KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Meereis-Ausdehnung der Arktis in diesem Sommer extrem weit zurückgegangen

Montag 5. September 2011 von birdfish

Die Meereis-Ausdehnung der Arktis ist in diesem Sommer rekordverdächtig weit zurückgegangen, sodass sowohl die Nordost-Passage als auch die Nordwest-Passage befahren werden können.

Das Eis wird weniger
Das Eis wird weniger – Foto: AWI

Klimawissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung nehmen diese Veränderungen in der Nordpolarregion zum Anlass, um mit Partnern aus neun europäischen Ländern über die Perspektiven und Folgen einer verstärkten kommerziellen Nutzung der Arktis zu forschen. ACCESS heißt dieses zukunftsweisende Projekt, dessen zweiter Workshop heute und morgen in Bremen stattfindet.

Die Arktis erlebt in diesem Sommer zum fünften Mal in Folge einen überdurchschnittlichen Rückgang des Meereises. Aktuelle Beobachtungen und Einschätzungen der Klimawissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft deuten darauf hin, dass die Negativ-Rekordmarke aus dem Jahr 2007 in greifbare Nähe rückt. „Diese Entwicklung überrascht uns nicht. Der Rückgang in diesem Sommer fügt sich ein in die Reihe der Jahre seit 2007. Wir haben inzwischen sehr wenig Eis in der Arktis. Hinzu kommt, dass nicht nur die Ausdehnung des Eises abnimmt, sondern auch die Eisdicke“, sagt Prof. Dr. Rüdiger Gerdes, Meereis-Experte am Alfred-Wegener-Institut.

Wo das Eis schwindet, öffnen sich dem Menschen neue Wege in und durch die Arktis. In diesem Sommer sind zum Beispiel sowohl die Nord-West-Passage als auch der Seeweg nördlich Russlands eisfrei. Ein Zustand, der Begehrlichkeiten weckt, wie die Wissenschaftler wissen. „Es bieten sich nun ganz neue Möglichkeiten, die Arktis kommerziell zu nutzen“, sagt Gerdes. Veränderungspotenziale sieht er vor allem in der Schifffahrt, in der Tourismus-Branche, der Fischerei und bei der Rohstoffausbeutung. „Natürlich ermöglicht der Rückgang des Eises auch den Zugriff auf Ressourcen, die bisher nicht zugänglich waren – und zwar nicht nur auf dem Meeresboden, sondern auch an Land, denn jetzt stehen Schifffahrtswege zum Abtransport von Rohstoffen zur Verfügung“, erklärt der Meereis-Experte.

Gerdes und seine Kollegen registrieren schon jetzt eine gewisse Aufbruchsstimmung in der Wirtschaft. Gerdes: „Unsere Arbeit ist sehr gefragt und es fällt auf, dass Interesse an Meereis-Vorhersagen inzwischen auch aus Sektoren kommt, von denen wir dies gar nicht gewohnt sind. Wirtschaftswissenschaftler oder Fischereibiologen wollen nun von uns wissen, wie sich das Meereis ändern wird.“
Die Klimaforscher engagieren sich deshalb gemeinsam mit 26 Partnern aus neun europäischen Ländern in dem neuen Projekt „ACCESS: Arctic Climate Change, Economy and Society“ (Arktischer Klimawandel, Wirtschaft und Gesellschaft). Aufgeteilt in fünf Arbeitsgruppen wollen die Forscher darin folgende drei Leitfragen beantworten: Wie werden sich Transport, Tourismus, Fischerei und Ressourcenausbeutung in der Arktis zukünftig gestalten? Welche Risiken für Natur und Mensch bergen diese Entwicklungen und mithilfe welcher Regelungen können diese Risiken begrenzt werden?

Die Klimawissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes setzen dabei auf ihre Kernkompetenzen. Sie liefern den anderen ACCESS-Projektpartnern Klimabeobachtungen, Modellberechnungen und Meereis-Prognosen. Diese Vorhersagen und Klimaszenarien beruhen zum einen auf Satellitendaten; zum anderen auf Eisbeobachtungen und Dickenmessungen, welche die Forscher bei ihren regelmäßigen Expeditionen in die Arktis machen.

