KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Klimaszenarien für deutsche Bundesländer stehen als ‘Klimaatlas’ online zur Verfügung

Mittwoch 3. März 2010 von birdfish

Der kalte Winter könnte vermuten lassen, der Klimawandel habe ausgesetzt.

Schleswig-Holstein bekommt mehr Regen
Schleswig-Holstein soll den größten Zuwachs an Niederschlägen erhalten – (c) Dagmar Struß

Langfristige Temperaturmessungen zeigen jedoch deutlich, dass der Trend zur Erwärmung in Deutschland ungebrochen ist. Wie regional unterschiedlich sich der Klimawandel künftig auswirken könnte, zeigt der Regionale Klimaatlas Deutschland, ein Produkt der Regionalen Klimabüros der Helmholtz-Gemeinschaft. Ab sofort sind im Internet zukünftige Klimaszenarien für die deutschen Bundesländer öffentlich abrufbar. Der Nutzer kann dabei verschiedene Klimaelemente wie beispielsweise Temperatur, Niederschlag und Wind auswählen und sich mögliche künftige Änderungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten in verschiedenen Bundesländern anzeigen lassen.

“Die Helmholtz-Gemeinschaft hat die Klimaforschung deutlich verstärkt und untersucht in der Klimainitiative REKLIM insbesondere die regionalen Auswirkungen des globalen Klimawandels. Die vier Regionalen Klimabüros haben dabei den Auftrag, den aktuellen Stand der Forschung für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen so aufzubereiten, dass diese gut informiert Entscheidungen treffen können. Dies ist mit dem nun öffentlich einsehbaren Regionalen Klimaatlas gelungen”, sagt Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. “Der Klimaatlas richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit sowie an Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft. Für Wissenschaftler steht alternativ eine Darstellung für Modellnutzer zur Verfügung.”

Auch wenn es in Zukunft in ganz Deutschland wärmer wird, so können sich die Klimaveränderungen im Jahresdurchschnitt bis zum Jahr 2100 regional sehr unterschiedlich ausprägen. So scheint sich beispielsweise die zu erwartende Erwärmung im Jahresdurchschnitt bis Ende des 21. Jahrhunderts in Baden Württemberg mit 2,2 bis 6,3°C am stärksten auszuprägen. In Schleswig-Holstein hingegen kann die Erwärmung mit 2 bis 4,4° C zwar vergleichsweise schwächer ausfallen, jedoch weisen die Klimarechnungen darauf hin, dass die Einwohner Schleswig-Holsteins mit der bundesweit höchsten Niederschlagszunahme im Jahresdurchschnitt rechnen müssen. Die mitteldeutschen Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt befinden sich nicht nur geographisch in der Mitte Deutschlands, sondern auch hinsichtlich der zu erwartenden Klimaänderungen.

“Dies gibt jedoch keinen Anlass zur Entwarnung, da auch ein mittlerer zukünftiger Niederschlagsrückgang im Sommer bei der heute schon angespannten Lage zu großen Herausforderungen zum Beispiel in der Landwirtschaft führen wird.”, so Dr. Andreas Marx, Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ.

Der Erwärmungstrend wird sich auch in der kalten Jahreszeit bis zum Ende des Jahrhunderts in ganz Deutschland fortsetzen. Im Rahmen natürlicher Schwankungen kann es zwar auch in Zukunft kalte Winter geben, diese werden jedoch seltener. Die Klimarechnungen weisen außerdem auf eine flächendeckende Zunahme des Winterniederschlages hin. Wegen der höheren Temperaturen wird dieser jedoch wahrscheinlich größtenteils in Form von Regen fallen. Am stärksten können die Winterniederschläge bis Ende des Jahrhunderts in Bayern (bis zu 75%) und in Mecklenburg-Vorpommern (bis zu 63%) zunehmen. Zusätzlich können bis Ende des Jahrhunderts bundesweit die Sturmstärken zunehmen. Am stärksten betroffen ist auch hier Mecklenburg-Vorpommern, wo sich Stürme um bis zu 13% intensivieren können. “Ein Sturmtief, wie beispielsweise das Tief Daisy, welches im Januar an der deutschen Ostseeküste zum Teil schwere Sturmfluten und starken Seegang hervorgerufen hat, könnte bis Ende des Jahrhunderts noch um 10 bis 15 Stundenkilometer stärker ausfallen.”, so Dr. Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüro am GKSS-Forschungszentrums Geesthacht.

