Dienstag 27. Juli 2010 von birdfish
Germanwatch spricht sich für die Einführung einer Steuer auf den Flugverkehr in Deutschland aus.
Flugverkehr muss adäquat besteuert werden – Foto: Arno Bachert / Pixelio
“Auch wenn die geplante Flugverkehrssteuer Defizite hat, ist zu begrüßen, dass der Flugverkehr endlich einen Teil seiner steuerlichen Privilegien verliert”, so Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch. “Selbst Grundnahrungsmittel sind mit mehr Mehrwertsteuer belastet als die davon komplett befreiten internationalen Flüge.”
Die Ticketsteuer sei jedoch zu kurz gedacht, denn ihr fehle die ökologische Lenkungswirkung. Sie sei mit der Ticketverteuerung aber ein erster Ansatz, um die Auswirkungen von Klimaerwärmung und Lärmbelästigung durch den Flugverkehr nicht mehr nur von der Allgemeinheit tragen zu lassen. Insgesamt entgingen dem Staat laut Umweltbundesamt durch die bevorzugte Behandlung des Luftverkehrs im Jahr 2008 Steuereinnahmen von 11,5 Milliarden Euro. Die Subventionierung des Flugverkehrs verzerrt den Wettbewerb zu Lasten der Bahn und anderer, umweltfreundlicherer Verkehrsmittel und sie stärkt die Marktposition des klimaschädlichsten Verkehrsträgers.
Die Flugverkehrssteuer hat auch eine soziale Komponente. “So ist die Flugverkehrssteuer eine der wenigen vorgeschlagenem Instrumente im Sparpaket, die auch zu einem großen Prozentsatz gerade die Besserverdienenden trifft. Wenn man auf sie verzichtet, wird an anderer Stelle zu Lasten der Schwächeren gekürzt oder sie werden auf anderem Wege zusätzlich besteuert “, erläutert der Germanwatch-Vorsitzende. Auch sollte sie auf jeden Fall nicht befristet, sondern unbefristet eingeführt werden. “Zunächst dient sie sicherlich nur zur Sanierung des Bundeshaushalts, doch in einem nächsten Schritt sollte zumindest ein Teil des Aufkommens in klima- und entwicklungspolitische Maßnahmen gelenkt werden”, so Milke weiter.
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Montag 28. Juni 2010 von birdfish
Umweltstaatssekretär Dr. Stefan Birkner und dem Vorsitzenden der Regierungskommission „Klimaschutz“, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, wurden jetzt im Hanse-Wissenschaftskolleg die „Hanse-Thesen“ überreicht.
Der Klimawandel schreitet auch in Deutschland voran – Fotobox / Pixelio
Birkner lobte, dass mit der interdisziplinären Diskussion ein neuer, auch bundesweit einzigartiger Weg in der Anpassungsdiskussion eingeschlagen worden sei. Klimapolitik und insbesondere Klimaanpassungspolitik seien komplexe Handlungsfelder, die politische Entscheider vor große Herausforderungen stellen. Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen müssten berücksichtigt werden, um zielgerichtet agieren zu können. Insbesondere die Übersetzung aktueller natur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse in den politischen Prozess erforderten innovative Ansätze.
Wie lassen sich die Ergebnisse und Perspektiven unterschiedlicher Disziplinen zusammenbringen und so formulieren, dass sie im politischen Prozess geeignet verwendet werden können?
Für die Erarbeitung einer niedersächsischen Klimaanpassungsstrategie sind die niedersächsische Landesregierung in Kooperation mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg und der im Jahr 2008 eingesetzten Regierungskommission „Klimaschutz“ einen neuen Weg gegangen. Ein unabhängiges, interdisziplinär zusammengesetztes Wissenschaftsgremium aus den Natur-, Ingenieur-, und Wirtschaftswissenschaften sowie den Sozial- und Rechtswissenschaften diskutierte im Hanse-Wissenschaftskolleg über mögliche Eckpunkte einer niedersächsischen Klimaanpassungsstrategie. An dem Workshop nahmen auch der niedersächsische Umweltstaatssekretär Dr. Stefan Birkner sowie acht weitere Vertreter aus den Niedersächsischen Ministerien für Umwelt und Klimaschutz, für Wissenschaft und Kultur sowie für den Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz teil. Die Einbindung der Ministerien sollte gewährleisten, die entwickelten Thesen so zu formulieren, dass sie möglichst effektiv in den politischen Prozess integriert werden können.