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Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Sonntag 26. Juni 2011 von birdfish

Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Zentrum für Material- und Küstenforschung, folgt dem Leitsatz ‘Wissen schafft Nutzen’.
In diesem Sinne erarbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Forschungszentrums wissenschaftliche Erkenntnisse und entwickeln daraus konkrete Nutzungsoptionen für Gegenwart und Zukunft.

Als Mitglied der Wissenschaftsorganisation ‘Helmholtz-Gemeinschaft’, leistet das Helmholtz-Zentrum Geesthacht mit seinen langfristig angelegten Schwerpunkten Werkstoff- und Küstenforschung substanzielle Beiträge zur Klärung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.

Für klima-media ist insbesondere das Institut für Küstenforschung von Interesse. Der Lebensraum Küste steht unter permanentem Druck kurz- und langfristig veränderlicher natürlicher Prozesse, wie etwa Erosion oder Wasserspiegelanstieg durch einen möglichen Klimawandel.

Eine ebenso bedeutende Rolle spielt der Einfluss menschlicher Aktivitäten wie Transport, Landnutzung, Tourismus usw. Die Küstenforschung entwickelt die Werkzeuge, Analysen und Szenarien für ein Management dieser empfindlichen Landschaft durch Wandel und Anpassung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Die Forschungsaktivitäten des Instituts erstrecken sich sowohl auf naturwissenschaftliche als auch auf gesellschaftliche Aspekte im regionalen und globalen Kontext. Aus Untersuchungen des aktuellen Zustands des Lebensraums Küste sowie seiner Empfindlichkeit gegenüber natürlichen und menschlichen Einflüssen werden Szenarien künftiger Optionen abgeleitet.

Website des Helmholtz-Zentrum Geesthacht


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Küsten in arktischen Dauerfrostgebieten reagieren auf Klimawandel mit Erosion

Mittwoch 27. April 2011 von birdfish

Die Küstenlinie in arktischen Dauerfrostgebieten reagiert auf den Klimawandel mit verstärkter Erosion und zieht sich im Durchschnitt um einen halben Meter pro Jahr zurück.

Permafrostböden tauen, Küsten brechen ab
Schnelles und großräumiges Auftauen eisreicher Permafrostböden lässt Küsten erodieren. Foto: Hugues Lantuit / AWI

Dies bedeutet große Veränderungen für die küstennahen arktischen Ökosysteme und die dort lebende Bevölkerung. Zu diesen Ergebnissen kommt ein Konsortium von mehr als dreißig Wissenschaftlern aus zehn Ländern, unter ihnen Forscher vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft und vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Gemeinsam wurden mehr als 100.000 Kilometer und damit ein Viertel aller arktischen Küsten untersucht und diese Ergebnisse wurden jetzt erstmalig veröffentlicht.

Besonders dramatisch sind die Veränderungen in der Laptev-, der Ostsibirischen und der Beaufortsee, in denen die Erosionsraten der Küsten zum Teil mehr als 8 Meter pro Jahr betragen. Da rund ein Drittel der weltweiten Küsten im arktischen Permafrost liegen, kann die Küstenerosion in Zukunft riesige Gebiete betreffen. Arktische Küsten reagieren generell empfindlicher auf die globale Erwärmung als die Küsten gemäßigter Breiten. Bisher wurden sie vor der erodierenden Kraft der Wellen durch ausgedehnte Meereisflächen geschützt. Durch den kontinuierlichen Rückgang des Meereises ist dieser Schutz gefährdet, und es muss mit schnellen Veränderungen der über Jahrtausende stabilen Situation gerechnet werden.

Zwei Drittel der arktischen Küsten bestehen nicht aus Fels, sondern aus gefrorenem Weichsubstrat (Permafrost). Und gerade solche Küsten sind besonders stark von Erosion betroffen. Zwar sind arktische Landstriche in der Regel nur dünn besiedelt. Wie nahezu überall in der Welt sind die Küsten aber auch im Hohen Norden wichtige Achsen für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben. Wachsender Bedarf an globalen Energieressourcen wie auch zunehmender Tourismus und Gütertransport verstärken den menschlichen Einfluss auf die Küstenregionen der Arktis zusätzlich. Für Wildtierbestände wie die großen Karibuherden des Nordens oder die weit verbreiteten Süßwasserseen in Küstennähe ändern sich die ökologischen Bedingungen mit fortschreitender Erosion erheblich.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Mehr als dreißig Wissenschaftler aus zehn Ländern waren an der Erstellung des 170 Seiten starken Zustandsberichts „State of the Arctic Coast 2010“ beteiligt. Initiiert und koordiniert wurde die Studie vom Internationalen Arktischen Wissenschaftsrat (IASC), dem internationalen Verbundprojekt „Land-Ocean Interactions in the Coastal Zone (LOICZ)“, der Internationalen Permafrost–Gesellschaft (IPA), sowie der Arbeitsgruppe „Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP)“ des Arktischen Rates.

