KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Fluggesellschaften Europas wollen im Jahr zwei Millionen Tonnen Agrarsprit einsetzen

Montag 4. Juli 2011 von birdfish

EU-Fluggesellschaften wollen den Anteil von Agrarkraftstoffen im Flugverkehr erhöhen.

Vermeintlich umweltfreundlicher Sprit ist ökologischer Unsinn
Vermeintlich umweltfreundlicher Sprit ist ökologischer Unsinn – Foto: Dagmar Struß

Bis 2020 sollen jährlich zwei Millionen Tonnen eingesetzt werden. Dies sind 3,7 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs im Flugverkehr.

Auf dieses Ziel verständigten sich Fluggesellschaften mit Agrarkraftstoffproduzenten, darunter Lufthansa, Airbus, Air France und Neste Oil. Agrarkraftstoff ist seit langem hoch umstritten. Friends of the Earth Europe berechnete, dass zur Erfüllung bis zu 3,5 Millionen Hektar Land, also eine Fläche von der Größe Belgiens, benötigt würde. Es sei mit schweren Umweltschäden zu rechnen.

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Energiemais-Anbau zerstört Landschaft – Biomasseförderung muss geändert werden

Dienstag 22. Februar 2011 von birdfish

Bei der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) muss aus Sicht des NABU der weitere Umbau unserer Stromversorgung vorangetrieben, aber auch die massiven Fehlentwicklungen im Bereich der energetischen Biomassenutzung korrigiert werden.

Biomasse: Energiemais zerstört die Landschaft
Energiemais zerstört die Landschaft – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

So stieg allein die Anbaufläche für Energiemais innerhalb von sechs Jahren von 70.000 Hektar auf über 600.000 Hektar in 2010 an. „Die Förderung von Biogasanlagen über das EEG hat zur Ausweitung des Maisanbaus geführt, verbunden mit drastischen Auswirkungen auf das Landschaftsbild und den Naturhaushalt. Sie gilt damit als einer der Haupttreiber für den klimaschädlichen Umbruch von Grünland“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Ziel müsse sein, die Förderung von Energiepflanzen an klare Umweltauflagen zu koppeln und zugleich Reststoffe stärker zu berücksichtigen.

Der NABU schlägt vor, die Biogaserzeugung im künftigen EEG im Wesentlichen nur noch über zwei Instrumente zu steuern. Ein neu einzuführender Umweltbonus solle gezielt natur- und umweltverträglich erzeugte Anbaubiomasse wie Mischkulturen und Kleegras sowie Landschaftspflegematerial unterstützen. Mit einem Reststoffbonus würden neben Bioabfällen vor allem standortangepasste Anlagen zur Verwertung der Gülle in der Landwirtschaft gefördert. Im Gegenzug könnten der Bonus für nachwachsende Rohstoffe und weitere Zusatzvergütungen abgeschafft werden. „Nur wenn neben Klimaschutz und Versorgungssicherheit auch dem Natur- und Ressourcenschutz Rechnung getragen wird, kann eine breite Akzeptanz für erneuerbare Energien erhalten werden”, so Leif Miller.

Angesichts der zunehmenden Nutzungskonkurrenzen könne es nicht mehr darum gehen, immer mehr Biomasse zu verstromen. Die Stromeinspeisung sollte sich stärker auf die Zeiten konzentrieren, an denen Wind- und Solarenergie nicht ausreichend zur Verfügung stehen oder die Nachfrage besonders hoch ist. Dazu müssten entsprechende Lagerkapazitäten für die Rohstoffe, Biogasspeicher und zusätzliche Motorkapazitäten geschaffen werden. „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel für eine bedarfsgerechte Nutzung der Biomasse zur Stromerzeugung, ohne dass dafür insgesamt wesentlich mehr Rohstoffe als heute verbraucht werden müssen“, forderte NABU-Bundesgeschäftsführer Miller.

Hintergrundpapier des NABU zur EEG-Novelle

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Torfmoose: Alternative zum Weißtorf und Chance für Hochmoore und Klimaschutz

Montag 24. Januar 2011 von birdfish

Biomasse von Torfmoosen eignet sich aufgrund ihrer Eigenschaften als Kultursubstrat und damit als potenzieller Torf-Ersatz im Gartenbau.