Im Sommer ist bis Ende des Jahrhunderts bundesweit mit der stärksten Erwärmung zu rechnen. Parallel können sommerliche Niederschläge und Windgeschwindigkeiten innerhalb dieses Jahrhunderts in allen Bundesländern deutlich abnehmen. Es zeichnet sich ab, dass sich dieser Trend am stärksten in Baden-Württemberg vollzieht, hier kann je nach Entwicklung der Treibhausgasemissionen die sommerliche Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts zwischen 2,7 und 8,9°C liegen. Der Sommerniederschlag kann in diesem Bundesland zwischen 18 und 51% abnehmen. Geringere Windgeschwindigkeiten können die Belastung von Mensch und Umwelt durch sommerliche Hitze zusätzlich weiter verstärken. “Bereits jetzt wird beobachtet, dass wärmeliebende Arten zunehmen, darunter auch Krankheitsüberträger wie Zecken, die in immer höheren Lagen aufgefunden werden. Andererseits werden sich die Wintersportgebiete in den Mittelgebirgen, dem Schwarzwald und den tieferen Lagen der Alpen daran anpassen müssen, dass gute Wintersportbedingungen seltener werden”, so Dr. Hans Schipper vom Süddeutschen Klimabüro am Karlsruher Institut für Technologie.

Entstehung, Datengrundlage und Weiterentwicklung

Der Regionale Klimaatlas Deutschland ist ein gemeinsames Produkt der Regionalen Klimabüros in der Helmholtz-Gemeinschaft und wird fortlaufend aktualisiert und weiterentwickelt.

Grundlage des Regionalen Klimaatlas Deutschland sind für Deutschland verfügbare Klimarechnungen, die mit dynamischen regionalen Klimarechenmodellen durchgeführt wurden. Hierzu zählen bisher folgende Klimarechenmodelle: COSMO-CLM, das gemeinschaftliche regionale Klimarechenmodell von über 30 internationalen Forschungseinrichtungen, sowie REMO, das regionale Klimarechenmodell des Max-Planck-Instituts für Meteorologie und das regionale Klimarechenmodell des Schwedischen Wetterdienstes, RCAO. In die regionalen Klimarechenmodelle sind jeweils Szenarien unterschiedlicher Treibhausgaskonzentrationen eingegangen, die vom UN-Weltklimarat IPCC erstellt wurden. Bisher sind insgesamt 12 verschiedene Klimarechnungen in den Klimaatlas eingegangen. Die räumliche Auflösung der einzelnen Klimarechnungen liegt derzeit zwischen 50 und 10 km. Die Auswertung ist für jedes Bundesland gebietsmittelweise erfolgt.

Innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft widmen sich die vier Regionalen Klimabüros Fragestellungen zum Klimawandel auf regionaler Ebene. Mit dem Climate Service Center wird in der Helmholtz-Gemeinschaft das zentrale Service-Netzwerk für die bundesweite Klimaberatung aufgebaut.

Der Regionale Klimaatlas für Deutschland

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Wetter ist nicht Klima – Warum der Januar trotz Minusgraden den Wärmerekord bricht

Dienstag 23. Februar 2010 von birdfish

Schnee in Massen, anhaltende Minustemperaturen und das soll ein Wärmerekord sein?

Vereiste Ostsee
Vereiste Ostsee (c) Dagmar Struß

Nachdem noch vor wenigen Wochen das Jahr 2009 als das zweitwärmste Jahr, der vergangene November sogar als der wärmste November der letzten 130 Jahre vorgestellt wurden, haben seit Mitte Dezember Schnee, Eis und Wind weite Teile der Nordhalbkugel fest im Griff. Von Sibirien bis an die Westküste der USA erstreckt sich das Band der aktuellen Kältewelle. Flugzeuge bleiben am Boden, Dächer stürzen ein, Norddeutschland wird zum vorübergehenden Ski-Paradies und in den USA sitzen Hunderttausende während des “Snowmaggedons” im Dunkeln. Vor diesem Hintergrund und entgegen unserer Wahrnehmung mag die Nachricht überraschen, dass der Januar 2010 global einen neuen Wärmerekord aufgestellt hat.

