KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Wettlauf mit dem Klimawandel – Bewohner des Meeres stärker vom Wandel betroffen

Freitag 11. November 2011 von birdfish

Das Leben im Meer ist dem globalen Klimawandels noch stärker ausgesetzt als Pflanzen und Tiere and Land.

Suppenschildkroete
Suppenschildkroete – Foto: Megan Saunders

Das berichtet eine Studie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science. Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Beteiligung von Wolfgang Kiessling, Professor am Museum für Naturkunde Berlin, hat die globalen Klimadaten der letzten 50 Jahre analysiert und erstmals die Geschwindigkeit des Klimawandels an Land und in den Ozeanen verglichen.

Wasser erwärmt sich weit langsamer als Luft. Deshalb ist der Temperaturanstieg in den Ozeanen langsamer als am Land. Die räumlichen Temperaturunterschiede im Meer sind ebenfalls viel geringer als an Land. Daraus ergibt sich für die meisten Meeresregionen überraschenderweise eine höhere Geschwindigkeit des Klimawandels. Vergleicht man z.B. einen Zeitraum von 10 Jahren, so beginnt der Frühling in den Meeren der Nordhalbkugel durchschnittlich 2 Tage früher, während es an Land weniger als 1,5 Tage sind. In der Nordsee werden Frühlingstemperaturen sogar 5-10 Tage früher erreicht. „Das Meeresleben muss auf diesen Klimawandel durch Anpassung oder Abwanderung reagieren“, erläutert Wolfgang Kießling vom Museum für Naturkunde in Berlin, einer der Autoren der Arbeit.

Die Wissenschaftler um Michael Burrows von der Scottish Association of Marine Science haben auch eine überraschende Komplexität der Klimaänderung ermittelt. Nicht immer zeigt die Richtung der Klimaerwärmung in Richtung Pol. Die Geschwindigkeit des Klimawandels ist auch regional sehr unterschiedlich. Neben der Nordsee sind es gerade Regionen mit hoher Biodiversität, zum Beispiel die tropischen Meere, welche sich rasant verändern. Dies allein ist schon beunruhigend, aber „besonders schlimm wird es, wenn die Erwärmung in Richtung Landmassen geht, wie zum Beispiel im Mittelmeer“, meint Kießling. Dort geht die Richtung der Temperaturerhöhung nach Südfrankreich und Norditalien, was für die mit der Temperaturerhöhung wandernden Meerestiere bedeutet, dass es kein Entkommen gibt. Ein Ausweichen in kühlere Meerestiefen sei für die meisten Meeresbewohner keine Option, meinen die Autoren. In tieferen Bereichen fehlen das Sonnenlicht und damit die pflanzliche Nahrung. Ohne Anpassung könnte es deshalb zu einem erhöhten Artensterben in den Meeren kommen.

Originalpublikation

Burrows, M.T., Schoeman, D.S., Buckley, L.B., Moore, P., Poloczanska, E.S., Brander, K.M., Brown, C., Bruno, J.F., Duarte, C.M., Halpern, B.S., Holding, J., Kappel, C.V., Kiessling, W., O’Connor, M.I., Pandolfi, J.M., Parmesan, C., Schwing, F.B., Sydeman, W.J., and Richardson, A.J., 2011, The Pace of Shifting Climate in Marine and Terrestrial Ecosystems: Science.(3.11.2011)

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GEOMAR Umwandlung schreitet weiter voran – Helmholtz-Gemeinschaft für Aufnahme

Mittwoch 12. Oktober 2011 von birdfish

Mit einem einstimmigen Votum hat sich die Mitgliederversammlung der Helmholtz-Gemeinschaft auf ihrer Jahrestagung in Berlin für die Aufnahme des „noch“ Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) ausgesprochen.

Das neue GEOMAR Logo
GEOMAR Logo ab Januar 2012

Von Januar 2012 an wird das Institut als Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) das 18. Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

GEOMAR ist in der Helmholtz-Gemeinschaft willkommen. Das betonte der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Dr. Jürgen Mlynek, bereits auf der Jahrespressekonferenz der Gemeinschaft am vergangenen Donnerstag. Die Mitgliederversammlung der 17 Großforschungszentren des Bundes bestätigte diese Aussage am folgenden Tag mit einem einstimmigen Votum. Nach der kürzlich erfolgten Verabschiedung des Errichtungsgesetzes durch den Schleswig-Holsteinischen Landtag ist damit der Weg für die Umwandlung des „noch“ Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) zum Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) frei.

