KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Die Polarstern startet zur Erforschung der Klimawandelfolgen in arktischen Sommer

Montag 25. Oktober 2010 von birdfish

Das Forschungsschiff Polarstern startet am heutigen 25. Oktober zu seiner 27. Antarktis-Expedition.

FS Polarstern in der Atka-Bucht
FS Polarstern in der Atka-Bucht – Foto: T. Riehl, AWI

Die Fahrt besteht aus vier Abschnitten, die von Hafenanläufen in Kapstadt (Südafrika), Punta Arenas (Chile) und wiederum Kapstadt unterteilt werden. Wissenschaftliche Schwerpunkte der Expedition sind Atmosphärenforschung, Ozeanographie und Biologie. Während der Expedition werden außerdem die Neumayer-Station III, das Dallmann-Labor und die britische Station Rothera versorgt. Über 180 Forscher von Instituten aus 15 Ländern nehmen an der Expedition teil, die Mitte Mai 2011 in Bremerhaven enden wird.

Von Bremerhaven aus geht es zunächst Richtung Kapstadt, Südafrika. Die Fahrt durch den Atlantik nutzt das Team um Fahrtleiter Dr. Karl Buhmke vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IfM-Geomar, um Messungen der atmosphärischen und ozeanischen Eigenschaften, Bestimmungen der Energie- und Stoffflüsse zwischen Ozean und Atmosphäre und chemische Untersuchungen durchzuführen. Für die Untersuchung der Energie- und Stoffflüsse wird wieder der Oceanet-Messcontainer genutzt, welcher speziell für den Einsatz auf Fracht- und Forschungsschiffen unter Federführung IfM-Geomar mit dem Institut für Troposphärenforschung in Leipzig entwickelt wurde.

Weiterhin wird ein aktualisiertes System zur Vermessung des Meeresbodens erprobt, das während der Werftzeit in Bremerhaven an Bord installiert wurde. Dr. Hans-Werner Schenke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft nutzt das so genannte Hydrosweep Echolot bereits seit vielen Jahren und stellt mit seiner Hilfe unter anderem Seekarten her. Diese Kartierung des Meeresbodens bildet die Grundlage für viele andere Forschungsarbeiten an Bord: So wollen beispielsweise Biologen auf dem dritten Abschnitt der Expedition Fischfallen ausbringen und können die dafür günstigsten Orte aufgrund der bathymetrischen Daten bestimmen.

Auch die größten Lebewesen unseres Planeten spielen auf der Expedition eine Rolle: Forscher der Arbeitsgruppe Ozeanische Akustik des Alfred-Wegener-Instituts wollen kurz vor dem Einlaufen in Kapstadt einen Rekorder etwa 900 Meter tief am nördlichen Ende des Walvis Rückens westlich von Namibia verankern. Er zeichnet die Gesänge von Walen in einem Areal auf, in dem vermutlich viele Arten ihre Jungen zur Welt bringen. Zur Wanderung und den Brutgebieten ist bei vielen Walen bisher jedoch wenig bekannt, so dass diese akustische Methode neue Informationen über die bedrohten Meeressäuger liefern soll.

Nach der Fahrt auf die südliche Erdhalbkugel geht es dann Ende November mit einem neuen Team von Wissenschaftlern und Technikern von Kapstadt aus ins Südpolarmeer. Überwiegend Ozeanographen und Biologen untersuchen unter anderem, wie sich der antarktische Ozean verändert. Die Polarstern wird in der Antarktis zusätzlich die Neumayer-Station III, das Dallmann-Labor und die britische Station Rothera versorgen und voraussichtlich am 20. Mai 2011 wieder in Bremerhaven einlaufen.

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Elemente, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Meteorologie, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Wasser | Keine Kommentare »

Kieler Studie von Meeresforschern zu Veränderungen im arktischen Ozean

Dienstag 12. Oktober 2010 von birdfish

Meeresforscher haben möglicherweise gravierende Veränderungen in der Schichtung des arktischen Ozeans entdeckt.

