Montag 30. August 2010 von birdfish
Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat an die Bundesländer und die Bundesregierung appelliert, den ökologischen Landbau stärker zu fördern.
Bodenschutz: Politik muss Anreize zum Umdenken schaffen – Foto: Bernd Boscolo / Pixelio
Ein vom DNR vorgelegtes Ranking zeigt Brandenburg mit einem Flächenanteil von 10,5% an der Landwirtschaftsfläche des Landes an der Spitze, gefolgt von Hessen mit 9,3%, dem Saarland mit 8,9% und Mecklenburg-Vorpommern mit 8,7%.
Trauriges Schlusslicht ist Niedersachsen mit einem Flächenanteil von lediglich 2,9%. Sachsen und Schleswig-Holstein mit 3,5% stehen nicht viel besser da. „Um so verhängnisvoller ist es daher, dass Schleswig-Holstein aus der Förderung des Ökolandbaus aussteigen will“, kritisierte Kornelie Blumenschein vom DNR-Präsidium und Vorsitzende der Ökolandbau-Vereinigung Gäa.
Der DNR verwies auf die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie die einen Anteil des Ökolandbaus von 20 bis 2010 vorsieht. Dieses Ziel wird mit einem durchschnittlichen Flächenanteil von lediglich 5,6% im Bundesgebiet klar verfehlt, monierte der DNR.
Der Nutzen des ökologischen Landbaus im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft besteht zum einen in positiven Effekten für die biologische Vielfalt. Neben der Ausstattung mit naturnahen und miteinander vernetzten Flächen ist vor allem eine naturschonende Bewirtschaftung von Bedeutung. Zum anderen enthalten Ökoprodukte bei verschiedenen Kulturen (wie Kohl, Salat, Tomaten oder Kartoffeln) gegenüber dem konventionellen Anbau deutlich höhere Gehalte an Antioxidantien, Vitaminen und bioaktiven Stoffen und nicht zuletzt profitiert auch das Klima vom Ökolandbau vor allem wegen des Verzichts auf synthetischen Dünger und des kleineren Viehbestandes je Fläche. Zudem kann ein ökologisch bewirtschafteter Boden mehr CO2 binden.DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen, Vorsitzender der Jury Ökologischer Landbau, wies auf die nationalen Angebotsengpässe bei einem weiter boomenden Ökomarkt hin. Eine wesentliche Ursache für die hohe Importquote von nahezu 50% sei die zu geringe Förderung der Ökologischen Landwirtschaft in Deutschland.
So habe sich der Förderstopp in zahlreichen Bundesländern in den Jahren 2005 und 2006 als schwerwiegender Fehler erwiesen. Die Förderprogramme seien zwar inzwischen wieder angelaufen, aber meistens auf niedrigerem Niveau.
Der DNR forderte daher von den Bundesländern eine deutliche Anhebung der Förderprämien und von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner eine deutliche Aufstockung der Mittel für das Bundesprogramm Ökolandbau.
Anteil Ökofläche an Landbaufläche des Bundeslandes in % 2009:
1. Brandenburg 10,5
2. Hessen 9,3
3. Saarland 8,9
4. Mecklenburg-Vorpommern 8,7
5. Stadtstaaten zusammen 7,5
6. Baden-Württemberg 7,0
7. Bayern 5,8
8. Rheinland-Pfalz 4,5
9. Thüringen 4,3
10. Nordrhein-Westfalen 4,2
11. Sachsen-Anhalt 4,2
12. Sachsen 3,5
13. Schleswig-Holstein 3,5
14. Niedersachsen 2,9
Durchschnittswert: 5,6
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Freitag 27. August 2010 von birdfish
Nach den verheerenden Bränden in Russland macht der NABU auf die alarmierenden Folgen für das Weltklima aufmerksam.
