KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Intelligente Ladestation hilft Elektroautos, nur Strom aus Grüner Energie zu tanken

Mittwoch 7. April 2010 von birdfish

Bis 2020 sollen in Deutschland eine Million Elektroautos unterwegs sein, angetrieben durch Strom aus erneuerbaren Energien.

Das intelligente Ladegerät
Über den Touchscreen des Ladegeräts gibt der Kunde seine Wünsche ein. (c) Fraunhofer ISE

In zehn Jahren wird grüner Strom laut Bundesumweltministerium 30 Prozent der Gesamtmenge stellen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie geht sogar von 47 Prozent aus. Rein rechnerisch wäre eine CO2-neutrale Elektromobilität damit machbar. Tatsächlich ist sie jedoch schwer zu realisieren: Mehr Sonnen- und Windenergie bedeutet einen hohen Stromanteil, dessen Verfügbarkeit sich nicht per Knopfdruck steuern lässt. Zudem besteht die Gefahr, dass zu Stoßzeiten durch mehr Elektromobilität extreme Nachfragespitzen entstehen. Eine Stromversorgung, die sich wie bisher allein am Verbrauch orientiert, ist dem nicht gewachsen.

“Wir brauchen ein intelligentes Netz, ein Smart Grid, in dem sowohl Strom als auch Informationen fließen”, sagt Dominik Noeren vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Die Netzstruktur muss sich verändern, die verbrauchsgesteuerte Stromerzeugung muss sich am Angebot orientieren. “Vor allem Elektroautos bringen dafür beste Voraussetzungen mit”, erklärt Noeren. In der Masse können sie viel Energie speichern. Der durchschnittliche Pkw parkt an mindestens 20 von 24 Stunden – mehr als genug Zeit, die Batterie dann aufzuladen, wenn der Wind auffrischt oder die Nachfrage nach Strom niedrig ist.

Mit der “Intelligenten Ladestation” haben die Forscher ein Gerät entwickelt, mit dem Elektrofahrzeuge Strom zapfen können, wenn die Netzlast gering und der Anteil erneuerbarer Energien hoch ist. So lassen sich Lastspitzen vermeiden und die Beiträge von Sonne und Wind voll nutzen. “Wichtig ist uns, dass der Endkunde jederzeit selbst entscheiden kann, wann er tankt. Durch das gesteuerte Aufladen der Batterie dürfen ihm keine Nachteile entstehen”, betont Noeren. Der Forscher plädiert deshalb für einen Stromtarif, der sich an die Situation im Stromnetz anpasst, der in nachfragestarken Zeiten teurer und bei einem Überangebot an erneuerbaren Energien besonders günstig ausfällt. Der Nutzer der “Intelligenten Ladestation” könnte dann zwischen einer sofortigen und einer preiswerteren, eventuell längeren Ladezeit wählen, die gleichzeitig netz- und umweltfreundlich ist. Entscheidet er sich für die zweite Variante, gibt er lediglich ein, wann sein Auto wieder fahrbereit sein muss. Den Rest übernimmt die Ladestation. Sie ermittelt die Kosten und steuert den Ladevorgang. Über das Display kann der Nutzer den Ladefortschritt verfolgen und sich Kosten und Energiewerte anzeigen lassen. Auf der Hannover Messe vom 19. bis zum 23. April zeigen die Experten die Ladestation (Halle 27, Stand K55).

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“Biologische Vielfalt und Klimawandel” Konferenz mit Prognosen und Strategien

Donnerstag 4. März 2010 von birdfish

Die Natur in Deutschland ist zum einen vom Klimawandel direkt betroffen.

Seeadler - Opfer des Klimawandels?
Seeadler am Greifswalder Bodden – Opfer des Klimawandels? – Foto: Uclax / Wikipedia

Darüber hinaus aber sind es auch die Erfordernisse des Klimaschutzes sowie gesellschaftliche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel, die die künftige Entwicklung der Natur mittelbar beeinflussen. Die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Klimawandel, biologischer Vielfalt und menschlichem Wohlergehen stehen seit mehreren Jahren im Mittelpunkt von Forschungsaktivitäten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Auf der zweiten Statuskonferenz des BfN wurden aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt und mit interessierten Fachleuten aus Naturschutzpraxis, Politik und Öffentlichkeit diskutiert.

