KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Klimaversprechen der Bundesregierung wird von den Fraktionen der Koalition verwässert

Dienstag 9. März 2010 von birdfish

Germanwatch kritisiert, dass die Kopenhagen-Ankündigung  nur teilweise erfüllt wird.

Afrikanischer Bettler
Verschiebung der Gelder zwischen den Kostenstellen geht zulasten der Ärmsten – (c) Detlev Beutler / Pixelio

In nächtlicher Sitzung hat der  Haushaltsausschuss des Bundestages beschlossen, dass für die  internationale Klimafinanzierung bis 2012 jährlich durchschnittlich 420  Millionen bereitgestellt werden sollen. Germanwatch kritisiert, dass der  größte Teil dieser Gelder bereits vor Jahren schon einmal in anderem  Zusammenhang versprochen wurde. Damit wird das von der Bundeskanzlerin  in Kopenhagen gemachte Versprechen von neuen und zusätzlichen Mitteln  nur zu einem viel zu kleinen Teil eingelöst. Sah es bis gestern noch so  aus, als würde der komplette Betrag aus früher versprochenen Mitteln  bestehen, stellen die Koalitionsfraktionen nun zumindest 70 Millionen  Euro als neues Geld bereit.

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch: “Die  Glaubwürdigkeit Deutschlands in der internationalen Klimapolitik hängt  auch an der Umsetzung des in Kopenhagen gemachten Versprechens: mehr  Klimaschutz in Schwellen- und Entwicklungsländern, mehr Finanzierung  durch die Industrieländer. Die Haushälter der Koalition haben nun  durchgesetzt, anders als vom BMU und BMZ gefordert, dass nur ein  geringer Teil wirklich zusätzliches Geld ist. Dies ist nicht das  gewünschte Signal für weltweit ernsthaften Klimaschutz. Das Recycling  alter Versprechen trägt nicht zur Vertrauensbildung mit den  Entwicklungsländern bei.”

So wird ein Großteil der 420 Millionen Euro für den Klimaschutz dadurch  erbracht, dass die unter großem Medienecho 2008 von Bundeskanzlerin  Angela Merkel angekündigten Gelder für den Artenschutz nun als Klimageld  verpackt werden. Nur teilweise konnte die Umwidmung abgewendet werden.

Christoph Bals kommentiert: “Wenn die ursprüngliche Planungen der  Haushälter durchgekommen wäre, wäre das die völlige Bloßstellung für die  Bundeskanzlerin gewesen. Weder die versprochene Zahl von 420 Millionen  Euro wäre eingehalten worden – es waren nur 350 Millionen angesetzt -  noch hätte auch nur ein Euro neues Geld auf dem Tisch gelegen. Es wäre  nur von der einen Klimatasche in die andere verschoben worden. Mit  diesen 70 Millionen Euro und den Mitteln aus der Versteigerung von  Emissionserlösen besteht nun zumindest ein gewisser Spielraum für die  Bundesregierung, vielversprechende Klimaschutz- und Anpassungsprojekte  in besonders progressiven Entwicklungsländern zusätzlich zu  unterstützen.” Dies sei gerade mit Blick auf die im Mai geplante und von  Deutschland initiierte internationale Ministerkonferenz strategisch von  zentraler Bedeutung.

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Reduktionsangebote von Industrieländern bei 2 Ausnahmen nicht mit 2°C Ziel vereinbar

Montag 8. Februar 2010 von birdfish

Bis zum 31. Januar haben mehr als fünfzig Nationen ihre Reduktionsziele an das Klimasekretariat der Vereinten Nationen gemeldet.

Den Malediven steht das Wasser bis zum Hals
Den Malediven steht das Wasser bis zum Hals – (c) H. Hoppe / Pixelio

Nur zwei von insgesamt zehn Reduktionsangeboten aus Industrieländern genügen jedoch dem Anspruch, die globale Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen. Das ergeben neue Analysen mit dem von Ecofys, Climate Analytics und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entwickelten Analyseinstrument „Climate Action Tracker“. Es zeigt, welche Länder welchen Anteil bei der weltweiten Verringerung von Kohlendioxid-Emissionen bereit sind zu leisten.

