KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Globale Partnerschaft zum Waldschutz will Maßnahmen gegen Entwaldung finanzieren

Dienstag 8. Juni 2010 von birdfish

Mehr als 50 Industrie- und Tropenländer haben Ende Mai auf der Osloer Klima- und Waldkonferenz eine globale Partnerschaft zum Waldschutz unterzeichnet.

Wälder in Borneo
Besonders gefährdet: Wälder in Borneo – Foto: Alfred Patz / Pixelio

Bis 2012 soll eine Summe von vier Milliarden Dollar zusammenkommen, um Maßnahmen gegen die Entwaldung zu finanzieren. Deutschland beteiligt sich mit 350 Millionen Euro. Ziel ist die Reduzierung des durch Abholzung der tropischen Regenwälder entstehenden Treibhausgases CO2. Die Partnerschaft soll den UN-Verhandlungsprozess um ein neues Klimaabkommen unterstüzten und zu mehr Transparenz bei der Finanzierung von internationalen Initiativen gegen die Abholzung von Tropenwäldern beitragen. Eine internationale Agentur für den Schutz der Wälder soll künftig dafür sorgen, dass weniger tropischer Regenwald vernichtet und so dem Klimawandel begegnet wird. Ihre Einrichtung ist im Waldschutzabkommen REDD plus vorgesehen, das beim Kopenhagener Weltklimagipfel im vergangenen Dezember beschlossen wurde.

Etwa ein Fünftel der weltweiten CO2-Emissionen entstehen durch Entwaldung. Am Rande der Verhandlungen der Oslo Klima- und Waldkonferenz hatte der indonesische Premier Yudhoyono ein zweijähriges Moratorium auf neue Genehmigungen zur Abholzung von Regenwaldflächen für neue Plantagen angekündigt. Indonesien gehört durch die hohen CO2-Emissionen durch Abholzung des Regenwaldes zu den größten Verursachern des Treibhausgases.

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Holzhandelsgesetz wird von EU wiederbelebt – Bundesregierung soll Entwurf unterstützen

Donnerstag 6. Mai 2010 von birdfish

Mit einem überraschend klaren Votum hat der neu gewählte Umweltausschuss des Europaparlaments in Brüssel die Weichen für ein wirksames Holzhandelsgesetz gestellt.

Import illegaler Hölzer in die EU muss eingedämmt werden
Import illegaler Hölzer in die EU muss eingedämmt werden. (c) Guenola Kahlert / WWF

Mit einer Zweidrittelmehrheit stimmten die Parlamentarier zu Beginn der zweiten Lesung einem Entwurf zu, der die Einfuhr von Holz und Holzprodukten aus illegalen Quellen verbietet und Unternehmen zur verantwortungsvollen Holzbeschaffung verpflichtet. Der WWF fordert seit Jahren ein solches Gesetz, das eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen die globale Waldzerstörung darstellt.

„Die Entscheidung des Umweltausschusses macht Hoffnung, dass wir nun doch endlich eine wirksame und starke Holzhandelsverordnung bekommen, die schon so lange überfällig ist“, so WWF Waldexpertin Nina Griesshammer. „Dieses Votum dürfen EU-Parlament und die Bundesregierung im EU-Ministerrat auf keinen Fall wieder verwässern“.

Rund ein Fünftel der Holzimporte in die EU stammen aus illegalen Quellen. Illegal sind Holzprodukte dann, wenn sie unter Missachtung nationaler und internationaler Gesetze gewonnen oder produziert wurden. Illegaler Holzeinschlag drückt den Holzpreis weltweit um schätzungsweise bis zu 16 Prozent, das auch die deutsche Forst- und Holzwirtschaft spürt. Der jährliche wirtschaftliche Schaden durch entgangene Einnahmen für Staat, Industrie und Waldbesitzer beläuft sich auf rund 11 Milliarden Euro. In Indonesien, das zu den großen Holzlieferanten der Erde gehört, stammen rund 70 Prozent der geschlagenen Hölzer aus illegalen Quellen.

„Jetzt ist Bundesagrarministerin Aigner gefordert, weil von ihr viel abhängt, ob ein wirklich wirksames Holzhandelsgesetz zustande kommt.“, so Nina Griesshammer. „Leider macht uns die bisherige Haltung der Bundesregierung nicht wirklich Mut“.

Die Waldzerstörung ist wesentlich mitverantwortlich für den Klimawandel. 15 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen aus der Vernichtung von Wäldern. Ein Großteil der abgeholzten Bäume wird für Produkte abgeholzt, die in die großen Konsumnationen geliefert werden, also auch nach Europa und Deutschland.

FLEGT: Das EU-Aktionsprogramm gegen illegalen Holzeinschlag und Handel

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Scherben von Kopenhagen beseitigen – Verhandlungen sollen neue Impulse geben

Montag 12. April 2010 von birdfish

In Bonn fand dieser Tage eine Klimaverhandlungsrunde in Bonn statt.

