KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Erfolg: Asiens größter Papierhersteller stoppt Rodung des indonesischen Regenwalds

Mittwoch 6. Februar 2013 von birdfish

Asiens größter Papierhersteller APP (Asia Pulp and Paper) wird ab sofort den Einschlag in den letzten Regenwäldern Indonesiens einstellen.

ZellstofffabrikZellstofffabrik des indonesischen Papierkonzerns APP – Foto: Greenpeace

Das hat der globale Konzern heute in Jakarta nach einer dreijährigen Kampagne von Greenpeace verkündet. Die unabhängige Umweltschutzorganisation hat zahlreiche deutsche Unternehmen überzeugt, den Einkauf von Papier bei APP auszusetzen – darunter Adidas, MontBlanc, Metro und Tchibo. „Der Einschlagstopp ist eine wichtige Atempause für die Orang-Utans und die letzten Tiger Sumatras.“, sagt Oliver Salge, Waldexperte von Greenpeace. „Das ist ein Erfolg für alle, die unsere Kampagne unterstützt haben.“

In den vergangenen Monaten hat Greenpeace intensive Gespräche mit APP geführt, um die Einzelheiten des Einschlagstopps zu erarbeiten. Da die bis zu 18 Meter dicken Torfböden große Mengen Kohlenstoff speichern und damit relevant für das weltweite Klima sind, will APP auch die Torfregenwälder von der Rodung ausschließen. Zudem will APP die bereits gerodeten Torfwaldflächen so bewirtschaften, dass Treibhausgasemissionen verringert werden. Im ersten Schritt werden jegliche Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau von Entwässerungsgräben eingestellt. Der Prozess soll durch Dritte unabhängig überwacht werden. Auch Greenpeace wird die Umsetzung weiter kritisch beobachten.

Gemeinsamer Erfolg von Umweltgruppen und deutschen Unternehmen

„Die Ankündigung von APP zeigt, dass sich das Engagement von uns und zahlreicher anderer Umweltgruppen auszahlt. Unternehmen in Deutschland spielen dabei eine wesentliche Rolle, da sie durch den Verzicht von Geschäften mit Urwaldzerstörern Druck ausüben können“, sagt Oliver Salge.

APP ist einer der größten Zellstoff- und Papierproduzenten der Welt und die Nummer eins in Asien. Der Konzern exportiert aus Indonesien und China Papier für Zeitschriften oder Verpackungen, Kopierpapier und Toilettenpapier in alle Welt. Auch deutsche Firmen beziehen Papier für Verpackungen oder Druckerzeugnisse von APP. Im Einzugsbereich der APP-Zellstoffwerke in Indonesien befinden sich die letzten Rückzugsgebiete für Sumatra-Tiger, Sumatra-Elefanten und Orang-Utans. APP hat in den letzten Jahren große Teile dieser Regenwälder gerodet und zu Akazienplantagen umgewandelt.

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Energiewende? – kommt uns nicht ins Haus! – Die wirkungslose Energieeinsparverordnung

Freitag 16. November 2012 von birdfish

Nach langem Ringen legten Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) den Entwurf einer Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) vor, der die Erfordernisse der Energiewende und die selbst erklärten Ziele der Bundesregierung konsequent ignoriert.

Energieeffizienz durch Haussanierung
Energieeffizienz durch Häusersanierung – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Sollte der Entwurf geltendes Recht werden, würde auf der größten Effizienz-Baustelle der Republik, der energetischen Sanierung des Gebäudebestandes, weiter Stillstand herrschen. Darauf hat die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) in ihrer diese Woche eingereichten Stellungnahme zum EnEV-Entwurf der Bundesregierung hingewiesen.

„In ihrem Energiekonzept fordert die schwarz-gelbe Regierung zu Recht, dass sich die Sanierungsrate von derzeit unter einem auf mindestens zwei Prozent erhöhen muss, wenn Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen will“, sagte Cornelia Ziehm, Leiterin Klimaschutz und Energiewende der DUH. „Doch das wird im vorliegenden Verordnungsentwurf nicht einmal thematisiert“.

