KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Fazit Petersberger Klimadialog: schöne Reden und wieder nichts Konkretes passiert

Mittwoch 6. Juli 2011 von birdfish

Im Vorfeld hofften wieder einmal viele darauf, dass eine Zusammenkunft zur Klimadiskussion die internationale Zusammenarbeit hier etwas nach vorn bringen könnte.

Angela Merkel
Angela Merkel: guter Auftritt, aber es müssen auch Taten folgen – Foto: ℵ / Wikipedia

So lobte die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch die Initiative der Bundesregierung und der Regierung Südafrikas, Umweltminister aus über 25 Ländern zu dem informellen Petersberger Klimadialog II nach Berlin eingeladen zu haben, um über konkrete Fortschritte beim Klimaschutz und Anpassung an die Klimafolgen zu beraten.

“Die Klimaverhandlungen in Bonn Mitte Juni haben gezeigt, dass viele Länder den Willen haben, gemeinsam beim globalen Klimaschutz voran zu schreiten. Auf technischer Ebene sind die Verhandler bereits ein Stück weitergekommen. Doch bei den großen Fragen kann der notwendige Fortschritt nur durch entsprechenden Willen auf hoher politischer Ebene gelingen”, erklärt Sven Harmeling.

Offen sind nach wie vor die zentralen Fragen: Zukunft des Kyoto-Protokolls und rechtliche Verbindlichkeit der Beschlüsse, die Quellen zur Sicherstellung langfristiger Klimafinanzierung für die Entwicklungsländer sowie eine Steigerung der klimapolitischen Ambition. Die bisher von den Staaten vorgelegten Ziele reichen nicht aus, um einen in großem Maßstab gefährlichen Klimawandel abzuwenden. “Trotz aller Schwierigkeiten muss ein umfassendes globales Abkommen zum Klimawandel das Ziel bleiben, selbst wenn in Durban nur Zwischenschritte erreicht werden könnten”, so Harmeling.

Wohin die Reise eigentlich gehen sollte, das hielt Merkel denn auch in ihrer Hauptrede fest. Künftig sollten internationale Klimaverträge gezielter und verpflichtend sein. Die angekündigten freiwilligen Maßnahmen vieler Länder reichten in der Summe nicht aus, um die Erderwärmung infolge des Kohlendioxidausstoßes auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, sagte Merkel

Sie warb dafür, die deutschen Ziele bei der CO2-Reduktion zum Vorbild zu nehmen. Trotz des Atomausstiegs will Deutschland bis 2020 40 Prozent der Emissionen im Vergleich zu 1990 einsparen, wie Merkel bekräftigte. Dazu soll der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien von 17 auf 35 Prozent steigen.

Die schönen Reden und Ziele der Bundeskanzlerin relativieren sich aber bereits mit Blick auf die aktuell behandelte Energieeffizienz-Richtlinie. Hier hat sich die Bundesregierung vor allem durch Blockadehaltung ausgezeichnet.
Ausgerechnet das europäische Energiesparziel von 20 Prozent bis 2020, das unter der EU-Ratspräsidentschaft von Angela Merkel 2007 gesetzt wurde, droht somit verfehlt zu werden. Laut Berechnungen der EU-Kommission kommt die EU bis 2020 nur auf neun Prozent Energieeinsparung. Deutschland erreicht bis dahin knapp 13 Prozent. Das liegt auch daran, dass sich die Bundesregierung gegen die Pläne der Kommission stelle, eine verbindliche Sanierungsquote von drei Prozent für öffentliche Gebäude in der Richtlinie festzuschreiben.

Wein predigen allein reicht nicht, um in der Welt einen glaubhaften und beispielhaften Eindruck zu hinterlassen. Es müssen auch Taten folgen.

Grundsatzrede Angela Merkel

Artikel ‘Merkel fordert verbindliche Klimaabkommen’ aus ZEIT Online

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Ist das Kyoto-Protokoll tot? Stand der Klimaverhandlungen – Prof. Schwarze (UFZ)

Montag 27. Juni 2011 von birdfish

Die Klimaverhandlungen in Bonn vertagen sich nahezu ergebnislos auf ein Treffen im Herbst. Läuten Sie damit das Ende des Kyoto-Protokolls ein? Gibt es noch einen Rettungsanker?

