KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Vom Vatikan versammelte Wissenschaftler: Gletscherschmelze ist Klimawandel-Vorbote

Donnerstag 12. Mai 2011 von birdfish

Der Vatikan hat einen Bericht zur weltweiten Gletscherschmelze veröffentlicht, in dem führende internationale Wissenschaftler eindringlich vor den Folgen des Klimawandels warnen.

Rasanter Gletscherschwund
Rasanter Gletscherschwund – Darstellung: J. Alean, SwissEduc

Der Report listet zahlreiche Fälle des Rückgangs von Gletschern auf – in den Alpen ist bereits die Hälfte der Eismasse verschwunden, Tausende kleiner Gletscher im Himalayagebiet schrumpfen. „Wir rufen alle Nationen auf, unverzüglich effektive und gerechte Maßnahmen zur Verringerung der Ursachen und der Folgen des Klimawandels zu entwickeln und umzusetzen“, heißt es in einer jetzt veröffentlichten Erklärung der Arbeitsgruppe. Das Papier wird Papst Benedikt XVI vorgelegt.
„Die Gletscherschmelze ist einer der großen Vorboten des Klimawandels, gewissermaßen die Schrift an der Wand“, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Mitglied der von der Pontifikal-Akademie der Wissenschaften berufenen Gruppe. Im viele hundert Seiten starken letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC war im Zusammenhang mit den Gletschern im Himalaya bekanntlich ein Zahlendreher enthalten, der seitdem von Gegnern des Klimaschutzes für Attacken auf die gesamte Klimaforschung genutzt wird. „Dadurch ist die Gletscherschmelze für Teile der Öffentlichkeit auf unsinnige Weise zu einem Thema geworden, das sie lieber ignoriert“, sagte Schellnhuber. Doch dass der Vatikan als Vertretung von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken sich heute in ganz anderem Maße als früher mit dem Klimawandel als Gefährdung der Schöpfung befasse, sei „ein wichtiges Signal“.

„Der Zerfall vieler kleiner Gletscher im Himalaya ist für mich besonders beunruhigend, weil diese Region als Wasserturm Asiens dient und weil sowohl Treibhausgase also auch Luftschadstoffe wie Ruß und Ozon zu dem Schmelzen beitragen“, erklärte Veerabhadran Ramanathan, Vorsitzender der 24-köpfigen Teams und Klimaforscher am Scripps Institut für Ozeanografie der University of California in San Diego. Die im April im Vatikan zur Diskussion versammelte Gruppe von Wissenschaftlern setzte sich keineswegs nur aus Kirchenmitgliedern zusammen, Grundlage für die Auswahl war die wissenschaftliche Reputation.

Die Forscher betonten, dass eine komplexe und noch intensiver zu erforschende Mischung aus globalen und regionalen Ursachen für die Gletscherschmelze verantwortlich sei – neben den Treibhausgasemissionen selbst auch Ruß und Staub und damit zusammenhängende Veränderungen des Gehalts an Feuchtigkeit und Energie der Atmosphäre, so der Bericht. Dies alles zusammen führe zu einer Erwärmung in manchen Höhenlagen, nicht zuletzt im Himalaya.

Vatikan Studie: Fate of Mountain Glaciers in the Anthropocene – A Report by the Working Group Commissioned by the Pontifical Academy of Sciences (PDF, engl.)

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Klimawandelbedingte Naturkatastrophen fordern jährlich hunderte Millionen Leben

Donnerstag 12. Mai 2011 von birdfish

Über 200 Millionen Menschen sind jedes Jahr von schwersten Naturkatastrophen betroffen.

Flutkatastrophe in Jakarta
Flutkatastrophe in Jakarta – Foto: pinodita.com

Mindestens die Hälfte der Opfer sind Kinder – das besagt der aktuelle UNICEF-Bericht Zur Lage der Kinder in Krisengebieten 2011. Schuld daran: der Klimawandel.

Die Opfer der Naturkatastrophen werden getötet, verletzt, leiden an Krankheiten durch Mangelernährung, unsauberes Wasser und schlechte hygienische Bedingungen. Rund 70 Prozent aller Katastrophen sind heute klimabedingt, erklärt UNICEF im aktuellen Bericht. Zu Anfang des Jahrtausends waren es 50 Prozent. Es gilt also, den Klimawandel zu bekämpfen, um die Menschen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern zu schützen. Strategien und Maßnahmen dafür diskutieren derzeit 2.000 Experten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und NGOs auf der “Globalen Plattform zur Reduzierung von Risiken durch Naturkatastrophen”, die Dienstag von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon offiziell eröffnet wurde und noch bis morgen in Genf stattfindet

Um die katastrophalen Folgen des Klimawandels zu begrenzen, fordert Greenpeace eine schnellstmögliche Reduktion der klimaschädigenden Treibhausgase. Doch so lange auf Braunkohle gesetzt wird, ist dies nicht zu schaffen. Warum? Braunkohle setzt im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern besonders viel Kohlendioxid (CO2) frei, das sich in der Atmosphäre anreichert und der wesentliche Verursacher des stattfindenden Klimawandels ist. Die Energieversorgung der Zukunft muss also auf effizienten Gaskraftwerken sowie Erneuerbaren Energien basieren. Wie das geht, zeigt Greenpeace in seinem Energiekonzept “Der Plan”.