„Dieser internationale und interdisziplinäre Bericht dokumentiert insbesondere auch das Interesse und die Expertise deutscher Wissenschaftler im Bereich der arktischen Küstenforschung“, sagt Dr. Volker Rachold, Exekutivsekretär des IASC. „Drei der an dem Bericht beteiligten internationalen Organisationen sind in Deutschland angesiedelt. Die Sekretariate von IASC und IPA befinden sich an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI). Das internationale Koordinationsbüro des LOICZ-Projektes wird vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) getragen und ist dort am Institut für Küstenforschung beheimatet. Die aktuelle Studie versteht sich unter anderem als internationaler und nationaler Beitrag zum gemeinsamen Forschungsprogramm der Helmholtz-Gemeinschaft „Polar Regions and Coasts in a Changing Earth System“ (PACES), das vom Alfred-Wegener-Institut und dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht getragen wird.

„Als die systematische Erfassung im Jahr 2000 begann, lagen nähere Informationen gerade einmal für 0,5% der arktischen Küsten in Dauerfrostgebieten vor“, sagt Dr. Hugues Lantuit vom Alfred-Wegener-Institut (AWI). Der Geologe von der AWI-Forschungsstelle Potsdam leitet gleichzeitig das internationale Sekretariat der IPA und gehört ebenfalls zu den Koordinatoren der Studie. „Nach mehr als zehn Jahren intensiver Arbeit haben wir nun einen umfassenden Überblick über deren Zustand und Erosionsgefährdung gewonnen“, so Lantuit. „Die Arktis entwickelt sich immer mehr zu einem Spiegel verschiedener Treiber des globalen Wandels und zum Zentrum überregionaler und weltweiter Wirtschaftsinteressen“, sagt Dr. Hartwig Kremer, Leiter des LOICZ-Projektbüros.

Originalpublikationen:
  • State of the Arctic Coast 2010 – Scientific Review and Outlook. Veröffentlicht online von IASC, LOICZ, IPA, und AMAP. Der Bericht stellt die empfindlichen Küsten in den Mittelpunkt der Betrachtungen und ist dadurch eine Fokussierung und ein „update“ der beiden vorausgehenden gesamtarktischen Berichte zu den Auswirkungen des Klimawandels „Arctic Climate Impact Assessment“ (ACIA, 2005) und den aktuellen gesellschaftlichen Prozessen „Arctic Human Development Report“ (AHDR, 2004). Es wird ein erstes interdisziplinäres Bild des wissenschaftlichen Verständnisses vom Zusammenspiel zwischen Mensch und der sich rasch verändernden Natur an den Küsten skizziert.
  • The Arctic Coastal Dynamics Database: A New Classification Scheme and Statistics on Arctic Permafrost Coastlines. In der Zeitschrift „Estuaries and Coasts“ des Springer-Verlags veröffentlicht (doi: 10.1007/s12237-010-9362-6).

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Klimawandelfolge: in Alpen und anderen Hochgebirgen drohen Hänge abzurutschen

Dienstag 12. April 2011 von birdfish

Doren im Bregenzerwald, Februar 2007: Auf einer Länge von 650 Metern bricht ein Hang weg, gewaltige Erdmassen rutschen in die Tiefe.

Videotachymeter erkennt Bewegungen natürlicher Ziele
Videotachymeter erkennt Bewegungen natürlicher Ziele – Foto: TUM Mitarbeiter / Forschungsgruppe alpEWAS

Die nächstgelegenen Wohnhäuser stehen nur unweit der 70 Meter hohen Abbruchkante. Die Beinahe-Katastrophe ist kein Einzelfall. Geologen haben in den vergangenen Jahren in den Alpen und anderen Hochgebirgen zunehmend labile Bodenmassen beobachtet, die an Hanglagen ins Rutschen geraten und auf einem stabilen Untergrund unaufhaltsam Richtung Tal gleiten. Als Ursache sehen die Wissenschaftler vor allem stärkere Regenfälle und Schneeschmelzen aufgrund des Klimawandels, die den Untergrund aufweichen und gleichzeitig schwerer machen.

