KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Den Klimawandelfolgen entgegnen: Projekt gibt Afrikanern Hilfe zur Selbsthilfe

Mittwoch 31. August 2011 von birdfish

In Afrika verursachen die globale Klimaerwärmung und der starke Verstädterungsprozess große Bedrohungen für die Bevölkerung.

Straßenszene aus Ouagadougou
Straßenszene aus Ouagadougou
- Foto: Stephan Pauleit / TUM)

Niederschlagsknappheit erschwert die Landwirtschaft zunehmend, für viele Bauern ist daher die Flucht in städtische Ballungszentren einzige Überlebenshoffnung. Zu dieser Zuwanderrate kommt in afrikanischen Stadtregionen noch ein hohes Bevölkerungswachstum von über 5% pro Jahr hinzu. Ein internationales Forschungsprojekt unter Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) nimmt sich dieser Problemlage jetzt an. Das gemeinsame Ziel: Die Entwicklung von Strategien zur Risikominimierung afrikanischer Städte, die durch den globalen Klimawandel bedroht sind.

Die europäische Union stellt dem internationalen Forscherkonsortium im Rahmen ihres 7. Forschungs-Rahmenprogramms während bis 2013 insgesamt 3,5 Mio. Euro für das Projekt CLUVA (Climate change and Urban Vulnerability in Africa) zur Verfügung. Als europäische Projektpartner sind neben der TUM unter Leitung des italienischen Instituts AMRA die Universität Kopenhagen, die Universität Manchester, das italienische Centro Euro-Mediterraneo per i Cambiamenti Climatici, das deutsche Helmholtz Zentrum für Umweltforschung sowie das norwegische Institut für Stadt- und Regionalforschung NIBR beteiligt. Die afrikanischen Partner kommen von der Addis Ababa-Universität Äthiopien, der Ardhi-Universität Tansania, der Université Gaston Berger de Saint Louis Senegal, der Université de Yaoundé I in Kamerun, der Universität Ouagadogou in Burkina Faso, sowie dem Council for Scientific and Industrial Research CSIR in Südafrika.

Die Wissenschaftler untersuchen die Strategien zur Risikominimierung am Beispiel von fünf afrikanischen Großstädten: St. Louis (Senegal), Ouagadougou (Burkina Faso), Douala (Kamerun), Addis Ababa (Äthiopien) sowie Dar Es Salaam (Tansania). Meist wachsen die Stadtränder dort ohne strategische Planung in das Umland hinaus. In Dar Es Salaam beispielsweise lebt etwa 70% der Bevölkerung in ungeplanten Siedlungen. Vor allem in diesen Wachstumszonen gibt es erhebliche Defizite in der Infrastruktur, in der Ökologie, im sozialen Bereich und in der Sicherheit. Außerdem wird die Versorgung der Bewohner mit Nahrungsmitteln, Strom und Wasser immer schwieriger. Dazu kommt die erwartete massive Landflucht: Schon heute leben 297 Millionen Menschen der afrikanischen Bevölkerung in Städten oder an den Küstengebieten – 2030 werden es voraussichtlich 1,4 Millionen Menschen sein. Das Forscherkonsortium möchte daher schon jetzt die Risiken durch die globale Klimaveränderung benennen – und Wege aufzeigen, um die Anpassungsfähigkeit der Großstädte zu erhöhen.

Das Team am TUM-Lehrstuhl Strategie und Management der Landschaftsentwicklung untersucht dabei speziell die Rolle städtischer Grünstrukturen und Ökosysteme bei der Anpassung afrikanischer Städte an den Klimawandel. Dabei spielen hauptsächlich die Regenwasserrückhaltefähigkeit, die Kühlwirkung auf das städtische Lokalklima sowie die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Brennholz aus den Grünstrukturen eine bedeutende Rolle. „Methodisch kommen eine Erfassung und stadtspezifische Kartierung dieser verschiedenen Einflussfaktoren gemeinsam mit den afrikanischen Partnern vor Ort zur Anwendung“, erklärt Prof. Stephan Pauleit, Leiter des Lehrstuhls Strategie und Management der Landschaftsentwicklung. Die Erkenntnisse der TUM über die Robustheit der Grünstrukturen gegenüber globalen Klimaveränderungen und dem Siedlungsdruck in Afrika fließen – zusammen mit den anderen Forschungsergebnissen aus dem CLUVA-Projekt – in eine Strategie für eine zukunftsweisende, modellhafte Stadtplanung afrikanischer Städte ein.

