KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

“Biosprit” keine Lösung: klimaschädlicher Sprit verschärft Lebensmittelknappheit

Montag 16. Januar 2012 von birdfish

Der BUND und sein internationales Netzwerk Friends of the Earth (Freunde der Erde) haben die Fluggesellschaften aufgefordert, sogenanntes “Biokerosin” künftig nicht mehr in Flugzeugen einzusetzen.

Biokerosin macht fliegen nicht besser
Biokerosin macht fliegen nicht besser – Foto: Dagmar Struß

Bei den Testreihen, die Lufthansa jetzt mit einem Flug von Frankfurt nach Washington abschließe, seien bereits große Mengen potentieller Nahrungsmittel durch die Düsentriebwerke der Airbusse gejagt worden, sagte der BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. “In Afrika und anderswo hungern Millionen und die Fluggesellschaften hängen sich auf Kosten dieser Menschen ein grünes Mäntelchen um. Das dürfen wir nicht akzeptieren”, sagte Hilgenberg.

Lufthansa habe erklärt, den Einsatz von Biosprit ausbauen zu wollen, sobald genügend zertifizierte Rohstoffe zur Verfügung stünden. Auf der Suche nach Alternativen zum klimaschädlichen Flugbenzin liebäugelten auch Airlines wie KLM, Air France und British-Airways mit Agro-Kerosin, sagte Hilgenberg. Der BUND-Experte forderte stattdessen eine Reduzierung der Flugbewegungen und die drastische Verbesserung der Effizienz der Flugzeugtriebwerke.

Die Pläne, im europäischen Luftfahrtsektor einen Teil des herkömmlichen Kerosins zu ersetzen, würden bis 2020 zu einem jährlichen Mehrbedarf von rund zwei Millionen Tonnen Agro-Sprit führen. Für dessen Produktion würde nach Untersuchungen von Friends of the Earth eine landwirtschaftliche Fläche von bis zu 3,5 Millionen Hektar benötigt. Dies entspräche einer Fläche von der Größe Belgiens.

Geert Ritsema von Friends of the Earth Niederlande: “Agro-Kerosin ist mitnichten die grüne Revolution der Luftfahrt. Die Flugindustrie strebt nach größerer Unabhängigkeit vom Öl und wird damit zum Konkurrenten in der weltweiten Lebensmittelproduktion. Bereits heute wird durch den Anbau von Jatropha in Indonesien und Mosambik die Nahrungsmittelproduktion verdrängt. Wenn der Anteil von Agro-Kerosin substantiell zunimmt, sind die Folgen für die Menschen im globalen Süden unvorhersehbar.”

Hinzu komme, dass der Einsatz von Agro-Kerosin in Flugzeugen keinesfalls klimaneutral sei, wie von Airlines und Flugzeugherstellern oft kolportiert. Neben Emissionen, die durch Anbau, Herstellung und Transport der Ausgangsstoffe für den Agro-Sprit entstünden, führe dessen Verbrennung in den höheren Schichten der Erdatmosphäre zur Emission von Stickstoffoxid, Wasserdampf und Feinstaub, die in der Summe ebenso schädlich seien wie das Klimagift Kohlendioxid.

“Die Lufthansa behauptet zwar, ihre Testreihe hätte zum Klimaschutz beigetragen. Dabei ignoriert sie aber einen Großteil der Emissionen und deren Wirkungen in der Atmosphäre”, sagte Hilgenberg. “Neben effizienteren Motoren, leichteren Flugzeugen und optimierten Flugplänen gibt es nur einen Weg zur Verringerung der Klimawirksamkeit des Flugverkehrs: Die generelle Reduzierung der Flüge. Dafür gibt es beispielsweise auf innereuropäischen Strecken die umweltfreundliche Alternative der Bahn”, so der BUND-Experte.

