KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Dokumentation der Klimawandel-Folgen: Greenpeace-Schiff zur Arktis aufgebrochen

Dienstag 16. Juni 2009 von birdfish

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist am Wochenende zu einer viermonatigen Expedition in die Arktis aufgebrochen.

Gletscher-Eis auf Grönland
Gletscher-Eis auf Grönland – (c) Steve Morgan / Greenpeace

Es sticht von Amsterdam aus in See. Zu der rund 30-köpfigen Besatzung gehören Klima- und Meeresexperten von Greenpeace sowie Wissenschaftler. Zusammen mit Klimaforschern wollen die Umweltschützer die aktuellen Folgen des Klimawandels in der nördlichen Polarregion untersuchen. Dort könnte es dieses Jahr einen neuen Negativrekord der Eischmelze geben. Bedroht ist die Arktis auch durch den Abbau von Öl- und Gasreserven. Anrainerstaaten streiten zur Zeit über ihre territorialen Ansprüche.

“Eine der letzten fast unberührten Regionen dieser Welt ist am stärksten vom Klimawandel betroffen. Die Eisschmelze übertrifft alle bisherigen Klimaszenarien”, sagt Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace. “Gerade deswegen ist es nötig, aktuelle Daten in der Arktis zu erheben. Nur so lassen sich die weltweiten Klimamodelle in ihrer Vorhersagekraft verbessern.”

Um den Klimawandel aufzuhalten und die Arktis zu bewahren, muss der Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent bis 2020 vermindert werden. “Alles andere ist völlig unzureichend”, sagt Menn. Die unkontrollierte Ausbeutung der Arktis muss aufgehalten werden. Dafür muss jegliche industrielle Nutzung des arktischen Ozeans, welcher bisher durch Eis geschützt war, verboten werden.

Erstes Ziel der Greenpeace-Expedition ist der Petermann-Gletscher auf der Westseite Grönlands. Vor einem Jahr brach von ihm ein riesiger Eisberg ab. Derzeit sind auf Satellitenaufnahmen zwei weitere Risse zu sehen, die möglicherweise erneut zu einem Abbruch führen. Diesen will Dr. Jason Box von der Ohio State University mit Hilfe von Zeitlupenkameras und GPS-Systemen dokumentieren. Ursache für die Eisschmelze sind auch die durch den Klimawandel steigenden Meerestemperaturen.
Greenpeace-Aktis-Route
In einem zweiten Expeditionsabschnitt wird die Crew der Arctic Sunrise deshalb mit Ozeanographen des Woods Hole Institutes und der Universität Maine zusammenarbeiten. Auf der Ostseite Grönlands wollen sie den Einfluss von tropischen Unterwasserströmungen auf die Gletscherschmelze untersuchen. Der Rückgang des Meereises auf dem Arktischen Ozean ist Schwerpunkt des dritten Abschnitts der Expedition. Gemeinsam mit Forschern aus Cambridge soll das Meereis in der Fram-Straße zwischen Spitzbergen und Grönland gemessen werden.

Zeitgleich mit dem Aufbruch der Arctic Sunrise in die Arktis ist das Greenpeace-Flaggschiff Esperanza im Pazifik unterwegs. Dort sind viele der Pazifischen Inselstaaten akut vom ansteigenden Meeresspiegel bedroht. Die Besatzung will die Folgen der klimatischen Veränderungen für Mensch und Natur dokumentieren.

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Neue Prognosen zur Meereisbedeckung: negativer Trend in der Arktis setzt sich fort

Freitag 12. Juni 2009 von birdfish

Neue Prognosen zur Meereisbedeckung: negativer Trend in der Arktis setzt sich fort. Klimaforscher haben Kritisches Minimum auch für Spätsommer 2009 prognostiziert.

Das Eis wird dünner
Meereisbedeckung: der negative Trend setzt sich fort – (c) Alfred Wegener Institut

Zum zweiten Mal nehmen Klimaforscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und des KlimaCampus der Universität Hamburg an einem internationalen wissenschaftlichen Wettstreit teil, in dem einige der weltweit renommiertesten Klimaforschungsinstitute mit unterschiedlichen Methoden und Klimamodellen die Möglichkeiten für saisonale Vorhersagen der arktischen Meereisbedeckung ausloten. Dabei ist es das erklärte Ziel aller Teilnehmer, die beste Methode für zuverlässige Voraussagen zu finden. Die deutschen Wissenschaftler sind sich einig: Der negative Trend setzt sich fort. Auch für den Spätsommer 2009 ist wieder ein kritisches Minimum des arktischen Meereises zu erwarten.