Ein feuchtes Moor kann nicht brennen – Foto: Dohduhdah / Wikipedia
Nach Schätzungen von Prof. Florian Siegert vom GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität in München könnten allein durch die Torfbrände in Russland zwischen 30 und 100 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid entstanden sein. Das entspricht in etwa vier bis zwölf Prozent der CO2-Jahresemission Deutschlands. Diese erste Auswertung basiert auf zunächst gering aufgelösten Satellitendaten. Um das gesamte Ausmaß der Katastrophe detailliert zu erfassen bedarf es dringend weiterer Forschung. Thomas Tennhardt, NABU-Vizepräsident und Leiter des Fachbereichs Internationales: „Die Torfbrände hatten nicht nur schlimme Auswirkungen für die Menschen und Tiere in der Region. Die Gefahr für das Klima wird durch die freigesetzten Rußpartikel noch verstärkt. Sie halten sich sehr lang in der Atmosphäre und können bis zur Arktis getragen werden, wo sie die Eisschmelze weiter beschleunigen.“
Wochenlang brannten im Umland von Moskau nicht nur Wälder, sondern auch Torfmoore. Die dadurch entstandene extreme Feinstaubbelastung kostete vermutlich Tausende von Menschen das Leben. Der dichte Qualm aus brennenden Mooren enthält große Mengen des äußerst gefährlichen Kohlenstoffmonoxids und klimaschädliches Kohlendioxid. Die daraus resultierende Schadstoffbelastung ist um ein Vielfaches höher als die aus brennenden Wäldern. Die russischen Torfmoore wurden seit den dreißiger Jahren flächendeckend für eine wirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Um das Entstehen von Torfbränden künftig zu verhindern und die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme zu sichern, müssen die ehemaligen Torfmoore wieder vernässt werden.
Aus NABU-Sicht ist es daher notwendig, in den betroffenen Regionen in Russland ein Konzept zur Wiederherstellung der Moore zu starten. Dies schließt nicht zwangsläufig eine weitere Nutzung aus. Felix Grützmacher, NABU-Referent für Moorschutz: „In Deutschland zeigen solche Projekte bereits vielversprechende Ergebnisse. Bei der wirtschaftlichen Nutzung von zum Beispiel Schilf als Brenn- oder Baustoff kann der Boden nass bleiben und die Gefahr von Feuern ist gebannt. Dies wäre nicht nur ein Beitrag für den Klimaschutz, sondern hätte positive Effekte für viele Tier- und Pflanzenarten.
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Donnerstag 19. August 2010 von birdfish
Seit dem 7. August gelten in Deutschland strengere Vorgaben für die Luftqualität.
Deutschlands Luft soll sauberer werden – (c) Dagmar Struß / birdfish
Mit diesem Schritt hat der Bund die neue EU-Richtlinie (2008/50/EG) über Luftqualität und saubere Luft für Europa in deutsches Recht umgesetzt.
Für die kleinen, besonders gesundheitsschädlichen Feinstäube mit einem Durchmesser kleiner als 2,5 Mikrometer gelten erstmals Luftqualitätswerte. Das festgesetzte landesweite Maximum liegt bei 25, für den städtischen Bereich bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die Werte für Feinstaub mit einem Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer und für Stickstoffoxide, Schwefeldioxid, Benzol sowie andere Stoffe bleiben dagegen unverändert.
Nach der neuen Richtlinie können die Mitgliedstaaten eine Fristverlängerung beantragen, um die seit 2005 beziehungsweise 2008 geltenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid einzuhalten. Denn diese Schadstoffemissionen sind besonders im Verkehrsbereich nicht gesunken, obwohl die Abgasstandards bereits verschärft wurden. Um die Fristverlängerung beantragen zu können, muss der Mitgliedstaat allerdings einen Luftreinhalteplan vorlegen. In diesem muss er konkrete Schritte aufzeigen, wie die Luftqualitätswerte zukünftig eingehalten werden sollen. Wenn die Kommission die Fristverlängerung gewährt hat, müssen die Mitgliedstaaten spätestens bis zum 12. Juni 2011 die Grenzwerte für Feinstaub und ab dem Jahr 2015 die Limitierung für Stickstoffdioxid einhalten.