Neueste Satellitenaufzeichnungen lassen keinen Zweifel zu: Innerhalb der letzten 32 Jahre waren die bodennahen Temperaturen im Januar noch nie so hoch wie in diesem Januar (0,72 Grad gegenüber dem 32jährigen Mittelwert). Nicht einmal im Januar des Jahres 1998, welches bis dato als das wärmste Jahr seit Beginn der meteorologischen Temperaturmessungen galt, wurde der Wert von 2010 erreicht. Diese Aussage wird zusätzlich noch durch die Boden- und Meeresstationen des staatlichen US-Wetterdienstes NOAA bestätigt, welche den Januar 2010 zum viertwärmsten Januar seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert zählt (0,6 Grad über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts).

Die Bestätigung des Temperaturtrends durch die Boden- und Meereswerte ist dabei insbesondere für viele Klima-Skeptiker lehrreich, die bis zuletzt an der Gültigkeit von Bodenmessungen zweifelten und die Erwärmung auf den Effekt städtischer Wärmeinseln zurückführten. Die in den aktuellen Messungen sichtbare Übereinstimmung ähnlicher Messungen mithilfe unterschiedlicher Methoden ist ein Beleg dafür, dass die Gültigkeit doch vorliegt.

Doch wie lässt sich der außerordentlich warme Januar weltweit erklären, obwohl hier zu Lande unsere Thermometer seit Wochen nun schon Fröstel-Werte anzeigen? Nun, zunächst einmal besteht unser Globus – und damit auch die für die globale Durchschnittstemperatur relevanten Gebiete – nicht nur aus den Landflächen Europas und der USA, sondern auch aus einer Südhemisphäre, auf der gegenwärtig ein außerordentlich starkes El-Nino-Phänomen die Temperaturen im Pazifik-Raum stark erhöht. Hinzu kommt, dass, während die durchschnittlichen Temperaturen in Deutschland mit -3,7 °C deutlich unter dem vieljährigen Mittelwert (-0,5°C) lagen2, unüblich hohe Temperaturen hingegen auf Grönland, der Arktis und Nordkanada gemessen wurden. So ist beispielsweise bei frühlingshaften 12 Grad in Vancouver – ganz zum Leid der Organisatoren – von Olympia-Atmosphäre bislang nur wenig zu spüren.

Ironischerweise scheint jedoch ein Etappenziel der Stadtväter bereits jetzt schon erreicht: Vancouver bis 2020 zur “grünsten Stadt der Welt” werden zu lassen. Dass dieses Ziel allerdings ausgerechnet mit Beginn der Winterolympiade erreicht würde, damit hatte man in Vancouver sicherlich nicht gerechnet. Ein sehr ähnliches Bild zeigt sich in der Arktis, wo nach einem Tiefstand im Herbst 2007 und einer anschließenden anfänglichen Erholung der arktischen Meereseisfläche Ende Januar 2010 ein erneuter Negativrekord erreicht wurde.

Die Ursache für die ungewöhnlichen Temperaturmuster auf der Nordhalbkugel ist vielschichtig und vor allem in einer seltenen, aber nicht einmaligen Anordnung der Tief- und Hochdruckgebiete über Island bzw. den Azoren zu suchen. Seit Wochen schon herrscht über den nördlichen Breiten (Island) ein höherer Luftdruck als über den Breitengraden Südeuropas. Die Folge ist, dass anstelle von normalerweise vorherrschenden milden Westwinden nun eiskalte arktische Luftmassen bis nach Westeuropa bzw. an die Ostküste der USA vordringen.

Ob diese Laune der Natur allerdings auch in Zukunft vermehrt auftreten wird, kann bislang nicht eingeschätzt werden. Im Gegenteil: Es werden aufgrund der erhöhten Treibhausgaskonzentrationen eher mildere Winter erwartet.

Fazit: Wer die aktuelle Kältewelle auf der Nordhalbkugel zum Anlass nimmt die globale Erwärmung in Frage zu stellen (siehe u.a. FOCUS-Titelthema im Januar 2010: “Fällt die Klimakatastrophe aus?”), verwechselt die Begriffe Wetter und Klima. Regional ungewöhnliche Wetterlagen weichen oftmals vom langjährigen Trend der Globaltemperatur ab. Global und über mehrere Jahrzehnte betrachtet ist der Aufwärtstrend der Temperaturen jedoch auch in 2010 ungebrochen. Vor dem Hintergrund eines starken El-Nino-Phänomens erwarten sowohl das britische MetOffice des Hadley Centers als auch das amerikanische Goddard Institute of Space Studies der NASA (GISS) sogar, dass dieses Jahr womöglich einen neuen Temperaturrekord setzen könnte.

