KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

UBA verzeichnet in Deutschland stärksten Emissionsrückgang seit Staatsgründung

Mittwoch 10. März 2010 von birdfish

Der stärkste Emissionsrückgang seit Gründung der Bundesrepublik wird der Wirtschaftskrise zugeschrieben.

Kohlekraftwerke haben hohe Emissionswerte
Kohlekraftwerke haben großen Anteil an den Emissionen – (c) Rolf van Melis / Pixelio

Der Gesamtausstoß aller Treibhausgase ist in Deutschland nach ersten Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) im Jahr 2009 gegenüber 2008 um etwa 80 Millionen Tonnen gesunken (minus 8,4 Prozent). Gegenüber 1990 hat Deutschland seine Treibhausgasemissionen bis Ende 2009 danach um 28,7 Prozent gesenkt. Insbesondere im Industriebereich und im verarbeitenden Gewerbe gingen die Emissionen um 20 Prozent zurück.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärte hierzu: “Der Rückgang der Emissionen liegt vor allem an der Wirtschaftskrise. Unser Ziel heißt jedoch Wachstum durch Klimaschutz. Deswegen werden wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Förderung der Energieeffizienz weiter forcieren, denn nur dies garantiert dauerhaften Klimaschutz und fördert zugleich das Wirtschaftswachstum.”

In Anbetracht dieser Auswirkungen der ökonomischen Krise ist die Beachtung des Klimaschutzes bei allen Maßnahmen zum wirtschaftlichen Wiederaufschwung besonders bedeutsam. UBA-Präsident Jochen Flasbarth erklärte dazu: “Gerade dieser überproportionale Rückgang sollte auch als Chance genutzt werden. Wir müssen bei der wiederanspringenden Wirtschaftsentwicklung den Treibhausgasausstoß noch stärker vom Energieverbrauch entkoppeln. Der Rückgang der Energienachfrage zeigt ja, wie stark Energieeinsparung wirken könnte. Nur durch die Umsetzung der beschlossenen sowie weiterer effizienzsteigernden und emissionssenkenden Maßnahmen der Klima- und Energiepolitik kann ein deutlicher Wiederanstieg der Emissionen beim Überwinden der ökonomischen Krise vermieden und somit das Ziel der Bundesregierung – Minderung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 – erreicht werden.” Dies betreffe alle Bereiche – die Effizienzsteigerungen, den Ausbau der Nutzung der erneuerbaren Energieträger, Gebäudesanierung sowie weitere konkrete Minderungsmaßnahmen.
Der stärkste Rückgang der Treibhausgasemissionen seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland ist in deutlicher Ausprägung durch den Industriebereich, vor allem der energieintensiven Branchen, verursacht. Durch einen deutlichen Rückgang der Stromnachfrage aus der Industrie gingen die Emissionen aus der Stromerzeugung der öffentlichen Versorgung ebenfalls stark zurück. Bei den CO2-Emissionen aus Haushalten sowie aus dem Gewerbe-, Handel-, Dienstleistungs-sektor zeigen sich die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise nicht oder nur in geringem Umfang. Die “Abwrackprämie” für alte Pkw hatte im Jahr 2009 kaum einen Effekt auf die im Verkehrsbereich verursachten Treibhausgasemissionen.