Insgesamt stehen die von den Vertragsstaaten bislang bei den UN eingereichten Reduktionsangebote nicht im Einklang mit dem in der Kopenhagen-Vereinbarung (Copenhagen Accord) erwähnten Zwei-Grad-Ziel. Das Plenum der UN-Klimakonferenz im vergangenen Dezember in Kopenhagen hatte die Vereinbarung lediglich zur Kenntnis genommen. Bliebe es bei den bisherigen Zugeständnissen, würde die globale Mitteltemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich um mehr als drei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit steigen.

Das Maß an Bereitschaft der wichtigsten Länder, Emissionen zu vermindern, hat sich im Vergleich zu den bereits in Kopenhagen vorliegenden Angeboten insgesamt nicht verändert.

Von den Industrieländern hat Russland seine Ambitionen leicht erhöht, während Kanada diese gesenkt hat. Von den Entwicklungs- und Schwellenländern hat keines seine Angebote verändert. Mexiko, das im kommenden November die nächste UN-Klimakonferenz ausrichten wird, hatte bis zum 31. Januar 2010 keinen Vorschlag eingereicht. Israel, Kasachstan, die Marshallinseln und Moldawien legten erstmals quantitative Ziele auf den Tisch. Jordanien, Äthiopien, Madagaskar, Marokko, der Kongo und Sierra Leone legten qualitative Vorschläge vor.

Die ehrgeizigsten Ziele haben sich die Malediven und Costa Rica gesetzt. Bis 2020 wollen sie klimaneutral werden. Ebenfalls weit oben auf der Skala bewegen sich Norwegen, Japan und Brasilien, die ihre Emissionen deutlich senken wollen. Im Mittelfeld befinden sich Schwellenländer wie Indien, Indonesien und Südkorea, die das Wachstum ihrer Kohlendioxid-Emissionen ab dem Jahr 2020 drosseln wollen. Als unzureichend in Bezug auf die Erreichung des Zwei-Grad-Ziels wird hingegen die Verpflichtung der Europäischen Union eingestuft, ihre Emissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Ein Reduktionsziel von 30 Prozent hingegen würde die EU ins Mittelfeld rücken, was der Einstufung als „ausreichend“ nahekäme.

Chinas Angebot wird als „unzureichend“ bewertet, da es unterhalb dessen liegt, was nach der derzeitigen Klimaschutzpolitik des Landes zu erwarten gewesen wäre. Zwischen der Mitte und dem unteren Ende der Skala befinden sich die Vereinigten Staaten, deren Ziel ebenfalls als „unzureichend“ eingestuft wird. Am Ende der Skala sind Länder, darunter Russland, die noch kein Angebot für einen Pfad jenseits des „Business as usual“ vorgelegt haben.

Der „Climate Action Tracker“ macht die teils großen Unterschiede zwischen den Ländern hinsichtlich der Ambitioniertheit ihrer Reduktionsziele sichtbar.

Website des  “Climate Action Tracker” (engl.)

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Die Polarstern bohrt im Meeresboden nach vierzig Millionen Jahren Klimageschichte

Montag 1. Februar 2010 von birdfish

Das Forschungsschiff Polarstern legte jetzt erstmalig in Wellington, Neuseeland, an.

Polarstern in der Antarktis
Das deutsche Forschungsschiff Polarstern in der Antarktis – (c) Hannes Grobe, AWI

Dies ist das Ende eines zweimonatigen Expeditionsabschnitts mit meeresgeologischem Schwerpunkt, der in Punta Arenas, Chile, gestartet war.
Den kurzen Hafenaufenthalt nutzen Vertreter aus Wissenschaft und Politik, um sich im Rahmen eines Empfangs an Bord auszutauschen und die gute Zusammenarbeit zu vertiefen.