„Die Feldforschung wird durch unsere afrikanischen Partner betrieben. Die europäischen Wissenschaftler stehen jederzeit unterstützend zur Seite und bringen ihr gesamtes Know-how in den Forschungsprozess mit ein. Hand in Hand wird dadurch das Fachwissen über den Umgang mit Klimarisiken in Afrika bei den afrikanischen Partner-Universitäten aufgebaut“, erklärt Pauleit. „Die Ergebnisse aus dem CLUVA-Projekt werden daher in Zukunft auch die Lehre an den afrikanischen Partner-Universitäten bereichern. So bietet das Projekt sozusagen doppelt Hilfe zur Selbsthilfe“, freut er sich.

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Menschen hungern in Mosambik: Plantagen für Lufthansa-Biokerosin anstatt Nahrung

Donnerstag 14. Juli 2011 von birdfish

Die Entwicklungsorganisation INKOTA-Netzwerk kritisiert die Ankündigung von Lufthansa, ab dem 15. Juli auf der Strecke Hamburg-Frankfurt mit Biokerosin zu fliegen.

Biosprit macht Hunger

Das eingesetzte Biokerosin wird unter anderem aus der ölhaltigen Jatropha-Pflanze aus mosambikanischem Anbau gewonnen. Mosambikanische Partnerorganisationen des INKOTA-Netzwerks berichten, dass der Anbau von Jatropha-Plantagen in den vergangen Jahren stark ausgeweitet wurde und es dadurch zunehmend zu Landkonflikten kommt. Die Bundesregierung beteiligt sich an dem Lufthansa-Projekt mit 2,5 Millionen Euro.

“Lufthansa heizt mit dem Einsatz von Biokerosin die Landkonflikte in Mosambik weiter an. In einigen Regionen mussten die Menschen bereits umgesiedelt werden, um den Jatropha-Plantagen Platz zu machen. Es ist fatal, in einem Land in dem 38 Prozent der Menschen unterernährt sind, Energiepflanzen für den Export anzubauen”, kritisiert Evelyn Bahn, Agrarexpertin des INKOTA-Netzwerks. Allein 2007 haben Investoren in Mosambik Lizenzen zur Erschließung von fünf Millionen Hektar Land beantragt, was fast einem Siebtel der offiziell als “landwirtschaftlich nutzbar” definierten Fläche entspricht.

Mosambik ist in den vergangenen Jahren immer stärker in den Fokus von ausländischen Investoren geraten, die Land für den Anbau von Energiepflanzen erwerben möchten. Von den rund 21 Millionen Einwohnern Mosambiks leben Dreiviertel auf dem Land von kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Die Existenz der Kleinbauern wird durch die Großprojekte von ausländischen Investoren zunehmen bedroht.

Studien zeigen, dass die Jatropha-Pflanzen zu Gewinnung von Agrartreibstoffen in der Regel auf fruchtbarem Land angebaut werden, weil dies höhere Erträge bringt. Jatropha kann zudem nur mit massiven Einsatz von Pestiziden, Kunstdünger und Wasser gewinnbringend angebaut werden. “Von ‘Bio’-Kerosin kann also keine Rede sein. Nicht nur die Flugpassagiere von Lufthansa werden getäuscht, sondern auch die Steuerzahler. 2,5 Millionen Euro Steuergelder werden verheizt, obwohl die Klimaeffizienz von Agrartreibstoffen bereits 2008 vom Wissenschaftlichen Beirat der Bun-desregierung widerlegt wurde”, erklärt Evelyn Bahn.

