KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Nachhaltigkeitsmanagement in öffentlicher Verwaltung wurde erstmalig untersucht

Donnerstag 11. März 2010 von birdfish

Das Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg hat in einer umfassenden Studie erstmals das Nachhaltigkeitsmanagement in der öffentlichen Verwaltung untersucht.
Nachhaltiges Bauen zahlt sich aus
Nachhaltiges Bauen zahlt sich aus – (c) C. Nöhren / Pixelio

“Die Studie skizziert Ansatzpunkte zur Beantwortung der Frage, wie öffentliche Einrichtungen mit Nachhaltigkeitsmanagement weit reichende Wirkungen für das Gemeinwohl erzielen können”, erläutert Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Leiter des CSM an der Leuphana. Beauftragt wurde das Lüneburger Forschungszentrum vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

Die Studie gibt nicht nur eine strukturierte Übersicht, sie benennt auch Herausforderungen, Handlungsfelder und Methoden zur Gestaltung eines Nachhaltigkeitsmanagements. Prof. Dr. Schaltegger ist überzeugt: “Die öffentliche Verwaltung von Bund, Ländern und Kommunen kann Vorreiter und Vorbild in Sachen nachhaltiger Entwicklung sein.” Zu den praktischen Beispielen für Methoden des Nachhaltigkeitsmanagements zählt etwa die Gestaltung einer nachhaltigkeitsgerechten Mobilität durch “klimaneutrale” Dienstreisen, umweltfreundliche Fahrzeugflotten oder gar die Vermeidung oder Reduzierung von Reisen überhaupt.

Handlungspotenzial sehen die Wissenschaftler des CSM auch beim Neu- oder Umbau öffentlicher Gebäude, denn auf diesem Gebiet könnten Innovationen angeregt und neue Standards gesetzt werden. Das Gebäude des Umweltamtes in Dessau zeige beispielsweise, dass energieeffizientes Bauen im öffentlichen Sektor durchaus möglich ist. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt für ein Nachhaltigkeitsmanagement findet sich im Bereich Personal. Angebote in der Weiterbildung oder Ziel- und Leistungsvereinbarungen sollten Ansporn und schließlich Wegbereiter für eine gemeinsame Wertvorstellung der Nachhaltigkeitskultur sein. Besonders wichtig dabei sei das Vorleben des Nachhaltigkeitsgedankens durch Führungspersonal (Leadership).

In dem rund 200 Seiten umfassenden Nachschlagewerk werden neben bereits in der öffentlichen Verwaltung implementierten Methoden auch Maßnahmen vorgestellt, die bisher vorwiegend aus der Praxis von Wirtschaftsunternehmen bekannt sind.

Publikation “Nachhaltigkeitsmanagement in der öffentlichen Verwaltung. Herausforderungen, Handlungsfelder und Methoden” (PDF)

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Drastische Kürzung bei klimafreundlicher Gebäudesanierung wird heftig kritisiert

Montag 1. März 2010 von birdfish

Schwarz-Gelb hat beschlossen, die Haushaltsmittel für klimafreundliche Gebäudesanierung gegenüber dem Vorjahr drastisch zu kürzen.

Gebäudesanierung spart Energie und CO2
Gebäudesanierung spart Energie und CO2 – (c) Rainer Sturm / Pixelio

Das rief beim NABU heftige Kritik hervor. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte am Mittwoch mit den Stimmen von Union und FDP beschlossen, nur noch 1,5 Milliarden Euro für die Gebäudesanierungsprogramme der staatseigenen KfW-Förderbank bereitzustellen. Im vergangenen Jahr standen noch 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung. „Wer bei energiesparenden Heizungen, Fenstern und Wänden knausert, spart am falschen Ende. Jeder investierte Euro zahlt sich hier mehrfach aus: durch zusätzliche Jobs, sinkende Heizkosten und weniger CO2-Ausstoß“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr müssten der Regierung mehr Klimaschutz in Gebäuden schon wert sein.

Um unsere Klimaschutzziele zu erreichen, müssen aus NABU-Sicht gerade beim Heizen der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoß kräftig sinken. Dazu sollte der Staat die Bürgerinnen und Bürger beim Dämmen und Modernisieren der Heizung unterstützen. Mit den Mitteln aus dem Bundeshaushalt hatte die KfW im vergangenen Jahr Maßnahmen für Wärmedämmung und erneuerbare Energien in über 500.000 Wohneinheiten unterstützt. Doch dies reicht nach Überzeugung des NABU noch nicht aus.