“Für die erste diesjährige Prognose haben wir berechnet, dass die Eisbedeckung im Nordpolarmeer am Ende des Sommers 2009 mit mehr als 28-prozentiger Wahrscheinlichkeit unter der von 2007 liegt. Das war das Jahr mit der bisher geringsten gemessenen Eisausdehnung”, erläutert Prof. Dr. Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut. Im Laufe des Sommers soll die nun vorgelegte Prognose, die als Kooperation im Rahmen des EU-Projektes DAMOCLES gemeinsam mit Hamburger Mitarbeitern der wissenschaftlichen Firmen OASys und FastOpt erarbeitet wurde, monatlich wiederholt werden. Da die Schmelzperiode in der Arktis gerade erst einsetzt, ist die Unsicherheit der Prognose noch sehr groß. Wir erwarten eine zunehmende Genauigkeit, je näher das Startdatum der Prognose an den Zielzeitraum im September rücken wird”, so Gerdes.

Die Prognose des Teams vom KlimaCampus der Universität Hamburg fällt etwas positiver aus: “Die Wahrscheinlichkeit, dass der Negativrekord von 2007 in diesem Jahr noch unterschritten wird, beziffern wir derzeit mit sieben Prozent – Tendenz steigend”, sagt Prof. Dr. Lars Kaleschke vom Institut für Meereskunde. Am langfristigen Trend besteht auch für ihn kein Zweifel. “Das arktische Meereis wird auch in diesem Jahr wieder extrem abschmelzen – mit weit reichenden Folgen für die globale Wärme- und Strahlungsbilanz.”

Die Wissenschaftler gehen grundsätzlich von einer langfristigen Abnahme der Meereisbedeckung für das Nordpolargebiet in den Sommern der kommenden Jahrzehnte aus. Die exakte Vorhersage für den jeweils nächsten Spätsommer ist jedoch nicht möglich. Das liegt an zwei Faktoren: Zum einen ist – im Gegensatz zum Eisbedeckungsgrad – die Eisdicke am Ende des Winters in ihrer räumlichen Verteilung nicht bekannt. “Deren Kenntnis ist jedoch von entscheidender Wichtigkeit für eine gute Prognose”, erklärt Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut.
Daneben wird eine Vorhersage über den Sommer hinweg dadurch erschwert, dass die kurzfristige Entwicklung des Meereises von dem tatsächlichen Wetter über dem Nordpolarmeer abhängt. Dieses ist jedoch nicht über mehrere Monate hinweg vorhersagbar.

Die beiden Wissenschaftlerteams haben sich diesen Problemen mit unterschiedlichen Verfahren genähert. Prof. Gerdes und sein Team haben in diesem Jahr zusätzliche Beobachtungsdaten in ihr Modell einfließen lassen. Dazu benutzen sie ein Datenassimilationssystem, das in den letzten drei Jahren im Rahmen von DAMOCLES durch OASys und FastOpt entwickelt wurde. Damit orientiert sich die Simulation mit ihrem Modell (NAOSIM) möglichst genau an den Beobachtungsdaten, die in den letzten Monaten in der Arktis gewonnen wurden. Hierzu gehören ozeanische Messdaten von Driftbojen, wie sie auch das Alfred-Wegener-Institut im Eis ausgebracht hat, sowie die von Satelliten aus gemessene Eisbedeckung und Eisbewegung. In späteren Vorhersagen sollen auch die vom Alfred-Wegener-Institut und der kanadischen University of Alberta mit dem Polarflugzeug Polar 5 gewonnenen Eisdickenmessungen berücksichtigt werden.

