KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

WWF: Mangelhaftes Forstmanagement verschärft russisches Waldbrandinferno

Donnerstag 5. August 2010 von birdfish

Mehr als 7.000 Waldbrände lodern derzeit rund um Moskau und im russischen Fernen Osten.

Waldbrand im Amurgebiet
Waldbrand im Amurgebiet – Foto: Masterov / WWF

„Daran ist nicht allein die aktuelle Hitzewelle Schuld“, betont Aurel Heidelberg, Waldreferent beim WWF Deutschland. Die Gründe seien vielfältig, aber eine mangelhafte Vorsorge und ein miserables Waldmanagement seien die  Hauptursachen für die Brandkatastrophen. „Hier rächen sich die Fehler aus den vergangenen Jahrzehnten“, befürchtet der WWF. Illegaler Holzeinschlag, die Übernutzung der Wälder und großflächiger Kahlschlag hätten zu der aktuellen prekären Lage maßgeblich beigetragen.

Eine verfehlte Bewirtschaftung der Flächen, Kahlschlag und illegaler Holzeinschlag  habe vielerorts zu einer Verbuschung und Versteppung geführt. Diese Wälder brennen jetzt wie Zunder.  Darüber hinaus wurden vor allem im europäischen Teil Russlands im großen Stil Sümpfe trockengelegt. Ziel war es, den eingelagerten Torf abzubauen und ihn als Brennstoff für Privathaushalte zu nutzen oder den Torf als Rohmaterial für Gartenerde nach Mitteleuropa zu exportieren. „Geraten die ausgetrockneten Torfflächen in Brand, kann man sie kaum mehr löschen“, so Heidelberg.  Die Feuer ersticken wohl erst mit Einbruch des Winters. Die Rauchschwaden aus solchen trockengelegten Moorflächen enthalten Kohlenmonoxid, Feinstaub, Formaldehyd und andere giftige Verbindungen, die zu starken gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung führen können.

Der WWF sieht darüber hinaus große Versäumnisse in der Brandbekämpfung. Durch die Vergabe von Konzessionen auf vielen Flächen unterblieben Vorsorgemaßnahmen. Zudem habe ein 2007 verabschiedetes Forstgesetz dazu geführt, dass Kapazitäten bei der Brandbekämpfung massiv abgebaut wurden. Überwachungsflüge und der Einsatz von so genannten „Feuerspringern“, die Brände bereits im Frühstadium bekämpfen sollen, seien kontinuierlich zurückgegangen. In der Folge werden die Flammen später entdeckt und können viel schwieriger bekämpft werden.

Um künftige Brände zu reduzieren, fordert der WWF  ehemalige Torfabbauflächen zu renaturieren. Die Überflutung dieser Flächen würde Mensch und Umwelt vor Bränden schützen und wertvolle Lebensräume zurückgewinnen. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung nach Richtlinien des FSC (Forest Stewardship Council) könne zudem einen Beitrag zur Prävention von Waldbränden leisten. Die Anlage von Waldbrandschutzstreifen aus feuerresistenten Lärchen habe sich vor allem im russischen Fernen Osten als Präventionsmaßnahme bewährt. Überdies müsse wieder ein Frühwarnsystem  gegen Waldbrände aufgebaut werden.

Studie: ‘Wälder in Flammen’ – Ursachen und Folgen der weltweiten Waldbrände (PDF)

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Kein deutscher Raps mehr für Biodiesel ohne die Zertifizierung der Nachhaltigkeit

Mittwoch 4. August 2010 von birdfish

Ab dieser Ernte gelten für den Rapsanteil im Biodiesel für landwirte neue Regeln.

Neue Regeln für den Raps
Für den Raps gelten neue Regeln – Foto: Dagmar Struß

Die Rapsernte kann ab diesem Jahr nicht für die Herstellung von Biodiesel verwendet werden, wenn der produzierende Landwirt nicht vor der Auslieferung der Ware erklärt hat, dass er nachhaltig produziert.

Auch die Agrarhändler müssen tätig werden und sich nach der neuen Nachhaltigkeitsverordnung zertifizieren lassen.