Mit Erneuerbaren Energien können also Naturkatastrophen, denen jährlich so viele Menschen zum Opfer fallen, bekämpft werden. Dass es aus wissenschaftlicher Sicht möglich ist, die Welt mit alternativen Energien zu versorgen, zeigt auch eine neue Studie des Weltklimarates IPCC, die heute in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten veröffentlicht wurde. Mitautor Sven Teske von Greenpeace International: “Technisch könnten die 560 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) mit Erneuerbaren Energien eingespart werden, die wir brauchen, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.” Das würde schon enorm helfen, dem Klimawandel und den daraus resultierenden Naturkatastrophen entgegenzuwirken.

Was heißt das konkret? Greenpeace plädiert vor allem für den Abschied von der Braunkohle und die Investition in Erneuerbare Energien. Nicht nur, um Kinder vor Naturkatastrophen zu schützen, sondern die gesamte Menschheit.

Weitere Infos:

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Menschverursachte Stickstoffverbindungen werden in Wäldern teils zu Treibhausgasen

Mittwoch 13. April 2011 von birdfish

Reaktive Stickstoffverbindungen aus Landwirtschaft, Verkehr und Industrie führen zu erhöhten Emissionen des Treibhausgases Lachgas (N2O) aus den Wäldern Europas.

Waldböden emittieren klimaschädliches Lachgas. Ursache sind reaktive Stickstoffverbindungen aus Industrie und Landwirtschaft.
Waldböden emittieren klimaschädliches Lachgas. Ursache sind reaktive Stickstoffverbindungen aus Industrie und Landwirtschaft – Foto: Ingwer Hansen

Die Lachgasemission aus dem Waldboden ist mindestens doppelt so hoch wie der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) bisher angenommen hatte. Das ist eine der Kernbotschaften des ersten Gutachtens zu Stickstoff in Europa (European Nitrogen Assessment, ENA), das diese Woche im Rahmen der Internationalen Konferenz „Nitrogen and Global Change 2011“ in Edinburgh, Schottland, vorgestellt wird.
Die hauptsächlich vom Menschen verursachten reaktiven Stickstoffverbindungen (z.B. NH3 und NOx) werden nach ihrem Eintrag über die Luft in den Wäldern teilweise zu Lachgas (N2O) umgewandelt. Lachgas gehört nach Kohlendioxid und Methan zu den Hauptverursachern des Treibhauseffekts. Dabei ist ein Kilogramm Lachgas rund 300 Mal treibhauswirksamer als die gleiche Menge Kohlendioxid.

Das nun vorliegende ENA-Gutachten, an dem mehr als 200 Experten aus 21 Ländern aus Wissenschaft und Politik und 89 Organisationen mitgewirkt haben, besagt, dass die Auswirkungen von Einträgen von reaktivem Stickstoff aus der Luft in die Wälder Europas bisher deutlich unterschätzt wurden. Die Studie zeigt, dass etwa 2 bis 6 Prozent des reaktiven Stickstoffs aus der Luft in Lachgas umgewandelt werden, das aus dem Waldboden wieder in die Atmosphäre aufsteigt. Der Weltklimarat (IPCC) war bisher von einer Menge von nur etwa 1 Prozent ausgegangen.

Bezogen auf eine Waldfläche von 188 Mio. Hektar hat sich der Eintrag reaktiven Stickstoffs im Vergleich zum Jahr 1860 im Jahr 2000 um 1,5 Mio. Tonnen erhöht. Dies bedeutet eine Steigerung von etwa 8 Kilogramm reaktiven Stickstoff pro Hektar Wald.

Die Ursache für den gestiegenen atmosphärischen Eintrag von reaktivem Stickstoff sind zum einen die landwirtschaftliche Düngung und damit verbundene Ammoniak-Emmissionen, zum anderen die Stickoxid-Emissionen durch Verbrennung fossiler Energieträger, aber auch die Biomasseverbrennung.

Die Konsequenzen der chronisch erhöhten Einträge von reaktivem Stickstoff in Wälder sind neben den klimaschädlichen Lachgasemissionen aus den Waldböden unter anderem auch eine Veränderung der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren und erhöhte Nitratausträge ins Wasser.

Bei der Vorstellung dieses Teils des ENA-Gutachtens in Edinburgh betonte Professor Klaus Butterbach-Bahl: “Der atmosphärische Eintrag von reaktivem Stickstoff ist bei weitem zu hoch. Unsere Analyse zeigt, dass gravierende Reduktionen – besonders der Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft – erforderlich sind, um die Lachgasemissionen aus Waldböden zu reduzieren.”

Klaus Butterbach-Bahl ist Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er leitet den Bereich „Atmosphärische Umweltforschung“ des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung (IMK-IFU) und ist Leitautor des ENA-Kapitels Nr. 19 zu reaktivem Stickstoff als Gefahr für die EU-Treibhausbilanz („Nitrogen as a threat to the European greenhouse balance“).

Die ENA Studie ist das erste Gutachten, das die vielfältigen Gefahren durch zu hohe Stickstoffeinträge mit ihren ökologischen und ökonomischen Auswirkungen im gesamteuropäischen Kontext beschreibt, vor allem den Beitrag zum Klimawandel und zum Rückgang der Artenvielfalt. Die ENA Studie beschreibt zudem, welche Regionen in Europa besonders gefährdet sind und durch welche Maßnahmen die Risiken verringert werden können, um die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.