Entscheidend für den deutlichen Rückgang waren die Kohlendioxid-Emissionen: Sie sanken um 68 Millionen Tonnen (minus 8,2 Prozent) – und damit stärker als der Primärenergieverbrauch, der insgesamt um 6,5 Prozent zurückging. Der Energieverbrauch der emissionsrelevanten Brenn- und Kraftstoffe sank um 7,3 Prozent. Die gegenüber dem sinkenden Primärenergieverbrauch stärkere CO2-Minderung ist auf Verschiebungen im Mix der eingesetzten Brennstoffe zurückzuführen (überproportionaler Rückgang im Bereich der Steinkohlen mit 18,1 Prozent). Mit etwa 87 Prozent hat CO2 auch 2009 unverändert den größten Anteil an den deutschen Treibhausgasemissionen.
Die CO2-Emission aus der Nutzung von Braunkohle sank insgesamt um 3,2 Prozent. Der größte Teil der Emissionsrückgänge entfällt auf die Kraftwerke der öffentlichen Versorgung. Wegen der stark rückläufigen wirtschaftlichen Aktivitäten ist der Einsatz von Braunkohle in der Industrie ebenfalls zurückgegangen. Dagegen hat der Briketteinsatz in den kleinen Feuerungen u.a. der Haushalte aufgrund der kühlen Witterung erneut zugenommen.
Den stärksten Rückgang von allen Energieträgern verzeichnen die Steinkohlen. Dieser Brennstoff verursacht sehr hohe CO2-Emissionen und beeinflusst damit maßgeblich den Gesamttrend. Die größte Minderung erfolgt hier konjunkturbedingt in der Stahlerzeugung sowie im Bereich Sonstige Industriewärmeerzeugung. Auch die Stromerzeugung aus Steinkohle sank mit 12,5 Prozent deutlich. Der Rückgang ist insbesondere im Bereich Industrie und weniger ausgeprägt in der öffentlichen Energieversorgung zu verzeichnen. Bei den Haushalten und Kleinverbrauchern kam es dagegen witterungsbedingt zu einer leichten Zunahme des Steinkohleeinsatzes.
Die Emissionen aus der Nutzung von Erdgas sanken aufgrund von Produktionsrückgängen am deutlichsten im Industriebereich. Sie gingen insgesamt um etwas über neun Prozent zurück und erstmalig seit 1994 sank die Stromerzeugung aus Erdgas. Auch bei diesem Brennstoff verzeichneten die Emissionen aus Haushalten und Kleinverbrauchern aufgrund der Witterung einen leichten Zuwachs.
Die Kohlendioxid-Emission aus der Nutzung von Mineralölen ist um 4,3 Prozent zurückgegangen. Hier stagnierte der Heizölverbrauch bei den Haushalten. Beim Verkehr und den Kleinverbrauchern kam es zu einer geringfügigen Senkung. Die CO2-Emissionen aus flüssigen Kraftstoffen gingen nur unwesentlich um etwa 0,3 Prozent zurück. Die Stromerzeugung aus Mineralöl verzeichnet als einziger fossiler Energieträger eine leichte Zunahme wegen eines höheren Einsatzes zur Spitzenlasterzeugung. Der Eigenverbrauch der Raffinerien ist dagegen wegen der geringeren Auslastung deutlich zurückgegangen. Der größte Emissionsrückgang erfolgte konjunkturbedingt im Industriebereich.
Die Strombereitstellung aus Erneuerbaren Energien (EE) erreichte 2009 trotz weiteren Ausbaus aufgrund eines unterdurchschnittlichen Windjahres nur das Niveau des Vorjahres. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch ist jedoch insbesondere wegen des Rückgangs des gesamten Stromverbrauchs leicht gestiegen. Detaillierte Schätzungen zur EE-Bilanz für 2009 werden durch das Bundesumweltministerium Mitte März auf Grundlage von Arbeiten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik veröffentlicht.
Methan und Lachgas tragen 2009 jeweils etwa zu 5,5 Prozent zu den Gesamtemissionen an Treibhausgasen bei. Weitere zwei Prozent werden durch die fluorierten Gase verursacht.
Die Gesamtemissionen von Methan sanken 2009 leicht um etwas über drei Prozent. Dies ist im Wesentlichen auf die anhaltenden Minderungen im Bereich der Abfallbehandlung sowie die konjunkturellen Rückgänge im Energie- und Prozessbereich zurückzuführen. Die Methan-Emissionen in der Landwirtschaft blieben unverändert.
Beim Lachgas, das vor allem in der Landwirtschaft durch Düngung und in der Chemischen Industrie entsteht, sanken die Emissionen durch den deutlichen Rückgang beim Einsatz mineralischer Dünger gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent beziehungsweise durch die vorgenannten Auswirkungen der ökonomischen Krise.
Die Emissionen der fluorierten Klimagase (Perfluorkohlenstoffe (PFC), Hexafluorkohlenstoffe (HFC), Schwefelhexafluorid) entwickelten sich unterschiedlich: Während die Emissionen der PFC nahezu unverändert blieben, stiegen die HFC-Emissionen durch den verstärkten Einsatz im Be-reich der Kälteerzeugung um 2,5 Prozent. Die Emissionen von Schwefelhexafluorid, das vor allem als Isoliergas Verwendung findet, stiegen um 1,9 Prozent. Der Anstieg geht vor allem auf die zu-nehmende Entsorgung alter Schallschutzfenster zurück, bei deren Zerstörung das Isoliergas austritt.
Die Berechnungen des UBA basieren auf den detaillierten Treibhausgasinventaren für das Jahr 2008 sowie Angaben der Veröffentlichungen zum “Energieverbrauch in Deutschland 2009″ der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen und zum “Bruttoinlandsprodukt 2009 für Deutschland” des Statistischen Bundesamtes sowie Verbandsinformationen, Expertenbefragungen und Experten-schätzungen. Erstmalig wurde dabei zeitnah aus auf Expertenbefragungen und -schätzungen beruhenden Angaben die Entwicklung in einzelnen Quellgruppen abgeleitet. Das UBA ermittelte die Emissionen mit Hilfe vereinfachter modellhafter Berechnungsverfahren. Zeitnahe Aktualität geht dabei zu Lasten der Genauigkeit der Angaben.
Die Aussagen zu CO2-Emissionen der verschiedenen Emittentengruppen – die hier als Orientierung mit angegeben sind – können voraussichtlich erst nach Veröffentlichung detaillierter Angaben zum Energieverbrauch Mitte dieses Jahres in ihrer Genauigkeit verbessert werden. Eine erste Validierung der CO2-Emissionen kann die wie im Vorjahr Anfang April vorgesehene Veröffentlichung der Emissionsdaten emissionshandelspflichtiger Anlagen liefern.

Tabellarische Übersicht zu den Emissionsquellen und Daten (PDF)

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Wirtschaftliche Bedeutung der Artenvielfalt: Bruttosozialprodukt von 32 Billionen Dollar

Montag 8. März 2010 von birdfish

Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus, riesige Wirtschaftzweige sind auf eine intakte Natur angewiesen.

