KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Klima-Vorreiter gesucht: Germanwatch will nach Klimaverhandlungen mehr Ambitionen

Montag 20. Juni 2011 von birdfish

Nach ersten Startschwierigkeiten der Bonner Klimaverhandlungen zieht die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Ende der zwei Wochen eine gemischte Bilanz.

Klimawandelfolgen treffen die Schwächsten zuerst
Klimawandelfolgen treffen die Schwächsten zuerst – Foto: Margrit / Pixelio

Auf technischer Ebene konnten einige wichtige Bereiche, vor allem bei der Anpassung an den Klimawandel, vorangebracht werden. Ohne größeren Willen bei den politischen Fragen besteht die Gefahr eines Scheiterns bei dem nächsten Klimagipfel im südafrikanischen Durban im Dezember. Zu den Fragen zählen die internationale Klimafinanzierung, eine klare Zukunft für das Kyoto-Protokoll oder zumindest seine zentralen Elemente und höhere Klimaschutzziele in den Industrieländern.

Sven Harmeling, Leiter des Germanwatch-Teams während der Verhandlungen in Bonn: “Nach diesen Verhandlungen wächst der Druck auf die Europäische Union, durch konkrete Vorschläge zu den großen politischen Fragen eine echte Vorreiterrolle zu übernehmen. Dies umso mehr, als sich die USA in Bonn als handlungsunfähig für den internationalen Klimaschutz präsentierten. Dass das derzeitige Verminderungsziel der EU von 20 Prozent nicht als sonderlich ambitioniert einzustufen ist, wird nun auch von Ländern wie China öffentlich kritisch angemerkt. Dies sollte die EU, zusätzlich zu den wirtschafts- und umweltpolitischen Argumenten, dazu anspornen, das Klimaschutzziel jetzt auf 30 Prozent zu erhöhen.” Dies gilt erst recht, weil neue Studien zeigen, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer in der Summe ambitioniertere Klimaschutzziele gesetzt haben als die Industrieländer.

Auch in der Frage nach dem Kyoto-Protokoll sollte die EU stärker Strategien ausloten, wie das Fortbestehen zentraler Elemente des Kyoto-Protokolls über 2012 hinaus und damit verbindlicher Klimaschutz gesichert werden kann. “Sie sollte hier stärker den Dialog mit den Entwicklungs- und Schwellenländern suchen und daraus Strategien für eine gemeinsame, rechtlich verbindliche Verhandlungsperspektive entfalten”, so Harmeling weiter. “Die EU sollte sich als Motor für einen Club der Klimavorreiter sehen”.

Die Entwicklungs- und Schwellenländer brauchen eine verlässliche Perspektive für die Klimafinanzierung nach 2012, um ihre Ambition im Klimaschutz zu erhöhen und sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. “Die Blockadehaltung der USA darf nicht der Maßstab sein. Auch für die Einführung innovativer Finanzmechanismen sollte die EU noch stärker den Dialog mit den Schwellenländern suchen, um in Durban konkrete weitere Schritte beschließen zu können.”

Zur Vorbereitung auf den Klimagipfel von Durban wird es voraussichtlich im September/Oktober eine weitere Verhandlungssitzung geben. Auch der Petersberger Dialog, zu dem Anfang Juli zahlreiche Umweltminister in Berlin erwartet werden, könnte notwendige Impulse für die politischen Fragen setzen.

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Oxfam: Die EU kann das Mikado-Spiel bei den Klimaverhandlungen durchbrechen

Dienstag 7. Juni 2011 von birdfish

Anlässlich der jetzt in Bonn begonnenen UN-Konferenz zur Vorbereitung des nächsten UN-Klimagipfels fordert Oxfam von den Industrieländern deutlich ehrgeizigere Klimaschutzziele.

