Montag 23. August 2010 von birdfish
Wird das Eis auf dem Nordpolarmeer immer dünner? Forschungsflugzeug Polar 5 misst Meereiseisdicke nördlich von Grönland.
Die Polar 5 auf dem Eis vor dem Start zu einem Messflug – (c) Johannes Käßbohrer / AWI
Die Meereisausdehnung in der Arktis wird im September ihr jährliches Minimum erreichen. Prognosen lassen vermuten, dass es nicht so gering ausfallen wird wie im Jahr 2007, dem Jahr der geringsten Ausdehnung seit Satelliten diese aufzeichnen. Meereisphysiker vom Alfred-Wegener-Institut sorgen sich trotzdem um das langjährige Gleichgewicht im Nordpolarmeer. Sie haben Indizien dafür, dass die Masse des Meereises schwindet, weil seine Dicke abnimmt. Um dies zu belegen, messen sie derzeit die Eisdicke nördlich und östlich von Grönland mit dem Forschungsflugzeug Polar 5. Ziel der gut einwöchigen Kampagne ist es, den Export von Meereis aus der Arktis zu bestimmen. Hierüber findet etwa ein Drittel bis die Hälfte des Süßwasserexports aus dem Nordpolarmeer statt – ein wichtiger Antriebsfaktor im globalen Ozeanströmungssystem.
Die Frage, wann die Arktis im Sommer eisfrei sein wird, beschäftigt die Meereismodellierer um Prof. Dr. Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft schon seit längerem. Satelliten erfassen die Ausdehnung des arktischen Eises seit mehr als 30 Jahren. Für die Bilanz, wie viel Meereis es gibt, ist neben der flächigen Ausdehnung auch die Dicke des Eises entscheidend. Diese lässt sich bisher jedoch nur vor Ort bestimmen: Beispielsweise mit Hilfe des so genannten EM-Bird, einem elektromagnetischen Messgerät, das Helikopter oder Flugzeuge in geringer Höhe über das Eis schleppen. Für Gerdes eine ganz besondere Aufgabe, denn gewöhnlich modelliert er seine Prognosen am heimischen Computer. Die Messkampagne mit dem Forschungsflugzeug Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts führt ihn jetzt erstmalig auf Expedition in die Arktis. „Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse der Eisdickenmessungen“, so Gerdes. „Nur wenn wir wissen, wie das Eis unterschiedlicher Dicken verteilt ist, können wir berechnen, wie viel Süßwasser aus dem Nordpolarmeer über Eis abtransportiert wird.“
Ungefähr 3000 Kubikkilometer Eis driften jährlich aus dem Nordpolarmeer, das entspricht etwa 2700 Milliarden Tonnen. Das Eis exportiert Süßwasser, das über Flüsse und durch Niederschläge ins Nordpolarmeer gelangt. So wird dessen Salzgehalt aufrechterhalten, der langfristig konstant war. Der weltweit beobachtete Temperaturanstieg ist in den arktischen Breiten besonders ausgeprägt. Seit mehreren Jahren beobachten Forscher, dass das Eis immer dünner wird. Dadurch speichert und exportiert es weniger Süßwasser, und der Salzgehalt (auch als Salinität bezeichnet) des Arktischen Ozeans nimmt ab. Dies beeinflusst einerseits alle Lebewesen, die sich an die Bedingungen angepasst haben. Andererseits wirken sich Änderungen in der Salinität auch auf Strömungsmuster der globalen Ozeanzirkulation und damit den meridionalen Wärmetransport aus. Bei der Messkampagne TIFAX (Thick Ice Feeding Arctic Export) interessiert die Wissenschaftler besonders das mehrere Meter dicke, mehrjährige Eis, das vor allem an der Nordküste Grönlands vorkommt. „Hier von Station Nord aus die Messflüge zu starten, ist ein besonderes Abenteuer“, berichtet Gerdes von einer der nördlichsten Messstationen der Welt. „Mit dem hoch technisierten Forschungsflugzeug durch nahezu unbesiedelte Gebiete der Arktis zu fliegen ist ein starker Kontrast zu meiner Modellierungsarbeit am Computer.“
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Dienstag 27. Juli 2010 von birdfish
Die Vorstellung von Würmern im Fisch dürfte bei den meisten Menschen Ekel hervorrufen.