Kategorie: Elemente, Energiearten, Entwicklungsländer, Ernährung, Gruppen, Landwirtschaft, Luft, Mensch, Ressourcen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Verkehr, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Klimakonferenz: NABU warnt vor riskantem CCS-Einsatz in Entwicklungsländern

Freitag 9. Dezember 2011 von birdfish

Der NABU warnt Deutschland und die EU eindringlich davor, auf der UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban einer Entscheidung zuzustimmen, die den Einsatz der CCS-Technologie zur unterirdischen Ablagerung von CO2 in Entwicklungsländern fördern würde.

Verpressung von CO2 birgt enorme Risiken
Verpressung von CO2 birgt enorme Risiken – Foto: Jürgen Nießen/pixelio, Montage: BUND

„Es kann nicht sein, dass wir in Deutschland auf CCS verzichten, um es dann unter deutlich schlechteren Sicherheitsstandards in Afrika und Asien zu fördern“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Falls die völlig unausgereifte CCS-Technik jemals einen Beitrag zur Lösung der Klimaprobleme leisten kann, dann nur unter höchsten Sicherheitsanforderungen“, so Tschimpke.

Auf der Klimakonferenz in Durban wird derzeit verhandelt, ob CCS in den sogenannten Clean-Development-Mechanismus (CDM) aufgenommen werden soll. Wenn CCS-Projekte unter den CDM fallen, könnten westliche Industrieländer und Konzerne ihre Emissionsbilanz künftig aufbessern, indem sie in CCS-Projekte in Entwicklungsländern investieren. Der CO2-Ausstoß, der durch das CCS-Projekt in dem betreffenden Entwicklungsland vermeintlich vermieden wird, wird dem Investor gut geschrieben. „Der Profit geht in die Industrieländer, die Risiken bleiben in den Entwicklungsländern – auf diese zynische Art hat CCS im CDM nichts verloren“ kritisiert der NABU-Präsident. Damit CCS einen Beitrag zur Lösung der Klimaprobleme leisten kann, müssen zunächst Forschung und behutsame Erprobung vorangebracht werden – und zwar unter höchsten Sicherheitsanforderungen. „Die vorgeschlagenen Sicherheitsstandards für CCS-Projekte in armen Ländern sind absolut unzureichend. In Deutschland würden wir unter den Bedingungen niemals einer CO2-Ablagerung unter der Erde zustimmen“. Während die Industrieländer ihre Emissionsbilanz aufhübschen könnten, müssten die Entwicklungsländer über Jahrhunderte mit den noch völlig ungeklärten Haftungsrisiken durch das unter Hochdruck in den Untergrund gepresste Kohlendioxid leben.

Besonders beunruhigend ist, dass auf der Klimakonferenz in Durban vor allem die erdölfördernden Länder der OPEC für CCS im CDM kämpfen. Denn nach den vorgeschlagenen Regelungen soll das CO2 unter die Erde gepresst werden, um mehr Erdöl aus unterirdischen Lagerstätten fördern zu können. „Das CDM-Instrument soll eigentlich Klimaschutz und Entwicklungshilfe miteinander verbinden. Wenn dabei nun CCS eingesetzt wird, damit Saudi-Arabien und Dubai ihre Ölvorkommen besser ausbeuten können, ist das in jeder Hinsicht absurd“, kritisiert NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse, der in Durban die UN-Klimaverhandlungen verfolgt.

Kategorie: Boden, EU, Elemente, Energiearten, Entwicklungsländer, Forschung, Gesetze, Gesundheit, Gruppen, Internationale ZA, Konferenzen-Events, Mensch, Neue Technologien, Politik, Ressourcen, Sensibilisierung, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

EU-Abgeordnete lehnen Schutz für Arktis ab und erlauben gefährliche Tiefseebohrungen

Montag 26. September 2011 von birdfish

Abgeordnete im EU-Parlament haben sich jetzt mehrheitlich dagegen ausgesprochen, Tiefseebohrungen in ökologisch sensiblen Gebieten wie der Arktis zu verbieten.