Hier finden Sie das Germanwatch-Hintergrundpapier inkl. interessanter Abbildungen und Quellenangaben.

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Jahresringe deutscher Eichen verraten, wie das Sommerklima über 1000 Jahre aussah

Montag 15. Februar 2010 von birdfish

Schweizerische und deutsche Wissenschaftler haben unter Beteiligung der Universität Gießen erstmals anhand von Eichen-Jahrringen das Klima der letzten 1000 Jahre in Mitteleuropa untersucht.

Alte, stämmige Eiche
Alte, stämmige Eiche – (c) Rainer Sturm / Pixelio

953 historische und lebenden Eichen aus Nordhessen und Südniedersachsen wurden einer umfangreichen Untersuchung unterzogen.

Demnach lassen sich drei wichtige Etappen unterscheiden: Feucht-warme Sommer im 13. und 14. Jahrhundert (”Mittelalterliches Klimaoptimum”), trocken-kalte Sommer vom späten 15. bis ins frühe 18. Jahrhundert (”Kleine Eiszeit”) und trocken-warme Sommer in den letzten rund 200 Jahren (”Industrielle Erwärmung”).

Die Wissenschaftler konnten sich auf einen einmaligen Dateinsatz aus 135.000 individuellen Jahrring-Breitenmessungen aus den Jahren 996 bis 2005 berufen. In deutschen Wäldern wird das Eichenwachstum wesentlich durch Sommertrockenheit beziehungsweise durch das zur Verfügung stehende Bodenwasser beeinflusst: In trockenen Jahren sind die Ringe dünner. So ermöglicht synchrones Ringwachstum eine präzise Datierung historischer Holzproben. Die für eine Region und Periode typische Reihenfolge klimatisch gesteuerter Zuwachsmuster ist also vergleichbar mit einem genetischen Fingerabdruck.

Aus den Untersuchungen lasse sich keine Entwicklung zu stärker und länger andauernden Dürreperioden ableiten, betonen die Forscher, da es auch früher schon ähnliche lange Etappen mit bestimmten klimatischen Bedingungen gegeben habe.

Originalpublikation:
Büntgen U, Trouet V, Frank D, Leuschner HH, Friedrichs D, Luterbacher J, Esper J (2010): Tree-ring indicators of German summer drought over the last millennium. Quaternary Science Reviews
doi:10.1016/j.quascirev.2010.01.003

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Anpassungsstrategien weltweit – Beispiele für Maßnahmen als Pressespiegel

Freitag 12. Februar 2010 von birdfish

Der Klimawandel wird unsere Welt nachhaltig verändern.

Dürre in Afrika
Dürre und Überschwemmungen in den armen Ländern nehmen zu. – (c) Dieter Schütz / Pixelio

Während noch vielerorts am Ernst der bevorstehenden Veränderung gezweifelt wird, gibt es zahlreiche Staaten, Regionen und Städte auf der Welt, die über eine Legislaturperiode hinausdenken und Schutzmaßnahmen für die Zukunft ergreifen.

Während man sich in Deutschland z.B. zu Veränderungen in der Landwirtschaft oder Küstenschutz Gedanken macht, gibt es Staaten in der Welt, die der Klimawandel weit extremer zu schaffen macht. Einige sind durch Anstieg des Meeresspiegels vom Untergang bedroht, andere verlieren durch anhaltende Dürren ihre Ernährungsgrundlage.

Hier möchten wir einen Pressespiegel entstehen lassen, der über die deutschen Grenzen hinaus sieht und bemerkenswerte Maßnahmen zum Schutz gegen die Klimawandelfolgen dokumentiert.

Vorschläge hierzu werden gern entgegen genommen!


Singapurs Schutz vor den Fluten

Ein Damm staut das Wasser des Singapore River an seiner Mündung. So erhält die City ein einzigartiges Süsswasserreservoir und schützt sich vor dem steigenden Meeresspiegel.

Singapurs Wassermanagement gewinnt immer wieder internationale Preise, die Singapore International Water Week vom 28. Juni bis 2. Juli 2010 steht denn auch unter dem Motto: «Sauberes und erschwingliches Wasser». Beides ist in manchen südostasiatischen Metropolen eine unerreichbare Utopie.