Zur Zeit begibt sich die Polarstern mit neuer Besatzung, neuem wissenschaftlichen und technischem Personal auf den Weg zurück nach Punta Arenas. Geophysikalische Messprofile werden vom östlichen Rossmeer entlang des gesamten Kontinentalrandes von Marie-Byrd-Land aufgenommen, um das existierende Datennetz des Rossmeeres mit den Messprofilen im Amundsen- und Bellingshausenmeer zu verbinden.

Die Wissenschaftler um Fahrtleiter Dr. Karsten Gohl vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft möchten die hier bestehende große Datenlücke schließen. Ziel dieser Arbeiten ist es, die Topographie des Meeresbodens jetzt und in der geologischen Vergangenheit zu bestimmen und damit die Grundlage für langfristige Klimasimulationen zu schaffen. Hauptarbeitsgebiet ist anschließend die Pine-Island-Bucht, bekannt für die dort seit kurzer Zeit beschleunigt stattfindenden Rückzüge der Pine-Island- und Thwaites-Gletschersysteme. Die Rekonstruktion der dynamischen Veränderungen des westantarktischen Eisschilds soll helfen die derzeitigen Veränderungen mit ihrem möglichen Einfluss auf einen verstärkten Meeresspiegelanstieg besser zu verstehen und steht im Mittelpunkt der geophysikalischen und geologischen Untersuchungen. Geothermische Wärmeflussmessungen sollen Einblick liefern in jüngere vulkanische Aktivitäten, die einen Einfluss auf das Fließverhalten des Eisschildes haben können. Ozeanographische Messungen sollen eine der möglichen Ursachen für den augenblicklichen Rückzug der Gletscher erklären helfen.

Insgesamt 1000 Meter Sedimentkerne (Gewicht etwa elf Tonnen) haben die 43 Expeditionsteilnehmer des gerade beendeten Fahrtabschnitts unter der Leitung des Geologen Dr. Rainer Gersonde vom Alfred-Wegener-Institut auf der 9400 Seemeilen (17.000 km) langen Forschungsreise von Chile nach Neuseeland an 70 Stationen gesammelt. Das einzigartige Material wird erstmals detaillierten Aufschluss über die Klimageschichte der letzten 400.000 bis 4 Millionen Jahre in diesem bislang kaum erforschten aber für die Klimaentwicklung wichtigen Raum geben. Wissenschaftler aus sechs Nationen, darunter auch Neuseeland, werden die Entwicklungsgeschichte des Antarktischen Zirkumpolarstroms, der Meereisverbreitung und seines Einflusses auf die Änderungen von Treibhausgaskonzentrationen sowie Abschmelzereignisse des westantarktischen Eisschildes und ihren Einfluss auf die globale Ozeanzirkulation unter Einsatz modernster Methoden gemeinsam untersuchen. Dabei geht es auch um die Erfassung von klimawirksamen Wechselwirkungen zwischen dem polaren Südpazifik, den tropischen und nordpolaren Breitenregionen während vergangener Kalt- und Warmzeiten.

Solche klimarelevanten Fragestellungen stehen auch im Fokus eines geplanten Tiefseebohrprojektes im Rahmen des “Integrated Ocean Drilling Program” (IODP) im antarktischen Pazifik. Die beiden laufenden Expeditionsabschnitte liefern die Datenbasis zur Auswahl der Bohrstellen des IODP. Wissenschaftler aus aller Welt wollen mit den künftig zu erbohrenden Tiefseesedimenten bis zu 40 Millionen Jahre in die geologische Vergangenheit zurück schauen.

Neben Geologen und Geophysikern nutzen auch Biologen, Chemiker, Ozeanographen und Wissenschaftler vieler weiterer Disziplinen den Forschungseisbrecher regelmäßig für ihre Untersuchungen. So ist diese insgesamt 50. Expedition (unterteilt in etwa 200 Fahrtabschnitte) ein gutes Beispiel für die multidisziplinäre Ausrichtung der Polarstern, die seit 1985 in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten unterwegs ist. Sie ist die Plattform für Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts und ihre Kooperationspartner, und trägt dazu bei, die komplexen Zusammenhänge im System Erde zu entschlüsseln. Vor allem das Ziel, die treibenden Kräfte und Fluktuationen im Klimageschehen zu verstehen, steht im Mittelpunkt der Forschung.