„Millionen alter Gebäude sind wahre Energieschleudern. Anspruchsvolle Standards für Energieverbrauch und CO2-Ausstoß darf es daher nicht nur für Neubauten geben“, erklärte NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. Für mehr energetische Sanierungen im Gebäudebestand brauche es eine Doppelstrategie aus Fördern und Fordern.

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Novelliertes Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien ist in Kraft getreten

Donnerstag 25. Februar 2010 von birdfish

Das novellierte Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien ist in Kraft getreten.

Wärmedämmung unterm Dach
Energieeffizienz für Häuser zahlt sich aus – (c) Viktor Mildenberger / Pixelio

Die wichtigsten Anpassungen betreffen den Effizienzbonus, der jetzt die neue EnEV berücksichtigt sowie Änderungen bei der Förderung von Wärmepumpen und den Kesselaustauschbonus, der rückwirkend zum 1. Januar 2010 wieder eingeführt wird.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Kesselaustauschbonus wieder eingeführt

Bei Erstinstallation einer thermischen Solaranlage zur Warmwasser- und Heizungsunterstützung und gleichzeitiger Umstellung auf einen Brennwertkessel wird der Kesselaustauschbonus gewährt. Die Höhe des Zuschusses wurde von 750 Euro auf 400 Euro gekürzt. Unterstützt die thermische Solaranlage nur die Warmwasserbereitung, wird kein Kesselaustauschbonus mehr gewährt.

Umwälzpumpenbonus

Der Einbau einer Umwälzpumpe der Effizienzklasse A wird bis zum 30. Juni 2010 zusätzlich mit 200 Euro gefördert.
Voraussetzung ab dem 1. Januar 2011 ist, dass alle geförderten Heizungsanlagen mit einer Umwälzpumpe der Effizienzklasse A ausgestattet sind.

Wärmepumpenförderung im Bestand

Der Zuschuss beträgt für Wohn- und Nichtwohngebäude 20 Euro pro Quadratmeter beheizter Nutzfläche. Ab sofort gelten jedoch neue Höchstbeträge, die nach der Anzahl der Wohneinheiten gestaffelt sind. Die maximale Förderung z. B. für ein Einfamilienhaus beträgt jetzt 2.400 Euro, bisher 3.000 Euro
Die Förderung von elektrisch betriebenen Luft/Wasserwärmepumpen liegt weiterhin bei 10 Euro pro Quadratmeter beheizter Nutzfläche.

Effizienzbonus

Die Anforderungen an die Gewährung des Effizienzbonus bei energieeffizienten Wohngebäuden werden an die EnEV 2009 angepasst und ab dem 1. Juli um 15% verschärft.

Zielgruppe

Die Zielgruppe wurde um land- und forstwirtschaftliche sowie gartenbauliche Betriebe erweitert.

Quelle: BINE Informationsdienst – Energieforschung für die Praxis (Fachinformationszentrum Karlsruhe des Leibniz-Instituts)

Weitere Infos finden Sie unter www.energiefoerderung.info in der Rubrik Förderprogramme des Bundes.

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Traditionelle Baustoffe sollen Neubewertung in Bezug auf Klimaschutzkriterien erfahren

Donnerstag 18. Februar 2010 von birdfish

Die internationale Baufachmesse Bautec 2010 in Berlin befasst sich auch mit Klimaschutzeigenschaften von Baumaterialien.