„Auch wenn wir nicht ernsthaft mit Problemen gerechnet haben, freut uns das einstimmige Votum und das insgesamt sehr positive Echo, das ich in Gesprächen mit vielen der neuen Kollegen wahrgenommen habe, doch sehr“, erklärt IFM-GEOMAR Direktor, Prof. Dr. Peter Herzig. „Wir werden als wichtiger und starker Partner in der Helmholtz-Gemeinschaft gesehen und verstärken insbesondere den Forschungsbereich ‚Erde und Umwelt’“, so Herzig weiter. „Das GEOMAR bringt als Alleinstellungsmerkmal die Meeresforschung im offenen ‚blauen’ Ozean ein. Vom Meeresboden der Tiefsee bis in die Atmosphäre über dem Meer wird das System Ozean bei uns in einer außerordentlichen Bandbreite bearbeitet, die so in der Helmholtz-Gemeinschaft bisher fehlte“, erläutert Prof. Herzig.

Nun wird mit Hochdruck an der Umsetzung der Umwandlung gearbeitet, die Mitte 2010 gemeinsam vom Land Schleswig-Holstein und dem Bundesministerin für Bildung und Forschung beschlossen worden war. „Unser neues Logo ist bereits fertig. Es ist eine Weiterentwicklung der alten Word-Bildmarke und verbindet so die geschichtsträchtige Vergangenheit der Kieler Meeresforschung mit dem Aufbruch zu neuen Ufern“, meint Prof. Herzig.

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Kieler Meeresforscher untersuchen Folgen des Klimawandels mit neuer Versuchsanlage

Mittwoch 17. August 2011 von birdfish

Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) untersuchen, wie sich das Leben am Boden der Ostsee in den kommenden Jahrzehnten entwickelt.

Benthokosmen in Kiel
Benthokosmen in Kiel – Foto: J. Steffen / IFM-GEOMAR

Mit Hilfe von sechs großen Versuchstanks, den so genannten „Benthokosmen“ simulieren sie Umweltbedingungen, die sie für die Zukunft erwarten. Ziel der Forscher ist es, mögliche strukturelle und funktionale Verschiebungen in den Lebensgemeinschaften zu erfassen und deren Konsequenzen abzuschätzen.

Klimawandel – bei diesem Begriff denken die meisten Menschen an höhere Temperaturen, den Meeresspiegelanstieg oder stärkere Stürme. Doch auch die Lebewelt am Meeresboden wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern. Forscher des IFM-GEOMAR ermitteln mit Hilfe einer neuen Experimentieranlage, wie sich der Klimawandel auf die Organismen am Boden der Ostsee auswirkt.

Dafür wurden auf einem Ponton vor dem Kieler Aquarium sechs große Kunststoff-Bassins installiert, die über eine komplexe Mess- und Steuerelektronik verfügen. Jetzt beginnen die Forschungsarbeiten in den neuen „Benthokosmen“: Ein Team um den Ökologen Prof. Dr. Martin Wahl richtet darin verschiedene Lebensgemeinschaften ein und setzt diese steigenden Temperaturen, erhöhten Kohlendioxid-Werten, einer wachsenden Menge an Nährstoffen, sinkenden Sauerstoff-Mengen, abnehmenden Lichtmengen oder anderen ökologischen Veränderungen aus, welche die Forscher für die kommenden Jahrzehnte annehmen. „Wir interessieren uns für das Benthos, also die Tiere und Pflanzen am Boden der Ostsee“, erklärt Wahl. „Mit Hilfe unserer Experimente möchten wir herausfinden, wie diese Lebewesen auf den Klimawandel reagieren, ob sie sich anpassen können, wie sich die Zusammensetzung der Arten neu organisiert und ob sich damit die Funktionen und Dienste der Lebensgemeinschaft ändern.“

Für ihren ersten Versuchsaufbau sammeln die Wissenschaftler heimische und eingewanderte Organismen aus der Kieler Bucht, etwa den Blasentang Fucus vesiculosus und die eingewanderte Rotalge Gracilaria vermiculophylla, die Miesmuschel Mytilus edulis und die Meerassel Idotea baltica. „Diese Arten prägen das Ökosystem vor unserer Haustür. Sie machen einen substantiellen Anteil der Biomasseproduktion aus, tragen wesentlich zur Wasserqualität bei, und bieten einen Lebensraum und Nahrung für zahlreiche andere Arten. Ihre Reaktionen auf den Klimawandel könnten darum eine regelrechte Kettenreaktion mit Konsequenzen für die Belüftung des Wassers, die Stabilität der Küste oder den Fischbestand auslösen“, so Prof. Wahl. „Wir vermuten aber, dass die Arten der Ostsee, die ein sehr junges und variables Meer ist, resistenter gegen die Veränderungen sind als ähnlich wichtige Lebewesen zum Beispiel im östlichen Mittelmeer.“