Fadenwürmer im Eisfisch – Foto: BiK-F
Doch durch Helminthen, so der wissenschaftliche Begriff für Würmer, zu denen auch Nematoden gehören, die als Parasiten im Meer und von Meerestieren leben, lässt sich eine Menge über den Lebensraum herausfinden. Das ist das Ziel von Prof. Dr. Sven Klimpel vom Frankfurter Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F). Bei einer Forschungsexpedition in den Nordatlantik war sein Mitarbeiter Markus W. Busch jetzt den Auswirkungen des Klimawandels in der Barentssee auf der Spur.
Die vierwöchige, in Kooperation mit dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung (Max Rubner-Institut (MRI)) durchgeführte Reise mit dem deutschen Fischereiforschungsschiff „Walther Herwig III“ endete am 12. Juli. Überraschend für das Forscherteam des MRI wie auch für Sven Klimpel und seinen Mitarbeiter Markus W. Busch war, dass mittlerweile auch kleinste Kabeljau-Exemplare von parasitierenden Fadenwürmern befallen sind. Vom Parasitenbefall bei Fischen schließen die Wissenschaftler auf Veränderungen im Nahrungsgefüge. Die Barentssee ist ein ca. 1,4 Millionen Quadratkilometer großes Randmeer des Arktischen Ozeans. Ausläufer des Golfstroms sorgen hier auch im Winter für große eisfreie Zonen. Wegen dieser besonderen Bedingungen und der Vielfalt an Organismen ist die Barentssee vor allem für die Fischerei von Bedeutung.
Zu warm und zu sauer
So lässt sich der Zustand der Weltmeere zusammenfassen. Ein Großteil des während der letzten 200 Jahre durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre gelangten Kohlendioxids hat sich in den Ozeanen gelöst und den pH-Wert der Weltmeere sinken lassen. Diese Versauerung hat vor allem Folgen für Meeresorganismen mit einem Kalkmantel, wie z.B. Korallen. Schon für das Jahr 2006 verzeichnete das International Council for the Exploration of the Sea (ICES) einen Höhepunkt der Wassertemperatur in der gesamten Barentssee. – Unter solchen, sich verändernden Bedingungen wandelt sich auch das Artengefüge eines Ökosystems. Wissenschaftler sehen in der Erwärmung einen entscheidenden Grund für die ausschließlich polwärts gerichtete Migration Kälte angepasster Arten. Auch Sven Klimpel erklärt: „Die Erwärmung der oberen Wasserschicht der Ozeane kann Veränderungen der Nahrungsnetze und der Artenzusammensetzung zur Folge haben, die wir derzeit noch gar nicht abschätzen können.“
Eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische und andere Meeresbewohner ist vor allem das Zooplankton, zu dem eine Vielzahl kleinster Meerestiere gehört. Dazu erläutert der Leiter des BiK-F-Projekts „Medizinische Biodiversität und Parasitologie“: „Der Rückgang vieler Fischarten hängt signifikant mit einer veränderten Artenzusammensetzung, der Bestandsabnahme mancher Arten und auch mit der kleineren Körpergröße dieser Nahrungsorganismen zusammen.“ Zunehmend gerät das natürliche, fein aufeinander abgestimmte Gefüge der Meere aus der Balance. Da die schmarotzenden Nutznießer über das Nahrungsnetz in ihren Wirt gelangen, wirken Veränderungen im Nahrungsangebot sich auch auf den Parasitenbefall der Fische aus.