Bauen mit Holz
Bauen mit Holz – (c) Rainer Sturm / Pixelio

Aus diesem Anlass fordert die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) eine „offensive Neubewertung“ traditioneller Baustoffe wie Holz, Beton, Stein oder auch bestimmte Kunststoffe. “Die Diskussion über die Verwendung von Baumaterialien kann heute vor dem Hintergrund des Klimaschutzes zu neuen Ergebnissen kommen. Wenn die Bewertung bereits vor Jahrzehnten ohne das Wissen über die Klimaerwärmung erfolgte, können in Vergessenheit geratene Materialien, wie zum Beispiel Plexiglas, wieder ausgesprochen attraktiv werden. Damit eröffnen sich der Architektur auch neue Potentiale in der Verbindung von Klimaschutz mit Ästhetik”, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Resch begrüßte, dass die Bautec 2010 dem „Zukunftsfeld Bauen und Energie“ ein immer größeres Gewicht beimesse. Gerade nach dem ernüchternden Stillstand der internationalen Klimadiplomatie nach der gescheiterten Weltklimakonferenz in Kopenhagen seien jetzt alle Branchen aufgerufen, energiesparende Innovationen und wirtschaftlichen Erfolg zu verbinden. Angesichts der Schwierigkeiten der Politik, den internationalen Klimaschutz zu beschleunigen, wachse die Verantwortung der Industrie, selbst aktiv zu werden.

Resch erinnerte daran, dass 90% der in privaten Haushalten eingesetzten Energie auf Heizen und Warmwasserbereitung entfallen. Wer mittel- und langfristig beim Klimaschutz erfolgreich sein wolle, müsse hier ansetzen. Der politische Rahmen wurde zuletzt 2009 mit der Verabschiedung des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes und der Novellierung der Energieeinsparverordnung gesetzt. Um die rechtlichen Vorgaben zu erfüllen und beispielsweise bis 2020 das Nullenergiehaus zum Standard bei Neubauten zu machen, müsse die Bauwirtschaft insbesondere praktikable, kosten- und energieeffiziente Innovationen in der Gebäudehülle entwickeln. Dies sei die Voraussetzung für den effizienten Einsatz erneuerbarer Energien und anderer fortschrittlicher Technologien für Raumwärme und Warmwasserbereitung.

Dabei geht es nach Überzeugung der DUH nicht immer um exotische Neuentwicklungen. Holz zum Beispiel ist nicht nur ein traditioneller ästhetischer Baustoff, sondern auch ein Material mit guten Wärmedämmeigenschaften und dazu ein CO2-Speicher für die mittlere Frist. Auch Kunststoffe wie Plexiglas weisen viele unter Klimaschutzgesichtspunkten positive Eigenschaften auf, die richtig eingesetzt ein hohes Einsparpotential bieten. Sie sind lichtdurchlässig, witterungsbeständig, bruchfest, sehr leicht, haben eine sehr lange Lebensdauer und lassen sich einfach bearbeiten und formen. Durch die Kombination dieser Attribute können neue Einsatzgebiete erschlossen werden, zumal bestimmte Kunststoffe in der Gebäudehülle oft bessere Isolationswerte erreichen als klassisches Glas. Der Traditionswerkstoff Plexiglas eignet sich deshalb besonders für den Einsatz im Bereich von Ober- und Unterlichtern, Dach- und Fassadenelementen. So können kostengünstig erhebliche Energieeinsparungen erreicht werden, bei gleichzeitiger Verbesserung des Raumklimas und der Wohnqualität.

„Manchmal gilt das vielzitierte Goethe-Wort: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, sagte Resch. „Traditionelle Materialien können unter den Bedingungen des Klimawandels eine regelrechte Renaissance erfahren“. Dieses anzuerkennen wäre nebenbei auch ein Beleg für die Innovationskraft und ein Umdenken der Baubranche. „Altbekanntes neu entdecken, kann fortschrittlich sein“, ist Resch überzeugt.

Die Deutsche Umwelthilfe hat deshalb ein Projekt ins Leben gerufen, um die konkrete Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben bei Energie- und Emissionseinsparungen im Gebäudebereich unter dem Aspekt der eingesetzten Baumaterialien aktiv zu begleiten. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband fordert im Zuge dieses Projekts, innovative Baustoffe zu fördern, die nicht immer unbedingt „Neuerfindungen“ sein müssen. Das Beispiel Plexiglas zeige, dass manche in den Hintergrund getretenen Baumaterialien nur wiederentdeckt werden wollen.

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Trotz steigender Energiepreise zögern die Eigenheimbesitzer bei Gebäudesanierung

Donnerstag 11. Februar 2010 von birdfish

Trotz steigender Energiepreise sind viele Hauseigentümer zurückhaltend bei der energetischen Sanierung ihrer Gebäude.