Überschwemmungsopfer
Zeit zu handeln – Schluss mit dem ‘Mikado’ – Foto: Shehab Uddin / DRIK / Oxfam GB

Nach einer Analyse im Auftrag von Oxfam werden die Entwicklungs- und Schwellenländer fast zwei Drittel der seit dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen insgesamt verkündeten weltweiten Klimaschutzanstrengungen leisten – deutlich mehr als die Industrieländer, die die Hauptverursacher des Klimawandels sind.

Jan Kowalzig, Klima-Experte von Oxfam Deutschland sagt: “In Bonn drohen die Unterhändler sich wieder einmal in technischen Details und prozeduralen Fragen zu verhaken. Eine der wesentlichen Ursachen dafür ist die unveränderte Weigerung der Industrieländer, sich zu ihrem fairen Anteil zum weltweiten Klimaschutz zu verpflichten.”

Kowalzig erklärt: “Die Europäische Union beharrt seit Jahren auf einem völlig unzureichenden Klimaschutzziel von nur 20 Prozent Reduktionen bis 2020 – ein Ziel, das die EU ohne weiteres Zutun ohnehin erreichen wird. Statt dieses Ziel jetzt auf 30 Prozent Reduktionen anzuheben, stellt Europa Forderungen nach mehr Klimaschutz in den Schwellenländern. Damit nimmt die EU Millionen Menschen in den armen Ländern faktisch in Geiselhaft. Diese Menschen haben jetzt schon mit zurückgehenden Ernteerträgen infolge der steigenden Temperaturen zu kämpfen. Die Haltung der EU ist umso unverständlicher, als neueren Studien zufolge ein höheres Klimaziel zu insgesamt mehr Wachstum und mehr Beschäftigung führen dürfte.”

Zukunft des Kyoto-Protokolls

Ein weiteres wichtiges Thema der Bonner Konferenz ist die Zukunft des Kyoto-Protokolls, des bisher einzigen völkerrechtlich bindenden Vertrags, nach dem die Industrieländer ihre Emissionen bis 2012 um knapp 5 Prozent unter das Niveau von 1990 reduzieren müssen. Länder wie Japan und Russland möchten sich nicht an einer weiteren Runde mit Reduktionszielen für Treibhausgase beteiligen. Auch die EU möchte zunächst die großen Schwellenländer und die USA in ein internationales Klima-Regelwerk eingebunden sehen, über das auch in Bonn verhandelt wird.

Kowalzig sagt: “Mit ihrer Haltung zum Kyoto-Protokoll treibt die EU ein riskantes Spiel. Ein Auslaufen des Kyoto-Protokolls hätte verheerende Folgen für die internationale Klima-Diplomatie und die internationale Glaubwürdigkeit der EU. Bis ein besseres Abkommen geschlossen ist, bleibt das Kyoto-Protokoll ohne Alternative.”

Finanzielle Unterstützung für arme Länder

Weiter verhandelt wird in Bonn auch die finanzielle Unterstützung der armen Länder bei klimafreundlicher Entwicklung und der Anpassung an die klimatischen Veränderungen, etwa im Bereich der Nahrungsmittelproduktion. Auf dem UN-Klimagipfel Ende 2010 im mexikanischen Cancún hatten die Industrieländer ihre Zusage bestätigt, diese Unterstützung bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden Euro anwachsen zu lassen und einen neuen Klimaschutzfonds eingerichtet. Wie die Gelder mobilisiert werden sollen, bleibt aber nach wie vor unklar.
Oxfam weist auf die erhöhte Dringlichkeit hin, in Bonn und Ende des Jahres beim UN-Klimagipfel in Durban echte Fortschritte zu erreichen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur war 2010 der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid auf den Rekordwert von jährlich über 30 Milliarden Tonnen angestiegen. Aus der Naturwissenschaft kommt die stete Warnung, dass spätestens ab 2015 die weltweiten Emissionen zu sinken beginnen müssen, um die schlimmsten Szenarien des Klimawandels noch zu verhindern. Experten zufolge hat der Klimawandel bereits in den letzten 30 Jahren die Ernten weltweit zunehmend beeinträchtigt. Erst kürzlich hatte Oxfam in einer Analyse errechnen lassen, dass sich bis 2030 die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel verdoppeln werden. Die Hälfte der zu erwartenden Steigerungen geht der Analyse zufolge auf das Konto des Klimawandels und seiner Folgen.