Insbesondere verzichtet der Entwurf auf jegliche Regelung, die Anreize zur Erhöhung der Sanierungsrate im Gebäudebestand setzen könnte. Auch ordnungsrechtliche Maßnahmen zur Modernisierung der Heizungsanlagen fehlen komplett. Zuletzt hatte die EnEV in der Version des Jahres 2004 Hausbesitzer dazu verpflichtet, ineffiziente Heizkessel der Baujahre 1978 und früher bis 2006 auszutauschen. Seitdem weigert sich die Politik konsequent, veraltete Heizungsanlagen beschleunigt aus den Wohngebäuden zu verbannen. Auch im aktuellen Entwurf fehlen entsprechende Vorgaben, so dass im Fall seiner Verabschiedung Heizungsanlagen, die schon heute 34 Jahre alt sind, unbefristet weiter betrieben werden könnten.

Ziehm zog einen Vergleich zum Straßenverkehr: “Für 30 Jahre alte Autos gibt es mit einem ´H´ gekennzeichnete Oldtimer-Kennzeichen, diese Wagen dürfen nur noch ausnahmsweise auf die Straße. Dagegen dürfen jetzt bereits 34 Jahre alte Brenner in Millionen Heizungskellern ungehindert weiter Energie verschwenden. Der Stand der Technik im Heizungsbereich wird von BMVBS und BMWi schlichtweg ignoriert – auch zu Lasten von Millionen Mietern, die keinen Einfluss auf die Auswahl des Heizkessels haben, aber die steigenden Heizkosten zahlen müssen“. Die DUH fordere deshalb eine EnEV-Novelle, die geeignet sei, die Sanierungsrate schnell zu erhöhen und insgesamt die energetische Effizienz im Altbaubestand zu verbessern.

Das in ihrem Energiekonzept von 2010 verkündete Ziel der Bundesregierung, bis 2050 einen „nahezu klimaneutralen Gebäudebestand“ zu erreichen, rücke mit dem vorliegenden EnEV-Entwurf in immer weitere Ferne. „Sonntagsreden zu Energiewende und Klimaschutz und die realen Handlungen dieser Regierung fallen in beispielloser Weise auseinander“, sagte der Leiter Politik und Presse der DUH, Gerd Rosenkranz. Die Bundesregierung verfalle offenbar schon im Vorwahlkampf in Angststarre vor einem potenziellen Aufschrei der Hausbesitzerverbände. Tatsächlich werde ein Modernisierungsschub bei der Gebäudesanierung nicht nur dem Klima helfen, sondern auch wie ein Konjunkturprogramm für Baugewerbe und Handwerk wirken.

Der Gebäudesektor trägt rund 40 Prozent zum nationalen Energieverbrauch und etwa ein Drittel zu den Emissionen des Treibhausgases CO2 in Deutschland bei. Gleichzeitig sind hierzulande von 18 Millionen Gebäuden fast 13 Millionen vor 1979 errichtet worden und damit vor Erlass der ersten Wärmeschutzverordnung. Etwa 70 Prozent der Gebäude, die vor 1979 gebaut wurden, verfügen über keinerlei Dämmung, bei 20 Prozent ist sie unzureichend. Nur rund 10 Prozent der Altbauten in Deutschland haben also eine Dämmung, die heutigen Anforderungen genügt. Außerdem verfehlen 78 Prozent der Heizungsanlagen in Deutschland den aktuellen Stand der Technik und heizen das Klima unnötig auf.

DUH-Stellungnahme zur Energieeinsparverordnung EnEV-Novelle (PDF)

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E10 ist Landraub – Beimischung fördert Menschenrechtsverletzungen in Afrika

Freitag 2. März 2012 von birdfish

Die Beimischungsquote für Agrartreibstoffe (‘E10′) führt zu Vertreibungen und Hunger in Afrika.

Sojabohnen
Sojabohnen wird aus Hungerländern importiert und zu Treibstoff gemacht – Foto: Franz Haindl / Pixelio

Damit tragen EU und Bundesregierung zur Verletzung des Rechts auf Nahrung bei, fördern riesige Agrarplantagen und konterkarieren damit ihre eigenen Anstrengungen, Kleinbauern zu fördern und den dortigen Hunger zu bekämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Menschenrechtsorganisation FIAN, die diese Woche der Europäischen Kommission vorgestellt wurde.