Um diesen Vergleich zu ermöglichen, haben die Kieler zusammen mit israelischen Forschern in Haifa die Finanzierung einer baugleichen Experimentieranlage beantragt, in welcher ebenfalls die Auswirkungen des Klimawandels auf Lebensgemeinschaften untersucht werden sollen. Wahl: „Durch die Kooperation mit dem National Institute of Oceanography (NIO) ergibt sich eine Reihe interessanter Gegenüberstellungen. Zwar sind beide Meere durch ihre Randlage und den begrenzten Wasseraustausch mit den Weltozeanen gekennzeichnet. Das Mittelmeer verfügt aber über eine größere Artenvielfalt und eine größeren Anzahl an endemischen Arten, die nur in dieser Region existieren. In dem warmen, salzreichen und nährstoffarmen Wasser leben sie bereits hart am Limit – außerdem gibt es dort weitaus weniger Temperaturschwankungen als in der Ostsee. Veränderungen wird das Ökosystem an der israelischen Küste daher vielleicht schwerer verkraften können.“

Gleichzeitig mit der Kieler Experimentieranlage wird ein Infobereich im Internet eingerichtet, in dem Interessierte die aktuellen Messergebnisse ablesen und per Kamera einen Blick in die Tanks werfen können. Für die energetische Grundversorgung rüsten die Forscher ihre Anlage mit einem Solarpanel und einem kleinen Windrad aus, um bei ihrer Erforschung der Klimawandels möglichst schonend mit den Ressourcen umzugehen.

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Schiffahrt soll in der EU und weltweit umweltfreundlicher und effizienter werden

Montag 8. August 2011 von birdfish

Richtlinienvorschlag für weniger Schwefel im Schiffstreibstoffen
Schiffstreibstoffe sollen umweltfreundlicher werden
Schiffstreibstoffe sollen umweltfreundlicher werden – Foto: siepmannH / pixelio

Die EU-Kommission will den Schwefelgehalt in Schiffstreibstoffen schrittweise senken. So soll eine Reduktion der Schwefeldioxidemissionen um 90 Prozent und der Feinstaubemissionen um 80 Prozent erreicht werden. Mit der Gesetzesvorlage sollen internationale Normen umgesetzt werden.

Die in der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO vereinbarten Standards (MARPOL-Übereinkommen, Anlage VI) über den Schwefelgehalt in bestimmten Brennstoffen sollen damit ins EU-Recht aufgenommen und in den Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Wird die neue Richtlinie so wie vorgeschlagen umgesetzt, dürfte der maximal zulässige Schwefelgehalt von Schiffstreibstoffen in empfindlichen Gebieten wie der Ostsee, der Nordsee und dem Ärmelkanal ab dem 1. Januar 2015 nur noch 0,1 Prozent betragen. In allen anderen Gebieten würde ab 1. Januar 2020 ein Limit von 0,5 Prozent gelten. Zurzeit liegt der zulässige Wert in empfindlichen Gebieten noch bei 1,5 und in allen anderen bei 4,5 Prozent.

Umweltverbände haben sich seit Jahren für strengere Vorschriften eingesetzt, um die durch den Schiffsverkehr verursachte Luftverschmutzung zu bekämpfen. Saurer Regen und gefährliche Atemwegs- und Kreislauferkrankungen sind nur einige der Folgen, die Schwefeldioxidemissionen verursachen. Das zum Betreiben von Schiffen genutzte Schweröl würde an Land als Sondermüll gelten. Der Schwefelgehalt von Landfahrzeugen darf aus gutem Grund nicht über 0,001 Prozent liegen.

Neue IMO-Energieeffizienzregeln für Schiffe

Verbindliche Energieeffizienzstandards für neue Schiffe hat die Internationale Schifffahrtsorganisation IMO beschlossen. Schiffe, die ab 2015 gebaut werden, müssen zehn Prozent energieeffizienter sein als bisher. Enwicklungsländer haben bis 2019 Zeit, den neuen Standard einzuhalten.

