KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Vertreter aus Entwicklungsländern erwarten vom Bundestag Handeln in der Klimapolitik

Mittwoch 7. November 2012 von birdfish

Bei der heutigen Sitzung des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages waren Experten von Regierungen und Zivilgesellschaft aus den besonders vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländern zu Gast.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimawandelfolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Sie waren eingeladen, um ihre Erwartungen an den Klimagipfel in Doha vorzutragen. Die Vertreter legten Eckpunkte für ein erfolgreiches Ergebnis am Ende des Gipfels im Dezember vor. Sie machten dabei deutlich, dass Deutschland dafür eine wichtige Rolle spielt. Germanwatch und Brot für die Welt haben die Teilnahme der Südvertreter ermöglicht.

Pa Ousman Jarju aus Gambia, der die Gruppe der besonders verletzlichen Länder bei den Klimaverhandlungen vertritt, sagt: “Der Klimawandel bedroht die Zukunft der Menschen in den besonders verletzlichen Ländern.
Die Klimawissenschaft macht deutlich, dass wir die Klimaschutzmaßnahmen deutlich erhöhen müssen. Darum brauchen wir nach wie vor ein multilaterales Abkommen und eine zweite, ratifizierbare Verpflichtungsperiode im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Wir begrüßen das deutsche Engagement, die anderen EU-Mitglieder von einem Reduktionsziel von 30 Prozent bis 2020 zu überzeugen. Leider konnte sich die EU darauf noch nicht einigen, obwohl bereits jetzt eine Reduktion der Emissionen von 18 der bisher vereinbarten 20 Prozent erreicht wurde. Als potentielle Partner der EU in den Klimaverhandlungen können wir die geringe Ambition der EU nicht akzeptieren, während uns der Klimawandel immer stärker trifft.”

Wael Hmaidan, der Direktor des zivilgesellschaftlichen Netzwerkes Climate Action Network International (CAN I), erklärt: “Katar als Gastgeber der COP ist in höchstem Maße anfällig für die Folgen des Klimawandels. Es liegt relativ tief und ist besonders an der Küste entwickelt. Der Wüstenstaat ist vollkommen abhängig von Lebensmittelimporten. Das Land nimmt die Herausforderung durch den Klimawandel langsam wahr, muss aber erst zeigen, dass es sich wirklich engagieren will. Dies wäre möglich durch ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen, die sie auf dem Klimagipfel bekannt geben. Solch ein Versprechen würde das internationale Vertrauen in die Präsidentschaft des Gipfels stärken und zu einem positiven Ergebnis führen.”

Hafjul Islam Khan, Rechtsanwalt in Umweltfragen aus Bangladesch und Experte in der “Loss and Damage in Vulnerable Countries Initiative” berichtete über klimawandelbedingte Schäden: “In Bangladesch kommt es immer wieder zu Schäden und Verluste durch Tropenstürme, Sturmfluten, Dürren und zu gesundheitlichen Schäden. Der Wirbelsturm im November 2007 hat über 3500 Menschen getötet. 2009 hat ein Wirbelsturm dazu geführt, dass 200.000 Menschen obdachlos wurden. Der Klimagipfel gibt der internationalen Gemeinschaft die Chance um im Kampf gegen diese Bedrohungen einen Schritt vorwärts zu gehen. Neben der Erhöhung der Klimaschutzambition sollte in Doha die Einrichtung eines internationalen Mechanismus zum Umgang mit den Schäden und Verlusten durch den Klimawandel beschlossen werden.” Zusätzlich sollten Länder wie Deutschland und Bangladesch ihre Zusammenarbeit verstärken, unter anderem durch zusätzliche finanzielle und technische Unterstützung. Die Industrieländer, wie zum Beispiel Deutschland, müssen in Doha konkrete Zusagen für eine finanzielle Unterstützung der besonders verletzlichen Länder in den nächsten Jahren machen.

Die Experten bedankten sich für die Möglichkeit, im deutschen Parlament ihre Erwartungen auszudrücken und waren sich einig darüber, dass Deutschland seine Rolle in den internationalen Verhandlungen noch weiter stärken sollte.