Das Ergebnis dieses Workshops zur Klimaanpassungsstrategie sind zwölf „Hanse-Thesen“, die eine aus wissenschaftlicher Perspektive wünschenswerte zukünftige niedersächsische Klimaanpassungspolitik beschreiben. „Die Hanse-Thesen liefern wertvolle Hinweise, um unser Land auf den Klimawandel angemessen vorbereiten zu können“ betonte Staatssekretär Dr. Birkner. „Sie sind vor allem aber auch Ergebnis einer bemerkenswerten neuen Form der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Politik und Verwaltung: sie schaffen eine Brücke, um wissenschaftliche Erkenntnisse für die Politik entscheidungs- und umsetzungsfähig zu machen“, hob der Staatssekretär hervor.
Die „Hanse-Thesen“ sollen der Landesregierung und der sie unterstützenden Regierungskommission „Klimaschutz“ Anstöße für ihre weitere Arbeit geben – insbesondere für die Formulierung eines umfassenden Klimaprogrammes der Landesregierung im Jahr 2012. Der Vorsitzende der Regierungskommission „Klimaschutz“, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, führte aus, „dass Klimawandel insofern auch eine neue politische Aufgabe darstellt, als die damit einhergehenden Veränderungen in alle gesellschaftlichen Bereiche hineinwirken wie z.B. Tourismus, Landwirtschaft und -für ein Küstenland wie Niedersachsen besonders wichtig – in den Hochwasser- und Küstenschutz. Für diese Aufgabe wird die Regierungskommission wichtige Impulse liefern. Die Hanse-Thesen bilden für unsere Arbeit eine entscheidende Grundlage“. Dies sah auch der Mitautor der Hanse-Thesen, Prof. Dr. Bernd Siebenhüner so, und ergänzte mit dem Hinweis auf den zu erwartenden weiteren Anstieg des Meeresspiegels, „dass die Klimaanpassung eine in Zukunft immer dringlicher werdende Aufgabe für die Gesellschaft und damit auch für politisches Handeln in Niedersachsen darstellt“.
Prof. Dr. Andreas Ernst, ebenfalls Mitautor der Hanse-Thesen, wies bei der Vorstellung darauf hin, dass die Klimaanpassungsstrategien einerseits eine enorme Herausforderung für bestehende Politik bedeuten, weil unter sehr hoher Unsicherheit belastbare Entscheidungen zu treffen sind und andererseits diese Politik alle Politikfelder betrifft, man also sektorenübergreifend tätig werden muss.
Prof. Dr. Reto Weiler, Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs und Moderator des Prozesses bot an, dass sich das Gremium in absehbarer Zeit wieder trifft, um die Nachhaltigkeit und Umsetzung der formulierten Thesen zu überprüfen. Für Staatssekretär Dr. Birkner ist dieser neu eingeschlagene Weg der Prüfung und Übernahme wissenschaftlicher Erkenntnisse in politisches Handeln eine sehr effektive Form der Zusammenarbeit: „Der Prozess, der am Hanse-Wissenschaftskolleg begonnen hat, soll auch Vorbild für die weitere Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft und Verwaltung sein. Wir werden im Zuge der weiteren Erarbeitung der Anpassungsstrategien in absehbarer Zeit einen vergleichbaren Austausch mit der Wissenschaft suchen, um unsere Überlegungen für die Anpassungsstrategien vor dem Hintergrund der sich stetig erweiternden Erkenntnisse über den Klimawandel kontinuierlich zu überprüfen und zu konkretisieren. Hierfür ist das Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst genau der richtige Ort.“
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Mittwoch 23. Juni 2010 von birdfish
Der Umweltministerrat hat gefährdete Mitgliedstaaten aufgefordert, dringend Risikomanagementpläne für Wasserknappheit und Dürre zu erstellen.