Scherbenhaufen von Kopenhagen beseitigen.
Umwelt-Aktivisten und Delegierte beseitigen in Bonn den Scherbenhaufen von Kopenhagen  (c) Germanwatch / Simone Ackermann

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen Germanwatch, Oxfam, WWF sowie das internationale Netzwerk TckTckTck haben hier symbolisch den Scherbenhaufen aufgesammelt, den die unzureichenden Ergebnisse des letztjährigen Klimagipfels in Kopenhagen verursacht haben. Hinter 4 Tonnen Glasscherben, die vor dem Konferenzgelände in Bonn ausgebreitet waren, forderten sie von den Delegierten: “Zeit, die Scherben aufzusammeln”. Die Verhandlungsrunde ist die erste auf dem Weg zum Klimagipfel Ende 2010 im mexikanischen Cancun.

Sven Harmeling, Referent für Klima und Entwicklung bei Germanwatch, erklärte: “Trotz einiger positiver Aspekte waren die Ergebnisse von Kopenhagen bei weitem nicht ausreichend, um der Bedrohung durch den Klimawandel gerecht zu werden. Mit den in diesem Jahr von den Ländern angekündigten Emissionsverminderungszielen steuert die Welt auf eine Erderwärmung von 3 bis 4 Grad zu, obwohl in der Kopenhagen-Vereinbarung versprochen wurde, den Anstieg auf unter 2 Grad zu begrenzen. Es bedarf daher bis Cancun einer Strategie, diese Lücke zu schließen. Natürlich müssen die Industrieländer insgesamt und auch die EU ihre Klimaschutz-Ambitionen deutlich erhöhen. Investitionen in Klimaschutz sollten gerade auch als zukunftsfähiger Beitrag zur Überwindung der Wirtschaftskrise gesehen werden.”

Doch bereits heute hinterlässt der Klimawandel spürbare Folgen, die auch bei einer Temperaturbegrenzung auf unter 2 Grad für viele Länder gravierend sein werden. “Daher muss bei der konkreten Finanzierung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels nachgelegt werden”, so Harmeling. “Bis zur Klimakonferenz in Mexiko muss es gelingen, sich auf die Einführung innovativer Finanzinstrumente zu einigen. Damit könnten Gelder in der notwendigen dreistelligen Milliardenhöhe generiert werden, ohne die nationalen Haushalte zu belasten.”

In dieser ersten Verhandlungsrunde 2010 sollten die Regierungen einen klaren Verhandlungsfahrplan vereinbaren mit dem Ziel, in Themenbereichen wie Technologietransfer, Anpassung an die Folgen des Klimawandels und Reduktion der Emissionen durch Entwaldung (REDD) bei der mexikanischen Klimakonferenz zu einer Einigung zu kommen, die den Grundstein für ein umfassendes, ambitioniertes und rechtlich verbindliches Abkommen legen kann. “Da wir hierzu in Kopenhagen durchaus nennenswerte Fortschritte gesehen haben, ist dies bei gutem Willen aller Beteiligten realistisch, und Bonn kann der erste Schritt dahin sein. Die entsprechenden Ziele, Maßnahmen und Aktionspläne müssen insgesamt in einen transparenten und funktionsfähigen institutionellen Rahmen gesetzt werden”, so Harmeling. “Ohne eine verlässliche Finanzierung besteht aber die Gefahr, dass solche Vereinbarungen weitgehend Papiertiger bleiben.”

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Tropenwald speichert nach Zerschneidung weniger an Biomasse und Kohlendioxid

Mittwoch 16. Dezember 2009 von birdfish

Die Abholzung der tropischen Regenwälder könnte noch größeren Einfluss auf den Klimawandel haben als bislang gedacht.

Tropenwald Brasiliens - nur noch ein Achtel übrig
Nur noch etwa ein Achtel der ursprünglichen Waldfläche des Küstenregenwaldes in Brasilien ist übrig – (c) Christoph Knogge / UFZ

Die Gesamtbiomasse von kleinen, nach einer Landschaftszerschneidung entstandenen Waldstücken, kann im Vergleich zu einem zusammenhängenden Wald gleicher Gesamtfläche um bis zu 40 Prozent geringer sein. Zu diesem Ergebnis kommen deutsche und brasilianische Forscher durch Modellrechnungen anhand von Daten aus dem bereits zu ca. 88 Prozent abgeholzten Küstentropenwald Mata Atlântica im brasilianischen Bundesstaat São Paulo. Die übrig gebliebenen Waldfragmente sind kleiner und haben deshalb ein ungünstigeres Verhältnis zwischen Fläche und Rand.
Ursache für den Rückgang an Biomasse sei die höhere Sterblichkeit von Bäumen an Waldrändern von Waldfragmenten und damit eine Verringerung großer alter Bäume, die überproportional viel Biomasse enthalten, schreiben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Universität São Paulo im Fachblatt Ecological Modelling.