Zwischen 2020 und 2024 soll der Wert auf 20 Prozent gesteigert werden, ab 2024 sollen Schiffe um 30 Prozent energieeffizienter sein. Damit wird der bisher freiwillige Energieeffizienzdesign-Index (EEDI) verbindlich.

Die Nichtregierungsorganisation Clean Shipping Coalition (CSC), die sich seit Jahren für eine umweltfreundliche Schifffahrt begrüßte die Verabschiedung der neuen Regeln zwar, warnte aber, dies sei nur ein erster Schritt. Die Einbeziehung des Schiffsverkehrs in den Emissionshandel sei wichtiger, um den Klimawandel zu bekämpfen. Es fehle an Steuerregelungen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Emissionsreduktionsverpflichtungen. Darüber hinaus kritisierte die CSC die Fristverlängerung bis 2019 für Entwicklungsländer, da dort inzwischen die meisten Schiffe hergestellt würden. Bei einer für Schiffe angenommenen Lebenszeit von etwa 30 Jahren sei ein messbarer Effekt erst in weiter Ferne zu spüren.

Die Schifffahrt wird bis 2020 voraussichtlich für sechs Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sein, bis 2050 könnten die Schiffsemissionen um 250 Prozent wachsen, falls dagegen nichts getan wird.

Auch Freizeitboote sollen umweltfreundlicher werden

Die EU-Kommission hat neue Regeln für Sportboote und Wassermotorräder (Jetskis) vorgeschlagen. Unter anderem soll es zukünftig strengere Grenzwerte für Stickoxide, Kohlenwasserstoffe und Partikel geben.

Neben den Abgas- und Lärmemissionsgrenzwerten schreibt die überarbeitete Sportboote-Richtlinie auch bestimmte Sicherheitsanforderungen für Hersteller und Importeure vor. Die EU-Kommission schlägt eine Reduktion der Emissionen der Antriebsmotoren für Kohlenwasserstoffe und Stickoxide um 20 Prozent und für Partikel um 34 Prozent vor. Die Kohlenmonoxid-Grenzwerte dagegen sind entschärft worden, weil die Industrie über zu hohe Kosten geklagt hatte, wenn die anderen Schadstoffe signifikant sinken sollen. “Diese Entschärfung führt nicht zu einem Gesundheits- oder Sicherheitsrisiko”, schreibt die EU-Kommission.

Um die Lärmemissionen von Freizeitbooten und anderen motorisierten Wasserfahrzeugen zu begrenzen, soll der Pegel den derzeit geltenden maximalen Wert von 67 Dezibel nicht überschreiten.

In Europa sind nach Angaben der EU-Kommission etwa sechs Millionen Sportboote in Gebrauch. Europaweit sind etwa 37.000 Unternehmen wie Jachthäfen, Bootsbauer, Hersteller von Motoren oder Schiffsausrüstungen, Schiffsvermietung, Segelschulen, Anwälte für Seerecht, Versicherungsmakler und andere daran beteiligt.

Richtlinienvorschlag der EU-Kommission für weniger Schwefel im Schiffstreibstoffen (PDF)

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Wechselwirkungen in einem Ökosystem: kleine Veränderungen – drastische Folgen

Montag 9. Mai 2011 von birdfish

Tiere und Pflanzen in Küstengebieten sind hart im Nehmen.

Obwohl der Blasentang als unempfindlich gilt, haben ihn Wechselwirkungen in der Ostsee stark dezimiert - Foto: Uli Kunz
Obwohl der Blasentang als unempfindlich gilt, haben ihn Wechselwirkungen in der Ostsee stark dezimiert – Foto: Uli Kunz

Die Bewohner der flachen Ostsee beispielsweise müssen mit stark schwankenden Temperaturen, einem veränderlichen Salzgehalt und sogar mit kurzfristigen Sprüngen des pH-Wertes zurechtkommen. „Diese natürlichen Veränderungen können innerhalb weniger Wochen größer sein, als die in Folge des Klimawandels für die kommenden 100 Jahre vorhergesagten mittleren Verschiebungen“, erklärt der Kieler Meeresbiologe Professor Martin Wahl vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Sind die Folgen des Klimawandels für Küstenökosysteme also zu vernachlässigen? In einer Studie, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Advances in Marine Biology“ erscheint, beantworten Professor Martin Wahl, Dr. Inken Kruse und Dr. Mark Lenz vom IFM-GEOMAR zusammen mit 14 weiteren europäischen und amerikanischen Autoren diese Frage eindeutig mit „Nein“. „Auch kleinste Abweichungen von den Durchschnittswerten in einem Ökosystem können durch ökologische Verstärkung große Folgen haben“, sagt Professor Wahl, „in Einzelfällen können verschiedene Stressoren einander aber auch abpuffern.“