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140 Akteure aus 22 Ländern fordern Reform der Energie- und Landwirtschaftspolitik

Dienstag 6. November 2012 von birdfish

140 Akteure der Zivilgesellschaft aus 22 Industrie- und aufstrebenden Staaten fordern eine grundlegende Reform von Energie- und Landwirtschaftspolitik, um Hunger und Klimawandel weltweit zu bekämpfen.

Landwirtschaft: Umdenken gegen den Hunger
Landwirtschaft: Umdenken gegen den Hunger – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

Das ist ein Ergebnis des “Dialogue on Transformation”, der am Wochenende in Bonn stattgefunden hat. Die teilnehmenden Organisationen drängen einerseits auf das Recht auf Entwicklung, andererseits auf eine Form der Entwicklung, die die Grenzen des Planeten akzeptiert. Sie diskutierten Strategien, um die Armut und zugleich den Klimawandel zu bekämpfen. Eine Grundfrage war dabei, wie die Nachfrage nach Energie hier und in den Ländern des Südens nachhaltig und bezahlbar gestillt und zugleich der Klimawandel eingedämmt werden kann. Eine andere Frage lautete, wie das Recht auf Nahrung gerade auch für und mit den 870 Millionen Hungernden auf dem Planeten umgesetzt werden kann. Seit April 2012 vernetzen Germanwatch und das  amerikanische “Institute for Agriculture and Trade Policy” (IATP) mit dem “Dialogue on Transformation” Basisgruppen, soziale Bewegungen, NGOs und Stiftungen aus den Bereichen Klima- und Ernährungspolitik, um neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, zeigte sich erfreut über das Engagement: “Dieser Dialog trägt dazu bei, aus vielen wichtigen Einzelstimmen in aller Welt eine kraftvolle Symphonie zur Lösung der dringenden Fragen in der Klima- und Ernährungskrise zu machen. Wichtige Akteure der Zivilgesellschaft drängen gemeinsam darauf, dass wir angesichts des Stillstands in den USA eine engere Kooperation zwischen China, Indien und der EU einleiten, um eine neue Dynamik im Klimaschutz zu erreichen.”

Jim Harkness, Präsident des “Institute for Agriculture and Trade Policy”, ergänzt: “Das war ein längst überfälliger Dialog zwischen den Bewegungen für die notwendige Transformation des Energie- und Landwirtschaftssystems. Diese haben oft getrennt voneinander gearbeitet, obwohl sie das Ziel einer gerechten und nachhaltigen Zukunft teilen. Diese Kooperation ist auch notwendig, um dem ungebremsten wirtschaftlichen und politischen Einfluss der Unternehmen der fossilen sowie agrochemischen Unternehmen etwas entgegensetzen zu können.”

Auch über die Ergebnisse aus dem Rio+20-Prozess wurde diskutiert. Hier wurde überlegt, wie das Mandat für nationale Agrarberichte, die die dringend notwendige soziale und ökologische Reform der Landwirtschaft voranbringen können, wirkungsvoll in die Tat umgesetzt werden kann. Hans R. Herren, Mitglied in der internationalen Steuerungsgruppe des Dialogs und Mitautor des Weltagrarberichts, treibt dies in Ländern wie Kenia, Senegal und Äthiopien voran: “Ein Kurswechsel in der Landwirtschaft ist überfällig. Ziele sind Ernährungssicherheit für alle, eine ländliche Entwicklung mit verbesserten Bedingungen vor allem für Kleinbauern, insbesondere für Frauen, sowie eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Eine solche Landwirtschaft der Zukunft muss verstärkt auf Pflanzen und Sorten setzen, die den lokalen Bedingungen angepasst sind und die natürlichen Ressourcen auch für kommende Generationen erhalten. Dafür gilt es in nationalen Aktionsplänen nun den Grundstein zu legen.”

Die Konferenz ist Teil eines längeren Dialogprojektes, das von Germanwatch und dem Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP), Minneapolis organisiert und von der Stiftung Mercator gefördert wird.