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UN-Nachhaltigkeitsverhandlungen enden ergebnislos – Streitpunkt ‘green economy’

Montag 23. Mai 2011 von birdfish

Ein Treffen der UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD) zur Vorbereitung des UN-Gipfels Rio plus 20 im nächsten Jahr ist ohne gemeinsamen Abschlusstext beendet worden.

Probleme bei der Definition von 'green economy'?
Probleme bei der Definition von ‘green economy’? – Foto: Dagmar Struß

Die Delegationen konnten sich auf keinen Kompromisstext einigen und vereinbarten auch kein Folgetreffen. Während die Unterhändler sich auf gemeinsame Positionen zu den Themen Verkehr, nachhaltige Produktion und Konsum und Tagebau einigten, gab es in anderen Bereichen und in übergreifenden Fragen Streit. So konnten sich die Regierungsvertreter unter anderem nicht auf eine gemeinsame Defintion für den Begriff “green economy” einigen. Die Gruppe der 77/China sprachen sich gegen einen Kompromissvorschlag des Vorsitzenden aus und verlangten, “green economy” daraus zu streichen.

Der Ausgang des Treffens lässt nun Zweifel an CSD als Verhandlungsforum aufkommen. So äußerte sich ein Delegierter skeptisch über die Zukunft der CSD gegenüber dem Informationsdienst Earth Negotiations Bulletin.

UNEP Website zu “green economy” (engl.)

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Klimawandelbedingte Naturkatastrophen fordern jährlich hunderte Millionen Leben

Donnerstag 12. Mai 2011 von birdfish

Über 200 Millionen Menschen sind jedes Jahr von schwersten Naturkatastrophen betroffen.

Flutkatastrophe in Jakarta
Flutkatastrophe in Jakarta – Foto: pinodita.com

Mindestens die Hälfte der Opfer sind Kinder – das besagt der aktuelle UNICEF-Bericht Zur Lage der Kinder in Krisengebieten 2011. Schuld daran: der Klimawandel.

Die Opfer der Naturkatastrophen werden getötet, verletzt, leiden an Krankheiten durch Mangelernährung, unsauberes Wasser und schlechte hygienische Bedingungen. Rund 70 Prozent aller Katastrophen sind heute klimabedingt, erklärt UNICEF im aktuellen Bericht. Zu Anfang des Jahrtausends waren es 50 Prozent. Es gilt also, den Klimawandel zu bekämpfen, um die Menschen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern zu schützen. Strategien und Maßnahmen dafür diskutieren derzeit 2.000 Experten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und NGOs auf der “Globalen Plattform zur Reduzierung von Risiken durch Naturkatastrophen”, die Dienstag von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon offiziell eröffnet wurde und noch bis morgen in Genf stattfindet

Um die katastrophalen Folgen des Klimawandels zu begrenzen, fordert Greenpeace eine schnellstmögliche Reduktion der klimaschädigenden Treibhausgase. Doch so lange auf Braunkohle gesetzt wird, ist dies nicht zu schaffen. Warum? Braunkohle setzt im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern besonders viel Kohlendioxid (CO2) frei, das sich in der Atmosphäre anreichert und der wesentliche Verursacher des stattfindenden Klimawandels ist. Die Energieversorgung der Zukunft muss also auf effizienten Gaskraftwerken sowie Erneuerbaren Energien basieren. Wie das geht, zeigt Greenpeace in seinem Energiekonzept “Der Plan”.