Die oft überraschenden Wechselwirkungen zwischen Belastungen durch ungünstige Umweltbedingungen (z.B. Erwärmung) einerseits und durch Fraßfeinde oder Parasiten andererseits, erläutern die beteiligten Experten aus Deutschland, Finnland, den Niederlanden, den USA, aus Portugal und Schweden anhand der Stressökologie von Großalgen. Eine davon, der Blasentang Fucus vesiculosus, kommt an den Küsten der Nord- und Ostsee, aber auch des Atlantiks und des Pazifiks vor. „Dort spielt er in den Ökosystemen des Flachwassers eine Schlüsselrolle“, erklärt Wahl. Doch obwohl beispielsweise die Blasentang-Populationen der Ostsee einiges gewohnt sein sollten, hat sich der Bestand des Tangs in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert. „Eigentlich kann er in Wassertiefen zwischen null und sechs Metern gut leben. Mittlerweile findet man ihn in der Westlichen Ostsee aber nur noch bis ein oder zwei Meter Wassertiefe“, erläutert Professor Wahl.

Diese Veränderung kann nicht mit den direkten Effekten des Globalen Wandels, welcher auch Überdüngung und Bioinvasionen einschließt, alleine erklärt werden. Um sie trotzdem zu verstehen, haben die Autoren der Studie aufbauend auf existierenden Einzelstudien zahlreiche Daten rund um den Blasentang zusammengetragen: Sie haben unter anderem sein Verbreitungsgebiet, seine Licht- und Nährstoffversorgung, Fraßfeinde, seine Abwehrsysteme, seine Reaktionen auf Umweltbelastungen oder auch die genetische Vielfalt einzelner Populationen betrachtet. „Wir haben wirklich alle Gebiete, zu denen es schon Erkenntnisse gab, in die Studie einfließen lassen“, sagt Wahl, „und so konnten wir eine wahre Kaskade an Wirkungen und Wechselwirkungen aufzeigen, die auf einzelne Algen oder auf ganze Populationen einwirken.“ Ein Beispiel: Bei nur leicht steigenden Durchschnittstemperaturen steigt die Beschattung durch Plankton und Aufwuchs – der Blasentang bekommt also weniger Licht. Das lässt seine Energiereserven schmelzen, was wiederum seine Abwehr gegen Krankheitserreger und Fraßfeinde schwächt – was dadurch verstärkt wird, dass unter höheren Temperaturen das Infektionsrisiko steigt und Fraßfeinde hungriger sind. Reduzieren Fressfeinde die Blattfläche, mit der die Alge Photosynthese betreiben kann, verstärkt sich der Energiemangel weiter – eine typische Verstärkerschleife. „Die Liste der möglichen Verstärkungen und Wechselwirkungen ist lang und komplex“, erklärt Professor Wahl. Um sie besser zu verstehen und vermitteln zu können, wird die Stressökologie der Makroalgen zurzeit modelliert.

Die Ergebnisse der Studie sind beispielhaft für Ökosysteme in Küsten- und Schelfmeergebieten der gemäßigten Breiten. „Kaum eine Art wird an einer einzelnen Auswirkung des Klimawandels zugrunde gehen“, resümiert Wahl die bisherigen Erkenntnisse, „trotzdem können wir seine Folgen nicht weglächeln.“ Wahl hofft auf eine veränderte Wahrnehmung, „denn der Schneeballeffekt, den die ökologische Verstärkung hervorrufen kann, ist noch viel zu wenig erforscht.“

Originalpulikation
Wahl, M., V. Jormalainen, B. K. Eriksson, J. A. Coyer, M. Molis, H. Schubert, M. Dethier, A. Ehlers, R. Karez, I. Kruse, M. Lenz, G. Pearson, S. Rohde, S. A. Wikström and Jeanine L. Olsen, 2011: Stress Ecology in FUCUS: Abiotic, Biotic and Genetic Interactions. Advances in Marine Biology, 59, 37-105, doi: 10.1016/B978-0-12-385536-7.00002-9