Fadenwürmer als Biomarker und Informationsträger
In einem komplexen Ökosystem stehen alle Lebewesen in Wechselwirkung zueinander. Um Störungen entgegen zu steuern oder zumindest ausbalancieren zu können, muss man die einzelnen „Bauteile“ verstehen. Ökosystemforschung untersucht einzelne Komponenten von Lebensräumen und fügt die gewonnenen Ergebnisse zu einem Gesamtbild zusammen. So unappetitlich die Parasiten im Kabeljau der Barentssee sonst auch sein mögen, bei den Untersuchungen von Sven Klimpel übernehmen sie eine „tragende Rolle“. Als Bioindikatoren helfen sie nicht nur regionale Fischbestände zu unterscheiden, sondern sind nach Aussage des Wissenschaftlers auch bedeutende Informationsträger bei der Erforschung des Nahrungsspektrums bestimmter Arten.
Deshalb beschränkt sich der Parasitologe nicht nur auf abstrakte Energieflussmodelle. Sein Mittel der Wahl zur Untersuchung klimabedingter Veränderungen ist die detaillierte Analyse des Parasitenbefalls bei Fischen und anderen Meeresorganismen. Da auch die üblichen Mageninhaltsanalysen lediglich punktuell und auch nur zum Zeitpunkt der Probennahme Auskunft über Nahrungsgewohnheiten geben, ermöglicht die detaillierte Analyse der Miniatur-Plagegeister Rückschlüsse auf weiter zurückliegende Interaktionsprozesse zwischen Organismen. Auf diese Weise können auch kurzfristige Veränderungen im Nahrungsgefüge der Wirte wie z.B. bei Fischen berücksichtigt werden. – Da sie ausschließlich „zur Untermiete“ leben, sind Parasiten hocheffizient und ausgesprochen zielstrebig. Kennt man ihre Lebenszyklen und Gewohnheiten sowie ihre Zwischen- und Endwirte, verdichten sich die nahrungsökologischen Untersuchungen zu einem Bild vom Nahrungsspektrum und den Ausbreitungsmechanismen einer Parasitenart. Das ist möglich, da viele Parasiten spezifisch für die jeweiligen Endwirte sind. Von solchen detaillierten Untersuchungen verspricht sich Sven Klimpel weitere Informationen zu Reproduktionserfolgen von Fischbeständen, über deren Migration und Populationsdynamik. Also bisher noch weitgehend offenen Fragen, deren Beantwortung im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels und die Überfischung der Meere von großer Bedeutung ist.
Nachbearbeitung im BiK-F-Labor
“Wir vermuten, dass die Distanz zur norwegischen Küste einen wesentlichen Einfluss auf die Parasitierung der dort vorkommenden Konsumfischarten hat. Insbesondere die charakteristischen Gewässerbedingungen in der Barentssee könnten Auswirkungen auf das Vorkommen und die Verbreitung bestimmter Parasitengruppen haben“, sagte Sven Klimpel. Fischproben, die schon an Bord bearbeitet und für parasitologische und molekularbiologische Analysen vorbereitet und konserviert wurden, werden nun im Frankfurter BiK-F-Labor genauer untersucht. Der Wissenschaftler sagte: „Wir gehen davon aus, dass die verschiedenen Parasitenarten bei den Fischen der Barentssee sich von denen in anderen Regionen des nördlichen Atlantiks deutlich unterscheiden. Anhand der genetisch eindeutig identifizierten Fadenwürmer in Fischen sind wir beispielsweise auch in der Lage, genau zu bestimmen, welche Wal- bzw. Robbenarten in dem untersuchten Gebiet vorkommen und welche Populationsgrößen sie theoretisch haben könnten.“ Von den Untersuchungen verspricht sich Sven Klimpel eindeutige Ergebnisse und Erklärungsmuster für Veränderungen in den nördlichen Gewässern.