Die Palette der im Auftrag des BfN untersuchten Forschungsfragen war breit. “Ein nach wie vor wichtiger Bestandteil der Forschung sind grundlagenorientierte Projekte. Sie erfassen die bereits beobachteten Auswirkungen des Klimawandels auf Natur und Landschaft und nehmen zukünftigen Entwicklungen in den Blick. Wir stellen fest, dass für viele Lebensräume in Deutschland die mit der Erwärmung einhergehenden Veränderungen der Wasserbilanz eine größere Rolle spielen werden als die steigenden Temperaturen selbst,” sagte BfN-Präsidentin Professor Beate Jessel in Bonn. “Wie Modellrechnungen an verschiedenen Artengruppen zeigen, ist in den kommenden Jahrzehnten insbesondere im nordostdeutschen Tiefland, aber auch in den Mittelgebirgen mit beträchtlichen Änderungen im Spektrum der Pflanzen- und Tierarten zu rechnen. Eine hohe Gefährdung wird beispielsweise unter den in Deutschland brütenden Vogelarten für Seeadler, Schwarzstorch, Wiesenweihe und Kranich erwartet. Aber auch für viele der heimischen Pflanzenarten werden sich die klimatisch geeigneten Gebiete verkleinern”, erläuterte Jessel.

Für den Naturschutz stellt sich die Frage, wie man den betroffenen Arten dabei helfen kann, den Klimaveränderungen standzuhalten sowie ihnen eine Ausbreitung in neue geeignetere Lebensräume zu ermöglichen. Erste Forschungsergebnisse schlagen eine Anpassung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sowie eine veränderte Ausgestaltung von Schutzgebieten vor. Außerdem wird von der Wissenschaft gefordert, die Ausbreitung von Arten durch Trittsteine und Korridore aus naturnahen Lebensräumen zu erleichtern oder in der Landschaftsplanung stärker dynamische Entwicklungen in der Natur zu berücksichtigen.
“Daneben untersuchen andere Forschungsvorhaben die Synergien und Konflikte, die sich zwischen den drei Handlungsfeldern Naturschutz, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel ergeben können und leiten daraus Lösungsansätze ab”, so BfN-Präsidentin Jessel. “Denn über den Schutz bestimmter Ökosysteme lassen sich wesentliche Beiträge zur Minderung der Folgen des Klimawandels leisten.”
Ein Projekt dieser Gruppe ermittelt etwa am Beispiel von ausgewählten Moorgebieten die Leistungen, die geschützte Ökosysteme durch die langfristige Speicherung von Kohlenstoff für die Bekämpfung des Klimawandels erbringen können. Weitere Bereiche, die vertieft untersucht werden, sind u. a. die Auswirkungen einer verstärkten Nutzung von Bioenergie und Wasserkraft auf die Natur, aber auch die Folgen des Klimawandels für Waldbewirtschaftung und Hochwasserschutz. Letzterer gewinnt angesichts vielfach steigender Überflutungsgefahren an Bedeutung. Dabei macht ein unlängst im Auftrag des BfN erstellter bundesweiter Überblick zum Zustand der Flussauen in Deutschland den Handlungsbedarf deutlich: zwei Drittel der ehemaligen natürlichen Überschwemmungsflächen an den Flüssen sind bereits vernichtet. Der Schutz und die Wiedergewinnung von Flussauen dienen daher nicht nur dem Naturschutz, sondern unterstützen auch die notwendige Anpassung an den Klimawandel.
Einige Forschungsvorhaben, die Gegenstand der Statuskonferenz sind, untersuchen anhand von Kosten-Nutzen-Analysen unter anderem den in Geldbeträgen ausgedrückten Wert des Beitrags des Naturschutzes zu Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel. “Selbstverständlich lässt sich der Wert der Natur nicht allein mit finanziellen Maßstäben messen”, sagte Professorin Jessel. “Doch gerade die oft unterschätzten ökonomischen Argumente für den Schutz der Natur können helfen, bei Politik und Wirtschaft leichter Gehör zu finden. Gleichwohl gehört zu einer fundierten Bearbeitung des Themenfelds Biodiversität und Klimawandel notwendigerweise auch die Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels auf die ethischen Grundlagen des Naturschutzhandelns und die – bewusst oder unbewusst – zugrunde gelegten Wertvorstellungen,” erläuterte die BfN-Präsidentin. Neben Expertinnen und Experten für Biologie, Ingenieurwissenschaften, Forstwirtschaft, Landschaftsplanung, Rechtswissenschaften und Umweltökonomie seien im Kreis der Forschungsnehmer daher auch Geisteswissenschaftler vertreten.
An der vom BfN geleiteten Forschungsinitiative “Biologische Vielfalt und Klimawandel” mit 27 laufenden oder kürzlich abgeschlossenen Projekten sind bisher insgesamt 46 Hochschulen, wissenschaftliche Einrichtungen und Gutachterbüros beteiligt.

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Traditionelle Baustoffe sollen Neubewertung in Bezug auf Klimaschutzkriterien erfahren

Donnerstag 18. Februar 2010 von birdfish

Die internationale Baufachmesse Bautec 2010 in Berlin befasst sich auch mit Klimaschutzeigenschaften von Baumaterialien.