Veränderte Windverhältnisse und ein verändertes Strahlungsklima führen zu einem insgesamt veränderten Mikroklima an den Waldrändern. Dies sind Faktoren, denen besonders alte, große Bäume zum Opfer fallen. Mit Hilfe der am UFZ entwickelten Waldsimulationssoftware FORMIND modellierten die Forscher unterschiedlich große, nach Landschaftszerschneidung verbliebene Waldreste. Je kleiner ein Stück Wald ist, umso ungünstiger ist das Verhältnis zwischen Rand und Fläche. Dabei stellte sich heraus, dass ein naturbelassener Tropenwald ca. 250 Tonnen pro Hektar Biomasse, ein Waldfragment von 100 Hektar Größe etwa 228 Tonnen Biomasse pro Hektar besaß – ein ein Hektar großer Tropenwald dagegen nur noch 140 Tonnen Biomasse pro Hektar. Die Biomasse in den Waldresten sank in dieser Studie also auf bis zu 60 Prozent. “Diese Erkenntnis hat große Bedeutung für die Funktion der Tropenwälder als Biomassespeicher. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass man mehr als nur die Rodungsflächen verliert. Auch der übrig gebliebene Wald wird dabei ausgedünnt. Es ist ein Fehler, nur in Gesamtflächen zu denken. Wir müssen anfangen, auch über die räumliche Konfiguration der verbleibenden Waldfläche nachzudenken”, erläutert Dr. Jürgen Groeneveld vom UFZ die klimapolitische Bedeutung der Studie. Über den Biomasseertrag pro Hektar hinaus haben diese fragmentierungsbedingten räumlichen (Rand-)Effekte auch Auswirkungen auf Klimabilanz und Biodiversität – also gleich auf mehrere Dimensionen von Nachhaltigkeit.

Die Simulationsstudie integrierte qualitativ Ergebnisse anderer Wissenschaftler, die im Amazonas einzigartige Langzeitexperimente zur Landschaftszerschneidung durchführen. Noch sind allerdings viele Frage offen: Bleiben die Ränder stabil? Kann sich der Wald regenerieren oder setzt sich der Abbau nach innen fort? Die Forscher sehen die Zahlen daher als erste vorsichtige Schätzung. “Wenn es sich aber bestätigt, dann ist das ganz fundamental: Waldfragmente können nicht dasselbe leisten wie zusammenhängende Wälder”, ergänzt Kollege Dr. Sandro Pütz. Die Forscher wollen daher in den nächsten Jahren die Langzeiteffekte untersuchen, um herauszufinden, wie sich die Reste der Tropenwälder langfristig entwickeln. Die Ergebnisse dieser Studie haben auch grundlegende Konsequenzen für den Schutz von Wäldern, zumindest hinsichtlich der Kohlenstoffbilanz: “Es ist auf alle Fälle besser im Sinne der Kohlenstoffspeicherung, 100 zusammenhängende Hektar zu schützen als einhundert mal je einen Hektar”, meint Jürgen Groeneveld.

Die Daten für das Modell stammen aus dem tropischen Küstenregenwald im brasilianischen Bundesstaat São Paulo. Die Mata Atlântica wurde bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts großflächig abgeholzt, um Bauholz, Holzkohle, Weideland und Ackerflächen zu gewinnen. Obwohl nur noch etwa ein Achtel der ursprünglichen Waldfläche übrig ist, gelten diese Reste trotzdem weiterhin als ein Hotspot der Artenvielfalt mit globaler Bedeutung, da sie eine noch nicht ganz beschriebene, aber beeindruckende Anzahl nur hier vorkommender und zudem stark bedrohter Tier- und Pflanzenarten beherbergen. Seit 2003 untersuchen deshalb brasilianische und deutsche Forscher die Langzeitauswirkungen von Landschaftszerschneidung auf die Lebensräume in der Mata Atlântica, die sich einst flächendeckend über die gesamte Ostküste Brasiliens erstreckte und heute einer der am meisten bedrohten tropischen Wälder ist.

Die neuen Erkenntnisse der ökologischen Modellierer unter der Leitung von Andreas Huth und Klaus Henle sind auch von Bedeutung für die Verhandlungen auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Dort wird unter dem Titel REDD (”Reducing Emissions from Deforestation and Degradation”) ein Mechanismus diskutiert, der die Wälder in den Klimaschutz einbeziehen soll. Denn Wald bindet Kohlendioxid – seine Abholzung oder seine Degradation führen zur zusätzlichen Freisetzung oder zukünftig geringeren Fixierung von Kohlendioxid pro Flächeneinheit und verstärken so den Treibhauseffekt. Rund 20 Prozent der gesamten CO2-Emissionen weltweit stammen aus der Vernichtung von Wald.

Publikationen:

J. Groeneveld, L.F. Alves, L.C. Bernacci, E.L.M. Catharino, C. Knogge, J.P. Metzger,
S. Pütz, A. Huth (2009): The impact of fragmentation and density regulation on forest succession in the Atlantic rain forest. Ecol.Modell. 220 (19), 2450-2459
http://dx.doi.org/10.1016/j.ecolmodel.2009.06.015

M.C. Ribeiro, J.P. Metzger, A.C. Martensen, F.J. Ponzoni and M. M. Hirota (2009): The Brazilian Atlantic Forest: How much is left, and how is the remaining forest distributed? Implications for conservation. Biol. Conserv. 142, 1141-1153
http://dx.doi.org/10.1016/j.biocon.2009.02.021

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Kein Vorbild: Im deutschen Wald wird immer weniger klimaschädliches CO2 gespeichert

Donnerstag 10. Dezember 2009 von birdfish

Im deutschen Wald wird immer weniger klimaschädliches CO2 gespeichert.