Wärmedämmung unterm Dach
Der Energie-Einspar-Faktor wird oft verkannt – (c) Viktor Mildenberger / Pixelio

So das Ergebnis einer Befragung von 1000 Ein- und Zweifamilienhausbesitzern, die das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) geleitet hat. Über 60 Prozent der befragten Gebäudesanierer sind der Ansicht, dass ihr Gebäude in einem guten Zustand sei und keine weiteren energetischen Maßnahmen erfordere. “Es ist dramatisch, wie viele Hausbesitzer ihre Lage verkennen”, so Dr. Immanuel Stieß vom ISOE. “Viele Energieeinsparpotenziale liegen schlicht aufgrund mangelnden Problembewusstseins brach. Das ist nicht nur schädlich fürs Klima, sondern belastet die Bewohner durch unnötig hohe Energiekosten.”

Das Wissenschaftlerteam befragte Eigenheimbesitzer, die in den letzten vier Jahren Sanierungsmaßnahmen an ihren Häusern durchgeführt hatten. Deutlich wird, dass wirtschaftliche Barrieren nicht der einzige Grund für geringe energetische Sanierungsraten sind. “Bisher wurde der Fokus stark auf finanzielle Förderung gelegt. Unsere Befragung zeigt nun, dass die Gebäudesanierungsprogramme zwar ein wichtiger Baustein sind. Doch sind sie allein nicht ausreichend, um den Energieverbrauch in den Haushalten zu reduzieren”, so Stieß weiter.

Vielmehr zeigt die Untersuchung, dass viele Hausbesitzer angesichts der zahlreichen Fragen, die eine energetische Sanierung aufwirft, abgeschreckt sind und untätig bleiben. In dem Forschungsprojekt “Energieeffiziente Sanierung von Eigenheimen” (Enef-Haus) wird daher erforscht, wie beispielsweise die Erstenergieberatung von Eigenheimern optimiert werden kann, um in höhere Sanierungsraten zu münden. Stieß: “Viele Hausbesitzer stehen einer professionellen Beratung positiv gegenüber. Von einem kompetenten Berater an die Hand genommen zu werden – vom Erstgespräch bis hin zur Investitionsentscheidung – erleichtert die Entscheidung für viele.”

Um mehr maßgeschneiderte Informationsangebote zu ermöglichen, haben die Forscher die Handlungsmotive und -hemmnisse der Eigenheimsanierer untersucht. Die Befragung zeigt, dass die aktivsten Sanierer in der Gruppe der 50- bis 70-Jährigen zu finden sind, während bei den 30- bis 50-Jährigen die Anteile deutlich geringer sind. Neben dem Alter unterscheiden sich die Hausbesitzer auch in Ihren Zielen und Einstellungen hinsichtlich der Sanierung sowie in der Art der durchgeführten Maßnahmen. Im Ergebnis präsentieren die Forscher eine Einteilung der Hausbesitzer in fünf Typen vom “desinteressiert Unwilligen” bis hin zum “überzeugten Energiesparer”.

“In Zukunft muss es verstärkt darum gehen, maßgeschneiderte Instrumente für diese unterschiedlichen Zielgruppen zu erstellen”, so Dr. Julika Weiß vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Daher wird das IÖW im Projekt Enef-Haus geeignete Beratungs- und Förderinstrumente für die identifizierten Sanierer-Typen ausarbeiten. “Denn mit Förderung per Gießkannenprinzip können energetisch anspruchsvolle Sanierungen nur schwer erreicht werden”, sagt Weiß.

Hier finden Sie die Studie “Handlungsmotive, -hemmnisse und Zielgruppen für eine energetische Gebäudesanierung” (PDF)

Hier finden Sie die Website des Projektes „ENEF-Haus – Energetische Modernisierung von Ein- und Zweifamilienhäusern”

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CO2-arme Klimaanlage: kühle oder warme Raumluft durch Sonnenenergienutzung

Mittwoch 10. Februar 2010 von birdfish

Das Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik im Fachbereich Maschinenbau der Uni Kassel hat ein effektives Sorptionsspeichersystem entwickelt.

Sorptionsanlage
Sorptionsanlage macht Sonnenenergie effektiver – (c) Uni Kassel

Das System, das auf chemischem Wege unter Ausnutzung und Speicherung von Sonnenenergie die Raumluft je nach Bedarf erwärmt oder kühlt, arbeitet mit weniger Energieaufwand und geringerem Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids als herkömmliche Heizungsanlagen.
Die Wissenschaftler haben sich diese Erfindung zweifach patentieren lassen. Bis 2013 wird diese Arbeit vom Bundesministerium für Forschung und Entwicklung mit 680.000 Euro gefördert. Sie ist Teil des bundesweiten Klimzug-Projekts des Bundesministeriums für Forschung und Entwicklung, das Strategien gegen den Klimawandel sucht.