Die Bedeutung der Ozeane
In der Summe nehmen marine Ökosysteme 71 Prozent der Gesamtfläche der Erde ein. Das entspricht einer Fläche von 361 Millionen Quadratkilometern. Auf Grund seiner enormen Tiefenausdehnung ist der marine Lebensraum um ein Vielfaches größer als alle Lebensräume an Land, zu denen auch Süßwasser-Ökosysteme wie Seen, Bäche und Flüsse zählen. Dabei spielen die Ozeane eine bedeutende Rolle für das Klima auf der Erde. Insbesondere im Rahmen der globalen Erhöhung des Kohlendioxid-Anteils in der Atmosphäre tragen die Meere als so genannte „CO2-Falle“ zur Stabilisierung des Weltklimas bei. Neben der Erwärmung der Meere ist das Gleichgewicht auch durch die Versauerung gestört, die durch die stetig steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre ebenfalls zunimmt.
Im Vergleich zu den Lebensräumen an Land reagieren marine Ökosysteme deutlich sensibler und schneller auf Klimaänderungen. Die Belastungen der Fischpopulationen durch Überfischung kommen hinzu. Fische und Fischprodukte sind bedeutsam für die Welternährung. Deren Anteil an der Eiweißversorgung der Weltbevölkerung beträgt nach Zahlen der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) 15 Prozent. Rund drei Milliarden Menschen sind schon jetzt darauf angewiesen. Hinzu kommen wirtschaftliche Interessen und viele Arbeitsplätze, die an der Fischereiindustrie hängen. Einst galten die Meere als unerschöpfliches Reservoir. Doch selbst wenn die Fischereinationen regelmäßig über Fangquoten und Methoden zur nachhaltigen Befischung der Ozeane diskutieren, verbessert sich für die Meeresbewohner nicht viel. – Nicht mehr und größer, sondern weniger und kleiner werden die Fische, die einer ständig wachsenden Weltbevölkerung zur Verfügung stehen.
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Freitag 23. Juli 2010 von birdfish
Das Europäische Umweltbüro (EEB) hat im Juli einen ernüchternden Statusbericht zur Wasserrahmenrichtlinie veröffentlicht.
Gewässer müssen für die Zukunft erhalten werden – Foto: Hanspeter Bolliger / Pixelio
Der Bericht „Zehn Jahre Wasserrahmenrichtlinie – ein zahnloser Tiger?“ verdeutlicht, wie wenig europäische Regierungen zum Schutz und zur Restauration der europäischen Gewässer tun und wie wenig ambitioniert die Länder bei der Umsetzung seit Inkrafttreten der Wasserrahmenrichtline vor zehn Jahren waren. Auf Grundlage von acht Flussgebietsplänen in Europa stellt der Bericht fest, dass mit wenigen Fortschritten in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Die nationalen Flussgebietspläne zum Schutz und zur Verbesserung der Gewässer zeigen danach wenig oder gar keinen Erfolg.
Viele Pläne vertagen die beschlossenen Verbesserungen auf das Jahr 2027. Das würde einen weitreichenden Missbrauch der gesetzlich vorgesehenen Ausnahmeregelungen bedeuten. „Das ist im Anbetracht der Tatsache, wie wichtig Wasser für unser Leben ist und wie wir es noch verschmutzen, inakzeptabel, sagt Pieter de Pous, EEB-Referent für Wasserpolitik. „Europas Flüsse, Seen und Feuchtgebiete bieten Dienstleistungen von sozialem und wirtschaftlichem Wert und sollten für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Mit einer zeitigen und effizienten Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wird Europa weiterhin von solchen Dienstleistungen profitieren können, Geld sparen, neue Arbeitsplätze schaffen und auf nachhaltige Weise wachsen können“.
EEB-Bericht “Zehn Jahre Wasserrahmenrichtlinie – ein zahnloser Tiger?” (PDF, engl.)
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Mittwoch 26. Mai 2010 von birdfish
Durch den Austausch von Salz- und Süßwasser in ihren Elementen liefern Osmosekraftwerke ständig elektrische Energie, ohne dabei Emissionen zu erzeugen.