Prof. Dr. Reimund Schwarze
Prof. Dr. Reimund Schwarze – Foto: André Künzelmann / UFZ

Eine Einschätzung des Klimaökonomen Prof. Dr. Reimund Schwarze.
“Yvo de Boer, der frühere Chef des Klimasekretariats und Vater des Aktionsplans von Bali, fand gegenüber der Berliner Tageszeitung „taz“ deutliche Worte: „Das Kyoto-Protokoll ist tot. Der Körper wird zwar noch künstlich am Leben erhalten und vielleicht werden einige der Organe verpflanzt, aber der Geist ist verschwunden.” Tatsächlich ist es den Unterhändlern in Bonn nicht gelungen, eine Formel zu finden, um dem schon lange schwer kranken Patienten, neues Leben einzuhauchen. Dabei ist die Lage ernst wie nie: Im Jahr 2012 läuft die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls aus. Bei der nächsten Verhandlungsrunde der Minister zum Jahresende in Durban besteht die allerletzte Chance, das Kyoto-Protokoll zu verlängern und damit eine Lücke in den Reduktionspflichten der Industrieländer nach 2012 zu vermeiden.

Gäbe es eine solche Lücke in den Verpflichtungen, würde das Kyoto-Protokoll völkerrechtlich zwar nicht aufhören zu existieren, aber es wäre tatsächlich inhaltsleer. Die Zweckbestimmungen der Marktmechanismen des Kyoto-Protokolls entfielen. Ob diese – und alle sich darum rankenden Institutionen beim Klimasekretariat – dann weiter exisitieren würden, ist zweifelhaft. Aber selbst wenn, wäre der ökonomische Anreiz, diese Mechanismen zu nutzen, ohne bindende Reduktionspflichten dahin. Kein Wunder also, dass das Kyoto-Protokoll das all bestimmende politische Thema auf dem letzten Treffen der Arbeitsorgane der Klimarahmenkonvention vor dem Ministertreffen in Durban war.

Zu Beginn Säbelrasseln: Die Entwicklungsländer und China erklären die Fortführung des Kyoto-Protokolls zur Meßlatte für die Ernsthaftigkeit der Reduktionsverpflichtungen der Industrieländern. „Die freiwilligen Verpflichtungen der Industrieländer aus Kopenhagen sind nichts wert, wenn sie nicht als genau quantifizierte Reduktions- und Begrenzungspflichten sind“, erklärte Bolivien, das, wie schon in Cancun, die Rolle des einsamen Weltretters in Bonn für sich beanspruchte. Auch allen anderen Beteiligten war klar, dass die Zusagen aus Kopenhagen und Cancún nicht im Entferntesten reichen würden, um das politische Zweigradziel glaubhaft zu machen.

Klarer Handlungsbedarf, doch wie sind die Lasten zwischen den Industrieländern und den Industrie- und Entwicklungsländern aufzuteilen? Nachdem die USA und China als größte Emittenten des klimaschädlichen CO2 unter dem Kyoto-Protokoll nicht zu Emissionsreduktionen verpflichtet sind, kann die Architektur von Kyoto nicht mehr das Modell der Zukunft sein. Und dass diese Länder auch auf lange Sicht nicht dem Kyoto-Protokoll in alter Form beitreten werden, darüber ließen sie von Anfang an keine Zweifel. China erklärte vor den Bonner Verhandlungen brüsk: „Keine verbindlichen Emissionsreduktionen für unser Land bis 2030.“ Das wiederum bewog Länder wie Australien, Kanada, Japan und Russland im Gegenzug zu drohen, aus dem Kyoto-Rahmen auszutreten, wenn hier keine „ausgewogene Lösung“ unter Beteiligung aller großen Emittenten gefunden würde. Ein klassisches Verhandlungsdilemma: Jeder wartet darauf, dass andere sich bewegen, etwas unternehmen und ihm damit eigene Anstrengungen ersparen. Ist unter diesen Umständen „nicht nur das Kyoto-Protokoll gescheitert, sondern der ganze Ansatz“, wie de Boer in der taz weiter ausführt?