Den Vollzug der implementierten Vorschriften regeln die Länder. Bisher haben sie mehr als 40 Umweltzonen mit Einfahrverboten für schadstoffreiche Kraftfahrzeuge eingerichtet.
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Mittwoch 18. August 2010 von birdfish
Die EU-Kommission hat die Überprüfung der Umweltpolitik für das Jahr 2009 veröffentlicht.
Bedrohter Kiebitz: Großer Nachholbedarf der EU-Länder beim Schutz der Biodiversität – Foto: Jala 7 / Pixelio
Der Bericht zeigt die Entwicklungen in der EU-Politik im vergangenen Jahr auf und beleuchtet die Umwelttrends sowie umweltpolitischen Leistungen in der EU und ihren Mitgliedstaaten.
Danach haben die Mitgliedstaaten im Bemühen um eine CO2-arme und ressourceneffiziente Wirtschaft viele grüne Initiativen in ihre Konjunkturprogramme eingebaut. Nachholbedarf sieht der Bericht insbesondere beim Kampf gegen den Verlust der biologischen Vielfalt sowie bei der Ressourceneffizienz.
Die Studie geht konkret auf die politischen Entwicklungen der vier Prioritäten des 6. Umweltaktionsprogramms ein. Im Bereich Klimawandel waren die letztjährigen Aktivitäten in der EU vor allem durch die Bemühungen geprägt, diesen abzuschwächen. Für die zweite Priorität, Natur und biologische Vielfalt, zeigt der Bericht die Notwendigkeit der effektiven Nutzung dieser Vielfalt und der Ökosystemleistungen. Gleichzeitig kommt er zu dem Ergebnis, dass es sich auch wirtschaftlich lohnt, in den Schutz von Ökosystemen zu investieren. Im Themenbereich Gesundheit und Umwelt hat die EU 2009 unter anderem mit der Umsetzung der Chemikalienvorschriften und der REACH-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe auf verschiedenen Feldern Fortschritte erzielt. Im Bereich Abfall und natürliche Ressourcen, der vierten Priorität des 6. Umweltaktionsprogramms, hat die EU im vergangenen Jahr einen Maßnahmenkatalog für Nachhaltigkeit bei Verbrauch und Produktion entwickelt sowie ein Endkundenforum eingerichtet, um Maßnahmen für eine bessere Abfallbewirtschaftung praxisnah zu entwickeln. Über die vier Prioritäten hinaus, erläutert die Studie weitere Schlüsselthemen für 2010 und die folgenden Jahre.
Die jährliche Überprüfung der Umweltpolitik dient dazu, die neuesten Umwelttrends und politischen Entwicklungen in der EU und auf nationalem Niveau sowie den Fortschritt bei der Verwirklichung der wichtigsten Umweltziele der EU zu beurteilen.
Die Dateien zum Bericht (engl.) – Es lassen sich auch Daten zu den Ländern einzeln als PDF aufrufen.
Die Pressemeldung der EU-Kommission
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Mittwoch 11. August 2010 von birdfish
Die Stromkonzerne schlagen vor, bei verlängerten AKW-Laufzeiten und dem Verzicht auf die Brennelementesteuer im Gegenzug einen Fonds von 30 Milliarden Euro einzurichten.
Ein gefährlicher Batzen Geld gegen die Sicherheit – (c) setcookie / Pixelio
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete dies als “gefährlichen Kuhhandel mit Atomstrom zu Lasten der Bevölkerung”. Werde er umgesetzt, würden veraltete Strukturen in der Energieversorgung zementiert und die Strahlenrisiken potenziert. Ein einziges zusätzliches Betriebsjahr bei nur einem Atomkraftwerk vergrößere den Atommüllberg um 400 Tonnen radioaktiven Abfall.
Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger verwies auch auf die brennenden Wälder um die Atomanlagen in Russland: “Die Strahlengefahren atomarer Altlasten werden von den Atomstrom-Befürwortern systematisch verdrängt oder heruntergespielt. Dabei können Ereignisse wie Brände, Havarien oder Anschläge im Umfeld deutscher Atomanlagen jederzeit passieren. Was das im dicht besiedelten Deutschland heißt, mag man sich gar nicht ausmalen.”