Erstes Osmosekraftwerk in Norwegen – Foto: Ruhr-Uni Bochum
Das funktioniert aber nur am richtigen Standort: Flussmündungen kommen in Frage – aber nicht jede. Dipl.-Ing. Peter Stenzel, Doktorand am Lehrstuhl Energiesysteme und Energiewirtschaft der RUB von Prof. Dr. Hermann-Josef Wagner, sucht nach Kriterien, um geeignete Standorte für Osmosekraftwerke zu identifizieren. Darüber berichtet RUBIN, das Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität.
Osmotischer Druck treibt Turbinen an
Das Prinzip der Osmose ist einfach und kommt in der Natur überall vor: In eine Kirsche zum Beispiel, deren Inneres hochkonzentrierte Zuckerlösung enthält, strömt bei Regen Wasser ein, um das Konzentrationsgefälle auszugleichen. Da Wasser herein kann, aber nicht wieder heraus, platzt die Kirsche irgendwann – ihre Hülle ist semipermeabel. Semipermeable Membranen sind auch Herzstück von Osmosekraftwerken. An ihnen begegnen sich Süß- und Salzwasser. Da das Süßwasser auf die Salzwasserseite will, um das Konzentrationsgefälle zu verringern, entsteht an der Membran ein Druck von bis zu 26 bar. Dieser Druck kann eine Turbine antreiben und somit zur Stromerzeugung genutzt werden.
Die Suche nach geeigneten Orten
Das Prinzip funktioniert aber nur an geeigneten Orten, wo Salz- und Süßwasser in ausreichender Menge vorhanden sind, wie an Flussmündungen. Zwar fließen jährlich weltweit etwa 36.000 Kubikkilometer Süßwasser in die Meere, aber nur ein Bruchteil davon lässt sich zur Stromerzeugung nutzen. Abfluss, Salzgehalt und Temperaturverteilung in der Flussmündung spielen eine Rolle. Technische und wirtschaftliche Aspekte müssen in die Wahl des Standorts einbezogen werden. Peter Stenzel bezog erstmals ökologische Überlegungen ein: Der Fluss muss z.B. eine gewisse Wasserentnahme vertragen – ein Mindestpegel sollte nicht unterschritten werden, um Pflanzen und Tiere nicht zu gefährden. Auch der Mündungstyp und die Sauberkeit des Flusses sind von Bedeutung. Bestimmte Substanzen müssen durch Vorbehandlung entfernt werden, „auf den Membranen könnten sonst Muschelfarmen entstehen“, erklärt Peter Stenzel. Er analysierte Flussmündungen weltweit, um ihr Potenzial als Standort für Osmosekraftwerke zu ermitteln. Fazit: Für Deutschland sind die Möglichkeiten eher gering. Besser sieht es an den Mittelmeerküsten, in Skandinavien und Amerika aus. Norwegen verfügt über besonders gute Bedingungen. Hier eröffnete Kronprinzessin Mette-Marit im November 2009 das erste Osmosekraftwerk der Welt.
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Mittwoch 12. Mai 2010 von birdfish
Die biologische Vielfalt und damit der Reichtum unserer Erde geht noch immer in dramatischem Ausmaß zurück.
Globaler Ausblick zur Situation Biologischer Vielfalt – (c) CBD
Das bestätigt ein UN-Bericht, dessen deutsche Fassung jetzt in Bonn vorgestellt wurde. Das von den Staats- und Regierungschefs der Welt auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung im Jahr 2002 in Johannesburg vereinbarte Ziel, bis zum Jahr 2010 den weltweiten Verlust an biologischer Vielfalt entscheidend zu verlangsamen, ist nicht erreicht worden.
Die Ausdehnung natürlicher Lebensräume schwindet in den meisten Teilen der Welt, wobei der Flächenverlust von Tropenwäldern und Mangroven in einigen Regionen immerhin verlangsamt werden konnte. Süßwasserlebensräume, Eismeere, Salzwiesen, Korallenriffe, Seegraswiesen und Muschelbänke weisen ernsthafte Verschlechterungen ihres Zustands auf. Fast ein Viertel der Pflanzenarten ist Schätzungen zufolge vom Aussterben bedroht. Die Populationsgröße von Wirbeltieren hat zwischen 1970 und 2006 durchschnittlich um fast ein Drittel abgenommen. Zu diesen Ergebnissen gelangt das Sekretariat des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt, Herausgeber des Berichts, durch Auswertung der nationalen Biodiversitätsberichte, die die Vertragsstaaten des Übereinkommens regelmäßig einreichen.