Die Prognose der Hamburger Wissenschaftler um Prof. Lars Kaleschke stützt sich auf eine Hochrechung von Satellitendaten aus den vergangenen 36 Jahren. Das ist die längste globale Klimazeitreihe, die es aus Satellitenmessungen gibt.
“Unsere jüngsten Studien zeigen, dass es keinen zwingenden Zusammenhang gibt zwischen den im Winter und im Frühjahr gemessenen Eisflächen und dem für den Spätsommer zu erwartenden Minimum”, berichtet Kaleschke. Bei ihrer Methode wurden verschiedene statistische Vorhersageverfahren auf ihre Tauglichkeit getestet. Die genaueste Methodik ist derzeit die Analyse der jeweiligen Minima, also der September-Daten über den gesamten Zeitraum. Verglichen mit den später tatsächlich gemessenen Werten, ergibt sich hier die höchste Übereinstimmung.

“Auch wenn wir uns nicht unbedingt ein neues Rekordminimum der Eisausdehnung wünschen, hoffen wir natürlich, dass wir wie im Vorjahr mit unserer Prognose nahe an die tatsächlichen Werte im September herankommen”, so Rüdiger Gerdes.

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Gefährliches Wettrennen um die Rohstoffe in der Arktis muss endlich gestoppt werden

Freitag 5. Juni 2009 von birdfish

Wegen der Erderwärmung schrumpft das arktische Meereis seit Jahren mit ungeahnter Geschwindigkeit.

Eisbär
(c) Tina / Pixelio

Klimawissenschaftler fürchten Rückkopplungseffekte, die die Veränderungen in der Nordpolregion weiter beschleunigen und das Klimagleichgewicht der Erde insgesamt bedrohen. Gleichzeitig weckt der Rückgang des Polareises Begehrlichkeiten. Weil im hohen Norden gewaltige Öl- und Gasreserven vermutet werden, breitet sich unter den Anrainern Goldgräberstimmung aus. Auch die EU und die Bundesregierung wollen dabei sein, wenn der Klimawandel den Rohstoffreichtum des Nordens zugänglich macht – und setzen dafür unmittelbar vor der entscheidenden Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 ihre klimapolitische Glaubwürdigkeit aufs Spiel.

„Wer die dramatischen Folgen des Klimawandels in der Arktis als Chance betrachtet, ihn weiter anzuheizen, verliert jede klimapolitische Glaubwürdigkeit. Er braucht sich im Grunde an keinen Verhandlungstisch zum Schutz des Weltklimas mehr zu setzen“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch in Berlin. Am Umgang der internationalen Gemeinschaft mit einer der letzten nahezu unberührten Weltregionen, werde sich voraussichtlich erweisen, ob die heute lebende Generation in der Lage ist, den Planeten Erde als lebenswerten Ort für ihre Kindeskinder zu erhalten. „Es geht natürlich auch um die Eisbären und die Fauna und Flora, die es so nur in der Arktis gibt. Aber jenseits des Schutzes der einzigartigen Polarregion, müssen wir angesichts des fortschreitenden Klimawandels die Frage stellen, ob wir noch alle fossilen Brennstoffe ausbeuten dürfen, die wir irgendwo auf der Welt vermuten. Ich meine: Nein, das arktische Öl und das arktische Gas sollten bleiben, wo sie seit Millionen Jahren sind“, erklärte Resch.

Bis zu 25 Prozent der weltweit verbleibenden Erdöl- und Erdgasressourcen werden in der Arktisregion vermutet. Der Wettlauf um die arktischen Ressourcen hat längst begonnen. Die direkten Arktis-Anrainer Russland, Kanada, die USA, Dänemark (Grönland) und Norwegen melden Ansprüche an. Aber auch die EU-Kommission will ausweislich ihrer Mitteilung „Die Europäische Union und die Arktis“ vom November 2008 die Erdöl- und Erdgasvorkommen der Arktis nutzen, um die Energieversorgungssicherheit und die allgemeine Rohstoffversorgungssicherheit in der EU zu verbessern. Sie sucht derzeit nach Möglichkeiten, dieses Ziel auch ohne unmittelbaren Anrainerstatus durchzusetzen. Der Rat der Europäischen Union – und damit die Mitgliedstaaten – hat diese Ausrichtung der europäischen Arktispolitik ausdrücklich begrüßt. Und der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Jochen Homann, ließ sich mit den Worten zitieren, dass es wichtig sei, die Wirtschaftspotenziale der Arktis anzuerkennen. Die gewaltigen Erdöl- und Erdgasvorkommen könnten, so Homann, einen zentralen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit Europas liefern.