Torfmoosanbau im kleinen Maßstab
Torfmoosanbau im kleinen Maßstab – Foto: Greta Gaudig / Uni Greifswald

Mit dem Anbau von Torfmoosen könnte man zudem degradierte Hochmoor-Standorte aufwerten und Treibhausgasemissionen reduzieren. Inwieweit dieser Ansatz im großflächigen, betriebswirtschaftlichen Maßstab umsetzbar ist, soll nun ein dreijähriges Vorhaben der Universitäten Greifswald und Rostock mit zwei Praxispartnern klären.
Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) als Projektträger.

Deutschland ist europaweit der größte Verbraucher von Torf und Hersteller von Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau. Doch die Vorräte an diesem Rohstoff sind in West- und Mitteleuropa nahezu erschöpft, deshalb importiert die Branche ihn zunehmend aus Nord- und Osteuropa – was wiederum die Existenz der dortigen Hochmoore bedroht. Eine Alternative wäre die Nutzung degradierter Hochmoorflächen in Deutschland für den Anbau von Torfmoosen (Sphagnum), deren Biomasse ähnliche physikalische und chemische Eigenschaften wie Weißtorf besitzt und als Kultursubstrat für den Gartenbau geeignet ist.

Ein solcher Anbau im größeren Stil wäre ein Beitrag zum Klimaschutz, denn in herkömmlich landwirtschaftlich genutzten Mooren mineralisiert der entwässerte Torf und setzt so große Mengen an gespeichertem Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid frei. Entwässerte Moore verwandeln sich so von Kohlenstoffsenken zu Emittenten erheblicher Mengen an CO2 und Lachgas. Für den Anbau von Sphagnum hingegen würden die Standorte gezielt wiedervernässt, die Mineralisierung des Torfs und die Freisetzung von CO2 damit stark verringert. Dies ginge einher mit einer zumindest partiellen Wiederbelebung des Hochmoor-Charakters durch das Wiederansiedeln von Torfmoosen und damit von standorttypischen, teilweise seltenen Tier- und Pflanzenarten. Damit wäre die Torfmoos-Kultur eine interessante Alternative für die Landwirtschaft, denn die Böden trockengelegter Moore degradieren und eignen sich im Laufe der Zeit immer weniger als Acker oder Weideland. Zusätzlich stünde mit dem Torfmoos als Kultursubstrat ein neues, nachhaltig produziertes Produkt zur Vermarktung zur Verfügung.

Im Gewächshaus und auf einer kleinen Fläche im Freiland war die Torfmoos-Anzucht im Rahmen eines 3-jährigen, ebenfalls vom BMELV geförderten Vorläufer-Projektes bereits erfolgreich. Das dort gewonnene Torfmoos-Substrat eignete sich außerdem sehr gut zur Kultivierung verschiedener Zierpflanzen, darunter Weihnachtssterne und Alpenveilchen. Nun wollen die Projektpartner die Ergebnisse auf zwei 1,5 Hektar großen Versuchsflächen im niedersächsischen Hankhauser Moor übertragen. Die Standorte sind entwässerte Hochmoorflächen, die bislang als intensives Grünland genutzt wurden.

Sollte der weltweit einmalige Feldversuch erfolgreich verlaufen, plant einer der Praxispartner eine kommerzielle Nutzung des Ansatzes.

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BfN sieht Energieholzplantagen auf Grünlandflächen äußerst kritisch

Freitag 21. Januar 2011 von birdfish

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist die Anlage von Energieholzplantagen auf Grünlandflächen kritisch zu bewerten, wenn dabei wertvolle Lebensräume zerstört werden.

Kiebitz: fast verschwunden
Fast verschwunden: der Wiesengänger Kiebitz – Foto: Jala 7 / Pixelio

Das BfN wendet sich aber nicht grundsätzlich gegen Energieholzplantagen, sofern diese neben einer positiven Klimabilanz auch die biologische Vielfalt erhalten und fördern. „Für den Naturschutz ist es positiv, wenn der Anbau auf Ackerflächen erfolgt, die ins landschaftliche Umfeld passen. Denn damit werden Strukturen in monotone Landwirtschaftsflächen gebracht, die wiederum Lebensräume schaffen. Im Gegensatz zur Bewirtschaftung mit jährlich wechselnden Kulturen ist der mehrjährige Anbau von Energieholz auf Ackerflächen sogar mit deutlich positiven Klimabilanzen verbunden“, sagte die BfN-Präsidentin, Prof. Beate Jessel im Vorfeld der internationalen Grünen Woche.