Ein Grund für den anhaltenden Biodiversitätsverlust ist, dass Fragen der biologischen Vielfalt immer noch nicht ausreichend in übergreifende politische Maßnahmen, Strategien und Programme eingebunden werden. Auch werden die Hauptursachen des Verlusts an biologischer Vielfalt, nämlich die Zerstörung und Übernutzung von Lebensräumen und Arten, Umweltverschmutzung sowie invasive Arten und Klimawandel, nicht ernsthaft bekämpft, konstatiert der Bericht.
Die UN-Experten warnen außerdem, dass mit dem Verlust der biologischen Vielfalt auch deren Leistungen für die Menschheit verloren gehen. So sind beispielsweise tropische Korallenriffe durch Übersäuerung der Meere, steigende Wassertemperaturen, Übernutzung und Verschmutzung von Vernichtung bedroht. Die Existenzgrundlage und Nahrungsmittelsicherheit von mehreren Millionen Menschen wird damit gefährdet.
Der Bericht zeigt aber auch, dass solche Folgen abgewendet werden können, wenn die Staatengemeinschaft rasch wirksame Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt ergreift. Denn die Teilerfolge, die erzielt wurden, demonstrieren, dass es bei gezieltem Mitteleinsatz und politischem Willen durchaus möglich ist, den Biodiversitätsverlust zu verlangsamen.
Die Originalfassung des Berichts wurde in Nairobi vom Exekutivsekretär des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt, Ahmed Djoghlaf, zum Auftakt der 14. Sitzung des wissenschaftlich-technisch-technologischer Beirats der Konvention vorgestellt, bei der rund 1000 Wissenschaftler, politische Entscheidungsträger und Vertreter von Naturschutzverbänden zusammen kamen.
3. Globaler Ausblick zur Lage der biologischen Vielfalt – deutsche Zusammenfassung (pdf)
Originalausgabe des Gesamtberichts (engl.)
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Dienstag 2. Februar 2010 von birdfish
Anlässlich des Welttags der Feuchtgebiete am 2. Februar fordert die Umweltschutzorganisation WWF einen engagierten Schutz von Flüssen, Auen, und Mooren in Deutschland und Europa.
Seltener Gast: der Schwarzstorch – (c) Dagmar Struß
Süßwasser-Ökosysteme seien wahre „Hotspots“ der Biodiversität und Heimat zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten. In Deutschland gibt es laut Ramsar-Konvention (Internationales Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten) dreiunddreißig dieser Ökosysteme mit weltweiter Bedeutung, wie etwa die Donau- und die Elbeauen, der Ammersee oder die Havelniederungen. „Über dreißig Prozent aller Süßwasserfische und siebzehn Prozent aller Wasservögel gelten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht“, warnt Dorothea August vom WWF Deutschland. Mit den Amphibien stehe durch stetig voranschreitende Lebensraumzerstörung und weltweite Seuchen sogar eine gesamte Tiergattung am Abgrund. Von den 6.285 erfassten Fröschen und Lurchen seien bereits 1.900 Arten in der höchsten Bedrohungskategorien der Roten Liste eingestuft. Sie stünden damit kurz vor der Ausrottung.
WWF-Projekt an der Donau: Ein Flusssystem von Bedeutung für ganz Europa sei die über 2800 Kilometer lange Donau, die sich vom Deutschland bis ins Schwarze Meer erstreckt. In den letzten 15 Jahren habe der WWF an der Unteren Donau in Rumänien und Bulgarien Renaturierungen und den Schutz von über 50.000 Hektar Auenflächen und Feuchtgebieten umgesetzt. Die Region sei Heimat zahlreicher seltener Tierarten, wie etwa Pelikan, Schwarzstorch, Europäische Sumpfschildkröte oder Fischotter.