Arbeit der Bienen unbezahlbar
Arbeitsleistung der Bienen auf ca. vier Milliarden Dollar im Jahr geschätzt – (c) Dagmar Struß

Wissenschaftler schätzen, dass die Natur Jahr für Jahr ein Bruttosozialprodukt von 32 Billionen Dollar erwirtschaftet. „Angesichts dieser Dimensionen wird klar, dass es beim Schutz der biologischen Vielfalt nicht um Peanuts geht“, betont Günter Mitlacher vom WWF Deutschland. „Beim Artenschutz steht nicht allein die Rettung der Köcherfliege, sondern das Überleben der Menschheit auf dem Spiel.“ Der WWF fordert die wirtschaftliche Bedeutung der Natur stärker zu betonen und umweltzerstörerische Subventionen abzubauen.

„Will man den finanziellen Wert der Natur abschätzen, so ist das eine Gleichung mit vielen Unbekannten“, räumt Mitlacher ein. Breche man diese Gleichung auf einzelne Bereiche herunter, werde das Bild klarer. Allein die Leistung der Bienen als Produzenten von Honig und in Ihrer Rolle als Bestäuber zahlreicher Nutzpflanzen könne man auf etwa vier Milliarden Dollar im Jahr hochrechnen. Ein anderes Beispiel: Intakte Korallenriffe. Sie schützen die Küsten vor Sturmfluten und gelten als Kinderstube ungezählter Fischarten. Addiert man zu diesen Leistungen der Riffe die Einnahmen aus dem Tauchtourismus, so gehen Ökonomen von einer jährlichen wirtschaftlichen Leistung in Höhe von 170 Milliarden Dollar aus.

Der WWF betont, dass sich auch Investitionen in Naturschutzprojekte oft doppelt und dreifach auszahlen. Schätzungen zufolge könnte allein die Ausweisung von Meeresschutzgebieten eine Million Arbeitsplätze schaffen. Die Maßnahmen würden zugleich Fischerträge von 70 bis 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr sowie Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,5 bis 6,7 Billionen US-Dollar erbringen. Die Säuberung von Böden und Wasser, die Speicherung von Kohlendioxid durch Wälder und Ozeane oder die Bereitstellung von Medikamenten, die auf natürlichen Inhaltsstoffen beruhen, seien im Grunde unbezahlbar.

Auf vielen politischen Ebenen habe sich diese Erkenntnis leider noch nicht durchgesetzt, beklagt der WWF. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten friste der Artenschutz ein Schattendasein. Überfällige Investitionen in die ökologische Infrastruktur, etwa in die Renaturierung von Flußauen oder die Anlage von Naturwäldern werden als Luxus abgestempelt und verschleppt. Stattdessen klammere man sich an überholte Konzepte. Bestes Beispiel sei eine völlig verfehlte Subventionspolitik in der EU.

Der WWF Deutschland fordert den drastischen Abbau Umwelt zerstörender Subventionen z.B. für die Landwirtschaft und die Fischerei. Aktuellen Studien zufolge fließen weltweit Jahr für Jahr 670 Milliarden Euro an Staatshilfen in Branchen, die wesentlichen Anteil an der Zerstörung der Natur haben. „Diese  Geldverschwendung muss gestoppt und die Vergabe der Mittel an ökologische Kriterien geknüpft werden, um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu fördern“, so Günter Mitlacher vom  WWF.

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Klimaszenarien für deutsche Bundesländer stehen als ‘Klimaatlas’ online zur Verfügung

Mittwoch 3. März 2010 von birdfish

Der kalte Winter könnte vermuten lassen, der Klimawandel habe ausgesetzt.

Schleswig-Holstein bekommt mehr Regen
Schleswig-Holstein soll den größten Zuwachs an Niederschlägen erhalten – (c) Dagmar Struß

Langfristige Temperaturmessungen zeigen jedoch deutlich, dass der Trend zur Erwärmung in Deutschland ungebrochen ist. Wie regional unterschiedlich sich der Klimawandel künftig auswirken könnte, zeigt der Regionale Klimaatlas Deutschland, ein Produkt der Regionalen Klimabüros der Helmholtz-Gemeinschaft. Ab sofort sind im Internet zukünftige Klimaszenarien für die deutschen Bundesländer öffentlich abrufbar. Der Nutzer kann dabei verschiedene Klimaelemente wie beispielsweise Temperatur, Niederschlag und Wind auswählen und sich mögliche künftige Änderungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten in verschiedenen Bundesländern anzeigen lassen.

“Die Helmholtz-Gemeinschaft hat die Klimaforschung deutlich verstärkt und untersucht in der Klimainitiative REKLIM insbesondere die regionalen Auswirkungen des globalen Klimawandels. Die vier Regionalen Klimabüros haben dabei den Auftrag, den aktuellen Stand der Forschung für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen so aufzubereiten, dass diese gut informiert Entscheidungen treffen können. Dies ist mit dem nun öffentlich einsehbaren Regionalen Klimaatlas gelungen”, sagt Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. “Der Klimaatlas richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit sowie an Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft. Für Wissenschaftler steht alternativ eine Darstellung für Modellnutzer zur Verfügung.”

Auch wenn es in Zukunft in ganz Deutschland wärmer wird, so können sich die Klimaveränderungen im Jahresdurchschnitt bis zum Jahr 2100 regional sehr unterschiedlich ausprägen. So scheint sich beispielsweise die zu erwartende Erwärmung im Jahresdurchschnitt bis Ende des 21. Jahrhunderts in Baden Württemberg mit 2,2 bis 6,3°C am stärksten auszuprägen. In Schleswig-Holstein hingegen kann die Erwärmung mit 2 bis 4,4° C zwar vergleichsweise schwächer ausfallen, jedoch weisen die Klimarechnungen darauf hin, dass die Einwohner Schleswig-Holsteins mit der bundesweit höchsten Niederschlagszunahme im Jahresdurchschnitt rechnen müssen. Die mitteldeutschen Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt befinden sich nicht nur geographisch in der Mitte Deutschlands, sondern auch hinsichtlich der zu erwartenden Klimaänderungen.

