KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Die Tourismusbranche muss Verantwortung für den Schutz der Biodiversität übernehmen

Mittwoch 29. September 2010 von birdfish

Bettenburgen und Betonwüsten statt gesunder Küstenlandschaft am Mittelmeer, Golfplätze und Marinas statt artenreicher Feuchtgebiete und Mangrovenwälder – Massentourismus hinterlässt auf der ganzen Welt Narben in der Natur.

Palmenstrand
Palmenstrand – Foto: Jürgen Freund / WWF-Canon

Dabei ist der Wirtschaftszweig Tourismus direkt auf eine intakte Umwelt angewiesen. Für 80 Prozent der deutschen Urlauber ist das Erleben intakter Natur ein wichtiger Bestandteil der Ferien. Der WWF fordert den Ausbau nachhaltiger Tourismusangebote und ermahnt den Reisesektor seiner Verantwortung für die Umwelt gerecht zu werden.

„Die Auswirkungen des globalen Tourismus auf die Biodiversität und damit auf das größte Kapital der Branche sind offensichtlich“, sagt Birgit Weerts, Tourismusexpertin beim WWF. „Weltweit haben viele Meeres- und Küstenregionen mit den negativen Folgen einer verfehlten Entwicklung im Tourismus zu kämpfen. Aus diesen Fehlern muss die Branche lernen.“ Auch in der beliebtesten Tourismusdestination, dem Mittelmeer, scheint die Fehlentwicklung noch nicht gestoppt. An Marokkos Küsten sind nach WWF Angaben Investitionen geplant, um jährlich 10 Millionen Touristen zusätzlich ins Land zu locken. Notwendige Infrastrukturen wie Abwasserreinigung, Brauchwassernutzung und Müllentsorgung existieren dabei jedoch nicht. Verlierer dieses ungeregelten Wachstums könnte die vom Aussterben bedrohte Mönchsrobbe werden. Eine der Restpopulationen befindet sich vor Marokkos Atlantikküste. „Wir könnten eines der seltensten Säugetiere Europas verlieren, wenn die Betonwüste über das Mittelmeer hinaus wu-chert und die spärlichen Lebensräume der Mönchsrobbe auch hier verbaut werden“ warnt Birgit Weerts. „Wir brauchen verbindliche Mindeststandards für Planung, Bebauung und Erschließung neuer Tourismusgebiete.“

Gerade Orte mit besonders hoher biologischer Vielfalt sind meist für touristische Aktivitäten attraktiv – etwa Korallenriffe für den Tauchtourismus. Ein intaktes Korallenriff ist gleichzeitig Kinderstube für zahlreiche Fischarten, Heimat für einzigartige marine Lebensgemeinschaften und Umsatzbringer durch begeisterte Tauchtouristen. Mit Walbeobachtungen z.B. werden allein in Lateinamerika ca. 225 Millionen Euro im Jahr erwirtschaftet. „Die Natur stellt unentgeltlich die Geschäftsgrundlage für den Tourismus bereit, da sollte ein rücksichtsvoller Umgang mit der ökologischen Infrastruktur als selbstverständliche Investition gesehen werden“ so Weerts weiter.

WWF-Infos zu umweltverträglichem Tourismus

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Natur- und Landschaftszerstörung sprechen gegen die Winterspiele 2018 in München

Mittwoch 15. September 2010 von birdfish

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) ist aus der Fachkommission Umwelt der Bewerbungsgesellschaft München +2 für die Olympischen Winterspiele 2018 ausgeschieden.

Olympia 2018 in München ist umstritten
Olympia 2018 in München ist umstritten – Foto: Robert Köhn / Pixelio

„Wir halten nach sorgfältiger Prüfung der Bewerbungsunterlagen und zwei ausführlichen Gesprächen mit führenden Vertretern der Bewerbungsgesellschaft, dem Generalsekretär Michael Vesper und dem Präsidenten des DOSB Thomas Bach die Durchführung der Spiele in Garmisch-Partenkirchen mit seinen engen Gebirgstälern und ökologisch bedeutsamen Flächen für nicht verantwortbar“, betonte Hartmut Vogtmann, Vizepräsident und Delegationsleiter des DNR.