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Umwelt- und Wirtschaftsargumenten zum Trotz bleibt die EU beim CO2 unbeweglich

Dienstag 26. Januar 2010 von birdfish

Die Mitgliedstaaten der EU lehnen es weiterhin ab, ihr Treibhausgas-Reduktionsziel von derzeit 20 auf 30 Prozent gegenüber dem Basisjahrs 1990 zu erhöhen.

CO2-Minderung verschoben
Der weltweite CO2-Poker geht zulasten des Klimas – (c) Dagmar Struß / birdfish

Darauf haben sich die Mitgliedstaaten jetzt in einer Verhandlung der stellvertretenden Botschafter in Brüssel verständigt.
Es bleibt also dabei, dass die EU zu einer Verstärkung ihrer Klimaschutzbemühungen nur dann bereit ist, wenn auch andere Industriestaaten mitziehen. Frankreich und England hatten versucht, die EU zu einem ehrgeizigeren Ziel zu bewegen, während sich vor allem Italien und Polen dagegen aussprachen.

Nach der in Kopenhagen getroffenen Vereinbarung müssen die Industriestaaten ihre Klimaschutz-Ziele bis Ende Januar bekannt geben.

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Reduktionsziel der Klimaschutzvorreiterin EU sollte mindestens 30 Prozent betragen

Donnerstag 21. Januar 2010 von birdfish

Wenn die EU bei den Klimaverhandlungen wieder die gern und viel zitierte Vorreiterrolle einnehmen will, muss sie ihr Emissions-Reduktionsziel für 2020 umgehend von 20 auf mindestens 30 Prozent erhöhen.

Emissionen verringern
Emissionen müssen noch wesentlich stärker verringert werden (c) Andrew Kerr / WWF

Das erklärte der WWF kurz vor dem Ausschuss der Ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten (COREPER), wo es um eine Verständigung darüber ging, mit welchem Minderungsziel sie die Klimaverhandlungen nach Kopenhagen weiterführen.

„Die EU muss im Klimaschutz endlich wieder eine Führungsrolle übernehmen. Hierfür ist die Festlegung auf ein Reduktionsziel von mindestens 30 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 das Minimum. Nur so kann der Staatengemeinschaft signalisiert werden, dass die EU weiter Treiber und nicht Getriebener im internationalen Klimaschutz ist“, erklärt Regine Günther, Leiterin Klimapolitik und Energie des WWF Deutschland. Im Jahr 2007 hat die EU eine Emissionsminderung von 30 Prozent bis 2020 unter den Wert von 1990 nur dann in Aussicht gestellt, wenn auch andere Länder weitere Zugeständnisse machen. Dies ist nach Ansicht des WWF in der Zwischenzeit passiert.

Auch wenn die „Kopenhagener Übereinkunft“ als Abschlussdokument der Klimakonferenz im Dezember enttäuschend sei, müssten die Staats- und Regierungschefs jetzt darauf aufbauen. Zu der Übereinkunft in Kopenhagen gehört eine Liste, in die jedes Land bis zum 31. Januar 2010 seine geplanten Reduktionsziele eintragen soll. „Die EU muss mit einem ambitionierten Reduktionsziel dafür sorgen, dass die Kopenhagener Übereinkunft mit Leben erfüllt wird. Diese Chance darf nicht verpasst werden“, so Regine Günther.

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Globalen Klima Risiko Index vorgestellt

Dienstag 8. Dezember 2009 von birdfish

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hat den Globalen Klima-Risiko-Index 2010 heute in Kopenhagen veröffentlicht.

Myanmar: Fischer bei der Arbeit
Myanmar: Fischer bei der Arbeit – (c) Dachkammer / Pixelio

Demzufolge waren Bangladesh, Myanmar und Vietnam von 1990 bis 2008 die am schwersten von Wetterextremen betroffenen Länder.
Betrachtet man lediglich das Jahr 2008, wurden Myanmar, Yemen und Vietnam am stärksten getroffen. Der Index, der auf den Daten der NatCatSERVICE-Datenbank des Rückversicherers Munich Re basiert, zeige die Notwendigkeit einer Antwort des Klimagipfels, betonte die Organisation in Kopenhagen. Den betroffenen Ländern müsse geholfen werden, sich auch an den Klimawandel besser anzupassen.