CO2-Speicher Wald
CO2-Speicher Wald – (c) Ingwer Hansen

Hauptursache dafür ist nach Angaben des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der drastisch gestiegene Holzeinschlag. In den letzten 20 Jahren sank die jährliche Kohlenstoffbindung von 17 Millionen Tonnen Kohlenstoff auf 4,7 Millionen Tonnen. Das geht aus der offiziellen Inventurstudie der Bundesregierung zur Ermittlung der CO2-Speicherung im deutschen Wald im Rahmen des Kyoto-Protokolls hervor. In Westdeutschland nimmt der Wald bereits überhaupt kein weiteres klimaschädliches CO2 mehr auf. Insgesamt sind in der Biomasse von Deutschlands Waldbäumen derzeit 1,23 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Das entspricht in etwa dem fünfeinhalbfachen jährlichen CO2-Ausstoß Deutschlands. Bei den Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen ist der Waldschutz ein zentrales Thema. Der BUND forderte von der Bundesregierung ehrgeizige nationale Ziele. Nur dann seien die berechtigten deutschen Forderungen zum internationalen Waldschutz auch glaubwürdig.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: “In deutschen Industrieanlagen, Haushalten, der Landwirtschaft und im Verkehr entstehen bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe jährlich rund 830 Millionen Tonnen CO2. Davon werden nur zwei Prozent von wachsenden Waldbäumen gespeichert. Wesentlich mehr wäre möglich. Derzeit werden 93 Prozent des nachwachsenden Holzes genutzt. Das schadet nicht nur dem Klima, sondern bedroht auch die biologische Vielfalt. Damit mehr CO2 im Wald gebunden werden kann, müssen mehr Bäume und Holz im Wald verbleiben.” Entsprechend müsse der Holz- und Papierverbrauch gesenkt werden. Die Grenzen der energetischen Holznutzung in Form von Scheitholz, Hackschnitzeln oder Pellets müssten erkannt und allein nach ökologischen Gesichtspunkten festgesetzt werden.

Der BUND forderte mindestens 10 Prozent des öffentlichen Waldes vollständig aus der Nutzung zu nehmen. Es müssten zudem finanzielle Anreize geschaffen werden, damit auch private Waldbesitzer mehr Holz in ihren Wäldern lassen. Ulrich Mergner, BUND-Waldexperte: “Auch Privatwaldbesitzer könnten einen höheren Beitrag für Klima- und Artenschutz leisten. Sie müssen dabei unterstützt werden, damit es gelingt, auch 10 Prozent des Privatwaldes als ‘Urwälder von morgen’ dauerhaft still zu legen.” Die Waldgesetze müssten nachgebessert werden, unter anderem zu den besonders klimarelevanten Punkten wie Kahlschlagsverbot, Bodenschonung und Anhebung der Totholzvorräte.

Weltweit entstünden 20 Prozent der globalen CO2-Emissionen durch die Zerstörung von über 13 Mio. Hektar Wald pro Jahr, insbesondere in den tropischen Regionen. Maßnahmen und Programme zur Vermeidung von Entwaldung und Waldegradation (engl. REDD), über die in Kopenhagen verhandelt werde, seien daher besonders wichtig. Allerdings müsse der REDD-Mechanismus so gestaltet sein, dass tatsächlich die besonders klimarelevanten Urwälder geschützt würden und nicht Baum-Plantagen. Auch dürfe nicht ermöglicht werden, dass sich Industrieländer durch Waldprojekte in Entwicklungsländern von ihren eigenen Reduktionsverpflichtungen freikauften. Effektiver Klimaschutz müsse im eigenen Land stattfinden.

Hintergrundpapier Wald  “Klima und biologische Vielfalt in Deutschlands Wäldern schützen. 10 Forderungen des BUND” (PDF)

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Brennende Regenwälder setzen massiv Treibhausgase frei – Klimakiller Torffeuer

Sonntag 29. November 2009 von birdfish

Torfgebiete, vor allem in den tropischen Regionen der Erde, sind gigantische Kohlenstoffspeicher.

Bau eines Damms
Bau eines Damms durch Greenpeace-Aktivisten gegen die weitere Entwässerung des Torfbodens – (c) Ardiles Rante / Greenpeace

Menschliche Einflüsse führen jedoch unter anderem zur Entwässerung dieser Moore, was in Kombination mit klimatisch bedingten Trockenperioden zu ausgedehnten Bränden führen kann. Dadurch aber werden ungeheure Mengen Kohlendioxid (CO2) frei, das als Treibhausgas zur Klimaerwärmung beiträgt.

Mittels lasergestützter Messungen konnte das Team um den LMU-Forscher Professor Florian Siegert jetzt das verbrannte Torfvolumen weitaus genauer bestimmen als dies bisher möglich war. Die neuen Hochrechnungen zeigen, dass im Jahr 2006 durch Torffeuer in Indonesien bis zu 900 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt wurden. Das ist mehr als die gesamten CO2-Emissionen Deutschlands im selben Jahr – und entspricht etwa 16 Prozent aller Emissionen durch Entwaldung weltweit. “Unsere Arbeit unterstreicht einmal mehr, welch entscheidende Rolle die hoch gefährdeten tropischen Torfökosysteme im Kontext der Klimaerwärmung spielen”, sagt Siegert. “Sie liefert aber auch wichtige Daten für die bevorstehende Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Denn dort werden unter anderem Programme verhandelt, die finanzielle und andere Anreize zum Schutz tropischer Torfsumpfwälder und deren riesiger Kohlenstoffspeicher liefern sollen. (PNAS online, 26. November 2009).