„Zwar wird die Notwendigkeit des Schutzes der Arktis stets betont, im selben Atemzug geht es dann aber um ihre Ausbeutung. Das ist wahlweise schizophren oder zynisch. Denn die Ausbeutung der arktischen Ressourcen lässt sich offensichtlich umso besser bzw. teilweise überhaupt erst realisieren, je mehr Eis schmilzt“, sagte die neue Leiterin Klimaschutz und Energiewende der Deutschen Umwelthilfe Cornelia Ziehm. Bundeskanzlerin Merkel und Bundesumweltminister Gabriel hätten sich seinerzeit medienwirksam vor grönländischen Gletschern fotografieren lassen, um ein Zeichen für die Bedeutung der Arktis für das Weltklima zu setzen. Daran müssten sie sich nun messen lassen. Statt durch Gewinnung fossiler Energieträger in der Arktis eine Energieversorgung in die Zukunft zu verlängern, die für die globale Erwärmung verantwortlich sei, müsse die Bundesregierung gemeinsam mit der EU umgehend internationale Verhandlungen zum Schutz der Arktis anstrengen.

„Wir stehen an einer Weggabelung“, sagte Ziehm, „entweder wir nehmen den Klimawandel und den Kampf gegen die Erderwärmung ernst oder wir setzen nicht nur die Arktis in ihrer Einzigartigkeit aufs Spiel, sondern auch das Erdklima insgesamt“. Die DUH fordere deshalb EU und Bundesregierung auf, noch vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen, Verhandlungen über die Vereinbarung eines internationalen Abkommens zum Schutz der Arktis zu initiieren. Ziehm erinnerte daran, dass es der Staatengemeinschaft mit dem 1961 in Kraft getretenen und 1991 erweiterten Antarktisvertrag in eindrucksvoller Weise gelungen war, trotz geltend gemachter Gebietsansprüche ein Verbot jeglicher Bergbauaktivitäten in der Antarktis zu vereinbaren. „Was vor fast 20 Jahren ohne die heutigen Erkenntnisse über den Klimawandel für die Antarktis möglich war, muss heute erst recht für die Arktis in Angriff genommen werden“, verlangte Ziehm.

Die Ablehnung eines spezifischen Rechtsrahmens zum Schutz der Arktis durch die Spitzenkandidaten von CDU und CSU für das Europäische Parlament, Hans-Gert Pöttering und Markus Ferber, sei vor diesem Hintergrund enttäuschend und bedenklich. Die Spitzenkandidatin der FDP, Silvana Koch-Mehrin, hatte auf eine entsprechende Umfrage der DUH erst gar nicht geantwortet. Die Spitzenkandidaten der SPD (Martin Schulz), der Partei Die Linke (Lothar Bisky) und von Bündnis 90/Die Grünen (Rebecca Harms, Reinhard Bütikofer) befürworten dagegen den Abschluss eines internationalen Vertrages zum Schutz der Arktis nach dem Vorbild des Antarktisvertrages.
Das Hintergrundpapier “Die Arktis schützen, nicht ausbeuten” finden Sie hier (PDF)

Antworten der Fraktionen im Europa-Parlament bzw. der Kandidierenden

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Alfred-Wegener-Institut (AWI)

Mittwoch 3. Juni 2009 von birdfish

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung ist ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft

Das AWI erforscht seit mehr als 25 Jahren die Zusammenhänge des weltweiten Klimas und der speziellen Ökosysteme im Meer und an Land. Zentraler Forschungsschwerpunkt sind die Arktis und Antarktis. Außerdem führt das Alfred-Wegener-Institut wissenschaftliche Projekte in den gemäßigten Breiten durch. Das nötige Know-how gewährleisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Nationen: Gemeinsam und übergreifend untersuchen sie die Klima-, Bio- und Geosysteme der Erde. Ziel der Forschungsarbeiten am Alfred-Wegener-Institut ist, die Veränderungen der globalen Umwelt und des Erdsystems zu entschlüsseln, die teils natürlich und teils durch den Menschen hervorgerufen sind.