Auf Grünlandflächen jedoch können sich Energieholzplantagen sowohl zu Lasten des Naturschutzes wie auch des Klimaschutzes auswirken. Grünländer stellen in Mitteleuropa vielfältige und oft stark bedrohte Lebensräume dar. Als Speicher von Kohlenstoff haben sie auf vielen Standorten eine hohe Bedeutung für den Schutz des Klimas. So können beispielsweise jährlich bis zu 22 Tonnen CO2 im Boden von einem Hektar Grünland gespeichert werden. Bei einem für die Anlage von Gehölzpflanzungen notwendigen Umbruch dagegen werden zunächst kurzfristig große Mengen CO2 freigesetzt. Das ist kontraproduktiv für den Klimaschutz, den man eigentlich mit dem Anbau fördern möchte. „Aus Sicht des Naturschutzes sind wertvolle Standorte grundsätzlich von einem Anbau mit Energieholzplantagen auszunehmen“, erklärte Jessel. Dies ist unter anderen mit Blick auf die Erhaltung von Brut- und Nahrungshabitaten von auf Wiesen brütenden Vogelarten notwendig. Der anhaltende Verlust von Dauergrünland, insbesondere der Rückgang wertvollen, artenreichen Grünlands, ist ein Grund für den besorgniserregenden Rückgang von Wiesenvögeln. „Die Erhaltung von Qualität und Quantität unserer bunten Wiesen und Weiden muss daher im Vordergrund unserer Bemühungen in der Agrar- und Umweltpolitik stehen – Klimaschutz- und Naturschutzziele dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, forderte die BfN-Präsidentin.

„Die Anlage und Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen kann eine unter Klima- wie Naturschutzgesichtspunkten sinnvolle Maßnahme darstellen, sofern dabei naturschutzfachlich sinnvolle Mindeststandards eingehalten werden, um Grünländer sowie andere für den Naturschutz wertvolle Lebensräume nicht zu gefährden. Deshalb sollte einige Bundesländer ihre diesbezüglichen Pläne und Verordnungen überdenken“, erklärte Beate Jessel.

Das BfN hat bereits im März 2010 ein Positionspapier zum naturverträglichen Anbau von Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen veröffentlicht. Darin sind Anforderungen sowie Empfehlungen zu Anbau und Ernte der Plantagen aus Naturschutzsicht beschrieben.

Positionspapier zum naturverträglichen Anbau von Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen

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Biokraftstoffe: Nachhaltigkeitskriterien der EU sind auch weiterhin unvollständig

Dienstag 11. Januar 2011 von birdfish

Die EU-Kommission hat die Entscheidung, wie indirekte Auswirkungen der Landnutzung durch den Anbau von Biokraftstoffen künftig berechnet werden sollen, vertagt.

Was bedeutet der Kraftstoffanbau für die Landnutzung?
Was bedeutet der Kraftstoffanbau für die Landnutzung? – Foto: Dagmar Struß

Indirekte Folgen für die Landnutzung bezeichnen die Nutzung von Flächen, auf denen zuvor Nahrungsmittel angebaut wurden, für den Anbau von Energiepflanzen. Als Folge dieser Umnutzung müssen neue Agrarflächen erschlossen werden, wozu oftmals Regenwald gerodet, Moore trockengelegt oder Graslandschaften zu Nutzflächen umgepflügt werden.

Die europäischen Umweltgruppen Transport & Environment (T&E), Europäisches Umweltbüro (EEB) und BirdLife kritisierten die Kommission für die Aufschiebung der Entscheidung scharf. Die Kommission habe diverse Studien über die indirekten Auswirkungen der Landnutzung durch Biokraftstoffe eingeholt und die Ergebnisse seien eindeutig.

Biokraftstoffe, die auf dem Papier als klimafreundlich gelten, müssten unter Berücksichtung all ihrer indirekten Emissionen neu beurteilt werden, weil sie sonst das Erreichen der Klimaziele untergraben. Insbesondere in Bezug auf die Erneuerbaren Richtlinie von 2008, die den Mitgliedstaaten einen Anteil von 10 Prozent für Biokraftstoffe vorschreibt, sind die indirekten Folgen der Landnutzung relevant, weil sie nicht in den in der Richtlinie festgelegten Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden. Die volle und schnellstmögliche Berücksichtigung von indirekten Folgen der Landnutzung in der Richtline wird von den Umweltgruppen aufgrund der wissenschaftlichen Ergebnisse gefordert.