Der UN Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, hob bei der Vorstellung der Studie in Brüssel hervor, dass die EU bei ihrer Biosprit-Gesetzgebung in 2009 (Renewable Energy Directive) von falschen Annahmen bezüglich der globalen Auswirkungen ausgegangen ist. „Die negativen Auswirkungen wie Landraub und Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind nicht mehr wegzudiskutieren“, so Roman Herre, Agrarreferent von FIAN. „Die EU muss die Reißleine ziehen und die Zwangsbeimischung streichen.“ VertreterInnen afrikanischer Bauernorganisationen forderten die EU auf, alle Anreize für eine globale Agrartreibstoffproduktion abzuschaffen. Der Zusammenhang zwischen Landnahmen, dem so genannten Land Grabbing, und Agrartreibstoffen ist gewaltig. 66 Prozent aller großflächigen Landnahmen in Afrika werden getätigt, um Agrartreibstoffe zu produzieren. „Die EU fördert mit ihrem künstlich geschaffenen Markt diesen Landraub erheblich,“ so Roman Herre. „Anstatt die Automobilindustrie zu Autos mit etwas weniger Verbrauch zu verpflichten und so den Treibhauseffekt effektiv zu bekämpfen werden Ackerflächen in Afrika für unseren Energiehunger okkupiert.“

„Wir importieren nicht nur fertigen Biosprit, sondern auch jede Menge Soja oder Zuckerrohr um das dann hier in Europa in Agrartreibstoffe umzuwandeln – das wird gerne verschwiegen.“ erklärt Roman Herre.  So wurden schon 2008 knapp 40 Prozent der Agrartreibstoffe in die EU importiert. 2010 hat die EU unter anderem Agrartreibstoffe aus Hungerländern wie dem Sudan und Kambodscha bezogen.

Europäische Investoren spielen bei der Landnahme in Afrika eine prominente Rolle. FIAN fordert die Bundesregierung daher auf, deutsche Investoren – Firmen und Finanzinvestoren – effektiv zu kontrollieren und zur Rechenschaft ziehen, falls diese in Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind.

Studie ‘(Bio)Fueling Injustice’ (engl. PDF)

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Ressourcenschonung Light: mit ProgRess-Programm werden Ziele nicht erreicht

Donnerstag 1. März 2012 von birdfish

„Es ist gut, dass sich die Regierung endlich um Ressourceneffizienz und Ressourcenschonung bemüht.

Ressourcenschonung
Ressourcenschonung verankern – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Aber mit dem ‚ProgRess‘-Programm wird das Ziel der Bundesregierung, Deutschland zum Ressourceneffizienzweltmeister zu machen, nicht erreicht werden“, kommentiert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller das jetzt vom Bundeskabinett beschlossene Regierungsprogramm zur Schonung nachwachsender und nicht-nachwachsender Rohstoffe. „Wir dürfen nicht immer weiter immer mehr Rohstoffe verbrauchen. Angesichts dieser Notwendigkeit kann ‚ProgRess‘ nur ein erster Schritt sein. Der politische Wille, Ressourcenschonung als Leitlinie einer nachhaltigen Wirtschaft zu verankern, ist in diesem Programm nicht zu erkennen“, kritisiert Miller.