Bauen mit Holz
Bauen mit Holz – (c) Rainer Sturm / Pixelio

Aus diesem Anlass fordert die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) eine „offensive Neubewertung“ traditioneller Baustoffe wie Holz, Beton, Stein oder auch bestimmte Kunststoffe. “Die Diskussion über die Verwendung von Baumaterialien kann heute vor dem Hintergrund des Klimaschutzes zu neuen Ergebnissen kommen. Wenn die Bewertung bereits vor Jahrzehnten ohne das Wissen über die Klimaerwärmung erfolgte, können in Vergessenheit geratene Materialien, wie zum Beispiel Plexiglas, wieder ausgesprochen attraktiv werden. Damit eröffnen sich der Architektur auch neue Potentiale in der Verbindung von Klimaschutz mit Ästhetik”, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Resch begrüßte, dass die Bautec 2010 dem „Zukunftsfeld Bauen und Energie“ ein immer größeres Gewicht beimesse. Gerade nach dem ernüchternden Stillstand der internationalen Klimadiplomatie nach der gescheiterten Weltklimakonferenz in Kopenhagen seien jetzt alle Branchen aufgerufen, energiesparende Innovationen und wirtschaftlichen Erfolg zu verbinden. Angesichts der Schwierigkeiten der Politik, den internationalen Klimaschutz zu beschleunigen, wachse die Verantwortung der Industrie, selbst aktiv zu werden.

Resch erinnerte daran, dass 90% der in privaten Haushalten eingesetzten Energie auf Heizen und Warmwasserbereitung entfallen. Wer mittel- und langfristig beim Klimaschutz erfolgreich sein wolle, müsse hier ansetzen. Der politische Rahmen wurde zuletzt 2009 mit der Verabschiedung des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes und der Novellierung der Energieeinsparverordnung gesetzt. Um die rechtlichen Vorgaben zu erfüllen und beispielsweise bis 2020 das Nullenergiehaus zum Standard bei Neubauten zu machen, müsse die Bauwirtschaft insbesondere praktikable, kosten- und energieeffiziente Innovationen in der Gebäudehülle entwickeln. Dies sei die Voraussetzung für den effizienten Einsatz erneuerbarer Energien und anderer fortschrittlicher Technologien für Raumwärme und Warmwasserbereitung.

Dabei geht es nach Überzeugung der DUH nicht immer um exotische Neuentwicklungen. Holz zum Beispiel ist nicht nur ein traditioneller ästhetischer Baustoff, sondern auch ein Material mit guten Wärmedämmeigenschaften und dazu ein CO2-Speicher für die mittlere Frist. Auch Kunststoffe wie Plexiglas weisen viele unter Klimaschutzgesichtspunkten positive Eigenschaften auf, die richtig eingesetzt ein hohes Einsparpotential bieten. Sie sind lichtdurchlässig, witterungsbeständig, bruchfest, sehr leicht, haben eine sehr lange Lebensdauer und lassen sich einfach bearbeiten und formen. Durch die Kombination dieser Attribute können neue Einsatzgebiete erschlossen werden, zumal bestimmte Kunststoffe in der Gebäudehülle oft bessere Isolationswerte erreichen als klassisches Glas. Der Traditionswerkstoff Plexiglas eignet sich deshalb besonders für den Einsatz im Bereich von Ober- und Unterlichtern, Dach- und Fassadenelementen. So können kostengünstig erhebliche Energieeinsparungen erreicht werden, bei gleichzeitiger Verbesserung des Raumklimas und der Wohnqualität.

„Manchmal gilt das vielzitierte Goethe-Wort: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, sagte Resch. „Traditionelle Materialien können unter den Bedingungen des Klimawandels eine regelrechte Renaissance erfahren“. Dieses anzuerkennen wäre nebenbei auch ein Beleg für die Innovationskraft und ein Umdenken der Baubranche. „Altbekanntes neu entdecken, kann fortschrittlich sein“, ist Resch überzeugt.

Die Deutsche Umwelthilfe hat deshalb ein Projekt ins Leben gerufen, um die konkrete Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben bei Energie- und Emissionseinsparungen im Gebäudebereich unter dem Aspekt der eingesetzten Baumaterialien aktiv zu begleiten. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband fordert im Zuge dieses Projekts, innovative Baustoffe zu fördern, die nicht immer unbedingt „Neuerfindungen“ sein müssen. Das Beispiel Plexiglas zeige, dass manche in den Hintergrund getretenen Baumaterialien nur wiederentdeckt werden wollen.

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Traktoren und Mähdrescher ohne Rußfilter kratzen an dem Image gesunder Landluft

Montag 25. Januar 2010 von birdfish

Anlässlich der Grünen Woche, der weltgrößten Landwirtschaftsmesse, kritisierten Umweltverbände, dass immer noch sämtliche neuen Land- und Forstwirtschaftsmaschinen ohne Rußfilter verkauft werden.

Trecker im Schnee
Auch so erspart der Trecker uns den Dieselruß – (c)segovax / Pixelio

Während der Großteil der Pkw-Diesel-Flotte nunmehr mit Rußfiltern ausgeliefert würde und für immer mehr Lkw und Busse Filtersysteme vorlägen, verunreinigten hingegen Traktoren, Mähdrescher und Holz-Erntemaschinen die Luft immer noch unnötig stark mit Rußpartikeln.

Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen eindeutig die Gesundheitsgefährdung insbesondere auch der Traktor fahrenden Landwirte und die Verschärfung des Klimawandels durch Dieselrußemissionen. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Forderungen von Agrarministerin Ilse Aigner nach mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft, müssten vor allem auch die klimaschädlichen Rußemissionen aus Landmaschinen drastisch reduziert werden.

Die Verbände fordern daher die Hersteller landwirtschaftlicher Fahrzeuge dazu auf, in alle Neufahrzeuge Filtersysteme einzubauen. Bereits ab 2012 werden die zulässigen EU-Partikelgrenzwerte erheblich abgesenkt. Jedoch könnten die Fahrzeuge diese Werte nur einhalten, wenn die nötigen Filtersysteme bis dahin für alle Fahrzeugtypen vorhanden seien. „Wir appellieren an die Hersteller, die dringend erforderlichen technischen Lösungen bereitzustellen, um eine zügige und vollständige Nachrüstung der Nutzfahrzeuge sicherzustellen“, so Ulrike Bickel, stellvertretende Leiterin Verkehr der Deutschen Umwelthilfe.

Dietmar Oeliger, NABU-Verkehrsexperte sieht auch die Politik in der Verantwortung: „Die Bundesregierung müsse die Zulassung entsprechender Filtersysteme vorantreiben und die geplante Förderung für die Nachrüstung von Rußfiltern bei leichten Nutzfahrzeugen auch auf Land- und Forstmaschinen ausdehnen. Es reicht nicht aus nur auf die Neufahrzeuge zu setzen. Aufgrund jährlicher Neubeschaffungen nur im unteren einstelligen Prozentbereich dauert es einfach viel zu lange, bis die bestehende Traktorenflotte erneuert ist.“ Diese Fahrzeuge seien über einen langen Zeitraum und dazu oftmals in ökologisch sensiblen Räumen im Einsatz, so dass sich für viele Modelle eine Nachrüstung lohne.

Auch die Kommunen könnten dem Rußfilter im Bereich der Land- und Forstmaschinen zum Durchbruch verhelfen. „Städte und Gemeinden sollten Lohnunternehmer und Landwirte bei kommunalen Aufträgen dazu verpflichten, ihre Fahrzeuge mit Filter auszurüsten, so wie es die Schweizer Luftreinhalteverordnung bereits seit 2002 vorschreibt“, so Oeliger.

Dr. Werner Reh, Verkehrsexperte des BUND, unterstreicht die Notwendigkeit, die Bauern vor den gefährlichen Rußpartikeln zu schützen: „Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist bei den Bauern wegen der erhöhten Ruß-Emissionen an ihrem Arbeitsplatz um bis zu sechsmal höher als im Durchschnitt der Bevölkerung.“ Dies habe eine Untersuchung des Helmholtz-Zentrums München bereits vor Jahren gezeigt. Er forderte, die Bundesregierung sollte zusammen mit der EU-Kommission in Brüssel eine Lösung für die Nachrüstung der Traktoren mit Rußfiltern ausarbeiten.

Ähnlich wie bei Baumaschinen sei die Schweiz auch bei Landmaschinen in Sachen Luftreinhaltung weiter. Prüfstandmessungen hätten eine sehr hohe Wirksamkeit der Partikelfilter auch bei Traktoren gezeigt. So würden über 99 Prozent der vom Motor ausgestoßenen Partikel zurückgehalten. Mit Filtern ausgerüstete Traktoren funktionierten bisher ohne größere Störungen. Auf die Nachrüstung gewähren verschiedene Kantone auch Zuschüsse von umgerechnet bis zu 2700 Euro.

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BfN-Präsidentin will Paradigmenwechsel in Agrarpolitik für Erhalt biologischer Vielfalt

Freitag 22. Januar 2010 von birdfish

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) hat die Agrarpolitik trotz einer Reihe von Anpassungsprozessen weiterhin negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt.

Landwirtschaft
Landwirtschaft – (c) Cornerstone / Pixelio

Gerade im derzeitigen internationalen Jahr der Biodiversität, sei darauf hinzuweisen, dass die Landwirtschaft national wie auch international zu den Hauptverursachern des Rückgangs an Biodiversität gehöre. Außerdem trage die Landwirtschaft mit ihren Treibhausgasemissionen zum Klimawandel bei. Notwendig sei eine Veränderung der Anreizstrukturen: Naturgerechte Bewirtschaftung müsse besser honoriert werden und deshalb sei eine weitere ökologische Umorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) notwendig, erklärte die Präsidentin des BfN, Beate Jessel, während der”Internationalen Grünen Woche und anlässlich des Zukunftsforums “Ländliche Räume des BMELV: “Was wir brauchen, ist ein echter Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik: Im Mittelpunkt muss die Förderung einer multifunktionalen Landwirtschaft und eine angemessene Honorierung ihrer vielfältigen ökologischen Leistungen stehen. Es gilt das Ziel, eine effizientere Erhaltung der Biodiversität in der Agrarlandschaft und einen höheren Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz zu erreichen“, sagte BfN-Präsidentin Jessel.