Mit dem Ausstieg des DNR aus der Fachkommission Umwelt der Bewerbungsgesellschaft dürften sich die Chancen von München als einer von drei Kandidaten für die Olympischen Winterspiele 2018 nach Ansicht des DNR deutlich verringern. Bisher wähnte sich München gerade wegen der Betonung des Umweltschutzes im Vorteil gegenüber den Mitbewerbern Annecy (Frankreich) und Pyeongchang (Südkorea).

„Natur- und Landschaftszerstörung im Oberland in Zeiten des Klimawandels, fehlende Transparenz und explodierende Kosten, für all das steht inzwischen München 2018“, sagte Sebastian Schönauer vom DNR und Bund Naturschutz in Bayern.

Es sei bezeichnend, dass die Bewerbungsgesellschaft bis heute den Umfang der sog. Funktionsflächen für Medien, Zuschauer und Athleten nicht genau beziffern kann. „Schlimm sind vor allem die vorgesehenen und teilweise bereits erfolgten Eingriffe beim Ausbau der Kandahar-Abfahrt und der Weltcup Strecke Gudiberg mit ihren besonders geschützten Biotopen“, listete Generalsekretär Helmut Röscheisen auf. Die versprochene Einrichtung eines Biosphärenreservates als Ausgleichsmaßnahme habe sich wegen der unprofessionellen Vorgehensweise der Bewerbungsgesellschaft als bloße Luftblase entpuppt, so der DNR.

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Ohne sofortigen Ausbau der Stromnetze scheitert Ausbau Erneuerbarer Energien

Dienstag 31. August 2010 von birdfish

Die Erhöhung des Anteils der regenerativen Energie am Energiemix Deutschlands ist ausgemachte Sache.

Windenergie ist auf Ausbau des Stromnetzes angewiesen
Windenergie ist auf Ausbau des Stromnetzes angewiesen – Foto: Dagmar Struß

Eine Schlüsselfunktion kommt dabei der on- und offshore erzeugten Windenergie zu. Damit die Windenergie zum Verbraucher gelangen kann, muss das bestehende Stromnetz erheblich ausgebaut werden, sonst sind die ehrgeizigen energiepolitischen Ziele nicht zu erreichen, sagen Wissenschaftler der Universität Rostock. „Es muss möglichst sofort mit dem Ausbau der Übertragungsnetze, mit denen der Strom aus dem Norden in die südlichen Industriezentren und in die bevölkerungsreichen Regionen Deutschlands geleitet werden kann, begonnen werden“, erklärt Christian Ziems, Doktorand bei Prof. Dr. Harald Weber, Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgung der Universität Rostock, der zu dem Thema seit Jahren forscht. Über den Verlauf der dazu erforderlichen Trassen gibt bereits die DENA-I-Studie Auskunft. „Wenn der Netzausbau in den nächsten fünf Jahren nicht voranschreitet und den bereits entstandenen Rückstand aufholt, dann können die Ziele der Bundesregierung nicht erfüllt werden“, prophezeit Ziems.

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber wie 50Hertz Transmission GmbH haben das Problem erkannt. „Es gibt aber massiven Widerstand in der Bevölkerung gegen den Freileitungsbau“, sagt Ziems. Und dass, obwohl die alternative unterirdische Kabeltechnologie um etwa das Zehnfache teurer wäre. „Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.“

Die Bundesregierung will bis Ende September 2010 die Eckpunkte der deutschen Energiepolitik in einem Konzept vorlegen. Derzeit ist das Energieversorgungsnetz in Deutschland so konzipiert, dass man verbrauchernah in großen Kraftwerken Strom erzeugt. In Zukunft muss aber beispielsweise durch verbraucherferne Offshore-Windparks auf dem Meer über große Entfernungen die Energie zum Verbraucher geführt werden. „Solange es keine zusätzlichen Großspeichertechnologien gibt und die Einspeiseleistung der regenerativen Erzeugungsanlagen niedriger ist als der aktuelle Verbrauch, muss es zur Ausregelung der Windenergie konventionelle Kraftwerkstechnik als Übergangstechnologie ins regenerative Energiezeitalter geben“, sagt Ziems. Denn die Menschen und die Wirtschaft mit ihren Verbrauchsgewohnheiten sind das Maß aller Dinge für die Strombereitstellung und nicht der willkürlich einspeisende Wind.