Ein zukunftsfähiges Energiekonzept müsse auf Atomkraftwerke, aber auch auf neue Kohlekraftwerke verzichten. Keinesfalls dürften Investitionen in erneuerbare Energien ausgebremst werden. Dies sei aber die logische Folge verlängerter AKW-Laufzeiten. “Anstatt den Energieversorgern Zusatzgewinne aus längeren AKW-Laufzeiten zuzuschanzen und sich dafür mit schmutzigem Geld abspeisen zu lassen, sollte die Bundesregierung alle Atomkraftwerke stilllegen”, sagte Weiger.
Der BUND forderte Bundesumweltminister Norbert Röttgen auf, ein Energiekonzept ohne jede Laufzeitverlängerung und mit ambitionierten Energieeinsparzielen durchrechnen zu lassen. In dem von der Bundesregierung beauftragten Konzept drohe ein Faktor völlig vernachlässigt zu werden: die Steigerung der Energieeffizienz. Der Atomausstieg könne schneller vollzogen werden, wenn das riesige Sparpotential effizienter Technologien mobilisiert werde.
Der BUND kündigte für den 18. September eine große Anti-Atom-Demonstration in Berlin an, bei dem gemeinsam mit anderen Verbänden und Bürgerinitiativen das Regierungsviertel umzingelt werden soll.
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Dienstag 10. August 2010 von birdfish
Die Deepwater Horizon-Katastrophe am 22. April im Golf von Mexiko hat zur zweitgrößten vom Menschen verursachten Ölverschmutzung des Meeres und der angrenzenden Küsten geführt.
Explorationsplattform “Deep Water Horizon” – Foto: US Coast Guard
Laut US-Behördenangaben flossen insgesamt rund 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer und schädigen die einzigartigen Ökosysteme an der Küste von Louisiana, im Mississippi-Delta und an den Küsten der angrenzenden US-Bundesstaaten. Die Abschätzung der ökologischen und wirtschaftlichen Folgen ist kompliziert und wirft zahlreiche unbeantwortete Fragen besonders nach der Sicherheit von Ölbohrungen in großen Tiefen auf.
Wissenschaftler aus dem Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ widmen sich der Katastrophe und ihren Ursachen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln von Geologen, Chemikern, Ozeanographen, Biologen, Rechtswissenschaftlern und Ökonomen. Entstanden ist ein umfangreiches Hintergrundpapier, das zum besseren Verständnis der Schwierigkeiten bei der Schließung des Lecks, den Folgen der Ölverschmutzung beiträgt und den zukünftigen Forschungsbedarf aufzeigt.
„Als Wissenschaftler können wir dazu beitragen, dass die Menschen wesentliche Fakten und Hintergründe besser verstehen. Das Ausmaß der Katastrophe ist aus unserer Sicht keineswegs zu verharmlosen und der zukünftige Forschungsbedarf enorm“, sagt Prof. Martin Visbeck, Sprecher des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und Leiter der Forschungseinheit „Physikalische Ozeanographie“ am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). „Gerade bei Themen wie dem Ölunfall im Golf von Mexiko können wir die konzentrierte Schlagkraft des Exzellenzclusters ausspielen und eine differenzierte Bewertung aus vielen Fachbereichen beisteuern“, so Visbeck weiter.
Hintergrundpapier zu Ursachen und Folgen der Ölkatastrophe (PDF)
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Freitag 30. Juli 2010 von birdfish
Der Senat und Nationalversammlung haben in Frankreich das neue Umweltschutzgesetz verabschiedet.
Landschaft in Frankreich – Foto: Dagmar Struß
Der Gesetzestext “Grenelle 2″ bildet eine Art juristischen Werkzeugkasten der im Rahmen des Umweltgipfels Grenelle de l’environnement (Abkommen für Umweltschutz) übernommenen Verpflichtungen (Grenelle 1).