Wasserproben aus der sibirischen Laptev-See
Wasserproben aus der sibirischen Laptev-See – Foto: J. Steffen, IFM-GEOMAR

Dass die Eisbedeckung der Arktis während der Sommermonate in den vergangenen 30 Jahren um 40 Prozent zurückgegangen ist, können Wissenschaftler mit Satellitenaufnahmen relativ einfach nachweisen. Doch die Prozesse, die diesem Rückgang zugrunde liegen, sowie mögliche Auswirkungen sind bisher nur zu einem kleinen Teil bekannt. In dem mehrjährigen Projekt „Laptev-See-Polynja“ versuchen Wissenschaftler aus Deutschland und Russland gemeinsam, den Ursachen und Folgen des Klimawandels und seinen speziellen Mechanismen in der Arktis auf die Spur zu kommen. Dabei stießen Forscher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) jetzt auf Veränderungen der Wassermassenverteilung in der sibirischen Laptev-See, die auch Auswirkungen auf die Eisbildung in der gesamten Arktis haben könnten.

Polynjas, die im Fokus der Untersuchungen stehen, sind offene Wasserflächen zwischen festem Küsteneis und treibendem Meereis vor den Küsten Sibiriens. In diesen Wasserflächen entsteht während der Wintermonate neues Eis für den arktischen Ozean. Wegen der extremen Wetterbedingungen können die Wissenschaftler diesen Prozess im Winter aber nur eingeschränkt beobachten. Deshalb greifen sie in die physikalische Trickkiste. Im Meerwasser kommen zwei verschiedene Varianten des Wassermoleküls, sogenannte Isotope, vor. Wo Wasser zu Eis gefriert, ändert sich das Mengenverhältnis dieser Isotope zueinander. Diese Veränderung ist noch Monate später messbar. Im Sommer, wenn die Küstengewässer Sibiriens eisfrei sind, können die Wissenschaftler verhältnismäßig einfach Wasserproben nehmen und in ihnen die Verschiebung des Isotopenverhältnisses aus dem vergangenen Winter nachweisen. „So können wir Aussagen darüber zu treffen, wo, wann und wie viel Eis im Winter zuvor gebildet wurde“, erklärt die Physikerin Dr. Dorothea Bauch vom IFM-GEOMAR, Hauptautorin der aktuellen Studie.

Obwohl die Eisbildung an der Meeresoberfläche abläuft, fanden die Forscher die dazu passenden Isotopen-Spuren vor allem in Wasserproben vom Grund der Laptev-See. „Dafür gibt es eine logische Erklärung“, sagt Dr. Bauch. „Friert an der Meeresoberfläche Wasser, wird Salz ,ausgefroren’, das zurückbleibende Wasser ist also sehr salzreich. Daher ist das vom Gefrierprozess markierte Wasser schwerer als das der Umgebung und sinkt zum Meeresboden.“ Messergebnisse aus dem Jahr 2007 zeigen jedoch ein ganz anderes Bild: Die gesuchten Isotopenspuren fanden sich nahe der Wasseroberfläche. „Das widerspricht unserem bisherigen Vorstellungen von der Schichtung und der Verteilung der Wassermassen in der Region“, sagt Dr. Bauch.

Eine Erklärung dafür könne eine Veränderung in den Mechanismen sein, die zur winterlichen Eisbildung beitragen, führen die Autoren in ihrer Studie aus. 2007 war für die Eisbedeckung der Arktis ein Extremjahr – seit Beginn wissenschaftlicher Aufzeichnungen hat es in den Sommermonaten nie so wenig Eis im nördlichen Ozean gegeben wie in diesem Jahr. „Ein Zusammenhang mit der auffälligen Verteilung der Isotopenspuren ist also wahrscheinlich“, erklärt Dr. Bauch.