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Winziger Einzeller mit großer Bedeutung für die Bindung von Kohlenstoff im Ozean

Donnerstag 5. Mai 2011 von birdfish

Ein winziger Einzeller mit großer Bedeutung steht im Mittelpunkt des nächsten Mesokosmen-Experiments des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

Erforschung der Meeresversauerung
In Kiel entwickelte ‘Mesokosmen’ erforschen Meeresversauerung. – Foto: Ulf Riebesell / IFM-GEOMAR

Die Kalkalge Emiliania huxleyi transportiert Kohlenstoff in den tiefen Ozean und produziert außerdem ein klimakühlendes Gas. Ein 36-köpfiges Forscherteam aus deutschen, britischen und norwegischen Instituten untersucht, wie dieser Winzling auf die Ozeanversauerung reagiert und welche Folgen dies für den globalen Klimawandel hat. Dazu werden nach Ostern neun große Experimentieranlagen, sogenannte Mesokosmen, von Kiel nach Bergen verschifft.
Der Ozean bremst den Klimawandel, denn er nimmt einen Teil des vom Menschen produzierten Kohlendioxids (CO2) auf und fungiert so als Kohlenstoffsenke. Allerdings reagiert das CO2 mit dem Wasser zu Kohlensäure. Das Wasser wird dadurch saurer, was für marine Lebewesen, die ihre Schalen und Skelette aus Kalk aufbauen, gefährlich werden kann. Welche Folgen dies für das Ökosystem Meer hat, untersuchten Kieler Forscher bereits in mehreren Experimenten, zuletzt 2010 vor der Küste Spitzbergens. Ihr nächstes Projekt soll jetzt weitere Fragen zu den marinen Stoffkreisläufen beantworten. Dafür werden Ende April neun Experimentieranlagen des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), sogenannte Mesokosmen, mit dem norwegischen Forschungsschiff HÅKON MOSBY von Kiel aus in den Raunefjord vor Bergen (Norwegen) transportiert.

„Im vergangenen Jahr haben wir im Kongsfjord vor Spitzbergen untersucht, wie das Nahrungsnetz der Arktis auf den steigenden CO2-Gehalt reagiert. Denn das kalte Wasser in den höheren Breiten nimmt besonders große Mengen von diesem Gas auf. Der Arktische Ozean wird deshalb früher als andere Meeresregionen korrosiv für kalkbildende Organismen“, erklärt Prof. Ulf Riebesell, Meeresbiologe am IFM-GEOMAR und Leiter der Mesokosmen-Experimente. „Vor allem an der Basis der Nahrungskette konnten wir deutliche Veränderungen beobachten. Besonders empfindlich auf die im Experiment simulierte Ozeanversauerung reagierten die Flügelschnecken, die ein wichtiges Bindeglied im arktischen Nahrungsnetz bilden.“

In ihrem nächsten Experiment wollen die Wissenschaftler die Stoffkreisläufe genauer unter die Lupe nehmen. „Wir haben uns den Mai als Zeitpunkt für unsere Arbeiten ausgesucht, denn dann blüht vor Norwegens Küsten und in den Fjorden die Kalkalge Emiliania huxleyi, deren äußere Hülle aus winzigen Kalkplättchen besteht“, so Riebesell.

Durch ihre Massenentwicklung trägt diese Mikroalge wesentlich zum Stoffkreislauf in den Meeren bei. Ihre Kalkplättchen wirken als Ballast und beschleunigen so den Transport von Kohlenstoff in die Tiefe des Ozeans. Wird der Ozean saurer, werden die Kalkplättchen dünner und leichter. Der Ballasteffekt schwächt sich ab – und damit möglicherweise auch der Kohlenstofftransport in die Tiefe. Noch ein weiterer Punkt interessiert die Forscher: Die Kalkalgen setzen Dimethylsulfid (DMS) frei. In der Atmosphäre bilden sich aus dieser schwefelhaltigen Verbindung Schwefelsäuretröpfchen. Diese formen wolkenähnliche Schichten, die das Sonnenlicht reflektieren und dem Treibhauseffekt entgegen wirken können. Prof. Riebesell: „Die unscheinbaren Einzeller spielen also gleich im doppelten Sinne eine wichtige Rolle für unser Klima. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie sie auf den Ozeanwandel reagieren, und was dies im Hinblick auf den globalen Klimawandel bedeutet.“