Weitere Informationen zum “Dialogue on Transformation”

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Deutsche unterschätzen Beitrag der Landwirtschaft zur Bekämpfung des Hungers

Freitag 19. Oktober 2012 von birdfish

Die Deutschen betrachten die Landwirtschaft nur in geringem Maß als mögliche Lösung für den Hunger auf der Welt.

Armut in Kenia
Kenianerin bereitet Mahlzeit – viele Afrikaner leiden unter Nahrungsmittel-Preisen. Foto: Uni Göttingen

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Verbraucherbefragung der Universität Göttingen. Die Wissenschaftler haben 1200 Verbraucher in ganz Deutschland zu möglichen Ursachen der Welthungerproblematik und zu Lösungsansätzen befragt. Die Ergebnisse wurden nun auf dem Ernährungssymposium der Heinz Lohmann Stiftung in Hamburg vorgestellt.

Laut des jüngsten Hungerberichts der Vereinten Nationen leiden rund 870 Millionen Menschen auf der Welt an Unterernährung. Die weltweite Nachfrage nach Getreide wächst derzeit schneller als das Angebot, so dass die Preise in die Höhe gehen. Um mit der Entwicklung der Nachfrage Schritt zu halten, wird die Agrarproduktion bis 2050 deutlich gesteigert werden müssen – was vor dem Hintergrund des Klimawandels und knapper Ressourcen eine große Herausforderung darstellt.

Trotzdem sieht die Mehrheit der Deutschen die Lösung für das globale Ernährungsproblem nicht primär in der Landwirtschaft. Als Hauptursachen für den Hunger gelten vielmehr Dürren, Kriege und Konflikte sowie Korruption in den Entwicklungsländern. Aspekte, die unmittelbar mit der Landwirtschaft in Verbindung stehen – beispielsweise Bioenergie, fehlende moderne Technologien in Entwicklungsländern und Nachernteverluste – schätzten die Teilnehmer der Befragung als relativ unbedeutend ein. „Dürren, Kriege und Konflikte sind häufig in den Medien, machen aber de facto nur einen kleinen Teil des Hungerproblems aus“, so der Leiter der Studie, Prof. Dr. Matin Qaim vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen, der die Befragung gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Wilhelm Klümper und Jonas Kathage durchführte.

Auch die Frage, ob Hunger eher ein Problem der Verteilung oder der Produktion von Lebensmitteln ist, war Gegenstand der Erhebung: Die meisten Deutschen sehen Verteilungsprobleme als Ursache für den Welthunger an. Verbesserungen erhoffen sich die Befragten vor allem durch den verstärkten Anbau ertragreicher Pflanzensorten, Ökolandbau, fairen Handel und ein Verbot der Spekulation mit Lebensmitteln. Negativ bewertet werden der Einsatz von Gentechnik, Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Viele Befragte sind der Ansicht, das Konsumverhalten innerhalb der Europäischen Union könne das Welternährungsproblem beeinflussen – gaben jedoch gleichzeitig an, dass das Thema bei ihrem persönlichen Kauf- und Konsumverhalten keine bedeutende Rolle spiele.

„Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich, dass die öffentliche Meinung zum Thema Welternährung stark durch positive und negative Vorurteile geprägt ist“, so Prof. Qaim. „Pauschalurteile bringen uns jedoch bei so hochkomplexen Fragen wie der Zukunft der Welternährung nicht weiter. Um einer wachsenden Weltbevölkerung globale Ernährungssicherheit bieten zu können, werden Innovation und ressourceneffiziente Wertschöpfung zunehmend wichtig. Das erfordert auch ein gesellschaftliches Umdenken.“

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Französisches Unternehmen erzeugt mit Windkraftanlagen hochwertiges Trinkwasser

Donnerstag 24. Mai 2012 von birdfish

Das französische Unternehmen Eole Water in Sainte Tulle (Südfrankreich) macht Wasser aus Wind.