Das ENA-Gutachten wurde für die UN-Kommission für Luftreinhaltung (‘Air Convention’ of the United Nations Economic Commission for Europe) erstellt und durch die Europäische Kommission und die Europäische Wissenschaftsstiftung finanziert.

Zeitgleich mit der Vorstellung des ENA-Gutachtens publizierte die Zeitschrift Nature am 11. April einen Kommentar des leitenden Editors Dr. Mark Sutton vom Centre for Ecology & Hydrology, Grossbritannien. Dieser Kommentar zeigt auf, warum die Verminderung von Stickstoffemissionen eines der zentralen Umweltherausforderungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist. Dr. Sutton betont: „Dies ist ein herausragendes Ergebnis. Es zeigt, dass Stickstoffemissionen durch die Industrie und die Landwirtschaft in die Atmosphäre wesentlich größere Auswirkungen auf Lachgasemissionen aus Böden haben als bisher angenommen. Dieses Ergebnis liefert zusätzliche Argumente für die Rückführung der Emissionen von Stickstoffoxiden und Ammoniak, was entsprechend positive Auswirkungen für Klima, Luftqualität und Biodiversität hätte.” (Nature 472, Seiten 159-161, 14. April, 2011)

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Kritisierter IPCC-Bericht lag richtig: Klimarisiken für Afrikas Bauern sind groß

Donnerstag 17. März 2011 von birdfish

Für Afrikas Bauern ist der Klimawandel ein Risiko.

Risikofaktor Klimawandel in Afrika
Risikofaktor Klimawandel in Afrika – Foto: action medeor / Betzelt

Diese Aussage im letzten Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) war vor einem Jahr teils heftig attackiert worden – sie sei nicht wissenschaftlich fundiert, so die Kritik, die damit auf die Glaubwürdigkeit des Weltklimarats zielte. Eben diese Aussage wird aber nun von der neueren Forschung bestätigt, schreiben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in der renommierten US-Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.
Keine der afrikanischen Agrarregionen ist auf der sicheren Seite“, sagt der Leitautor Christoph Müller. „Das ist ein belastbares Ergebnis, auch wenn wir vieles noch nicht genau genug wissen.“

Zu diesem Ergebnis kamen die Autoren durch die Auswertung von zwanzig Studien mit scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen: Manche Analysen deuten auf mögliche Totalverluste der landwirtschaftlichen Produktivität hin, während andere auch starke Verbesserungen für möglich halten – bis zu 168%. Dies hängt jedoch von der jeweils untersuchten Region, den Feldfrüchten und Zeiträumen ab; eine umfassende Untersuchung fehlt bis jetzt. Indirekte Effekte des Klimawandels auf die Landwirtschaft, etwa Überflutungen und Bodenerosion, würden vielfach nicht berücksichtigt, sagt Müller. „Die quantitativen Aussagen in jüngeren Studien erscheinen vor diesem Hintergrund eher optimistisch.“ Ungewissheiten entstünden auch durch die gewählten Methoden – etwa das Fortschreiben statistischer Zusammenhänge, ohne die Dynamik des Weltagrarmarktes zu berücksichtigen.

„Das Risikomanagement sollte sich auf die kritischen Regionen Afrikas und die betroffenen Menschen konzentrieren“, sagt der Leiter des Forschungsbereichs Erdsystemanalyse am PIK, Wolfgang Cramer. In einigen Teilen Afrikas könne der Klimawandel zwar auch nützen, etwa durch den erhofften CO2-Düngungseffekt für Pflanzen oder durch erhöhte Niederschläge in Trockengebieten, in anderen aber schaden. Insgesamt sei das Schadenspotenzial sehr groß.

Der Klimawandel trifft in Afrika vielfach auf eine Landwirtschaft, die bereits heute der lokalen Nachfrage nach Nahrungsmitteln nicht gerecht wird. Zugleich ist aber das Potential zur Verbesserung von Ernteerträgen in einigen bislang besonders ineffizient wirtschaftenden Ländern besonders groß – in Angola etwa ist einer Studie zufolge theoretisch eine Steigerung um ein Vielfaches möglich. Zu den erfolgversprechenden Ansätzen für eine Anpassung an die Klimarisiken zählt die neuere Forschung vor allem die Wiederherstellung der ausgelaugten Böden, die Anwendung effizienter und bodenschonender Anbaumethoden und den integrierten Pflanzenschutz. Ebenfalls wichtig ist ein verbesserter Zugang zu internationalen Märkten und der Ausbau von Straßen und anderer Infrastruktur.

„Die afrikanische Landwirtschaft hat Chancen“, betont Cramer. „Statt die Augen vor dem Klimawandel zu verschließen, sollte die Forschung nun neue Wege aufzeigen, wie die Ernährung zukünftiger Generationen gesichert werden kann.“

Originalpublikation:

Müller, C., Cramer, W., Hare, W.L., Lotze-Campen, H.: Climate change risks for African agriculture. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (2011) [doi: 10.1073/pnas.1015078108]

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Forschungsprojekt soll helfen, Kosten von Klimaschutz besser abschätzen zu können

Montag 28. Februar 2011 von birdfish

Die Kosten von Klimaschutz sollen besser abschätzbar werden. Zu diesem Zweck lassen jetzt Forscherteams aus zwölf Ländern ihre Computermodelle von Energie-Wirtschaft-Klima gegeneinander antreten.