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts findet ein drastischer Artenverlust statt, der insbesondere auf eine Intensivierung, Rationalisierung und Spezialisierung der Landwirtschaft und einer damit einhergehenden Ausräumung der Landschaft zurückzuführen ist. “Das BfN setzt sich für eine deutliche Veränderung der Agrarförderung in Richtung einer Honorierung ökologischer Leistungen ein, um die Ziele des integrativen Naturschutzes im Rahmen einer multifunktionalen Landwirtschaft zu erreichen. Daneben soll es weiterhin einen Ausgleich für höhere Natur- und Umweltschutzstandards – z.B. als Ersatz für den Wegfall der Flächenstilllegung – in der EU geben, allerdings darf dieser Nachteil nicht überkompensiert werden. Stattdessen soll es einen Ausbau der ländlichen Entwicklungsförderung und eine Anpassung der Finanzierungsmechanismen geben. Langfristig sollten Gelder nur noch für die Bereitstellung öffentlicher Güter zur Verfügung gestellt werden. Der Umfang der finanziellen Honorierung soll sich an den Kosten der “Biodiversitätsproduktion” bemessen und dem Landwirt einen Anreiz bieten, “Biodiverstitätsproduktion” als ökonomische Alternative zu wählen. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Landwirtschaft zwar einer der Hauptverursacher des Rückgangs an biologischer Vielfalt ist, zugleich aber der Naturschutz auf eine nachhaltige und ökonomisch lebensfähige Landwirtschaft angewiesen ist, um die Vielfalt unserer Kulturlandschaften mit den darin vorkommenden Lebensformen zu erhalten”, so Prof. Beate Jessel.

Eine der zentralen Forderungen des BfN ist die verpflichtende Einführung eines regionalen Mindestanteils ökologischer Vorrangflächen zum Ausgleich für den Wegfall der obligatorischen Flächenstilllegung. Diese ökologischen Vorrangflächen sollen den Lebensgemeinschaften als Rückzugsraum, Vermehrungsstätte und Nahrungsfläche in der Agrarlandschaft dienen. Das BfN misst zudem dem Erhalt von ökologisch wertvollem Dauergrünland höchste Bedeutung bei, da Dauergrünland neben der Sicherung einer hohen biologischen Vielfalt eine hohe Bedeutung als Kohlenstoffsenke hat sowie dem Boden- und Gewässerschutz dient.

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Oxfam-Studie: Der Klimawandel bedroht Lebensgrundlagen von 1,7 Mrd. Kleinbauern – Agrarministertreffen ohne verbindliche Ziele

Mittwoch 20. Januar 2010 von birdfish

Der Klimawandel gefährdet die Lebensgrundlagen von 1,7 Mrd. Kleinbauern.

Klimaopfer Bangladesch
Rahela Begum (40) aus Bangladesch drischt mit ihrem Mann die magere Reisernte. Seit das Klima verrückt spielt, trocknen ihre Felder regelmäßig aus oder werden überflutet. (c) Oxfam

Das geht aus der Oxfam-Studie ‘People-Centred Resilience’ hervor. Die betroffenen Kleinbauern – davon 837 Millionen in Asien und 228 Millionen in Afrika – leben in ertragsschwachen und benachteiligten Gebieten, teils mit geringen Niederschlägen. Oxfam forderte daher die Teilnehmer des Berliner Agrarministergipfels auf, sich für agrar-ökologische Anbauverfahren einzusetzen, um Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu verbessern. ‘Diese Unterstützung zahlt sich dreifach aus: Sie verbessert die Ernährungssituation, fördert die Anpassung an den Klimawandel und hilft, Treibhausgase zu reduzieren’, erklärte Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Umweltschonende Anbaumethoden würden allerdings bislang bei der Hungerbekämpfung kaum berücksichtigt. ‘Der EU-Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro, der während der Nahrungsmittelkrise 2008 geschaffen wurde, finanziert nur zu 14 Prozent Projekte mit einer agrar-ökologischen Komponente’, kritisiert Wiggerthale. Hingegen fließen 51 Prozent der Mittel in Projekte, in denen Pestizide verwendet werden. ‘Die Landbewirtschaftung muss weniger auf Düngemittel, Pestizide und Technologie setzen, und mehr auf ökologische Anbaumethoden und traditionelles Wissen. So können Klimarisiken und damit auch Hunger und Armut für Kleinbauern erheblich verringert werden’, sagt Wiggerthale.