Über Jahrmillionen kann sich Pflanzenmaterial in Kohle umwandeln. In Mooren aber entsteht in einem ersten Zersetzungsschritt Torf. Dieses organische Material ist brennbar und wird daher in Europa auch als Heizmaterial abgebaut. Als stark verdichtete pflanzliche Substanz ist Torf aber auch ein wichtiger Speicher von Kohlenstoff in Bodennähe. “Es wird geschätzt, dass sich die Torfgebiete in den Tropen über 30 bis 45 Millionen Hektar erstrecken”, sagt Professor Florian Siegert vom GeoBio-Center der LMU München. “Das entspricht rund zehn Prozent der globalen Vorkommen und macht die tropischen Torfgebiete zu einem der größten oberflächennahen Speicher für organischen Kohlenstoff.” Dabei findet sich etwa die Hälfte dieser Torfgebiete in nur einem Land: Indonesien.

Einige der küstennahen Torfgebiete auf Borneo etwa sind vor über 20.000 Jahren entstanden. Hier haben sich – wie meist bei tropischen Torfgebieten – bis zu 20 Meter dicke, konvex geformte Torfdome gebildet. Sie dienen als Untergrund für Torfsumpfwälder und verfügen über eine ungeheure Kapazität zur Speicherung von Kohlenstoff: Alleine der Kohlenstoffgehalt in den indonesischen Torfgebieten wird auf mehr als 50 Gigatonnen geschätzt. Doch die Torfgebiete sind gefährdet. Naturbelassen sind sie schlichtweg zu feucht, um zu brennen. Vor allem die Entwässerung und die Entwaldung aber stören ihr ökologisches Gleichgewicht und machen sie anfällig für Feuer, das fast immer menschlichen Ursprungs ist. So nutzen private Firmen die Brände, um den Wald in großem Maßstab für Ölpalmen- oder Papierholzplantagen zu roden.

Die Brände aber sind doppelt gefährlich: Sie setzen im Rauch gigantische Mengen an Aerosolen und schädlichen Gasen frei, die in einigen Gebieten Südostasiens massive Gesundheitsprobleme verursachen. Zudem aber wird der gebundene Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid abgegeben, also als Treibhausgas, das zur Erderwärmung beiträgt. Das Problem verschärft sich dadurch, dass klimatisch bedingte Trockenperioden die Brennbarkeit des Torfes erhöhen. So wurden alleine in den indonesischen Torfgebieten während der El Niño-Trockenperiode von 1997/98 bis zu 2,57 Gigatonnen Kohlenstoff freigesetzt. “Die Schätzungen schwanken hier erheblich”, berichtet Siegert. “Man geht aber davon aus, dass das mindestens 13 Prozent, wenn nicht bis zu 40 Prozent der gesamten Emissionen durch das Verbrennen fossiler Energieträger in dieser Zeit entsprechen könnte. Diese riesigen Mengen an freigesetztem Kohlenstoff tragen signifikant zur Erderwärmung bei.”

Mit einer neuen Methode haben die Forscher aus München jetzt gemessen, wieviel einer Torfschicht durch ein Feuer verbrannt ist, denn nur so kann die Menge des freigesetzten Kohlendioxids verlässlich geschätzt werden. Weil die Torfgebiete kaum zugänglich sind, haben Siegert und sein Team vom Hubschrauber aus mit einem Laserscanner (LIDAR, “Light Detection and Ranging”) gearbeitet. Laserscanner senden hochfrequente optische Signale aus, deren Echo aufgezeichnet wird – und auf Zentimeter genau die Oberflächenhöhen bestimmen lässt. “So konnten wir zeigen, dass die verheerenden Torffeuer im Jahr 2006 eine durchschnittliche Brandtiefe von etwa 0,3 Metern verursachten”, so Siegert. Diese und andere Daten führten zu der Schätzung, dass im 2,79 Millionen Hektar großen Studiengebiet – was in etwa Brandenburg entspricht – wohl mehr als 180 Millionen Tonnen CO2 emittiert wurden. Das entspricht etwa 20 Prozent aller CO2-Emissionen in Deutschland.

“Diese gewaltigen Emissionen stammen von nur rund 13 Prozent der indonesischen Torfgebiete”, betont Siegert. Daher wurden die Emissionen des Jahres 2006, einem Jahr in dem aufgrund eines schwachen El Niño weniger Regen fiel, für ganz Indonesien hochgerechnet. Demzufolge wurden durch Torffeuer in Indonesien bis zu 900 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Das entspricht mehr als den gesamten CO2-Emissionen Deutschlands im Jahr 2006 oder rund 16 Prozent aller Emissionen durch Entwaldung weltweit. Indonesien gilt alleine wegen der regelmäßig wiederkehrenden gewaltigen Waldbrände als einer der weltweit größten Kohlenstoffemittenten, was durch die neuen, genaueren Daten nun bestätigt wurde. Dies unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Torffeuer für die Erderwärmung. Noch aber wird diese wichtige Kohlenstoffemissionsquelle weder in den Zahlen des Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC, “Intergovernmental Panel on Climate Change”) noch in regionalen und globalen Klimavorhersagemodellen berücksichtigt.