Potenziell gefährliche Bergflanken zu identifizieren, ist nicht allzu schwierig. Viele sind schon seit Jahrhunderten instabil, Überlieferungen zeugen von früheren Unglücken. In den Alpenländern stehen zudem geologische Aufnahmen zur Verfügung, die Risikokandidaten verraten. Eine permanente Überwachung aller unruhigen Massen aber war bislang unmöglich. Um Bewegungen aufzuspüren, mussten Experten Sonden in Bohrlöcher einlassen und an der Oberfläche aufgestellte Markierungspunkte vermessen. Diese Geräte dauerhaft zu installieren, ist jedoch in der Regel schlichtweg zu teuer. So können die Kontrolleure nur in Abständen prüfen und gewinnen nur punktuelle Erkenntnisse über das Innenleben der Hänge.

Forscher der Technischen Universität München (TUM) und der Universität der Bundeswehr München haben nun Geosensoren entscheidend weiterentwickelt und mit einer Kontrollsoftware zu einem ebenso flexibel einsetzbaren wie kostengünstigen Frühwarnsystem verknüpft. Auch sie bohren an mehreren Stellen in den Untergrund. „Die Bohrlöcher bestücken wir aber mit ganz simplen Koaxialkabeln, wie man sie beispielsweise von Antennenkabeln kennt“, sagt Prof. Kurosch Thuro vom TUM-Lehrstuhl für Ingenieurgeologie. Die Wissenschaftler nutzen einen einfachen, aber effektiven Mechanismus: Gerät die obere Erdschicht ins Rutschen, wird das Kabel am Übergang zur unbeweglichen Schicht gequetscht. Ein kleines Übertragungsgerät an der Oberfläche registriert dies und leitet die Information weiter. Daneben verteilen die Ingenieurgeodäten der Bundeswehruniversität (Prof. Otto Heunecke) Sensoren über den Hang, deren Position mittels GPS bestimmt werden kann. Auch hier lag die Herausforderung darin, mit preiswerten Bauteilen „von der Stange“ eine Messgenauigkeit im Millimeterbereich zu erreichen, um schon kleinste Verschiebungen zu registrieren.

Als Drittes setzen die Wissenschaftler eine neue Generation von Messgeräten ein, sogenannte Videotachymeter, die mit Laserscanner und Kamera arbeiten. Musste man früher noch künstliche Reflektoren aufstellen, um Richtung, Entfernung und Höhe eines Ziels zu messen, erkennen die Geräte heute auch natürliche Ziele, beispielsweise Steine oder Baumstümpfe. Die Wissenschaftler haben nun den Prototypen eines Herstellers so programmiert, dass er auch Bewegungen beliebig vieler Ziele erkennt. Der Tachymeter zeichnet die Struktur etwa eines Felsens auf, vermisst diese regelmäßig neu und registriert dabei Veränderungen. „Wenn wir keine Reflektoren aufstellen müssen, sparen wir erneut Geld“, sagt Prof. Thomas A. Wunderlich vom TUM-Lehrstuhl für Geodäsie. „Und wir müssen nicht fürchten, dass sie von weidenden Kühen umgerannt werden.“

Mit diesen drei Komponenten knüpfen die Wissenschaftler ein dichtes Netz an Beobachtungspunkten über den Hang. Zusammengeführt werden die Daten in einer zentralen Datenbank. Das Gehirn des Systems wertet die Informationen zusammen mit weiteren Kennziffern aus, vor allem mit Wetterdaten. Dreieinhalb Jahre lang haben die Forscher ihre Entwicklung auf dem Sudelfeld im oberbayerischen Oberaudorf getestet. Dort bewegt sich eine Bergflanke und bedroht mehrere Almen und eine Bundesstraße. „Die Datenreihen zeigen uns eindrucksvoll, was der Hang durchlebt, wie sich Niederschlag und Frost bemerkbar machen, was mechanisch vor sich geht“, sagt Kurosch Thuro. „Wir verstehen jetzt viel mehr von dieser Bewegung.“