WWF-Projekt an der Mittleren Elbe: An der Mittleren Elbe nahe Dessau startete der WWF gemeinsam mit dem Land Sachsen-Anhalt im Jahr 2009 eine der größten Deichrückverlegungen Europas – im Rahmen eines seit 2001 laufenden Naturschutzgroßprojekts. Wesentliches Ziel sei, so der WWF, der langfristige Schutz und die Wiederherstellung einer intakten, naturnahen und waldreichen Überflutungsaue an der Mittleren Elbe. Während für die Anwohner der Region die Gefahr von Flutkatastrophen gemindert werde, profitierten seltene Arten wie etwa der Elbebiber von der geplanten Verbesserung ihres Lebensraums.
Mehr Informationen zu Feuchtgebieten erhalten Sie hier.
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Dienstag 2. Februar 2010 von birdfish
Der Weltfeuchtgebietstag wird seit 13 Jahren begangen und erinnert an die Unterzeichnung der Konvention über Feuchtgebiete internationaler Bedeutung (Ramsar-Konvention) in der iranischen Stadt Ramsar am 2. Februar 1971.
Feuchtgebiete als Lebensraum – (c) Dagmar Struß
Im Jahr 2010 steht dieser Tag unter dem Motto “Caring for Wetlands – an answer to climate change”.
“Das Motto des Weltfeuchtgebietstages 2010 unterstreicht die Bedeutung des Erhalts von Feuchtgebieten im Rahmen des Klimaschutzes. Denn intakte Moore und Feuchtgebiete erfüllen wichtige ökologische Funktionen und spielen darüber hinaus als Kohlenstoff-Senken eine bedeutsame Rolle.” sagte Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), anlässlich des Weltfeuchtgebietstages. “Feuchtgebiete sind nicht nur Hot Spots der biologischen Vielfalt, sondern kommen den Menschen auf vielfältige Weise zugute, da sie Wasser speichern und damit den Abfluss von Hochwassern verzögern. Zusätzlich tragen Quellen, Flüsse, Moore, Seen und Auen zur Grundwasserreinigung und Grundwasserneubildung bei und sichern so die natürlichen Trinkwasservorräte,” so Beate Jessel.
In Deutschland beherbergen Feuchtgebiete – vom Wattenmeer und den Boddengewässern, über die größeren und kleineren Fließgewässer mit ihren Auen bis hin zu den Seen, Weihern, Teichen und Tümpeln, Mooren und Sümpfen – eine große Anzahl spezialisierter Tier- und Pflanzenarten. Durch die Zerstörung von Feuchtgebieten sind viele von ihnen stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
Im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung hat sich Deutschland zu konkreten Zielen auch im Feuchtgebietsschutz verpflichtet, um sowohl den Artenrückgang zu stoppen als auch wesentliche Beiträge zum Klimaschutz zu leisten: So sollen z. B. in allen Bundesländern bis 2010 Moorentwicklungskonzepte erarbeitet werden, deren Umsetzung bis 2025 vorgesehen ist. Bis zum Jahr 2020 sollen Fließgewässer und ihre Auen in ihrer Funktion als Lebensraum soweit gesichert sein, dass eine für Deutschland naturraumtypische Vielfalt gewährleistet ist. Der im letzten Herbst veröffentlichte Nationale Auenzustandsbericht des BfN zeigt eindrücklich wie stark der Verlust von Überschwemmungsflächen in Deutschland ist und welche Gefährdungen hiervon für den Erhalt der Biologischen Vielfalt ausgehen. Durch den Erhalt bzw. die Wiederherstellung funktionsfähiger Auen in Deutschland können hohe Kosten eingespart werden, da die durch den Klimawandel verursachten stärkeren Hochwasserereignisse volkswirtschaftlich in Deutschland weitere Schäden in mehrstelliger Milliardenhöhe verursachen werden.