Der Globale Klima-Risiko-Index 2010 hat die Belastungen durch wetterbedingte Schäden – ausgelöst vor allem durch Stürme, Fluten, Hitzewellen – für alle Länder analysiert, die gerade in Kopenhagen verhandeln. Sven Harmeling, Autor des Index bei Germanwatch, erläutert: “Wetterextreme stellen eine steigende Bedrohung für Menschenleben und unsere wirtschaftlichen Güter weltweit dar. Die Belastungen werden durch den Klimawandel zukünftig noch stärker. Unsere Analyse zeigt, dass vor allem ärmere Länder besonders betroffen sind.”

Klima Risiko Index 2010

Globaler Klima-Risiko-Index 2010 für die Jahre 1990-2008 – Quelle: Germanwatch

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, fordert daher: “Es ist in erster Linie die Aufgabe der Industrieländer, den Rahmen für eine gute Anpassungsstrategie für die besonders verletzlichen Entwicklungsländer zu schaffen. Eines der Elemente sollte dabei auch ein Versicherungsmechanismus für diese Länder sein. Die Finanzen dafür sollten in erster Linie von denjenigen kommen, die für den Klimawandel verantwortlich sind.” Solch ein Mechanismus wurde von Germanwatch gemeinsam mit der Munich Climate Insurance Initiative entwickelt.

Saleemul Huq aus Bangladesch, Anpassungsexperte des Institute for Environment and Development (IIED), sagt: “Der Klima-Risiko-Index von Germanwatch zeigt deutlich die verheerenden Auswirkungen extremer Wettereignisse in armen Ländern, wie auch in meinem Herkunftsland. Es ist allerdings bemerkenswert, dass viele dieser Länder sich bereits auf den Klimawandel vorbereiten. Sie sitzen nicht nur da und warten ab. Trotzdem haben die Industrieländer die klare rechtliche und moralische Verantwortung, ihre Anpassungsgelder zu erhöhen, zusätzlich zu den bereits versprochenen Geldern der Entwicklungszusammenarbeit von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens.”

Hier ist der Globale Klima Risiko Index 2010 abrufbar (engl.)

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Mit Obama werden nun alle Länderchefs mit größtem CO2-Ausstoß in Kopenhagen sein

Montag 7. Dezember 2009 von birdfish

Der amerikanische Präsident Obama hat angekündigt, am Treffen der Staats- und Regierungschefs bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen teilzunehmen.

Obama-Grafik
Obama-Grafik / Greenpeace

Am 18. Dezember, dem letzten Tag der Konferenz, wird er dabei sein. Martin Kaiser, Klimaexperte von Greenpeace und derzeit in Kopenhagen kommentiert diese Wendung.

“Die Entscheidung von Präsident Obama ist ein sehr wichtiger Schritt: jetzt sind die Oberhäupter der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß alle an Bord in Kopenhagen. Noch nie waren so viele Regierungschefs bei einer Klimakonferenz. Damit sind alle Voraussetzungen für ein historisches Weltklimaabkommen gegeben.”

“Das persönliche Engagement der Bundeskanzlerin gegenüber Obama hat sich ausgezahlt”, bewertet Kaiser. “Aber Obama muss mehr bieten als nur einen Fototermin. Jetzt muss Frau Merkel ihre europäischen Kollegen dazu bringen, dass Europa sein CO2-Klimaziel erhöht und nicht nur 20 bis 30, sondern 40 Prozent CO2-Reduktion und ausreichende Finanzmittel für Entwicklungsländer anbietet. Nur so steigt der Druck auf die USA, China und andere, ihrerseits mehr zu tun.”