Kohlekraftwerk in Nordkorea
Kohlekraftwerk in Nordkorea: nicht alle werden mitmachen – Foto: Thilo Reiter / Pixelio

Deren Prognosen sollen tauglicher gemacht werden für Entscheidungen der Politik über Emissionsreduktionen oder Technologieförderung; sie fließen auch in den nächsten Report des Weltklimarats IPCC ein. „Die bisher vorgelegten Kostenabschätzungen müssen auf eine breitere Basis gestellt werden“, sagt Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der das Vorhaben zusammen mit dem Klimaökonomen Ottmar Edenhofer leitet.
„Jetzt wollen wir genau analysieren, unter welchen Annahmen – etwa über die zukünftige Klimapolitik und die ihr zur Verfügung stehenden Mittel – welche Effekte für den Klimaschutz zu erwarten sind“, sagt Kriegler.

Die insgesamt 21 Partner aus China, Indien, Japan und neun europäischen Ländern von Griechenland bis Großbritannien treffen sich an diesem Montag in Potsdam zum ersten Mal. Das Projekt unter der Führung des PIK dauert drei Jahre und wird von der Europäischen Union durch ihr siebtes Rahmenprogramm mit drei Millionen Euro gefördert. Die Simulationen der Forscher laufen teils in wenigen Stunden auf einfachen Laptops, teils in vielen Tagen auf Hochleistungscomputern, so unterschiedlich sind die Modellrechnungen angelegt. „Wenn wir zusammenarbeiten, wird aus diesen Unterschieden eine Stärke“, erklärt Kriegler.

Vier Herausforderungen für die Klimapolitik soll das Projekt angehen. (1.) Rückkopplungseffekte in der Reaktion des Klimas auf die Treibhausgasemissionen – beispielsweise durch das Entweichen von Methan beim Tauen des sibirischen Permafrostbodens – können erhebliche Auswirkungen auf den Klimaschutz haben. Das soll genauer untersucht werden. Analysiert wird (2.) die Bedeutung der Verfügbarkeit von Technologien zur Emissionsvermeidung und die Bedeutung des Planungshorizonts in Politik und Energiewirtschaft. Hier geht es um die Schwierigkeit, langfristige Klimaschutzziele mit begrenzten Mitteln und Planungshorizonten zu erreichen.

Geklärt werden soll (3.) die Relevanz von fragmentierter Klimapolitik, wenn etwa nicht alle Regionen oder Wirtschaftszweige mitmachen. Bislang ist genau das die Realität – die Entscheider befürchten lässt, dass in den einen Ländern oder Branchen eine sinkende Nachfrage nach fossilen Brennstoffen deren Preis drückt, wodurch in anderen Ländern oder Branchen die Nachfrage steigt. Dieser Effekt soll in dem Forschungsprojekt nun quantifiziert werden. Und schließlich (4.) geht es um die Konsequenzen hieraus für die Klimapolitik in der EU.

„Damit der Übergang aus dem Zeitalter der fossilen Brennstoffe in die annähernd CO2-freie Wirtschaftsweise gelingen kann, brauchen die Entscheider solche Informationen“, sagt Edenhofer, Ko-Leiter des Vorhabens und Chefökonom des PIK. Die Wissenschaftler haben das Projekt AMPERE genannt – die Abkürzung steht für Assessment of Climate Change Mitigation Pathways and Evaluation of the Robustness of Mitigation Cost Estimates (Prüfung der Pfade für die Verringerung des Klimawandels und Bewertung der Belastbarkeit von Schätzungen der Kosten dieser Verringerung). „Schon daran sieht man“, sagt Edenhofer, „es geht wirklich um’s Ganze.“

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Gutes Forst-Management soll Klimafolgen für den deutschen Wald abfedern können

Dienstag 4. Januar 2011 von birdfish

Bei entsprechender Bewirtschaftung lassen sich negative Folgen des Klimawandels für den Wald auffangen.

Wälder fit machen für die Zukunft
Deutsche Wälder für Zukunft fit machen – Foto: Dagmar Struß

Mit besser angepassten Baumarten und dem richtigen Management kann der deutsche Wald für das Jahr 2100 fit gemacht werden, meinen Wissenschaftler der Uni Hamburg.

Eine entsprechende Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift „Carbon Balance and Management“ veröffentlicht. Darin untersuchten Professor Michael Köhl und andere Wissenschaftler vom KlimaCampus der Universität Hamburg zwei unterschiedliche Klimaszenarien für das Jahr 2100. Für beide wurden verschiedene Varianten von Waldmanagement simuliert. Ergebnis: Die Fitness eines Waldes ist viel stärker von seiner Bewirtschaftung als von künftigen Klimaänderungen abhängig.

Ein Wald kann durch Bäume, die Trockenheit vertragen, durch kürzere Umtriebszeiten – d. h. kürzere Zeitspannen von Pflanzung bis Ernte – und regelmäßiges Durchforsten auch 2100 dem Klimawandel trotzen.

Für die Studie wählten die Wissenschaftler die Szenarien A1B und B des IPCC-Weltklimaberichts für das Jahr 2100. Das erste Szenario geht von starkem Wirtschaftswachstum und deshalb von einer anhaltenden Temperaturerhöhung aus. In Szenario B handeln die Menschen nachhaltiger, sodass sich die globale Temperaturerhöhung auf 2° Grad Celsius begrenzen lässt. Für beide Fälle simulierten die Forscher drei verschiedene Bewirtschaftungsstrategien für die Wälder Deutschlands. Diese reichten von „maximalem Profit“ mit gleichaltrigen Beständen einer Baumart, kürzeren Umtriebszeiten der Bäume und geringer Artenvielfalt – einer Bewirtschaftung mit hoher Rendite – bis hin zu einer beinahe naturbelassenen Bewirtschaftung mit langer Lebensdauer der Bäume und reicher Biodiversität.