Hintergrundinformationen über Feuchtgebiete finden Sie hier.
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Dienstag 26. Januar 2010 von birdfish
Die erste neue Verordnung des Jahres 2010 in Russland hat es in sich.
Baikalrobbe am Baikalsee in Sibirien. – (c) Vadim Kantor / Greenpeace
Die russische Regierung hat die Wiedereröffnung einer umstrittenen Papier- und Zellstofffabrik am Ufer des Weltnaturerbes Baikalsee erlaubt. Das Werk war 2008 wegen Umweltbedenken geschlossen worden. Darüber hinaus dürfen in Zukunft auch alle Arten von Müll und Giftabfällen in der Region um den See herum deponiert oder verbrannt werden.
Die Zellstofffabrik Baikalsk Pulp And Paper Mill (BPPM) ist hauptverantwortlich für die Verschmutzung des Baikalsees. Rund vier Jahrzehnte lang leitete sie dort ihre giftigen Abwässer ein – lange Zeit sogar ungefiltert. Greenpeace und andere Umweltverbände haben jahrelang unter schwierigen politischen Bedingungen für das Kronjuwel Russlands gekämpft. Nicht zuletzt diesem Einsatz ist es zu verdanken, dass der Baikalsee 1996 zum Weltnaturerbe ernannt wurde. Dieser Titel steht jetzt auf dem Spiel.
Die erneute Zulassung der BPPM erfolgt ohne zeitliche Begrenzung, ohne Auflagen hinsichtlich der Menge und der Art der eingeleiteten Substanzen. Die russischen Greenpeace-Experten sind überzeugt, dass damit kurzfristige Interessen der Fabrikeigentümer befriedigt werden sollen. In früheren Zeiten war die Stadt Baikalsk eng mit dem Werk verbunden. Viele der Einwohner verdienten sich dort ihren Lebensunterhalt.
Das hat sich geändert. Die letzten Jahre der Fabrik waren gezeichnet von wirtschaftlichen und ökologischen Problemen. Veraltete Produktionsmittel, das Damoklesschwert der Schließung, regelmäßige Verzögerungen bei den Gehalts- und Abgabenzahlungen machten das Werk zu einem unzuverlässigen Kandidaten. Längst haben die Menschen sich nach anderen Arbeitgebern umgesehen. Die meisten haben eine Anstellung gefunden. Als die Schließung dann tatsächlich erfolgte, blieb der Entrüstungssturm in der Bevölkerung, mit dem die BPPM-Eigentümer immer gedroht hatten, aus.
Felsen und Uferlinie der Olchoninsel im Baikalsee. Die Region gehört zum Pribaikalski-Nationalpark. – (c) Takeshi Mizukoshi / Greenpeace
Inzwischen wird die Zukunft der Region im Tourismus gesehen. Die Voraussetzungen dafür sind hervorragend. Der Baikalsee ist in seiner Art einzigartig. Er ist der größte Süßwassersee der Welt und über 1.600 Meter tief. Sein Wasserinhalt umfasst zwanzig Prozent der weltweiten Süßwasserreserven. Mit einer Fläche von 23.000 Quadratkilometern ist er viermal so groß wie der Bodensee. Er ist zudem Heimat der Baikalrobbe, die es nirgendwo sonst gibt. Wie die Robben einst vom offenen Meer zu diesem Binnensee gelangt sind, weiß bis heute niemand.
Tourismus und nachhaltige Entwicklung vertragen sich nicht mit dem, was die Regierung mit Erlass Nr. 1 in Gang gesetzt hat. Greenpeace hofft nun auf den russischen Präsidenten Dimitri Medwedew. In einem offenen Protestbrief fordern sie ihn auf, sich für den Schutz des Sees einzusetzen.
Der Brief kann von jedem unterschrieben und per E-Mail an Medwedew gesendet werden.
Wikipedia zum Baikalsee
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