Dürre und Überschwemmungen nehmen auch in Europa zu – Foto: Dagmar Struß
Er rief dazu auf, mit Wasser effizienter umzugehen. Denn Wasserknappheit und Dürren gehöre in vielen Teilen Europas zunehmend zu den großen Problemen. Wenn keine geeigneten Gegenmaßnahmen getroffen würden, werden der Klimawandel und der steigende Wasserbedarf die Lage noch verschärfen.
Die Umweltminister befürworteten in ihren Schlussfolgerungen konkret die Weiterentwicklung der europäischen Dürrebeobachtungsstelle. Sie soll Dürren vorhersagen, beurteilen und überwachen und den Austausch bewährter Verfahren fördern. Durch die Kombination verschiedener Ansätze wie Wasserpreis, intelligentere Bewässerungsmethoden, Wassereffizienz in Gebäuden, Landwirtschaft, Industrie und Tourismus sowie Sensibilisierungskampagnen soll nach dem Willen des Rates mehr Wasser gespart und das Wassernachfragemanagement gefördert werden. Weiterhin will der Umweltrat Investitionen in die Entwicklung neuer nachhaltiger Technologien für die Versorgung mit sauberem Wasser fördern.
Darüber hinaus verabschiedete der Umweltrat Schlussfolgerungen zur Anpassung von Wäldern an den Klimawandel. Darin rufen sie auf, die Kooperation zu nachhaltiger Forstwirtschaft zwischen der EU und der internationalen Ebene zu stärken und das Thema stärker in andere Politikbereiche zu integrieren.
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Donnerstag 11. März 2010 von birdfish
Die bevorstehende Konferenz der Anrainerstaaten des Wattenmeeres am 17. und 18. März auf Sylt hat nicht nur Grund zum Feiern.
Kind im Watt – (c) Ingwer Hansen
Auch nach Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe durch die UNESCO sieht der WWF viele ungelöste Probleme. Es drohe eine weitere Industrialisierung des Wattenmeeres durch Kohlekraftwerke, Ölförderung und übertriebenen Hafenausbau. Die Fischerei auf Muscheln und Krabben sei noch nicht naturverträglich. Das Risiko von großen Schiffsunfällen mit dem Austritt von Öl oder Chemikalien wachse. Und der durch den Klimawandel beschleunigt ansteigende Meeresspiegel bedrohe das Wattenmeer auf lange Sicht sogar in seiner Substanz. Der Bundestag müsse deshalb wichtige Weichen für die Zukunft des Wattenmeeres stellen.
„Wir müssen heute beginnen, die Anpassung des Wattenmeeres an den Klimawandel vorzubereiten“ sagte Hans-Ulrich Rösner, Projektleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland. „Dazu brauchen wir Forschungsarbeiten und Pilotprojekte, die zeigen, wie der künftige Schutz der Menschen vor Sturmfluten mit dem Erhalt der einmaligen Wattenmeerlandschaft auch bei steigendem Meeresspiegel in Einklang gebracht werden kann.“
Besonders kurz greifen die Konferenzvorbereitungen beim Thema Schiffssicherheit. Auch weiterhin soll das von der Internationalen Schifffahrtsorganisation im Jahr 2002 ausgewiesene „Besonders Empfindliche Meeresgebiet“ (PSSA) nur das Wattenmeer selbst umfassen - ausgerechnet die Schifffahrtsrouten bleiben ausgenommen. „Die Schifffahrts- und Umweltministerien müssen endlich miteinander ins Gespräch kommen. Wir brauchen ein gemeinsames Konzept zur Vorbeugung gegen Schiffsunfälle, um die einmalige Wattenmeer-Natur, aber auch die Tourismuswirtschaft an der Nordsee vor den Folgen von Öl- und Chemikalienaustrittten schützen zu können“ fordert Rösner.