Einzelne Ereignisse können die Wissenschaftler deshalb besser beurteilen. Als beispielsweise der Hang im Mai 2010 innerhalb kurzer Zeit um vier Millimeter abrutschte, wussten sie, dass die auf den ersten Blick geringe Distanz für dieses Areal außergewöhnlich und deshalb besorgniserregend war. Mehr noch: Die Auswertung der Daten ermöglicht sogar Frühwarnungen, bevor der Hang sich überhaupt bewegt hat. „Weil wir nun wissen, wie sich dort Regenfälle auswirken, konnten wir einen Grenzwert festlegen“, erklärt Thuro. Überschreitet der Grundwasserdruck einen bestimmten Wert, schlägt das System Alarm. „Dann gibt es noch circa zweieinhalb Tage Zeit zwischen dem Anstieg des Pegels und einer Hangbewegung.“

Betroffene Kommunen können aus dem System einen unmittelbaren Nutzen ziehen, weil es ihnen die Daten ohne Umweg zur Verfügung stellt – übersetzt in verständliche Schaubilder und Erklärungen. Nach einer Frühwarnung können die Verantwortlichen je nach Gefahr Hänge sperren, den Verkehr umleiten oder Häuser evakuieren.

Die Forscher entwickeln nun das vom Bundesforschungsministerium und der DFG geförderte System unter dem Titel „Early Warning System for Alpine Slopes (alpEWAS)“ mit zwei Industriepartnern zur Marktreife. Erste Interessenten haben sich bereits gemeldet, in Doren ist ein Teil des Systems sogar schon im Einsatz. Nicht nur für die Anwender, auch für die Wissenschaft selbst verspricht sich Thuro deutliche Fortschritte: „Je mehr Hänge wir dauerhaft untersuchen, desto mehr verstehen wir größere Zusammenhänge zwischen einzelnen Ereignissen und dem Makroklima in den Gebirgen.“

Website des Projektes alpEWAS (engl.)

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Lufthansa: Pilotprojekt mit Bio-Kerosin – Flugzeuge nun mit Palmöl unterwegs?

Dienstag 1. Februar 2011 von birdfish

Mit schlechtem Beispiel voran: Die Lufthansa startet ein Pilotprojekt mit Bio-Kerosin.

Lufthansa mit Palmöl im Tank?
Lufthansa mit Palmöl im Tank? – Foto: Bert Bostelmann / Greenpeace

Ihr Lieferant Neste Oil steht international stark in der Kritik. Der Grund: Das umstrittene Unternehmen setzt für seinen Biosprit hauptsächlich Palmöl ein. Dieses soll zwar angeblich nachhaltig produziert sein – von welchen Plantagen die Ware stammt, bleibt aber unbekannt.

Ein halbes Jahr lang wird die Lufthansa in einem Pilotprojekt 800 Tonnen Bio-Kerosin auf der Strecke Hamburg-Frankfurt ins Triebwerk mischen. Die Zugabe von Palmöl im Sprit kann nicht ausgeschlossen werden. Das Problem: Nachhaltiges Palmöl kann nicht unbegrenzt produziert werden. Je höher die Nachfrage, desto größer der Druck, wertvolle Wälder und Wiesen in Ölpalmplantagen umzuwandeln. Das zerstört den Lebensraum gefährdeter Tiere und vernichtet bedrohte Pflanzenarten.

An der steigenden Nachfrage nach Palmöl ist Neste Oil maßgeblich beteiligt: Der finnische Mineralölkonzern baut riesige Biodiesel-Fabriken in Rotterdam und Singapur. Mit deren Fertigstellung etabliert sich der Konzern mit 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit zum größten Abnehmer von Palmöl.

Ob von nachhaltigen Plantagen oder nicht – mit der Massenabnahme des grünen Goldes trägt Neste Oil dazu bei, dass zum Beispiel Ölpalmen für Lebensmittel oder Kosmetika zukünftig auf Regenwaldflächen angebaut werden. Diese indirekten Landnutzungsänderungen stellen ein globales Problem dar, das allein durch die Zertifizierung von Biokraftstoffen nicht zu lösen ist. Kaum verwunderlich, dass Neste Oil bei der laufenden Publikumsabstimmung für den Public Eye Award ganz oben auf der Liste der übelsten Unternehmen des Jahres steht.