Das Gesetz betrifft vor allem folgende Bereiche:
Bauen und Wohnen
- Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden: Einführung eines Umweltlabels, das den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden berücksichtigt und Energie- und Wasserverbrauch, CO2- und Schadstoffemissionen, Luftqualität der Innenräume und Abfallproduktion mit einrechnet
- Anpassung des Baurechts an die Anforderungen der nachhaltigen Stadtentwicklung
Verkehr
- Förderung nachhaltiger Verkehrsträger und entsprechende Anpassung der Gesetzgebung
- Beschleunigung der Verfahren für die großen städtischen Nahverkehrsprojekte im Rahmen des Programms Espoir banlieue, vor allem in der Region Ile-de-France
Energie
- Einführung von regionalen Klima-, Luft- und Energieplänen
- Obligatorische CO2-Bilanz für alle Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die in einem stark emissionslastigen Bereich tätig sind, für öffentliche Einrichtungen mit mehr als 250 Mitarbeitern und für Gebietskörperschaften mit mehr als 50 000 Einwohnern
- Windparks sollen nur noch im Rahmen von Regionalplänen zum Ausbau der Windenergie gebaut werden, die die Regionen bis Ende Juni 2012 vorlegen sollen. Wenn bis dahin kein Plan vorliegt, übernimmt der Staat die Planung für die betreffende Region. Die Parks sollen zukünftig unter die Regelung für Anlagen fallen, die ein Umweltrisiko darstellen können
Biologische Vielfalt
- Schaffung von “grünen Korridoren” und “blauen Korridoren” als Verbindung zwischen den geschützten Gebieten, um die natürliche oder durch den Klimawandel bedingte Artenwanderung zu ermöglichen
Umweltgesundheit und Abfallwirtschaft
- Verstärkung der Schutzmaßnahmen gegen Lärm-, Strahlen- und Lichtbelastung
- Einführung eines obligatorischen Entsorgungsplans vor dem Abbruch von Gebäuden
Zu den zahlreichen weiteren Bestimmungen in mehr als 20 Rechtsbereichen (Stadtentwicklung, Umwelt, Bauwesen, etc.) gehören auch die schrittweise Einführung einer Produktkennzeichnung durch einen “CO2-Fußabdruck” (Ermittlung der Kosten, die durch die Treibhausgas-Emissionen eines Produktes von der Herstellung bis zur Entsorgung entstehen) sowie die Einführung einer Qualitätskontrolle für die Innenluft von Gebäuden mit Besucherverkehr. Im Rahmen der im Senat und in der Nationalversammlung verabschiedeten Änderungen soll Schülern die Nutzung von Mobiltelefonen in Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen untersagt werden. Hingegen wurde eine Bestimmung gestrichen, die die Erprobung einer City-Maut in Städten mit mehr als 300 000 Einwohnern ermöglichen sollte.
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Donnerstag 29. Juli 2010 von birdfish
Für das nächste Jahrhundert hat der Weltklimarat für die ariden und semi-ariden Gebiete im südlichen Afrika sehr dynamische Klimaszenarien mit einem erhöhten Vorkommen von extremen Regenfällen vorhergesagt.
Afrikanische Striemengrasmaus (Rhabdomys pumilio) – Foto: IZW
Klimabedingungen haben einen starken Einfluss auf das Vermehrungspotential von Parasiten. Viele von ihnen gelten als Krankheitserreger, die den Menschen, seinen Viehbestand und auch Wildtiere befallen können. Eine Studie von Ökologen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ermöglicht nun erste Rückschlüsse darauf, welche Folgen der Klimawandel auf den Parasitenbefall für Wild- und Nutztiere im südlichen Afrika hat.