Eins zeichnet sich am Ende der Bonner Verhandlungen ab: Es wird eine lebensverlängernde Maßnahme für das Kyoto-Protokoll in Durban geben. Die Arbeitsgruppen in Bonn haben Untergruppen gebildet, die je einen Aufgabenblock „Ziele“ sowie einen Aufgabenblock „Rechtsform“ näher eingegrenzt haben. Beide Cluster sollen politische Ziele, die nur die Minister in Durban finden können, klar von technischen Problemen, wie z.B. die Übertragung von Überschußrechten aus der 1. Verpflichtungsperiode 2008-2012 trennen, umso zu einer auf wenige Optionen reduzierten Dokumentenlage zu kommen, die dann in Durban mit „Geist gefüllt und entschieden werden können. Nach meiner Einschätzung kann dies beim Stand der Verhandlungen nur eine vorübergehende Verlängerung des Kyoto-Protokolls sein, ergänzt um einige Übergangsvorschriften, mit dem Ziel die Marktmechanismen und die bewährten Institutionen des Kyoto-Protokolls hinüberzuretten. Langfristiges Ziel muss eine „Post-Kyoto-Architektur“ sein, die nicht nur alle wichtigen Emittenten der Welt mitnimmt, sondern auch ein Anpassungs- und ein kohlenstoffarmes Entwicklungsregime enthält.

Diese wird aber realistisch frühestens in 2012 erreichbar sein, wenn die Klimarahmenkonvention ihr 20-tes Jubiläum in Rio de Janeiro feiert. Auf dem Weg nach Durban im Winter dieses Jahres geht es daher erst einmal um eine Notoperation am offenen Herzen. Der von der Bundesregierung gemeinsam mit Mexiko initiierte „Petersberger Dialog“ am 3./4. Juli kann dazu entscheidende Impulse geben, so dass sich die Unterhändler nicht erneut bei Zwischentreffen in technischen Problemen verlieren.”

Prof. Dr. Reimund Schwarze
Climate Service Center (CSC) am Helmholtz-Zentrum Geesthacht
und Helmholtzzentrum für Umweltforschung Leipzig (UFZ)

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Polen übernimmt die Ratspräsidentschaft und kippt zugleich das 30-Prozent-Ziel

Freitag 24. Juni 2011 von birdfish

Der Umweltrat konnte sich auf seiner Sitzung diese Woche auf keine umfassenden Schlussfolgerungen für die Klimaroadmap einigen.

Erneuerbare Energien sind die Zukunft
20 Prozent sind kein ambitioniertes Ziel mehr – Foto: Dagmar Struß

Die europäischen Umweltminister sollten auch zum „Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050″, auch Klimaroadmap genannt, Schlussfolgerungen zu der im März veröffentlichten Mitteilung der EU-Kommission annehmen.

Wie ENDS Europe Daily berichtet, scheiterte eine Einigung für eine starke Klimaroadmap an der Blockadehaltung Polens und anderer Mitgliedstaaten. Uneinigkeit bestand, inwieweit die EU bis 2020 mittels Effizienzmaßnahmen 25 Prozent CO2 bis 2020 reduzieren kann und in welcher Form die Reduzierung in den Schlussfolgerungen integriert wird. Die Kommission hatte das 25-Prozentziel als kosteneffizienten Meilenstein für 2020 in ihrer Strategie vorgeschlagen. In der den Schlussfolgerungen ist nun ein 20-Prozentziel verankert. „Dies ist ein herber Rückschlag in der Bewegung hin zu einem 30-Prozent-Redukitonsziel”, kommentierte der EEB-Generalsekretär Jeremy Wates. Auch diverse Industriezweige mit Millionen von Angestellten würden ebenfalls ein 30-Prozent-Reduktionsziel fordern, so das EEB.

Eine Führungsposition im Klimaschutz wird dringender denn je benötigt, nachdem die Internationale Energieagentur (IEA) vor drei Wochen bekanntgegeben hatte, dass die derzeitigen weltweiten Emissionen auf einem historischen Höchststand sind und die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen zu einer weiten Verfehlung des 2°C Ziels führen werden.