Die meisten Studien bezüglich der Landnutzungsänderungen und des Klimawandels beziehen sich nur auf die Biomasse des Waldes. Die neuen Ergebnisse zeigen aber einmal mehr, wie wichtig es ist, künftig auch die im Boden gespeicherte Biomasse in diese Modelle einzubeziehen. Der Kohlenstoffgehalt der Torfschichten ist abhängig von deren Dicke und kann bis zu 20 Mal höher sein als der im Wald selbst gespeicherte Kohlenstoff. “Der steigende Bedarf an Palmöl, eingeleitet durch die Nachfrage nach günstigen Biokraftstoffen, wird diese Situation ernsthaft verschärfen, wie die erneuten Brände dieses Jahres gezeigt haben”, berichtet Siegert. “Dies sollte auch Auswirkungen auf die europäische Politik in Bezug auf die erneuerbaren Energien haben. Auch in Kopenhagen werden Programme diskutiert werden wie etwa REDD, kurz für ‘Reduced Emissions from Deforestation and Degradation in developing countries’, das finanzielle Anreize schaffen könnte, die tropischen Torfsumpfwälder und deren riesige Kohlenstoffspeicher zu schützen.”

Publikation:
Derivation of burn scar depths and estimation of carbon emissions with LIDAR in Indonesian peatlands,
Uwe Ballhorn, Florian Siegert, Mike Mason, and Suwido Limin
PNAS online, 26. November 2009

Zahlreiche Artikel zu Greenpeace-Aktionen gegen die Entwässerung von Torfböden sowie Torffeuer in Indonesien finden Sie hier.

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Der Wald: in Kyoto spielte er keine Rolle, in Kopenhagen muss er im Fokus stehen

Donnerstag 26. November 2009 von birdfish

Prof. Bernd Hansjürgens, Leiter des Departments Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) zum Kopenhagen-Gipfel.

CO2-Speicher Wald
CO2-Speicher Wald – (c) Ingwer Hansen

Eine wichtige Frage für die Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen besteht darin, ob und inwieweit die Wälder in ein neues Klimaabkommen einbezogen werden können. Noch im Kyoto-Protokoll spielte der Wald keine Rolle – hier fokussierten die Maßnahmen für den Klimaschutz allein auf die Emissionen aus den fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle oder Gas – und dies vor allem mit Blick auf die Industrieländer. Erst seit der Klimafolgekonferenz in Montreal 2005 gelangte das Thema Wald auf die Agenda der Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen. Unter der Überschrift “Reducing Emissions from Deforestation and Degradation” – REDD wurde gefordert, einen Mechanismus zu entwickeln, um den Wald in ein internationales Klimaregime einzubinden.

Der Wald spielt für die globale Situation der Treibhausgase eine zentrale Rolle. Wald bindet Kohlendioxid. Zugleich steht der Wald, wenn er abgeholzt wird, nicht mehr als Senke für die Aufnahme von CO2 zur Verfügung. Und nicht nur das – die Abholzung der Wälder durch Brandrodung und Umnutzung führt zur zusätzlichen Freisetzung von CO2 und zur Verstärkung des anthropogenen Treibhauseffekts. Rund 20 Prozent der gesamten CO2-Emissionen stammen aus der Vernichtung von Wald – entweder durch vollständige Abholzung der Flächen (”deforestation”) oder Reduktion der Walddichte (”degradation”). 20 Prozent – das sind weltweit immerhin genauso viele Emissionen wie aus dem gesamten Transportsektor! Die hierdurch verlorenen Flächen sind gewaltig und betreffen – bis auf Europa – alle Kontinente. Einigen wenigen Ländern mit Waldbestand kommt dabei eine besondere Bedeutung zu – im Vordergrund stehen hier die Länder mit tropischem Regenwald wie Indonesien, Myanmar, Kongo, Sambia oder Brasilien, aber auch die Länder mit borealem Waldbestand wie Kanada, die USA oder Russland.

Wald ist mehr als nur “Stöcke aus Kohlenstoff”

Es sind vor allem drei Gründe, die aus meiner Sicht eine Einbeziehung von Wald in die Klimaverhandlungen von Kopenhagen unabdingbar machen:

  1. Die Weltengemeinschaft kann es sich einfach nicht leisten, 20 Prozent der Treibhausgase aus den Klimaverhandlungen auszuklammern.
  2. Die Reduktion von CO2-Emissionen durch die Vermeidung von Abholzung ist eine sehr kostengünstige Vermeidungsalternative – die Schätzungen reichen je nach Lage und gegenwärtiger Nutzung von wenigen Cent bis zu 15 Euro pro vermiedener Tonne CO2. Vergleicht man dies z.B. mit der Speicherung von CO2 im Untergrund oder der Solarenergie, bei denen die Kosten bis zu 70 Euro pro Tonne reichen, so wird deutlich, dass erhebliche volkswirtschaftliche Kosten eingespart werden, wenn die Vernichtung von Wald gestoppt und CO2 auf diese Weise vermieden wird.
  3. Hinzu kommt: Bäume sind nicht nur “Stöcke aus Kohlenstoff”. Den Wald zu schützen bringt viele weitere Vorteile: Der Wald ist Nahrungsgrundlage und sichert das Überleben für die lokale Bevölkerung; er trägt zur Regulierung der regionalen Wasserkreisläufe bei; und er ist wichtig im globalen Zusammenhang, z.B. für die Erhaltung der Biodiversität. Die vom UFZ mit koordinierte TEEB-Studie führt im jüngsten Bericht einige Beispiele dafür auf, welchen ökonomischen Wert diese Ökosystemdienstleistungen haben. So wurde für einen tropischen Regenwald in Kamerun der Nutzen als Flutschutz auf 24, der Nutzen als Wasserspeicher sogar jährlich auf bis 270 US-Dollar pro Hektar geschätzt. Der Wert der Bestäuberfunktion im Wald lebender Tiere, etwa für benachbarte Kaffeeplantagen und andere landwirtschaftliche Produkte, ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Für einen Wald auf der indonesischen Insel Sulawesi wurde dieser auf 46 Euro pro Hektar geschätzt.

Die Idee von REDD ist dabei denkbar einfach: Die Länder mit hohen Waldbeständen und hoher Abholzung verzichten auf Waldvernichtung und erhalten dafür Zahlungen. Diese Zahlungen können für Überwachungs- und Schutzmaßnahmen eingesetzt werden, aber auch als Ausgleich für die lokale Bevölkerung, um den Verzicht auf Waldnutzung zu kompensieren und alternative Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.

Und die Chancen für ein Waldabkommen scheinen nicht so schlecht zu stehen. Wenn auch Viele ein Scheitern der Verhandlungen in Kopenhagen mittlerweile für wahrscheinlich halten, beim Thema Wald scheint ein Durchbruch möglich: Zahlreiche Länder haben sich für die Etablierung von REDD ausgesprochen. Brasilien mag als prominentestes Beispiel dienen. In den “Climate Talks in Bangkok”, einer der Gesprächsrunden vor der Klimakonferenz in Kopenhagen, wurde bereits ein weit reichender Vertragsentwurf erarbeitet, in dem in vielen Bereichen Einigkeit erzielt wurde. So wurden z.B. Zielwerte fixiert. Auch dass man heute allgemein von REDD Plus spricht, das erweiterte Maßnahmen zur Wiederaufforstung und zum Erhalt der Biodiversität explizit mit einbezieht, ist ein solches Ergebnis. Es ist zudem auffällig, dass hier die Entwicklungsländer das Tempo und die Inhalte bestimmen – und nicht die Industrieländer.

Der Teufel steckt im Detail

Und doch: Der Teufel steckt bei vielen Fragen wie so oft im Detail. Bei der Finanzierung ist unklar, ob es zu einer Fondslösung kommt oder eine marktorientierte Lösung gefunden wird. Im letzteren Fall würde der Wald Teil eines globalen Kohlenstoffmarktes werden. Dies könnte aber auch bedeuten, dass die Finanzierung waldbezogener Maßnahmen großen Schwankungen unterliegt. Gleichzeitig würden fallende CO2 Preise den Druck mindern, kohlenstoffarme Technologien zu entwickeln. Auch zentrale Fragen der Überwachung der Waldbestände, der Überprüfbarkeit und des Berichtswesens sind nicht geklärt. Auch muss gesichert sein, dass die Kompensationszahlungen in den Ländern angemessen an Beteiligte verteilt werden- und nicht allein beim Staat landen.

Prof. Bernd Hansjürgens - UFZ
Prof. Bernd Hansjürgens, Leiter des Departments Ökonomie am UFZ – (c) André Künzelmann / UFZ

Besonders umstritten ist die Frage, ob die REDD-Bestimmungen Regelungen gegen die Umwandlung von naturnahen Wäldern in Plantagen enthalten sollen – Länder wie z.B. die Demokratische Republik Kongo wehren sich dagegen, aus ökologischer Sicht sind hier aber klare Regelungen dringend geboten. Es ist sehr schwierig, die Interessen von mehr als 100 beteiligten Staaten unter einen Hut zu bringen. Dies zeigt sich darin, dass viele Paragraphen des Vertragsentwurfs in Klammern gesetzt sind und mehrere Optionen enthalten. Immerhin hat eine sehr einflussreiche Studie unter Beteiligung Norwegens gezeigt, wie in einem phasenweisen Prozess die strittigen Fragen schrittweise geklärt werden können. Dies gibt in einem Umfeld, in dem zurzeit eher pessimistische Äußerungen zu hören sind, Anlass zu ein wenig Optimismus.