Die Ergebnisse zeigen: Die Bewirtschaftungsart wirkt sich stets deutlicher aus als die Stärke der Klimaänderung. Alle drei Formen des Waldmanagements für dasselbe Szenario unterscheiden sich deutlicher untereinander als in den beiden Klimaszenarien. Dies galt für alle untersuchten Kriterien, wie z. B. das durchschnittliche Holzvolumen, die Entwicklung des Kohlenstoffgehalts pro Fläche, die Artenzusammensetzung oder das Durchschnittsalter der Bäume.

Bäume können ihren Standort nicht wechseln. Aufgrund ihrer genetischen Ausstattung sind sie jedoch in der Lage, sich rasch an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen – ihr genetisches Erbgut ist etwa zehnmal so umfangreich wie das des Menschen. „Die erwarteten Klimaänderungen schreiten allerdings selbst für die flexiblen Bäume zu schnell voran. Erst über Nachfahren und Kreuzungen könnten die Anpassungsmechanismen wirken, ein Baumleben kann aber bis weit über 500 Jahre dauern“, so Prof. Köhl.

Die Studie zeigt vor allem, dass mit der Bewirtschaftung Einfluss auf die Waldgesundheit genommen werden kann – und sollte. „Würde man den deutschen Wald jetzt sich selbst überlassen, nähme seine Vitalität rapide ab“, so Köhl. Für die Zukunft empfiehlt der Forstexperte Arten, die sich auf trockenen Böden wohl fühlen. Gleichzeitig sollten die Bäume nicht zu alt werden, die Wälder häufiger durchforstet und Bäume selektiv entnommen werden – die besten Voraussetzungen für einen „Fit forest“ 2100.

Originalpublikation
Köhl, M. et al. (2010): Combating the effects of climatic change on forests by mitigation strategies; Carbon Balance and Management 2010, 5:8

Journal Carbon Balange and Management

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Nochmal die Kurve bekommen? Fazit zum UN-Klimagipfel – Statements einiger NGO

Montag 13. Dezember 2010 von birdfish

Der Klimagipfel 2010 stand unter hohem Erwartungsdruck doch zugleich unter keinem guten Stern.

Fazit zum Klimagipfel
Hoffnung aus Cancun?

Nach dem desillusionierenden Gipfel von Kopenhagen hatte man einerseits gedacht, es könne nur besser, konstruktiver werden. Zugleich waren sich die führenden Politiker schon im Vorfeld einig, dass der große Wurf in diesem Jahr nicht mehr gelingen würde.

Nicht zuletzt der deutsche Bundesumweltminister Röttgen gab eine schlechte Prognose im Vorfeld ab und beschloss dann auch überraschend, sich von seinen eigenen Reduktionszielen zu verabschieden.

Kurz vor knapp gab es dann doch noch eine überraschende Wende beim Gipfel. Die Reaktionen hierauf aus den Reihen der NGO haben wir hier für Sie zusammen gestellt:

Fazit zum Klimagipfel 2010 in Cancun / Mexiko

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Klimagipfel 2010 in Cancun – Fazit

Montag 13. Dezember 2010 von birdfish

Der Klimagipfel 2010 stand unter hohem Erwartungsdruck doch zugleich unter keinem guten Stern.

Aktivisten formten eine Hoffnungsbotschaft am letzten, entscheidenden Tag der Klimaverhandlungen in Cancún
Aktivisten formten eine Hoffnungsbotschaft am letzten, entscheidenden Tag der Klimaverhandlungen in Cancún – Foto: Elizabeth Ruiz / Greenpeace

Nach dem desillusionierenden Gipfel von Kopenhagen hatte man einerseits gedacht, es könne nur besser, konstruktiver werden. Zugleich waren sich die führenden Politiker schon im Vorfeld einig, dass der große Wurf in diesem Jahr nicht mehr gelingen würde. Nicht zuletzt der deutsche Bundesumweltminister Röttgen gab eine schlechte Prognose im Vorfeld ab und beschloss dann auch überraschend, sich von seinen eigenen Reduktionszielen zu verabschieden.

Kurz vor knapp gab es dann doch noch eine überraschende Wende beim Gipfel. Die Reaktionen hierauf sind nachfolgend zusammen gestellt.

Germanwatch
Cancún weist den Weg für neue Klimaschutzdynamik

Germanwatch begrüßt die überraschend positive Einigung beim Klimagipfel

In einer dramatischen Nachtsitzung hat der Klimagipfel in Cancún heute, am 11.12.10, – auch Dank der souveränen Verhandlungsführung der mexikanischen Außenministerin Espinosa – wichtige Klimaschutzpakete verabschiedet: zum Schutz des Regenwaldes, für die Anpassung an den Klimawandel der verwundbaren Staaten, zum Technologietransfer und für einen grünen Fonds, der all diese Maßnahmen finanzieren soll. Zum ersten Mal wurde das Zwei-Grad-Limit in der UN offiziell von allen Staaten als die angestrebte Höchstgrenze für den Temperaturanstieg akzeptiert. Die unzureichenden Selbstverpflichtungen der Industriestaaten von Kopenhagen führen zu einem Temperaturanstieg von drei bis vier Grad bis Ende des Jahrhunderts. Sie sollen bis 2015 so nachgebessert werden, dass die Lücke zum Zwei-Grad-Ziel geschlossen wird.