Neue Zürcher Zeitung Online vom 07.02.2010


Stand 02/2010

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Klimaforschungsprojekt MarGate bietet ein Unterwasser-Experimentalfeld vor Helgoland

Montag 8. Februar 2010 von birdfish

Heute starten Wissenschaftler des Tauchzentrums der Biologischen Anstalt Helgoland ein für die Nordsee bislang einmaliges Projekt: “MarGate”, ein neuartiges Unterwasser-Experimentalfeld.

Krebslarve
Krebslarve – von Unterwasser-Zooplankton-Kamera aufgezeichnet – (c) AG Hirche / AWI

Wissenschaftler wollen dort in Zukunft mit modernsten Sensortechnologien meeresbiologische Daten zeitlich und räumlich hoch aufgelöst erfassen, die dann online über das Internet zur Verfügung stehen. So sollen klima- und anthropogen bedingte Veränderungen der Hydrographie und der Ökologie der Nordsee untersucht werden, um die Mechanismen von klimawandelbedingten Ökosystemveränderungen besser verstehen und modellieren zu können.

“MarGate” ist Teil der vom GKSS-Forschungszentrum Geesthacht koordinierten und innerhalb des Forschungsbereiches “Erde und Umwelt” der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren finanzierten Meeresforschungsinfrastruktur COSYNA. Neben dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft beteiligen sich mehrere küstennahe Forschungszentren und Universitäten Deutschlands. Damit wird eine moderne Infrastruktur geschaffen, die multi- und interdisziplinäres Arbeiten im Küstenbereich ermöglicht.

“Aufgrund der einmaligen Lage der Insel Helgoland weit vor der deutschen Küste, in Mitten der stark vom Klimawandel betroffenen Nordsee, sehen wir Helgoland als strategischen “Hot-Spot” der Meeresforschung”, so PD Dr. Philipp Fischer, wissenschaftlicher Leiter des Tauchzentrums des Alfred-Wegener-Instituts und Fischökologe an der Biologischen Anstalt Helgoland. “Das Projekt gibt uns die Möglichkeit, Experimente nicht nur im Labor, sondern unter Wasser direkt in der Nordsee über längere Zeiträume durchzuführen – was bisher nur mit Hilfe von großen und teuren Forschungsschiffen möglich war”, meint der überzeugte Wissenschaftstaucher. “Die Insel Helgoland als Standort bietet uns einmalige Möglichkeiten”, freut sich Prof. Karen Wiltshire, Direktorin der Biologischen Anstalt Helgoland, die zur Stiftung Alfred-Wegener-Institut gehört.

Um die Forschungswünsche der Wissenschaftler erfüllen zu können, wird das Experimentalfeld “MarGate” mit modernster Technik ausgerüstet. In Zusammenarbeit mit der GKSS wird es unter Wasser Hochgeschwindigkeits-Datenleitungsanschlüsse, so genannte “Datenknoten” geben, an denen – wie im Labor – Messgeräte und Sonden unter Wasser angesteckt und per Internet über längere Zeit ferngesteuert werden können. So ist beispielsweise geplant, Kleinkrebse mit einer Zooplankton-Kamera automatisch im Lebensraum aufzuzeichnen und zeitgleich Informationen über Temperatur und Salzgehalt des Wassers und die Verteilung von Nährstoffen zu erhalten. Diese Kombination von kontinuierlichen Messungen eröffnet neue Möglichkeiten, die Stoffflüsse im Meer aufzuzeichnen und die Nahrungsnetze zu analysieren.

Auch an die Stromversorgung ist gedacht: Unterwasser-Steckdosen sowie verschiedenste Möglichkeiten, wissenschaftliche Geräte auch bei Windstärke 12 unter Wasser sturmsicher zu verankern, sollen dort künftig erprobt und entwickelt werden. “Wir sehen MarGate nur als den ersten Schritt einer notwendigen Entwicklung, die Erforschung der Meere auch dorthin zu bringen, wo sich das Leben im Meer abspielt, nämlich unter Wasser”, meint Fischer. Um so ein Projekt nicht nur wissenschaftlich sondern auch praktisch umzusetzen, müssen nun jedoch zunächst die Grundstrukturen installiert werden: Jeweils sechs Tonnen schwere Tetrapoden aus Beton werden in bis zu zehn Meter Wassertiefe ausgebracht. Dies läuft in guter Zusammenarbeit mit Baufirmen und Ingenieuren, welche in der Lage sind, die Strukturen herzustellen und unter Wasser zielgenau zu positionieren.