Mit Erneuerbaren Energien können also Naturkatastrophen, denen jährlich so viele Menschen zum Opfer fallen, bekämpft werden. Dass es aus wissenschaftlicher Sicht möglich ist, die Welt mit alternativen Energien zu versorgen, zeigt auch eine neue Studie des Weltklimarates IPCC, die heute in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten veröffentlicht wurde. Mitautor Sven Teske von Greenpeace International: “Technisch könnten die 560 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) mit Erneuerbaren Energien eingespart werden, die wir brauchen, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.” Das würde schon enorm helfen, dem Klimawandel und den daraus resultierenden Naturkatastrophen entgegenzuwirken.

Was heißt das konkret? Greenpeace plädiert vor allem für den Abschied von der Braunkohle und die Investition in Erneuerbare Energien. Nicht nur, um Kinder vor Naturkatastrophen zu schützen, sondern die gesamte Menschheit.

Weitere Infos:

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Handel: Reiche Länder verursachen immer mehr CO2-Emissionen in ärmeren Ländern

Freitag 29. April 2011 von birdfish

Reiche Länder sind zunehmend für den Ausstoß von Treibhausgasen in ärmeren Ländern verantwortlich.

Hohe CO2-Emissionen durch Güter für die Industrieländer
Hohe CO2-Emissionen durch Güter für die Industrieländer – Foto: schneiderlein2808 / Pixelio

Dort verursachen sie durch ihren Konsum mehr CO2 als sie in ihren eigenen Grenzen einsparen. Dies hat ein internationales Wissenschaftlerteam in der ersten umfassenden Studie zu diesem Thema herausgefunden. In den Industrieländern werden mehr und mehr Waren konsumiert, die in Entwicklungsländern produziert werden. Während in Industrieländern der Emissionsanstieg zwischen 1990 und 2008 insgesamt gebremst wurde, betrug er weltweit 39 Prozent. Die CO2-Emissionen für die Produktion von Gütern, die in Industrieländern konsumiert werden, ist dabei überdurchschnittlich gewachsen. Eine Verlagerung von Emissionen in die ärmeren Länder könnte auf Dauer die Wirkung von Emissionsbegrenzungen etwa in Deutschland oder Europa unterlaufen, so die Autoren.

„Wer ein Radio oder eine Hose in Deutschland kauft, verursacht CO2-Emissionen im Herstellungsland, weil die Fertigung nun einmal Energie verbraucht – etwa in China oder Bangladesh“, erklärt Jan Christoph Minx aus den Forschungsbereichen Klimaökonomie und Sustainable Engineering der Technischen Universität Berlin (TU), einer der Autoren. Unter dem Klimaschutzabkommen des Kyoto Protokolls haben sich Industrieländer zur Begrenzung ihres CO2-Ausstoßes verpflichtet. Für Schwellen- und Entwicklungsländer wurde auf eine solche Begrenzung jedoch verzichtet, um notwendiges Wirtschaftswachstum im Kampf gegen die Armut nicht zu behindern. Industrienationen können deshalb auch durch wachsenden Konsum von Produkten aus Entwicklungsländern direkt zum globalen Anstieg klimaschädlicher CO2-Emissionen beitragen.

„Durch ihren Konsum haben die meisten Industrieländern zu mehr Emissionswachstum in Entwicklungsländern beigetragen, als sie durch Klimaschutz zu Hause eingespart haben“, so Minx. Der Konsum in Industrienationen verursachte einen Emissionsanstieg in Entwicklungsländern, welcher die bis 2008 erreichten Emissionseinsparungen in den Industrienationen um ein Fünffaches übersteigt. „Wir begrenzen Emissionen bei uns, verursachen aber zugleich mehr CO2-Ausstoß in Regionen ohne Klimaschutzziele“, sagt Minx. Nur durch dieses Auslagern von Emissionen, so die Autoren, könnten die Industrieländer bislang ihre Klimaschutzziele mit vergleichsweise geringen Anstrengungen und trotz wachsenden Konsums erreichen.