Eisschollen
Kaum schmilzt das Eis, soll die Arktis ausgebeutet werden – Foto Gabi Huckelmann / Pixelio

Die Parlamentarier lehnten auch die Einrichtung eines Moratoriums auf Tiefseebohrungen bis zur Verabschiedung von schärferen EU-Sicherheitsstandards ab.

Beide Anträge waren im Rahmen einer Resolution des Parlaments zur neuen EU-Regelung von Tiefseebohrungen von der Grünen Fraktion eingebracht worden.

Die verabschiedete Resolution sieht vor, dass neue Öl- und Gasfelder in europäischen Meeren künftig nur dann erlaubt werden, wenn die Firma einen dem Bohrort angemessenen Notfallplan vorgelegt hat. Außerdem sprachen sich die Abgeordneten erneut dafür aus, dass das Verursacherprinzip und die Haftung für Schäden auf Meeregewässer und -artenvielfalt ausgedehnt wird.

Die EU-Grünen kritisierten die Entscheidung, vor allem im Lichte des Öllecks vor Schottland. Dieses zeige deutlich, dass schwere Ölunfälle auch in der Nordsee möglich seien, sagte die Fraktionsvorsitzende Rebecca Harms.

Kategorie: EU, Elemente, Gesetze, Gruppen, Neue Ressourcen, Politik, Ressourcen, Sensibilisierung, Wasser, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Wird die Nachhaltigkeit von Biotreibstoffen durch Zertifikationssysteme garantiert?

Freitag 12. August 2011 von birdfish

Die EU-Kommission hat die ersten sieben EU-Systeme zum Nachweis der Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen anerkannt.

Bioenergie nicht zulasten der Umwelt
Bioenergie nicht zulasten der Umwelt – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

Zu den zertifizierten Programmen gehören unter anderem das deutsche, staatlich finanzierte System ISCC für alle Arten von Biokraftstoffen sowie spezielle Programme für die Zertifizierung von Kraftstoffen auf der Grundlage von Rohrzucker, Soja, oder Ethanol. Diese Anerkennung gilt unmittelbar in den 27 EU-Mitgliedstaaten.

Biokraftstoffe gelangen immer mehr unter Kritik, da der Anbau der Pflanzen mit der Lebensmittelproduktion konkurriert und ökologisch wertvolle Gebiete dafür gerodet werden. Die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen soll jetzt von den Mitgliedstaaten oder durch von der Europäischen Kommission anerkannte freiwillige Zertifizierungssysteme überprüft werden.

Die EU-Kommission erörtert derzeit mit den Betreibern anderer freiwilliger Systeme, wie diese ihre Standards verbessern können, um die Nachhaltigkeitsanforderungen für Biokraftstoffe zu erreichen. Sie prüft momentan weitere 18 Zertifizierungssysteme. Laut ENDS Europe Daily hat die Kommission die Anerkennung von weiteren Systemen für den Oktober angekündigt.

Bis zum Jahr 2020 will die EU im Verkehrssektor den Anteil an erneuerbaren Energien auf mindestens zehn Prozent erhöhen. Der Einsatz von Biokraftstoffen spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Durch die Einführung eines Prüfsystems für Anbauflächen von Pflanzen zur Gewinnung von Biotreibstoffen will die EU erreichen, dass diese Kraftstoffe gewisse Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Unter anderem dürfen ehemalige Regenwald-Flächen nicht als nachhaltig zertifiziert werden, um der Rodung des Regenwaldes zur Gewinnung von Biokraftstoffen entgegenzuwirken.

Eine im Auftrag der Umweltschutzorganisationen RSPB, ActionAid und Nature Kenya veröffentlichte Studie über den Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von Biotreibstoffen in den Dakatacha Woodlands in Kenia zeigt, dass Biotreibstoffe bis zu sechsmal höhere Schadstoffemissionen als fossile Treibstoffe haben können.