Während für Agrarkraftstoffe zur Beimischung von Benzin und Diesel seit Anfang 2011 gesetzliche Nachhaltigkeitskriterien gelten, ist unklar, ob das Lufthansa-Biokerosin zertifiziert wird. Die von der Bundesregierung anerkannte Zertifizierungsstelle “International Sustainability & Carbon Certification” hat bislang keine Plantagen in Mosambik zertifiziert. Das INKOTA-Metzwerk fordert die Bundesregierung dazu auf, die Förderung des Biokerosin-Projektes zu stoppen und ein Moratorium für die Nutzung von Jatropha-Pflanzen zur Gewinnung von Agrarkraftstoffen zu verhängen. “Solange nicht sichergestellt werden kann, dass bei der Produktion von Biokerosin soziale und ökologische Standards eingehalten werden, muss es einen Import-Stopp geben”, fordert Evelyn Bahn.


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Ackerflächen-Nutzungsplan wird gefordert – ‘E10′-Einführung erneut in der Kritik

Freitag 10. Juni 2011 von birdfish

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Bundesregierung aufgefordert, die Einführung des Agrosprits “E10″ endgültig zu stoppen.

E10 an der Zapfsäule
E10 an der Zapfsäule – Foto: berlin-pics / Pixelio

“E10″ halte die Autohersteller davon ab, stärker auf  Spritspar-Technologien zu setzen. “Weil sich die Hersteller die Beimischung von E10 als Klimaschutzmaßnahme anrechnen lassen, gibt der sogenannte Biosprit der Autoindustrie das fatale Signal, ihre falsche Modellpolitik fortzusetzen zu können. Deshalb muss das Ziel, 2020 zehn oder mehr Prozent Agrarkraftstoffe im Verkehrssektor einzusetzen, endlich aufgegeben werden”, sagte der BUND-Verkehrsexperte Werner Reh. Sowieso fehle in Deutschland die dafür nötige Anbaufläche. Wenn die Bundesregierung wirksam Treibhausgase einsparen wolle, müsse sie ambitionierte CO2-Minderungsziele für den gesamten Verkehrssektor festlegen und dafür sorgen, dass die Fahrzeuge sehr viel sparsamer würden als heute.

Mit Verweis auf die innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate auf dem Weltmarkt registrierte Steigerung der Weizenpreise um 70 Prozent forderte Reh die sofortige Rückkehr zur vor der “E10″-Einführung vorhandenen Beimischungsquote von maximal fünf Prozent Bioethanol. “Es muss aufhören, dass die Reichen in ihren PS-Boliden und Luxuskarossen die Nahrung der Armen verfeuern”, sagte Reh.

Guido Reinhardt vom IFEU-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg kritisierte ebenfalls die Pläne der Bundesregierung und der Europäischen Union zur Beimischung von Agrarkraftstoffen. “An die Stelle der Beimischungsquote von aktuell 6,25 Prozent Biosprit in Otto- und Dieselkraftstoffen in Deutschland und der EU-Vorgabe von zehn und mehr Prozent Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor für 2020 muss die bestmögliche und umweltgerechte Nutzung der vorhandenen Ackerflächen treten. Der Anbau von Getreide für die Ethanolproduktion und von Raps für Biodiesel ist nicht effizient”, sagte Reinhardt.

Derzeit würden in Deutschland auf rund 2,5 Millionen Hektar Energiepflanzen angebaut. Nach Prognosen des IFEU-Instituts verringere sich diese Fläche bis 2020 auf rund eine Million Hektar. Allein der Anbau von Weizen für einen zehnprozentigen Anteil von Ethanol im Benzin würde 2020 rund achtzig Prozent dieser Fläche benötigen. Reinhardt forderte eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie die begrenzte Fläche am besten genutzt werden könne. “Der Fakten-Check wird zeigen, dass zur Ausweitung des Anbaus von Biomasse für den Tank keine zusätzlichen Flächen vorhanden sind”, sagte Reinhardt. Eine wesentlich bessere Ökobilanz als der Anbau von Weizen und Raps hätten der Anbau schnell wachsender Baumarten und die Nutzung von Bioabfällen. Die daraus erzeugte Biomasse könne in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen verfeuert werden, die zugleich Strom und Wärme erzeugen.

Reinhardt: “Es ist nicht sinnvoll, bei der Zertifizierung von Biokraftstoffen prozentuale CO2-Einsparungen auszurechnen und nicht die maximal mögliche CO2-Minderung pro Hektar zum Maßstab zu machen. Deshalb wird dringend eine neue Biomassestrategie mit einem Flächen-Nutzungsplan benötigt. Darin müssen sämtliche Flächennutzungen einer umfassenden CO2-Bilanz unterzogen werden.”

