros’ Konzept sieht vor, dass die Empfängerstaaten die Mittel zurückzahlen müssen.

„Die G77 haben klar gemacht, dass pro Jahr 300 bis 500 Milliarden Euro benötigt werden, um den Klimawandel zu stoppen“, sagte von Uexküll. „Die EU hat bislang gerade einmal die Bereitstellung von 2,4 Milliarden Euro versprochen. Durch die Ausgabe von Sonderziehungsrechten des IWF kann dieser riesige Abgrund überbrückt werden, ohne nationale Haushalte zu belasten.“ Uexküll schlug vor, die Sonderziehungsrechte zinsfrei auszugeben und ihre Rückzahlung unbefristet zu stunden, um die Schuldenlast der Entwicklungsländer nicht noch mehr zu steigern. Um inflationäre Effekte zu verhindern, dürfe das „neue Geld“ nur für konkrete Projekte verwendet werden, die zusätzliche Leistungen und Arbeitsplätze schaffen, vor allem im Erneuerbare-Energien-Sektor.

Zusätzlich forderte der World Future Council die Schaffung eines Förder-Fonds für erneuerbare Energien, um einen sicheren Investitionsrahmen zu schaffen. Dieser „Renewable Energy Policy Fund“ würde es Entwicklungsländern ermöglichen, politische Förderinstrumente wie Einspeisegesetze oder Mikrokredite zu finanzieren und so die Bereitstellung und Nutzung erneuerbarer Energien effektiv zu fördern.

„Wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, müssen wir so bald wie möglich weltweit auf eine C02-freie Wirtschaft hinarbeiten“, fügte Anders Wijkman, Vizepräsident des Club of Rome und Vorsitzender der Klima- und Energie-Kommission des World Future Council, hinzu. „Indem wir den Ländern der G77 die Möglichkeit geben, ihre Entwicklung mithilfe erneuerbarer Energien zu gestalten, halten wir den Schlüssel dazu in der Hand.“

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Die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die landwirtschaftliche Produktivität

Freitag 11. Dezember 2009 von birdfish

Im Rahmen ihrer Schriftenreihe Ökologie setzt sich die Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Thema Klimawandel und das Recht auf Nahrung auseinander.

Titelbild der Studie
(c) Heinrich Böll Stiftung

Der Klimawandel und seine Folgen haben immense Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion und die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen.

Zunehmende Wetterextreme wie Fluten und Dürren vernichten Ernten, der steigende Meeresspiegel bedroht die küstennahe Landwirtschaft und gleichzeitig werden die globalen Trinkwasserreserven knapper. Bereits heute leiden mehr als eine Milliarde Menschen an Hunger und Mangelernährung.

Doch nicht nur der Klimawandel selbst, sondern auch Maßnahmen dagegen beeinflussen das Recht auf Nahrung. Und das auf oftmals sehr unauffällige Weise. Der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter macht immer wieder auf reale und mit Klimapolitik verbundene Menschenrechtsverletzungen aufmerksam. So gibt es Projekte bei denen die lokale Bevölkerung von ihrem Land vertrieben wurde, um Platz für Aufforstungsprojekte oder Plantagenwirtschaft mit Eukalyptusbäumen zu schaffen, die die Treibhausgasemission der Industrieländern kompensieren sollten. De Schutter fordert deshalb, dass der Menschenrechtsansatz konkrete Implikationen für die Maßnahmen zur Bekämpfung und Anpassung an den Klimawandel haben muss.

In der aktuellen Studie „Klimawandel und das Recht auf Nahrung“ analysiert die Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Human Rights Institute der Columbia Law School die Folgen des Klimawandels auf die Umsetzung des Rechts auf Nahrung und gibt Empfehlungen, wie beide Agenden besser zusammengeführt werden können.

Dazu gehört beispielsweise ein verstärkter Fokus auf Belange der Ernährungssicherung bereits bei der Datenerhebung sowie die Ernennung eines UN-Sonderbeauftragen für Klimawandel und Menschenrechte, dessen Aufgabe es ist internationale Maßnahmen zur Anpassung und Bekämpfung des Klimawandels auf die Verträglichkeit mit dem Recht auf Nahrung überprüft und bei auftretenden Problemen Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Die Autoren der Studie plädieren für ein Klimaregime, das auf Gleichbehandlung und Gerechtigkeit beruht und in einem kooperativen Ansatz Klimapolitik und das Recht auf Nahrung verbindet.

Hier finden Sie die umfassende Studie „Climate Change and the Right to Food“ (PDF, engl.).

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Globalen Klima Risiko Index vorgestellt

Dienstag 8. Dezember 2009 von birdfish

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hat den Globalen Klima-Risiko-Index 2010 heute in Kopenhagen veröffentlicht.

Myanmar: Fischer bei der Arbeit
Myanmar: Fischer bei der Arbeit – (c) Dachkammer / Pixelio

Demzufolge waren Bangladesh, Myanmar und Vietnam von 1990 bis 2008 die am schwersten von Wetterextremen betroffenen Länder.
Betrachtet man lediglich das Jahr 2008, wurden Myanmar, Yemen und Vietnam am stärksten getroffen. Der Index, der auf den Daten der NatCatSERVICE-Datenbank des Rückversicherers Munich Re basiert, zeige die Notwendigkeit einer Antwort des Klimagipfels, betonte die Organisation in Kopenhagen. Den betroffenen Ländern müsse geholfen werden, sich auch an den Klimawandel besser anzupassen.