Das Institut für Elektrische Energietechnik an der Universität Rostock unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Harald Weber geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 in Deutschland die Einspeisung von Windenergie an Land bis zu 37 Gigawatt und durch Offshoreanlagen auf See bis zu 14 Gigawatt betragen wird. Hierbei wird Mecklenburg-Vorpommern mit etwa 2,8 Gigawatt onshore und etwa 3,0 Gigawatt offshore zur Windeinspeisung beitragen. „In Mecklenburg-Vorpommern wird bei guten Windlagen mehr Energie erzeugt, als verbraucht wird“, sagt Weber. Da der Verbrauch in Mecklenburg-Vorpommern heute zwischen 400 und 1100 Megawatt schwankt und die Verbrauchszuwächse eher gering eingeschätzt werden, wird sich das Bundesland an windreichen Tagen zum Energie-Exporteur entwickeln. Mit den derzeit bestehenden Übertragungskapazitäten können die hohen Einspeisungen aus regenerativer Energie aber nicht abtransportiert werden. Für den Fall, dass das Netz nicht ausreiche, müssten dann Windkraftanlagen abgeschaltet werden. „Das wäre unter Umweltgesichtspunkten paradox”, so Prof. Weber, „denn jede Megawattstunde Windenergie – die einem 100-Liter-Tank Benzin entspricht – wird völlig CO2-frei erzeugt“.

Erneuerbare Energien aus Wind, Sonne, Wasserkraft oder Erdwärme tragen heute mit rund 16 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland bei. Bis 2050, so das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, soll Deutschland zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt werden. Eine wichtige Rolle wird dabei die Windkraft spielen. Mecklenburg-Vorpommmern ist bundesweit der Vorreiter, da hier bereits 2009 die Hälfte des Stromverbrauchs regenerativ erzeugt wurde, auch wenn das Land zu den Bundesländern mit verhältnismäßig niedrigem Gesamtverbrauch zählt. In den fünf neuen Bundesländern befindet sich fast die Hälfte aller Windkraftanlagen Deutschlands.
Christian Ziems stören die vielen Windräder am weiten Mecklenburger Horizont nicht. „Für mich ist entscheidend, dass hier umweltfreundliche elektrische Energie erzeugt wird. Es entstehen keine CO2-Emissionen und es fällt kein radioaktiver Abfall an. Gute Vorzeichen für das Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern“. Ziems arbeitet an dem Forschungsprojekt zum Thema „Kraftwerksbetrieb bei Einspeisung von Windparks“ in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Technische Thermodynamik von Prof. Egon Hassel an der Universität Rostock.

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“Selbst Grundnahrungsmittel sind mit mehr MwSt belastet als internationale Flüge”

Dienstag 27. Juli 2010 von birdfish

Germanwatch spricht sich für die Einführung einer Steuer auf den Flugverkehr in Deutschland aus.

Flugverkehr muss adäquat besteuert werden
Flugverkehr muss adäquat besteuert werden – Foto: Arno Bachert / Pixelio

“Auch wenn die geplante Flugverkehrssteuer Defizite hat, ist zu begrüßen, dass der Flugverkehr endlich einen Teil seiner steuerlichen Privilegien verliert”, so Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch. “Selbst Grundnahrungsmittel sind mit mehr Mehrwertsteuer belastet als die davon komplett befreiten internationalen Flüge.”