Quelle: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

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Norwegen trotzt allen Warnungen und macht sich an die Ausbeutung der sensiblen Arktis

Dienstag 12. Mai 2009 von birdfish

Vor wenigen Tagen ist erst die Arktiskonferenz in Tromsø zu Ende gegangen. Die Anrainerstaaten betonten, sich bei den UN-Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen im Dezember aktiv zu beteiligen.

Eisbär(c) Tina / Pixelio

Allerdings stellten sie ebenso klar, dass sie nicht daran denken, auf die Öl- und Gasreserven in der Region zu verzichten. Dieses widersprüchliche Verhalten verdeutlichte Greenpeace bereits in der Pressemitteilung zur Konferenz-Nachlese.

Klar war schon zur Arktis-Konferenz, dass die Anrainer – während auf der Konferenz noch Sonntagsreden gehalten wurden – schon in den Startlöchern standen. Solange die Arktis in dickes Packeis gehüllt war, war sie geschützt. Doch seit mehr und mehr Gebiete eisfrei werden, wächst der Drang der Anrainer, sich der lukrativen Ressourcen zu bemächtigen. Schließlich sollen nach Schätzungen des Geologischen Dienstes der USA rund 15 Prozent aller noch nicht erschlossenen Erdölvorkommen der Welt dort lagern.

Nun geht offenbar alles schneller als man dachte. Die taz schreibt:

Die norwegische Regierung hat den Startschuss zur Ölförderung in der Barentssee westlich des Nordkaps gegeben. Wie die Regierung am Freitag bekannt gab, erteilte sie dem italienischen Ölkonzern ENI und der norwegischen Statoil die Erlaubnis zur Aufnahme dieser Ölförderung. Gleichzeitig kündigte Norwegen die Freigabe der Ölsuche im Gebiet der zwischen Grönland und Norwegen liegenden Arktisinsel Jan Mayen an. Wo Arktisanrainer wie Russland, Kanada und die USA noch mit Offshore-Ölaktivitäten in der empfindlichen arktischen Umwelt zögern, prescht damit ausgerechnet Norwegen unter einer rot-rot-grünen Regierung vor. Übergangen wurden damit die Bedenken von Umweltschützern, Fischern und Meeresforschungsinstituten.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat bereits vor einigen Jahren vor der Gefahr einer Ölpest für Ureinwohner aus der Arktis gewarnt. Mehreren zehntausend Saami, Nenzen und Chanten drohe die Zerstörung ihres Lebensraumes, wenn Norwegen wie geplant alle seine Gebiete in der Barentssee für die Ölförderung freigibt. Für viele der rund 40.000 Sami in Nordnorwegen sowie die 9.000 Nenets- und Khanty-Ureinwohner im Norden Russlands sei der Fischfang eine wichtige Lebensgrundlage. Sollten Öltanker verunglücken oder sich bei der Ölförderung Unfälle ereignen, so würde nicht nur der Fischreichtum der Barentssee gefährdet, sondern auch ein Teil der Lebensgrundlage der indigenen Völker in der Arktis zerstört. Die Barentssee sei die Kinderstube für zahlreiche Fischarten.

Zwar plane Norwegen strenge Umweltauflagen bei der Ölförderung, aber alle Erfahrung zeige, dass eine Ölpest vorprogrammiert sei. So hätten sich trotz massiver Umweltauflagen von 1990 bis 2006 allein rund 2.500 Unfälle bei der Ölförderung vor der norwegischen Küste ereignet.

Hier der komplette Artikel zu den aktuellen Ereignissen in der taz.

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1. Welt Ozean Konferenz diskutiert Folgen des Klimawandels auf die Weltmeere

Montag 11. Mai 2009 von birdfish

In Sulawesi findet seit heute die 1. Welt Ozean Konferenz statt.

World Ocean Conference 09

Bis Freitag wollen ca. 5000 Teilnehmende aus mehr als 80 Ländern (Vertreter aus Regierungen, Umweltorganisationen und Wissenschaft) über die Funktion der Weltmeere im Rahmen des Klimawandels diskutieren.