So kommen in Afrikanischen Striemengrasmäusen (Rhabdomys pumilio) mehr Würmer vor, je feuchter und kühler die Region ist, in der die Mäuse leben. An sieben Standorten in Namibia und Südafrika hatten Götz Froeschke und Prof. Simone Sommer vom IZW gemeinsam mit Kollegen aus Hamburg und Südafrika insgesamt 440 Mäuse gefangen und untersucht. Die Fangstellen unterscheiden sich stark in Bezug auf den Jahresniederschlag, das Temperaturmittel und die Luftfeuchtigkeit. „Im Süden Namibias am Fish River Canyon fallen nur ca. 80 Millimeter Regen im Jahr, in Jonkershoek nahe der Atlantikküste hingegen weit über 1100 Millimeter“, erläutert Froeschke. Die Afrikanische Striemengrasmaus kann mit sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen leben und gilt als Überträger von gefährlichen Ektoparasiten, wie beispielsweise einer Zeckenart, die den Krim-Kongo-Fieber-Virus in sich trägt.
Die Evolutionswissenschaftler setzten die gemessenen Klimawerte statistisch in Beziehung zu dem Befall an Parasiten im Verdauungstrakt der Mäuse. In den 440 Tieren wiesen sie 15 Arten von Würmern, darunter vor allem Nematoden (Rundwürmer) nach. Circa 18 Prozent der Mäuse waren nur von einer Art befallen, knapp 23 Prozent trugen sogar zwei oder drei verschiedene Spezies. Besonders häufig stellten die Wissenschaftler die Parasiten an Standorten fest, die im Vergleich zum heißen Süden Namibias feucht und kühl waren. Sowohl Niederschlagsmenge als auch Luftfeuchtigkeit weisen einen hohen positiven Zusammenhang mit dem Befall auf. „Viele Würmer brauchen in ihrem Lebenszyklus eine feuchte Umgebung, da sie als Ei oder als Larve außerhalb des Wirtsorganismus überleben müssen“, erklärt Simone Sommer. „Manche Arten wie Syphacia obvelata sind sehr anpassungsfähig und kommen auch aufgrund einer sehr direkten Übertragung in trockenen Gegenden vor, für viele Würmer ist dies aber nicht möglich.“
Die Temperatur hat einen deutlich geringeren Einfluss auf das Vorkommen von Parasiten in den untersuchten Tieren. Dennoch ist auch dieser Zusammenhang signifikant: je kühler das Jahresmittel desto häufiger sind Mäuse von Würmern befallen. Mit der Temperaturverteilung kann circa 15 Prozent der Varianz des Parasitenbefalls erklärt werden, mit den Niederschlagsunterschieden sind es über 87 Prozent.
„Dies ist die erste empirische Studie, die den Einfluss von Klimavariablen auf den Befall mit Parasiten in Säugetieren entlang eines natürlichen Klimagradienten beschreibt“, ordnet Prof. Sommer die Erkenntnisse ein. Bisher war nur aus Tests unter Laborbedingungen bekannt, dass beispielsweise die Luftfeuchtigkeit eine bedeutende Rolle spielt. Die Striemengrasmaus soll nun als Modellspezies für kommende Studien dienen, bei denen auch größere Säugetiere und vor allem Nutztiere untersucht werden. Die Wissenschaftler erhoffen sich Rückschlüsse darauf, wie der Klimawandel auf Viehbestände oder Wildtiere wirkt. „Bisher gibt es lediglich Vermutungen, welchem Druck Parasiten und Wirte durch Klimaänderungen ausgesetzt sind. Durch unsere Studie an den Striemengrasmäusen haben wir eine Datengrundlage geschaffen und elementare Zusammenhänge aufgezeigt“, erklärt Sommer. In feuchter werdenden Regionen müssten sich Tiere wahrscheinlich auf einen höheren Parasitenbefall einstellen. Es gelte aber noch im Detail zu erforschen, wie welche Spezies an welchem Ort auf der Welt auf Klimaränderungen reagiert. In weiterführenden Arbeiten planen die Wissenschaftler des IZW, auch genetische und physiologische Untersuchungen einzuschließen.
Die Studie entstand gemeinsam mit Rainer Harf (Universität Hamburg) und Dr. Sonja Matthee (University of Stellenbosch, Südafrika) und ist 2010 in der Fachzeitschrift OIKOS erschienen.
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