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“Last Exit-Botschaft” der Klimaforschung: Klimawandel schneller als angenommen – “Kopenhagen-Diagnose” führender Forscher

Mittwoch 25. November 2009 von birdfish

Der Klimawandel vollzieht sich schneller als erwartet.

Kopenhagen-Diagnose
Kopenhagen-Diagnose

Die großen Eisschilde der Erde verlieren zunehmend an Masse; das arktische Meereis schwindet deutlich schneller als noch kürzlich projiziert und der Meeresspiegel wird wahrscheinlich stärker ansteigen als bislang angenommen. Das geht aus einem neuen globalen Synthesebericht hervor, den einige der führenden Klimawissenschaftler der Welt verfasst haben.

In dem “Copenhagen Diagnosis” genannten Bericht kommen 26 Wissenschaftler, die meisten davon Autoren früherer Berichte des Weltklimarates IPCC, zu dem Schluss, dass einige Aspekte des Klimawandels früher und stärker eintreten als noch vor wenigen Jahren vermutet.

Der globale Temperaturanstieg folgt weiterhin den früheren Projektionen des IPCC aufgrund der wachsenden Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre. Ohne deutliche Verminderung der Emissionen könnte die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu sieben Grad Celsius ansteigen, berichten die Autoren.

Der Bericht ist Ergebnis einer einjährigen Zusammenarbeit. Die Autoren fassen darin neue Schlüsselergebnisse der Klimaforschung zusammen, die noch nicht im vierten Sachstandsbericht des IPCC (Fourth Assessment Report, 2007) enthalten waren:

  • Satelliten- und direkte Messungen zeigen, dass sowohl der Grönländische als auch der Antarktische Eisschild zunehmend an Masse verlieren und zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen.
  • Das arktische Meereis schwindet deutlich schneller als nach den Projektionen von Klimamodellen zu erwarten war. So war der Eisverlust in den Sommern der Jahre 2007 bis 2009 jeweils rund 40 Prozent größer als der Mittelwert der Simulationsrechnungen für den vierten Sachstandsbericht des IPCC von 2007.
  • In den vergangenen 15 Jahren ist der Meeresspiegel um mehr als fünf Zentimeter angestiegen. Der Anstieg liegt damit rund 80 Prozent über den Projektionen aus dem dritten Sachstandsbericht des IPCC von 2001. Durch den Schmelzwasserzufluss von Eisschilden und Gebirgsgletschern könnte der Pegel bis zum Jahr 2100 global um mehr als einen Meter bis maximal zwei Meter ansteigen – deutlich stärker als nach den Projektionen des IPCC. In den nächsten Jahrhunderten muss mit einem weiteren Anstieg um mehrere Meter gerechnet werden.
  • Im Jahr 2008 wurden rund 40 Prozent mehr Kohlendioxid aus fossilen Quellen freigesetzt als im Jahr 1990. Selbst wenn die Emissionen nicht weiter zunähmen, wäre schon innerhalb von 20 Jahren das Emissionsbudget aufgebraucht, das der Welt noch zur Verfügung steht, wenn die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius begrenzt werden soll.

Aus dem Bericht geht hervor, dass die globalen Emissionen in spätestens fünf bis zehn Jahren ihren Gipfel überschritten haben und anschließend schnell abnehmen müssen, damit die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels vermieden werden können.

Um das Klimasystem zu stabilisieren, müssen die Emissionen von Kohlendioxid und anderen langlebigen Treibhausgasen noch in diesem Jahrhundert fast auf Null gesenkt werden, berichten die Autoren.