Bei der Lufthansa ist man über die Schattenseite ihres neuen Kooperationspartners informiert: Sie versucht immerhin, über Neste Oil den Palmölanteil durch Jatropha-Pflanzen zu ersetzen. Das funktioniert nur begrenzt – es gibt Lieferschwierigkeiten für die gewünschte Ware. “Der Trend weg vom Palmöl ist ein erster Schritt, bei dem Lufthansa versucht, die riesigen ökologischen und sozialen Probleme bei der Palmölproduktion nicht noch zu verschärfen”, erklärt Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace. “Die Jatropha-Produktion kann allerdings zu ähnlichen Problemen wie beim Ölpalmen-Anbau führen”, gibt Hölzel zu bedenken.

Agrar- und Biospritkonzerne argumentieren gerne, mit dem Anbau von Jatropha keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion zu verursachen. Diese wachse auf trockenen Flächen, auf denen kaum etwas andere gedeihe. “Firmen, die in großem Stil Biosprit auf den Markt bringen, sind trotzdem an fruchtbarem Land für den Jatropha-Anbau interessiert, weil das deutlich höhere Erträge bringt. Damit verdrängen sie letztendlich doch indirekt den Anbau von Nahrungspflanzen in den schützenswerten Regenwald”, so Hölzel.

Palmöl hat weder im Flugzeug- noch im Autotank etwas zu suchen. Klimafreundlicher Sprit kann derzeit nur aus Abfällen hergestellt werden. Die Alternative heißt: weniger Flugverkehr. Ob die Lufthansa auf der Zusammenarbeit mit Neste Oil beharren wird? Andere Unternehmen wie die DHL oder die Stuttgarter Verkehrsbetriebe haben ihre Pilotprojekte mit dem fragwürdigen Kooperationspartner auch aus ökologischen Gründen nicht verlängert. Solange Neste Oil nicht garantiert, dass sie kein Palmöl für die Produktion einsetzen, fordert Greenpeace alle Fluglinien, Autohersteller und Logistikunternehmer auf, keine Zusammenarbeit mit Neste Oil einzugehen.

Neu: Die Fluglinie Finnair, die auch mit Neste Oil über ein Pilotprojekt zu den gleichen Konditionen wie Lufthansa verhandelte, hat sich gerade gegen das Projekt entschieden. Finnair will Palmöl im Tank nicht akzeptieren. Lufthansa sollte sich ein Beispiel an der finnischen Airline nehmen.

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Die EU untersucht jetzt ihre negativen Umweltauswirkungen auf die Arktis

Montag 10. Januar 2011 von birdfish

Um ihre Umweltauswirkungen auf die Arktis zu reduzieren, hat die EU in einem ersten Schritt die von ihr verursachten Belastungen in dieser Region ermittelt.

Eisbären bald nur noch in Zoos?
Gibt es Eisbären bald nur noch in Zoos? – Foto: Tina / Pixelio

Die Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, Diana Wallis, stellte dazu den Bericht „Arktischer Fußabdruck und Politikbewertung der EU“ vor. Dem Bericht zufolge stellt sich die EU bereits einigen Herausforderungen, andere Auswirkungen müssen jedoch stärker berücksichtigt werden.

Der Klimawandel werde Gefährdungen für die biologische Vielfalt und die Einwohner der Arktis bringen und außerdem zu höheren Schadstoffbelastungen führen, kann aber auch wirtschaftliche Chancen in den Bereichen Schifffahrt, Fischerei und Tourismus bringen. Um langfristige Schäden zu vermeiden sind sowohl stärkere Umweltvorschriften in der EU nötig, als auch die Kooperation mit anderen Anrainerstaaten.

Der Bericht ist ein Teil der angestrebten „umfassenden Politikstrategie“ für die Arktis, die 2009 vom Rat angestoßen wurde.

Weiterführende Infos auf der Website zum Arktischen Fußabdruck “Arctic Footprint” (PDF)

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EU droht Fluglinien mit Landeverbot, die sich nicht am Emissionshandel beteiligen

Freitag 1. Oktober 2010 von birdfish

Fluglinien, die sich ab 2012 nicht am Emissionshandel beteiligen, könnten auf europäischen Flughäfen bald Schwierigkeiten bekommen.