Die umstrittenen indirekten Landnutzungsänderungen sind bisher noch nicht in die Bewertung der Systeme eingeflossen. Dieses Phänomen tritt auf, wenn zwar der Agrosprit künftig auf zertifizierten Flächen angebaut wird, dafür jedoch Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln oder Ölpflanzen für die Kosmetikindustrie gerodet werden. Nach der Sommerpause will sich die Kommission Oettinger zufolge zwar dieser Frage widmen. Ob deren Berücksichtigung Einfluss auf die bisherige Anerkennung der Zertifzierungssteme haben wird, ließ der Kommissar allerdings offen. Die Brüsseler Umweltverbände BirdLife International, Europäisches Umweltbüro (EEB) und Transport & Environment (T&E) hatten die Kommission in den letzten Monaten massiv für den Umgang mit indirekten Landnutzungsänderungen kritisiert.

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte die Kommission dringend auf, nachzubessern und die indirekten Landnutzungsänderungen mit in die Kriterien aufzunehmen. Außerdem forderte Greenpeace, dass Biotreibstolle, die im Vergleich zu fossilem Sprit keine oder nur geringfügig Treibhausgasemissionen reduzieren, weder als erneuerbare Energien noch für Bonuszahlungen angerechnet werden dürften.

Kategorie: Boden, EU, Elemente, Energiearten, Erneuerbare Energien, Ernährung, Gesetze, Gruppen, Landwirtschaft, Mensch, Politik, Ressourcen, Ressourcen sparen, Tiere und Pflanzen, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Keine Energiewende ohne Energieffizienz – Steueranreize für Gebäudesanierung geben

Dienstag 12. Juli 2011 von birdfish

Der Umweltverband NABU hat gemeinsam mit der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) und dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) das Scheitern des Gesetzes zur steuerlichen Förderung energetischer Gebäudesanierung im Bundesrat am Freitag scharf kritisiert.

Energieeffizienz durch Haussanierung
Energieeffizienz durch Häusersanierung – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Gemeinsam fordern sie Bundesregierung und Länder auf, sich in der Frage der Verteilung der Kosten schnell zu einigen. Ein Scheitern gefährdet aus Sicht der Verbände den Erfolg einer schnellen Energiewende. Die Verbände stimmen jedoch mit der Ansicht Länder überein, dass das Umwälzen der steuerlich förderfähigen Kosten auf den Mieter ausgeschlossen werden müsse.

Die Sicht der Länder, dass der Bund die alleinigen Kosten der steuerlichen Förderung zu tragen habe, teilen DENEFF, NABU und vzbv nicht. So profitiere gerade die regionale Wirtschaft und damit Kommunen und Länder durch eine erhöhte Nachfrage nach Produkten, Handwerk und Dienstleistungen zur energetischen Modernisierung von der energetischen Gebäudesanierung.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Ohne den Gebäudesektor sind die Klimaschutzziele der Bundesregierung nicht erreichbar. Eine echte Energiewende kann es nur geben, wenn die energetische Gebäudesanierung voran getrieben wird. Steuerliche Anreize sind zwar nur ein Baustein, dafür aber ein wesentlicher, um die Sanierungsrate im Gebäudebestand zu erhöhen. Eine alleinige Verdopplung der Sanierungsrate reicht jedoch nicht aus. Zielführend sind Maßnahmen nur dann, wenn sie an hohe Effizienzstandards geknüpft sind. Das gilt gerade auch für Einzelmaßnahmen. “

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF): „Die steuerliche Förderung von Gebäudesanierungen kann einen echten Boom für sinnvolle Effizienzmaßnahmen auslösen. Die Blockadehaltung der Länder verspielt wichtige, wirtschaftspolitische Chancen. Jeder Steuercent, der mit der Förderung in heimische Wirtschaft und Beschäftigung investiert wird, würde uns dauerhaft unabhängig machen von teuer importierten Brennstoffen.“