Ohne den Markt für die Biodieselherstellung würden den Landwirten rund 60 Prozent ihres Raps-Absatzes wegbrechen, Tendenz 2010 steigend. „Wer als Landwirt keine Selbsterklärung abgibt und sich als Betrieb entlang der Herstellungskette nicht zertifizieren lässt, schießt damit wirtschaftlich ein Eigentor“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Mit Sorge haben die Produzenten von Biodiesel zur Kenntnis genommen, dass bisher nur wenige Landwirte eine Selbsterklärung abgegeben haben und sich nur ein verschwindend geringer Anteil der Agrarhändler zertifizieren ließ.

In der Folge befürchten die Biokraftstoffhersteller Lieferengpässe für zertifiziert nachhaltig hergestellten Raps.„Wer sich nicht allerspätestens jetzt um die Nachhaltigkeit kümmert, hat am Markt vorbei produziert und bleibt auf seiner Ware sitzen“, sagte Baumann.
Landwirte müssen zum Zeitpunkt der Lieferung des Rapses dem Agrarhändler eine Selbsterklärung übergeben. Der Agrarhändler muss spätestens bei der Auslieferung des fertigen Biodiesels durch den Biokraftstoffproduzenten an den Mineralölkonzern sein Zertifikat vorlegen. In Deutschland gibt es etwa 1500 dieser Agrarhändler. „Wir fordern die Landwirte und Agrarhändler dringend auf tätig zu werden, damit die Biokraftstoffindustrie den Markt mit nachhaltigem und zertifiziertem Biodiesel versorgen kann“, sagte Baumann.

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Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion durch den Anbau von Energiepflanzen wird bei EU-Nachhaltigkeitskriterien nicht erfasst

Donnerstag 24. Juni 2010 von birdfish

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hat über die Festlegung von Nachhaltigkeitskriterien für die Zertifizierung von Biokraftstoffen und Bioenergie aus Pflanzenölen informiert.

Nutzpflanzen verdrängen Nahrungsproduktion
Nutzpflanzen verdrängen die Nahrungsproduktion – Foto: Dagmar Struß

„Es ist strikt verboten, Tropenwälder zu roden oder Moore trocken zu legen, um Pflanzen für Biokraftstoffe anzubauen“, sagte Oettinger. Auch könnten Mitgliedstaaten nur Biokraftstoffe mit hoher Treibhausgaseinsparung zur Erreichung der Biospritziele anerkennen lassen. So muss Biosprit mindestens 35 Prozent weniger CO2 ausstoßen als herkömmlicher Kraftstoff.

Die vier großen Brüssler Umweltorganisationen BirdLife International, ClientEarth, das Europäische Umweltbüro und Transport & Environment warfen der Kommission vor, das Problem der Ausbreitung von Agrarland in ökologisch sensible Gebiete, nämlich wenn die Nahrungsmittelproduktion durch den Anbau von Energiepflanzen verdrängt wird, keineswegs gelöst zu haben. In diesem Fall spricht man von indirekter Landnutzungsänderung, die nicht von den europäischen Nachhaltigkeitskriterien erfasst ist. „Solange die Kommission nicht bereit ist, sich mit der Problematik zu befassen, sind alle Versuche der EU, Biosprit als nachhaltig zu verkaufen, irreführend, kontraproduktiv und zum Scheitern verurteilt“, sagte Nusa Urbancic von Transport & Environment.

Die vier Umweltverbände hatten die EU-Kommission bereits Anfang März wegen der Vorenthaltung von wissenschaftlichen Dokumenten verklagt. Die Papiere sollen Informationen über die negativen Auswirkungen einer gesteigerten europäischen Biokraftstoffnachfrage der EU auf die Umwelt und die Lebensmittelpreise enthalten. Nach eigenen Angaben hält die Kommission derzeit 140 Dokumente zurück.

Nach der Erneuerbare-Energien-Richtlinie soll der Anteil regenerativer Energien im Verkehr bis 2020 zehn Prozent betragen. Das soll hauptsächlich durch den Einsatz von Biokraftstoffen erreicht werden. Vor der Verabschiedung der Richtlinie Ende 2008 war die EU-Kommission wegen der von Kritikern vorausgesagten verheerenden sozialen und ökologischen Auswirkungen einer erhöhten Biospritnachfrage massiv unter Beschuss geraten.