Website zum Projekt COSYNA “Coastal Observing System for Northern and Arctic Seas” (engl.)

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Projekt berechnet Treibhausgasbilanz der EU und erfasst die verschiedenen Quellen

Mittwoch 27. Januar 2010 von birdfish

Der überwiegende Teil der europäischen Landfläche wird land- und forstwirtschaftlich genutzt.

Naturlandschaft
Landschaft in Frankreich – (c) Dagmar Struß / birdfish

Mit Blick auf den Klimawandel ist es daher von besonderem Interesse, wie viel Treibhausgase durch die Land- und Forstwirtschaft aufgenommen und gebunden beziehungsweise in die Atmosphäre abgegeben werden. Man spricht hier von Senken- bzw. Quellenfunktion. Eine der größten europäischen Forschungsanstrengungen zur Aufklärung dieser Mechanismen, das so genannte ‘GHG-Europe’-Projekt, wird in diesen Tagen auf den Weg gebracht. Koordiniert wird das Projekt, das mehr als 40 Arbeitsgruppen aus ganz Europa umfasst, vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Braunschweig.

Ehrgeiziges Ziel des Projektes ist es, die Treibhausgasbilanz Europas zu berechnen, die Größenordnung der verschiedenen Treibhausgasquellen und -senken zu erfassen und ihre regionale Verteilung und zeitliche Dynamik zu bestimmen. Dafür stellt die Europäische Union innerhalb der nächsten dreieinhalb Jahre fast 7 Millionen Euro zur Verfügung, weitere etwa 12 Millionen Euro fließen aus nationalen und universitären Mitteln in das Projekt. “Wir versuchen, die anthropogenen Faktoren wie die Landnutzung von natürlichen Faktoren wie dem Wetter und der Klimavariabilität zu trennen”, erläutert die Projektkoordinatorin Dr. Annette Freibauer vom Institut für Agrarrelevante Klimaforschung des von Thünen-Instituts. “Wenn wir die ablaufenden Prozesse besser verstehen, können wir eher abschätzen, welche Maßnahmen in der Land- und Forstwirtschaft ergriffen werden müssen, um deren positiven Effekt für die Klimabilanz auch für die Zukunft zu erhalten.”

Zum Auftakt des Projekts treffen sich Wissenschaftler aus über 40 europäischen Forschungseinrichtungen diese Woche in der italienischen Stadt Orvieto. Welche Ökosysteme werden am sensibelsten auf Klimaveränderungen reagieren? Welche Managementoptionen stehen in der Land- und Forstwirtschaft zu Verfügung, um Kohlenstoffsenken zu erhalten und Treibhausgasemissionen zu minimieren? Fragen dieser Art versucht ‘GHG-Europe’ zu beantworten.

In dem Projekt sollen die Erkenntnisse aus verschiedenen nationalen und internationalen Klimaforschungsprojekten zu einer integrierenden Gesamtbewertung zusammengefasst werden. Aufbauend auf den Messungen von über 100 kontinentalen Mess-Stationen, verteilt über alle Klimaregionen und Ökosysteme Europas, wird analysiert, welchen Beitrag die unterschiedlichen Landnutzungssysteme zu den Emissionen und Senken der drei wichtigsten Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4) leisten. Die Wissenschaftler bringen Langzeitmessungen aus ganz Europa zusammen und initiieren Treibhausgasmessungen in Regionen, die bisher kaum untersucht wurden, wie die osteuropäischen Wälder und die mediterrane Macchia (Strauchheide). Die Messwerte aus diesem Netzwerk an Beobachtungsstationen fließen in Computer-Modelle, um Vorhersagen über zukünftige Treibhausgasemissionen bei sich veränderndem Klima treffen zu können. Dazu werden auch sozioökonomische Modelle genutzt, um die Wechselwirkungen zwischen ökonomischer Entwicklung, Landnutzungsszenarien und Treibhausgas-Emissionen zu verstehen. “Zum ersten Mal in Europa werden in einem umfassenden Ansatz alle drei wichtigen Treibhausgase zusammen untersucht. Dies ist besonders wichtig, um die Rolle der Land- und Forstwirtschaft für den Klimaschutz zu verstehen”, sagt Annette Freibauer. So nehmen Wälder weltweit etwa ein Drittel der menschlichen Emissionen von Kohlendioxid auf. Diese Senke unterliegt aber starken jährlichen Schwankungen. In dem besonders warmen Sommer 2003 ging zum Beispiel die CO2-Aufnahme der Wälder in Europa fast auf Null zurück. Auf der anderen Seite werden Lachgas und Methan aus der Landwirtschaft und durch die Entwässerung von Mooren freigesetzt und kompensieren in Europa völlig die positive Rolle der Wälder für den Klimaschutz.