Holger Krawinkel, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Leiter des Fachbereichs Bauen, Energie, Umwelt: „Die steuerliche Förderung ist unabdingbar, um Eigenheimbesitzer und Kleinvermieter zu energieeffizienten Investitionen zu motivieren. Geförderte Maßnahmen dürfen nicht zu Mietsteigerungen führen, damit die Mieter unterm Strich von niedrigeren Heizkosten profitieren. Die Ausgaben für Strom, Öl und Gas machen bereits heute bei einkommensschwächeren Haushalten über 40 Prozent der Ausgaben aus.“

Ziel muss aus Sicht von DENEFF, NABU und vzbv der klimaneutrale Gebäudebestand sein – wie im Energiekonzept der Bundesregierung vorgesehen. Um dies wirtschaftlich und nachhaltig zu schaffen, müssen Energieeffizienzmaßnahmen und der Ausbau der erneuerbaren Energien parallel vorangetrieben werden. Die Energieeffizienz spielt eine ganz entscheidende Rolle für das Erreichen der Klimaschutzziele.

Kategorie: Gesetze, Gruppen, Mensch, Politik, Ressourcen, Ressourcen sparen, Sensibilisierung, Städte, Verbraucher, Veröffentlichungen, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Abfälle aus Olivenölproduktion lassen sich zur Gewinnung von Bioenergie nutzen

Dienstag 5. Juli 2011 von birdfish

Bei der Produktion von Olivenöl bleiben umweltbelastende flüssige und feste Reststoffe zurück.

Olivenernte
Olivenernte – Foto: Fraunhofer-Institut

Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart haben in ersten Untersuchungen gezeigt, dass sich diese Reststoffe zur Gewinnung von Bioenergie nutzen lassen. Mehr als zwei Drittel der organischen Trockensubstanz können zu Biogas vergoren werden.

Mehr als 2 Millionen Tonnen Olivenöl werden jährlich in Europa hergestellt. Nach der Ernte werden die Oliven von Blättern befreit, gewaschen, gemahlen und die flüssige Phase von der festen in einem Dekanter getrennt. Aus dem Wasser-Öl-Gemisch wird das wertvolle Speiseöl gewonnen, indem es durch Zentrifugieren von der wässrigen Phase getrennt wird. Übrig bleibt die wässrige Phase, die in recht hohen Konzentrationen Schwebstoffe und Substanzen wie Fettsäuren und Phenole enthält, welche für Tiere und Pflanzen toxisch sind. Die flüssigen Reststoffe können daher nicht einfach in die Umwelt, Flüsse oder Seen eingeleitet werden und stellen in den Anbauregionen in Italien, Griechenland und Spanien ein Entsorgungsproblem dar. Die festen Olivenreststoffe aus der Ölmühle bestehen zum Großteil aus Proteinen und enthalten ebenfalls Phenole.

In einem von der EU geförderten Projekt entwickeln und erproben Partner aus Forschung und Industrie ein Konzept, nach dem bei der Olivenölherstellung anfallenden Abfallstoffe verwertet werden können. Die Idee ist, zunächst verwertbare Substanzen wie Polyphenole zu extrahieren, um sie als natürliche Antioxidantien in der Kosmetik- oder Lebensmittelindustrie nutzen zu können. Die Restbiomasse soll energetisch verwertet werden. Hierzu untersuchen Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart, inwieweit die Reststoffe zu Biogas als Energieträger vergoren werden können. Erste Untersuchungen im Labormaßstab zeigen, dass sowohl die flüssigen als auch die festen Reststoffe wertvolle Energie in Form von Biogas liefern.