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Nahrung und Produktionsmittel wie Wasser und Böden gerecht und effizient nutzen

Montag 23. Mai 2011 von birdfish

Es ist nicht notwendig, die Lebensmittelproduktion in den kommenden vier Jahrzehnten deutlich zu steigern, damit alle Menschen satt werden.

Gerechte und effiziente Landwirtschaft gegen Welthunger
Gerechte und effiziente Landwirtschaft gegen Welthunger – Foto: Manfred Schimmel / Pixelio

Dieser Prognose der Welternährungsorganisation FAO widersprachen die Autoren von der Universität Hohenheim.

2009 forderte die FAO, wegen der wachsenden Bevölkerung bis 2050 weltweit 70 Prozent mehr Nahrungsmittel anzubauen. Laut WWF, der gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung die Studie in Auftrag gab, berücksichtigte die FAO bei ihrer Berechnung wichtige Faktoren wie den Klimawandel nicht. Die postulierte Produktionssteigerung sei nur ein Teil der Lösung, sagte der Agrarreferent des WWF Matthias Meissner. Dringlicher sei es, dass Nahrungsmittel und knappe Produktionsmittel wie Wasser und Böden gerechter und effizienter genutzt würden.

Die Zahlen der FAO wurden von der Agrarindustrie gern als Argument für mehr Chemie auf den Äckern verwendet. Auch den Einsatz von Gentechnik und Agrarsubventionen ohne zusätzliche Umweltauflagen begründeten die Verfechter der industriellen Landwirtschaft mit der FAO-Prognose. Die Argumente richteten sich auch gegen den Ökolandbau, der ohne Pestizide oder synthetischen Dünger auskommt und dadurch weniger erntet.

Auch die Menge der Nahrungsmittel, die weggeworfen würden, habe die FAO nicht bei ihrer Vorhersage berücksichtigt. Nach eigenen Angaben beträgt die Lebensmittelverschwendung je nach Region zwischen 20 und fast 35 Prozent.

Studie von WWF und Heinrich-Böll-Stiftung

Studie der FAO zu Lebensmittelverschwendung


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“Geniegipfel” berät über Strategien zu Klimastabilisierung und Welternährung

Dienstag 17. Mai 2011 von birdfish

Fast zwanzig Nobelpreisträger aller Fachrichtungen treffen diese Woche in Stockholm auf viele der weltweit führenden Forscher im Bereich Klima, Energie, Umwelt.

Mitglieder des UN High-level Panel
Die Mitglieder des UN High-level Panel – Foto: UN

Im Mittelpunkt ihrer Debatten stehen Visionen für die Schaffung von nachhaltigem Wohlstand innerhalb der Belastungsgrenzen unseres Planeten, insbesondere Strategien zur Stabilierung des Klimasystems und zur Sicherung der Welternährung. Eine vom UN-Generalsekretär eingesetzte hochrangige Expertengruppe zur globalen Nachhaltigkeit, der neben mehreren Staatspräsidenten und Ministern auch die EU-Umweltkommissarin Connie Hedegard angehört, wird am Mittwoch in der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften die Schlussfolgerungen der Nobelpreisträger entgegennehmen. Diese fließen ein in die Vorbereitung der großen UN-Konferenz „Rio plus 20“ im nächsten Jahr.

„Von Stockholm wird als weltweit beachtetes Signal ausgehen: Verdrängung der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist nicht länger eine Option“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Initiator der vor vier Jahren begonnenen Nobelpreisträgertreffen. Die Unabhängigkeit der Preisträger, die mehrheitlich selbst keine Nachhaltigkeitsforscher sind, ist dabei besonders wichtig. „Einige der klügsten Köpfe der Welt nehmen sich hier einiger der größten Probleme der Menschheit an“, sagt Schellnhuber. „Nicht, weil das ihr Spezialgebiet ist, auf dem sie wissenschaftlichen Ruhm suchen – den haben sie schon. Sondern weil sie wissen, dass es ums Ganze geht.“

Nach Potsdam und London ist Stockholm 2011, ausgerichtet gemeinsam mit schwedischen Partnern, das dritte globale Symposium seiner Art. Die Veranstalter freuen sich, hierfür die Unterstützung von König Carl XVI Gustaf von Schweden gewonnen zu haben, der wie auch Kronprinzessin Viktoria an der Veranstaltung selbst teilnimmt.