“Dies gibt jedoch keinen Anlass zur Entwarnung, da auch ein mittlerer zukünftiger Niederschlagsrückgang im Sommer bei der heute schon angespannten Lage zu großen Herausforderungen zum Beispiel in der Landwirtschaft führen wird.”, so Dr. Andreas Marx, Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ.

Der Erwärmungstrend wird sich auch in der kalten Jahreszeit bis zum Ende des Jahrhunderts in ganz Deutschland fortsetzen. Im Rahmen natürlicher Schwankungen kann es zwar auch in Zukunft kalte Winter geben, diese werden jedoch seltener. Die Klimarechnungen weisen außerdem auf eine flächendeckende Zunahme des Winterniederschlages hin. Wegen der höheren Temperaturen wird dieser jedoch wahrscheinlich größtenteils in Form von Regen fallen. Am stärksten können die Winterniederschläge bis Ende des Jahrhunderts in Bayern (bis zu 75%) und in Mecklenburg-Vorpommern (bis zu 63%) zunehmen. Zusätzlich können bis Ende des Jahrhunderts bundesweit die Sturmstärken zunehmen. Am stärksten betroffen ist auch hier Mecklenburg-Vorpommern, wo sich Stürme um bis zu 13% intensivieren können. “Ein Sturmtief, wie beispielsweise das Tief Daisy, welches im Januar an der deutschen Ostseeküste zum Teil schwere Sturmfluten und starken Seegang hervorgerufen hat, könnte bis Ende des Jahrhunderts noch um 10 bis 15 Stundenkilometer stärker ausfallen.”, so Dr. Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüro am GKSS-Forschungszentrums Geesthacht.

Im Sommer ist bis Ende des Jahrhunderts bundesweit mit der stärksten Erwärmung zu rechnen. Parallel können sommerliche Niederschläge und Windgeschwindigkeiten innerhalb dieses Jahrhunderts in allen Bundesländern deutlich abnehmen. Es zeichnet sich ab, dass sich dieser Trend am stärksten in Baden-Württemberg vollzieht, hier kann je nach Entwicklung der Treibhausgasemissionen die sommerliche Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts zwischen 2,7 und 8,9°C liegen. Der Sommerniederschlag kann in diesem Bundesland zwischen 18 und 51% abnehmen. Geringere Windgeschwindigkeiten können die Belastung von Mensch und Umwelt durch sommerliche Hitze zusätzlich weiter verstärken. “Bereits jetzt wird beobachtet, dass wärmeliebende Arten zunehmen, darunter auch Krankheitsüberträger wie Zecken, die in immer höheren Lagen aufgefunden werden. Andererseits werden sich die Wintersportgebiete in den Mittelgebirgen, dem Schwarzwald und den tieferen Lagen der Alpen daran anpassen müssen, dass gute Wintersportbedingungen seltener werden”, so Dr. Hans Schipper vom Süddeutschen Klimabüro am Karlsruher Institut für Technologie.

Entstehung, Datengrundlage und Weiterentwicklung

Der Regionale Klimaatlas Deutschland ist ein gemeinsames Produkt der Regionalen Klimabüros in der Helmholtz-Gemeinschaft und wird fortlaufend aktualisiert und weiterentwickelt.

Grundlage des Regionalen Klimaatlas Deutschland sind für Deutschland verfügbare Klimarechnungen, die mit dynamischen regionalen Klimarechenmodellen durchgeführt wurden. Hierzu zählen bisher folgende Klimarechenmodelle: COSMO-CLM, das gemeinschaftliche regionale Klimarechenmodell von über 30 internationalen Forschungseinrichtungen, sowie REMO, das regionale Klimarechenmodell des Max-Planck-Instituts für Meteorologie und das regionale Klimarechenmodell des Schwedischen Wetterdienstes, RCAO. In die regionalen Klimarechenmodelle sind jeweils Szenarien unterschiedlicher Treibhausgaskonzentrationen eingegangen, die vom UN-Weltklimarat IPCC erstellt wurden. Bisher sind insgesamt 12 verschiedene Klimarechnungen in den Klimaatlas eingegangen. Die räumliche Auflösung der einzelnen Klimarechnungen liegt derzeit zwischen 50 und 10 km. Die Auswertung ist für jedes Bundesland gebietsmittelweise erfolgt.

Innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft widmen sich die vier Regionalen Klimabüros Fragestellungen zum Klimawandel auf regionaler Ebene. Mit dem Climate Service Center wird in der Helmholtz-Gemeinschaft das zentrale Service-Netzwerk für die bundesweite Klimaberatung aufgebaut.

Der Regionale Klimaatlas für Deutschland

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Umwandlung von Grünland in Ackerland für Natur-, Boden- und Klimaschutz negativ

Montag 1. März 2010 von birdfish

In den letzten Jahren hat sich die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen dynamisch entwickelt.