Für den neuen Einsatz wurden die Mesokosmen im Technik- und Logistikzentrum des IFM-GEOMAR umgebaut. Ihr Plastikschlauch wurde um sieben auf 25 Meter verlängert und fasst nun rund 80 Kubikmeter Meerwasser. Ein Sedimenttrichter erleichtert zudem, absinkende Schwebstoffe aufzufangen. Die Mesokosmen werden wie in Spitzbergen im Fjord verankert und auf Kohlendioxid-Niveaus gebracht, die die Forscher für die nächsten 50 bis 100 Jahre erwarten. Von der Espegrend Marine Station aus fahren sie sechs Wochen lang täglich mit kleinen Booten zu ihren gigantischen Reagenzgläsern hinaus, um Messungen vorzunehmen und Proben für die spätere Laborarbeit zu sammeln.

Ein weiteres Experiment ist bereits in Planung: Vom 23. November bis zum 7. Dezember 2011 setzen die Kieler gemeinsam mit US-Kollegen drei ihrer Mesokosmen vor Hawaii nahe der Hawaii Ocean Time Series Station (HOTS) aus. „Mit dem Einsatz dieser weltweit einmaligen Off-Shore-Experimentieranlage in einem Seegebiet, für das Langzeitbeobachtungen von mehr als 20 Jahren vorliegen, öffnen sich neue Forschungsmöglichkeiten“, urteilt Riebesell. So hoffen die Wissenschaftler, durch gezielte Experimente auf hoher See die Ursachen für Langzeitvariationen in der Produktivität des Ozeans besser zu verstehen.

Hintergrundinfo

Das Experiment im Raunefjord/Norwegen findet unter dem Dach von SOPRAN (Surface Ocean Processes in the ANthropocene) statt. Dieses vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) geförderte Verbundprojekt untersucht die Wechselwirkungen zwischen der Biologie im Ozean und der Chemie der Atmosphäre vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels. Neben dem IFM-GEOMAR sind das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht, das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V., das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, das Max-Planck-Institut für Chemie Mainz und das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie aus dem europäischen Ausland zusätzlich die University of East Anglia, die Universität Bergen und das Bjerknes Centre for Climate Research an den Forschungsarbeiten vor Bergen beteiligt.

SOPRAN Website (engl.)

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Schiffskraftstoffe sollen demnächst schärferen Ökostandard unterliegen

Freitag 18. Februar 2011 von birdfish

Der NABU begrüßt, dass nun auch die Bundesregierung die geplante Verschärfung der Umweltstandards auf den europäischen Meeren unterstützt.

Luxusschiff Queen Mary 2 auf der Elbe
Luxusschiff Queen Mary 2 auf der Elbe – Foto: Cekora / pixelio.de

Dies ergibt sich aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag.

„Doch die Regierung darf es jetzt nicht bei Lippenbekenntnissen belassen, sondern muss auf allen Ebenen entschieden für eine Reduzierung des Schwefelgehalts im Schiffskraftstoff kämpfen“, betont NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Zumal die geplante Verschärfung der Richtlinie zum Schwefelgehalt nur ein erster Schritt sein könne, wie Miller erklärt: Denn selbst der für 2020 geplante globale Grenzwert von 0,5 Prozent bedeutet, dass Schiffstreibstoff dann immer noch 500 Mal mehr Schwefel enthält, als im Straßenverkehr der EU erlaubt ist. „Eigentlich muss der Grenzwert also deutlich niedriger angesetzt werden.“

Zumindest habe „das aggressive Werben für eine Lockerung der Standards durch Wirtschaftsverbände wie dem Verband deutscher Reeder und der Industrie- und Handelskammer Nord keinen Erfolg gehabt“, freut sich auch die Bezirksleiterin der IG Metall Küste, Jutta Blankau. Sie fordert die Unternehmen auf, endlich in umweltgerechte Schiffe zu investieren und damit Arbeitsplätze auf den deutschen und europäischen Werften sowie in der Zulieferindustrie zu sichern.

Auf Initiative des NABU und der IG Metall Küste hat sich seit September vergangenen Jahres eine große Allianz von Gewerkschaften und Umweltverbänden für höhere Umweltstandards auf den europäischen Meeren eingesetzt. Die von der EU-Kommission beabsichtigte Anpassung der Richtlinie zum Schwefelgehalt von Schiffstreibstoffen führt dazu, dass ein Schwefelgrenzwert von 0,1 Prozent für Schiffstreibstoffe in Nord- und Ostsee ab 2015 nicht überschritten werden darf.