Die Forscher haben in ihren Versuchsreihen die je nach Herstellungsverfahren unterschiedlichen Abfallfraktionen aus den drei Anbauländern untersucht. »Wir haben die Reststoffe nach einem am Fraunhofer IGB entwickelten Verfahren vergoren, bei dem die Substrate in den Reaktoren während der Vergärung optimal durchmischt werden«. erläutert Prof. Dr. Dieter Bryniok, Projektleiter am Fraunhofer IGB. »Sowohl in festen als auch in flüssigen Abfällen wurde hierbei der Anteil der organischen Verbindungen, abhängig von den eingesetzten Abfallfraktionen, um 75 bis 90 Prozent reduziert – das heißt der Großteil der abbaubaren Verbindungen in den Abfallstoffen wird durch anaerobe Bakterien umgesetzt«. Je nach Zusammensetzung der jeweiligen Abfallfraktion wurden dabei aus festen Abfällen innerhalb von 20–30 Tagen bis zu 720 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz gebildet. Bei den flüssigen Abfällen konnten die Forscher innerhalb von 10 Tagen 680 bis 980 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz nachweisen. Zum Vergleich: Eine konventionelle Biogasanlage mit Maissilage liefert im Schnitt 680 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz.

Derzeit untersuchen die Fraunhofer-Forscher, wie sie in kontinuierlich betriebenen Vergärungsprozessen, in denen ständig Substrat zugeführt wird, die Biogasausbeute weiter erhöhen können. »Bereits jetzt können wir sagen, dass je nach Art der Abfälle pro Tonne Feststoffabfall bis zu 3600 kWh und pro Tonne Flüssigabfall bis zu 540 kWh Energie gewonnen werden können«, so Bryniok. Würden alle Reststoffe der Olivenölproduktion in Europa zu Biogas vergoren, entspräche die hierbei lieferbare Bioenergie in etwa der Menge, für die Mais auf einer Fläche von 2800 Quadratkilometern – einer Fläche so groß wie das Saarland – angebaut werden müsste! Die Vergärung organischer Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion kann somit einen spürbaren und nachhaltigen Beitrag zu einer dezentralen Energieversorgung leisten.

Kategorie: EU, Energiearten, Erneuerbare Energien, Forschung, Gruppen, Landwirtschaft, Neue Ressourcen, Ressourcen, Tiere und Pflanzen, Wirtschaft | 1 Kommentar »

Ölbohrungen in der Arktis: Unternehmen müssen ihre Notfallpläne veröffentlichen

Freitag 10. Juni 2011 von birdfish

Greenpeace-Aktivisten haben sich tagelang auf der Ölplattform Leiv Eiriksson vor der Küste Grönlands verschanzt, um dort die umweltschädigenden Ölbohrarbeiten hinauszuzögern.

Aktivisten in einer Kapsel unter dem Schiff
Aktivisten in einer Kapsel unter dem Schiff – Foto: Greenpeace

Außerdem forderten sie die Veröffentlichung des Notfallplans vom Betreiber Cairn Energy für den Fall einer Ölkatastrophe. Ein niederländischer Gerichtshof hat diese Forderungen nun bestätigt.

Es scheint, als hätten die Greenpeace-Aktivisten trotz Festnahme ihr Ziel erreicht. Sie hatten die schottische Ölfirma Cairn Energy aufgefordert, den Notfallplan für eine Ölkatastrophe in der Arktis offenzulegen. Darin sollte dokumentiert sein, wie eine Katastrophe wie die der Deepwater Horizon verhindert werden könne. Doch die Betreiber hatten dies strikt verweigert.