Sollte sich die Entdeckung als Trend erweisen, könnte das bedeuten, dass mehr salzreiches Wasser in die arktische Oberflächenwasserschicht gelangt. Bisher wirkte das salzarme Oberflächenwasser wie ein Isolator gegen das verhältnismäßig warme Tiefenwasser, das aus dem Atlantik in den arktischen Ozean strömt. „Wenn man bedenkt, dass Meerwasser erst bei minus 1,8 Grad Celsius friert, das Wasser aus dem Atlantik aber mit Temperaturen knapp über dem Nullpunkt in die Arktis kommt, dann würde eine Schwächung der isolierenden Oberflächenwasserschicht den Rückgang des Meereises weiter beschleunigen“, betont Dr. Bauch. Bisher sei die Datenmenge allerdings zu gering, um eine andauernde Veränderung zu bestätigen. So zeigt die aktuelle Entdeckung vor allem auch eines: „Wir wissen einfach noch viel zu wenig über die Mechanismen der Eisbildung und der Wasserverteilung in der Arktis“, so die Physikerin.

Zusätzliche Daten soll die Expedition TRANSDRIFT XVII im Rahmen des Projekts „Laptev-See-Polynja“ bringen, die gegenwärtig in der russischen Laptev-See unter Fahrtleitung des IFM-GEOMAR stattfindet. „Leider erhalten wir aufgrund der schwierigen Umweltbedingungen mit jeder Expedition nur Stichproben. Dabei ist die Arktis ein in Hinblick auf den Klimawandel enorm wichtiges Gebiet. Bei allem wissenschaftlichen Fortschritt fangen wir gerade erst an, es zu verstehen“, betont die Projektleiterin Dr. Heidemarie Kassens vom IFM-GEOMAR.

Originalpublikation

Bauch, D., J. Hölemann, S. Willmes, M. Groeger, A. Novikhin, A. Nikulina, H. Kassens, and L. Timokhov (2010), Changes in distribution of brine waters on the Laptev Sea shelf in 2007, J. Geophys. Res., doi:10.1029/2010JC006249.
Das Projekt Laptev-See-Polynja

Kategorie: Allgemeines, Elemente, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Prognosen, Veröffentlichungen, Wasser, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »

Jubiläum: zehn Jahre deutsch-russisches Labor für Polar- und Meeresforschung

Donnerstag 26. November 2009 von birdfish

Die Regionen der Arktis sind für das Weltklima und für die Ökologie der Ozeane von entscheidender Bedeutung.

Polynja in Ostsibirien
Eine sogenannte Polynja in der ostsibirischen Laptev-See. Diese auch im Winter eisfreien Wasserflächen sind entscheidend für die Eisproduktion der Arktis. – (c) H. Kassens, IFM-GEOMAR

Ihre Erforschung ist wichtig, um vergangene Klimasysteme rekonstruieren und zukünftige Klimaentwicklungen vorhersagen zu können. Deutsche und russische Wissenschaftler arbeiten dabei eng zusammen. Seit genau zehn Jahren hat diese Kooperation einen festen institutionellen Rahmen: das Otto-Schmidt-Labor in St. Petersburg.

Während der gestrigen Jubiläumsfeier erhielten Wissenschaftler aus Kiel und Bremerhaven sowie Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hohe russische Auszeichnungen.

Acht Monate im Jahr meterdicke Eisbedeckung, schwere Stürme, Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt: Das ist die ostsibirische Laptev-See. Doch so kalt und abweisend die Region auf den ersten Blick erscheint, die Klimaerwärmung ist auch dort zu spüren – sogar deutlicher als an anderen Orten der Erde. Seit Beginn der 1990er Jahre erforschen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft und des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) gemeinsam mit russischen Kollegen deshalb die Klimaentwicklung und die ökologischen Veränderungen in der Laptev-See. Vor genau zehn Jahren entstand aus dieser Zusammenarbeit als institutionelles Bindeglied das Otto-Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung (OSL) am Staatlichen Institut für Arktis- und Antarktisforschung (AARI) in St. Petersburg. Seitdem dient das Labor als Schnittstelle zwischen dem russischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft und dem deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es ist damit die Basis für gemeinsame Projekte, die auf dem Gebiet der Polar- und Meeresforschung durchgeführt werden.