Maisfeld
Maisfeld – (c) Susanne Schmich / Pixelio

Veränderungen der Flächennutzung, zum Beispiel die Umwandlung von Grünland in Ackerland, können jedoch unerwünschte Auswirkungen auf den Natur-, Boden- und Klimaschutz haben. In einem vom Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des Bundesumweltministeriums geförderten Projekt untersuchte eine Arbeitsgruppe des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI), wie sich die landwirtschaftliche Flächennutzung seit dem Jahr 2005 verändert hat.

Dabei standen flächenbezogene Ziele des Umwelt- und Naturschutzes im Mittelpunkt. Die Untersuchungen wurden am Beispiel der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchgeführt. Methoden und Ergebnisse wurden nun in einem Arbeitsbericht des vTI-Instituts für Ländliche Räume veröffentlicht.

Einen Schwerpunkt der Analysen bildete die Bilanzierung der Grünlandflächen. In den vier Bundesländern sind die Grünlandflächen nach Förderstatistik zwischen 2005 und 2007 um ca. 80.000 Hektar zurückgegangen. Rund die Hälfte dieser Fläche (40.000 ha) ist nachweislich zu Ackerland umgewandelt worden, das Schicksal der übrigen Fläche lässt sich aus den Daten nicht erkennen. Es ist kann durchaus sein, dass es sich vielerorts weiterhin um Grünland handelt, für das nur keine Förderung mehr beantragt wurde. Wichtigste Ackerkultur auf umgebrochenem Grünland ist Mais. Der Grünlandrückgang ist auch agrarpolitisch relevant, weil die Länder gemäß geltender Regeln der sogenannten “Cross-Compliance” sicherstellen müssen, dass das Grünland erhalten bleibt. Verpflichtungen für Einzelbetriebe sind in Deutschland aber erst dann zwingend zu ergreifen, wenn der Grünlandanteil auf Landesebene gegenüber 2003 um mehr als 5% zurückgegangen ist. Die 5%-Marke wurde bisher in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein (2008) sowie Niedersachsen (2009) überschritten. Wird in diesen Ländern Grünland umgebrochen, muss nun die Neueinsaat von Grünland auf einer Ersatzfläche nachgewiesen werden.

Die bestehende Cross-Compliance-Regelung kann bis zum Erreichen der 5%-Marke naturschutzfachlich wertvolles Grünland nicht ausreichend schützen. Für den Landwirt besteht sogar ein Anreiz, Grünland umzuwandeln, da er erwarten kann, dass dies künftig genehmigungspflichtig wird. Zwar bestehen weitere politische Maßnahmen zum Schutz bestimmter Grünlandflächen im Rahmen des Umweltrechts. Jedoch zeigte sich, dass eine Umwandlung von Dauergrünland auch auf ökologisch sensiblen Standorten durchaus stattfand, zum Beispiel in Natura 2000-Gebieten, auf Moorstandorten sowie in Wasserschutzgebieten. Hingegen blieb das Grünland in Naturschutzgebieten und Nationalparks, in denen ein höherer Schutzstatus gilt, nahezu vollständig erhalten.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass es in einigen Fällen Regelungslücken gibt, Vollzugsdefizite bestehen oder bestehende Regelungen unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht mehr greifen. Sowohl die Umwelt- als auch die Agrarpolitik sind hier angesprochen. So empfehlen die Autoren, die deklarierten Schutzziele des Natur- und Wasserschutzes zu konkretisieren und ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Die Gemeinsame Agrarpolitik beeinflusst durch ihre Förderpolitik einen Großteil der Grünlandflächen. Mit dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS) hat die Agrarpolitik ein sehr genaues und zeitnahes Monitoringinstrument an der Hand; mit den Cross-Compliance-Regelungen lassen sich Grundanforderungen durchsetzen und die Agrarumweltmaßnahmen bieten positive Anreizinstrumente, mit deren Hilfe eine gezieltere Flächennutzungspolitik schon heute umsetzbar wäre.

Für die Analysen nutzten die vTI-Wissenschaftler die Flächennachweise des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystems (InVeKoS). Diese Flächennachweise müssen Landwirte erbringen, um Fördermittel zu erhalten. Weiterhin wurden Fachkarten zu Schutzgebieten und Zielkulissen des Natur- und Wasserschutzes sowie Informationen zu Bodentyp und Hangneigung herangezogen und in einem geographischen Informationssystem (GIS) zusammengeführt. “Im Rahmen der Agrarförderung werden jedes Jahr mit erheblichem Aufwand aktuelle und hoch aufgelöste Daten über die landwirtschaftliche Flächennutzung in Deutschland zusammengetragen”, hebt Bernhard Osterburg vom vTI-Institut für Ländliche Räume hervor. “Diese Daten sind notwendig für die Direktzahlungen, lassen sich aber auch weit darüber hinaus verwenden.” Die beteiligten Bundesländer haben die Untersuchung durch die Bereitstellung von Daten maßgeblich unterstützt.

Originalpublikation:
Osterburg B, Nitsch H, Laggner B, Roggendorf W (2009): Auswertung von Daten des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystems zur Abschätzung von Wirkungen der EU-Agrarreform auf Umwelt und Landschaft. Arbeitsberichte aus der vTI-Agrarökonomie 07/2009

Arbeitsberichtdes Instituts für Ländliche Räume des vTI (PDF)

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Naturschutz-Vergleich der Bundesländer: Ziele werden nicht annähernd erreicht

Montag 22. Februar 2010 von birdfish

Die Bundesregierung hatte 2007 mit der „Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt“ ein Paket mit 330 Zielen und rund 430 Maßnahmen für den Erhalt der Artenvielfalt verabschiedet.