Beim Thema Bildung drohen bei der Wattenmeerkonferenz sogar Rückschritte. Zwar haben die drei Wattenmeerstaaten in den letzten Jahren mit der „Internationalen Wattenmeerschule“ ein vorbildliches Programm entwickelt. Mit ihm wurden Klassenfahrten in das Wattenmeer der Nachbarländer unterstützt und zahlreiche Hilfestellungen für die Informations- und Bildungsarbeit im Wattenmeer entwickelt. Ein ganzes Netzwerk von Infozentren in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden kann so erfolgreicher arbeiten. „Doch ausgerechnet kurz nach der Anerkennung als Weltnaturerbe, die doch eigentlich ein Mehr an Bildungsarbeit erfordert, droht nun die finanzielle Aushungerung,“ sagt Rösner. „Der WWF fordert von der Wattenmeerkonferenz eine Fortsetzung und Ausweitung der Aktivitäten der Internationalen Wattenmeerschule.“
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Montag 8. März 2010 von birdfish
Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus, riesige Wirtschaftzweige sind auf eine intakte Natur angewiesen.
Arbeitsleistung der Bienen auf ca. vier Milliarden Dollar im Jahr geschätzt – (c) Dagmar Struß
Wissenschaftler schätzen, dass die Natur Jahr für Jahr ein Bruttosozialprodukt von 32 Billionen Dollar erwirtschaftet. „Angesichts dieser Dimensionen wird klar, dass es beim Schutz der biologischen Vielfalt nicht um Peanuts geht“, betont Günter Mitlacher vom WWF Deutschland. „Beim Artenschutz steht nicht allein die Rettung der Köcherfliege, sondern das Überleben der Menschheit auf dem Spiel.“ Der WWF fordert die wirtschaftliche Bedeutung der Natur stärker zu betonen und umweltzerstörerische Subventionen abzubauen.
„Will man den finanziellen Wert der Natur abschätzen, so ist das eine Gleichung mit vielen Unbekannten“, räumt Mitlacher ein. Breche man diese Gleichung auf einzelne Bereiche herunter, werde das Bild klarer. Allein die Leistung der Bienen als Produzenten von Honig und in Ihrer Rolle als Bestäuber zahlreicher Nutzpflanzen könne man auf etwa vier Milliarden Dollar im Jahr hochrechnen. Ein anderes Beispiel: Intakte Korallenriffe. Sie schützen die Küsten vor Sturmfluten und gelten als Kinderstube ungezählter Fischarten. Addiert man zu diesen Leistungen der Riffe die Einnahmen aus dem Tauchtourismus, so gehen Ökonomen von einer jährlichen wirtschaftlichen Leistung in Höhe von 170 Milliarden Dollar aus.
Der WWF betont, dass sich auch Investitionen in Naturschutzprojekte oft doppelt und dreifach auszahlen. Schätzungen zufolge könnte allein die Ausweisung von Meeresschutzgebieten eine Million Arbeitsplätze schaffen. Die Maßnahmen würden zugleich Fischerträge von 70 bis 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr sowie Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,5 bis 6,7 Billionen US-Dollar erbringen. Die Säuberung von Böden und Wasser, die Speicherung von Kohlendioxid durch Wälder und Ozeane oder die Bereitstellung von Medikamenten, die auf natürlichen Inhaltsstoffen beruhen, seien im Grunde unbezahlbar.