Laut Studie sind in Entwicklungsländern bereits 384 Millionen Hektar vom Verlust der Bodenfruchtbarkeit betroffen. Die fruchtbare Humusschicht werde immer dünner. In Afrika treffe dies für 65 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat kürzlich erklärt, es müssten vermehrt Treibhausgase aus der Nahrungsmittelproduktion in Kauf genommen werden, damit genügend Lebensmittel für alle Menschen verfügbar seien. Oxfam widerspricht dieser Auffassung. ‘Für den Klimaschutz macht es einen bedeutenden Unterschied, ob Düngemittel und Pestizide oder agrarökologische Anbauverfahren eingesetzt werden’, so Wiggerthale. Lachgas-Emissionen beim Ausbringen von Dünger sowie der Humusabbau durch die intensive Landbewirtschaftung trügen zum Klimawandel bei. Wichtig sei ein klimapolitischer Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft hierzulande. ‘Das Ziel: Weniger Fleisch, weniger klimaschädliche Überdüngung, mehr Bodenschutz und mehr Grünland’.

Das Handelsblatt zitiert vom Agrargipfel die Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner. “Wir Agrarminister wollen dort weitergehen, wo die Staatengemeinschaft in Kopenhagen vorerst Stopp gemacht hat”, sagte die CSU-Frau. Sie räumte einen Konflikt zwischen Ernährungssicherung und Klimaschutz ein. “Um im Jahr 2050 alle Menschen auf unserem Planeten mit Lebensmitteln zu versorgen, muss das verfügbare Angebot an Lebensmitteln um 70 Prozent gesteigert werden”, sagte sie. “Andererseits müssen wir aber auch alles daran setzen, die Klimabelastungen zu begrenzen. Die Landwirte sind Verursacher und Leidtragende auf der anderen Seite zugleich.” Agrarprodukte müssten möglichst klimaschonend hergestellt werden.

Das hörte sich gut an, aber Verbindliches kam dann bei dem Gipfel der Landwirtschaftsminister nicht heraus. Man verständigte sich lediglich darauf, dass jedes Land Aktionen gegen den Klimawandel prüfen möge und dass man erwägt, Projekte zur Speicherung von Kohlenstoff in den Böden zu fördern. Kein großer Wurf in Anbetracht dessen, dass die Landwirtschaft nach Angaben des UN-Klimarats einen Anteil von etwa zwölf Prozent am globalen Ausstoß von Treibhausgasen hat. (Handelsblatt vom 17.01.10)

Der WWF formuliert das Fazit der Veranstaltung noch schärfer. “Mehr als warme Worte kamen bei dem Treffen nicht heraus”, so die Einschätzung von Matthias Meißner, Agrarreferent des WWF Deutschland. Die Abschlusserklärung sei eine Ansammlung von schwachen Formulierungen. Handlungsempfehlungen und Zielvorgaben suche man vergeblich. Die Minister konstatierten, dass die Branche stark unter dem Klimawandel zu leiden habe, aber sie bekannten sich nicht zu einem konkreten Klimaschutzprogramm. Der WWF betont: “weltweit gehen mindestens 14 Prozent des Treibhausgasausstoßes direkt auf das Konto der Landwirtschaft. Hinzu kommen Emissionen, die durch die Umwandlung von Wäldern zu Ackerland freigesetzt werden.” Hier bestehe dringender Handlungsbedarf. Leider wehre sich die Branche nach wie vor gegen konkrete Klimaschutzvorgaben. Klare Worte zur Umsetzung seien die Minister bei dem Treffen in Berlin schuldig geblieben. Viele wichtige Themenbereiche, wie der Schutz der weltweiten Biologischen Vielfalt; der Schutz von natürlichen Ressourcen und Konsumveränderungen fehlten im Papier gänzlich.

“Das vollmundig zum Agrargipfel deklarierte Treffen ist erneut zur überflüssigen Messefolklore zur Grünen Woche verkommen”, so Matthias Meißner. Es werde höchste Zeit, dass das Bundesministerium für Ernäh-rung Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) seine Hausaufgaben erledige. Dazu gehöre es, die Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft voranzutreiben. Leider ließen die der jüngsten Äußerungen von Ministerin Ilse Aigner zur Klimarelevanz der Landwirtschaft kein Umdenken erkennen. Die vom BMELV angestrebte Führungsrolle Deutschlands werde nur umsetzbar sein, wenn BMZ und BMELV gemeinsam ihre Politik das Thema Sicherung der Welternährung an konsequenten Nachhaltigkeitskriterien ausrichten und die schwächelnden UN-Prozesse neu beleben.

Die Oxfam-Studie  ‘People-Centred Resilience’ kann hier angesehen werden. (PDF, engl.)

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Staat soll Bauern fördern, die Landwirtschaft künftig klimafreundlicher gestalten wollen

Montag 18. Januar 2010 von birdfish

WWF und Greenpeace fordern, Bauern finanziell zu entlohnen, die aktiv den Schutz von Klima, Wasser und Biologischer Vielfalt betreiben.