Gänsesäger
Stark gefährdet: der Gänsesäger – (c) Dagmar Struß

Große Verantwortung für deren Umsetzung haben die Bundesländer. Eine Analyse der Umweltverbände BUND und NABU zeigt: In keinem einzigen Bundesland stehen die Zeichen für einen erfolgreichen Arten- und Biotopschutz auf Grün.

In den meisten Bundesländern gebe es keine umfassende und ressortübergreifende Umsetzung der „Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt“, bemängelten die Verbände. Lediglich in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland existierten bislang Landesstrategien zum Erhalt der Biodiversität. Baden-Württemberg habe einen „Aktionsplan“ erstellt und Schleswig-Holstein im Landtag einen Bericht über den Beitrag des Landes zur Umsetzung der Nationalen Strategie vorgelegt. Inhalte und Zeitvorgaben des Bundes würden in den Konzepten der Länder jedoch nur selten aufgegriffen und konkretisiert.

Dabei sei ein umfassender Schutz der biologischen Vielfalt dringend geboten, so die Naturschutzverbände. Jede achte Vogelart, jedes vierte Säugetier und jede vierte Nadelbaumart weltweit sind vom Aussterben bedroht. Allein in Deutschland gelten 72,5 Prozent der Lebensräume von Pflanzen und Tieren als gefährdet. Jede zweite heimische Vogelart, ein Drittel der Pilzarten und 30 Prozent der Farn- und Blütenpflanzen sind bedroht. Verschärft wird diese prekäre Lage durch den fortschreitenden Klimawandel. Der weitere Verlust der Artenvielfalt erhöht auch die Folgekosten für Wirtschaft und Gesellschaft.

Je nach Umsetzungsstand der Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in den einzelnen Ländern vergaben die Verbände entsprechend einem Ampel-Modell verschiedene Farben. Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen wurden mit „Gelb“ bewertet. Die im Schlussfeld liegenden Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Thüringen erhielten nur ein „Rot“. Kein Bundesland erreichte auch nur die Hälfte der nach den Kriterien der Umweltverbände maximal möglichen Bewertungspunkte. Bewertet wurde unter anderem der Anteil der in jedem Bundesland ausgewiesenen Wildnis- und Naturschutzgebietsflächen, die Fläche zukünftiger Urwäler und die Gebiete, die durch die Europäische Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Richtlinie geschützt sind. In die Bewertung einbezogen wurde auch die Anzahl der fertig gestellten Managementpläne für die Schutzgebiete. Außerdem wurden der Anteil der Flächen mit ökologischem Landbau und der Einsatz von Geldern für Agrarumweltmaßnahmen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes bewertet.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke bezeichnete das Ergebnis als ernüchternd: „Die Untersuchung zeigt, dass die Bundesländer in Sachen Artenschutz noch viel Nachholbedarf haben. Für den Schutz der biologischen Vielfalt zählen vor allem Taten. Allein durch die Ausweisung von Schutzgebieten sind noch keine Art und kein Lebensraum gerettet. Es fehlen nach wie vor umfassende Konzepte.“

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger forderte die Bundesregierung auf, dem Naturschutz in ihrem eigenen Verantwortungsbereich mehr Gewicht beizumessen. So dürfte der Bau von Autobahnen oder Schifffahrtskanälen nicht auf Kosten der Natur gehen. Die vom Kabinett beschlossene Biodiversitätsstrategie müsse bei allen Vorhaben des Bundes vorbildhaft umgesetzt werden. „Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor kurzem mit einer schönen Rede das Internationale Jahr der Biodiversität 2010 eröffnet. Nun geht es darum, in der Praxis das Artensterben auch tatsächlich zu stoppen. Die Analyse der Aktivitäten der Bundesländer zeigt, dass, Naturschutz oft nur das fünfte Rad am Wagen ist. Es gibt große Defizite vor allem beim Biotopschutz und bei der Vernetzung von Lebensräumen für gefährdete Tiere und Pflanzen“, sagte Weiger.

Für die Naturschutzarbeit der Länder fehlten außerdem ausreichende Mittel. Deshalb forderten die Verbände die schnelle Umsetzung des im Koalitionsvertrag zugesagten „Bundesprogramms Biologische Vielfalt“. Dafür müssten in den kommenden vier Jahren jährlich zusätzliche 300 Millionen Euro aufgebracht werden. Ein bedeutsamer Teil dieser Gelder sollte aus dem Emissionshandel stammen. Die Länder müssten zudem ihre Naturschutzverwaltungen stärken und Landnutzer wie Agrar- und Forstbetriebe beim Naturschutz besser unterstützen. Unverzichtbar dafür seien verbindliche Managementpläne für das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 und die Schaffung eines zusammenhängenden Biotopverbundes. Außerdem müssten weitere 25.000 Hektar ökologisch wertvolle Flächen aus dem Bundesbesitz als Nationales Naturerbe dauerhaft für den Naturschutz in den Ländern gesichert werden.

Die Vergleichsanalyse

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Petition für eine lebendige Donau wurde von 100.000 Bürgern der Region unterzeichnet

Mittwoch 17. Februar 2010 von birdfish

Umweltorganisationen kämpfen um eine “lebendige Donau”.