Die bisherigen Erfahrungen mit verbindlichen Klimaschutzzielen in der EU hätten gezeigt, dass sie ein Innovationsmotor für eine wirtschaftliche Entwicklung sein können und langfristige Investitionen in Energieeffizienz und Erneuerbare Energien erst ermöglichen, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung vom Deutschen Naturschutzring  (DNR), Forum U&E und der Klimaallianz. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise sei in der EU bereits 2009 eine Reduktion von 17 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 erreicht worden. “Die 20%-Marke bis 2020 stellt deshalb überhaupt kein ambitioniertes Klimaschutzziel mehr dar, sondern würde nur ein „Weiter so“ bedeuten”, erklärt Klaus Wiesehügel, Bundesvorsitzender der IG BAU als Mitglied der klima-allianz deutschland. “Europa muss sich den wissenschaftlichen Anforderungen für einen wirksamen Klimaschutz stellen und kann damit eine Führungsrolle übernehmen. Dazu ist eine Anhebung des Klimaziels auf 30 Prozent unabdingbare Voraussetzung.“

Alles Werben der Klima-Allianz hat nichts genützt.

Hier noch einmal die fundierten “Zehn gute Gründe für 30 Prozent” (PDF)

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UN-Nachhaltigkeitsverhandlungen enden ergebnislos – Streitpunkt ‘green economy’

Montag 23. Mai 2011 von birdfish

Ein Treffen der UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD) zur Vorbereitung des UN-Gipfels Rio plus 20 im nächsten Jahr ist ohne gemeinsamen Abschlusstext beendet worden.

Probleme bei der Definition von 'green economy'?
Probleme bei der Definition von ‘green economy’? – Foto: Dagmar Struß

Die Delegationen konnten sich auf keinen Kompromisstext einigen und vereinbarten auch kein Folgetreffen. Während die Unterhändler sich auf gemeinsame Positionen zu den Themen Verkehr, nachhaltige Produktion und Konsum und Tagebau einigten, gab es in anderen Bereichen und in übergreifenden Fragen Streit. So konnten sich die Regierungsvertreter unter anderem nicht auf eine gemeinsame Defintion für den Begriff “green economy” einigen. Die Gruppe der 77/China sprachen sich gegen einen Kompromissvorschlag des Vorsitzenden aus und verlangten, “green economy” daraus zu streichen.

Der Ausgang des Treffens lässt nun Zweifel an CSD als Verhandlungsforum aufkommen. So äußerte sich ein Delegierter skeptisch über die Zukunft der CSD gegenüber dem Informationsdienst Earth Negotiations Bulletin.

UNEP Website zu “green economy” (engl.)

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DNR fordert UN-Sicherheitsratsbeschluss für Abschaltung AKW in Erdbebengebieten

Mittwoch 13. April 2011 von birdfish

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat Bundeskanzlerin Merkel in einem offenen Brief dazu aufgefordert, im UN-Sicherheitsrat zur Atomkatastrophe von Fukushima einen Beschluss herbeizuführen.
Darin sollte die Abschaltung aller AKW in Erdbebengebieten weltweit verlangt werden. Der Brief an die Bundeskanzlerin hat den folgenden Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,

die in ihrem Ausmaß immer deutlicher werdenden Auswirkungen der Atomkatastrophe in Fukushima zeigen nach Tschernobyl erneut die unverantwortlich hohen Risiken bei der Nutzung der Atomenergie.

Die politischen Schlussfolgerungen aus dem atomaren GAU in Fukushima müssen natürlich die nationalen Regierungen ziehen. In Deutschland hat die Bevölkerung dazu eine eindeutige Position, den kurzfristigen Ausstieg aus der Atomenergie und die Deckung einer durch Effizienz- und Einsparmaßnahmen deutlich reduzierten Energienachfrage ausschließlich durch erneuerbare Energien.