Auf vielen politischen Ebenen habe sich diese Erkenntnis leider noch nicht durchgesetzt, beklagt der WWF. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten friste der Artenschutz ein Schattendasein. Überfällige Investitionen in die ökologische Infrastruktur, etwa in die Renaturierung von Flußauen oder die Anlage von Naturwäldern werden als Luxus abgestempelt und verschleppt. Stattdessen klammere man sich an überholte Konzepte. Bestes Beispiel sei eine völlig verfehlte Subventionspolitik in der EU.
Der WWF Deutschland fordert den drastischen Abbau Umwelt zerstörender Subventionen z.B. für die Landwirtschaft und die Fischerei. Aktuellen Studien zufolge fließen weltweit Jahr für Jahr 670 Milliarden Euro an Staatshilfen in Branchen, die wesentlichen Anteil an der Zerstörung der Natur haben. „Diese Geldverschwendung muss gestoppt und die Vergabe der Mittel an ökologische Kriterien geknüpft werden, um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu fördern“, so Günter Mitlacher vom WWF.
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Mittwoch 24. Februar 2010 von birdfish
Der Hamburger Senat hat nun doch noch beschlossen, auch das Wattenmeer der Freien Hansestadt als UNESCO-Weltnaturerbe melden zu wollen.
Kind im Watt – (c) Ingwer Hansen
Das Gebiet des niederländischen, niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Wattenmeeres war bereits im Juni vergangenen Jahres von der UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt worden. Hamburg hatte sich im Januar 2008 jedoch aufgrund von Konflikten im Senat aus der gemeinsamen Anmeldung ausgeklinkt. Seitdem liegt das hamburgische Wattenmeer mit den Inseln Neuwerk und Scharhörn wie eine Exklave inmitten des Weltnaturerbes. „Seit 1990 ist das Hamburger Wattenmeer Nationalpark. Dieser hat es verdient, auch Teil des Weltnaturerbes zu werden“, sagte Hans-Ulrich Rösner, Projektleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland. Die Umweltschutzorganisation rechnet allerdings damit, dass die Hamburger Watt-Region erst in einigen Jahren den Weltnaturerbe-Status erhalten kann.
Konkret würde ein Anschluss des hamburgischen Wattenmeeres an das fast 10.000 Quadratkilometer große Weltnaturerbe dieses um rund 1,4 Prozent erweitern. Allerdings fehlt neben dem hamburgischen Teil auch noch das dänische Wattenmeer. „Dänemark will sein Wattenmeer in diesem Jahr zum Nationalpark ernennen. Danach sollte es dann baldmöglichst einen Antrag bei der UNESCO geben, das Weltnaturerbe um den dänischen und den hamburgischen Teil des Wattenmeeres zu erweitern“, forderte Rösner. Erst dann sei das große Ziel erreicht, das gesamte Wattenmeer als UNESCO-Welterbe gesichert zu haben.
Die Anerkennung als Weltnaturerbe im Juni 2009 durch die UNESCO erfolgte aufgrund der Einzigartigkeit des Wattenmeeres auch im globalen Vergleich. Dazu gehören die weltweit größten Wattgebiete, die anhaltenden geologischen Veränderungen sowie die Artenvielfalt. So ist das Wattenmeer Drehscheibe für den Zug von rund 10 Millionen Wat- und Wasservögeln aus einem arktischen Einzugsgebiet, welches von Nordost-Kanada bis Nord-Sibirien reicht. Die Anerkennung hatte der Region eine hohe Aufmerksamkeit gebracht. Auch die Tourismuswirtschaft war begeistert, erhofft man sich davon doch eine wirtschaftliche Stabilisierung. Doch mehr Gäste können auch ein Risiko für die Natur sein, und so empfahl die UNESCO gleichzeitig mit der Anerkennung, eine Strategie für einen umweltverträglichen Tourismus im Wattenmeer entwickeln. Erste Schritte hierzu sind gemeinsam mit der Tourismuswirtschaft erfolgt und der WWF erwartet von der im März auf Sylt stattfindenden internationalen Wattenmeerkonferenz hierfür Unterstützung.