Lebendige Donau
Leben an der Donau – (c) Michel Gunther / WWF-Canon

Minister und hochrangige Regierungsvertreter aus 14 Ländern des Donaubeckens – Österreich, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Deutschland, Ungarn, Montenegro, Moldawien, Rumänien, Serbien, die Slowakei, Slowenien, die Ukraine – unterzeichneten jetzt den Donau-Bewirtschaftungsplan für die kommenden fünf Jahre.  Der Plan legt Maßnahmen fest, die bis zum Jahr 2015 umgesetzt werden müssen, um die Donau und ihre Nebenflüsse in einen guten ökologischen Zustand zu bringen und eine nachhaltige Wassernutzung im Donau-Einzugsgebiet zu erreichen. Nach sieben Jahren vorbereitender Arbeit bietet der Plan Grund zur Hoffnung, dass Europas Lebensader revitalisiert wird – aber Baumaßnahmen u.a. zu Gunsten der Schifffahrt drohen diese Zielsetzungen zu untergraben.

Viele der geplanten Baumaßnahmen mit potentiell schädlichen Auswirkungen auf das Flusssystem und die für den Menschen wichtigen “Dienstleistungen” der Natur werden im Donaubewirtschaftungsplan bisher nicht erfasst. So zum Beispiel ein Projekt an der oberen Donau zwischen Straubing und Vilshofen. Hier würde ein Ausbau der Wasserstraße mit Staustufe und Kanal die letzte große frei fließende Donaustrecke in Deutschland mit gravierenden Folgen für die biologische Vielfalt und den Wasserhaushalt in der Region zerstören. Flussausbaupläne zur Verbesserung der Schifffahrt  bedrohen die Trinkwasservorräte Ungarns, ähnliche Projekte an der unteren Donau könnten die stark gefährdeten Stör-Populationen an den Rand der Ausrottung bringen.

“Über 100.000 Bürger des Donauraumes haben eine Petition für umweltverträgliche Schifffahrtsprojekte unterschrieben” sagt Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). “Heute morgen haben wir diesen beeindruckenden Beweis öffentlicher Besorgnis an die Minister der Donauländer übergeben und sie aufgefordert, ihre Bemühungen für eine lebendige Donau zu intensivieren.“

Auch der wirtschaftliche und politische Druck, neue Wasserkraftwerke zu bauen, bedroht die Donau. Zwar stellt Wasserkraft prinzipiell eine erneuerbare Energiequelle dar, Wasserkraftwerke, ob groß oder klein, können jedoch die fragilen Fluss-Ökosysteme schnell aus dem Gleichgewicht heben. Für die Umweltverbände stehen daher die Energieeinsparung und die effiziente Nutzung der Energie an erster Stelle.

Der Donau-Bewirtschaftungsplan ist eine Vorgabe der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, der EU-Gesetzgebung zum Erreichen des “guten ökologischen Zustands” von Süßgewässern. “Das Neue am Donau-Bewirtschaftungsplan ist, dass er alle Umwelteinwirkungen betrachtet und dass seine Zielsetzungen weiter reichen als die Wasserqualität zu verbessern, neue Kläranlagen zu bauen und gute landwirtschaftliche Praxis zu propagieren”, sagt Andreas Beckmann, der Direktor des WWF-Donau-Karpaten-Programms. “Zum ersten Mal wird nicht nur der große Einfluss von Wasser-Infrastrukturmaßnahmen auf die Flussgesundheit betont, sondern auch die Notwendigkeit integriert zu denken und zu handeln”.

Staufstufen von Wasserkraftanlagen, Hochwasserdeiche oder Buhnen für die Schifffahrt stehen im Konflikt mit der natürlichen Flussdynamik und reduzieren so die Lebensraumvielfalt, die nötig ist, um Flussorganismen Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. Der Plan setzt daher Ziele, um diesen negativen Einfluss zu verhindern oder zu minimieren. Zu den Maßnahmen gehören beispielsweise der Wiederanschluss von Altarmen und die Rückverlegung von Flussdeichen, um Feuchtgebietsflächen wiedererstehen zu lassen. Diese Feuchtgebiete haben vielfache Funktionen. Bei Hochwasser fangen sie überschüssige Wassermassen ab, während sie in Dürreperioden langsam Feuchtigkeit an die Umgebung abgeben. Sie dienen auch der Wasserreinigung durch Filtration und sind wichtige Habitate für verschiedene Lebensstadien von Tieren, beispielsweise Fischen und Vögeln.

WWF,  BUND und weitere Verbände entlang der gesamten Donau wie z.B. der bayerische Landesbund für Vogelschutz werden die Bemühungen der Donauländer zur Umsetzung des Donau-Bewirtschaftungsplanes sehr genau beobachten. Sie werden auch darauf hinwirken, dass der EU-Gesetzgeber weiterhin daran arbeiten wird, den Gesetzesrahmen so zu verbessern, dass die Zielsetzungen des Planes unterstützt werden. Insbesondere wird ein EU-weites Verbot von Phosphaten in Wasch- und Spülmitteln gefordert. Denn während sich die Donau-Minister einig sind, dass die Einführung eines Verbots von phosphathaltigen Wasch- und Spülmitteln wirtschaftlich möglich ist und eine sofortige, merkbare Verbesserung der Wasserqualität zur Folge hätte, ist nur eine EU-weite Lösung wirklich sinnvoll.