Im Anschluss an eine wissenschaftliche Konferenz über die deutsch-russischen Kooperationen in der Arktis fand in St. Petersburg gestern (25.11.2009) ein Festakt zum Geburtstag des OSL statt. Vertreter der deutschen und russischen Partnerinstitute gratulieren dem OSL genauso wie Vertreter der deutschen Botschaft in Moskau, des BMBF und der ehemalige Europaminister des Landes Schleswig-Holstein, Uwe Döring. Gleichzeitig ehren die russischen Gastgeber mehrere deutsche Wissenschaftler mit hohen Auszeichnungen: Dr. Heidemarie Kassens (IFM-GEOMAR) und Dr. Jens Hölemann (Alfred-Wegener-Institut) erhalten die Staatliche Auszeichnung des Ministeriums für Natürliche Rohstoffe und Ökologie der Russischen Föderation für ihren großen persönlichen Beitrag zur russisch-deutschen Zusammenarbeit. Dr. Kassens und Dr. Hölemann gehören zu den Pionieren der Laptev-See-Forschung und zu den Gründungseltern des Otto-Schmidt-Labors. “Diese Auszeichnung ist für mich persönlich natürlich eine große Ehre. Aber sie zeigt auch, welch hoher Stellenwert der Zusammenarbeit auf beiden Seiten eingeräumt wird”, sagt Dr. Hölemann, “und das ist ein gutes Signal für die Zukunft der Arktisforschung”. Außerdem verleiht das AARI im Auftrag des Ministeriums für Natürliche Rohstoffe und Ökologie sowie des Ministeriums für Wissenschaft und Bildung Dr. Kirsten Schäfer (IFM-GEOMAR), Dr. Karen Volkmann-Lark (IFM-GEOMAR), Dr. Barbara Tanner (Projektträger Jülich, Außenstelle Rostock-Warnemünde), Professor Jörn Thiede (Universität Kopenhagen, langjähriger Direktor des Alfred-Wegener-Instituts und Gründungsdirektor GEOMAR), sowie Reinhold Ollig und Michael Schlicht (BMBF) eine Auszeichnung für den großen persönlichen Beitrag zur Entwicklung des russisch-deutschen Forschungsprogramms “System Laptev-See”. Alle Preisträger sind der St. Petersburger Forschungseinrichtung seit Jahren verbunden.

Ehrungen beim Otto-Schmidt-Labor
Deutsche Wissenschaftler und Vertreter des BMBF wurden in St. Petersburg für ihren Beitrag zur russisch-deutschen Kooperation ausgezeichnet. (c) T. Klagge / IFM-GEOMAR

Das Otto-Schmidt-Labor hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem modernen Forschungslabor für die Fachgebiete Meteorologie, Ozeanographie, Meereschemie, Biologie und Geowissenschaften entwickelt. Es ist ausgestattet mit modernen Labor- und Messgeräten, einem Computerzentrum und einer virtuellen Bibliothek mit Zugang zu mehr als 10.000 Fachzeitschriften. Eine der Hauptaufgaben des Otto-Schmidt-Labors ist neben der Koordination die wissenschaftliche Qualifizierung und Förderung von Nachwuchswissenschaftlern. “Arktisforschung ist eine internationale Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Die Ausbildung von jungen Polarforschern ist dabei zentraler Bestandteil unserer Kooperation mit Deutschland. Der globale Klimawandel wird vor allem die junge Generation in Zukunft vor große Herausforderungen stellen“, betont Professor Leonid A. Timokhov, Gründungsdirektor des OSL. Seit dem Jahr 1999 haben 280 Stipendiaten von 19 Forschungseinrichtungen der Russischen Föderation erfolgreich an den OSL-Stipendienprogrammen teilgenommen. Bemerkenswert ist dabei auch der Masterstudiengang “Angewandte Polar- und Meereswissenschaften” (POMOR), den Alfred-Wegener-Institut, IFM-GEOMAR, AARI sowie mehrere Universitäten in Russland und Deutschland gemeinsam anbieten und organisieren. “Auf diese Weise fördert das Otto-Schmidt-Labor nicht nur die gemeinsame Forschung, sondern sorgt auch für hoch qualifizierten Nachwuchs, der von Anfang an international vernetzt ist”, betont Dr. Kassens.