Zuerst hielt sich ein Zweierteam in einer kleinen “Überlebenskapsel” auf, die unter der Plattform angebracht war. Danach hatten 18 Aktivisten die Leiv Eiriksson erklettert, dort nochmals die Veröffentlichung des Notfallplans gefordert und sich teilweise in Kran-Kabinen verschanzt. Alle Aktivisten sind von der dänischen Polizei festegnommen worden und befinden sich in der grönländischen Haupstadt Nuuk in Gewahrsam.
Notfallplan muss veröffentlicht werden

Wie hat Cairn Energy auf die Greenpeace-Aktionen reagiert? Die Firma hat nicht etwa die Veröffentlichung des Notfallplans angekündigt, sondern Greenpeace stattdessen verklagt. Zwei Millionen Euro forderte der Konzern für jeden weiteren Tag, an dem die Arbeiten hinausgezögert werden. Die Klage wurde am Montag vor einem niederländischen Gericht verhandelt. Das Ergebnis ist erfreulich: Greenpeace muss nicht zahlen und Cairn Energy den Notfallplan veröffentlichen.

Auf diese Aufforderung entgegneten die Anwälte von Cairn Energy dem Gericht: Eine Veröffentlichung des Plans sei nicht möglich, da es nicht den Wünschen der grönländischen Behörden entspreche. Greenpeace liegt jedoch ein unabhängiges Rechtsgutachten vor, das besagt, dass der Publikation kein Hindernis im Wege stehe. Der Gerichtshof gab zudem zu bedenken, wie Cairn Energy die Folgen einer Ölkatastrophe bezahlen wolle.

Zu hoffen bleibt, dass die Ölbohrungen vor der Küste Westgrönlands dauerhaft gestoppt werden. Denn: Die ersten Bohrungen fanden bereits in einer Meerestiefe von bis zu 1.500 Metern statt. Eine alarmierende Zahl, denn genau in dieser Tiefe ereignete sich vor etwa einem Jahr die Katastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Sobald Öl gefunden wird, ist zu erwarten, dass Konzerne wie Exxon und Chevron nachziehen.

Eine weitere Gefahr birgt eine Meerenge, in der Bohrungen stattfinden sollen – in der Davis-Strait. Sie ist wegen der vielen von dort in den Nordatlantik treibenden Eisberge auch als “Eisbergallee” bekannt. Doch es braucht nicht erst eine Kollision in der Meerenge, um die Umwelt zu belasten.

Bereits bei den Suchbohrungen gelangen um die 9.000 Tonnen Chemikalien ins Meer, darunter etwa 180 Tonnen, die auf der roten Liste der hochgradig schädlichen Stoffe stehen. Diese können Meerestiere schädigen und bedrohen somit die grönländische Fischerei, die etwa 90 Prozent der Exportwirtschaft des Landes ausmacht. Auch ohne ein konkretes Unglück vergiftet der alltägliche Bohrbetrieb Tag für Tag die Umwelt.
Die Erlebnisse der Aktivisten im Netz nachverfolgen

Kategorie: Artensterben, Elemente, Gesetze, Gesundheit, Gruppen, Mensch, Politik, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wasser, Wirtschaft, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Zukunftsprojekt Supergrid: Strom effizient erzeugen, speichern und verteilen

Donnerstag 12. Mai 2011 von birdfish

Sonne, Wind, Biomasse, Wasser – Strom kommt künftig aus vielen unterschiedlichen Quellen und aus verschiedenen Ländern.

Die alten Stromnetze sind nicht zukunftsfähig
Die alten Stromnetze sind nicht zukunftsfähig – Foto: Gabi Schoenemann / Pixelio

Schon in einigen Jahrzehnten könnte ein Teil der in Europa benötigten elektrischen Energie aus Nordafrika stammen. Doch das erfordert neue Übertragungs- und Speichertechnik. Fraunhofer-Forscher arbeiten in dem Übermorgen-Projekt “Supergrid” an Komponenten und Systemen, um elektrische Energie zuverlässig erzeugen, speichern und verteilen zu können.