Prof. Bernd Hansjürgens

Literaturquellen:

  • Horton, B., Colarullo, G., Bateman, I., Peres, C. (2003), Evaluating non-users willingness to pay for a large scale conservation programme in Amazonia, Environmental Conservation: 139-146.
  • Kaiser, B. and Roumasset, J. (2002), “Valuing indirect ecosystem services: the case of tropical watersheds”, Environment and Development Economics, 701-714.
  • Lescuyer G (2007)Valuation techniques applied to tropical forest environmental services: rationale, methods and outcomes. Paper presented at the “West and Central Africa Tropical Forest Investment Forum: Issues and Opportunities for Investment in Natural Tropical Forests” sponsored by ITTO, August 28-30th 2007, Accra, Ghana
  • Mallawaarachchi, T., R.K. Blamey, M.D. Morrison, A.K.L. Johnson, and J.W. Bennet (2001), “Community Values for Environmental Protection in a Cane Farming Catchment in Northern Australia: A Choice Modelling Study”, Journal of Environmental Management 62, 301-316 , 2001
  • Priess, J.A., Mimler, M., Klein, A.-M., Schwarze, S., Tscharntke, T. & Steffan-Dewenter, I. (2007) Linking deforestation scenarios to pollination services and economic returns in coffee agroforestry systems. Ecological Applications, 17, 407-417
  • Yaron, G. (2001), “Forest, plantation crops or small-scale agriculture? An economic analysis of alternative land use options in the Mount Cameroun Area”, Journal of Environmental Planning and Managment, 44 (1), 85-108.

Material

Tabellarische Auflistung der Waldflächen und ihre Veränderung (PDF)

Erläuterung der Ökosystemfunktionen von Wald und ökonomische Bewertung (PDF)

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Wissenschaftler warnen: Guter Klimaschutz muss mit Biodiversitätsschutz einhergehen

Dienstag 17. November 2009 von birdfish

Dass der Klimawandel fast alle Bereiche unseres Lebens in Zukunft beeinflussen wird, ist eine Tatsache, die mittlerweile nicht nur der Fachwelt sondern auch der breiten Bevölkerung bewusst ist.

Berggorilla in Ruanda
Bedrohteste Arten nicht unbedingt im ’schützenswertesten Wald’ – (c) kathy1976 / pixelio

Doch nicht nur der Klimawandel stellt die Menschheit vor eine Herausforderung, die dringenden Handelns bedarf. Die zweite ebenso wichtige Herausforderung ist der weltweite Verlust der biologischen Vielfalt, vor allem in den Tropen. Mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten auf unserem Planeten lebt in tropischen Regenwäldern, die durch Abholzung gefährdet sind.

Elf führende Wissenschaftler, unter ihnen der Frankfurter Zoodirektor Prof. Dr. Manfred Niekisch, fordern in einem Artikel, der am 17.11.2009 in der renommierten Fachzeitschrift Current Biology erschienen ist, in das Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto Protokolls Kriterien zum Schutz der tropischen Biodiversität aufzunehmen. “Ein erster positiver Schritt im Vorfeld der UN-Klimakonferenz im Dezember ist die Überlegung, Ländern, die große tropische Waldgebiete besitzen, einen Ausgleich zu zahlen, wenn sie diese Wälder erhalten und nicht zur Abholzung freigeben”, erläutert Niekisch. Wenn der Fokus dieses Walderhaltungsplans (engl. REDD, Reduced Emission from Deforestation and Degradation) aber allein auf die Verringerung des Treibhauseffektes gelenkt wird, besteht die Gefahr, dass Wälder vor allem dort geschützt werden, wo die Landpreise am billigsten sind. “Wir fordern daher, dass bei den REDD-Zahlungen Kriterien zum Schutz der Biodiversität berücksichtigen werden, um so tropische Tiere und Pflanzen vor dem Aussterben zu bewahren”, erklärt Niekisch, der ehrenamtlich auch Vizepräsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und Präsident der Gesellschaft für Tropenökologie ist. Biodiversitätsschutz ist nicht automatisch ein Nebeneffekt des Schutzes von Waldgebieten. “Denn die kohlenstoffaufnahmefähigsten Wälder sind nicht auch automatisch Zentren der Biodiversität”, so Niekisch.

In ihrem Artikel schlagen die Autoren Kriterien vor, die bei der Ausgestaltung der Ausgleichszahlungen unbedingt beachtet werden müssen, um die Maßnahmen nicht so zu gestalten, dass sie zwar den Treibhauseffekt verringern, aber gleichzeitig biologische Vielfalt vernichten. So sollen nur neue und nicht schon bestehende Projekte gefördert werden, der Schutz eines Waldgebiets darf nicht zur Verlagerung der Abholzung in ein anderes Gebiet führen und es muss verhindert werden, dass Länder ihre Naturschutzgesetzte aufheben, um Ausgleichzahlungen beantragen zu können und sich so aus der Eigenverantwortung stehlen.

“Am besten können diese Ziele durch eine engere Verzahnung der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und der UN-Biodiversitätskonvention (UNCBD) gewährleistet werden”, betont Niekisch. “Klimaschutz und Biodiversitätsschutz müssen Hand in Hand gehen, um zukünftigen Generationen einen Planeten zu hinterlassen, in welchem Klima und Biodiversität den Bedürfnissen für ein menschenwürdiges Leben entsprechen.”

Printveröffentlichung:
Current Biology Vol 19 No 21: Biodiversity and REDD at Copenhagen

Mehr Informationen zum Artikel “Biodiversity and REDD at Copenhagen” hier (engl.)

Kategorie: Allgemeines, Anpassung, Artensterben, Entwicklungsländer, Forschung, Gruppen, Klimamodelle, Politik, Prognosen, Sensibilisierung, Tiere und Pflanzen, Veröffentlichungen, Wälder, Öffentlichkeit | Keine Kommentare »