Die Studie ist in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen. Die Autoren haben Emissionsverlagerungen in  95 Ländern und 57 Wirtschaftsbranchen über 19 Jahre hinweg untersucht. Bislang hatte es ähnliche Analysen nur für einzelne Jahre gegeben.

Die Ergebnisse deuten auf Schwächen im internationalen Berichtssystem zur Erfassung von Emissionen hin. „Im heutigen Zurechnungssystem müssen Industriestaaten die durch ihren Konsum verursachten Emissionen nicht melden, selbst wenn diese zum weltweiten Emissionsanstieg beitragen“, sagt Leitautor Glen P. Peters vom Center for International Climate and Environmental Research (CICERO) in Oslo. „Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass sie über die durch internationalen Handel auftretenden Emissionen zusätzlich berichten sollten.“ Emissionen werden unter dem Kyoto Protokoll dem Land zugeschrieben, auf dessen Gebiet sie entstehen. Ob dieses Prinzip alleine ausreicht, solange es nur regionale Ziele im internationalen Klimaschutz gibt, stellt die Studie nun in Frage.

„Das bedeutet nicht, dass man auf regionale Regeln zur Emissionsvermeidung genauso gut verzichten könnte, sondern dass im Gegenteil deren Ausweitung nötig ist“, erklärt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der zugleich das von der Michael-Otto Stiftung mitfinanzierte Fachgebiet Klimaökonomie an der TU Berlin leitet. Auch er ist einer der Autoren. Derzeit ist das Klimaschutzsystem international zersplittert. „Jetzt brauchen wir Pfade zu einem globalen Abkommen“, betont Edenhofer. Nur ein solches könne letztlich die in der Studie aufgezeigten Probleme vermeiden.

Es sei nicht die Klimapolitik in Industrienationen, die zur Verlagerung von Emissionen führt – entscheidend seien andere Treiber des globalen Strukturwandels, so argumentieren die Autoren weiter.  Beispielsweise führt das niedrigere Lohnniveau in Entwicklungs- und Schwellenländern zu Produktionsverlagerungen aus Industrieländern. Die Wissenschaftler stützen sich dabei auf Computersimulationen anderer Forscher sowie auf eigene Beobachtungen. So zeigt ein Vergleich der Europäischen Union und der USA: Nur in der EU gibt es verbindliche Regeln für Klimaschutz, trotzdem ist hier wie dort der Transfer von Emissionen durch Handel gleichermaßen gestiegen.

Originalpublikation:
Peters, Glen P., Minx, Jan C., Weber, Christopher L., Edenhofer, Ottmar: Growth in emission transfers via international trade from 1990 to 2008. Proceedings of the National Academy of Sciences (2011) [doi: 10.1073/pnas.1006388108]

Link zu PNAS-Artikel (engl.)

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Nachlese Klimagespräche Bangkok: Dynamik des Cancún-Klimagipfels wurde vermisst

Dienstag 12. April 2011 von birdfish

Die am Wochenende zu Ende gegangene Runde der UN-Klimaverhandlungen war durch ein zähes Ringen um die weitere Verhandlungsstrategie geprägt.

Bürgerbeteiligung
Bild: S. Hofschlaeger / Pixelio

Insbesondere die USA sehen die Ergebnisse von Cancún als Obergrenze der Bemühungen an und wollen sich daher auf die technische Umsetzung der dortigen Beschlüsse beschränken. Länder wie China messen der Umsetzung der Cancún-Beschlüsse wenig Priorität bei und wollen stattdessen insbesondere eine Weiterführung des Kyoto-Protokolls mit verbindlichen Reduktionszielen für Industrieländer erreichen. Progressive Länder drängen, die große Lücke der Klimaschutzversprechen hin zum Temperaturlimit von 2°C, wie in Cancun beschlossen, zu reduzieren. Sie sehen also die Ergebnisse von Cancún als Untergrenze an, auf die nun aufgesattelt werden müsse.