Zentrales Anliegen des gastgebenden Landes Indonesien ist es, dass die Meere auf der Kopenhagen-Konferenz im Dezember vertraglich als größter vorhandener CO2-Speicher anerkannt werden.
Dies hätte zur Folge, dass den Anrainerstaaten der CO2-Speicher angerechnet würde und so Gelder fließen könnten, mit denen Maßnahmen zum Meeresschutz finanziert werden könnten.

Auf der Konferenz befindet sich auch Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimaforschung, einer der Leitautoren des Weltklimarat-Berichtes sowie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat ‘Globale Umweltveränderungen’ der Bundesregierung.
Einer der zentralen Punkte der Konferenz ist der Anstieg des Meeresspiegels. Dieser ist in den vergangenen 125 Jahren um 18 Zentimeter gestiegen. Rahmstorf betonte die Beschleunigung der globalen Eisschmelze und belegte dies damit, dass zwei Fünftel des Anstiegs der vergangenen vierzig Jahre auf die Eisschmelze zurückzuführen ist. Drei Fünftel des Anstiegs resultieren auf der Erwärmung, die die Ausdehnung des Wassers nach sich zieht.

Hat der Weltklimarat einen Anstieg von 18 bis 59 Zentimetern bis zum Jahr 2100 vorausgesagt, so sind viele Experten mittlerweile der Meinung, dass der Anstieg sogar über einen Meter betragen könnte, da der Klimarat das Abrutschen von Eis in Grönland und der Antarktis nicht eingerechnet hat. Nach Schätzungen der UNO leben aktuell 150 Mio. Menschen in einem Bereich, der bei einem entsprechenden Anstieg unter Wasser stehen würde.

Website zur 1. Welt Ozean Konferenz (engl.)

Artikel “Der Anstieg des Meeresspiegels” von Stefan Rahmstorf – aus dem Buch ‘Der UN-Weltklimareport’ (aus 2007).

“Ein Meeresspiegelanstieg von mehreren Metern?” – Interview der Germanwatch-Zeitung mit Stefan Rahmstorf

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Erste Ergebnisse der Aktis-Expedition: Klimawandel hinterlässt deutliche Spuren

Mittwoch 6. Mai 2009 von birdfish

Die Expedition TRANSDRIFT XV startete am 15. März 2009. Insgesamt 18 Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meerswissenschaften (IFM-GEOMAR), des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) aus Bremerhaven, des Staatlichen Instituts für Arktis und Antarktisforschung der Russischen Föderation (AARI), des Lena-Delta-Reservates sowie der Universitäten Trier, Moskau und St. Petersburg nahmen teil.

Bergung einer Messstation
Nach mehreren Tagen im Eis birgt das TRANSDRIFT-Team eine Messstation. Dabei ist viel Muskelkraft gefragt.
(c) H. Kassens, IFM-GEOMAR

Ende April 2009 kehrten die deutschen Teilnehmer in die Heimat zurück. Die Expedition wurde finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Projektes „Laptev-See-Polynja“ sowie von russischer Seite vom AARI und vom russischen Ministerium für Wissenschaft und Bildung. Transdrift XV war die zweite Winterexpedition des Projektes in der Region.

Orkanartige Stürme, randalierende Eisbären und Eisschollen, die mit wertvollen Messgeräten aufs Meer abtrieben – die Natur hat es den 18 Forschern der Arktisexpedition TRANSDRIFT XV wahrlich nicht leicht gemacht. Unter der Leitung von Dr. Heidemarie Kassens vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und zeitweise unterstützt von Schleswig-Holsteins Europaminister Uwe Döring untersuchten die Wissenschaftler aus Deutschland und Russland sechs Wochen lang Klimasignale im Nordpolarmeer. Trotz aller Schwierigkeiten sammelte das Team wertvolle Daten. Schon jetzt ist klar: Die Veränderungen in diesem für das Weltklima wichtigen Gebiet sind deutlich.

Ziel der Expedition TRANSDRIFT XV waren die so genannten Polynjas der zentralsibirischen Laptev-See. Polynjas sind freie Wasserflächen, die auch im arktischen Winter zwischen dem Festeis der Küstenregion und dem Packeis des Nordpolarmeeres offen bleiben. Sie sind von zentraler Bedeutung für die Schifffahrt, aber auch für den Energiehaushalt und die Produktion von neuem Meereis – und damit für das Klimageschehen weltweit.