Die Beheizung von Niedrigenergie- und Passivhäusern wird oft durch die Kraft der Sonne unterstützt. Sonnenkollektoren auf den Hausdächern erhitzen Wasser, das seine Wärme wiederum an die Raumluft abgibt. Damit kann bis zu einem Drittel des Wärmebedarfs eines Einfamilienhauses für Trinkwarmwasser und Raumheizung abgedeckt werden. Das Problem dabei: Im Sommer scheint die Sonne so häufig, dass ein Großteil ihrer Energie ungenutzt verpufft. Im Winter, wo gerade viel Wärme benötigt wird, scheint die Sonne wenig. Bisher gab es keinen Weg, die von den Kollektoren erzeugte thermische Energie für den Winter zu speichern. Denn selbst bei sorgfältigster Isolierung eines Speichertanks wird das von der Sonne erhitzte Wasser nach relativ kurzer Zeit kalt. Die Erwärmung der Raumluft muss daher mit stromhungrigen Wärmepumpen oder elektrischen Heizstäben verstärkt werden.

Sonnenenergie wird mittels Sorptionsspeicheranlage chemisch gespeichert

Für dieses Problem haben die Kasseler Forscher des von Professor Dr. Klaus Vajen geleiteten Fachgebiets Solar- und Anlagentechnik unter Federführung des Diplom-Ingenieurs und Doktoranden Roland Heinzen eine Lösung gefunden: Die Sonnenenergie wird mittels einer Sorptionsspeicheranlage chemisch gespeichert. Das geschieht mittels eines an der Universität entwickelten, neuartigen Absorbers, in dem ein Energieaustausch zwischen durchströmender Raumluft und einer Salz-Wasser-Lösung stattfindet. Die so erhitzte Luft gibt ihre Wärme dann mittels eines Wärmetauschers an den Zuluftkanal des Hauses ab.

Die Forscher machen sich dabei zwei, an sich einfache, Prinzipien zunutze. Wird der Luft Feuchtigkeit entzogen, so verwandelt sich der in der Luft enthaltene Wasserdampf in Wasser. Bei diesem Übergang vom gasförmigen in den flüssigen Zustand (Kondensation) wird Energie frei. Die Luft wird wärmer. Verdunstet Wasser dagegen, so wird dabei Energie verbraucht. Die Luft kühlt ab. Die Wissenschaftler entziehen in dem Absorber der Raumluft mithilfe einer hochprozentigen Lithiumchlorid-Salzlösung die Feuchtigkeit. Dadurch wird die Lösung natürlich immer wässriger, ihr Vermögen, mittels Kondensation die Luft zu erwärmen, lässt nach. Deshalb wird der Salzlösung mithilfe der von den Sonnenkollektoren erzeugten warmen Luft in einem so genannten Regenerator wieder das Wasser entzogen. Danach kann sie von neuem Wärme “erzeugen”. So wird die Sonnenenergie verlustfrei in einem stetigen Kreislauf in der Salzlösung gespeichert.

Der neu entwickelte Absorber ist nach den Worten von Heinzen in der Lage, die Lufttemperatur um bis zu 10° Celsius zu erhöhen. Es sei mit der Neukonstruktion gelungen, den Wirkungsgrad gegenüber herkömmlichen Anlagen deutlich zu erhöhen, sagt der Wissenschaftler. Das gelingt mit einem ausgeklügelten System: In einem Kunststoffkasten, den die zu erwärmende Luft durchströmt, werden 50 mit High-Tech-Textilien bespannte Rahmen dicht an dicht nebeneinander gesetzt und dann von oben mit einem Kanalsystem mit Salzlösung benetzt. Das muss variabel geschehen. Denn zum Heizen braucht der Absorber wenig Salzlösung. Als Klimaanlage mit vorgeschaltetem Verdunstungskühler für die heißen Tage benötigt er einen richtigen Schwall Salzwasser. Die Architektur ähnele dem Versuch, “einen einzigen Wassertropfen auf einer ganzen Tischplatte zu verteilen”, sagt Heinzen, der seit vier Jahren an dem Thema forscht und vor zwei Jahren die Firma fSave-Solartechnik als Ausgründung der Universität mit aufgebaut hat. Der Absorber ist nicht nur sehr kompakt und wirkungsstark. Er gebe auch kein Salz an die Raumluft ab, was bei herkömmlichen Anlagen selten zu vermeiden sei, sagt der Wissenschaftler.