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Zoo Osnabrück: Kohlendioxid-Einsparung um 250 Tonnen – gleichzeitig Kosten gespart

Mittwoch 2. Juni 2010 von birdfish

Elefantenkuh Sabi dreht die Heizung ab. Und auch Affe, Nashorn und Co. stehen dem Dickhäuter in Sachen Klimaschutz in nichts nach.

Energiesparen im Elefantenhaus
Infrarotheizung im Elefantenhaus senkt den Energieverbrauch um 30 Prozent. Foto: Zoo Osnabrück

Der Zoo Osnabrück hat sein Energiesparprogramm erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Zwei Jahre hat er in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und den Stadtwerken Osnabrück nach Möglichkeiten gesucht, den Energieverbrauch zu verringern. Ein Viertel weniger Strom genutzt, 68.200 Euro an Kosten gespart und 250 Tonnen weniger Kohlendioxid produziert – das ist nun die Bilanz. Bei der heutigen Präsentation der Abschlussergebnisse lobte DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde das modellhafte Konzept: „Zoos leisten einen wichtigen Beitrag zu Artenschutz, Forschung und Bildung. Gleichzeitig benötigen sie viel Energie. Die Versorgung so sparsam wie möglich zu gestalten, ist hier beispielhaft verwirklicht worden. Dieses Wissen kann nun an andere Zoos weitergegeben werden.“

Zoo mindert Kohlendioxid-Ausstoß um 250 Tonnen – gleichzeitig Kosten gespart

„Energiesparen im Zoo funktioniert nicht so leicht wie in einem Einfamilienhaus und schon gar nicht von heute auf morgen“, das stellte Energieberater Frank Hanneken schon zu Beginn des Projekts im Juli 2007 klar. Die große Artenvielfalt, die Neugierde der Zoobewohner, das häufige Öffnen der Türen zu den Tierhäuser und die vielen Bauten aus den 70er Jahren mit hohem Energieverbrauch machten das Vorhaben zu einer Herausforderung. Doch die aktuellen Auswertungen zeigen: Die Arbeit hat sich gelohnt. Lasse man die erst kürzlich entstandenen Gebäude außer Betracht, zeige sich im Vergleich vom Winter 2009/2010 zu den Aufzeichnungen von 2005, dass der Zoo nun über 336.000 Kilowattstunden (kWh) Wärme und 250.000 kWh Strom im Jahr weniger verbrauche. Zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus verbraucht jährlich 20.000 kWh Wärme und 4.000 kWh Strom. Damit mindere der Tiergarten den Ausstoß an Kohlendioxid um 250 Tonnen. Gleichzeitig habe er letztes Jahr 68.200 Euro gespart.

Grünspar - Grünsparen statt schwarzärgern

Solaranlage heizt Wasser für Elefanten- und Nashornstall auf

Die Schritte auf dem Weg dorthin seien vielfältig gewesen: „Nach einer ersten Bestandsaufnahme des Energieverbrauchs setzten wir Energiesparlampen ein, dämmten Rohre und Wände und installierten in jedem Tierhaus kleine Computer, die die Temperatur regelten und dokumentierten“, berichtete Hanneken. Zahlreiche individuelle Maßnahmen seien gefolgt, wie etwa die Infrarotheizung bei den Elefanten: Diese erwärmt die von ihr angestrahlten Oberflächen – so auch die Elefanten – und ermöglicht damit komfortable Haltungsbedingungen bei geringeren Raumtemperaturen. Der Energieverbrauch sei dadurch um 30 Prozent gesunken. Zudem würden jetzt Solaranlagen das Wasser für den Elefanten- und Nashornstall aufheizen. Eine weitere nachhaltige Investition: Das Blockheizkraftwerk, das ein Drittel des Zoostroms produziere und die Tropenhalle, das Südamerika- und Affenhaus warm halte.