Der deutsche Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg ist ebenso dabei wie der mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnete Inder Amartya Sen, der schweizer Medizin-Nobelpreisträger Werner Arber ebenso wie der niederländische Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen und der US-amerikanische Physik-Nobelpreisträger Douglas Osheroff. Neben den vielen Naturwissenschaftlern beteiligt sich aber auch etwa die südafrikanische Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer.

Die Menschheit, das ist eine Leitidee des Stockholmer Symposiums, hat durch ihre massiven Einwirkungen auf die Umwelt eine neue erdgeschichtliche Epoche eingeleitet – das „Anthropozän“, wie Crutzen es genannt hat. Vor diesem Hintergrund sollen neben den bekannten Kipp-Punkten gefährlichen Klimawandels nun umgekehrt auch Kipp-Prozesse hin zu nachhaltiger Entwicklung ermittelt werden. Im Vordergrund steht dabei der Umbau der weltweiten Energiesysteme und die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Kulturwandels.

Das Symposium wird ermöglicht durch die Unterstützung mehrerer  Stiftungen. Neben schwedischen Organisationen zählen insbesondere auch zwei deutsche dazu.

Hierzu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Stiftungen und Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Dr. Wilhelm Krull: “Die steigende Zahl an Umweltkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Hurrikane und ihre dramatischen Folgen nehmen Politiker wie Bürger gleichermaßen mit wachsender Besorgnis wahr. Immer mehr Stiftungen fühlen sich dazu verpflichtet, sich mit den Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, zu befassen. Die VolkswagenStiftung versteht sich als Impulsgeberin für die Wissenschaft und unterstützt daher ausdrücklich Veranstaltungen wie das Nobelpreisträgertreffen zu Global Sustainability in Stockholm, bei dem die Notwendigkeit integrierter Ansätze im Hinblick auf Konflikte, Synergien und Kompromisse zwischen den einzelnen Komponenten des Klimawandels im Fokus steht.”

Das Nobelpreisträgertreffen werde von Entscheidungsträgern stark wahrgenommen, betont die Stiftung Mercator. “Die Stiftung Mercator setzt sich in ihrem Themencluster Klimawandel für ambitionierte Treibhausgas-Reduktionsziele ein”, so Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung. “Unsere Projekte zielen auf den dafür notwendigen politischen Wandel. Wir unterstützen die Nobelpreisträgertagungen, da sie ein wirkungsvolles Instrument zur Kommunikation wissenschaftsbasierter Lösungsstrategien zum Klimaschutz sind und bei politischen Entscheidungsträgern viel Beachtung finden.“

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Klimawandel: Erwärmung schreitet weiter voran – Extremsommer werden häufiger

Mittwoch 6. April 2011 von birdfish

Ein internationales Forschungsteam hat erstmals detailliert die Hitzesommer von 2003 und 2010 verglichen.

Mit der Wärme kommt das Taubenschwänzchen nach Deutschland
Mit der Wärme kommt das Taubenschwänzchen nach Deutschland – Foto: Angelika Wolter / Pixelio

Sie stellten dabei fest, dass der Sommer 2010 in klimatischer Hinsicht beispiellos war: Noch nie seit mindestens 500 Jahren wichen die Sommertemperaturen Europas so stark von der Norm ab. Die Hitzewelle über Osteuropa und Russland forderte viele Hitzetote und verursachte große ökonomische und ökologische Schäden. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Der menschgemachte Klimawandel wird solche Extremsommer häufiger auftreten lassen. An dieser Untersuchung waren neben dem Forschungsteam Prof. Jürg Luterbacher (Institut für Geographie der Uni Gießen) und einem Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) auch Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, der Agencia Estatal de Meteorología Madrid und der Universität Lissabon beteiligt. Die internationale Forschergruppe hat ihre Resultate nun in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ publiziert.