Hintergrundinformationen:

Das Otto-Schmidt-Labor wurde 1999 gegründet. Benannt ist es nach dem russischen Mathematiker, Geophysiker und Arktisforscher Otto Juljewitsch Schmidt, der in den 1920er und 1930er Jahren mehrere Arktisexpeditionen durchführte und dabei als wissenschaftlicher Leiter mit dem Eisbrecher “Sibirjakow” erstmals ohne Überwinterung die Nordostpassage durchfuhr. Betrieben und finanziert wird das Otto-Schmidt-Labor auf russischer Seite vom Staatlichen Institut für Arktis- und Antarktisforschung (AARI) in St. Petersburg, vom Ministerium für Wissenschaft und Bildung und von der Bundeseinrichtung für Hydrometeorologie und Umweltüberwachung sowie auf deutscher Seite vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sowie vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Darüber hinaus arbeiten mehr als 40 Universitäten und Forschungseinrichtungen in Russland und Deutschland am OSL zusammen

Die Website des Otto Schmidt Labors (engl.)

Kategorie: Allgemeines, Forschung, Gruppen, Internationale ZA, Klimamodelle, Meteorologie, Prognosen | Keine Kommentare »

Otto-Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung

Donnerstag 26. November 2009 von birdfish

Das Otto-Schmidt-Labor wurde 1999 gegründet. Benannt ist es nach dem russischen Mathematiker, Geophysiker und Arktisforscher Otto Juljewitsch Schmidt, der in den 1920er und 1930er Jahren mehrere Arktisexpeditionen durchführte und dabei als wissenschaftlicher Leiter mit dem Eisbrecher “Sibirjakow” erstmals ohne Überwinterung die Nordostpassage durchfuhr.

Polynja in Ostsibirien
Eine sogenannte Polynja in der ostsibirischen Laptev-See. Diese auch im Winter eisfreien Wasserflächen sind entscheidend für die Eisproduktion der Arktis. – (c) H. Kassens, IFM-GEOMAR

Betrieben und finanziert wird das Otto-Schmidt-Labor auf russischer Seite vom Staatlichen Institut für Arktis- und Antarktisforschung (AARI) in St. Petersburg, vom Ministerium für Wissenschaft und Bildung und von der Bundeseinrichtung für Hydrometeorologie und Umweltüberwachung sowie auf deutscher Seite vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sowie vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Darüber hinaus arbeiten mehr als 40 Universitäten und Forschungseinrichtungen in Russland und Deutschland am OSL zusammen

Die Website des Otto Schmidt Labors (engl.)

Interessanter Artikel anlässlich des 10jährigen Jubiläums deutsch-russischer Zusammenarbeit im Otto-Schmidt-Labor.

04.11.2010 – Vertrag zur Fortführung des Otto-Schmidt-Labors  für weitere drei Jahre unterzeichnet – zur Meldung

Kategorie: Allgemeines | Keine Kommentare »

Polarstern bricht heute wieder gen Arktis auf – Auswirkungen auf Ökosystem erforschen

Samstag 20. Juni 2009 von birdfish

Heute bricht das deutsche Forschungsschiff Polarstern, das vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft betrieben wird, zu seiner 24. Arktisexpedition auf.