Bären Tipps und Taps erklären klimaschonende Maßnahmen

Neben der DBU (125.000 Euro) und den Stadtwerken (80.000 Euro) unterstützte auch die Niedersächsischen Lottostiftung (25.000 Euro) das Projekt finanziell. Informationstafeln – die so genannten „Energiespartatzen“ – sollen die Zoobesucher künftig wissen lassen, wie und an welchen Stellen die klimaschonenden Maßnahmen umgesetzt wurden. Die Patentiere der Stadtwerke, die Bären Tipps und Taps, sollen dabei helfen. Auch in den Führungen „Energie im Zoo und im Tierreich“ machen Zoopädagogen rund um das Thema „Energie“ schlau. Und mit Beginn der Sommerferien soll eine Ausstellung der Stadtwerke im Aquarium außerdem dazu anregen, Energie im Haushalt einzusparen.

Zoos wichtige Multiplikatoren – Erfahrungen auf andere Tiergärten übertragbar

Die Erfahrungen aus Osnabrück könnten nun auch anderen Zoos beim Energiesparen helfen. „Werden die Maßnahmen dann noch wie hier so gut dokumentiert und den Besuchern präsentiert, entstehen wichtige Multiplikatoren für den Klimaschutz“, unterstrich Brickwedde. Energie zu sparen, bleibe auch künftig für den Zoo Osnabrück ein großes Anliegen, betonte Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann: „Das Thema wird nie abgeschlossen sein: Im Herbst wird unsere Hackschnitzelanlage zur Wärmegewinnung für Zoo, Zooverwaltung und Museum ans Netz gehen. Außerdem achten wir bei allen neuen Anlagen auf einen möglichst niedrigen Energieverbrauch, auch indem wir Tiere zeigen, die an den Winter gewöhnt sind, wie in unserer Taigalandschaft.“

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Bundeswaldgesetz: Jetzt richtige Weichen für eine nachhaltige Waldwirtschaft stellen

Donnerstag 20. Mai 2010 von birdfish

Heute debattiert der Bundestag über das Bundeswaldgesetz.

Neues Bundeswaldgesetz gefordert
Neues Bundeswaldgesetz gefordert – (c) Ingwer Hansen

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller meint hierzu: „Nach vier gescheiterten Versuchen, das Bundeswaldgesetz zu novellieren muss die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode endlich ein Ergebnis vorlegen. Das bestehende Bundeswaldgesetz hinkt der waldpolitischen Debatte um rund zwei Jahrzehnte hinterher. Es liefert keine Antworten auf die gestiegene Holznachfrage, den Klimawandel und den fortschreitenden Verlust der Artenvielfalt. Das Bundeswaldgesetz ist somit ein wichtiger naturschutzpolitischer Prüfstein für die Politik von Schwarz-Gelb im Bund.“

Der NABU fordert, dass mit der überfälligen Novellierung des Bundeswaldgesetzes endlich die Weichen für eine ökologisch nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland gestellt werden. Dazu gehörten die Einführung von ökologischen Mindeststandards für die Waldbewirtschaftung mit einem grundsätzlichen Verbot von Kahlschlägen sowie klaren Zielen für den Waldnaturschutz und das Wildtiermanagement.

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Dieselfahrer tanken klimafeindliches Palmöl – Greenpeace testete deutsche Zapfsäulen

Donnerstag 6. Mai 2010 von birdfish

Deutsche Dieselfahrer kaufen mit jeder Tankfüllung auch Agrosprit aus Importen ein.

Greenpeace nimmt Proben von Diesel Kraftstoff an einer Tankstelle
Greenpeace nimmt Proben von Diesel Kraftstoff an einer Tankstelle – (c) Steffen Giersch / Greenpeace

Greenpeace machte mit 160 bundesweiten Dieseltests die Probe aufs Exempel und untersuchte Sommer- und Winterdiesel auf die Herkunft des beigemischten Sprits aus Pflanzenöl. Der gesetzlich erzwungene Bedarf wird zunehmend aus Entwicklungsländern wie Indonesien und Argentinien gedeckt. Dort führen Anbau und Produktion von Soja- und Palmöl zu großflächigen Regenwaldzerstörungen und massivem CO2-Ausstoß.