“Der UN-Klimaprozess hat gezeigt, dass er in der Lage ist, wegweisende Ergebnisse zu erzielen. Darauf gilt es im nächsten Jahr, beim Klimagipfel in Südafrika aufzubauen. Die Langfristfinanzierung für Klima- und Regenwaldschutz sowie Anpassung werden dabei ebenso wie die rechtliche Form des Abkommens im Zentrum stehen”, erklärt Klaus Milke, Vorsitzender von Germanwatch. “Zugleich hat man aber auch gesehen, dass der konsensorientierte UN-Prozess mit einer im internationalen Klimaschutz weitgehend handlungsunfähigen US-Regierung nicht alleine die notwendige Dynamik im internationalen Klimaschutz erzeugen kann. Dazu bedarf es zusätzlich Vorreiterkoalitionen zwischen Staaten, Kommunen und Unternehmen”, ergänzt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. “Handeln, Verhandeln, Koalitionen ist der notwendige Dreischritt.”

BUND
Bolivien steht nicht am Pranger, weil es mehr Klimaschutz will.

Die Blockierer von mehr Klimaschutz gehören angeprangert

Für Hubert Weiger, den Vorsitzenden des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), steht nach dem Weltklimagipfel von Cancun nicht Bolivien am Pranger, sondern angeprangert gehörten die Blockierer von mehr Klimaschutz. Das Veto Boliviens gegen die schwachen Beschlüsse von Cancun finde die Unterstützung seiner Organisation, sagte Weiger in Frankfurt/Main. Für ihn sei die Stimme Boliviens gegen die Cancun-Vereinbarungen ein deutlicher Hinweis auf die Mängel in der internationalen Klimaschutzpolitik. In Cancun habe außerdem nicht nur die bolivianische Regierungsdelegation gegen die Gipfel-Beschlüsse protestiert. Zehntausende politisch Engagierte, einfache Bauern und Landlose seien parallel zum Klimagipfel für mehr Umwelt- und Klimaschutz und mehr Gerechtigkeit auf die Straße gegangen.

“Der bolivianische Präsident Evo Morales kritisiert die Schwäche der Cancuner Beschlüsse zu Recht. Mit den bisher vereinbarten Minderungszielen für CO2-Emissionen und der Einrichtung fragwürdiger Schlupflöcher wie den CO2-Zertifikatehandel lässt sich der Klimawandel nicht wirksam bekämpfen”, sagte Weiger. Die Erwärmung der Erdatmosphäre steuere weiter auf die Fünf-Grad-Marke zu. Daran ändere auch das Mantra der politisch Verantwortlichen aus fast allen Regierungen, sie wollten die Erwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen, nichts.

“Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der USA-Präsident Barack Obama die Ergebnisse von Cancun über den grünen Klee loben, dann stellen sich zwei Fragen. Erstens, reicht der Cancun-Kompromiss? Und zweitens, was haben die beiden eigentlich in der letzten Zeit zum Klimaschutz beigetragen? Da fällt einem nicht viel ein”, sagte Weiger.

Es habe wenig Sinn, beim internationalen Klimaschutz weiter auf Blockiererstaaten wie die USA, Japan, Kanada, Australien und China zu warten. Zurückgewiesen werden müssten auch die Versuche von Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zur Aufweichung der Klimaschutzziele und zur Schaffung weiterer Schlupflöcher. Es sei dringend erforderlich, sämtliche Auslandsinvestitionen, die mit den Einnahmen aus dem internationalen CO2-Zertifikatehandel getätigt würden, stärker an Umweltkriterien zu binden. Auf keinen Fall dürften Atom- und Kohlekraftwerke oder der Bau von naturzerstörenden Riesen-Staudämmen mit Geldern aus diesem Handel gefördert werden.

GREENPEACE
Cancún ist ein Zeichen der Hoffnung – die Arbeit geht jetzt los

Rund 190 Teilnehmerstaaten haben in einer letzten Nachtsitzung zwei Kompromisspapiere verabschiedet. Mit dem Abschluss der Klimakonferenz in Cancún ist die Staatengemeinschaft dem 2011 geplanten Klimaschutzvertrag ein Stück näher gekommen. Um den Klimawandel einzudämmen, muss aber noch viel getan werden.

“Cancún hat bisher nur den Prozess zur Erarbeitung des Klimaschutzvertrags gerettet, aber noch nicht das Klima selber. Dieses Ergebnis ist besser als zeitweise befürchtet. Trotzdem – es ist erst der Anfang”, sagt der Leiter der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace, Martin Kaiser. Er hat die Konferenz vor Ort für Greenpeace begleitet.

Bis nächstes Jahr müssen die Staaten das entscheidende Klimaschutzprotokoll im Detail erarbeiten. Der ungezügelten Verschmutzung der Atmosphäre durch Mineralöl-, Kohle- und Holzindustrie seien mit dem Papier noch längst keine Grenzen gesetzt, so Kaiser.