Methanuntersuchungen in der Arktis
Austritt von Methanblasen am Håkon-Mosby-Schlammvulkan – (c) AWI

119 Wissenschaftler aus sieben Ländern untersuchen auf drei Fahrtabschnitten das gesamte Spektrum aktueller Arktisthemen: Klimageschichte und gegenwärtige Klimaentwicklung, Auswirkungen auf das Ökosystem von den Bakterien bis zu den Meeressäugern, sowie geowissenschaftliche Fragestellungen zur Sedimentstruktur und Tektonik der Arktis. Die Polarstern wird am 25. September in Bremerhaven zurück erwartet.

Der erste Fahrtabschnitt führt die Wissenschaftler durch die Grönlandsee und die Framstraße nach Longyearbyen auf Spitzbergen. Das Gebiet steht seit einigen Jahrzehnten verstärkt im Blickpunkt ozeanographischer Forschung, da sich dort Schlüsselprozesse im Ozean abspielen und die Region ausgesprochen empfindlich gegenüber klimatischen Veränderungen ist. In der Framstraße werden unter anderem Verankerungen von Langzeit-Messreihen ausgetauscht und die Daten von Temperatur und Salzgehalt im Ozean ausgelesen – solche Langzeitmessungen sind unverzichtbar für die klimabezogene Meeresforschung. Des Weiteren werden Untersuchungen zur Klimageschichte und zum arktischen Ökosystem durchgeführt.

Der zweite Fahrtabschnitt beginnt am 10. Juli und konzentriert sich auf zwei Untersuchungsgebiete, den so genannten Hausgarten und den Hakon-Mosby-Schlammvulkan. Beim Hausgarten handelt es sich um ein Tiefsee-Langzeitobservatorium, das aus inzwischen 16 Stationen entlang eines Tiefenprofils mit Wassertiefen von 1.200 bis 5.500 Meter besteht. An ausgewählten Positionen entlang der 2500 m Tiefenlinie sind Verankerungen ausgebracht, die seit 1999 alljährlich in den Sommermonaten ausgetauscht werden. Die so gewonnenen Proben und Messdaten dokumentieren den Einfluss von Klima-Veränderungen und deren Folgen auf diese Region der arktischen Tiefsee und ihre Lebewesen. Der Hausgarten ist mittlerweile in zahlreichen europäischen Forschungsprojekten wichtiger Bestandteil, da es in der Arktis nur wenige vergleichbare multidisziplinäre Langzeituntersuchungen gibt. Der Hakon-Mosby-Schlammvulkan liegt in 1250 Metern Wassertiefe am norwegischen Kontinentalrand in der südwestlichen Barentssee und wurde in der Vergangenheit regelmäßig bei Polarstern-Expeditionen erkundet. In diesem Jahr wird dort ein Langzeit-Observatorium installiert, um geologische, physikalische, chemische und biologische Parameter kontinuierlich im Verbund zu messen und so den Schlammvulkanismus zu verstehen. Der Hakon-Mosby-Schlammvulkan ist ein ausgewähltes Untersuchungsgebiet mehrerer EU-Projekte.

Der dritte und letzte Fahrtabschnitt beginnt am 5. August in Reykjavik (Island) und konzentriert sich auf geowissenschaftliche Fragestellungen. Das genaue Untersuchungsgebiet für die geophysikalischen Messungen in der westlichen Grönlandsee hängt von der arktischen Eisbedeckung in diesem Sommer ab. Die seismologischen Untersuchungen sollen neue Erkenntnisse über die geologische Geschichte des Ostgrönlandschelfs liefern. Wie bereits während des ersten Fahrtabschnittes werden außerdem Wissenschaftler aus Belgien im Rahmen eines Langfristprojektes Vögel und Wale zählen, um deren Verbreitung zu dokumentieren. Die Polarstern wird voraussichtlich am 25. September wieder in Bremerhaven einlaufen.