Biodorf Jühnde
Deutschlands erstes Bioenergiedorf Jühnde erzeugt seinen Energiebedarf durch Biomasse selbst. – (c) Paul Langrock/Zenit / Greenpeace

Spätestens mit dem Inkrafttreten der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik im Jahr 2014 müssen Agrarsubventionen grundsätzlich an ökologische Kriterien gekoppelt werden. Der WWF stützt sich bei seinen Forderungen auf ein aktuelles Gutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU). Das Beratungsgremium der Bundesregierung  fordert von der Landwirtschaft nicht mehr nur die preiswerte Produktion von Lebensmitteln, sondern zugleich einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz. Dies sei das wichtigste öffentliche Gut, das zukünftig von der Landwirtschaft bereitgestellt werden müsse. „Auch wenn es Agrarlobbyisten alter Schule nicht gerne hören, wir müssen uns davon verabschieden, immer mehr, immer billiger zu produzieren“, so WWF-Agrarreferent Matthias Meissner. Man brauche ein neues Leitbild für die europäische Landwirtschaftspolitik.

Der WWF fordert die Bundesregierung auf, den Rat ihrer eigenen Experten zu befolgen. Ein derart wichtiges Politikfeld dürfe nicht den Interessen der ausschließlich an kurzfristigen Gewinnen orientierten Agrarindustriellen überlassen werden. „Einige Vertreter der Agrarlobby spielen noch immer Blinde Kuh und wollen die essentielle Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz für die wirtschaftliche Zukunft der heimischen Landwirtschaft einfach nicht sehen“, sagt Meissner.

Die Landwirtschaft trägt nicht unerheblich zum Treibhausgasausstoß bei. Das ist bekannt – auch im Bundeslandwirtschaftsministerium. In einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung rechnete Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner jüngst den Anteil auf sechs Prozent herunter. Wie das geht? Ganz einfach. Man berücksichtige nur Lachgas und Methan und lasse den CO2-Ausstoß völlig außen vor.

“Fahrlässig” nennt der Agrarwissenschaftler Martin Hofstetter diese Art, das Problem kleinzureden. Die Landwirtschaft sei zu einem beträchtlichen Teil mitschuldig am Klimawandel, bei den Klimagasen Lachgas und Methan sogar hauptverantwortlich. Es bestehe erheblicher Handlungsbedarf.

“Fakt ist, dass die Landwirtschaft hierzulande allein durch Ackerbau und Viehhaltung elf Prozent der Klimagase ausstößt. Nimmt man zugekaufte Dünge- und Futtermittel und den eingesetzten Agrardiesel hinzu, sind es sogar 16 Prozent. Das sind keine Peanuts – es entspricht dem Klimagas-Ausstoß des Verkehrs.”

Greenpeace-Experte Hofstetter empfiehlt der Ministerin, den Klimabericht aus ihrem eigenen Haus gründlich zu lesen, bevor sie mit anderen Agrarministern über das Thema diskutiert. In dem Bericht wird zusammengefasst, wie viel Klimagase in welchem Bereich der Landwirtschaft entstehen. Und es werden zahlreiche notwendige Maßnahmen daraus abgeleitet, beispielsweise eine bessere angepasste Bodenbewirtschaftung, Reduzierung der Stickstoffdüngung und die Verminderung der Fleischproduktion.

“Das passiert nicht von allein, sondern nur durch staatliches Eingreifen. Statt Augenwischerei zu betreiben, müssen die Bedingungen für ein klimafreundliches Wirtschaften verbessert werden. Letztendlich kommen wir in Deutschland auch an einer ehrlichen Diskussion über die Höhe der Fleischerzeugung und des Fleischkonsums nicht vorbei”, so Martin Hofstetter. Allein aus der Tierhaltung stammen, die dazugehörige Futterproduktion mit eingerechnet, umgerechnet drei Viertel der Klimagase.

Es besteht auf allen Ebenen der Agrarproduktion ein erheblicher Regelungsbedarf, um die Treibhausgase zu reduzieren. Besonders wichtig ist, dass humusreiche Böden richtig bewirtschaftet und ehemalige Moore wieder vernässt werden, um dort den Abbau von Kohlenstoff zu stoppen. Auch muss der Nawaro-Bonus geändert werden – der Bonus für Strom aus nachwachsenden Rohstoffen. Er führt derzeit dazu, dass auf immer mehr Äckern humuszehrender Mais für Biogasanlagen angebaut wird. Stattdessen sollten Biogasanlagen auf Güllebasis stärker gefördert werden. Zudem muss die Stickstoffdüngung drastisch beschränkt und mit einer Abgabe belegt werden. Denn allein aus der mineralischen Düngung stammen derzeit umgerechnet 24,3 Millionen Tonnen CO2 jährlich.