Immerhin: Die Grundpfeiler für einen globalen Klimaschutzvertrag sind gelegt worden – auch wenn Bolivien sich als einziges Land bis zum Ende quer stellte:

  • Einrichtung eines Klimaschutzfonds
  • Festlegung der Grenze der Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius
  • Sicherung von Biodiversität
  • Sicherung der Rechte Indigener Völker

Europas Auftritt: schwach!
Europa hat beim Weltklimagipfel ein denkbar schlechtes Bild abgegeben: “Die EU war wenig ambitioniert. Kein mutiges Reduktionsziel und Uneinigkeit in wichtigen Beschlüssen”, berichtet Kaiser. Ob die EU bewusst an der eigenen Bedeutungslosigkeit in der Klimafrage arbeitet? Die Europäische Kommission und Großbritannien selbst hatten lange gegen die EU-Position zur Einrichtung des Klimaschutzfonds gearbeitet.

“Wenn man nun bedenkt, dass auch die USA, Russland und Japan gebremst haben, ist das Papier in Cancún wirklich das Maximum, was man aus dieser Staatengemeinschaft herausholen konnte. Zu verdanken ist das allein der mexikanischen Präsidentschaft sowie den am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffenen Ländern.”

Greenpeace fordert von der EU, sich Anfang 2011 endlich darauf zu einigen, die Treibhausgase bis 2020 um 30 Prozent zu senken, wie es der Weltklimarat fordert.


Glanzloser Auftritt von Deutschland

Auch Deutschland hat sich bei den Verhandlungen kaum positiv hervorgetan: “Die Rede von Umweltminister Norbert Röttgen war unengagiert. Bei EU-Verhandlungen wie z.B. bei Verkehrs- und Energiepolitik bremst Deutschland Klimaschutz aus. Und den Beschluss der Regierung, 100 Prozent der Versteigerungserlöse in den Klimaschutz zu investieren, hat Röttgen auch nicht in den Verhandlungen verankern können”, berichtet Kaiser aus Cancún. National blockiert die deutsche Regierung durch die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke den Ausbau erneuerbarer Energien.

Botschaft an Frau Merkel

Es liegt jetzt an den Staaten, aus dem Hoffnungsschimmer in Cancún ein wirkungsvolles Klimaschutzabkommen zu formen. Greenpeace fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, diese Chance zu ergreifen. “Wir erwarten von Frau Merkel, für eine klimafreundliche Zukunft für uns und unserer Kinder zu kämpfen”, betont Kaiser.

NABU
Weltklimakonferenz schrammt am Eklat vorbei

Positive Signale, kein Grund zur Euphorie

Die Weltklimakonferenz in Mexiko schrammte knapp an einem Eklat vorbei, als die mühsam ausgehandelten Kompromisse trotz der Ablehnung Boliviens beschlossen wurden. In den Abschlussdokumenten wiederholen die Staaten lediglich ihre bisher angekündigten Klimaschutzbeiträge, ohne sich im notwendigen Umfang zu deren Umsetzung zu verpflichten. „Zwar hat die Weltgemeinschaft das Trauma von Kopenhagen von vor einem Jahr überwunden, doch die Beschlüsse von Cancún sind kein Grund, um in übertriebene Euphorie zu verfallen. Wir wissen dank den Bremsern aus Japan und Russland auch nach Cancún nicht, ob und wie das Kyoto-Protokoll nach 2012 fortgeführt und durch andere rechtliche Instrumente ergänzt werden soll“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Am Ende der Konferenz verständigten sich die 194 Staaten der UN-Klimarahmenkonvention darauf, dass die Verhandlungen über verbindliche Regeln im internationalen Klimaschutz fortgesetzt werden sollen.

Der NABU wirft den Ministern und Verhandlern trotz allem Bemühen um Flexibilität `business as usual´ vor. Derzeit seien die Industrieländer nicht bereit, ihre eigenen Klimaschutzziele zu überprüfen und ausreichend zu verschärfen. „Außer den kleinen Inselstaaten gibt es derzeit kaum Kräfte, die die Klimaverhandlungen wirklich vorwärts treiben. Auch Deutschland und die Europäische Union haben sich in Cancún zu wenig engagiert, um zum Beispiel die riesigen Schlupflöcher im Emissionshandel unter dem Kyoto-Protokoll zu schließen“, so Tschimpke. Künftig müssten auch die klimaschädlichen Emissionen aus der Land- und Forstwirtschaft sauber erfasst und konsequent reduziert werden. Nachdem viele Schwellenländer bereits umfassende Klimaschutz-Programme vorgelegt haben, sei beim nächsten Frühjahrsgipfel der EU-Staats- und Regierungschefs der Beschluss überfällig, den europäischen Treibhausgas-Ausstoß um mindestens 30 Prozent bis 2020 zu senken.

Die Entscheidungen in Cancún zur Einrichtung eines neuen Klimafonds, zum Erhalt der Wälder in Entwicklungsländern sowie zur Ausweitung der technologischen Zusammenarbeit und Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel stellen aus NABU-Sicht wichtige Fortschritte dar. Sie könnten aber nicht über das schwache Gesamtergebnis der Verhandlungen hinwegtäuschen. „Bis zur nächsten UN-Klimakonferenz in Südafrika Ende 2011 brauchen wir Klarheit, wie groß die Lücke zwischen den bisher zugesagten Emissionsminderungen und dem angestrebten Zwei-Grad-Ziel ist und wie sie geschlossen werden soll. Die Klimakrise lässt sich nicht aussitzen, indem wir weiter die Notwendigkeit zusätzlicher Anstrengungen im Klimaschutz ignorieren“, so der NABU-Präsident.