Hintergrund der Forschungen sind die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und die laufenden Verhandlungen für ein Post-Kyoto-Abkommen, in dem eine deutliche Verringerung der Treibhausgas-Emissionen festgeschrieben werden soll. ‘GHG-Europe’ will eine Gesamtklimabilanz möglich machen, in dem nicht nur die positiven Senkenleistungen der Biosphäre berücksichtigt sind, sondern auch die durch die Landnutzung und natürliche Quellen verursachten Treibhausgase. Für langfristige Klimaschutzbemühungen ist es unabdingbar zu verstehen, wie Ökosysteme auf den Klimawandel reagieren und wie sie dauerhaft klimafreundlich genutzt werden können. Das Projekt stellt damit sicher, dass Europa an vorderster Front der Klimaforschung bleibt.

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Meeresspiegelanstieg könnte verursachen, dass große Tiger-Population bald ausstirbt

Montag 25. Januar 2010 von birdfish

Eine der größten Tiger-Populationen der Welt könnte bis zum Ende des Jahrhunderts ausgestorben sein.

Indischer Tiger
Große Population des indischen Tigers könnte Aussterben – (c) Dieter Gutmann / WWF

Ihr Lebensraum, die Mangrovenwälder an der Küste von Bangladesch, ist nach den Ergebnissen einer vom WWF geleiteten Studie durch den vom Klimawandel verursachten Anstieg des Meeresspiegels bedroht.

„Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels nicht in den Griff bekommen, werden die Tiger in den Sundarbans nur mit Tauchausrüstung überleben können“, erklärt WWF-Tigerexperte Volker Homes. Auch wenn Tiger sowohl in den im Winter schneereichen Wäldern Russlands als auch im tropischen Regenwald überleben können. „Der von Wissenschaftlern prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels würde die Anpassungsfähigkeit des Tigers mit sehr großer Wahrscheinlichkeit überstrapazieren“, so Homes.

Wenn nicht sofort Schutzmaßnahmen ergriffen werden, könnten die Mangroven-Wälder mit all ihren Naturschätzen, die Millionen Menschen ernähren, innerhalb der nächsten 50 bis 90 Jahre untergehen, so das Ergebnis der Studie, die im „Climatic Change“ Journal erschienen ist. Ein Anstieg des Meeresspiegels um 28 cm über den Stand des Jahres 2000 würde 96 Prozent des Tiger-Lebensraumes zerstören und die Population auf wenige Exemplare minimieren.

Tiger sind weltweit bereits durch Wilderei und die Abholzung der Wälder bedroht. Ihr Verbreitungsgebiet ist im letzten Jahrzehnt um 40 Prozent geschrumpft. „Tiger werden für ihr Fell gejagt, ihre Knochen werden illegal für die traditionelle asiatische Medizin genutzt und jetzt werden sie auch noch von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht“, so Homes. „Wir befürchten, dass diese Vielzahl an Bedrohungen die majestätische Raubkatze an den Rand des Aussterbens bringen wird.“

Die Sundarbans sind die größten, zusammenhängenden Mangrovenwälder der Erde. Das UNESCO Weltnaturerbe verläuft entlang der Mündung des Ganges in Indien und Bangladesch. Sie sind nicht nur die Heimat für rund 200 Tiger, sondern auch für zahlreiche Arten von Reptilien, Fischen, Vögeln und Säugetieren.

Nach dem chinesischen Kalender beginnt am 14. Februar 2010 das „Jahr des Tigers“. Weltweit gibt es nur noch rund 3200 Tiger in der Wildnis. Die Umweltschutzorganisation hat sich das Ziel gesetzt, die Bestandszahl des Tigers in seinen wichtigsten Verbreitungsregionen bis zum Jahr 2022 zu verdoppeln.

Die Studie zu den Mangrovenwäldern Bangladeschs (PDF, engl.)

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Klimawandel erzeugt Anpassungsbedarf für Sachsen-Anhalt, wie eine Studie aufzeigt

Freitag 22. Januar 2010 von birdfish

Der Klimawandel könnte in einigen Regionen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt die Trockenheit im Sommer verschärfen und die Neubildung von Grundwasser mindern.