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Dienstag 26. Januar 2010 von birdfish
Die erste neue Verordnung des Jahres 2010 in Russland hat es in sich.
Baikalrobbe am Baikalsee in Sibirien. – (c) Vadim Kantor / Greenpeace
Die russische Regierung hat die Wiedereröffnung einer umstrittenen Papier- und Zellstofffabrik am Ufer des Weltnaturerbes Baikalsee erlaubt. Das Werk war 2008 wegen Umweltbedenken geschlossen worden. Darüber hinaus dürfen in Zukunft auch alle Arten von Müll und Giftabfällen in der Region um den See herum deponiert oder verbrannt werden.
Die Zellstofffabrik Baikalsk Pulp And Paper Mill (BPPM) ist hauptverantwortlich für die Verschmutzung des Baikalsees. Rund vier Jahrzehnte lang leitete sie dort ihre giftigen Abwässer ein – lange Zeit sogar ungefiltert. Greenpeace und andere Umweltverbände haben jahrelang unter schwierigen politischen Bedingungen für das Kronjuwel Russlands gekämpft. Nicht zuletzt diesem Einsatz ist es zu verdanken, dass der Baikalsee 1996 zum Weltnaturerbe ernannt wurde. Dieser Titel steht jetzt auf dem Spiel.
Die erneute Zulassung der BPPM erfolgt ohne zeitliche Begrenzung, ohne Auflagen hinsichtlich der Menge und der Art der eingeleiteten Substanzen. Die russischen Greenpeace-Experten sind überzeugt, dass damit kurzfristige Interessen der Fabrikeigentümer befriedigt werden sollen. In früheren Zeiten war die Stadt Baikalsk eng mit dem Werk verbunden. Viele der Einwohner verdienten sich dort ihren Lebensunterhalt.
Das hat sich geändert. Die letzten Jahre der Fabrik waren gezeichnet von wirtschaftlichen und ökologischen Problemen. Veraltete Produktionsmittel, das Damoklesschwert der Schließung, regelmäßige Verzögerungen bei den Gehalts- und Abgabenzahlungen machten das Werk zu einem unzuverlässigen Kandidaten. Längst haben die Menschen sich nach anderen Arbeitgebern umgesehen. Die meisten haben eine Anstellung gefunden. Als die Schließung dann tatsächlich erfolgte, blieb der Entrüstungssturm in der Bevölkerung, mit dem die BPPM-Eigentümer immer gedroht hatten, aus.
Felsen und Uferlinie der Olchoninsel im Baikalsee. Die Region gehört zum Pribaikalski-Nationalpark. – (c) Takeshi Mizukoshi / Greenpeace
Inzwischen wird die Zukunft der Region im Tourismus gesehen. Die Voraussetzungen dafür sind hervorragend. Der Baikalsee ist in seiner Art einzigartig. Er ist der größte Süßwassersee der Welt und über 1.600 Meter tief. Sein Wasserinhalt umfasst zwanzig Prozent der weltweiten Süßwasserreserven. Mit einer Fläche von 23.000 Quadratkilometern ist er viermal so groß wie der Bodensee. Er ist zudem Heimat der Baikalrobbe, die es nirgendwo sonst gibt. Wie die Robben einst vom offenen Meer zu diesem Binnensee gelangt sind, weiß bis heute niemand.
Tourismus und nachhaltige Entwicklung vertragen sich nicht mit dem, was die Regierung mit Erlass Nr. 1 in Gang gesetzt hat. Greenpeace hofft nun auf den russischen Präsidenten Dimitri Medwedew. In einem offenen Protestbrief fordern sie ihn auf, sich für den Schutz des Sees einzusetzen.
Der Brief kann von jedem unterschrieben und per E-Mail an Medwedew gesendet werden.
Wikipedia zum Baikalsee
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Sonntag 10. Januar 2010 von birdfish
Die Gemeinde Bad Zurzach im Schweizer Kanton Aargau hat die Baubewilligung für eine Agrosprit-Anlage erteilt.