Hierzulande muss dem Diesel aufgrund der Beimischungsquote derzeit rund 7 Prozent Agrosprit zugesetzt werden. Die Greenpeace-Tests zeigen, dass dieser Anteil aus durchschnittlich 6 Prozent Palmöldiesel und 11 Prozent Sojadiesel besteht. Auch in anderen Ländern wie Indien, USA und China steigt durch gesetzliche Beimischungsquoten der Anteil an Agrosprit. Indonesien ist derzeit der drittgrößte CO2-Emittent weltweit – diesen Trend werden die deutschen Beimischungsquoten für Diesel weiter anfeuern.

Heimische Rohstoffe wie Rapsöl sind aber knapp und teuer. “Der in Deutschland angebaute Raps würde maximal für eine fünfprozentige Beimischung reichen”, gibt Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace, zu bedenken. “Das Argument, mit Agrosprit die heimische Landwirtschaft zu schützen, ist absurd.” Die Anbaufläche für Energiepflanzen wie Raps ist begrenzt; die Umwandlung neuer Grünflächen verursacht erneuten CO2-Ausstoß und ist damit keine klimafreundliche Alternative. Damit sich deutsche Dieselautos bewegen, müssen Entwicklungsländer zur Agrosprit-Produktion eine Plantagenfläche zweimal so groß wie das Saarland bereitstellen.

Schnelles Geld auf Kosten der Umwelt

Die indonesische und argentinische Wirtschaft profitieren vom Agrosprit-Boom. Die Länder legen in rasendem Tempo neue Plantagen für Soja und Palmöl an. Die Kehrseite der Medaille: Regenwaldzerstörung, illegaler Holzeinschlag, Korruption, Landkonflikte mit der Bevölkerung und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sind gängige Praxis. Die Palmölindustrie lässt ausgewählte Vorzeigeplantagen als nachhaltig zertifizieren, während sie weiterhin ohne Genehmigung Regenwaldgebiete für den Plantagenanbau umwandelt. Mit der Urwaldzerstörung geht auch die Heimat von vielen bedrohten Arten, wie Orang-Utan oder Sumatra-Tiger, verloren. Besonders massiv wirkt sich die Austrocknung der kohlenstoffreichen Torfwälder aus: Es entweichen riesige Mengen an Treibhausgasen und heizen die Erderwärmung an.

Ein löchriges Feigenblatt

“Die aktuelle Nachhaltigkeitsverordnung für Agrosprit ist viel zu schwach. Sie dient Unternehmen und Politikern als grünes Feigenblatt und kreiert lediglich die Illusion, das Problem Urwaldzerstörung sei gelöst”, so Hölzel. Greenpeace fordert eine Kehrtwende: Die gesetzlich verpflichtende Beimischungsquote muss abgeschafft werden. Die Lösung für den Klimaschutz kann nur heißen: verbrauchsärmere Autos und alternative Verkehrskonzepte und -Antriebe. Indonesien muss einen sofortigen Stopp auf die weitere Umwandlung von Regenwäldern und Torfmooren in Plantagen erwirken.

Greenpeace-Tests: Sommer- und Winterdiesel 2010 (PDF)

Factsheet: “Agrosprit – Kein Beitrag zum Klimaschutz” (PDF)

Greenpeace

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EU-Kommission musste nun Analyse zur Klimaschädlichkeit von Biosprit auspacken

Freitag 23. April 2010 von birdfish

Biokraftstoffe können wesentlich klimaschädlicher sein als herkömmliches Diesel oder Benzin.

Biodiesel aus Sojabohnen ist äußerst klimaschädlich
Biodiesel aus Sojabohnen ist äußerst klimaschädlich – (c) Franz Haindl / Pixelio

Dies zeigen Teile einer Studie, die die EU-Kommission zurückgehalten hatte und nun nach dem Umweltinformationsgesetz an die Nachrichtenagentur Reuters herausgeben musste. Danach hinterlässt beispielsweise Biodiesel aus nordamerikanischen Sojabohnen einen etwa vier Mal so großen CO2-Fußabdruck als herkömmliches Diesel.