Große solarthermische Anlagen in Afrika, Offshore-Windparks in der Nordsee, Photovoltaik-Kraftwerke im Süden und die vielen dezentralen Anlagen in Mitteleuropa sollen künftig einen großen Teil unseres Stroms liefern. Damit aber der Umstieg auf regenerative Energien gelingt, müssen noch einige Herausforderungen gemeistert werden. Wie kann man den Strom ohne große Verluste über tausende Kilometer transportieren? Lässt sich die stark fluktuierende Energie effektiv speichern? Wie kann man den Strom in unsere Netze einspeisen? In dem jetzt gestarteten Zukunftsprojekt »Supergrid« arbeiten Fraunhofer-Forscher an Komponenten, um Strom verlustarm zu speichern und zu verteilen.

Neuartige Mittelspannungs- und Hochspannungs-Gleichstromnetze

“Der geplante, rasche Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung erfordert nicht nur einen Umbau der Stromnetze, sondern auch die energiewirtschaftlich optimierte Integration von erneuerbarer Energie, Speichertechnologien und Stromnachfrage. Hierfür sind noch grundlegende technologische Innovationen erforderlich. Unser Ziel ist es, Schlüsseltechnologien an der Schnittstelle zwischen Erzeugung und Einspeisung ins Netz zu entwickeln und in einem ganzheitlichen systemtheoretischen Ansatz zu optimieren”, erläutert Dr. Werner Platzer vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg, der das Projekt Supergrid koordiniert. In dem Projekt arbeiten Forscher der Fraunhofer-Institute für Solare Energiesysteme ISE, für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, für Werkstoffmechanik IWM, für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB.

Ein Schwerpunkt ist die Entwicklung von Komponenten und Systemen für neuartige Mittelspannungs- und Hochspannungs-Gleichstromnetze, über die Strom aus Sonne und Wind verlustarm über große Entfernungen transportiert werden soll. Bislang ist die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung als Punkt zu Punkt Verbindung ausgeführt. Mit Hilfe von auch erdverlegten Gleichstromnetzen, sollen die verteilten Energieerzeuger – etwa verschiedene Windkraftlagen und Solaranlagen – über weite Distanzen ohne große Verluste gekoppelt werden. Dazu braucht man neue regelungstechnische Verfahren und Systemkomponenten, die in dem Übermogen-Projekt »Supergrid« von Fraunhofer-Forschern entwickelt werden.

Hochtemperatur-Speicher: Wärme speichern

Ein wichtiger Baustein für die künftige Stromversorgung sind solarthermische Kraftwerke, die in Südeuropa und Nordafrika gebaut werden, wie zum Beispiel in dem Vorhaben Desertec. Hierbei wird Sonnenenergie in nutzbare Wärme umgewandelt. Diese wird dann zur Stromerzeugung genutzt werden. Der große Vorteil: Die erzeugte Wärme lässt sich etwa in Öl, Dampf oder Flüssigsalz speichern. So können die Kraftwerke rund um die Uhr Strom liefern.

Fraunhofer-Forscher wollen nun besonders kostengünstige und effiziente Hochtemperatur-Speicher entwickeln. Ein Ziel ist es, die Kosten für die Wärmespeicherung langfristig um mehr als die Hälfte zu senken. Mit Salzmischungen (Nitrate, Nitrite u.ä.) lässt sich Wärme besonders effizient speichern. Der Nachteil: Sie sind äußerst korrosiv. Fraunhofer-Forscher arbeiten daher an Werkstoffen, die Salzschmelzen auch bei hohen Temperaturen langfristig standhalten.

“Die Einbettung vernetzter Erzeuger und Speichertechnik in eine Gesamtstrategie für den Ausbau der erneuerbaren Energien erfordert zunächst aber eine genaue Analyse des Energiemarktes”, beschreibt Platzer einen wichtigen Aspekt des Projekts. Darauf aufbauend wollen die Forscher integrierte und optimierte Netzstrukturen entwickeln.

Kategorie: Energiearten, Erneuerbare Energien, Forschung, Gruppen, Neue Technologien, Ressourcen | Keine Kommentare »