So fasst Greenpeace zusammen: Der Staat sollte Bauern fördern, die auf eine klimafreundliche Landwirtschaft umsteigen wollen, zum Beispiel auf  Ökolandbau oder eine klimafreundlichere Gülleverarbeitung über Biogasanlagen. Auch die EU ist gefragt: Agrarsubventionen darf es nur noch für Betriebe geben, die nachweislich klimafreundlich wirtschaften.

So sieht es auch der WWF und sagt, dass die Agrarpolitik europaweit an den gleichen Umweltstandards gemessen und durch ein einheitliches Subventionssystem gefördert werden sollte. Ausdrücklich begrüßt der WWF die Vorschläge des SRU zur Beseitigung der bisher praktizierten Einkommensübertragung an Landwirte durch die Einführung einer Landwirtschaftpolitik, die Leistungen für den Natur-, Klima- und Ressourcenschutzes honoriere. Sinnvoll sei z.B. eine ökologische Grundprämie, die an etwa zehn Prozent ökologische Vorrangflächen auf der landwirtschaftlicher Nutzfläche und andere Öko-Mindestleistungen gekoppelt sei. Die Vorschläge des SRU, Agrarumweltmaßnahmen auf die Grundprämie aufzusatteln und die Naturschutzleistungen auch ohne zwingenden Bezug zur Landwirtschaft zu fördern, gingen ebenfalls in die richtige Richtung.

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Städte müssen wegen mehr Elektroautos über veränderte Infrastruktur nachdenken

Dienstag 24. November 2009 von birdfish

Elektromobile Fahrzeugkonzepte werden in den nächsten Jahren eine zunehmende Bedeutung erlangen.

Die Stadt als Katalysator für Elektromobilität
Die Stadt als Katalysator für Elektromobilität – (c) Protoscar

Wird heute der Kompetenzaufbau im Bereich Elektromobilität insbesondere hinsichtlich der Technologieentwicklung vorangetrieben und gefördert, so stehen Kommunen, Stadtplaner und Architekten vor einem ebenso großen Wandel wie die Automobilindustrie: Einerseits ermöglichen und erfordern elektromobile Fahrzeugkonzepte eine Neupositionierung der Stadtgestaltung. Andererseits lassen sich wichtige Handlungsfelder und Ziele der “Nationalen Stadtentwicklungspolitik” sowie der “Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt” unmittelbar mit den Potenzialen elektrischer Mobilität verknüpfen.
Konkret sind für die Städte, Kommunen und Regionen die folgenden Aspekte der Elektromobilität von besonderer Bedeutung:

  • Elektromobile Fahrzeuge ergänzen den öffentlichen Personennahverkehr und sind ein wesentlicher Baustein nachhaltiger Mobilitätskonzepte in der Stadt.
  • Mit der verstärkten Nutzung elektromobiler Fahrzeuge entstehen neue Anforderungen an die städtische Infrastruktur (Aufladestationen, Parkierung, Abrechnungssysteme) und an die funktionale Verknüpfung von Verkehrsmitteln (Vernetzung mit S-Bahn, Bus-, Taxiverkehr).
  • Die Nutzung elektromobiler Fahrzeuge muss so erfolgen, dass die Verkehrssicherheit aller Nutzer des öffentlichen Raums gewährleistet ist.
  • Mit steigendem Flottenanteil tragen elektromobile Fahrzeuge zu einer Verringerung der Schall- und Luftschadstoffbelastung und damit zu einer Verbesserung der städtischen Umwelt- und Lebensqualität bei. Im nächsten Schritt ermöglichen sie “neue Nachbarschaften” bisher unverträglicher Nutzungen.

Da batterieelektrische Fahrzeuge sich aufgrund ihrer Reichweite auf absehbare Zeit nicht für Langstreckenfahrten eignen, kommt der sinnvollen Integration in die Stadt auch eine zentrale Rolle bezüglich der Diffusion von Elektrofahrzeugen in die Breite zu. Nur wenn es gelingt, die Stadtgestaltung im ersten Schritt so auszurichten, dass es für die Bürgerinnen und Bürger attraktiv ist, sich mit einem Elektrofahrzeug zu bewegen, kann in einem zweiten Schritt – nämlich dann, wenn eine kritische Masse an Elektrofahrzeugen in der Stadt erreicht ist – die gesamte Stadt von einem Zugewinn an Lebens- und Wohnqualität profitieren. Die Städte dienen damit als Katalysatoren für die Elektromobilität.

Um einen öffentlichen Diskurs über die Verknüpfung der Elektromobilität mit der städtischen Infrastruktur zu initiieren, organisiert das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO am 21. Januar 2010 in der Neuen Messe Stuttgart das Fachforum “Elektromobile Stadt”. Geladen sind hochkarätige Referenten aus Industrie, Politik, Forschung sowie Stadtplanung und Architektur, die Impulse für den öffentlichen Diskurs “Elektromobile Stadt” setzen werden.

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