Insbesondere die Menschen in Russland litten 2010 unter der außergewöhnlichen Hitze. In Moskau wurden Tagestemperaturen von knapp 40 Grad Celsius registriert. Verheerende Brände aufgrund der Trockenheit vernichteten eine Fläche von einer Million Hektar, rund 25 Prozent der Ernte fielen aus. Der geschätzte Schaden beläuft sich auf 15 Milliarden US-Dollar. Zwar kollabierten auch in Deutschland Reisende in unklimatisierten Zügen, trotzdem ist im kollektiven Bewusstsein – zumindest der Westeuropäer – immer noch der Hitzesommer von 2003 als „der extremste Sommer“ verankert.

Die Hitzewelle von 2010 brach alle Rekorde sowohl in Bezug auf die räumliche Ausdehnung als auch die Temperaturabweichung vom Mittel. Die gemessenen Temperaturen lagen zwischen 6,7 bis 13,3 Grad Celsius über dem Sommermittel. Die Hitzewelle erstreckte sich über eine riesige Fläche von rund zwei Millionen Quadratkilometern – das entspricht knapp sechs Mal der Fläche Deutschlands. Der Sommer 2010 war im Mittel über Gesamteuropa 0,2 Grad Celsius wärmer als jener von 2003. Was sich nach wenig anhört, ist – auf die riesige Fläche und auf den gesamten Sommer hinaus berechnet – viel. „Dass wir den Sommer von 2003 als extremer wahrgenommen haben, liegt insbesondere daran, dass Westeuropa 2003 von der Hitzewelle mehr betroffen war und es über einen langen Zeitraum warm blieb“, erklärt Professor Luterbacher.

Der Grund für die Hitzewellen in 2003 und 2010 war in beiden Fällen eine sogenannte Omega-Lage. Es handelt sich dabei um ein stabiles und ausgedehntes Hochdruckgebiet, das westlich und östlich von einem Tiefdruckgebiet begrenzt wird. 2010 lag das Zentrum dieses blockierten Hochdruckgebiets über den Landmassen Russlands. Das östliche Tiefdruckgebiet war für die Überschwemmungen in Pakistan mitverantwortlich. Doch die stabile Hochdrucklage war nicht die einzige Ursache für die außerordentliche Hitze von Juli bis Mitte August 2010: Hinzu kamen eine frühe Schneeschmelze und wenig Niederschlag, was den Boden austrocknete und die Situation zusätzlich verschärfte. „Solch lang andauernde Hochdrucklagen im Sommer sind zwar selten, kommen aber immer wieder vor. Es war deshalb von Interesse für uns, die Hitzewellen von 2003 und 2010 im Kontext der letzten Jahrhunderte zu analysieren“, sagt Luterbacher.

Zu diesem Zweck verglichen die Wissenschaftler die jüngsten Hitzewellen mit Daten aus den vergangenen Jahrhunderten. Bis ins Jahr 1871 liegen tägliche Durchschnittstemperaturen vor. Für die Zeit davor nutzten die Forscher jahreszeitliche Daten, die mit Hilfe von historischen Dokumenten aus Archiven, Baumringen, Eisbohrkernen und frühinstrumentellen Messungen ermittelt wurden. Die Sommer 2003 und 2010 brachen in der Hälfte Europas die Hitzerekorde der letzten 500 Jahre. „Aus Einzelereignissen, wie sie die Hitzewellen von 2003 oder 2010 darstellen, lassen sich keine direkten Aussagen über den Klimawandel ableiten“, betont Luterbacher. „Dass diese zwei Rekordsommer und drei weitere sehr heiße Sommer in den letzten 10 Jahren stattfanden, ist jedoch bemerkenswert und die Häufung dieser Phänomene stimmt uns nachdenklich.“

Um herauszufinden, ob solche extremen Wettereignisse auch in Zukunft vermehrt stattfinden könnten, analysierten die Forscher die Zeiträume von 2020 bis 2049 und von 2070 bis 2099 mit Hilfe von elf regionalen, hoch aufgelösten Klimamodellszenarien. Die gute Nachricht: Die Hitzewelle 2010 war so extrem, dass solche Phänomene auch in den nächsten Jahrzehnten außergewöhnlich bleiben werden. Am Ende des Jahrhunderts deuten die Modelle jedoch im Mittel alle acht Jahre auf eine Hitzewelle vom Ausmaß des Extremsommers von 2010 hin. Hitzewellen wie 2003 werden nach Ansicht der Forscher bis zum Ende des 21. Jahrhunderts schon fast zur Normalität. Während die genauen Häufigkeitsänderungen stark vom Modell abhängen, zeigen alle Simulationen, dass die Hitzeperioden in Zukunft häufiger, intensiver und anhaltender werden.