Die Ticketsteuer sei jedoch zu kurz gedacht, denn ihr fehle die ökologische Lenkungswirkung. Sie sei mit der Ticketverteuerung aber ein erster Ansatz, um die Auswirkungen von Klimaerwärmung und Lärmbelästigung durch den Flugverkehr nicht mehr nur von der Allgemeinheit tragen zu lassen. Insgesamt entgingen dem Staat laut Umweltbundesamt durch die bevorzugte Behandlung des Luftverkehrs im Jahr 2008 Steuereinnahmen von 11,5 Milliarden Euro. Die Subventionierung des Flugverkehrs verzerrt den Wettbewerb zu Lasten der Bahn und anderer, umweltfreundlicherer Verkehrsmittel und sie stärkt die Marktposition des klimaschädlichsten Verkehrsträgers.

Die Flugverkehrssteuer hat auch eine soziale Komponente. “So ist die Flugverkehrssteuer eine der wenigen vorgeschlagenem Instrumente im Sparpaket, die auch zu einem großen Prozentsatz gerade die Besserverdienenden trifft. Wenn man auf sie verzichtet, wird an anderer Stelle zu Lasten der Schwächeren gekürzt oder sie werden auf anderem Wege zusätzlich besteuert “, erläutert der Germanwatch-Vorsitzende. Auch sollte sie auf jeden Fall nicht befristet, sondern unbefristet eingeführt werden. “Zunächst dient sie sicherlich nur zur Sanierung des Bundeshaushalts, doch in einem nächsten Schritt sollte zumindest ein Teil des Aufkommens in klima- und entwicklungspolitische Maßnahmen gelenkt werden”, so Milke weiter.

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Für Erarbeitung einer niedersächsischen Anpassungsstrategie neue Wege gegangen

Montag 28. Juni 2010 von birdfish

Umweltstaatssekretär Dr. Stefan Birkner und dem Vorsitzenden der Regierungskommission „Klimaschutz“, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, wurden jetzt im Hanse-Wissenschaftskolleg die „Hanse-Thesen“ überreicht.

Klimawandel schreitet auch in Deutschland voran
Der Klimawandel schreitet auch in Deutschland voran – Fotobox / Pixelio

Birkner lobte, dass mit der interdisziplinären Diskussion ein neuer, auch bundesweit einzigartiger Weg in der Anpassungsdiskussion eingeschlagen worden sei. Klimapolitik und insbesondere Klimaanpassungspolitik seien komplexe Handlungsfelder, die politische Entscheider vor große Herausforderungen stellen. Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen müssten berücksichtigt werden, um zielgerichtet agieren zu können. Insbesondere die Übersetzung aktueller natur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse in den politischen Prozess erforderten innovative Ansätze.

Wie lassen sich die Ergebnisse und Perspektiven unterschiedlicher Disziplinen zusammenbringen und so formulieren, dass sie im politischen Prozess geeignet verwendet werden können?
Für die Erarbeitung einer niedersächsischen Klimaanpassungsstrategie sind die niedersächsische Landesregierung in Kooperation mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg und der im Jahr 2008 eingesetzten Regierungskommission „Klimaschutz“ einen neuen Weg gegangen. Ein unabhängiges, interdisziplinär zusammengesetztes Wissenschaftsgremium aus den Natur-, Ingenieur-, und Wirtschaftswissenschaften sowie den Sozial- und Rechtswissenschaften diskutierte im Hanse-Wissenschaftskolleg über mögliche Eckpunkte einer niedersächsischen Klimaanpassungsstrategie. An dem Workshop nahmen auch der niedersächsische Umweltstaatssekretär Dr. Stefan Birkner sowie acht weitere Vertreter aus den Niedersächsischen Ministerien für Umwelt und Klimaschutz, für Wissenschaft und Kultur sowie für den Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz teil. Die Einbindung der Ministerien sollte gewährleisten, die entwickelten Thesen so zu formulieren, dass sie möglichst effektiv in den politischen Prozess integriert werden können.