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WWF: Mangelhaftes Forstmanagement verschärft russisches Waldbrandinferno

Donnerstag 5. August 2010 von birdfish

Mehr als 7.000 Waldbrände lodern derzeit rund um Moskau und im russischen Fernen Osten.

Waldbrand im Amurgebiet
Waldbrand im Amurgebiet – Foto: Masterov / WWF

„Daran ist nicht allein die aktuelle Hitzewelle Schuld“, betont Aurel Heidelberg, Waldreferent beim WWF Deutschland. Die Gründe seien vielfältig, aber eine mangelhafte Vorsorge und ein miserables Waldmanagement seien die  Hauptursachen für die Brandkatastrophen. „Hier rächen sich die Fehler aus den vergangenen Jahrzehnten“, befürchtet der WWF. Illegaler Holzeinschlag, die Übernutzung der Wälder und großflächiger Kahlschlag hätten zu der aktuellen prekären Lage maßgeblich beigetragen.

Eine verfehlte Bewirtschaftung der Flächen, Kahlschlag und illegaler Holzeinschlag  habe vielerorts zu einer Verbuschung und Versteppung geführt. Diese Wälder brennen jetzt wie Zunder.  Darüber hinaus wurden vor allem im europäischen Teil Russlands im großen Stil Sümpfe trockengelegt. Ziel war es, den eingelagerten Torf abzubauen und ihn als Brennstoff für Privathaushalte zu nutzen oder den Torf als Rohmaterial für Gartenerde nach Mitteleuropa zu exportieren. „Geraten die ausgetrockneten Torfflächen in Brand, kann man sie kaum mehr löschen“, so Heidelberg.  Die Feuer ersticken wohl erst mit Einbruch des Winters. Die Rauchschwaden aus solchen trockengelegten Moorflächen enthalten Kohlenmonoxid, Feinstaub, Formaldehyd und andere giftige Verbindungen, die zu starken gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung führen können.

Der WWF sieht darüber hinaus große Versäumnisse in der Brandbekämpfung. Durch die Vergabe von Konzessionen auf vielen Flächen unterblieben Vorsorgemaßnahmen. Zudem habe ein 2007 verabschiedetes Forstgesetz dazu geführt, dass Kapazitäten bei der Brandbekämpfung massiv abgebaut wurden. Überwachungsflüge und der Einsatz von so genannten „Feuerspringern“, die Brände bereits im Frühstadium bekämpfen sollen, seien kontinuierlich zurückgegangen. In der Folge werden die Flammen später entdeckt und können viel schwieriger bekämpft werden.

Um künftige Brände zu reduzieren, fordert der WWF  ehemalige Torfabbauflächen zu renaturieren. Die Überflutung dieser Flächen würde Mensch und Umwelt vor Bränden schützen und wertvolle Lebensräume zurückgewinnen. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach Richtlinien des FSC (Forest Stewardship Council) könne zudem einen Beitrag zur Prävention von Waldbränden leisten. Die Anlage von Waldbrandschutzstreifen aus feuerresistenten Lärchen habe sich vor allem im russischen Fernen Osten als Präventionsmaßnahme bewährt. Überdies müsse wieder ein Frühwarnsystem  gegen Waldbrände aufgebaut werden.

Studie: ‘Wälder in Flammen’ – Ursachen und Folgen der weltweiten Waldbrände (PDF)

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Kein deutscher Raps mehr für Biodiesel ohne die Zertifizierung der Nachhaltigkeit

Mittwoch 4. August 2010 von birdfish

Ab dieser Ernte gelten für den Rapsanteil im Biodiesel für landwirte neue Regeln.

Neue Regeln für den Raps
Für den Raps gelten neue Regeln – Foto: Dagmar Struß

Die Rapsernte kann ab diesem Jahr nicht für die Herstellung von Biodiesel verwendet werden, wenn der produzierende Landwirt nicht vor der Auslieferung der Ware erklärt hat, dass er nachhaltig produziert.

Auch die Agrarhändler müssen tätig werden und sich nach der neuen Nachhaltigkeitsverordnung zertifizieren lassen.