Website der FS Polarstern auf dem Server des AWI

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, EU, Elemente, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Meteorologie, Tiere und Pflanzen, Wasser | Keine Kommentare »

Alfred-Wegener-Institut (AWI)

Mittwoch 3. Juni 2009 von birdfish

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung ist ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft

Das AWI erforscht seit mehr als 25 Jahren die Zusammenhänge des weltweiten Klimas und der speziellen Ökosysteme im Meer und an Land. Zentraler Forschungsschwerpunkt sind die Arktis und Antarktis. Außerdem führt das Alfred-Wegener-Institut wissenschaftliche Projekte in den gemäßigten Breiten durch. Das nötige Know-how gewährleisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Nationen: Gemeinsam und übergreifend untersuchen sie die Klima-, Bio- und Geosysteme der Erde. Ziel der Forschungsarbeiten am Alfred-Wegener-Institut ist, die Veränderungen der globalen Umwelt und des Erdsystems zu entschlüsseln, die teils natürlich und teils durch den Menschen hervorgerufen sind.

Quelle: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Kategorie: Allgemeines | Keine Kommentare »

Erste Ergebnisse der Aktis-Expedition: Klimawandel hinterlässt deutliche Spuren

Mittwoch 6. Mai 2009 von birdfish

Die Expedition TRANSDRIFT XV startete am 15. März 2009. Insgesamt 18 Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meerswissenschaften (IFM-GEOMAR), des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) aus Bremerhaven, des Staatlichen Instituts für Arktis und Antarktisforschung der Russischen Föderation (AARI), des Lena-Delta-Reservates sowie der Universitäten Trier, Moskau und St. Petersburg nahmen teil.

Bergung einer Messstation
Nach mehreren Tagen im Eis birgt das TRANSDRIFT-Team eine Messstation. Dabei ist viel Muskelkraft gefragt.
(c) H. Kassens, IFM-GEOMAR

Ende April 2009 kehrten die deutschen Teilnehmer in die Heimat zurück. Die Expedition wurde finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Projektes „Laptev-See-Polynja“ sowie von russischer Seite vom AARI und vom russischen Ministerium für Wissenschaft und Bildung. Transdrift XV war die zweite Winterexpedition des Projektes in der Region.

Orkanartige Stürme, randalierende Eisbären und Eisschollen, die mit wertvollen Messgeräten aufs Meer abtrieben – die Natur hat es den 18 Forschern der Arktisexpedition TRANSDRIFT XV wahrlich nicht leicht gemacht. Unter der Leitung von Dr. Heidemarie Kassens vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und zeitweise unterstützt von Schleswig-Holsteins Europaminister Uwe Döring untersuchten die Wissenschaftler aus Deutschland und Russland sechs Wochen lang Klimasignale im Nordpolarmeer. Trotz aller Schwierigkeiten sammelte das Team wertvolle Daten. Schon jetzt ist klar: Die Veränderungen in diesem für das Weltklima wichtigen Gebiet sind deutlich.

Ziel der Expedition TRANSDRIFT XV waren die so genannten Polynjas der zentralsibirischen Laptev-See. Polynjas sind freie Wasserflächen, die auch im arktischen Winter zwischen dem Festeis der Küstenregion und dem Packeis des Nordpolarmeeres offen bleiben. Sie sind von zentraler Bedeutung für die Schifffahrt, aber auch für den Energiehaushalt und die Produktion von neuem Meereis – und damit für das Klimageschehen weltweit.