Die neuartige Sorptionsspeicheranlage wird in das Abluft- und Zuluft-System des Hauses integriert. Um dem Hausherrn Platz zu sparen, haben die Forscher einen Zweiphasen-Speicher entwickelt: Hoch- und niedrigprozentige Salzlösung aus dem Wärmekreislauf finden in einem einzigen, etwa vier Kubikmeter fassenden Kunststoffbehälter Platz. Die Flüssigkeiten sind in dem Tank durch eine Membran getrennt.

Bis zur Marktreife der Anlage, die dieses Jahr erst im Labor des Fachgebiets getestet wird, ist noch ein weiter Weg. Man habe ein Unternehmen aus der Region gefunden, das einen weiteren Prototyp bauen will, sagt Heinzen. Der Absorber soll dann im Rahmen eines Feldtests in der Außenstelle Witzenhausen der Universität Kassel unter anderem zum Trocknen von Heilkräutern und Obst eingesetzt werden. Danach werde man eine größere Sorptionsspeicheranlage auf der Staatsdomäne Frankenhausen bauen, kündigt der Wissenschaftler an.

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Die Vernichtung von Vegetationsflächen ist ein Hauptfaktor für die Erderwärmung

Sonntag 6. Dezember 2009 von birdfish

Jeden Tag werden weltweit 350 Quadratkilometer Wald vernichtet, 150 Quadratkilometer gehen durch Urbanisierung verloren.

Wälder kühlen das Klima
Wälder kühlen das Klima – (c) Ingwer Hansen

Die Wüstenbildung schreitet täglich mit 300 Quadratkilometern voran. Diese 800 Quadratkilometer entsprechen in etwa der Fläche Berlins.
“Auf den Klimawandel hat die Verringerung der Vegetationsflächen enorme Auswirkungen”, sagt der Landschaftsplaner Dr. Martin Buchholz von der Arbeitsgruppe “Watergy” am Institut für Architektur der TU Berlin. “Durch die Vernichtung von Vegetationsflächen und durch Nutzungswandel kommt es zu einer immer stärkeren Abnahme der Verdunstungskühlung auf der Erdoberfläche.”

Für Martin Buchholz, Marco Schmidt und eine Gruppe slovakischer, tschechischer und weiterer deutscher Forscher ist die Abnahme dieser Verdunstungskühlung der Hauptfaktor für die Klimaerwärmung neben dem Kohlendioxidausstoß. Auf einer im slovakischen Košice am 1. Dezember 2009 veranstalteten Konferenz “Eine neue Initiative für die Regeneration des Klimas” haben sie ein gemeinsames Protokoll verabschiedet, dass den Fokus legt auf die Vorgänge des Wasserhaushalts in der Natur, also der Verdunstung und Kondensation von Wasser als klimastabilisierender Faktor. “Der Einfluss von Wasser und Vegetation auf den Klimawandel wird in der gegenwärtigen Debatte um den Klimaschutz zu wenig berücksichtigt”, so Martin Buchholz und Marco Schmidt.

“Jeder Mensch kennt das Phänomen der Verdunstungskälte, wenn man bei hochsommerlichen Temperaturen nach dem Baden trotzdem fröstelt”, sagt Martin Buchholz und fährt fort: “So wie Wasser auf den Wasseroberflächen der Meere, Seen und Flüsse verdunstet, verdunsten auch Pflanzen Wasser. Und mit jedem Kubikmeter, der etwa durch zwei bis drei große Bäume am Tag verdunstet wird, kann der Umgebung 680 Kilowattstunden Energie (das entspricht der Energiemenge von rund 60 Litern Heizöl) entzogen werden.” Diese Energie verschwinde aber nicht, sondern werde bei der Kondensation des Dampfes in der Atmosphäre als Wärme wieder freigesetzt. Wenn aber Flächen übernutzt, entwässert oder versiegelt und Wälder abgeholzt würden, also Vegetation verschwinde, könne kein Wasser mehr verdunsten und die Kühlung setze aus. Die Sonnenstrahlung werde nicht mehr wie zum Beispiel im Wald zu 80 Prozent in Verdunstungskälte umgewandelt, sondern in fühlbare – oder wie die Wissenschaftler sagen – in sensible Wärme. Die fehlende Verdunstung und die trockenen, überhitzten Flächen führen wiederum zu weniger Niederschlägen, wodurch der klimatische Effekt mehrfach verstärkt wird.