Das Ressourceneffizienzprogramm war innerhalb der Bundesregierung stark umstritten. Ziel des Programms ist es, der Rohstoffstrategie der Bundesregierung eine ökologische Dimension zu geben und dabei insbesondere den Verbrauch von Rohstoffen zu reduzieren. „Alles andere als eine absolute Senkung des Rohstoffverbrauchs in Deutschland wird die Tragfähigkeit der Erde überfordern. Die Bundesregierung hat es verpasst, sich dazu dezidiert zu bekennen und umschifft diese Aufgabe auf Kosten nachfolgender Generationen. Dabei könnte allein schon eine auf Ressourcenschonung ausgerichtete öffentliche Beschaffung die Leitmärkte für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen fördern. Doch ähnlich wie beim absoluten Rohstoffverbrauch fehlt dazu eine Zielvereinbarung, bis wann dies umgesetzt werden soll“, erklärt Miller. „Wir werden der Regierung genau auf die Finger schauen, ob wenigstens die 20 guten Handlungsansätze in ProgRess tatsächlich verfolgt werden. Gleichzeitig bleibt es dringend, das Ressourceneffizienzprogramm programmatisch weiter zu entwickeln.“

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‘Zugspitz-Thesen’: Klimaverantwortung übernehmen, an die Klimafolgen anpassen

Dienstag 14. Februar 2012 von birdfish

Wie man auf die möglichen Folgen reagieren und die Lebensbedingungen für Umwelt und Gesellschaft daraufhin anpassen kann, fasst das aktuelle Positionspapier der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) zusammen.

Erneuerbare Energien sind die Zukunft
Erneuerbare Energieformen müssen raumverträglich und versorgungssicher ausgebaut werden – Foto: Dagmar Struß

In ihren zwölf “Zugspitz-Thesen” sprechen die Arbeitsgruppe “Klimawandel und Nutzung von regenerativen Energien…” der ARL-Landesarbeitsgemeinschaft Bayern der ARL und Mitglieder des ARL-Arbeitskreises „Klimawandel und Raumplanung“ ihre Empfehlungen aus der Sicht der Raumordnung aus. „Klimagerechte Verantwortung“, „Bürgerbeteiligung“, „technologischer Fortschritt“ und „regionale Wertschöpfung“ sind dabei nur einige Stichworte.
Klimaschutz und Klimaanpassung sind ganz zentrale Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, auf die es Antworten zu finden gilt. Die Empfehlungen dazu wurden im vergangenen Herbst bei einem Treffen auf der Zugspitze erarbeitet. Mit ihren zwölf “Zugspitz-Thesen” will die Arbeitsgruppe „eine Debatte um die komplexen, raumrelevanten Zusammenhänge von Klimawandel, Energiewende und Raumordnung“ in Gang bringen. Davon erhoffen sich die Autoren ein „der klimagerechten Verantwortung verpflichtetes Denken und Handeln“ auf allen Planungs- und Entscheidungsebenen.

Zahlreiche auffällige Phänomene schreibt man in jüngster Zeit dem Klimawandel zu: Starkwetter-Ereignisse wie z. B. Stürme, Hochwässer, Dürren, Feinstaubkonzentration in den Städten und vieles mehr. Als Hauptursache dafür gilt die Aufheizung der Atmosphäre, an der sich die Menschheit kräftig beteiligt vor allem durch die Freisetzung von sogenannten Treibhausgasen wie z. B. Kohlenstoffdioxyd, Methan, oder die Fluorchlorkohlenwasserstoffe. Da heißt es Emissionen vermeiden, fossile Energieträger ersetzten und Energie effizient nutzen.

Doch Vermeidungsstrategien sind erst der Anfang. Geeigneten Mittel und Wege zur Anpassung an den Klimawandel zu finden ist künftig Daueraufgabe bei der Raumentwicklung. Die Planung auf allen Ebenen – von der EU über Bund und Länder bis zur einzelnen Gemeinde – muss sich von „Klimaschutz, Anpassung an die Folgen des Klimawandels und Energiewende“ leiten lassen. Dies bedarf der besseren Verankerung in Gesetzen, Programmen und Plänen.

Die Forderung nach „klimagerechter Verantwortung“ gilt für jedermann. Dies bedeutet aber auch, im Zweifelsfall im Sinne des Gemeinwohls zu handeln und Eigennutz hintan zu stellen. Dafür gilt es, das Bewusstsein in der Öffentlichkeit durch intensive Aufklärung über die Zusammenhänge von Klimawandel und Energiewende zu schärfen. Einschlägige Handlungsfelder sind dabei die Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung und die Flächenvorsorge z. B. für Hochwasserschutz, Frischluftschneisen oder Windkraftnutzung.