Die Kommission hatte diese und andere Analysen aus ihrer im Dezember 2009 veröffentlichten Studie herausgenommen. Das veranlasste das Fraunhofer Institut als einer der Autoren sich partiell von dem Bericht zu distanzieren. “Wir müssen weiter arbeiten, neue Nachhaltigkeitskriterien entwickeln und sehr vorsichtig bei der Herkunft von Biosprit sein. Und wir müssen einen Weg finden, ineffiziente Biokraftstoffe auszuschließen” sagte Wolfgang Eichhammer vom Fraunhofer Institut.

Die Kommission stand in den vergangen Wochen wiederholt in der Kritik, wissenschaftliche Untersuchungen zu Biokraftstoffen zurückzuhalten: Vier Umweltverbände hatten sie deswegen bereits am 8. März verklagt. Sie werfen der Kommission vor, Informationen zu den negativen Auswirkungen einer gesteigerten Biokraftstoffnachfrage der EU auf die Umwelt und die Lebensmittelpreise unter Verschluss zu halten.

Nach der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie soll der Anteil von erneuerbaren Energien im Verkehr bis 2020 zehn Prozent betragen. Das Ziel soll dabei hauptsächlich durch den Einsatz von Biokraftstoffen erreicht werden. Vor der Verabschiedung der Richtlinie Ende 2008 stand die EU-Kommission wegen der voraussichtlich verheerenden sozialen und ökologischen Auswirkungen einer erhöhten Biosprit-Nachfrage massiv unter Beschuss.

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EU-Kommission wegen Vorenthaltung von negativer Information zum Biosprit verklagt

Freitag 12. März 2010 von birdfish

Vier Umweltverbände haben diese Woche die EU-Kommission wegen der Vorenthaltung von Dokumenten verklagt.

Umstrittene Biomasse Raps
Umstrittene Biomasse Raps – (c) Hermann / Pixelio

Sie sollen Informationen über die negativen Auswirkungen einer gesteigerten Biokraftstoffnachfrage der EU auf die Umwelt und die Lebensmittelpreise enthalten. Tim Gabriel von ClientEarth – eine der Kläger-Organisationen bedauerte, dass sich die Kommission dazu entschieden habe, Informationsrechte bei einer so entscheidenden Sache, wie der Wissenschaft, die unserer Klimapolitik zu Grunde liegt, zu verleugnen.

Nach der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie soll der Anteil von erneuerbaren Energien im Verkehr bis 2020 10 Prozent betragen. Das Ziel soll dabei hauptsächlich durch den Einsatz von Biokraftstoffen erreicht werden. Vor der Verabschiedung der Richtlinie Ende 2008 stand die EU-Kommission wegen der voraussichtlich verheerenden sozialen und ökologischen Auswirkungen einer erhöhten Biosprit-Nachfrage massiv unter Beschuss.

Pieter de Pous vom Europäischen Umweltbüro (EEB) sagte, dass die bisher herausgegebenen Dokumente darauf schließen lassen, dass die Kommission vorhabe, die Untersuchungsergebnisse so zu präsentieren, dass sie zuvor getroffene Entscheidungen unterstützen, anstatt eine Korrektur dieser auszulösen. Nach eigenen Angaben, hält die Kommission derzeit 140 Dokumente zurück.

Gleichzeitig hat sich auch der Ombudsmann Nikiforos Diamandouros bei der EU-Kommission beschwert. In diesem Fall geht es um drei Briefe von Porsche an den ehemaligen Wirtschaftskommissar Günter Verheugen. Diese hatte Diamandouros auf Anfrage von Friends of the Earth während der Konsultation zum Richtlinienvorschlag über CO2-Grenzwerte für Pkw angefordert. Diamandouros erklärte, dass die unkooperative Haltung der Kommission zu einem Vertrauensverlust der Bürger in diese Institution führen könne und die Fähigkeit des Ombudsmannes und des Europäischen Parlaments untergrabe, die Kommission effektiv zu überwachen.

Mit einen Sonderbericht hat Diamandouros nun das Europäische Parlament auf die Pflichtverletzung und mangelnde Zusammenarbeit der EU-Kommission aufmerksam gemacht. Dies ist das erste Mal, dass ein Ombudsmann diesen Schritt geht.

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