Wasser aus Windkraft

Seit Jahren schon verfolgt der Geschäftsführer, Marc Parent, diesen Traum. Nachdem er verschiedene Prototypen getestet hatte, konnte er ihn 2008 mit “WMS1000″ endlich verwirklichen.
Die Windkraftanlage WMS1000 zielt darauf ab, die Feuchtigkeit aus der Luft zurückzugewinnen, um entlegene Regionen mit Trinkwasser zu versorgen. Zu diesem Zweck ist die WMS1000 mit einem zusätzlichen Feuchtigkeitskondensator ausgestattet. Dieser Kondensator hat eine Austauschfläche von insgesamt 5km². Er besteht aus Edelstahl, wodurch das Korrosionsrisiko verringert und die Nutzung so über mehrere Jahrzehnte möglich ist. Das aus der Luft gewonnene Wasser wird über ein Aufbereitungssystem (5-Etappen) weitergeleitet. Die WMS1000 hat nur geringe Auswirkungen auf die Umwelt, da sie keine externe Energiequelle benötigt und weder Grund- noch Oberflächenwasser verunreinigt. Sie kann bei 24°C und bei einer Luftfeuchtigkeit von 45% bis zu 62 Liter Wasser pro Stunde produzieren. Am Ende sei ″die Qualität sogar noch besser, als von der Weltgesundheitsorganisation vorgeschrieben″, so das Unternehmen.

Nach einer zweijährigen Testphase in Südfrankreich wird die WMS1000 seit November 2011 unter extremeren Wetterbedingungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten getestet. Sollten die Tests erfolgreich sein, wird die Anlage spätestens im Juni 2012 endgültig installiert.

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E10 ist Landraub – Beimischung fördert Menschenrechtsverletzungen in Afrika

Freitag 2. März 2012 von birdfish

Die Beimischungsquote für Agrartreibstoffe (‘E10′) führt zu Vertreibungen und Hunger in Afrika.

Sojabohnen
Sojabohnen wird aus Hungerländern importiert und zu Treibstoff gemacht – Foto: Franz Haindl / Pixelio

Damit tragen EU und Bundesregierung zur Verletzung des Rechts auf Nahrung bei, fördern riesige Agrarplantagen und konterkarieren damit ihre eigenen Anstrengungen, Kleinbauern zu fördern und den dortigen Hunger zu bekämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Menschenrechtsorganisation FIAN, die diese Woche der Europäischen Kommission vorgestellt wurde.

Der UN Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, hob bei der Vorstellung der Studie in Brüssel hervor, dass die EU bei ihrer Biosprit-Gesetzgebung in 2009 (Renewable Energy Directive) von falschen Annahmen bezüglich der globalen Auswirkungen ausgegangen ist. „Die negativen Auswirkungen wie Landraub und Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind nicht mehr wegzudiskutieren“, so Roman Herre, Agrarreferent von FIAN. „Die EU muss die Reißleine ziehen und die Zwangsbeimischung streichen.“ VertreterInnen afrikanischer Bauernorganisationen forderten die EU auf, alle Anreize für eine globale Agrartreibstoffproduktion abzuschaffen. Der Zusammenhang zwischen Landnahmen, dem so genannten Land Grabbing, und Agrartreibstoffen ist gewaltig. 66 Prozent aller großflächigen Landnahmen in Afrika werden getätigt, um Agrartreibstoffe zu produzieren. „Die EU fördert mit ihrem künstlich geschaffenen Markt diesen Landraub erheblich,“ so Roman Herre. „Anstatt die Automobilindustrie zu Autos mit etwas weniger Verbrauch zu verpflichten und so den Treibhauseffekt effektiv zu bekämpfen werden Ackerflächen in Afrika für unseren Energiehunger okkupiert.“

„Wir importieren nicht nur fertigen Biosprit, sondern auch jede Menge Soja oder Zuckerrohr um das dann hier in Europa in Agrartreibstoffe umzuwandeln – das wird gerne verschwiegen.“ erklärt Roman Herre.  So wurden schon 2008 knapp 40 Prozent der Agrartreibstoffe in die EU importiert. 2010 hat die EU unter anderem Agrartreibstoffe aus Hungerländern wie dem Sudan und Kambodscha bezogen.