Zum Abschluss der UN-Klimaverhandlungen in Bangkok kritisierte Germanwatch, dass die Chancen für eine neue positive Verhandlungsdynamik noch nicht genutzt wurden. Die respektablen Ergebnisse des Klimagipfels von Cancún im Dezember 2010 hatten dafür den Grundstein gelegt.

Sven Harmeling, Leiter des Germanwatch-Verhandlungsteams in Bangkok: “Nach langem Ringen konnte am Ende zumindest eine Einigung erreicht werden, wie man in diesem Jahr – und zwar als nächstes bei den Klimaverhandlungen im Juni in Bonn – weiter verhandeln will. Nur wenn sich die unterschiedlichen Perspektiven über die zukünftige Ausarbeitung des Klimaregimes und dessen Ambition annähern, kann die notwendige Dynamik entstehen.”

Sven Harmeling weiter: “Es kann nicht um ein Entweder-Oder gehen: Die Beschlüsse von Cancún müssen bis zum Klimagipfel in Durban im Dezember 2011 wie geplant umgesetzt werden. Gleichzeitig brauchen wir Fortschritte bei zentralen ungelösten Themen, zum Beispiel der Fortführung der Kyoto-Berichtsarchitektur und die Stärkung der Berechnungsregeln etwa für Waldemissionen. Dann besteht eine realistische Chance für eine Aufwärtsspirale im internationalen Klimaschutz. Diese ist angesichts der Erkenntnisse aus der Klimawissenschaft dringend notwendig. Die EU muss dazu zu Hause ihren konkreten Beitrag leisten, indem sie ihr Klimaziel auf 30 Prozent erhöht. Nur dann kann sie sich, wie von vielen weltweit erhofft, in Durban als Vorreiter präsentieren. Wenn sowohl die USA als auch die EU hier ausfallen, kann man von den Schwellen- und Entwicklungsländern keine großen Schritte erwarten.

Die Entwicklungsländer sind in Bangkok diplomatisch einen Schritt auf die EU zugegangen und haben gefragt, welche Zugeständnisse die EU von anderen Ländern erwartet, damit sie eine zweite Phase des Kyoto-Protokolls mit trägt. Diese Verhandlungschance muss die EU jetzt aufgreifen und in den folgenden Monaten, ebenso wie die Erhöhung des eigenen Klimaziels, auf höchster politischer Ebene voranbringen.

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‘Biosprit E10′: kein Klimaschutz-Beitrag sondern eine Irreführung der Verbraucher

Montag 28. Februar 2011 von birdfish

Die zunehmend an Tankstellen erhältliche neue Benzinsorte “E10″ mit bis zu 10 Prozent Ethanol-Anteil liefert nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) keinen Beitrag für den Klimaschutz.

Neuer Kraftstoff E10 jetzt an der Zapfsäule
Neuer Kraftstoff E10 Irreführung der Verbraucher – Foto: Daniel Rennen / Pixelio

“Was die Umweltbilanz betrifft ist E10 eine Mogelpackung und ein Fall von Verbrauchertäuschung. Die Ausweitung der Ethanolproduktion aus Weizen, Zuckerrüben oder Mais und die damit ausgelöste Nutzung zusätzlicher Anbauflächen für Getreide und andere Pflanzen zur Ernährung kann im Vergleich zu herkömmlichem Kraftstoff insgesamt sogar höhere Kohlendioxid-Emissionen verursachen”, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Agrosprit sei aus Umweltsicht nicht besser als herkömmliches Benzin. Den Autoherstellern und der Bundesregierung biete die Einführung von “E10″ außerdem ein Alibi, sich von der schnellen Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge zu verabschieden.

In Deutschland seien 2010 rund 600 000 Tonnen Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais hergestellt und die doppelte Menge dem Benzin beigemischt worden. Mit der Erhöhung des Ethanolanteils auf 10 Prozent rechnet der BUND mit einem Bedarf von insgesamt rund fünf Millionen Tonnen Getreide, Zuckerrüben und Mais für “E10″.