Eine entsprechende Gesetzesinitiative könnte Teil der EU-Strategie für den Donauraum werden, die zurzeit entwickelt wird. “Wir hoffen, dass diese Strategie zum Wegweiser einer nachhaltigen Zukunft des Donauraumes wird”, sagt Andreas Beckmann. “Wir betrachten den Donau-Bewirtschaftungsplan als ihr Fundament. Er kann die Grundlage für Visionen und Aktivitäten hin zu einer nachhaltigen regionalen Wirtschaft werden.”

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Weiter wie bisher ist keine Option – Vorschläge für Wege aus der Hungerkrise

Dienstag 16. Februar 2010 von birdfish

Für den Weltagrarbericht wurden Vorschläge für eine fortschrittliche Landwirtschaft erarbeitet.

Klimawandel bringt Dürre
Klimawandel bringt der Landwirtschaft neue Probleme – (c) Verena N. / Pixelio

Warum müssen auf unserem Planeten über eine Milliarde Menschen hungern und gleichzeitig ebenso viele an krank machender Fettleibigkeit leiden?

2,3 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2008 weltweit geerntet, mehr als je zuvor, auch pro Kopf der Bevölkerung. Doch nur 47% davon dienten der menschlichen Ernährung. Der Rest ist Tierfutter, Sprit, industrieller Rohstoff und Abfall. Unser globales Ernährungs-System ist eine der wichtigsten Ursachen für Klimawandel, Artensterben, Umweltvergiftung und Wasserknappheit; aber auch für vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit.

Im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank fassten 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Stand des globalen Wissens über die Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen.

58 Regierungen verabschiedeten die Zusammenfassung der Ergebnisse. Sie sind unbequem und alarmierend, warnen vor Irrwegen und zeigen Auswege.

Die Webseite zum Weltagrarbericht präsentiert die wichtigsten Ergebnisse, macht alle seine Berichte zugänglich und liefert Hintergründe und Detailinformationen. Sie soll zum Nachdenken und zur Diskussion anregen, vor allem aber zum Handeln.

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Jessel fordert konsequentere Umsetzung der Maßnahmen für Biodiversitätserhaltung

Dienstag 16. Februar 2010 von birdfish

Deutschland wird seine Anstrengungen zur Umsetzung der Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie deutlich erhöhen müssen, um eine Trendwende beim anhaltenden Verlust an biologischer Vielfalt bewirken zu können.

Seltener Eisvogel
Seltener Eisvogel – (c) Frank Güllmeister / Pixelio

Diese Auffassung vertrat Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutzes (BfN), im Rahmen des Schweizer NATUR Kongresses in Basel. Dort stellte sie die Eckpunkte der deutschen Biodiversitätsstrategie vor und berichtete von den Erfahrungen mit dem bisherigen Umsetzungsprozess.

“Bereits jetzt steht fest: Wir werden das ‘2010-Ziel’ nicht erreichen”, stellte Jessel zusammenfassend fest. “Nicht aber die Ziele müssen neu definiert, sondern der Weg dahin muss konsequenter beschritten werden”, erklärte sie weiter. Dabei zog die Präsidentin des BfN durchaus selbstkritisch Bilanz über die vor zwei Jahren begonnene Umsetzungsphase.

Auch an die Adresse der Schweizer gerichtet, die derzeit selbst mit Hochdruck an einer Biodiversitätsstrategie arbeiten, betonte sie aber, dass es als einer der größten umweltpolitischen Erfolge der letzten Jahrzehnte zu werten sei, dass die Strategie überhaupt existiere. Schließlich sei es gelungen, alle Bundesressorts zu ihrer Umsetzung zu verpflichten und damit dem Querschnittscharakter des Themas angemessen Rechnung zu tragen. Dass eine derartige Herkulesaufgabe nicht über Nacht zu stemmen sei und es im Umsetzungsprozess immer an der ein oder anderen Stelle hake, sei nicht verwunderlich.
Dennoch müssten dort, wo die Hauptursachen des Biodiversitätsverlustes liegen, die Anstrengungen erheblich verstärkt werden. Sonst sei der bislang ungebrochene Rückgang der biologischen Vielfalt nicht zu stoppen. Das betreffe vor allem die Bereiche Landwirtschaft, Meeresfischerei sowie den nahezu ungebremsten Flächenverbrauch im Siedlungs- und Verkehrsbereich. Hier gelte es politisch die richtigen Weichen zu stellen und insofern auch die betroffenen Ressorts künftig verstärkt in die Pflicht zu nehmen. Im Sinne des gesamtgesellschaftlichen Anliegens der Strategie müsse zudem auf ein “biodiversity mainstreaming” aller gesellschaftlichen Bereiche und Prozesse hingewirkt werden.

Jessel verwies zugleich darauf, dass die Koalitionsvereinbarung der neuen Bundesregierung für die laufende Legislaturperiode die Erarbeitung eines Bundesprogramms “Biologische Vielfalt” vorsieht, mit dem der Umsetzungsprozess neuer Schwung verliehen werden solle. Auch das Internationale Jahr der biologischen Vielfalt biete die Chance, vermehrt auf die immense Bedeutung, die dem Schutz der Biodiversität auch für das menschliche Wohlergehen und ökonomische Entwicklungsmöglichkeiten zukommt, aufmerksam zu machen.

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