Europäische Investoren spielen bei der Landnahme in Afrika eine prominente Rolle. FIAN fordert die Bundesregierung daher auf, deutsche Investoren – Firmen und Finanzinvestoren – effektiv zu kontrollieren und zur Rechenschaft ziehen, falls diese in Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind.

Studie ‘(Bio)Fueling Injustice’ (engl. PDF)

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Früchte und Kosmetika schützen Tropenwald: Konzept für nachhaltige Waldentwicklung

Montag 20. Februar 2012 von birdfish

Jedes Jahr werden weltweit über 13 Millionen Hektar Tropenwald zerstört. Eine der Hauptursachen ist Brandrodung.

Kleinbauer mit Teakbäumen
Kleinbauer mit Teakbäumen auf seiner Anbaufläche in Ghana – Foto: Jobst Schröder – vTI/WFW

Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Weltforstwirtschaft in Hamburg haben jetzt für eine Region im westafrikanischen Ghana ein Konzept entwickelt, mit dem die dort ansässigen Kleinbauern zu aktiven Schützern der Wälder werden.
Für viele Kleinbauern ist die Brandrodung ein einfaches Mittel, um Wälder zu roden und anschließend auf diesen Flächen Ackerbau zu betreiben. Allerdings geraten diese Feuer häufig außer Kontrolle und entwickeln sich zu Großbränden mit drastischen Folgen für die noch vorhandenen Wälder. Gemeinsam mit einem ghanaischen Holzverarbeitungsunternehmen, das in der Ashanti-Region ein Wald-Rehabilitierungsprojekt durchführt, suchten die Forstexperten des Hamburger Thünen-Instituts nach Wegen, die Brandrodung zu verringern und gleichzeitig die wirtschaftliche Situation der Dorfbevölkerung zu verbessern.

Die Lösung war ein zusammen mit den Beteiligten entwickeltes agroforstliches Konzept, das auf die Situation vor Ort abgestimmt war. Um die zu schützenden Wälder wurde eine Randzone ausgewiesen, in der die Kleinbauern ertragreiche Fruchtbäume wie Orangen, Mangos, Cashews oder Ölpalmen in Mischkultur mit ihren gewohnten Feldfrüchten wie Yam, Mais oder Erdnuss anbauen konnten. „Wer Bäume pflanzt, um sie später zu nutzen, brennt sie nicht nieder“, sagt Forstwissenschaftler Dr. Jobst Schröder, einer der deutschen Experten des Projekts. Und tatsächlich: Um diese Bäume nicht zu gefährden, wurden keine Feuer mehr gelegt. Dass sich dieses Konzept für die Beteiligten rechnet, zeigte sich bereits im dritten Jahr nach der Pflanzung, in dem besonders bei Mango gute Ernten erzielt wurden. Mittlerweile haben die Kleinbauern die überregionale Vermarktung ihrer Früchte selbst organisiert, was ihnen zusätzliche Einnahmen verschafft.

Eine andere Variante des Konzepts beruht darauf, Setzlinge von Waldbäumen, insbesondere Teak, auf den Feldern anzubauen. Bei dieser Variante schließen die Kleinbauern und der holzverarbeitende Betrieb einen Vertrag. Die Kleinbauern verpflichten sich zum Mitanbau von Teak auf ihren Feldern, der holzverarbeitende Betrieb garantiert den Ankauf des Holzes und deckt damit einen Teil seines Rohstoffbedarfs. Um den Bedarf an jungen Teakpflanzen zu decken, legten die Dorfbewohner in Eigenregie Baumschulen an, in denen sie Setzlinge anzogen und verkauften. Diese Idee machte Schule. Nach zwei Jahren hatten sich auch in anderen Dörfern Kooperativen mit eigenen Baumschulen gebildet.