Das Ergebnis dieses Workshops zur Klimaanpassungsstrategie sind zwölf „Hanse-Thesen“, die eine aus wissenschaftlicher Perspektive wünschenswerte zukünftige niedersächsische Klimaanpassungspolitik beschreiben. „Die Hanse-Thesen liefern wertvolle Hinweise, um unser Land auf den Klimawandel angemessen vorbereiten zu können“ betonte Staatssekretär Dr. Birkner. „Sie sind vor allem aber auch Ergebnis einer bemerkenswerten neuen Form der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Politik und Verwaltung: sie schaffen eine Brücke, um wissenschaftliche Erkenntnisse für die Politik entscheidungs- und umsetzungsfähig zu machen“, hob der Staatssekretär hervor.
Die „Hanse-Thesen“ sollen der Landesregierung und der sie unterstützenden Regierungskommission „Klimaschutz“ Anstöße für ihre weitere Arbeit geben – insbesondere für die Formulierung eines umfassenden Klimaprogrammes der Landesregierung im Jahr 2012. Der Vorsitzende der Regierungskommission „Klimaschutz“, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, führte aus, „dass Klimawandel insofern auch eine neue politische Aufgabe darstellt, als die damit einhergehenden Veränderungen in alle gesellschaftlichen Bereiche hineinwirken wie z.B. Tourismus, Landwirtschaft und -für ein Küstenland wie Niedersachsen besonders wichtig – in den Hochwasser- und Küstenschutz. Für diese Aufgabe wird die Regierungskommission wichtige Impulse liefern. Die Hanse-Thesen bilden für unsere Arbeit eine entscheidende Grundlage“. Dies sah auch der Mitautor der Hanse-Thesen, Prof. Dr. Bernd Siebenhüner so, und ergänzte mit dem Hinweis auf den zu erwartenden weiteren Anstieg des Meeresspiegels, „dass die Klimaanpassung eine in Zukunft immer dringlicher werdende Aufgabe für die Gesellschaft und damit auch für politisches Handeln in Niedersachsen darstellt“.

Prof. Dr. Andreas Ernst, ebenfalls Mitautor der Hanse-Thesen, wies bei der Vorstellung darauf hin, dass die Klimaanpassungsstrategien einerseits eine enorme Herausforderung für bestehende Politik bedeuten, weil unter sehr hoher Unsicherheit belastbare Entscheidungen zu treffen sind und andererseits diese Politik alle Politikfelder betrifft, man also sektorenübergreifend tätig werden muss.

Prof. Dr. Reto Weiler, Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs und Moderator des Prozesses bot an, dass sich das Gremium in absehbarer Zeit wieder trifft, um die Nachhaltigkeit und Umsetzung der formulierten Thesen zu überprüfen. Für Staatssekretär Dr. Birkner ist dieser neu eingeschlagene Weg der Prüfung und Übernahme wissenschaftlicher Erkenntnisse in politisches Handeln eine sehr effektive Form der Zusammenarbeit: „Der Prozess, der am Hanse-Wissenschaftskolleg begonnen hat, soll auch Vorbild für die weitere Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft und Verwaltung sein. Wir werden im Zuge der weiteren Erarbeitung der Anpassungsstrategien in absehbarer Zeit einen vergleichbaren Austausch mit der Wissenschaft suchen, um unsere Überlegungen für die Anpassungsstrategien vor dem Hintergrund der sich stetig erweiternden Erkenntnisse über den Klimawandel kontinuierlich zu überprüfen und zu konkretisieren. Hierfür ist das Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst genau der richtige Ort.“

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Klimawandel: Wasserknappheit und Dürren in Europa zunehmend ein großes Problem

Mittwoch 23. Juni 2010 von birdfish

Der Umweltministerrat hat gefährdete Mitgliedstaaten aufgefordert, dringend Risikomanagementpläne für Wasserknappheit und Dürre zu erstellen.

Die Dürre schreitet voran
Dürre und Überschwemmungen nehmen auch in Europa zu – Foto: Dagmar Struß

Er rief dazu auf, mit Wasser effizienter umzugehen. Denn Wasserknappheit und Dürren gehöre in vielen Teilen Europas zunehmend zu den großen Problemen. Wenn keine geeigneten Gegenmaßnahmen getroffen würden, werden der Klimawandel und der steigende Wasserbedarf die Lage noch verschärfen.