Der Globale Klima-Risiko-Index 2010 hat die Belastungen durch wetterbedingte Schäden – ausgelöst vor allem durch Stürme, Fluten, Hitzewellen – für alle Länder analysiert, die gerade in Kopenhagen verhandeln. Sven Harmeling, Autor des Index bei Germanwatch, erläutert: “Wetterextreme stellen eine steigende Bedrohung für Menschenleben und unsere wirtschaftlichen Güter weltweit dar. Die Belastungen werden durch den Klimawandel zukünftig noch stärker. Unsere Analyse zeigt, dass vor allem ärmere Länder besonders betroffen sind.”

Klima Risiko Index 2010

Globaler Klima-Risiko-Index 2010 für die Jahre 1990-2008 – Quelle: Germanwatch

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, fordert daher: “Es ist in erster Linie die Aufgabe der Industrieländer, den Rahmen für eine gute Anpassungsstrategie für die besonders verletzlichen Entwicklungsländer zu schaffen. Eines der Elemente sollte dabei auch ein Versicherungsmechanismus für diese Länder sein. Die Finanzen dafür sollten in erster Linie von denjenigen kommen, die für den Klimawandel verantwortlich sind.” Solch ein Mechanismus wurde von Germanwatch gemeinsam mit der Munich Climate Insurance Initiative entwickelt.

Saleemul Huq aus Bangladesch, Anpassungsexperte des Institute for Environment and Development (IIED), sagt: “Der Klima-Risiko-Index von Germanwatch zeigt deutlich die verheerenden Auswirkungen extremer Wettereignisse in armen Ländern, wie auch in meinem Herkunftsland. Es ist allerdings bemerkenswert, dass viele dieser Länder sich bereits auf den Klimawandel vorbereiten. Sie sitzen nicht nur da und warten ab. Trotzdem haben die Industrieländer die klare rechtliche und moralische Verantwortung, ihre Anpassungsgelder zu erhöhen, zusätzlich zu den bereits versprochenen Geldern der Entwicklungszusammenarbeit von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens.”

Hier ist der Globale Klima Risiko Index 2010 abrufbar (engl.)

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Germanwatch kritisiert Anrechnung von Klimafinanzierung auf Armutsbekämpfung

Sonntag 6. Dezember 2009 von birdfish

Die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP hat jetzt ihre Verhandlungsposition zum Kopenhagener Klimagipfel in einem  Bundestagsantrag beschlossen.

Armut in asiatischen Großstädten
Wohnen auf der Straße. Klimawandel verschärft die Armut. – (c) qayyaq / Pixelio

Während dieser einige positive Aspekte  enthält, sieht Germanwatch an einem für die Klimaverhandlungen zentralen  Punkt die Gefahr, dass Deutschland damit die Entwicklungs- und  Schwellenländer vor den Kopf stößt. So hat die Bundesregierung  beschlossen, dass Finanzmittel für den Klimaschutz und die Anpassung an  die Folgen des Klimawandels in Entwicklungsländern auf die schon  bestehende Verpflichtung angerechnet werden sollen, 0,7 Prozent des  Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungszusammenarbeit aufzuwenden.  Bisher zahlt Deutschland erst 0,36 Prozent.

Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch: “Die Bundesregierung  setzt damit ein Kopenhagen-Abkommen aufs Spiel, denn die  Entwicklungsländer werden diese Schönrechnung natürlich durchschauen.  Dabei könnte Deutschland von einem solchen Deal wirtschaftlich stark  profitieren. Schätzungen zufolge könnten zusätzliche Exporterlöse von  mehr als 30 Milliarden Euro entstehen, während der faire Finanzbeitrag  Deutschlands bei 7 bis 10 Milliarden Euro pro Jahr liegen sollte.  Deutschland wird so auch in der EU zu einem Bremsklotz, denn andere  Staaten wie Dänemark oder die Niederlande haben die Notwendigkeit der  Zusätzlichkeit erkannt.”

Alleine die Anpassung an die negativen Folgen bringe den  Entwicklungsländern Zusatzkosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro  pro Jahr. Deutschland solle sich stark machen für innovative  Finanzierungsinstrumente beispielsweise im Flug- und Schiffsverkehr, um  wirkliche zusätzliche Mittel zu generieren.

Sven Harmeling, Referent für Klima und Entwicklung bei Germanwatch:  “Dass diese Anrechnung auf Kosten der nach wie vor dringend notwendigen  Armutsbekämpfung gehen wird, ist simple Arithmetik, denn mit der  Finanzierung von Anpassung werden keine Menschen zusätzlich aus der  Armut geholt. Zudem ist dies extrem ungerecht. Es ist in etwa so, als  wenn die Bundesagentur für Arbeit einem Hartz-IV-Empfänger das Auto  kaputt fährt, und dann erwartet, dass dieser mit seinen bereits aufgrund  seiner Armut versprochenen Hartz-IV-Mitteln das Auto reparieren lässt.”

Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch: “Weltweit gibt es  fast eine Milliarde Menschen, die hungern. Im Rahmen der  Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, zu denen sich auch  die Bundesregierung verpflichtet hat, muss diese Zahl bis 2015 deutlich  verringert werden, doch dafür fehlen noch viele Milliarden an Mitteln  der Entwicklungszusammenarbeit. Hierfür ist die Erreichung des 0,7  Prozent-Ziels dringend notwendig, und im Rahmen der EU hatte sich die  Bundesregierung dazu auch bis 2015 verpflichtet.”

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