Operationsbasis für die Expedition war die Hafenstadt Tiksi am Lena-Delta. In dem 5000-Einwohner-Ort lebten und arbeiteten die Teilnehmer in Einrichtungen des Lena-Delta-Reservates. Zwei Hubschrauber der russischen Armee transportierten Wissenschaftler und Material von dort zum eigentlichen Untersuchungsgebiet. Flugzeit: zwei bis drei Stunden. „Ohne die überaus professionelle Hilfe der Piloten wäre die gesamte Arbeit nicht zu bewältigen gewesen“, betont Dr. Kassens. Auf dem Festeis der Laptev-See angekommen, errichteten die Forscher mehrere provisorischen Camps, von denen aus sie meteorologische, ozeanographische, biologische, und meereschemische Untersuchungen durchführten.

„Insgesamt war die Expedition ein voller Erfolg“, zieht Dr. Kassens nach der Rückkehr eine erste Bilanz. Die Auswertung aller gewonnenen Daten dauere zwar noch an, aber schon jetzt sei klar, dass das Polynja-System viel sensibler auf Umweltveränderungen reagiere als bisher angenommen. „Schon kleine Schwankungen der Wetterbedingungen beeinflussen die Eisproduktion für die Arktis. In diesem Winter ist dort beispielsweise sehr wenig Eis entstanden“. Auch die biologischen Untersuchungen deuten auf Veränderungen in der Laptev-See hin. „Immer mehr Planktonarten aus dem Atlantik verdrängen die arktische Arten“, erklärt Dr. Kassens. Und ein Phänomen konnten die Forscher am eigenen Leibe erfahren: „Der Frühlingsanfang lag mindestens zwei Wochen früher als bei bisherigen Expeditionen in der Region“. Statt in frostig-klarem Wetter zu arbeiten mussten die Forscher daher häufig mit Stürmen zurechtkommen, was die Untersuchungen teilweise sehr erschwerte.

Unterstützung erhielt das Team in den letzten zwei Wochen von einem absoluten Arktis-Neuling. Uwe Döring, hauptberuflich Minister für Justiz, Arbeit und Europa des Landes Schleswig-Holstein, hatte sich den Polarforschern in seinem Frühjahrsurlaub als freiwilliger Helfer zur Verfügung gestellt. Seit seiner Ankunft in Tiksi am 15. April packte er mit an, begleitete die Wissenschaftler bei den unterschiedlichen Arbeiten auf dem Eis und erlebte dabei die Faszination, aber auch die Tücken der Polarforschung. Die Stille und die unendliche Weite auf dem Eis seien für ihn unvergesslich, berichtet der Minister nach seiner Rückkehr. „Außerdem hat mich beeindruckt, den Klimawandel und seine Folgen hautnah zu erleben“, sagt Döring, „ich fürchte, er ist weiter, als wir wahrhaben wollen.“ Diese Erfahrung habe auch Einfluss auf seine zukünftige Arbeit als Politiker, so Döring weiter: „Mir ist noch bewusster, dass wir die Programme zum Klimaschutz, die wir bereits aufgelegt haben, weiterführen und ausbauen müssen“.

Eurasische Schelfmeere im Umbruch – Ozeanische Fronten und Polynjasysteme in der Laptev-See

Zur Homepage der Expedition TRANSDRIFT XV.

Kategorie: Artensterben, Boden, Forschung, Internationale ZA, Klimamodelle, Prognosen, Tiere und Pflanzen, Wasser | Keine Kommentare »

Internationale Forschungsexpedition gestartet

Sonntag 15. März 2009 von birdfish

Expedition TRANSDRIFT

Eine Gruppe internationaler Meeresforscher unter der Leitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) startet heute zu einer sechswöchigen Expedition in die russische Arktis. Sie will herausfinden, wie rasch sich das Klima dort ändert und welche globalen Auswirkungen dies haben könnte.

Zur Homepage der Expedition TRANSDRIFT XV.

Zur Pressemitteilung der IFM-GEOMAR.

Kategorie: Forschung, Internationale ZA, Klimamodelle, Meteorologie, Politik, Prognosen, Wasser | Keine Kommentare »