Es gibt eine weitere Schlussfolgerung und zwar für die Weltgemeinschaft: Eine Atomkatastrophe wie in Fukushima darf sich nie mehr wiederholen. Allerdings können sich derart ungewöhnlich starke Erdbeben wie vor wenigen Wochen in Japan auch in anderen Erdbebengebieten jederzeit ereignen.

Wir bitten Sie daher dringend darum, die Mitgliedschaft Deutschlands im UN-Sicherheitsrat zu nutzen, um dort einen Beschluss herbeizuführen, der die Abschaltung aller AKW in Erdbebengebieten weltweit innerhalb einer bestimmten überschaubaren Frist vorsieht.

Mit freundlichen Grüßen
Hubert Weinzierl
DNR-Präsident

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Nachlese Klimagespräche Bangkok: Dynamik des Cancún-Klimagipfels wurde vermisst

Dienstag 12. April 2011 von birdfish

Die am Wochenende zu Ende gegangene Runde der UN-Klimaverhandlungen war durch ein zähes Ringen um die weitere Verhandlungsstrategie geprägt.

Bürgerbeteiligung
Bild: S. Hofschlaeger / Pixelio

Insbesondere die USA sehen die Ergebnisse von Cancún als Obergrenze der Bemühungen an und wollen sich daher auf die technische Umsetzung der dortigen Beschlüsse beschränken. Länder wie China messen der Umsetzung der Cancún-Beschlüsse wenig Priorität bei und wollen stattdessen insbesondere eine Weiterführung des Kyoto-Protokolls mit verbindlichen Reduktionszielen für Industrieländer erreichen. Progressive Länder drängen, die große Lücke der Klimaschutzversprechen hin zum Temperaturlimit von 2°C, wie in Cancun beschlossen, zu reduzieren. Sie sehen also die Ergebnisse von Cancún als Untergrenze an, auf die nun aufgesattelt werden müsse.

Zum Abschluss der UN-Klimaverhandlungen in Bangkok kritisierte Germanwatch, dass die Chancen für eine neue positive Verhandlungsdynamik noch nicht genutzt wurden. Die respektablen Ergebnisse des Klimagipfels von Cancún im Dezember 2010 hatten dafür den Grundstein gelegt.

Sven Harmeling, Leiter des Germanwatch-Verhandlungsteams in Bangkok: “Nach langem Ringen konnte am Ende zumindest eine Einigung erreicht werden, wie man in diesem Jahr – und zwar als nächstes bei den Klimaverhandlungen im Juni in Bonn – weiter verhandeln will. Nur wenn sich die unterschiedlichen Perspektiven über die zukünftige Ausarbeitung des Klimaregimes und dessen Ambition annähern, kann die notwendige Dynamik entstehen.”

Sven Harmeling weiter: “Es kann nicht um ein Entweder-Oder gehen: Die Beschlüsse von Cancún müssen bis zum Klimagipfel in Durban im Dezember 2011 wie geplant umgesetzt werden. Gleichzeitig brauchen wir Fortschritte bei zentralen ungelösten Themen, zum Beispiel der Fortführung der Kyoto-Berichtsarchitektur und die Stärkung der Berechnungsregeln etwa für Waldemissionen. Dann besteht eine realistische Chance für eine Aufwärtsspirale im internationalen Klimaschutz. Diese ist angesichts der Erkenntnisse aus der Klimawissenschaft dringend notwendig. Die EU muss dazu zu Hause ihren konkreten Beitrag leisten, indem sie ihr Klimaziel auf 30 Prozent erhöht. Nur dann kann sie sich, wie von vielen weltweit erhofft, in Durban als Vorreiter präsentieren. Wenn sowohl die USA als auch die EU hier ausfallen, kann man von den Schwellen- und Entwicklungsländern keine großen Schritte erwarten.

Die Entwicklungsländer sind in Bangkok diplomatisch einen Schritt auf die EU zugegangen und haben gefragt, welche Zugeständnisse die EU von anderen Ländern erwartet, damit sie eine zweite Phase des Kyoto-Protokolls mit trägt. Diese Verhandlungschance muss die EU jetzt aufgreifen und in den folgenden Monaten, ebenso wie die Erhöhung des eigenen Klimaziels, auf höchster politischer Ebene voranbringen.