Originalpublikation

Barriopedro, D., E. M. Fischer, J. Luterbacher, R. M. Trigo, and R. García-Herrera. 2011. The hot summer of 2010: redrawing the temperature record map of Europe, Science EXPRESS, doi: 10.1126/science.1201224

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Sechs zentrale Eckpfeiler für eine klima- und energiesichere Zukunft gefordert

Sonntag 20. März 2011 von birdfish

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen “Brot für die Welt”, Germanwatch, Greenpeace, Oxfam und WWF fordern von der Bundesregierung in einer gemeinsamen Erklärung sechs Eckpfeiler für eine zukunftsfähige Energieversorgung ohne klimaschädliche und hochriskante Energietechnologien.

Braunkohle-Kraftwerke
Kohlekraft: verantwortlich für die Klimakatastrophen der Zukunft? – Foto: Kurt F. Domnik / Pixelio

Die Katastrophe von Fukushima erfordert jetzt den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomtechnologie in Deutschland und Europa. Das bedeutet, die Weichen in der Energiepolitik neu zu stellen. Klimaschutz müsse ein elementarer Teil der neuen Energiestrategie sein, so die Verbände.

“Nach der Katastrophe von Fukushima mit ihren völlig unabsehbaren Langfristfolgen ist eine Energiewende, die künftig menschengemachte Katastrophen ausschließt, alternativlos. Das gilt überall auf der Welt, aber ganz besonders auch in Deutschland. Der Politikwechsel, den wir hierfür brauchen, muss jetzt beginnen”, sagt Thomas Hirsch, Entwicklungspolitischer Beauftragter von “Brot für die Welt”, dem evangelischen Hilfswerk.

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer bei Germanwatch, drängt die Bundesregierung: “Jetzt gilt es, ohne Wenn und Aber die Weichen für den deutlich beschleunigten Ausbau von Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien zu stellen. Der dazu notwendige Ausbau von Stromnetzen und Speichern wird wesentlich mehr Akzeptanz finden, wenn klar ist, dass er einer erneuerbaren Zukunft ohne die Risikotechnologien Kohle und Kernkraft dient.”

“Atomtechnologie ist nicht kontrollierbar und grenzenlos zerstörerisch”, betont Stefan Krug, Leiter der Politischen Vertretung von Greenpeace. “Die Kanzlerin muss noch vor den Landtagswahlen die gefährlichsten zehn Atomkraftwerke durch einen Bundestagsbeschluss abschalten lassen. Vier weitere müssen bis 2013 und die restlichen in wenigen Jahren danach vom Netz. Fukushima hat uns gelehrt, dass es bei der Sicherheit von Atomkraftwerken keine Kompromisse mehr geben darf.”

Oxfam-Geschäftsführer Paul Bendix warnt, jetzt nicht ein Risiko durch das andere zu ersetzen: “In einem energiepolitischen Zukunftspaket darf Frau Merkel nicht den Ausstieg aus der gefährlichen Atomkraft mit dem Einstieg in den nicht minder gefährlichen Klimawandel erkaufen, der jetzt schon in den armen Ländern Ernten verdorren lässt und den weltweiten Hunger verschärft. Die Senkung der Treibhausgasemissionen in Europa ist unverzichtbarer Bestandteil solch eines Pakets. Richtig wäre es daher, wenn jetzt Frau Merkel in Brüssel durchsetzt, dass die Europäische Union ihr Klimaziel zunächst auf mindestens 30 Prozent Emissionsreduktionen bis 2020 festlegt.”