„Überdies brauchen wir eine weitreichende Beteiligung der Bürger in allen Stadien der Planung und Entscheidung“, – so die Verfasser der zwölf Thesen – damit notwendige Maßnahmen in der Bevölkerung nicht als willkürliche Verwaltungsakte wahrgenommen, sondern mitgetragen werden. So könnte es passieren, dass die Menschen wieder enger zusammenrücken müssen. Der Klimawandel erfordert kompakte Siedlungs- und Verkehrsstrukturen, da kurze Wege und dichtere Bauweise eine höhere Energieeffizienz haben. Daneben muss die Raumplanung freilich Freiräume sichern. So bewahren Frischluftschneisen und mehr Begrünung die Städte vor Überhitzung und hohen Feinstaubkonzentrationen. Solche „Freiräume werden von der Raumordnung bislang in ihren Funktionen der Siedlungsgliederung, Erholungsvorsorge sowie als bioklimatische Ausgleichsräume erfasst“, beschreibt die ARL-Arbeitsgruppe die Situation am Beispiel Bayerns. Die Energiewende mit ihrem Flächenbedarf für nachwachsende Rohstoffe verlange allerdings ein multifunktionales Freiraumkonzept, heißt es weiter, für das es jedoch noch keine verbindliche Regelung gibt. Es gibt also viel zu tun für die Träger einer nachhaltigen Regionalplanung und –entwicklung.

Gerade „die erneuerbaren Energieformen müssen raumverträglich und versorgungssicher ausgebaut werden und zwar unter vertretbaren ökonomischen und ökologischen Bedingungen“ postuliert die Arbeitsgruppe. Deshalb sind regionale Energiekonzepte erforderlich, die umweltverträglich und zugleich für Bürger als auch Inverstoren interessant sind. Und hier bietet der Klimawandel auch ein Chance, denn Entwicklung, Produktion und Einsatz neuer Technologien für Klimaschutz und Klimaanpassung tragen zur regionalen Wertschöpfung bei.

Positionspapier „Zugspitz-Thesen – Klimawandel, Energiewende und Raumordnung“ (PDF)

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Energiemais-Anbau zerstört Landschaft – Biomasseförderung muss geändert werden

Dienstag 22. Februar 2011 von birdfish

Bei der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) muss aus Sicht des NABU der weitere Umbau unserer Stromversorgung vorangetrieben, aber auch die massiven Fehlentwicklungen im Bereich der energetischen Biomassenutzung korrigiert werden.

Biomasse: Energiemais zerstört die Landschaft
Energiemais zerstört die Landschaft – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

So stieg allein die Anbaufläche für Energiemais innerhalb von sechs Jahren von 70.000 Hektar auf über 600.000 Hektar in 2010 an. „Die Förderung von Biogasanlagen über das EEG hat zur Ausweitung des Maisanbaus geführt, verbunden mit drastischen Auswirkungen auf das Landschaftsbild und den Naturhaushalt. Sie gilt damit als einer der Haupttreiber für den klimaschädlichen Umbruch von Grünland“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Ziel müsse sein, die Förderung von Energiepflanzen an klare Umweltauflagen zu koppeln und zugleich Reststoffe stärker zu berücksichtigen.

Der NABU schlägt vor, die Biogaserzeugung im künftigen EEG im Wesentlichen nur noch über zwei Instrumente zu steuern. Ein neu einzuführender Umweltbonus solle gezielt natur- und umweltverträglich erzeugte Anbaubiomasse wie Mischkulturen und Kleegras sowie Landschaftspflegematerial unterstützen. Mit einem Reststoffbonus würden neben Bioabfällen vor allem standortangepasste Anlagen zur Verwertung der Gülle in der Landwirtschaft gefördert. Im Gegenzug könnten der Bonus für nachwachsende Rohstoffe und weitere Zusatzvergütungen abgeschafft werden. „Nur wenn neben Klimaschutz und Versorgungssicherheit auch dem Natur- und Ressourcenschutz Rechnung getragen wird, kann eine breite Akzeptanz für erneuerbare Energien erhalten werden”, so Leif Miller.