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Hohe See muss besser geschützt werden – OSPAR-Staaten können Zeichen setzen

Donnerstag 23. September 2010 von birdfish

Der NABU hat an die Vertragstaaten der Konvention zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR) appelliert, die biologische Vielfalt und die marinen Ökosysteme des Atlantiks besser und effektiv zu schützen.

Hoffnungen lasten auf dem Umweltminister
Wird Umweltminister Röttgen Wort halten? – Foto: Greenpeace / Uli Baatz

Die fünfzehn Vertragsstaaten und die Europäische Kommission diskutieren und verhandeln vom 20. bis 24. September im norwegischen Bergen insbesondere über die Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf der Hohen See und den Schutz bedrohter mariner Arten und Lebensräume.

Im Mittelpunkt des Treffens steht die Frage, ob die OSPAR-Vertragstaaten erstmalig Meeresschutzgebiete auf der so genannten Hohen See, jenseits nationaler Rechtsprechung, ausweisen. In den vergangenen Jahren sind unter maßgeblicher Unterstützung Deutschlands insgesamt sechs Gebietsvorschläge wissenschaftlich erarbeitet worden. Das Ziel ist, ökologisch bedeutsame Ökosysteme wie Kaltwasserkorallenriffe und Felder von Tiefseeschwämmen sowie gefährdete Arten der Tiefsee durch ein Netz von Schutzgebieten vor schädigenden menschlichen Eingriffen zu bewahren. Die Gebietsvorschläge umfassen große Flächen des Mittelatlantischen Rückens, einschließlich der sogenannten Charlie-Gibbs-Bruchzone, sowie abgelegene Seeberge im Nordostatlantik. Die zur Abstimmung vorliegenden Meeresschutzgebiete übersteigen dabei mit insgesamt 460.000 Quadratkilometern die Fläche Deutschlands.

„Die OSPAR-Vertragstaaten müssen jetzt Farbe bekennen, ob sie es tatsächlich ernst mit dem Meeresschutz meinen oder weiter wirtschaftlichen und politischen Interessen den Vorrang einräumen“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Insbesondere Island, Dänemark, Norwegen und Großbritannien wollen ihre Hoheitsgebiete und den Abbau mariner Bodenschätze ausweiten und gefährden jetzt die Unterschutzstellung dieser ökologisch bedeutenden Gebiete.

„Vom OSPAR-Treffen muss ein Signal für andere Meeresregionen und Staaten ausgehen. Mittelozeanische Rücken und Seeberge gehören zu den vielfältigsten Gebieten unserer Ozeane. Sie sind die Oasen der Meere und unverzichtbare Refugien für bedrohte Arten und Lebensräume“, erläuterte NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff.

Neben der Diskussion um die Schutzgebiete veröffentlichen die Vertragsstaaten in Bergen auch den neuen Zustandsbericht über die Meeresumwelt des Nordostatlantiks und verhandeln konkrete Maßnahmen zum Schutz von Haien, Rochen oder dem stark bedrohten Kaiserbarsch. Desweiteren geht es um die Reduktion von Meeresmüll durch nationale Fishing for Litter Programme und um die verbesserten Raumplanung im Meer. Abschließend soll eine Zehnjahresstrategie mitsamt Zielen zum verbesserten Schutz des Nordostatlantiks verabschiedet werden.

Die Organisation Greenpeace setzt sich vorrangig dafür ein, dass Tiefseebohrungen nicht mehr stattfinden. Hier setzt man insbesondere den deutschen Umweltminister Röttgen unter Druck, der am 22. Juli 2010 in der ZDF-Talksendung “Maybrit Illner” noch vollmundig gefordert hatte, dass es “ohne Sicherheit von Bohrungen keine neuen Bohrungen” geben dürfe.  Da wurde er von seinem Kollegen Brüderle und dem Wirtschaftsministerium wohl gründlich zurück gepfiffen, denn nun denkt er nicht mehr daran, sich im Rahmen der OSPAR-Verhandlungen für das einzusetzen, was er mal öffentlich vertreten hat.

NABU-Website zum Meeresschutz

Greenpeace-Website zu Tiefseebohrungen

Am 22. Juli 2010 forderte Umweltminister Röttgen in der ZDF-Talksendung Maybrit Illner, dass es ohne Sicherheit von Bohrungen keine neuen Bohrungen geben dürfe.

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