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Das Wunder von Cancun – ein Standpunkt zu den Klimaverhandlungen in Cancún

Prof. Dr. Reimund Schwarze arbeitet am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ im Bereich „Ökonomie des Klimawandels“ und ist Sprecher für dieses Thema im Rahmen der Klimainitiative der Helmholtz-Gemeinschaft. Zurzeit leitet er am Climate Service Center (CSC) in Hamburg die Abteilung „Ökonomie und Politik“. Schwarze nahm an der COP16 in Cancun teil.

Hier die Einschätzung vom Klimapolitik-Experten Prof. Dr. Reimund Schwarze zum Klimagipfel:
“Mit einem überraschenden diplomatischen Husarenstück ist es der mexikanischen Präsidentschaft auf dem Klimagipfel in Cancun gelungen, ein Rahmenwerk für die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls und die Langzeitkooperation von Entwicklungs- und im Klimaschutz durchzubringen. 193 Länder mit Ausnahme Boliviens haben zugestimmt. Viele Kompromisse, auch noch viele dornige Probleme auf dem Weg zu einem rechtsverbindlichen Abkommen zu lösen, aber Fortschritte in wichtigen Fragen!

Dies sind die Errungenschaften von Cancun in den beiden Bali-Verhandlungspfaden.

Im Kyoto-Pfad:

  • Die Industrieländer anerkennen die Erkenntnisse des Weltklimarates IPCC, wonach die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 25 bis 40 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden müssen.
  • Die freiwilligen Zusagen der Industrieländer im Kopenhagen-Akkord werden „zur Kenntnis genommen“
  • Die Industrieländer sind angehalten, ihre CO2-Einsparmaßnahmen aufzustocken, um den Anforderungen des Weltklimarates gerecht zu werden. Grund: Die freiwilligen Zusagen aus Kopenhagen lassen eine Lücke zu den angestrebten 25 bis 40 Prozent, müssten fast verdoppelt werden)
  • Russland (und andere Länder) können sich ihren Waldzuwachs anrechnen lassen und damit teilweise ihren Emissionsreduktionen erbringen.

In der Pfad der Langzeitzusammenarbeit zwischen Industrie- und Schwellen- und Entwicklungsländern:

  • Das Zwei-Grad-Ziel des Kopenhagen-Übereinkommens wird verankert mit der Option, es im Lichte neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse auf 1,5 Grad zu verschärfen.
  • Man will ein Zeitrahmen entwickeln, wann der Peak der CO2-Emissionen erreicht werden soll.
  • Es wird beschlossen, ein Cancun-Rahmenabkommen zur Anpassung an den Klimawandel zu etablieren. Dies sieht vor, dass die Nationen eigene Anpassungspläne für den Klimawandel entwickeln (wie heute bereits in Deutschland). Dafür sind technische und finanzielle Hilfen vorgesehen. Es wird ein Anpassungskommittee unter der Rahmenkonvention eingerichtet, das die technische und finanzielle Unterstützung steuert.
  • Verstärkte Klimaschutzanstrengungen: Die Schwellenländer und die USA nehmen die im Kopenhagen-Akkord niedergelegten freiwilligen CO2-Einsparziele an. Insbesondere die Industrieländer (USA als Nicht-Unterzeichner des Kyoto-Protokolls) sind angehalten, ihre Ziele weiter zu erhöhen, damit der Aussstoß an Treibausgasen konsistent ist mit den Empfehlungen des Weltklimarates. Für die Entwicklungsländer gilt: Es sollen geeignete Einsparmaßnahmen verabschiedet werden, um eine Entkoppelung vom derzeitigen Wachstumstrend der Emissionen zu erreichen. Die Industriestaaten sollen das durch Technologie- und Wissenstransfer sowie Finanzmittel unterstützen.
  • Waldschutz (REDD+) wird als Ziel verankert.
  • Bei der Umsetzung der Ziele des Cancun-Übereinkommens sollen nicht nur Marktmechanismen bei der Frage der Umsetzung gewählt werden, sondern auch Fonds
  • Finanzzusagen: Eine Soforthilfe für die nächsten 3 Jahre von 10 Milliarden pro Jahr soll in einen Fond der Uno mit Priorität für die vom Klimawandel besonders betroffenen Länder fließen. Zusätzlich sollen bis 2020 jährlich insgesamt 100 Milliarden Dollar Finanzhilfe für die Entwicklungsländer bereitgestellt werden. Hierzu können private wie auch staatliche Mittel angerechnet werden. Die Mittel fließen in den neu gegründeten Green Climate Fund unter Uno-Regie. Übergangsweise soll die Weltbank die Verwaltung übernehmen. Es soll ein Aufsichtsrat eingesetzt werden mit 24 Mitgliedern, in dem zur Hälfte Entwicklungs- und zur anderen Hälfte Industriestaaten vertreten sind.
  • Zur Förderung der Klimaschutz-Techniken soll ein Klimatechnologie-Zentrum aufgebaut werden, um den Transfer von Technologien für den Klimaschutz wirksam unter Führung der Uno umzusetzen.

Das Kopenhagen-Übereinkommen wird durch diese Schritte innerhalb der UNO gefestigt, eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls könnte in Durban (2011) Wirklichkeit werden. Wer hätte das noch vor wenigen Tagen gedacht?”
Prof. Reimund Schwarze

Stand: 12. Dezember 2010

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