Angesichts der zunehmenden Nutzungskonkurrenzen könne es nicht mehr darum gehen, immer mehr Biomasse zu verstromen. Die Stromeinspeisung sollte sich stärker auf die Zeiten konzentrieren, an denen Wind- und Solarenergie nicht ausreichend zur Verfügung stehen oder die Nachfrage besonders hoch ist. Dazu müssten entsprechende Lagerkapazitäten für die Rohstoffe, Biogasspeicher und zusätzliche Motorkapazitäten geschaffen werden. „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel für eine bedarfsgerechte Nutzung der Biomasse zur Stromerzeugung, ohne dass dafür insgesamt wesentlich mehr Rohstoffe als heute verbraucht werden müssen“, forderte NABU-Bundesgeschäftsführer Miller.

Hintergrundpapier des NABU zur EEG-Novelle

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Torfmoose: Alternative zum Weißtorf und Chance für Hochmoore und Klimaschutz

Montag 24. Januar 2011 von birdfish

Biomasse von Torfmoosen eignet sich aufgrund ihrer Eigenschaften als Kultursubstrat und damit als potenzieller Torf-Ersatz im Gartenbau.

Torfmoosanbau im kleinen Maßstab
Torfmoosanbau im kleinen Maßstab – Foto: Greta Gaudig / Uni Greifswald

Mit dem Anbau von Torfmoosen könnte man zudem degradierte Hochmoor-Standorte aufwerten und Treibhausgasemissionen reduzieren. Inwieweit dieser Ansatz im großflächigen, betriebswirtschaftlichen Maßstab umsetzbar ist, soll nun ein dreijähriges Vorhaben der Universitäten Greifswald und Rostock mit zwei Praxispartnern klären.
Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) als Projektträger.

Deutschland ist europaweit der größte Verbraucher von Torf und Hersteller von Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau. Doch die Vorräte an diesem Rohstoff sind in West- und Mitteleuropa nahezu erschöpft, deshalb importiert die Branche ihn zunehmend aus Nord- und Osteuropa – was wiederum die Existenz der dortigen Hochmoore bedroht. Eine Alternative wäre die Nutzung degradierter Hochmoorflächen in Deutschland für den Anbau von Torfmoosen (Sphagnum), deren Biomasse ähnliche physikalische und chemische Eigenschaften wie Weißtorf besitzt und als Kultursubstrat für den Gartenbau geeignet ist.

Ein solcher Anbau im größeren Stil wäre ein Beitrag zum Klimaschutz, denn in herkömmlich landwirtschaftlich genutzten Mooren mineralisiert der entwässerte Torf und setzt so große Mengen an gespeichertem Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid frei. Entwässerte Moore verwandeln sich so von Kohlenstoffsenken zu Emittenten erheblicher Mengen an CO2 und Lachgas. Für den Anbau von Sphagnum hingegen würden die Standorte gezielt wiedervernässt, die Mineralisierung des Torfs und die Freisetzung von CO2 damit stark verringert. Dies ginge einher mit einer zumindest partiellen Wiederbelebung des Hochmoor-Charakters durch das Wiederansiedeln von Torfmoosen und damit von standorttypischen, teilweise seltenen Tier- und Pflanzenarten. Damit wäre die Torfmoos-Kultur eine interessante Alternative für die Landwirtschaft, denn die Böden trockengelegter Moore degradieren und eignen sich im Laufe der Zeit immer weniger als Acker oder Weideland. Zusätzlich stünde mit dem Torfmoos als Kultursubstrat ein neues, nachhaltig produziertes Produkt zur Vermarktung zur Verfügung.

Im Gewächshaus und auf einer kleinen Fläche im Freiland war die Torfmoos-Anzucht im Rahmen eines 3-jährigen, ebenfalls vom BMELV geförderten Vorläufer-Projektes bereits erfolgreich. Das dort gewonnene Torfmoos-Substrat eignete sich außerdem sehr gut zur Kultivierung verschiedener Zierpflanzen, darunter Weihnachtssterne und Alpenveilchen. Nun wollen die Projektpartner die Ergebnisse auf zwei 1,5 Hektar großen Versuchsflächen im niedersächsischen Hankhauser Moor übertragen. Die Standorte sind entwässerte Hochmoorflächen, die bislang als intensives Grünland genutzt wurden.