“Da die mangelnde Verdunstung durch die Degradierung oder Zerstörung von Vegetationsflächen, die wiederum durch ökonomisches Handeln, zum Teil auch durch Armut verursacht werden, maßgeblich für den globalen Klimawandel verantwortlich ist, müssen wir uns viel stärker über Maßnahmen für eine nachhaltige Landnutzung und deren Optimierung Gedanken machen”, sagt Marco Schmidt. Die Begrünung von Dächern und Fassaden, um zum Beispiel urbane Gebiete wie Städte zu kühlen, sei eine von vielen Möglichkeiten.

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Städte tun zu wenig gegen Klimawandel – Regierungen müssen Weichen stellen

Donnerstag 26. November 2009 von birdfish

Die Mehrheit aller Nationalregierungen hat noch immer keine Strategie, die Ausrichtung ihrer Städte auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu fördern.

Stadtbegrünung in HamburgStadtbegrünung in Hamburg – (c) Bernd Sterzl / Pixelio

Dabei gehen weltweit rund 70% aller CO2-Emissionen auf das Konto von Städten. Daher sollte ein Querschnittsressort auf Regierungsebene geschaffen werden, das die Klimarelevanz jeder Regierungsentscheidung mit Blick auf die Städte überprüfen und notfalls korrigieren kann. Nur so könne verhindert werden, dass Nationalregierung und Städte beim Klimaschutz aneinander vorbei arbeiten, so das Ergebnis der Expertenkommission “Städte und Klimawandel” des World Future Council und der Hamburger HafenCity Universität, die jetzt in Hamburg tagte.

Entscheidend dabei ist, dass nicht nur energiepolitische Entscheidungen unmittelbare Rückwirkung auf den CO2-Fußabdruck einer Stadt haben. “Vor allem in den Entwicklungsländern ist Armutsbekämpfung und Bildung für den Klimaschutz ebenso wichtig wie der Ausbau Erneuerbarer Energien, da das drohende Welt-Bevölkerungswachstum ansonsten jeden Klimaschutzplan zunichte machen kann”, so das Gremium in seiner abschließenden Erklärung. Zu den Mitgliedern des zwanzigköpfigen internationalen Expertengremiums gehören unter anderen der Präsident der internationalen Naturschutzorganisation IUCN, Dr. Ashok Khosla, der Leiter der Klimaabteilung der UN-Organisation UN-Habitat, Nicholas You, der anerkannte Erneuerbare Energien Experte Dr. Eric Martinot, der indische Stararchitekt Sanjay Prakash sowie der Hamburger Architekt Prof. Dr. hc. mult. Meinhard von Gerkan an.

“Bei dem Thema nachhaltiger Stadtplanung tappen die meisten Nationalregierungen im Dunkeln”, sagt Prof. Herbert Girardet, Programmdirektor des World Future Council. “Die Stadtregierungen haben aber häufig nicht das Mandat, dringend notwendige verbindliche Klimaschutzmaßnahmen allein zu ergreifen. Diese Verantwortlichkeitslücke muss dringend geschlossen werden, wenn man es ernst meint mit dem Klimaschutz.”

Im Rahmen seines dritten Zusammentreffens präsentierte das Expertengremium darüber hinaus einen Report mit konkreten Handlungsempfehlungen, wie Städte in den Industriestaaten ihr Transportwesen nahezu klimaneutral gestalten können.

Der World Future Council setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein. Seine 50 Mitglieder kommen aus Politik, Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur – und von allen fünf Kontinenten. Der Rat identifiziert mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern, Parlamentariern und Umwelt-Organisationen weltweit zukunftsweisende Politikansätze und fördert ihre Umsetzung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene.

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