Ohne den Markt für die Biodieselherstellung würden den Landwirten rund 60 Prozent ihres Raps-Absatzes wegbrechen, Tendenz 2010 steigend. „Wer als Landwirt keine Selbsterklärung abgibt und sich als Betrieb entlang der Herstellungskette nicht zertifizieren lässt, schießt damit wirtschaftlich ein Eigentor“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Mit Sorge haben die Produzenten von Biodiesel zur Kenntnis genommen, dass bisher nur wenige Landwirte eine Selbsterklärung abgegeben haben und sich nur ein verschwindend geringer Anteil der Agrarhändler zertifizieren ließ.

In der Folge befürchten die Biokraftstoffhersteller Lieferengpässe für zertifiziert nachhaltig hergestellten Raps.„Wer sich nicht allerspätestens jetzt um die Nachhaltigkeit kümmert, hat am Markt vorbei produziert und bleibt auf seiner Ware sitzen“, sagte Baumann.
Landwirte müssen zum Zeitpunkt der Lieferung des Rapses dem Agrarhändler eine Selbsterklärung übergeben. Der Agrarhändler muss spätestens bei der Auslieferung des fertigen Biodiesels durch den Biokraftstoffproduzenten an den Mineralölkonzern sein Zertifikat vorlegen. In Deutschland gibt es etwa 1500 dieser Agrarhändler. „Wir fordern die Landwirte und Agrarhändler dringend auf tätig zu werden, damit die Biokraftstoffindustrie den Markt mit nachhaltigem und zertifiziertem Biodiesel versorgen kann“, sagte Baumann.

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Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion durch den Anbau von Energiepflanzen wird bei EU-Nachhaltigkeitskriterien nicht erfasst

Donnerstag 24. Juni 2010 von birdfish

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hat über die Festlegung von Nachhaltigkeitskriterien für die Zertifizierung von Biokraftstoffen und Bioenergie aus Pflanzenölen informiert.

Nutzpflanzen verdrängen Nahrungsproduktion
Nutzpflanzen verdrängen die Nahrungsproduktion – Foto: Dagmar Struß

„Es ist strikt verboten, Tropenwälder zu roden oder Moore trocken zu legen, um Pflanzen für Biokraftstoffe anzubauen“, sagte Oettinger. Auch könnten Mitgliedstaaten nur Biokraftstoffe mit hoher Treibhausgaseinsparung zur Erreichung der Biospritziele anerkennen lassen. So muss Biosprit mindestens 35 Prozent weniger CO2 ausstoßen als herkömmlicher Kraftstoff.

Die vier großen Brüssler Umweltorganisationen BirdLife International, ClientEarth, das Europäische Umweltbüro und Transport & Environment warfen der Kommission vor, das Problem der Ausbreitung von Agrarland in ökologisch sensible Gebiete, nämlich wenn die Nahrungsmittelproduktion durch den Anbau von Energiepflanzen verdrängt wird, keineswegs gelöst zu haben. In diesem Fall spricht man von indirekter Landnutzungsänderung, die nicht von den europäischen Nachhaltigkeitskriterien erfasst ist. „Solange die Kommission nicht bereit ist, sich mit der Problematik zu befassen, sind alle Versuche der EU, Biosprit als nachhaltig zu verkaufen, irreführend, kontraproduktiv und zum Scheitern verurteilt“, sagte Nusa Urbancic von Transport & Environment.

Die vier Umweltverbände hatten die EU-Kommission bereits Anfang März wegen der Vorenthaltung von wissenschaftlichen Dokumenten verklagt. Die Papiere sollen Informationen über die negativen Auswirkungen einer gesteigerten europäischen Biokraftstoffnachfrage der EU auf die Umwelt und die Lebensmittelpreise enthalten. Nach eigenen Angaben hält die Kommission derzeit 140 Dokumente zurück.

Nach der Erneuerbare-Energien-Richtlinie soll der Anteil regenerativer Energien im Verkehr bis 2020 zehn Prozent betragen. Das soll hauptsächlich durch den Einsatz von Biokraftstoffen erreicht werden. Vor der Verabschiedung der Richtlinie Ende 2008 war die EU-Kommission wegen der von Kritikern vorausgesagten verheerenden sozialen und ökologischen Auswirkungen einer erhöhten Biospritnachfrage massiv unter Beschuss geraten.

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