Meereisbedeckung
Beobachtete (rote Line) und simulierte Meereisbedeckung der Arktis für den Monat September in Millionen Quadratkilometern. Die dicke schwarze Linie repräsentiert den Ensemble Mittelwert von 13 IPCC AR4 Modellen während die gestrichelten Linien die Variationsbreite wiedergeben. Nach Stroeve et al. (2007) ergänzt mit Daten von 2008. Das Minimum für 2009 wurde kürzlich mit 5.1 Millionen Quadratkilometern berechnet und ist damit der drittkleinste aller bisher gemessenen Werte und liegt noch deutlich unter dem Worst-Case-Szenario des IPCC.
Copenhagen Diagnosis, 2009
Printveröffentlichung

The Copenhagen Diagnosis, 2009: Updating the World on Latest Climate Science.
I. Allison, N.L. Bindoff, R.A. Bindschadler, P.M. Cox, N. de Noblet, M.H. England, J.E. Francis, N. Gruber, A.M. Haywood, D.J. Karoly, G. Kaser, C. Le Quéré, T.M. Lenton, M.E. Mann, B.I. McNeil, A.J. Pitman, S. Rahmstorf, E. Rignot, H.J. Schellnhuber, S.H. Schneider, S.C. Sherwood, R.C.J. Somerville, K. Steffen, E.J. Steig, M. Visbeck, A.J. Weaver. University of New South Wales Climate Change Research Centre (CCRC), Sydney, Australia, 60pp.

Statements von Autoren:

“Dies ist der letzte wissenschaftliche Aufruf an die Unterhändler von 192 Staaten, den Klimaschutz-Zug in Kopenhagen nicht zu verpassen. Sie müssen die ganze Wahrheit über die globale Erwärmung und die damit verbundenen nie dagewesenen Risiken kennen.”
Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)

“Der Meeresspiegel steigt rascher und das arktische Meereis schwindet deutlich schneller als erwartet. Leider zeigen uns diese Daten, dass wir die Klimakrise bislang unterschätzt haben.”
Stefan Rahmstorf, Professor für Physik der Ozeane und Abteilungsleiter des Forschungsbereichs Erdsystemanalyse am PIK

“Die Ozeane sind durch die Erwärmung und die gesteigerte Aufnahme von Kohlendioxid zunehmend gefährdet. Die Verluste an biologischer Vielfalt aufgrund der Wassererwärmung, der Versauerung und des auftretenden Sauerstoffmangels werden in Zukunft erheblich zur aktuellen Gefährdung durch Überfischung und Meeresverschmutzung beitragen.”
Martin Visbeck, Professor für Physikalische Ozeanographie und Stellvertretender Direktor des IFM-GEOMAR

“Schon die Anpassung der Gletscher an das heutige Klima wird den Meeresspiegel voraussichtlich um 18 Zentimeter ansteigen lassen. Bei weiterer Erwärmung könnten sie bis zum Jahr 2100 mehr als einen halben Meter zum Anstieg beitragen.”
Georg Kaser, Glaziologe an der Universität Innsbruck

“Das Klimasystem hält uns keinen Rettungsanker bereit. Den müssen wir selber auswerfen, indem wir die Emissionen von CO2 und den anderen Treibhausgasen möglichst schnell reduzieren.”
Nicolas Gruber, Professor für Umweltphysik, ETH Zürich

“Die Kohlendioxid-Emissionen dürfen nicht weiter zunehmen, wenn die Menschheit das Risiko unbeherrschbarer Auswirkungen des Klimawandels begrenzen will. Wir müssen den Wendepunkt bald erreichen; die Aufgabe duldet keinen Aufschub. Wenn wir die Erwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen wollen, was sich viele Länder zum Ziel gesetzt haben, müssen die Emissionen ihr Maximum vor 2020 erreichen und anschließend schnell abnehmen.”
Richard Somerville, Professor Emeritus für Atmosphärenwissenschaften an der University of California, San Diego

“Unser Spielraum für ‘erlaubte Emissionen’, die unsere Klimazukunft nicht zu stark gefährden, ist so gut wie ausgeschöpft. Innerhalb nur eines Jahrzehnts müssen die globalen Emissionen beginnen abzunehmen. Angesichts des schnellen Wirtschaftswachstums in einigen Nationen brauchen wir dringend eine verbindliche Einigung, die sicherstellt, dass die großen Emittenten einmütig handeln.”
Matthew England, Direktor am Climate Change Research Centre der University of New South Wales, Australien

Die Kopenhagen-Diagnose zum kompletten Download (engl.)

Die Kopenhagen-Diagnose als Zusammenfassung in deutsch (PDF)

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