Weinanbau in Sachsen-Anhalt
Weinanbau in Sachsen-Anhalt – (c) J. Kropp

Das geht aus der PIK-Studie „Klimawandel in Sachsen-Anhalt“ vor, die diese Woche dem Landesumweltminister Hermann Onko Aeikens übergeben wurde.

Während die Forstwirtschaft zunächst profitieren könnte, muss in der Landwirtschaft mit leicht abnehmenden Erträgen gerechnet werden. Wasser könnte in Sachsen-Anhalt zu einer kostbaren Ressource werden.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat für Sachsen-Anhalt mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Regionen und Wirtschaftsbereiche untersucht. „Unabhängig von allen Bemühungen, die Klimaerwärmung durch die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen zu bremsen, ist ein Temperaturanstieg unvermeidbar und auch jetzt schon festzustellen“, sagte Aeikens. Das habe Auswirkungen auf viele wichtige Bereiche wie die Wasserverfügbarkeit und die Landwirtschaft. „Darauf müssen wir uns einstellen, ohne unnötig zu dramatisieren“, so Aeikens weiter.

Die Wissenschaftler vom PIK untersuchten, wie sich drei unterschiedliche globale Klimaszenarien auf Sachsen-Anhalt auswirken könnten. Dazu wurden die Projektionen für die Zeithorizonte 2025, 2055 und 2085 mit dem Referenzzeitraum 1961 bis 1990 verglichen. Die Studie zeigt auf, wo in den Bereichen Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz zukünftig Handlungsbedarf besteht.

Die Studie zeigt, dass der Klimawandel voraussichtlich im größten Teil des Landes – mit Ausnahme des Harzes – den Niederschlag vermindern und die Verdunstung aus Böden und Vegetation steigern wird. „Diese Veränderungen der Wasserverfügbarkeit erfordern ein nachhaltiges Management der vorhandenen Ressourcen“, sagt Jürgen Kropp, der Leiter der Studie. Wahrscheinlich wird künftig weniger Grundwasser verfügbar sein.

Grundwasserneubildung Sachsen-Anhalt

Mögliche Änderungen der Grundwasserneubildung [in Millimetern pro Jahr] im Jahr 2085 gegenüber dem Zeitraum 1961 bis 1990 im Elbe-Einzugsgebiet (links) und Sachsen-Anhalt. Quelle: PIK

„Der Waldbestand kann sich in der ersten Hälfte des Jahrhunderts wegen der verlängerten Wachstumsphase positiv entwickeln“, sagt Kropp. Nach 2070 kann die Produktivität der Pflanzen jedoch abnehmen. In der Landwirtschaft könne sich der Düngeeffekt einer erhöhten Konzentration von Kohlendioxid positiv auswirken und die Erträge steigern. Dies ist jedoch nur bei ausreichender Versorgung mit Nährstoffen gewährleistet. Zunehmender Wasserstress kann diese Zuwächse durchaus wieder zunichte machen. „Problemen dieser Art kann man sich jedoch, z.B. durch intelligentes Management, stellen“, sagt Kropp. In der Landwirtschaft sei das etwa die Auswahl geeigneter Sorten für den Anbau in einem trockeneren Klima.

Positiv könnte sich der Klimawandel auf den Weinbau auswirken. Höhere Temperaturen seien bessere Anbaubedingungen für Weintrauben. Die Winzer Sachsen-Anhalts könnten zudem ihr Rebsortenspektrum etwa um Sauvignon blanc erweitern.

„Die Ergebnisse der Vulnerabilitätsstudie werden nun in die Entwürfe von Anpassungsstrategie und Aktionsplan eingearbeitet“, sagt Minister Aeikens. Bereits während der Erarbeitung der Vulnerabilitätsstudie haben sich die Wissenschaftler des PIK intensiv mit Fachleuten im Land ausgetauscht. „Wir haben das Ziel, die beiden Endfassungen im 2. Quartal 2010 zu veröffentlichen. Ich betone aber auch, dass beides ‚lebendige’ Dokumente bleiben werden“, so Aeikens weiter. Wenn neue Erkenntnisse vorliegen, wird die Strategie angepasst. Neue Maßnahmen können auch weiterhin im Aktionsplan aufgenommen werden.

Studie: „Klimawandel in Sachsen-Anhalt“

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