Auch die an die Felder grenzenden Savannenwälder waren durch Feuer und die Gewinnung von Holzkohle bedroht. Die lokale Bevölkerung gewinnt aus den Früchten der dort vorkommenden Sheanuss-Bäume (Vitellaria paradoxa) seit jeher zum Eigenbedarf ein butterähnliches Fett. Heute werden Sheanuss-Produkte jedoch auch auf dem Weltmarkt als Kosmetikartikel stark nachgefragt. Diese Entwicklung wurde von der lokalen Bevölkerung erkannt. Vornehmlich Frauengruppen organisierten sich, die die Früchte in größerem Umfang als bisher sammeln, verarbeiten und vermarkten. Zwar entsprach die Qualität der Fette anfangs nicht den geforderten Ansprüchen der Kosmetikindustrie. Inzwischen gelang es aber, die Qualität der Rohbutter so zu verbessern, dass Aufkäufer internationaler Firmen aufmerksam wurden und sich über Langzeitverträge bestimmte Liefermengen sicherten.

Mit dieser Entwicklung sahen die Menschen in der Projektregion den Wald plötzlich mit anderen Augen. Mit den neuen Einkommensquellen stiegen das Ansehen und der Wert der Naturressource, mit der man fortan vorsichtiger umgeht und Wildfeuer zu vermeiden sucht. Zudem erhalten Frauen, die im ländlichen Afrika selten Zugang zu Einkommensquellen besitzen, die Möglichkeit, eigene Einkünfte zu erwirtschaften.

Das Projekt des Thünen-Instituts zeigt, dass Waldschutzmaßnahmen im Tropenwald erfolgreich sein können, wenn die lokale Bevölkerung eingebunden und unterstützt wird. Das Konzept in Ghana wurde mit Unterstützung des Zentrums für Internationale Migration und Entwicklung (CIM), der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Stiftung Walderhaltung in Afrika umgesetzt.

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“Die Zukunft, die wir wollen” – Erster Textentwurf für Rio+20-Gipfel liegt vor

Donnerstag 19. Januar 2012 von birdfish

Das Sekretariat der Konferenz der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung (UNCSD) hat einen Entwurfstext für den für Juni anberaumten UN-Gipfel Rio+20 veröffentlicht.

Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern
Klimafolge: Überschwemmungen in Entwicklungsländern – Foto: D. Ott – Fotolia.com

Bis 23. Januar beziehungsweise 17. Februar haben die Regierungen und die EU Zeit für erste Kommentare.

“Die Zukunft, die wir wollen” (The Future We Want) – so ist der erste Entwurf des Textes für die UN-Verhandlungen über nachhaltige Entwicklung überschrieben. 20 Jahre nach dem ersten Weltgipfel, der die Themen Umwelt und Entwicklung zusammen behandelte, soll vom 20. bis 22. Juni 2012 im brasilianischen Rio de Janeiro das nächste Nationentreffen zu nachhaltiger Entwicklung stattfinden. “Grünes” Wirtschaften und ein neuer globaler institutioneller Rahmen für die internationale Umweltpolitik werden die Hauptthemen sein. Es soll aber auch Bilanz gezogen werden, was 1992 in Rio und 2002 in Johannesburg in puncto nachhaltige Entwicklung beschlossen wurde und was davon umgesetzt ist. Die EU hatte im Oktober 2011 Schlussfolgerungen zu ihrer Position für den Rio+20-Gipfel veröffentlicht.

Vom 25.-27. Januar finden die ersten offiziellen Diskussionen über den 2012er UN-Gipfel über nachhaltige Entwicklung statt. Die Staats- und RegierungsvertreterInnen haben bis 23. Januar Zeit, die ersten beiden Teile des Textes (sogenannter “Zero Draft”) schriftlich zu kommentieren. Es geht dabei um die fünfseitige Präambel, die “Vision” der UN für die Zukunft (Teil I) und die bereits bestehenden Beschlüsse (“Renewing Political Commitment”)

Teil III-V können bis Mitte Februar schriftlich kommentiert werden. Diese Textteile werden zusammen mit den Anmerkungen der einzelnen Staaten im März debattiert. Darin geht es um “grünes” Wirtschaften im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armtusbekämpfung (Teil III), den institutionellen Rahmen für nachhaltige Entwicklung (Teil IV) und dann die konkrete Umsetzung (“Framework for action and follow-up” – Teil V). Der letzte Teil enthält zum Beispiel Unterüberschriften wie Wasser, Energie, Lebensmittelsicherheit, Meere, Klimawandel und Wälder.