Jatropha-Blüten – (c) Frank Vincentz / Wikipedia
Die Green Bio Fuel Switzerland AG will auf einem ehemaligen Industriegelände zukünftig 130 Millionen Liter Agrosprit pro Jahr produzieren. Green Bio Fuel Switzerland lockt mit der Aussicht, dass auf diese Weise 200.000 Tonnen CO2 eingespart werden könnten. Das allein würde ausreichen, um 10 Prozent der Schweizer Verpflichtungen aus dem Kyoto Protokoll zu erfüllen. Gemeindeammann Franz Nebel freut sich über die neuen Arbeitsplätze. Die Gefahr eines Imageschadens sieht er nicht, ist die Industrieanlage doch ausreichend weit vom Kurzentrum des Ortes entfernt. Bad Zurzach soll auch zukünftig mit „Wellness, Gesundheit und Tourismus“ verbunden werden, wie es sich die Marketingstrategen vor Ort wünschen. Was würden sie wohl sagen, wenn Bad Zurzach zukünftig für „Umweltzerstörung, Landnahme und Hunger“ steht? Denn all das sind die Folgen der geplanten Agrosprit-Anlage.
In der Bad Zurzacher Anlage soll auch aus der Jatropha-Pflanze „Bio-Diesel“ gewonnen werden. Angebaut wird dieser „nachwachsende Rohstoff“ in Mosambik. Niemand scheint sich bisher darüber Gedanken gemacht zu haben, welche Folgen eine Schweizer Agrosprit-Anlage für das afrikanische Land hätte. Dort geht es weniger um Imageschäden, als ums nackte Überleben.
33 Millionen Hektar, das sind 40 Prozent der gesamten Landesfläche von Mosambik, sollen zukünftig nachwachsende Rohstoffe für Bio-Sprit in Europa liefern. Die Landwirtschaft – Mosambiks größter Wirtschaftsfaktor – wird sich vollständig umstrukturieren. Der Anbau von Lebensmitteln wird immer weiter zurückgedrängt werden, um Felder für den Agrosprit-Rohstoff frei zu machen. Schon im vergangenen Jahr hat das Welternährungsprogramm der UN in 7 von 11 Provinzen Mosambiks Ernährungsunsicherheit vorausgesagt. Aufgrund schlechter Ernten droht bis zu 350.000 Menschen Hunger.
Um neue Flächen für die Monokulturen zu gewinnen, wird Tropenwald gerodet. Die einzigartige Vielfalt dieses Waldes und der Lebensraum vieler kleiner Dorfgemeinschaften werden rücksichtslos von den Konzernen zerstört. Dass dabei weit mehr CO2 freigesetzt wird, als die Schweiz später mit dem Einsatz des Agrosprits einspart, findet sich in keiner Rechnung wieder. Eine wissenschaftliche Studie aus dem Sommer 2009 widerlegt weitere positiven Eigenschaften, welche die Jatropha-Pflanze für Mosambik zugeschrieben werden. – Die Jatropha-Pflanze braucht selbst auf relativ fruchtbaren Böden noch Wasser. In Mosambik sind fruchtbare Böden schon jetzt knapp. – Um die geplanten Ernteerträge einzufahren, muss Tropenwald zerstört und durch Plantagen ersetzt werden. – Die Jatropha-Pflanze ist kein wirtschaftliches Erfolgsmodell für die Bauern, da sie ein hohes Risiko tragen und von den Konzernen abhängig sind. – Die Rechte der Dorfgemeinschaften sind schon jetzt stark beeinträchtigt worden. Die Landrechte werden immer weiter beschränkt, damit Konzerne günstige Rahmenbedingungen vorfinden.
Hier findet sich die komplette Studie (PDF, engl.).
Wenn Sie den Protest der Organisation “Rettet den Regenwald” unterstützen möchten, so können Sie das auf deren Website tun.
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