Sollte der weltweit einmalige Feldversuch erfolgreich verlaufen, plant einer der Praxispartner eine kommerzielle Nutzung des Ansatzes.

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BfN sieht Energieholzplantagen auf Grünlandflächen äußerst kritisch

Freitag 21. Januar 2011 von birdfish

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist die Anlage von Energieholzplantagen auf Grünlandflächen kritisch zu bewerten, wenn dabei wertvolle Lebensräume zerstört werden.

Kiebitz: fast verschwunden
Fast verschwunden: der Wiesengänger Kiebitz – Foto: Jala 7 / Pixelio

Das BfN wendet sich aber nicht grundsätzlich gegen Energieholzplantagen, sofern diese neben einer positiven Klimabilanz auch die biologische Vielfalt erhalten und fördern. „Für den Naturschutz ist es positiv, wenn der Anbau auf Ackerflächen erfolgt, die ins landschaftliche Umfeld passen. Denn damit werden Strukturen in monotone Landwirtschaftsflächen gebracht, die wiederum Lebensräume schaffen. Im Gegensatz zur Bewirtschaftung mit jährlich wechselnden Kulturen ist der mehrjährige Anbau von Energieholz auf Ackerflächen sogar mit deutlich positiven Klimabilanzen verbunden“, sagte die BfN-Präsidentin, Prof. Beate Jessel im Vorfeld der internationalen Grünen Woche.

Auf Grünlandflächen jedoch können sich Energieholzplantagen sowohl zu Lasten des Naturschutzes wie auch des Klimaschutzes auswirken. Grünländer stellen in Mitteleuropa vielfältige und oft stark bedrohte Lebensräume dar. Als Speicher von Kohlenstoff haben sie auf vielen Standorten eine hohe Bedeutung für den Schutz des Klimas. So können beispielsweise jährlich bis zu 22 Tonnen CO2 im Boden von einem Hektar Grünland gespeichert werden. Bei einem für die Anlage von Gehölzpflanzungen notwendigen Umbruch dagegen werden zunächst kurzfristig große Mengen CO2 freigesetzt. Das ist kontraproduktiv für den Klimaschutz, den man eigentlich mit dem Anbau fördern möchte. „Aus Sicht des Naturschutzes sind wertvolle Standorte grundsätzlich von einem Anbau mit Energieholzplantagen auszunehmen“, erklärte Jessel. Dies ist unter anderen mit Blick auf die Erhaltung von Brut- und Nahrungshabitaten von auf Wiesen brütenden Vogelarten notwendig. Der anhaltende Verlust von Dauergrünland, insbesondere der Rückgang wertvollen, artenreichen Grünlands, ist ein Grund für den besorgniserregenden Rückgang von Wiesenvögeln. „Die Erhaltung von Qualität und Quantität unserer bunten Wiesen und Weiden muss daher im Vordergrund unserer Bemühungen in der Agrar- und Umweltpolitik stehen – Klimaschutz- und Naturschutzziele dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, forderte die BfN-Präsidentin.

„Die Anlage und Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen kann eine unter Klima- wie Naturschutzgesichtspunkten sinnvolle Maßnahme darstellen, sofern dabei naturschutzfachlich sinnvolle Mindeststandards eingehalten werden, um Grünländer sowie andere für den Naturschutz wertvolle Lebensräume nicht zu gefährden. Deshalb sollte einige Bundesländer ihre diesbezüglichen Pläne und Verordnungen überdenken“, erklärte Beate Jessel.

Das BfN hat bereits im März 2010 ein Positionspapier zum naturverträglichen Anbau von Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen veröffentlicht. Darin sind Anforderungen sowie Empfehlungen zu Anbau und Ernte der Plantagen aus Naturschutzsicht beschrieben.

Positionspapier zum naturverträglichen Anbau von Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen

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