Operationsbasis für die Expedition war die Hafenstadt Tiksi am Lena-Delta. In dem 5000-Einwohner-Ort lebten und arbeiteten die Teilnehmer in Einrichtungen des Lena-Delta-Reservates. Zwei Hubschrauber der russischen Armee transportierten Wissenschaftler und Material von dort zum eigentlichen Untersuchungsgebiet. Flugzeit: zwei bis drei Stunden. „Ohne die überaus professionelle Hilfe der Piloten wäre die gesamte Arbeit nicht zu bewältigen gewesen“, betont Dr. Kassens. Auf dem Festeis der Laptev-See angekommen, errichteten die Forscher mehrere provisorischen Camps, von denen aus sie meteorologische, ozeanographische, biologische, und meereschemische Untersuchungen durchführten.

„Insgesamt war die Expedition ein voller Erfolg“, zieht Dr. Kassens nach der Rückkehr eine erste Bilanz. Die Auswertung aller gewonnenen Daten dauere zwar noch an, aber schon jetzt sei klar, dass das Polynja-System viel sensibler auf Umweltveränderungen reagiere als bisher angenommen. „Schon kleine Schwankungen der Wetterbedingungen beeinflussen die Eisproduktion für die Arktis. In diesem Winter ist dort beispielsweise sehr wenig Eis entstanden“. Auch die biologischen Untersuchungen deuten auf Veränderungen in der Laptev-See hin. „Immer mehr Planktonarten aus dem Atlantik verdrängen die arktische Arten“, erklärt Dr. Kassens. Und ein Phänomen konnten die Forscher am eigenen Leibe erfahren: „Der Frühlingsanfang lag mindestens zwei Wochen früher als bei bisherigen Expeditionen in der Region“. Statt in frostig-klarem Wetter zu arbeiten mussten die Forscher daher häufig mit Stürmen zurechtkommen, was die Untersuchungen teilweise sehr erschwerte.

Unterstützung erhielt das Team in den letzten zwei Wochen von einem absoluten Arktis-Neuling. Uwe Döring, hauptberuflich Minister für Justiz, Arbeit und Europa des Landes Schleswig-Holstein, hatte sich den Polarforschern in seinem Frühjahrsurlaub als freiwilliger Helfer zur Verfügung gestellt. Seit seiner Ankunft in Tiksi am 15. April packte er mit an, begleitete die Wissenschaftler bei den unterschiedlichen Arbeiten auf dem Eis und erlebte dabei die Faszination, aber auch die Tücken der Polarforschung. Die Stille und die unendliche Weite auf dem Eis seien für ihn unvergesslich, berichtet der Minister nach seiner Rückkehr. „Außerdem hat mich beeindruckt, den Klimawandel und seine Folgen hautnah zu erleben“, sagt Döring, „ich fürchte, er ist weiter, als wir wahrhaben wollen.“ Diese Erfahrung habe auch Einfluss auf seine zukünftige Arbeit als Politiker, so Döring weiter: „Mir ist noch bewusster, dass wir die Programme zum Klimaschutz, die wir bereits aufgelegt haben, weiterführen und ausbauen müssen“.

Eurasische Schelfmeere im Umbruch – Ozeanische Fronten und Polynjasysteme in der Laptev-See

Zur Homepage der Expedition TRANSDRIFT XV.

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Arktis-Expedition der Polar 5 beendet

Donnerstag 30. April 2009 von birdfish

In Oshawa (Kanada) ging jetzt die Arktis-Kampagne (PAM-ARCMIP – Pan-Arctic Measurements and Arctic Climate Model Intercomparison Project) mit dem deutschen Polarflugzeug Polar 5 zu Ende.