Da jeder benzingetriebene Pkw auf Grund der “E10″-Beimischung landwirtschaftliche Flächen benötige, verdoppele sich mit einer Verdoppelung des Biospritanteils auch die “Flächennutzung” des Autoverkehrs. Das Ziel der Bundesregierung, den Flächenverbrauch entscheidend zu senken, werde so konterkariert. Außerdem zwinge das zu erwartende Anwachsen von Importen großer Mengen von Bioethanol die Landwirtschaft in den Ursprungsländern zum Ausweichen auf bisher ungenutzte Flächen. Dies führe zur Vernichtung wertvoller Biotope und zum Abholzen von Wäldern und Urwäldern. “Auch dies erhöht die C02-Emissionen und wird bei der Zertifizierung von Agrokraftstoffen nicht berücksichtigt”, sagte Weiger.

Der BUND-Vorsitzende wies auch darauf hin, das bereits rund 35 Millionen Hektar Ackerland in Entwicklungs- und Schwellenländern für die Länder der Europäischen Union genutzt würden, um die Nachfrage nach Agrarprodukten, zu denen ein wachsender Anteil Agrarsprit gehöre, zu decken. Das Anlegen von Großplantagen zur Produktion von Energiepflanzen gehe außerdem mit dem sogenannten “landgrabbing” einher. Dieser “Landraub” von Flächen in Entwicklungsländern durch ausländische Großinvestoren zerstöre die dortigen bäuerlichen Agrarstrukturen. Der Energiepflanzen-Anbau in Monokulturen führe außerdem zum Einsatz von mehr Düngemitteln und Pestiziden. Die Folgen seien zunehmende Schadstoffbelastungen von Gewässern, höhere Lachgasemissionen und das Aussterben seltener Pflanzen und Tiere.

“E10 ist auch für den Verbraucher eine Mogelpackung”, sagte der BUND-Verkehrsexperte Werner Reh. Nach der für Biosprit geltenden DIN-Norm könne der tatsächliche Ethanolanteil auch weit unter 10 Prozent liegen. “Wo E10 draufsteht, ist nicht unbedingt zehn Prozent drin. Es können auch drei oder sieben Prozent Ethanol sein.” Reh kritisierte die Agrosprit-Strategie von Bundesregierung und EU grundsätzlich: “Anstatt mehr Bioethanol ins Benzin zu mischen wäre es wesentlich sinnvoller, auf EU-Ebene und in Deutschland Alternativen zum Auto attraktiver zu machen, die Verbrauchsvorgaben zu verschärfen und effizientere Fahrzeuge zu bauen.” Wichtigster Blockierer strengerer Verbrauchsvorgaben auf EU-Ebene sei jedoch ausgerechnet die deutsche Bundesregierung. Die Entwicklung wesentlich sparsamerer Fahrzeugmodelle könne zur Halbierung des Spritverbrauchs führen. Dies würde auch eine Halbierung der zur Beimischung erforderlichen Ethanol-Mengen bedeuten.

Hintergrundpapier des BUND zum Kraftstoff “E10″ (PDF)

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Studie untersucht Potenziale in Nahost und Afrika für Solarthermische Kraftwerke

Donnerstag 17. Februar 2011 von birdfish

Weltweit ist derzeit ein starker Ausbau der Kapazitäten von solarthermischen Kraftwerken zu beobachten.

50-MW-Parabolrinnen-Großkraftwerk im spanischen Andalusien
50-MW-Parabolrinnen-Großkraftwerk im spanischen Andalusien- Foto: Fraunhofer

Bis dato werden diese Concentrated Solar Power (CSP)-Kraftwerke vor allem in Südeuropa und den USA errichtet, obwohl Nordafrika und der Mittlere Osten global das größte Anwendungspotenzial und damit die größten Chancen für diese Technologie aufweisen. Die Region kann in Zukunft wirtschaftlich sehr stark vom Aufbau von CSP- Kraftwerkskapazitäten profitieren, wie eine neue Studie von Fraunhofer ISE und Fraunhofer ISI im Auftrag der Weltbank herausgefunden hat. Gleichzeitig zeigen europäische Anlagenbauer und Technologielieferanten laut der Studienergebnisse großes Interesse und die Bereitschaft, sich in Nordafrika und den Ländern des Mittleren Ostens zu engagieren.