Klimasünde Luftverkehr
Klimasünde Luftverkehr – Foto: Dagmar Struß

Die EU-Kommission droht unwilligen Fluggesellschaften mit einem Flug- und Landeverbot. Betroffen wären davon auch Linien aus Nicht-EU-Ländern.

Die flugbedingten Treibhausgasemissionen haben von 1990 bis 2012 um mehr als 150 Prozent zugenommen. Insgesamt beträgt der Anteil des Flugverkehrs am menschengemachten Klimawandel acht Prozent. In den höheren Luftschichten wirken die Klimagase besonders stark. Durch den Emissionshandel müssten Fluggesellschaften ihre Emissionen senken oder CO2-Zertifikate hinzukaufen. Die EU-Kommission schätzt, dass Tickets innerhalb der EU um maximal neun Euro und Langstreckenflüge um bis zu 40 Euro teurer würden.

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Die Tourismusbranche muss Verantwortung für den Schutz der Biodiversität übernehmen

Mittwoch 29. September 2010 von birdfish

Bettenburgen und Betonwüsten statt gesunder Küstenlandschaft am Mittelmeer, Golfplätze und Marinas statt artenreicher Feuchtgebiete und Mangrovenwälder – Massentourismus hinterlässt auf der ganzen Welt Narben in der Natur.

Palmenstrand
Palmenstrand – Foto: Jürgen Freund / WWF-Canon

Dabei ist der Wirtschaftszweig Tourismus direkt auf eine intakte Umwelt angewiesen. Für 80 Prozent der deutschen Urlauber ist das Erleben intakter Natur ein wichtiger Bestandteil der Ferien. Der WWF fordert den Ausbau nachhaltiger Tourismusangebote und ermahnt den Reisesektor seiner Verantwortung für die Umwelt gerecht zu werden.

„Die Auswirkungen des globalen Tourismus auf die Biodiversität und damit auf das größte Kapital der Branche sind offensichtlich“, sagt Birgit Weerts, Tourismusexpertin beim WWF. „Weltweit haben viele Meeres- und Küstenregionen mit den negativen Folgen einer verfehlten Entwicklung im Tourismus zu kämpfen. Aus diesen Fehlern muss die Branche lernen.“ Auch in der beliebtesten Tourismusdestination, dem Mittelmeer, scheint die Fehlentwicklung noch nicht gestoppt. An Marokkos Küsten sind nach WWF Angaben Investitionen geplant, um jährlich 10 Millionen Touristen zusätzlich ins Land zu locken. Notwendige Infrastrukturen wie Abwasserreinigung, Brauchwassernutzung und Müllentsorgung existieren dabei jedoch nicht. Verlierer dieses ungeregelten Wachstums könnte die vom Aussterben bedrohte Mönchsrobbe werden. Eine der Restpopulationen befindet sich vor Marokkos Atlantikküste. „Wir könnten eines der seltensten Säugetiere Europas verlieren, wenn die Betonwüste über das Mittelmeer hinaus wu-chert und die spärlichen Lebensräume der Mönchsrobbe auch hier verbaut werden“ warnt Birgit Weerts. „Wir brauchen verbindliche Mindeststandards für Planung, Bebauung und Erschließung neuer Tourismusgebiete.“

Gerade Orte mit besonders hoher biologischer Vielfalt sind meist für touristische Aktivitäten attraktiv – etwa Korallenriffe für den Tauchtourismus. Ein intaktes Korallenriff ist gleichzeitig Kinderstube für zahlreiche Fischarten, Heimat für einzigartige marine Lebensgemeinschaften und Umsatzbringer durch begeisterte Tauchtouristen. Mit Walbeobachtungen z.B. werden allein in Lateinamerika ca. 225 Millionen Euro im Jahr erwirtschaftet. „Die Natur stellt unentgeltlich die Geschäftsgrundlage für den Tourismus bereit, da sollte ein rücksichtsvoller Umgang mit der ökologischen Infrastruktur als selbstverständliche Investition gesehen werden“ so Weerts weiter.

WWF-Infos zu umweltverträglichem Tourismus

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