Die Umweltminister befürworteten in ihren Schlussfolgerungen konkret die Weiterentwicklung der europäischen Dürrebeobachtungsstelle. Sie soll Dürren vorhersagen, beurteilen und überwachen und den Austausch bewährter Verfahren fördern. Durch die Kombination verschiedener Ansätze wie Wasserpreis, intelligentere Bewässerungsmethoden, Wassereffizienz in Gebäuden, Landwirtschaft, Industrie und Tourismus sowie Sensibilisierungskampagnen soll nach dem Willen des Rates mehr Wasser gespart und das Wassernachfragemanagement gefördert werden. Weiterhin will der Umweltrat Investitionen in die Entwicklung neuer nachhaltiger Technologien für die Versorgung mit sauberem Wasser fördern.

Darüber hinaus verabschiedete der Umweltrat Schlussfolgerungen zur Anpassung von Wäldern an den Klimawandel. Darin rufen sie auf, die Kooperation zu nachhaltiger Forstwirtschaft zwischen der EU und der internationalen Ebene zu stärken und das Thema stärker in andere Politikbereiche zu integrieren.

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Wattenmeer: es liegt noch vieles im Argen – Anpassung an Klimawandel ist notwendig

Donnerstag 11. März 2010 von birdfish

Die bevorstehende Konferenz der Anrainerstaaten des Wattenmeeres am 17. und 18. März auf Sylt hat nicht nur Grund zum Feiern.

Kind im Watt
Kind im Watt – (c) Ingwer Hansen

Auch nach Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe durch die UNESCO sieht der WWF viele ungelöste Probleme.  Es drohe eine weitere Industrialisierung des Wattenmeeres durch Kohlekraftwerke, Ölförderung und übertriebenen Hafenausbau. Die Fischerei auf Muscheln und Krabben sei noch nicht naturverträglich. Das Risiko von großen Schiffsunfällen mit dem Austritt von Öl oder Chemikalien wachse. Und der durch den Klimawandel beschleunigt ansteigende Meeresspiegel bedrohe das Wattenmeer auf lange Sicht sogar in seiner Substanz. Der Bundestag müsse deshalb wichtige Weichen für die Zukunft des Wattenmeeres stellen.

„Wir müssen heute beginnen, die Anpassung des Wattenmeeres an den Klimawandel vorzubereiten“ sagte Hans-Ulrich Rösner, Projektleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland. „Dazu brauchen wir Forschungsarbeiten und Pilotprojekte, die zeigen, wie der künftige Schutz der Menschen vor Sturmfluten mit dem Erhalt der einmaligen Wattenmeerlandschaft auch bei steigendem Meeresspiegel in Einklang gebracht werden kann.“

Besonders kurz greifen die Konferenzvorbereitungen beim Thema Schiffssicherheit. Auch weiterhin soll das von der Internationalen Schifffahrtsorganisation im Jahr 2002 ausgewiesene „Besonders Empfindliche Meeresgebiet“ (PSSA) nur das Wattenmeer selbst umfassen -  ausgerechnet die Schifffahrtsrouten bleiben ausgenommen. „Die Schifffahrts- und Umweltministerien müssen endlich miteinander ins Gespräch kommen. Wir brauchen ein gemeinsames Konzept zur Vorbeugung gegen Schiffsunfälle, um die einmalige Wattenmeer-Natur, aber auch die Tourismuswirtschaft an der Nordsee vor den Folgen von Öl- und Chemikalienaustrittten schützen zu können“ fordert Rösner.