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Vorbereitungen für den Klimagipfel in Südafrika beginnen – Gespräche in Bangkok

Dienstag 5. April 2011 von birdfish

In Bangkok hat am Sonntag die erste Verhandlungsrunde für den nächsten UN-Klimagipfel im Dezember in Südafrika begonnen.

Amazonas-Regenwald aus der Luft
Amazonas-Regenwald wird zunehmend von Dürre angegriffen – Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Neue Analysen der Klimawissenschaft zeigen, dass der Klimawandel keine klimapolitische Verschnaufpause erlaubt und nun die Grundlagen für einen erfolgreichen Klimagipfel im südafrikanischen Durban Ende des Jahres gelegt werden müssen.

Sven Harmeling, Leiter des Germanwatch-Verhandlungsteams bei der Konferenz in Bangkok: “Das Jahr 2010 war weltweit das wärmste Jahr seit Temperaturaufzeichnung – trotz eines relativ kalten Winters in Deutschland. Die Schmelzprozesse in Grönland haben sich beschleunigt, die zweite große Dürre im Amazonas-Gebiet in einem Jahrzehnt hat massiv die “grüne Lunge” und wichtige CO2-Senke beschädigt. Gleichzeitig ist vollkommen klar, dass die bisher gemachten Klimaschutzversprechen nicht ausreichend sind, um einen gefährlichen Klimawandel noch abzuwenden.”

Die Verhandlungen in Bangkok sollen die Konkretisierung und Verschärfung von Klimazielen, den Beschluss ihrer rechtlichen Verbindlichkeit und die notwendige Langfristfinanzierung für Klimaschutz, Anpassung und den Schutz des Regenwaldes voranbringen. Zu den Aspekten der Klimaschutzziele der Industrieländer und der Klimaschutzbemühungen der Entwicklungsländer sowie der Technologiekooperation wird es in Bangkok eigene Workshops geben. Viele Länder haben im Vorfeld ihre neue Verhandlungsposition bereits eingereicht.

Zudem soll Bangkok die Vereinbarungen von Cancún weiter konkretisieren. Einerseits einen im letzten Jahr beschlossenen Mechanismus, der die internationale Kooperation zu Klimaschutztechnologien befördern soll. Andererseits wird über die Ausgestaltung eines Ausschusses verhandelt, der unter dem Dach der Klimarahmenkonvention eine bessere Koordination der Aktivitäten zur Anpassung an die Klimafolgen gewährleisten soll.

Sven Harmeling: “Die Länder müssen nun ihren Willen zeigen und die positiven Impulse aus Cancún konkret umsetzen. Dies ist dringend notwendig, um aus den Grundsatzbeschlüssen von Cancún ernsthafte Klimapolitik zu machen. Nur so kann es beim nächsten Klimagipfel im südafrikanischen Durban Ende 2011 zu ambitionierten und weitreichenden Beschlüssen kommen. Gleichzeitig müssen insbesondere die Industrieländer durch konkretes Handeln zeigen, dass sie nicht zu den Bremsern des internationalen Klimaschutzes werden wollen, sondern zu Motoren einer klimapolitischen Aufwärtsspirale. Hierzu gehört auch, dass sich die EU im Laufe dieses Jahres auf eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 30 Prozent bis 2020 einigt. Sonst läuft sie Gefahr, ähnlich wie die USA in der Klimapolitik von aufstrebenden Ländern, wie zum Beispiel China, abgehängt zu werden.”

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Klimageheimnis im Marianengraben: tiefste Stelle im Meeresboden speichert viel C02

Montag 31. Januar 2011 von birdfish

Die tiefste Stelle im Meeresboden speichert überraschend viel Kohlenstoff.

Tiefsee-Lander nach erfolgreicher Mission
Tiefsee-Lander nach erfolgreicher Mission – Foto: Frank Wenzhöfer, MPI für Marine Mikrobiologie

Ein internationales Team von Meereswissenschaftlern bringt jetzt überraschende Erkenntnisse zum Klimageschehen vom tiefsten Punkt des Meeres mit.