Hintergrund der Studie ist das Vorhaben des Clean Technology Fund (CTF) der Weltbank, die Entwicklung von solarthermischen Kraftwerken in den MENA (Middle East & North Africa)-Ländern zu fördern. Ein Investitionsprogramm soll helfen, neue Kraftwerke in der MENA-Region zu finanzieren, eine lokale CSP Industrie zu entwickeln sowie zusätzliche Investitionen anzuziehen und die MENA-Länder am weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien teilhaben zu lassen.

Der Erfolg und die Akzeptanz von solarthermischen Kraftwerksbauten in den fünf untersuchten Ländern (Ägypten, Algerien, Jordanien, Marokko und Tunesien) hängen stark von der Integration und Partizipation der lokalen Industrie ab. Die Studie »MENA Assessment of Local Manufacturing Potential for Concentrated Solar Power (CSP)-Projects« wurde vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Kooperation mit Ernst & Young erstellt. In Zusammenarbeit mit der Industrie in Nordafrika und Europa analysierten die Forscher die CSP-Wertschöpfungskette, die Produktionsprozesse für Kernkomponenten eines solarthermischen Kraftwerks sowie die Industriepotenziale in den MENA-Ländern. In einer Roadmap wird ein Aktionsplan zur Realisierung von lokalen Produktionskapazitäten aufgezeigt. Mario Ragwitz, der Leiter der Studie am Fraunhofer ISI unterstreicht, dass mit einem solchen Aktionsplan ein großes Potenzial lokaler Wertschöpfung und damit verbundener Umsätze und Arbeitsplätze erschlossen werden kann.

Laut der Studienergebnisse kann die lokale Wertschöpfung bei CSP Kraftwerken in der MENA-Region durchschnittlich bis zu 60 Prozent erreichen. Den Effekt durch lokale Wertschöpfung in der Region beziffert Christoph Kost, der Leiter der Studie am Fraunhofer ISE, auf 14,3 Mrd. US$, wenn eine nachhaltige, langfristige Nachfrage geschaffen wird. Bis 2025 können so 60 000 bis 80 000 neue, teils hoch qualifizierte permanente Arbeitsplätze in der MENA-Region entstehen. Damit profitieren die Länder vom Aufbau von Fertigungskapazitäten und umfangreichen Infrastrukturbauprojekten im Bereich erneuerbarer Energien, wenn sie ihre regionalen Vorteile ausschöpfen und Marktbarrieren abbauen. Auch die europäischen Anlagenbauer und Komponentenlieferanten sehen mittelfristig große Wachstumschancen in diesem Markt. Europa und MENA können so vom enormen Solarstrompotenzial der Region durch neue Absatzmärkte für die Unternehmen beider Kontinente Nutzen ziehen.

Die Studienergebnisse wurden Ende September in Kairo dem ägyptischen Energieminister vorgelegt und in einem Workshop mit über 120 lokalen und internationalen Industrievertretern, Regierungsrepräsentanten aus den fünf Zielländern und Projektpartnern präsentiert und diskutiert.

Die beteiligten Fraunhofer-Institute haben 2009 das Fraunhofer-Center für Renewable Energy Innovation Policy RENIP gegründet, mit dem Ziel die Erfahrungen des Fraunhofer ISI bei Systemanalysen und Innovationsforschung und die breite Technologieexpertise des Fraunhofer ISE im Bereich Erneuerbare Energien für detaillierte Technologie- und Wirtschaftlichkeitsanalysen zu bündeln.

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