Beim Thema Bildung drohen bei der Wattenmeerkonferenz sogar Rückschritte. Zwar haben die drei Wattenmeerstaaten in den letzten Jahren mit der „Internationalen Wattenmeerschule“ ein vorbildliches Programm entwickelt. Mit ihm wurden Klassenfahrten in das Wattenmeer der Nachbarländer unterstützt und zahlreiche Hilfestellungen für die Informations- und Bildungsarbeit im Wattenmeer entwickelt. Ein ganzes Netzwerk von Infozentren in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden kann so erfolgreicher arbeiten. „Doch ausgerechnet kurz nach der Anerkennung als Weltnaturerbe, die doch eigentlich ein Mehr an Bildungsarbeit erfordert, droht nun die finanzielle Aushungerung,“ sagt Rösner. „Der WWF fordert von der Wattenmeerkonferenz eine Fortsetzung und Ausweitung der Aktivitäten der Internationalen Wattenmeerschule.“

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Wirtschaftliche Bedeutung der Artenvielfalt: Bruttosozialprodukt von 32 Billionen Dollar

Montag 8. März 2010 von birdfish

Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus, riesige Wirtschaftzweige sind auf eine intakte Natur angewiesen.

Arbeit der Bienen unbezahlbar
Arbeitsleistung der Bienen auf ca. vier Milliarden Dollar im Jahr geschätzt – (c) Dagmar Struß

Wissenschaftler schätzen, dass die Natur Jahr für Jahr ein Bruttosozialprodukt von 32 Billionen Dollar erwirtschaftet. „Angesichts dieser Dimensionen wird klar, dass es beim Schutz der biologischen Vielfalt nicht um Peanuts geht“, betont Günter Mitlacher vom WWF Deutschland. „Beim Artenschutz steht nicht allein die Rettung der Köcherfliege, sondern das Überleben der Menschheit auf dem Spiel.“ Der WWF fordert die wirtschaftliche Bedeutung der Natur stärker zu betonen und umweltzerstörerische Subventionen abzubauen.

„Will man den finanziellen Wert der Natur abschätzen, so ist das eine Gleichung mit vielen Unbekannten“, räumt Mitlacher ein. Breche man diese Gleichung auf einzelne Bereiche herunter, werde das Bild klarer. Allein die Leistung der Bienen als Produzenten von Honig und in Ihrer Rolle als Bestäuber zahlreicher Nutzpflanzen könne man auf etwa vier Milliarden Dollar im Jahr hochrechnen. Ein anderes Beispiel: Intakte Korallenriffe. Sie schützen die Küsten vor Sturmfluten und gelten als Kinderstube ungezählter Fischarten. Addiert man zu diesen Leistungen der Riffe die Einnahmen aus dem Tauchtourismus, so gehen Ökonomen von einer jährlichen wirtschaftlichen Leistung in Höhe von 170 Milliarden Dollar aus.

Der WWF betont, dass sich auch Investitionen in Naturschutzprojekte oft doppelt und dreifach auszahlen. Schätzungen zufolge könnte allein die Ausweisung von Meeresschutzgebieten eine Million Arbeitsplätze schaffen. Die Maßnahmen würden zugleich Fischerträge von 70 bis 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr sowie Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,5 bis 6,7 Billionen US-Dollar erbringen. Die Säuberung von Böden und Wasser, die Speicherung von Kohlendioxid durch Wälder und Ozeane oder die Bereitstellung von Medikamenten, die auf natürlichen Inhaltsstoffen beruhen, seien im Grunde unbezahlbar.

Auf vielen politischen Ebenen habe sich diese Erkenntnis leider noch nicht durchgesetzt, beklagt der WWF. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten friste der Artenschutz ein Schattendasein. Überfällige Investitionen in die ökologische Infrastruktur, etwa in die Renaturierung von Flußauen oder die Anlage von Naturwäldern werden als Luxus abgestempelt und verschleppt. Stattdessen klammere man sich an überholte Konzepte. Bestes Beispiel sei eine völlig verfehlte Subventionspolitik in der EU.

Der WWF Deutschland fordert den drastischen Abbau Umwelt zerstörender Subventionen z.B. für die Landwirtschaft und die Fischerei. Aktuellen Studien zufolge fließen weltweit Jahr für Jahr 670 Milliarden Euro an Staatshilfen in Branchen, die wesentlichen Anteil an der Zerstörung der Natur haben. „Diese  Geldverschwendung muss gestoppt und die Vergabe der Mittel an ökologische Kriterien geknüpft werden, um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu fördern“, so Günter Mitlacher vom  WWF.

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