Den Wissenschaftlern der Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (JAMSTEC), der Scottish Association for Marine Science (SAMS), der University of Southern Denmark (SDU), der University of Copenhagen, der HGF-MPG Brückengruppe für Tiefseeökologie und Technologie vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI Bremen,und des Alfred Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI Bremerhaven) gelang es, zum ersten Mal Daten über klimarelevante Prozesse direkt am Grund des Marianengrabens mit einem Tiefsee-Messsystemen zu gewinnen. Der Marianengraben liegt ca. 2000 km östlich der Philippinen und gilt mit fast 11000 Metern als tiefster Punkt der Erde.

Ein speziell für diese Untersuchungen entwickeltes Messsystem ging für mehrere Male hinab zum Grund der Challenger-Tiefe, einem Graben in 10,9 km Wassertiefe, um dort mikrobielle Prozesse zu verfolgen. Dieser wissenschaftliche Einsatz in der extremen Tiefe ist der erste seiner Art und erfolgte während der Expedition YK 10-16 mit dem japanischen Forschungsschiff Yokosuka, unter der Fahrtleitung von Prof. Hiroshi Kitazato (JAMSTEC).

Um den globalen Kohlenstoffkreislauf besser verstehen zu können, ist es wichtig zu wissen, welche Rolle die Meere in der Speicherung des Kohlenstoffs spielen. Tiefe Ozeangräben wie der Marianengraben decken zwar nur 2% des Meeresbodens ab, könnten aber eine ungleich größere Rolle im Kohlenstoffumsatz spielen. Das Ziel dieser Expedition war herauszufinden, wie schnell Kohlenstoffverbindungen in diesen Tiefen umgesetzt werden und anhand von Sedimentproben herauszufinden, wie viel Kohlenstoff dort in den Gräben gespeichert wird. Erst der Vergleich zwischen dem Anteil gespeicherten Kohlenstoffs zu dem Anteil zersetzter Kohlenstoffverbindungen im Meeresboden liefert den Schlüssel zum Verständnis des Kohlenstoffkreislaufs und damit zum Klima unseres Planeten.

Der Wasserdruck in dieser Tiefe ist enorm und mikrobielle Untersuchungen sind sehr schwierig. Die Proben können nicht einfach an die Wasseroberfläche geholt werden, denn das würde die Lebewesen stark beeinflussen. Die Forscher, um Prof. R.N. Glud (SDU und SAMS) und Dr. F. Wenzhöfer (MPI und AWI), mussten ein spezielles Messsystem entwickeln, das an Ort und Stelle die Messungen durchführen konnte. Besondere Sauerstoffsensoren kamen zum Einsatz, um damit ein engmaschiges Netz von Sauerstoffprofilen im Meeresboden zu erhalten, denn Sauerstoff ist wichtig bei dem Abbau organischer Verbindungen. Das autonome Messsystem in 10000 Metern Tiefe zum Laufen zu bringen war eine große Herausforderung. Das gesamte Tiefsee-Landersystem ist auf einen Druck von mehr als 1000 Atmosphären ausgelegt und ist das Ergebnis internationalen Teamworks zwischen japanischen, schottischen, dänischen und deutschen Forschern.

Mit Hilfe des neu entwickelten Spezialgerätes konnte die mikrobielle Aktivität am Meeresboden genau kartiert werden. Die ersten vorläufigen Ergebnisse sorgten für eine Überraschung, denn der Kohlenstoffumsatz am Grund des Grabens ist viel höher als weiter oben auf dem Tiefseeplateau in 6000 Metern Tiefe. Das bedeutet, dass die Tiefseegräben als Kohlenstoffsenke fungieren. Genauere Ergebnisse dazu werden weitere Untersuchungen der Sedimentproben liefern. Diese Expedition ist ein Beispiel für gute internationale Zusammenarbeit. Denn es ist schon ein Erfolgserlebnis, an der tiefsten Stelle des Meeresbodens Messungen durchzuführen und Daten zu sammeln. Jetzt hoffen die Wissenschaftler, dass mit den Auswertungen der neuen Ergebnisse wichtige Fragen über die Mineralisierung und Speicherung von Kohlenstoff am Meeresboden beantwort werden können.

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