Nichtregierungsorganisationen sind eine der sogenannten “Major Groups”, die im Rahmen von UN-Verhandlungen – ohne Stimmrecht – beteiligt werden müssen.

Rio+20 – Erster Entwurf mit Zusammenfassung (engl.)

Offizielle Seite zum Rio+20-Gipfel

Quelle: DNR

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“Biosprit” keine Lösung: klimaschädlicher Sprit verschärft Lebensmittelknappheit

Montag 16. Januar 2012 von birdfish

Der BUND und sein internationales Netzwerk Friends of the Earth (Freunde der Erde) haben die Fluggesellschaften aufgefordert, sogenanntes “Biokerosin” künftig nicht mehr in Flugzeugen einzusetzen.

Biokerosin macht fliegen nicht besser
Biokerosin macht fliegen nicht besser – Foto: Dagmar Struß

Bei den Testreihen, die Lufthansa jetzt mit einem Flug von Frankfurt nach Washington abschließe, seien bereits große Mengen potentieller Nahrungsmittel durch die Düsentriebwerke der Airbusse gejagt worden, sagte der BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. “In Afrika und anderswo hungern Millionen und die Fluggesellschaften hängen sich auf Kosten dieser Menschen ein grünes Mäntelchen um. Das dürfen wir nicht akzeptieren”, sagte Hilgenberg.

Lufthansa habe erklärt, den Einsatz von Biosprit ausbauen zu wollen, sobald genügend zertifizierte Rohstoffe zur Verfügung stünden. Auf der Suche nach Alternativen zum klimaschädlichen Flugbenzin liebäugelten auch Airlines wie KLM, Air France und British-Airways mit Agro-Kerosin, sagte Hilgenberg. Der BUND-Experte forderte stattdessen eine Reduzierung der Flugbewegungen und die drastische Verbesserung der Effizienz der Flugzeugtriebwerke.

Die Pläne, im europäischen Luftfahrtsektor einen Teil des herkömmlichen Kerosins zu ersetzen, würden bis 2020 zu einem jährlichen Mehrbedarf von rund zwei Millionen Tonnen Agro-Sprit führen. Für dessen Produktion würde nach Untersuchungen von Friends of the Earth eine landwirtschaftliche Fläche von bis zu 3,5 Millionen Hektar benötigt. Dies entspräche einer Fläche von der Größe Belgiens.

Geert Ritsema von Friends of the Earth Niederlande: “Agro-Kerosin ist mitnichten die grüne Revolution der Luftfahrt. Die Flugindustrie strebt nach größerer Unabhängigkeit vom Öl und wird damit zum Konkurrenten in der weltweiten Lebensmittelproduktion. Bereits heute wird durch den Anbau von Jatropha in Indonesien und Mosambik die Nahrungsmittelproduktion verdrängt. Wenn der Anteil von Agro-Kerosin substantiell zunimmt, sind die Folgen für die Menschen im globalen Süden unvorhersehbar.”

Hinzu komme, dass der Einsatz von Agro-Kerosin in Flugzeugen keinesfalls klimaneutral sei, wie von Airlines und Flugzeugherstellern oft kolportiert. Neben Emissionen, die durch Anbau, Herstellung und Transport der Ausgangsstoffe für den Agro-Sprit entstünden, führe dessen Verbrennung in den höheren Schichten der Erdatmosphäre zur Emission von Stickstoffoxid, Wasserdampf und Feinstaub, die in der Summe ebenso schädlich seien wie das Klimagift Kohlendioxid.

“Die Lufthansa behauptet zwar, ihre Testreihe hätte zum Klimaschutz beigetragen. Dabei ignoriert sie aber einen Großteil der Emissionen und deren Wirkungen in der Atmosphäre”, sagte Hilgenberg. “Neben effizienteren Motoren, leichteren Flugzeugen und optimierten Flugplänen gibt es nur einen Weg zur Verringerung der Klimawirksamkeit des Flugverkehrs: Die generelle Reduzierung der Flüge. Dafür gibt es beispielsweise auf innereuropäischen Strecken die umweltfreundliche Alternative der Bahn”, so der BUND-Experte.

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