Regine Günther, Leiterin Klima und Energiepolitik beim WWF, erklärt: “Der schnelle Ausstieg aus der Hochrisikotechnologie Kernkraft und der Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Der Bau neuer Kohlekraftwerke ist unvereinbar mit einer ambitionierten langfristigen Klimaschutzpolitik. Wir würden auf einen Energieträger setzen, der maßgeblich für die Klimakatastrophen der Zukunft verantwortlich sein wird.”

Vollständiges Papier: Für ein energiepolitisches Zukunftspaket, das menschengemachte Katastrophen heute und in der Zukunft ausschließt (PDF)


LichtBlick

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Kritisierter IPCC-Bericht lag richtig: Klimarisiken für Afrikas Bauern sind groß

Donnerstag 17. März 2011 von birdfish

Für Afrikas Bauern ist der Klimawandel ein Risiko.

Risikofaktor Klimawandel in Afrika
Risikofaktor Klimawandel in Afrika – Foto: action medeor / Betzelt

Diese Aussage im letzten Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) war vor einem Jahr teils heftig attackiert worden – sie sei nicht wissenschaftlich fundiert, so die Kritik, die damit auf die Glaubwürdigkeit des Weltklimarats zielte. Eben diese Aussage wird aber nun von der neueren Forschung bestätigt, schreiben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in der renommierten US-Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.
Keine der afrikanischen Agrarregionen ist auf der sicheren Seite“, sagt der Leitautor Christoph Müller. „Das ist ein belastbares Ergebnis, auch wenn wir vieles noch nicht genau genug wissen.“

Zu diesem Ergebnis kamen die Autoren durch die Auswertung von zwanzig Studien mit scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen: Manche Analysen deuten auf mögliche Totalverluste der landwirtschaftlichen Produktivität hin, während andere auch starke Verbesserungen für möglich halten – bis zu 168%. Dies hängt jedoch von der jeweils untersuchten Region, den Feldfrüchten und Zeiträumen ab; eine umfassende Untersuchung fehlt bis jetzt. Indirekte Effekte des Klimawandels auf die Landwirtschaft, etwa Überflutungen und Bodenerosion, würden vielfach nicht berücksichtigt, sagt Müller. „Die quantitativen Aussagen in jüngeren Studien erscheinen vor diesem Hintergrund eher optimistisch.“ Ungewissheiten entstünden auch durch die gewählten Methoden – etwa das Fortschreiben statistischer Zusammenhänge, ohne die Dynamik des Weltagrarmarktes zu berücksichtigen.

„Das Risikomanagement sollte sich auf die kritischen Regionen Afrikas und die betroffenen Menschen konzentrieren“, sagt der Leiter des Forschungsbereichs Erdsystemanalyse am PIK, Wolfgang Cramer. In einigen Teilen Afrikas könne der Klimawandel zwar auch nützen, etwa durch den erhofften CO2-Düngungseffekt für Pflanzen oder durch erhöhte Niederschläge in Trockengebieten, in anderen aber schaden. Insgesamt sei das Schadenspotenzial sehr groß.

Der Klimawandel trifft in Afrika vielfach auf eine Landwirtschaft, die bereits heute der lokalen Nachfrage nach Nahrungsmitteln nicht gerecht wird. Zugleich ist aber das Potential zur Verbesserung von Ernteerträgen in einigen bislang besonders ineffizient wirtschaftenden Ländern besonders groß – in Angola etwa ist einer Studie zufolge theoretisch eine Steigerung um ein Vielfaches möglich. Zu den erfolgversprechenden Ansätzen für eine Anpassung an die Klimarisiken zählt die neuere Forschung vor allem die Wiederherstellung der ausgelaugten Böden, die Anwendung effizienter und bodenschonender Anbaumethoden und den integrierten Pflanzenschutz. Ebenfalls wichtig ist ein verbesserter Zugang zu internationalen Märkten und der Ausbau von Straßen und anderer Infrastruktur.

„Die afrikanische Landwirtschaft hat Chancen“, betont Cramer. „Statt die Augen vor dem Klimawandel zu verschließen, sollte die Forschung nun neue Wege aufzeigen, wie die Ernährung zukünftiger Generationen gesichert werden kann.“

Originalpublikation:

Müller, C., Cramer, W., Hare, W.L., Lotze-Campen, H.: Climate change risks for African agriculture. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (2011) [doi: 10.1073/pnas.1015078108]

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