Arktis Forschungsflugzeug Polar 5(c) Klaus Dethloff / AWI

Die vierwöchige Kampagne brachte aufgrund der großen Reichweite des Flugzeuges und der eingesetzten modernen Messtechnik einzigartige Messdaten über Meereisdicke, Spurengase, Aerosole und meteorologische Parameter. „Wir waren in größtenteils unerforschten Gebieten unterwegs. Unsere nördlichste Position lag bei 88° 40′ Nord. Solche Flugoperationen in der Arktis erfordern großes Können und viel Erfahrung“, berichtet Dr. Andreas Herber, Physiker und verantwortlich für die Forschungsflugzeuge am Alfred-Wegener-Institut. Während der meisten Zeit war das Wetter für die Messungen ideal. Lufttemperaturen von unter – 30 °C wurden jedoch oft zu einer Herausforderung für die wissenschaftlichen Geräte. 20 Wissenschaftler und Ingenieure von sechs Forschungsinstituten aus Deutschland, Italien (CNR-ISAC Bologna), Kanada (Environment Kanada, University of Alberta, York University) und den USA (NOAA-ESRL Boulder) waren beteiligt und werden die Daten in den kommenden Monaten auswerten.

Der Flug der Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft führte von Longyearbyen auf Spitzbergen über Grönland und Nordkanada bis nach Barrow in Alaska. Polar 5 landete außerdem als erstes Flugzeug auf zwei Meter dickem Eis bei der Position 87° 40′ Nord/117° 00′ West an der russischen Eisschollen-Driftstation NP-36. Die gesamte Kampagne verdankt ihren Erfolg einer engen internationalen Kooperation und der hervorragenden Unterstützung an den einzelnen Forschungsstationen wie Alert und Eureka.

Ein Schwerpunkt der Kampagne waren arktische Aerosole. Mit mehreren Vertikal- und Horizontalprofilen in Tiefflughöhe (60 Meter) und in Normalflughöhe von 3000 Meter wurde ein Abbild der Aerosolverteilung in der Arktis erstellt. Aerosole gehören mit Wassertröpfchen und Eiskristallen zu den klimarelevanten Spurenstoffen und zählen zu den größten Unsicherheitsfaktoren bei der Abschätzung zukünftiger Klimaveränderungen. Die Messungen über dem Arktischen Ozean erlauben die Quantifizierung der Aerosolbelastung der arktischen Reinluft und ihre Zuordnung zu asiatischen, nordamerikanischen und europäischen Quellregionen. Sie liefern eine realistische Grundlage für die dringend erforderliche Verbesserung der Modellrechungen für diese unzugängliche und für die Klimaforschung zentrale Region unserer Erde.

Arktis Forschungsflugzeug Polar 5(c) Martin Gehrmann / AWI

Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagne waren großflächige Eisdickenmessungen in der inneren Arktis, die in enger Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und der Universität von Alberta durchgeführt wurden. Erstmalig kam dabei eine Eisdickensonde, der so genannte EM-Bird, unter einem Flugzeug zum Einsatz. Für die Untersuchungen zog Polar 5 die Sonde an einem 80 Meter langen Stahlseil in zwanzig Meter Höhe über die Eisoberfläche. Mehrere Flüge von verschiedenen Stationen nach Norden ergaben Eisdicken zwischen 2,5 Meter (zweijähriges Eis in der Nähe des Nordpols) und vier Metern (mehrjähriges Eis in küstenahen Gebieten vor Kanada). Insgesamt war das Eis etwas dicker als in den vergangenen Jahren in den gleichen Regionen, was eine temporäre Erholung der arktischen Eisdecke vermuten lässt. Entlang der nördlichen Küste von Ellesmere Island fanden die Forscher das dickste Eis, mit Dicken oft größer als 15 Meter.

Ein weiterer Höhepunkt der Kampagne waren atmosphärische Sondierungen in der Zentralarktis sowie die Messung sehr geringer Ozon- und Quecksilberkonzentrationen über weiten Teilen des mit Meereis bedeckten arktischen Ozeans. Die meteorologische Sondierung mittels Dropsonden ergab flache Grenzschichten in Verbindung mit ausgeprägten Temperaturinversionen und Windjets in den untersten 300 Metern. Diese Bedingungen fördern den von den kanadischen Kollegen von Environment Canada gemessenen Verlust des bodennahen Ozons über dem Meereis, hervorgerufen durch Reaktion mit Bromoxid. Die Kombination aller Spurengasmessungen mit den atmosphärischen Sondierungen wird es  ermöglichen, die Prozesse des bodennahen Ozonabbaus in der Arktis besser zu verstehen.
Auf die Auswertungen der Ergebnisse darf man gespannt sein.

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